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Andacht zum Montag, den 6. April 2020

ev. Pfarrer Jörg Reichmann Pößneck

Kreuzweg Jesu Station 2 – Kreuzaufnahme

Schriftwort: Johannes 19, 16b- 17a: „Da übernahmen sie Jesus. Und er trug selbst sein Kreuz.“

Besinnung zum Text: Kurz angebunden wie eine sms oder eine twitternachricht setzt der Evangelist in Szene, was unmittelbar nach dem Urteilsspruch oder der kurzen Geste des gesenkten Daumens geschah: Das Hinrichtungskommando, bestehend aus einem Offizier und vier Soldaten, zerrt den gefesselten Angeklagten unter dem Gejohle der Schaulustigen an den Rand des Gerichtsplatzes, wo bereits der Querbalken des Kreuzes bereit liegt. Blitzschnell lösen die Soldaten die Handfesseln des Verurteilten, aber nur, um ihn im nächsten Moment rückwärts auf den Querbalken zu werfen und ihn daran zu fesseln.

Was für ein groteskes Schauspiel, wenn sich der Verurteilte dann unter den Peitschenhieben der Soldaten abmüht, mit dem schweren Querbalken auf der Schulter aufzustehen. Entkräftet durch die Folter in der Nacht vor dem Prozess, quält er sich unter Schmerzen langsam hoch und versucht, das Gleichgewicht zu halten. Und schon wieder die Peitschen, die ihn vorantreiben auf den Weg zur Hinrichtungsstätte. Er wankt mehr als dass er geht, die engen, holprigen Gassen durch Jerusalem, die verstopft sind durch Schaulustige. Drei mal, so erzählt es die Tradition, stolpert, stürzt, bricht Jesus auf diesem Weg zusammen. Zweimal schafft er es aus eigener Kraft wieder aufzustehen und sein Spießrutenlauf bis zum Tod, zur Unterhaltung der Zuschauer, geht weiter. Ja, das Leiden und der Tod haben einen ganz hohen Unterhaltungswert, bis heute.

Womit wir in der Gegenwart sind:

Bildbetrachtung:

Das packt die niemals! Das kriegt die nie gestemmt! Abgestürzt, selber schuld, Flügel abgebrochen. Ich hab´s doch gleich gewusst, dass das nichts werden kann mit der! Und jetzt will die sich wieder aufrappeln? Ist doch lachhaft! Guck die dir doch mal an, wie die sich anstellt! Irgendwie kann sie einem ja auch leid tun, die arme Sau! Immer wenn irgendwas los war – die hat es bestimmt erwischt! Erst krank, dann Arbeitsplatz weg, oder umgekehrt, dann immer der falsche Mann…und am Ende ganz allein. Es gibtLeute, die ziehen das Pech

magisch an. Mit der will ich um Himmelswillen nicht tauschen! Da weiß man ja, wo das hinführt! Ach, wie schnell sind wir dabei mit unseren Erklärungen und Kommentaren, mit unserem Spott und unseren „guten“ Ratschlägen! Hauptsache, wir bleiben innerlich auf Abstand und äußerlich natürlich auch. Aber ehrlich – aus der Distanz zuschauen, wenn sich da einer quält – ist das nicht auch spannend? Fährt man da nicht besonders langsam vorbei und zückt heimlich das Smartphone für ein Foto?

Oder lässt uns das Leid anderer einfach nur kalt? Nach dem Motto: Was geht mich das an? Und schlimmer noch: Selber schuld!

Bedenken wir vor Gott in der Stille, in welchen Situationen wir jemanden alleingelassen haben oder in denen wir selbst alleingelassen wurden und gespürt haben, was ein Mangel an Mitgefühl anrichten kann.

Gebet:

Lasst uns beten für alle Menschen, die auf ihrem Lebensweg allein unterwegs sein müssen durch tiefe Täler.

Lasst uns beten für alle Menschen, die ihren letzten Weg vor Augen haben.

Lasst uns beten für alle Menschen, die andere auf ihrem letzten Weg begleiten.

Lasst uns beten für alle Menschen, dass sie anderen ihre schweren Wege nicht zusätzlich erschweren.

Lasst uns beten für uns, dass wir unseren Lebensweg gefasst und voller Vertrauen in Gottes Liebe gehen können, was auch immer kommen mag. – Herr erbarme dich!

Beten wir das Vaterunser.

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN