Andacht
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Andacht zum 1. Sonntag nach Trinitatis

14. Juni 2020

Zum Sonntag:

Mit dem 1. Sonntag nach Trinitatis beginnt im Kirchenjahr nach evangelischer Tradition die so genannte „Zeit ohne Feste“, die erst mit dem Ewigkeitssonntag endet. Diese lange Frist bis dahin (23 Sonntage in diesem Jahr) wird dadurch strukturiert, dass jedem Sonntag ein eigener inhaltlicher Schwerpunkt zugeordnet ist. Der 1. Sonntag dieser Reihe fordert uns als Christen auf, Gottes Wort nicht nur zu hören, sondern es auch zu leben.

Schriftwort: Lukas 16, 19 – 31

Jesus erzählt ein Gleichnis: »Es war einst ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und feinstes Leinen und lebte Tag für Tag herrlich und in Freuden. Vor dem Tor seines Hauses lag ein Armer; er hieß Lazarus. Sein ganzer Körper war mit Geschwüren bedeckt. Er wäre froh gewesen, wenn er seinen Hunger mit dem hätte stillen können, was vom Tisch des Reichen fiel; aber nur die Hunde kamen und leckten an seinen Wunden.

Schließlich starb der Arme. Er wurde von den Engeln zu Abraham getragen und durfte sich an dessen Seite setzen.

Auch der Reiche starb und wurde begraben. Im Totenreich litt er große Qualen. Als er aufblickte, sah er in weiter Ferne Abraham und an dessen Seite Lazarus. ›Vater Abraham‹, rief er, ›hab Erbarmen mit mir und schick Lazarus hierher! Lass ihn seine Fingerspitze ins Wasser tauchen und damit meine Zunge kühlen; ich leide furchtbar in dieser Flammenglut.‹ Abraham erwiderte: ›Mein Sohn, denk daran, dass du zu deinen Lebzeiten deinen Anteil an Gutem bekommen hast und dass andererseits Lazarus nur Schlechtes empfing. Jetzt wird er dafür hier getröstet, und du hast zu leiden. Außerdem liegt zwischen uns und euch ein tiefer Abgrund, sodass von hier niemand zu euch hinüberkommen kann, selbst wenn er es wollte; und auch von euch dort drüben kann niemand zu uns gelangen.‹

Dann, Vater‹, sagte der Reiche, ›schick Lazarus doch bitte zur Familie meines Vaters! Ich habe nämlich noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit sie nicht auch an diesen Ort der Qual kommen.‹ Abraham entgegnete: ›Sie haben Mose und die Propheten; auf die sollen sie hören.‹ ›Nein, Vater Abraham‹, wandte der Reiche ein, ›es müsste einer von den Toten zu ihnen kommen; dann würden sie umkehren.‹ Darauf sagte Abraham zu ihm: ›Wenn sie nicht auf Mose und die Propheten hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.‹«

Liebe Schwestern und Brüder!

Jesus war ein genialer Erzähler. Seine Themen waren mitten aus dem Leben gegriffen und ließen den Atem seiner Zuhörer stocken. Nicht anders bei dieser bekannten „Geschichte vom armen Lazarus“, wie sie meist verkürzt genannt wird. Denn um den geht es nicht in erster Linie. Der ist versorgt, jedenfalls nach seinem Tod. Er sitzt im wahrsten Sinn des Wortes „in Abrahams Schoß“- und spricht kein einziges Wort. Ist er sprachlos vor Freude über sein himmlisches Glück? Oder weiß er nicht, was er reden soll mit diesem Reichen, der ihn Zeit seines Lebens direkt vor seiner Tür hat achtlos liegen lassen?

Ja sogar jetzt noch, als er, der Reiche, im Höllenfeuer schmort, diese Hochnäsigkeit: Nicht etwa: Lazarus, hilf mir! Sondern: Vater Abraham, schick Lazarus hierher, dass er mir die Lippen kühle!

Einmal Diener, immer Diener. Einmal Knecht, immer Knecht. Im Himmel und auf Erden. Wie bei den alten Ägyptern, die sich das ewige Leben als eine Fortsetzung ihres irdischen Daseins vorstellten. Der Pharao blieb König im Jenseits und die Sklaven blieben Sklaven. Kann sein, dass sich der Reiche für einen König hält. Purpurgewänder soll er getragen haben zu Lebzeiten, erzählt Jesus. Die extrem teure Purpurfarbe war damals die Farbe der Herrscher.

Aber die Rechnung des Reichen geht nicht auf. Das ewige Leben ist eben keine einfache Weiterführung der irdischen Lebensweise mit „oben“ und „unten“. Sondern Jesus erzählt von der ausgleichenden Gerechtigkeit Gottes. Die Selbstsüchtigen, die Rücksichtslosen, die Unverschämten, die Geizigen, die Hinterhältigen, alle, die hier so clever auf Kosten anderer durchs Leben kommen und immer das beste Stück vom Kuchen abkriegen, die werden einst erstaunt feststellen müssen: Im Himmel klappt es nicht mit Vordrängeln. Nicht einer ihrer Kniffe und Drehs wird ihnen weiterhelfen. Und Jesus erzählt, dass Abraham dann zu ihnen sagen wird: Mein Sohn, denk daran, dass du zu deinen Lebzeiten deinen Anteil an Gutem bekommen hast.

Drastische Worte findet Jesus, wenn er seinen Zuhörern klar machen möchte: Es gibt ein zu spät. Unabänderlich, alternativlos, nicht verhandelbar. Auch das muss der Reiche erst lernen, obwohl ihm das Höllenfeuer fast die Luft nimmt. Er sträubt sich. Er diskutiert. Und selbst als er feststellen muss, dass es ihm selbst nichts bringt – für seine Brüder, alle sicher ähnlichen Kalibers wie er gewesen ist, diskutiert er weiter. Denn er kannte es sein ganzes Leben nicht anders – Für ihn war bisher alles verhandelbar und ich kann mir gut vorstellen: Am Ende hat er in den meisten Fällen seinen Willen bekommen. Grenzen? Einschränkungen? Vorschriften – und mögen sie sonst wie sinnvoll und berechtigt sein? Von berühmten Autoritäten und versierten Fachleuten formuliert? (Damals die Propheten und Mose…)? Ein „Ja aber…“ ist es allemal wert, wenn nicht gleich ein „ich seh das aber anders…“ oder „das geht heute so überhaupt nicht mehr, da bist du nur der Dumme“… . Von da ist es nur ein winziger Schritt zum: „mit mir nicht zu machen…“.

Aber was, wenn verhandeln sinnlos ist? Da hilft nur, das Verhalten zu ändern. Beizeiten lernen, sich gerecht zu verhalten, auch an die anderen denken und Einschränkungen in Kauf nehmen, wenn sie allen nützen und vor allem Schwache schützen sollen. Gerade, wenn ich mich nach menschlichem Ermessen nicht zu den Schwachen zu zählen brauche. Das wäre doch schon einmal ein Anfang. Klingt einfach, ist es aber nicht, sagt unsere eigene Erfahrung gerade jetzt in der Corona – Krise.

Dass das nicht erst jetzt ein Riesenproblem ist, Menschen zu einer Veränderung ihrer Verhaltensweisen zu bewegen, erzählt uns Jesus in seiner Geschichte vom armen Lazarus und dem Reichen. ›Nein, Vater Abraham‹, wandte der Reiche ein, ›es müsste einer von den Toten zu ihnen kommen; dann würden sie umkehren.‹ Darauf sagte Abraham zu ihm: ›Wenn sie nicht auf Mose und die Propheten hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.‹«

Es gibt sie besonders im Blick auf die Verhaltensweisen: die Unbelehrbarkeit. Selbst wenn einer von den Toten wiederkommt, selbst die Auferstehung Jesu wird daran nichts ändern. Da kann sich der EWIGE mit SEINER allumfassenden Liebe die größte Mühe geben – wenn das Herz des Menschen „verstockt“ ist, kann auch ER es nicht erwärmen. Denn der HERR hat uns als Wesen mit freiem Willen geschaffen und er wusste, was er tat.

So haben wir die Chance, zu Selbsterkenntnis, Demut und Vertrauen zu Christus zu finden – gebe es Gott – bevor es zu spät ist. Amen.

Gebet:

HERR, Du gehst mit uns durch die Zeit unseres Lebens.

Lass Deine Liebe auch durch uns spürbar werden für die, die wir übersehen neben uns in ihrer äußeren oder inneren Not. Öffne unsere Augen und weite unsere Herzen.

Lass Deine Liebe auch spürbar werden durch uns für die, die wir noch hungern lassen. Hilf uns, dass wir gerecht zu teilen lernen.

Du Gott des Lebens, Dein Wort gibt uns täglich neuen Mut und ruft uns auf den Weg des Lebens. Dafür danken wir Dir.

Beten wir das Vaterunser

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN