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Andacht zu Epiphanias (Heilige Drei Könige – 6. Januar 2021)

Schriftwort: Johannes 2,8 b (Spruch des Tages)

Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon.

Liebe Schwestern und Brüder,

am Mittwoch ist der „Dreikönigstag“, im evangelischen Festkalender „Epiphanias“ genannt, griechisch für „Erscheinung des HERRN“. Für die katholischen Mitchristen ist dieser Tag ein hoher Feiertag. Erst recht für die orthodoxen Kirchen, die nach ihrer Tradition jetzt erst die Geburt Christi feiern. In der evangelischen Kirche steht dieser Festtag leider im Schatten. Die jahrhundertelange Tradition der Abgrenzung der Konfessionen voneinander hat hier sehr deutlich ihre Spuren hinterlassen.

Immerhin: In jedem klassischen evangelischen Krippenspiel gehören die „drei Könige“ zum unverzichtbaren Personal. Denn sie spielen in der biblischen Weihnachtsgeschichte des Matthäusevangeliums eine bedeutende Rolle. Und in den letzten Jahren kam noch mehr in Bewegung: Die Sternsinger als „Nachfolger“ der drei Heiligen Könige zum Dreikönigstag sind an manchen Orten auch unserer Region inzwischen ökumenisch unterwegs.

Nehmen wir also die Spur der „drei Könige“ auf. Zunächst einmal: Dass sie „Könige“ waren, ist eine Annahme, die sich erst ungefähr 250 Jahre nach der Geburt Christi in den christlichen Gemeinden verbreitete. So ganz aus der Luft gegriffen ist sie aus rein praktischen Überlegungen nicht: Die weite Reise aus „dem Morgenland“, also dem nicht näher definierten nahen oder fernen Osten, nach Jerusalem konnten sich einfache Leute nicht leisten – weder finanziell noch inhaltlich. Denn wer außer den Superreichen hatte die Zeit und das Geld, einem Stern hinterher zu ziehen? Sicher, Handelskarawanen zogen damals auch schon weite Wege. Aber denen hätten sich „echte“ Könige wohl kaum angeschlossen. Jeder von ihnen wäre mit einem großen Hofstaat unterwegs gewesen – was für eine Sensation! Kaum zu glauben, dass das an den römischen Besatzungsbehörden vorbei gegangen wäre, die dem Vasallenkönig Herodes sowieso nicht wirklich über den Weg trauten.

Aber das Bild von den drei Königen ist einfach zu schön. Denn hinzu kam ein theologischer Gedanke: die Wertschätzung des Heilands durch fremde Könige im Gegensatz zur ablehnenden Haltung der römischen Kaiser im 3. Jahrhundert. Dieser Gedanke wurde später noch ausgeweitet, als den drei Königen Namen „gegeben“ und sie als Vertreter der damals bekannten Kontinente betrachtet wurden, die keine Mühe scheuten, um dem Heiland zu huldigen.

Bei Matthäus steht kein Wort davon, dass die drei Fremden Könige gewesen seien, geschweige denn ihre Namen. Er bezeichnet sie als „Magier“ und meint damit keine esoterisch abgedrehten Persönlichkeiten oder Showmaster im Zaubereigeschäft, sondern hoch gebildete Wissenschaftler, die sich mit der Sternenkunde auskannten. Die Sternenkunde wurde damals noch nicht scharf getrennt von der Sterndeutung. Wissenschaftler also, die den Lauf der Planeten berechneten und gleichzeitig die Zeichen am Himmel zu deuten wussten.

Um dieses Himmelszeichen ging es Matthäus, um den berühmten Stern, der den Sternenkundigen bis heute noch Rätsel aufgibt. Alle astronomischen Erklärungsversuche sind bisher fragwürdig geblieben. Es gibt zwar einige kosmische Ereignisse, die damals zu einem hellen Stern am Himmel geführt haben können. Diese passen aber leider nicht wirklich in das „Zeitfenster“ der Geburt Jesu, selbst wenn dieses nur ungefähr um den Beginn unserer Zeitrechnung gefasst werden kann. Wie gesagt, Matthäus geht es um ein Himmelszeichen. Das brachte in den letzten Jahren Forscher auf die Idee, in der Sterndeutung nach einer Antwort zu suchen und sie wurden fündig:

Sie fanden eine „bedeutungsvolle Planetenkonstellation“ im Sternbild Löwe, die den Sternenkundigen aus dem Morgenland nicht entgangen sein dürfte: Der „Löwe“ ist das Sternbild Judas und wenn in diesem sich Sonne, Mond und Mars „versammeln“, die damals als Gottheiten verstanden wurden, dann geschah aus ihrer Sicht in Juda ein Ereignis von außerordentlicher Bedeutung, das sie unbedingt miterleben wollten. Also machten sie sich auf die weite Reise – und suchten natürlich zuerst den Palast des Herodes in Jerusalem auf – vergeblich und mit dramatischen Folgen, wie uns Matthäus berichtet. Dass er das Phänomen der „bedeutenden Planetenkonstellation“ gekannt haben wird, ist sehr wahrscheinlich. Dass er es in seinem Evangelium durch einen „hellen Stern“ umschreibt, war eine gute erzählerische Idee. Denn mit diesem Bild können seine Leser bis heute viel mehr anfangen.

Schlussendlich entdeckten die drei „Weisen“, wie der Begriff „Magier“ in vielen Bibelübersetzungen übertragen wird, weit ab vom Palast des Vasallenkönigs Herodes den neugeborenen Heiland und zogen erfüllt, aber schnell und heimlich auf Geheiß des Engels in ihre Heimat zurück. Sie hinterlassen eine deutliche Spur in der Geschichte des Christentums, die bis in unsere Tage reicht. Nicht nur als fantasievoll kostümierte Mitspieler beim Krippenspiel oder Mitsänger in den Sternensängergruppen, sondern weil uns ihre Geschichte auch viel über Gott und uns Menschen erzählt.

Sie erzählt von unserem Gott, der keine Grenzen kennt. Zeigt er sich doch den andersglaubenden Magiern in ihrer Denk – und Vorstellungswelt – dem Sternbild. Dass diese Magier nicht gleich darauf kommen, dass Gott ihnen da ein Zeichen gibt, ist typisch menschlich. Ebenso typisch menschlich ist das, was die Magier anschließend tun: Sie setzen alles daran, der Sache mit dem Sternbild auf den Grund zu gehen, nehmen alle Beschwernisse der langen Reise auf sich und sind immer überzeugt, die richtige Lösung gefunden zu haben, wenn sie nur in Jerusalem ankommen. Hier müssen sie erkennen, dass ihr Können allein nicht ausreicht. Das Himmelszeichen konnten sie zwar deuten, doch sie sind noch nicht am Ziel. Erst die alten Prophetenworte, die ihnen durch die Schriftgelehrten übersetzt werden, weisen ihnen den Weg zum Ziel ihrer Reise.

Dort begegnen sie dem Heiland, der sich finden lässt, auch wenn wir Menschen Umwege machen und eigentlich gar nicht wissen, dass wir nach IHM suchen. Sie erlebten, was der Evangelist Johannes beschreibt: Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon.

Das gilt auch für uns und macht Mut in dieser Zeit, in der Weihnachten für die meisten schon längst wieder in den Kartons und Schränken verschwunden ist und die alltäglichen Sorgen an uns zerren.

Amen

Gebet:

HERR Jesus Christus, DU bist der Morgenstern. Wir bitten DICH für alle Menschen, die auf der Suche sind nach Sinn und Glück. Schicke ihnen ein Zeichen des Himmels, damit sie zu DIR finden, dem Retter der Welt.

Wir bitten DICH für alle Menschen, die gefangen sind in den Irrtümern und Enttäuschungen ihres Lebens, die sich verrannt haben in ihrem Groll und ihrer Unzufriedenheit. Weite ihren Blick und ihre Herzen, dass sie neu aufbrechen zu DIR.

Wir bitten DICH HERR für uns, dass wir auf der Suche nach DIR bleiben, gerade dann, wenn wir meinen, DICH gefunden zu haben. Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN