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Andacht zum Sonntag Jubilate. 3. Mai 2020

Andachvon Pfarrer Jörg Reichmann Pößneck

Zum Sonntag:

Dieser Sonntag der österlichen Freudenzeit ist bestimmt durch das Lob und den Dank an den Schöpfer der Welt, dessen liebevolle Macht auch vor der Grenze des Todes nicht haltmacht. Im Johannesevangelium, aus dem das Schriftwort ausgewählt wurde, wird Gott als der Weingärtner beschrieben, der dafür sorgt, dass sein Weinstock gute Reben trägt.

Schriftwort: Johannes 15, 5

Jesus spricht: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Liebe Schwestern und Brüder!

Überall wächst, grünt und blüht es. Wachsen gehört zu den schönsten Worten der deutschen Sprache. Kinder und Bäume wachsen, wie auch die Liebe und das Vertrauen… Das Wort umschreibt die Lebenskraft, ihre sichtbaren, fühlbaren Anzeichen, die uns beflügeln.

Kein Wunder, dass lange Jahre dieses positive Bild auch fraglos und kritiklos auf die Wirtschaft übertragen wurde – bis die Folgen eines Wachstums um jeden Preis sich immer deutlicher abzeichneten. Aus Wachsen wurde gefährlicher Wildwuchs, der Leben bedroht statt zu fördern. Unsere Suche nach Glück und Wachstum verkümmert immer mehr zur Jagd auf den lustvollen Moment und auf ein Leben, aus dem negative Gefühle, Schmerz und Sorge verbannt sind – immer weiter und immer mehr, bis die Menschen das Klima verändern und sich bedrohliche Krankheiten einfangen, weil sie immer weiter in bisher den Tieren vorbehaltene Lebensräume vordringen. Jetzt ist sie da, die Krise, und ein Ende ist selbst für Optimisten so schnell nicht in Sicht.

Die Psychologie sagt: Die lebensverändernde Kraft von Krisen lässt Menschen oft seelisch wachsen und reifen.

Die Krise als Chance also? Wenn das nur so einfach wäre! Wenn´s aber doch länger dauert? Wenn´s aber doch nicht so schnell wieder alles „normal“ wird? Dazu eine kurze Geschichte:

Eines Tages fand ein Wüstenwanderer auf seinem Weg eine kleine Oase, trank vom frischen Wasser, aß von den Früchten der Bäume und ruhte sich aus. Als er wieder aufbrach, sah er eine kleine, schmächtige Palme. „Aus der wird sowieso nichts!“, dachte er, nahm einen schweren Stein und wuchtete ihn zwischen die Wedel. Das Schicksal der Palme schien besiegelt. Sie würde wohl eingehen. Einige Jahre später kam derselbe Mann wieder an dieser Oase vorbei. Längst hatte er die kleine Palme vergessen.

Schon von weitem sah er, dass eine Palme größer und stärker gewachsen war und viel mehr Früchte trug als alle anderen. „Die ist ja prächtig“, sagte er und beschloss, sich ein paar der Früchte zu holen. Geschickt kletterte er hinauf und entdeckte dabei zwischen ihren mächtigem Wedeln einen winzig kleinen Stein. Er erschrak, als er die Palme zu sprechen hören glaubte: „Erinnerst du dich, Fremder? Du warst es doch, der mir damals den großen Stein zwischen meine Wedel gewuchtet hattest. Ich dachte, das wäre mein Ende. Viele, viele Jahre hatte ich wirklich schwer zu tragen. Doch die Last meines Lebens machte mich stärker als alle anderen Palmen dieser Oase. Ich bin den Stein nie mehr losgeworden. Aber jetzt ist er klein und leicht für mich.“

Beschämt und nachdenklich stieg der Mann vom Baum herab.

Die Geschichte erzählt nicht, woher die kleine Palme die Kraft fand, mit ihrer Last zu leben. Als Christen dürfen wir darauf vertrauen: Wir wachsen, weil uns die Kraft dafür, die Lebenskraft, von Christus geschenkt wird.

Jesus spricht: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. – so heißt es im Evangelium nach Johannes.

Wir können wachsen, weil ER uns die Zuversicht schenkt, dass unser Leben ein gutes Ziel haben wird, an dem wir alle Lasten unseres Lebens bei ihm loswerden können. Das schenkt uns Mut für den nächsten Tag und Kraft, tief durchzuatmen.

Weinstock und Reben – und am Ende guter Wein. Der Wein ist das Bild für das Fest des Lebens, unseres Lebens, mit allem, was war und ist und sein wird. Amen.

Gebet:

Oh Herr, mache mich zu einem Werkzeug
Deines Friedens. Dass ich Liebe übe, da wo man sich hasst; dass ich verzeihe, da wo man sich beleidigt; dass ich verbinde, da wo Streit ist; dass ich die Wahrheit sage, da wo Irrtum herrscht; dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel ist; dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält; dass ich Dein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert; dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

(Franz von Assisi zugeschrieben)

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN