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Andacht zum Dienstag, den 7. April 2020

ev. Pfarrer Jörg Reichmann Pößneck

Kreuzweg Jesu Station 3 – Kreuztragen (Simon von Kyrene)

Schriftwort: Markus 15,21: „Einen Mann, der gerade vom Feld kam, Simon von Kyrene,den Vater des Alexander und Rufus, zwangen sie, sein Kreuz zu tragen.“

Besinnung zum Text: Ausführlich und genau beschreibt der Evangelist, wer der Unglückliche aus der Zuschauermenge am Wegesrand war, den die Soldaten des Hinrichtungskommandos kurzerhand ergriffen. Gerade war der durch die Folter geschwächte Jesus unter der Last des schweren Balkens zum dritten Mal zusammengebrochen. Schnell hatten die Soldaten begriffen: Den „Rest“ des Weges auf den „Schädelberg“, wie die Hinrichtungsstätte außerhalb der Stadtmauern bildhaft genannt wurde, würde der nie schaffen. Also griffen sie sich einen, der dummerweise in der ersten Reihe stand, lösten den verurteilten Jesus vom Querbalken des Kreuzes und legten diesen dem Simon von Kyrene auf die Schulter. Simon muss gehorchen. Jeder römische Soldat durfte jederzeit einen Einheimischen auf offener Straße anhalten und ihm befehlen, sein Gepäck oder was auch immer zu tragen. Hätte er sich geweigert, wäre das Widerstand gegen die Staatsgewalt gewesen und hätte eine harte Strafe nach sich gezogen. Gegen seinen Willen wurde Simon hineingezogen in das schreckliche Schauspiel, in das Leid Jesu. Und die anderen Schaulustigen? Atemlose Stille zuerst, dann Erleichterung: Uff, mich hat´s nicht erwischt! Und schon johlen sie wieder. Plötzlich war er mittendrin. Ich kenne das auch: Plötzlich bin ich mittendrin, kommt mir das Leid eines Fremden viel näher, als mir lieb ist.

Womit wir in der Gegenwart sind:

Bildbetrachtung:

Der junge Mann kommt gerade von der Arbeit. Geschuftet hat er. Jetzt ist er müde, will nur noch nach Hause. Geht den Weg wie immer. Da passiert es: He, Sie da! Schnell, kommen Sie her! Hier braucht einer Hilfe! Was, ich? Wieso? Kann da nicht jemand anders? Ich kenn den doch gar nicht! Und wer ist der überhaupt, der

da will, dass ich herkomme?! Kenne ich nicht. Man hört doch immer wieder, dass Hilfsbereite reingelegt werden! Außerdem hab ich doch wirklich genug mit mir selbst zu tun! Nicht einfach, die richtige Entscheidung zu treffen. Aber einfacher als für Simon von Kyrene. Der hatte gar keine Wahl. Wirklich einfacher? In der Bildzeitung stand: Wir sind im Krieg! Der Feind ist unsichtbar und überall – das Virus: Weiß ich, was ich mir weg hole, wenn ich dem da helfe? Da ist sich doch jeder selbst der Nächste! Und wie dumm vor den anderen stehe ich da, wenn ich mich durch meine Hilfe vielleicht angesteckt habe und in Quarantäne muss?

Welche Werte zählen, wenn es ernst wird? Wer denkt da noch an die anderen? Aber kommt es in der Not nicht gerade darauf an, an die anderen ebenso wie an sich selbst zu denken? Wie schwer das manchen fällt, wird in der Corona – Krise besonders deutlich. Weshalb sonst ist ein Bußgeldkatalog überhaupt nötig?

Bedenken wir in der Stille vor Gott, in welchen Situationen wir ungewollt in ein Geschehen hineingezogen wurden, das uns überfordert hat oder dem wir uns entzogen haben aus welchen Gründen auch immer.

Gebet:

Lasst uns beten für alle, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind – gerade jetzt in dieser Ausnahmezeit.

Lasst uns beten für alle, die anderen in ihrer Not helfen, sei es als Profis oder als spontane Helfer.

Lasst uns beten für alle, die niemanden haben, der ihnen beisteht im Leben und Sterben.

Lasst uns beten für alle, die andere aus welchen Gründen auch immer in Stich lassen in ihrer Not.

Lasst uns beten für uns, dass wir Mut und Kraft haben, anderen nahe zu sein, die uns brauchen. – Herr, erbarme dich!

Beten wir das Vaterunser.

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN