Andachten

Andacht zum 5. Sonntag der Passionszeit, (Iudica), 21. März 2021

Die neunte Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

Schriftwort: Matthäus 20,28 (Wochenspruch)

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass ER sich dienen lasse, sondern dass ER diene und gebe SEIN Leben als Lösegeld für viele.

Gedanken zum Text:

Mit Lösegeld werden Gefangene freigekauft, Übeltäter und Verurteilte. Daraus ergeben sich eine Reihe von Fragen: Wer sind die Verurteilten und wessen werden sie beschuldigt? Wer hat sie angeklagt und in Haft genommen? Das einzige, was fraglos klar ist: Das Lösegeld bezahlt der Menschensohn – aber warum mit SEINEM Leben? Die erste Frage hat eine sehr unangenehme Antwort: Die Verurteilten sind wir. Und gleich die Antwort auf die zweite Frage: Der EWIGE selbst klagt uns an. Und zwar, weil wir immer wieder tun, was wir unbedingt unterlassen sollen und unterlassen, was wir unbedingt tun sollen. Unser Leben ist ein Hin und Her zwischen guten Taten und bösen Gedanken, aus Wertschätzung gegenüber den einen und Schadenfreude gegenüber den anderen. Es ist ein Gemisch aus Liebenswürdigkeit und Selbstsucht. Da kommen wir nicht wirklich raus. Darüber hinaus sind wir auch noch vergesslich – Gott gegenüber. Leben und entscheiden so, als ob es IHN nicht gäbe und wundern uns, was dabei herauskommt: Hass und Gleichgültigkeit statt Verständnis und Liebe in Familien, unter Mitmenschen, ungezählte verpasste Momente zur Versöhnung, Vorurteile und Rechthaberei ohne Ende – kurz: verschwendetes, verfehltes Leben. ER hat also allen Grund, uns haftbar zu machen und unwiderruflich ins Verderben rennen zu lassen.

Aber ER weiß auch, dass wir es aus eigenem Willen und eigenen Möglichkeiten niemals schaffen, über unseren Schatten zu springen und alles wieder in Ordnung zu bringen. Deshalb bringt ER es von sich aus wieder in Ordnung.

Der Preis ist allerdings sehr hoch, für Menschen unvorstellbar hoch: ER selbst wird Mensch in Christus und durchlebt am eigenen Leib alles, was Menschen einander antun können. Schimpf und Schande, Qual, Folter und Tod – nichts bleibt IHM erspart. Und doch unterliegen am Ende Bosheit, Hinterlist und Gewalt. Der Sieg gehört der Liebe Gottes, die stärker ist als der Tod, die Mut und Kraft für das Leben schenkt für alle, die ihr vertrauen können.

Grafik:. J.Reichmann

Gedanken zum Bild:

Schon wieder stürzt Jesus unter dem Kreuz. Jeder Meter des Weges hat ihn zermürbt. Und jetzt hat ihn die Last des Kreuzbalkens sogar der Länge nach zu Boden geworfen. Eingeklemmt ist sein Kopf, das Gesicht liegt im Dreck. Was für eine Schmach! Die Schadenfrohen kommen jetzt voll auf ihre Kosten! Seht ihn euch doch an, dieses Häufchen Unglück! Den haben seine Anhänger für den Messias gehalten?! Die müssen doch blind und dumm gleichzeitig gewesen sein! Aber wer wie Jesus ganz am Boden liegt, den erreichen die Hohnrufe und das bösartige Lachen der Spötter nicht mehr wirklich. Der ist völlig erledigt, um den wird es dunkel und kalt. Wer einsam und am Boden ist, spürt die Kälte bis auf die Knochen, kann sich nicht mehr wehren, will nur noch, dass es so schnell wie möglich vorbei ist, nimmt sein Schicksal an, ist bereit zu sterben… Aber das alles heißt nicht, dass Jesus aufgeben würde. ER wird sich wider allen Spottes und wider aller Berechnung noch einmal mit allerletzter Kraft aufrichten, um SEINEN Weg bis zum Ende zu gehen. ER geht ihn unter Peitschenhieben und Gejohle zwar, aber doch in der Annahme SEINES Leides so großartig und einmalig. Und auf einmal wird allen, die nur ein wenig Herz und Verstand haben, das armselige und erbärmliche Wesen all seiner Peiniger bewusst. Klar, dass sie sich entlarvt fühlen und jetzt um so heftiger schreien, peitschen und grölen.

Dreimal fällt Jesus unter der Last des Kreuzbalkens auf seinem letzten Weg. Dreimal – das Maß ist voll und nur noch durch die Vollstreckung des Todesurteils zu steigern, denn jedes mal fällt er ein Stück tiefer. Keine Tiefe, kein Abgrund des Lebens ist ihm fremd, bis hin zur tiefsten Einsamkeit inmitten des Gewühls der Menschen. Jesus in den Tiefen des Lebens, dort, wo die Menschen nach Hilfe schreien, nach Gott. Jesus in den Abgründen des Lebens, wo es keinen Ausweg mehr zu geben scheint. Er geht mit uns Menschen dort hinein und hilft uns dadurch, unser Leid anzunehmen. Und damit nimmt er schon eine gewaltige Last von unseren Schultern und trägt sie selbst. Nicht selten werden Menschen, die ihr Leid wirklich annehmen können, anderen zur Hilfe und zur Stärkung. Von ganz unten so zu sagen, direkt vom Fundament des Lebens aus. Wünschen wir uns das nicht für uns selbst? Unsere Würde bewahren zu können, auch wenn es uns ganz schlecht geht, wenn wir niedergeschmettert am Boden liegen, in jeder Bewegung, in jeder Lebensäußerung angewiesen auf die Hilfe anderer? Kann mir nicht passieren, sagen viele, dass ich jemals in solch eine Situation komme. Doch das Leben zeigt: Ein Unfall reicht aus, eine akute Krankheit oder ein langsames Dahindämmern am Ende des Lebens und aus einer geachteten Persönlichkeit wird ein hilfloser Pflegefall. Die Pflegekräfte in den Heimen arbeiten hart, gerade auch unter den aktuellen Bedingungen und es ist eine Gnade, wenn sie dabei auch den Blick für die Würde der hilflosen Bewohnerinnen und Bewohner wahren können. Amen

Gebet:

HERR, unser Gott, DU hast uns durch Jesus Christus berufen zur Hoffnung. DU willst, dass auch durch uns fehlerhafte und unvollkommene Menschen DEIN Reich komme in dieser Welt.

HERR, unser Gott, ruf uns heraus aus der Furcht und stärke unser Vertrauen in DEINE Liebe, dass wir unser Leben als Gabe für uns und Menschen um uns herum erkennen.

HERR, unser Gott, wir bitten DICH um DEIN Erbarmen für alle Menschen, die mit ihrer Kraft am Ende sind, dass ihre Würde gewahrt wird und für alle Menschen, die Verantwortung für hilflose Menschen tragen, dass sie ihre Mitmenschlichkeit mit deiner Hilfe bewahren können.

HERR, unser Gott, wir bitten DICH auch für alle Menschen, die in die Knie gehen, weil sie sich zu viele Lasten anderer aufgebürdet haben und für die, denen von anderen immer mehr aufgebürdet und zugemutet wird.

Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN