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Andacht zum Gründonnerstag, 10. April 2020

ev. Pfarrer Jörg Reichmann Pößneck

Gründonnerstag – der Tag der Erinnerung an das Abschiedsmahl Jesu mit seinen Jüngern. Er weiß, was kommen wird. Die Jünger befürchten es. Sie spüren, wie sich die Lage von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde zuspitzt. Dann hält es Judas nicht mehr aus. Er will, dass Jesus endlich zeigt, wer er ist – der Messias, der das Volk des HERRN befreit, der Gerechtigkeit und das Reich Gottes bringen wird. Und weil Jesus aus seiner Sicht untätig bleibt, schafft Judas Fakten und verrät seinen Meister. Dann muss der aus der Reserve kommen, seine Macht erweisen, gegen die die Römer keine Chance
haben! Aber das sind nur die Gedanken des Judas, nicht der Weg Gottes. Die grausamen Mühlen der Macht sind nicht mehr aufzuhalten.

Nach dem gemeinsamen Mahl wird Jesus im Garten Gethsemane verhaftet, sofort in den Kerker der Burg Antonia verschleppt und dort die ganze Nacht bis zum Morgengrauen gefoltert. Gestehen soll er, dass er einen Aufstand geplant hätte. Und egal, was er sagt, das Urteil steht bereits fest: Tod am Kreuz. Der Schauprozess kurz nach Sonnenaufgang ist nur Kulisse der Grausamkeit. Spätestens jetzt bricht für Judas die Welt zusammen und er weiß keinen Ausweg mehr.

Kreuzweg Jesu Station 5 – Annagelung
Schriftwort: Lukas 23,33a: „Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort.“

Besinnung zum Text:
Kurz und knapp schreiben die ersten drei Evangelisten: „kreuzigten sie ihn dort“. Ans Kreuz geschlagen, schreibt der Evangelist Johannes noch genauer. Angenagelt – wieder wird der Verurteilte zu Boden geworfen, seine Arme über dem Querbalken des Kreuzes breit gezerrt und mit großen, handgeschmiedeten, kantigen Nägeln hinter den Handgelenken am
Holz festgenagelt. Nach der Entwürdigung nun die Todesfolter, so schmerzhaft und so lang wie möglich. Die Henker achten darauf, kein
Blutgefäß mit den Nägeln zu verletzen. Dann wird der am Querbalken angenagelte Verurteilte nach hinten hoch gezerrt, bis der Balken an der
Halterung des Längsbalkens einrastet.

Anschließend werden die Beine meist seitlich gedreht und über den Knöcheln angenagelt. In dieser grotesken Stellung quälte sich der Verurteilte bis zu seinem Tod. Bei Kreuzigungen hatten die Soldaten der Hinrichtungskommandos ihren Spaß daran, sich immer brutalere Methoden auszudenken. Was Menschen für grauenvolle Methoden
entwickeln können, um andere zu foltern und zu quälen hat seit der Römerzeit immer neue Ausmaße erreicht. Auch heute im 21. Jahrhundert ist Folter in vielen Ländern der Welt ein legales Mittel der Behörden „zur
Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung“ .

Die Veröffentlichungen von amnesty international sprechen Klartext.
Womit wir in der Gegenwart sind.

Bildbetrachtung:
Was geht vor im Kopf und vor allem im Herzen dessen, der da zusticht? Der da dem anderen den Nagel ins Fleisch bohrt? Der auf wehrlose Menschen schießt oder irgendwo weit weg die Kampfdrohne steuert? Was denkt er? Was fühlt er? Womit rechtfertigt er seine grausame Tat? Ich hatte dem Befehl zu folgen, haben die Naziverbrecher im Nürnberger Prozess gesagt.


Es war notwendig zum Schutz des Sozialismus haben die Todesschützen an der innerdeutschen Grenze gesagt. Allah ist groß! Rufen die Terroristen. Und alle lassen sich von Ihresgleichen als Helden feiern.

Bedenken wir in der Stille vor Gott, in welchen Situationen wir uns heraus geredet haben aus unserem schlechten Gewissen.

Gebet:
Lasst uns beten für alle Opfer von Gewalt und
Verbrechen.
Lasst uns beten für alle Angehörigen, die einen
Verwandten durch Gewalt oder Verbrechen
verloren haben.
Lasst uns beten für alle, die die Todesstrafe für
sinnvoll halten.
Lasst uns beten für alle, die der Macht von
Waffen mehr vertrauen als dem Weg der
Versöhnung.
Lasst uns beten für uns, dass wir die Geduld und
den Mut haben, auf dem Weg des Friedens zu
bleiben. Herr, erbarme dich!
Beten wir das Vaterunser.
Vater unser im Himmel
geheiligt werde Dein Name
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf
Erden
Unser tägliches Brot gib uns heute
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir
vergeben unseren Schuldigern
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern
erlöse uns von dem Bösen
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die
Herrlichkeit
in Ewigkeit
Amen


Es segne uns der allmächtige und barmherzige
Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
AMEN