Osterzeit 2021

Andacht zum Ausklang der österlichen Freudenzeit, Woche vom 16. -22. Mai 2021

Schriftwort: Psalm 16, 8b + 10a + 11

Weil der HERR mir zur Seite steht, werde ich nicht zu Fall kommen. Meine Seele wirst DU nicht dem Totenreich überlassen. DU zeigst mir den Weg zum Leben. Dort, wo DU bist, gibt es Freude in Fülle; ungetrübtes Glück hält DEINE Hand ewig bereit.

Gedanken zum Text:

Die österliche Freudenzeit klingt in dieser Woche aus. Klingt sie auch noch nach? Oder sind wir schon längst wieder in Gedanken woanders, bei unseren täglichen Sorgen und Problemen? Das wäre in diesem zweiten Pandemiejahr kein Wunder. Solch eine lang andauernde und allgemeine Verunsicherung haben wir seit langem nicht mehr erlebt. Niemand konnte eine Patentlösung aus der Schublade ziehen. Wir mussten alle gewohnten Lebensabläufe von vorn buchstabieren, um eine unbeherrschbare Katastrophe zu vermeiden. Aber gerade deshalb tut es gut und stärkt die Seele, Ostern noch einmal in uns nachklingen zu lassen, die Gewissheit, dass Jesus von den Toten auferstanden ist und dass wir durch unsere Taufe mit IHM verbunden sind.

Mit IHM sind wir verbunden und miteinander im Glauben. Gut zu wissen, wenn es ernst wird. Dass niemand von uns allein glauben und leben muss. Denn der persönliche Glaube kann zutiefst erschüttert werden, kann zerbrechen oder im Alltag auch einfach vertrocknen. Es gibt Zeiten im Leben, da muss sich der eigene Glaube auch anlehnen dürfen, abstützen und aufrichten am Glauben der anderen. Da muss er sich festhalten können an dem, was sich für andere bewährt hat, an dem, worauf die Gemeinschaft der Christen in ihrer Vielfalt seit 2000 Jahren vertraut. Dieses Vertrauen wächst aus der Überlieferung des Glaubens Israels, wie unser Schriftwort zeigt: „Weil der HERR mir zur Seite steht, werde ich nicht zu Fall kommen. Meine Seele wirst DU nicht dem Totenreich überlassen. DU zeigst mir den Weg zum Leben.“ Uralte Worte – von zeitloser Gültigkeit und Kraft. Sie haben immer wieder Menschen Halt und Orientierung gegeben, Luft zum Atmen verschafft und ihnen geholfen, den Rücken zu straffen und den Blick zu heben. Österlich eben: Der HERR überlässt Jesus nicht dem Totenreich, sondern öffnet uns durch IHN den Weg zum Leben. Wunderbar, dieser Ausblick zum Schluss: „Dort, wo DU bist, gibt es Freude in Fülle; ungetrübtes Glück hält DEINE Hand ewig bereit.“ Das ist nicht nur ein herrliches Bild vom Himmel, das könn(t)en wir auch schon auf Erden erleben. Wie und wann, fragen Sie? Die Antwort ist recht einfach: Wo die Liebe wohnt und die Güte, da ist Gott – so heißt es in einem Liedruf aus der ökumenischen Bruderschaft von Taize.

F oto: Privat (J. Reichmann) – Kapelle der Armenischen Gemeinde im Untergeschoss der Grabeskirche in Jerusalem

Gedanken zum Bild:

Die über dem Felsengrab Jesu errichtete Kirche in Jerusalem ist heiliger Ort und Zankapfel zugleich: Verschiedene christliche Konfessionen, unter anderem die Römisch – Katholische, die Griechisch Orthodoxe, aber auch „kleinere“ wie die Armenische oder die Koptische Kirche beanspruchen eifersüchtig „ihren“ Teil der Kirche für sich – und das geht nicht immer geschwisterlich zu. Unterschiedliche Liturgien und Glaubenstraditionen prallen aufeinander. Lautstark schmettert die katholische Orgel mitten hinein in einen orthodoxen Gottesdienst mit feierlichen Gesängen (ich war Ohrenzeuge), so dass dieser unterbrochen werden musste. Die koptische Kirche hat ihre Gottesdiensträume im Dachgeschoss, die Armenier im Untergeschoss. Nur dort herrscht andächtige Stille, walzt der nicht abreißen wollende Strom der Touristen nicht alles platt. Miteinader glauben und leben – das ist nicht nur in der Grabeskirche eine gewaltige Herausforderung und ein Geschenk, wenn es gelingt.

Gebet:

HERR, unser Gott, Menschen vertrauen DIR zu allen Zeiten. Stärke auch unser Vertrauen in DEINE Liebe und Güte, die uns leben lässt.

HERR, wir klagen DIR die neuen Ausbrüche von Gewalt im Heiligen Land, in denen so viele Unschuldige auf allen Seiten hineingezogen werden. Sende DEINEN Geist, der Wege zum Frieden öffnet.

HERR, wir bitten DICH für die Menschen auf allen Seiten, die Gewalt ablehnen und Verständnis für die anderen entwickeln wollen. Segne ihre Anstrengungen und schenke ihnen Geduld und Mut.

HERR, wir bitten DICH auch für uns, dass wir den Frieden in unserem Land als wertvolles Geschenk achten und hüten, indem wir achtsam und rücksichtsvoll miteinander leben – gerade in dieser Krisenzeit.

HERR, wir danken DIR, dass wir alle leben können in der österlichen Hoffnung, was auch kommen mag. Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN