Andachten

Andacht zum Letzten Sonntag nach Epiphanias, 31. Januar 2021

Schriftwort: 2. Petrus 1, 16 -19

Wir haben euch ja angekündigt, dass unser HERR Jesus Christus machtvoll wiederkommen wird. Und dabei haben wir uns nicht auf ausgeklügelte, erfundene Geschichten gestützt. Sondern wir haben mit eigenen Augen SEINE wahre Größe gesehen. Von Gott, dem Vater, empfing ER SEINE Ehre und Herrlichkeit – aus der majestätischen Herrlichkeit Gottes kam eine Stimme zu IHM, die sagte: „Das ist MEIN geliebter Sohn, an IHM habe ICH Freude,.“ Diese Stimme haben wir selbst gehört. Sie kam vom Himmel her, als wir mit Jesus auf dem heiligen Berg waren. So gewinnen die prophetischen Worte für uns noch an Zuverlässigkeit. Und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet. Denn diese Worte sind wie ein Licht, das an einem finsteren Ort brennt – bis der Tag anbricht und der Morgenstern in euren Herzen aufgeht. (Übersetzung Basis Bibel)

Liebe Schwestern und Brüder!

Die Lichter an und in den Häusern sind längst verschwunden. Gut eingepackt wie die Figuren und Krippen warten sie auf ihren nächsten Einsatz in gut 10 Monaten. Weihnachten ist doch vorbei, oder? Warum jetzt noch einmal davon sprechen? Das hat entscheidend mit diesem Sonntag zu tun. Denn erst heute kommt die Weihnachtszeit im Kirchenjahr zu ihrem festlichen Abschluss. Wenn Sie das einem der vielen nichtchristlichen Weihnachtsfans erzählen, werden Sie zu hören bekommen: Wie bitte, das Kirchenjahr? Erstens was ist das denn und zweitens was hat das mit unserem Weihnachtsfest zu tun? Unser Weihnachten ist doch Weltkulturerbe und von Kirche war da keine Rede. Familie, Harmonie, Frieden, das reicht doch schon als gute Idee, die sich wenigstens einmal im Jahr zu feiern lohnt. Da machen wir es uns so richtig gemütlich. Wie gut uns das tut, haben wir erst richtig gemerkt, als wir es im vergangenen Jahr nicht so erleben konnten, wie wir es gewohnt sind. Stimmt, das war hart für viele Menschen. Und natürlich hat er recht: Wärme und Gemütlichkeit sind besonders wichtig in den dunkelsten Tagen des Jahres.

Aber dennoch: Weihnachten ist aber mehr als eine gute Idee, können wir aus unserer christlichen Sicht dagegenhalten. Und dann müssen wir ganz schnell auf den Punkt kommen. Denn uns bleiben nur wenige Augenblicke der Aufmerksamkeit unseres Gegenübers. Weihnachten ist eben nicht nur eine schöne Idee, es ist das Entscheidende für das menschliche Dasein überhaupt. Denn Gott ist in Jesus in unsere Welt gekommen. Das ist Weihnachten. Und wenn wir einmal dabei sind: Gott hat in Christus die Begrenzer unserer Welt, den Tod, überwunden. Das nennen wir Ostern. Dass Gott durch seinen Heiligen Geist in unserer Welt bleibt heißt Pfingsten. Und zu guter Letzt oder besser zum guten Ende von allem gehört Gott in Jesus Christus die Zukunft. Denn SEIN Reich wird diese Welt und uns vollenden.

Unser Gegenüber schüttelt nur kurz den Kopf: Dass die Christen das schöne, gemütliche Weihnachtsfest aber auch immer mit so existenziellen Gedanken befrachten müssen! Reicht nicht die kalorienreduzierte Version? Luftig locker leicht soll heute alles sein, schwere Kost war gestern! Wie gesagt, die Idee ist ja im Grunde ganz nett. Aber dann: Wer sagt denn heute, was wahr ist und für alle gilt? Die Kirchen, in denen es gewaltig menschelt, mit allen Schattenseiten? Das völlig unübersichtliche Christentum mit seinen zahllosen Konfessionen und Sondergruppen? Oder alle Religionen zusammen? Oder gar keine davon, sondern nur die reinen Fakten der Wissenschaft und deren widersprüchliche Sinndeutungen? Oder sagt uns inzwischen die Anzahl der „Likes“ und „Follower“ in den „sozialen Netzwerken“ an, was wahr ist und für alle gilt? Und überhaupt: Was haben die Christen zu bieten? Geschichten, Mythen, Fabeln, die haben sie. Schön vielleicht, aber nicht mehr und nicht eine davon zweifelsfrei wissenschaftlich belegt. Ende des „Gesprächs“.

Was unser Gegenüber zuletzt sagt, ist ganz und gar nicht neu. Das haben sich Christen schon seit Anfang an anhören müssen. Sie haben schon immer dagegenhalten müssen. Im zweiten Jahrhundert schrieb ein engagierter Christ einen Brief an eine uns heute nicht mehr bekannte Gemeinde, aus dem der Abschnitt oben stammt. Dazu „borgte“ er sich die Autorität von Simon Petrus, des wichtigsten Apostels in der Christengemeinde Jerusalems gut einhundert Jahre zuvor. Simon Petrus hatte über diese lange Zeit nichts verloren von seiner Ausstrahlungskraft und seinem „Schwergewicht“ für die Christen. Denn die nachwachsenden Generationen kannten ihn als „echten“ Jesusjünger aus den inzwischen weit verbreiteten Evangelien.

Der Briefschreiber schloss genau an diesen Kenntnissen an. Er bezog sich auf ein Ereignis, das in den Evangelien berichtet wird: auf die Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor in Galiläa, die Petrus als Jünger miterlebte. Die Evangelien beschreiben das Geschehen in so großartigen und eindrücklichen Bildern: In der Verklärung Christi leuchtete SEINE göttliche Herrlichkeit, SEINE Autorität und Vollmacht für einen Augenblick auf. Die auserwählten Jünger fanden sich wieder in SEINER unmittelbaren Gegenwart, herausgehoben aus ihrem mühevollen Alltag, um zu erkennen: Dieser Jesus ist viel mehr als ein kluger, menschenfreundlicher Wanderprediger, viel mehr als ein Heilkundiger, von dem wunderliche Geschichten erzählt werden. ER ist wahrhaft Gottes Sohn. Das ist die göttliche Wahrheit, die über hundert Jahre später dem Briefschreiber als Vergewisserung und den Lesern als Anker in der Not diente und über alle Zeiten hin dienen kann. Denn die Verklärung Christi ist nicht nur ein lange zurückliegendes Ereignis in biblischer Zeit. Sie geschieht immer wieder.

Für jeden von uns kann dieses Ereignis anders sein. Eine einzelne Erfahrung, ein Prozess, ein Rückblick auf Erlebtes, eine treue und verlässliche Liebe, eine Hoffnung gegen allen Augenschein, die uns zeigt: Jede und jeder Glaubende kann sich wiederfinden mit der eigenen Lebensgeschichte in der großen Geschichte, die der HERR mit der Welt schreibt. Kann sich vergewissern, bewusst machen, dass wir mit IHM durch das Leben gehen.

Das dürfen wir zu Weihnachten hören und immer wieder. Gerade dann, wenn wir durch diese anstrengenden und unsicheren Wochen gehen müssen. Der Schreiber des Briefes wusste aus den Evangelien, wie die Geschichte weitergeht: Die Jünger waren mit Jesus vom Berg Tabor hinabgestiegen ins Tal des Lebens, zurück in die Niederungen des Alltags, zu den alltäglichen Sorgen und Aufgaben. Aber sie sahen sich selbst, die anderen und ihre Welt in einem ganz anderen Horizont: im Horizont Gottes. waren andere als vorher.

Zurück in den Alltag sind auch wir seit Weihnachten längst gegangen. Auch wenn das Kirchenjahr erst heute den Weihnachtskreis beendet. Längst haben uns unsere alltäglichen Herausforderungen und Aufgaben wieder eingeholt. Aber gerade dafür brauchen wir die göttliche Motivation und die göttliche Vergewisserung, die der Briefschreiber auch uns weitergibt. Sie schenkt neue Kraft und macht neuen Mut.

Unser Gegenüber hat überraschenderweise bis hierher zugehört. Jetzt verzieht er zweifelnd das Gesicht, schüttelt kurz den Kopf und sagt: Brauch ich alles nicht. Ich stütze mich nur auf mich selbst. Da kann ich wenigsten nicht enttäuscht werden. Und tschüss. Dann geht er seiner Wege. Danke fürs Zuhören, rufen wir ihm hinterher und bleib behütet – und meinen das ganz ernst. Denn erstens ist einer, der tatsächlich einmal zuhört, obwohl ihm alles fremd ist, was da gesagt wird, ein Gottesgeschenk. Und zweitens kennen wir ja den Heiligen Geist, der immer für Überraschungen gut ist.

Es wird auch 2021 wieder Weihnachten werden. Hoffen und beten wir, dass die Pandemie dann ihre Bedrohlichkeit verloren hat und viel vom Gewohnten wieder möglich sein wird. Auf jeden Fall werden wir wieder die Lichter aus der Kiste holen und anzünden oder anschalten. Wir wünschen uns, wieder unbeschwert feiern zu können mit allem, was dazu gehört – jeder nach seinem Geschmack. Bis dahin kommt Ostern und Pfingsten und jede Menge Alltag, den wir bestehen können, weil wir ihn im Lichte Gottes sehen dürfen – als einen Schritt in SEINE Zukunft. Amen.

Gebet

HERR, ewiger Gott, wir danken DIR, dass DU uns nahe bist und bleibst, wohin uns die Wege unseres Lebens auch führen mögen.

HERR, wir bitten DICH, nimm von uns das, was uns von DIR trennt – Angst, Kleinglauben, Zweifel und Schuld.

HERR, wir bitten DICH, bewahre die Fröhlichen und die Dankbaren und all, die sich mühen um Einsame. Stehe denen bei, die untergehen im Spiel der Mächtigen.

HERR, wir bitten DICH hilf uns, die Hände den Schwachen zu reichen und Worte zu finden, die DEINE gute Botschaft verständlich werden lassen. Unserer Welt und uns allen bleib nahe heute und in Ewigkeit.

Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN