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Andacht zum 3 . Adventssonntag

13. Dezember 2020

Schriftwort: Jesaja 40, 3+10 (Wochenspruch)

Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, ER kommt gewaltig.

Liebe Schwestern und Brüder!

Heute feiern wir den dritten Advent und spätestens jetzt beginnt der Endspurt auf Weihnachten. Da ändert auch die Pandemie kaum etwas daran. Sie macht das Ganze nur deutlich anstrengender als es so schon immer war. In der Familie ist jetzt viel zu planen, zu entscheiden, um das Fest oder besser: die Reihe der Festtage so gut es geht vorzubereiten.

Aber noch ist nicht Weihnachten, auch die Zeit bis dahin nicht mehr lang ist und zum Beispiel die Fußgängerzone in unserer Stadt mit tausenden Lämpchen erleuchtet wird, um die Menschen in „weihnachtliche Stimmung“ zu versetzen.

Noch ist nicht Weihnachten und es tut gut, den Endspurt für einen kurzen Moment zu unterbrechen, um uns zu besinnen: Worauf es eigentlich ankommt im Advent und wie es gelingen kann, dass wirklich Weihnachten wird, innerlich und erfüllt, gerade in dieser schwierigen Zeit.

Eine Unterbrechung ist eine kurze Erholungspause, keine Störung. Viele Menschen hören sich in solch einer Pause ihre Lieblingsmusik an. Im Advent könnten das auch die bekannten Lieder sein, die sonst auch gern auf den Weihnachtsmärkten als Hintergrundbeschallung laufen. Nichts gegen diese Musikgestaltung, aber heute wollen wir einmal genauer hinhören, worauf es eigentlich ankommt im Advent. Dazu gibt es ein Lied, das ich noch nirgendwo in einer Dauerschleife gehört habe: das Adventslied „Mit Ernst, o Menschenkinder“, zu finden im Evangelischen Gesangbuch unter der Nr. 10.

Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt, bald wird das Heil der Sünder, der wunderstarke Held, den Gott aus Gnad allein der Welt zum Licht und Leben versprochen hat zu geben, bei allen kehren ein.“

Den Text dieses Liedes dichtete der Königsberger Rektor Valentin Thilo in der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Seine heute noch bekannte Melodie stammt aus Italien.

Das Lied eignet sich nicht als Schlager in der Adventszeit. Das stellt gleich die erste Textzeile klar: Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt“. Sich auf Weihnachten vorzubereiten, ist eine ernste Angelegenheit und eine Herzenssache dazu. Da geht es nicht nur um Gemütlichkeit im Kerzenschein, um Tannenduft und das hoffentlich passende Geschenk. Da kommt Besuch – und zwar von allerhöchster Stelle und bei allen! Dieser Gast ist wie kein anderer, kein bisschen interessiert an Äußerlichkeiten, sondern nur daran, wie es in unserem Herzen aussieht. Hausputz also einmal ganz anders, im Inneren, ist angesagt. Wie der gelingen kann, beschreibt der Dichter Valentin Thilo in der nächsten Strophe:

Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast; macht seine Steige richtig, lasst alles, was er hasst; macht alle Bahnen recht, die Tal lasst sein erhöhet, macht niedrig, was hoch stehet, was krumm ist, gleich und schlicht.“

Der innere Hausputz ist ganz einfach. Der Dichter nimmt den Gedanken des Jesaja auf: „Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, ER kommt gewaltig.“ und bringt es auf den Punkt: „Lasst alles, was ER hasst“. Alles zu vermeiden, was Gott zuwider ist: Den Neid weglassen, die Besserwisserei, alles Raffen, jede offene oder versteckte Feindseligkeit, jedes Machtspielchen und jede überzogene Selbstdarstellung. In sich gehen, „vor der eigenen Haustüre kehren“ und wegzulassen, was dem besonderen Gast zuwider ist.

Für diejenigen, die sich nicht sicher sind, was dem hohen Gast eine Freude bereitet, fährt der Dichter in der nächsten Strophe fort: „Ein Herz, das Demut liebet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmut übet, mit Angst zugrunde geht; ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, das kann sich recht bestreiten, zu dem kommt Jesus Christ.“ Was für ein Lied! Ernst, innerer Hausputz, alles lassen, was normalerweise meist „einfach so passiert“, und jetzt auch noch demütig sein! Das totale Gegenteil der aufgekratzten „Vorweihnachtsstimmung“ also!

Aber wer demütig ist, ist beileibe nicht unterwürfig. Sondern erkennt sich selbst als Mensch unter Menschen, mit Stärken und Schwächen. Diese Erkenntnis stimmt versöhnlich und barmherzig. Eine verlockende Aussicht nicht nur für den Advent, oder? Zweifelsohne. Wenn es da nicht immer ein Problem gäbe: den Menschen. Denn es menschelt gewaltig nicht nur um uns herum, sondern auch in uns drin. Wie lange halten gute Vorsätze an? Und wie schnell ist das frisch geputzte Herz wieder bekleckert oder gar verkrustet mit unserer alten Unart? Da war der Dichter Valentin Thilo wohl doch ein wenig zu optimistisch. Deshalb hat ein anderer zwanzig Jahre später noch eine vierte Strophe hinzugefügt:

Ach mache du mich Armen zu dieser heilgen Zeit aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit. Zieh in mein Herz hinein vom Stall und von der Krippen, so werden Herz und Lippen dir allzeit dankbar sein.“ HERR, ohne DEINE Hilfe bleibe ich auf der Strecke, schaffe es nicht, über meinen Schatten zu springen. Hilf DU mir, mache DU mich bereit, DICH zu empfangen. Bereit sein, Hilfe anzunehmen, das ist noch viel mehr als die Selbsterkenntnis, ein Mensch unter Menschen zu sein mit Stärken und Schwächen. Das ist schon der erste Schritt, dem HERRN die Tür zu öffnen und IHN hereinzubitten. Wir schauen heute auf das, worauf es wirklich ankommt. Suchen Sie sich das Lied in Ihrem Gesangbuch oder lassen Sie es sich im Internet in einer kurzen Erholungspause während des „vorweihnachtlichen Endspurts“ sogar vorsingen. Wenn Sie mögen, können Sie auch die Strophe, die Sie am meisten anspricht, abschreiben oder herauskopieren als Begleiterin für die nächsten Tage. Dann haben Sie immer eine kleine heilsame Unterbrechung dabei, die den Weg für den Höchsten bereiten hilft. Amen

Gebet:

HERR unser Gott, Du Erlöser der Welt, DU hast uns verheißen, in unsere Welt zu kommen. Noch warten so viele Verängstigte auf DEINE Freude; noch finden Gejagte und Verfolgte keinen Schutz; noch verlieren Verbitterte ihre letzte Hoffnung.

HERR, unser Gott, es ist Zeit, komm in unsere Welt! Hilf uns, geduldig zu sein und gleichzeitig auch unsere Hoffnung weiterzugeben. Sei allen nahe, die DEINER Barmherzigkeit bedürfen.

HERR, unser Gott, wir danken DIR, dass in unseren Kirchen und Gemeinden DEIN Lob auch in dieser schwierigen Zeit erklingt und Menschen zueinander finden. Erhelle den Weg durch diese Zeit zu DIR.

Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN