Andacht
Andachten

Andacht zum 4. Sonntag der Passionszeit, 14. März 2021

Die siebente Station: Jesus fällt zum zweiten mal unter dem Kreuz

Schriftwort: Johannes 12,24 (Wochenspruch)

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein, wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Gedanken zum Text:

Immer wieder diese Frage – der Evangelist Johannes konnte sie wohl schon bald nicht mehr hören: Warum musste Jesus leiden, wenn ER doch Gottes Sohn war, ja sogar Gott in IHM, wie du geschrieben hast am Anfang deines Evangeliums, Johannes? Wenn der EWIGE IHN, den Christus, höchstpersönlich vom Himmel schickt, dann hätte ER das Erlösungswerk doch um einiges eleganter und würdiger gestalten können?! Musste ER unbedingt dabei vor die Hunde gehen? Musste es unbedingt diese schmachvolle Todesfolter am Kreuz sein? Auf diese Art hingerichtet zu werden, war die größtmögliche Erniedrigung eines Menschen im römischen Reich. Und wer einem Gekreuzigten folgte, wer sogar behauptete, dieser sei der Messias, der war in den Augen der Außenstehenden keinen Deut besser. Warum also musste Jesus leiden und sterben?

Und überhaupt: Ist aus rein menschlicher Sicht nicht jedes Leid, jeder Tod am Ende sinnlos, weil das Leben zerstört wird? Sicher, man kann alles schönreden. Man kann vom „Heldentod“ reden oder vom „Tod auf dem Feld der Ehre“, um der Grausamkeit des Sterbens im Krieg nicht ins Gesicht sehen zu müssen. Auch in Friedenszeiten bemüht man sich, dem Tod einen Sinn zu geben. Neuerdings wird zum Beispiel immer wieder lautstark vom „selbst bestimmten Sterben“ gesprochen. Nach meinem Eindruck verbirgt sich dahinter nichts anderes als die schreckliche Wahrheit eines Selbstmordes aus Hoffnungslosigkeit oder verlorenem Lebenssinn.

Johannes findet eine Antwort auf die bohrende Frage der Menschen aus seiner Gemeinde. Er erkennt, dass im Leiden und Sterben Jesu eben doch ein Sinn liegt. Und er kann seine Gedanken in einem Vergleich aus dem Leben seiner Zuhörer formulieren, den sie sofort verstehen:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein, wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

Schaut euch um, wird er dann gesagt haben: Jesus wurde gekreuzigt – und doch finden immer mehr Menschen zum Glauben. Das ist auch heute noch so. Zugegeben: In unserer satten Wohlstandsgesellschaft merken wir seit Jahren nichts davon. Rückläufige Zahlen, geschwundene Erwartungen an Kirche bestimmen das Bild. Und die meisten derer, die überhaupt noch etwas erwarten, denken: „Mit der Kirche ist es wie mit der Feuerwehr. Gut zu wissen, dass es sie gibt. Und noch besser, wenn man sie nicht braucht.“

In den ärmsten Regionen dieser Welt hingegen wachsen die christlichen Gemeinden in rasantem Tempo, weil sie konkrete Hilfe in der Bewältigung des Alltags organisieren und eine Gemeinschaft bieten, die im Vertrauen in die Liebe Gottes getragen ist. Wie das bei uns aussehen könnte, ganz konkret, hier und heute, in der Krise und bei der Bewältigung ihrer Folgen, wäre auch einmal ein bedenkenswertes Thema für die Fastenzeit.

Grafik. J.Reichmann

Gedanken zum Bild:

Schon wieder geht Jesus in die Knie, kann er die Last des Kreuzes nicht mehr schleppen. Seine Kräfte versagen. Manche der Umstehenden erschrecken, andere halten die Luft an: Da liegt ER wie ein Häufchen Unglück, SEINE Gestalt ist kaum mehr auszumachen unter dem wuchtigen Balken. Erneut muss er Anlauf nehmen, um sich hoch zu stemmen. Das sieht aus unserer Perspektive der Zuschauer ziemlich hoffnungslos aus. In dieser Körperhaltung wird er wohl kaum wieder auf die Beine kommen. Das höhnische Lachen vieler Umstehenden klingt nur noch gepresst und hohl. Die kühlen Rechner unter den Soldaten überschlagen den Zeitbedarf des Verurteilten für die verbleibende Wegstrecke bis zur Hinrichtungsstätte und machen sich auf einen verspäteten Feierabend gefasst. Das macht sie wütend und so schlagen sie mit ihren Peitschen auf Jesus ein, bis es ihm doch noch einmal gelingt, unter dem Grölen der Massen und den Schreien der Henkersknechte auf die Beine zu kommen. Wie weit wird er kommen? Wieder nur ein paar Schritte?

Die Welt ist voll von Beispielen erschöpfter Menschen. Menschen, die nicht nur einmal ganz von vorn anfangen mussten und müssen. Lebensgeschichten erzählen davon, Fluchtgeschichten in den Monaten des Kriegsendes 1945, aus der DDR, aus Syrien und Afghanistan. Vielleicht haben wir selbst die Erfahrung machen müssen: Nichts geht mehr? Schlimm, wenn uns andere in solch ein Tief hinein treiben. Was aber, wenn wir uns selbst hinein geritten haben? Wenn wir einen Fehler gemacht oder gar Schuld auf uns geladen haben und nun nicht mehr wissen, wie wir wieder aus dieser Falle heraus kommen sollen? Dann drückt uns das Kreuz unserer Schuld fast die Luft ab. Und es nur einen Weg durch ein solches Tief, der mit einem Satz beginnt, der sich schwerer sagt als „Ich liebe dich“. Er liegt erst im Magen wie zu viel fettiges Essen. Dann steckt er als Kloß im Hals fest, im Mund lähmt er Zunge, Lippen, Gaumen. Er wehrt sich bis zuletzt dagegen, gesagt zu werden. Der Satz heißt: „Ich war´s“ oder auch: „Ich bin schuld, ich hab´s verbockt, ich bin verantwortlich. Ich bekenne mein Versagen.“ Aber wer wirklich wieder auf die Beine kommen will, kommt um diesen Satz nicht herum. Amen

Gebet:

HERR, unser Gott, wir bitten um DEIN Erbarmen für alle Menschen, die von anderen bis zur Erschöpfung angetrieben und ausgenutzt werden und keinen Ausweg mehr sehen. Stehe ihnen bei.

HERR, unser Gott, wir bitten DICH für alle Menschen, die andere ständig drangsalieren und vorwärts treiben aus eigenen Interessen. Lass sie zur Besinnung kommen und ihr Handeln verändern.

HERR, unser Gott, wir bitten für die, die durch eigenes Versagen oder eigene Schuld in ein tiefes Loch gefallen sind, dass sie den Mut haben, zu ihrer Schuld zu stehen und bitten DICH: lass uns DEIN Licht auch in unseren dunklen Momenten sehen können.

HERR, unser Gott, wir bitten DICH, hilf uns, bescheiden zu sein und friedvoll und stärke unser Vertrauen in DEINE Liebe, die unsere Welt erneuert, DEINE müde Kirche weckt und uns allen DEINE Zukunft schenkt.

Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN