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    Andacht zur Woche vom 10.-16.1. 2021 (erste Woche der ökumenischen Gebetswochen in unserer Region)

    Schriftwort: 5. Mose 6, 20+21; 24+25 (aus der Allianzgebetswoche 2021)

    Wenn eure Kinder später fragen, wozu all die Weisungen, Gebote und Rechtsbestimmungen gut sind, die ihr vom HERRN, eurem Gott, bekommen habt, dann gebt ihnen zur Antwort: »Als Sklaven mussten wir dem König von Ägypten dienen, doch der Herr befreite uns mit seinem starken Arm. ER hat uns befohlen, IHN, unseren Gott, ernst zu nehmen und alle diese Gebote zu befolgen, damit es uns gut geht und ER uns am Leben erhalten kann, wie das heute tatsächlich der Fall ist. Unser Tun findet beim HERRN Anerkennung, wenn wir alles genau befolgen, was ER, unser Gott, uns befohlen hat.«

    Gedanken zum Text

    „Lebenselixier Bibel“ ist das Motto der Allianzgebetswoche 2021, das auf gut reformatorischem Fundament steht. Bei Luther hieß das „ad fontes“ – (zurück) zu den Quellen. Damals eine Zeit, in der kaum einer aus dem Volk die Bibel lesen konnte, aber gleichzeitig vielfältige kirchliche Traditionen und eine phantasievolle Volksfrömmigkeit das Leben aller bestimmte. Heute eine weitgehende Unkenntnis über die Bibel in der Bevölkerung und individualistische Lebensgestaltung statt Traditionen. Höchste Zeit also, die Bibel (wieder) mehr ins Gespräch zu bringen und sich auf Entdeckungsreise in ihre Welt zu begeben. Der Text aus dem 5. Buch Mose ist ein Souvenir einer solchen Reise. Ein Mitbringsel, das man vor Ort wohl ganz nett fand. Zuhause wieder angekommen, stellt man aber fest: So richtig passt es nicht. Zumindest nicht zu dem, was wir uns als evangelisch geprägte Christen noch von biblischen Entdeckungsreisen mitgebracht haben. Denn hier heißt es: „Unser Tun findet beim HERRN Anerkennung, wenn wir alles genau befolgen, was ER, unser Gott, uns befohlen hat.“ Das passt doch nicht zu Paulus, der im Römerbrief (4,13) schreibt: Gott hat Abraham und seinen Nachkommen versprochen, dass sie die ganze Welt als Erbbesitz erhalten. ER gibt ihnen dieses Versprechen aber nicht, weil sie das Gesetz befolgen. ER gibt es ihnen, weil ER sie aufgrund ihres Glaubens als gerecht annimmt.“ (Basis Bibel) Also allein der Glaube, das Vertrauen bewirkt, dass Gott uns anerkennt. Aber beides steht in der Bibel, weil der HERR es ist, der weiß, wie verschieden SEINE Menschen sind und ihre Art zu glauben. Die Heilige Schrift zu lesen und zu bedenken hilft uns, diese Vielfalt der Glaubenswege und Frömmigkeiten als SEINEN Willen zu erkennen. Ein außerordentlich wichtiger Impuls nicht nur in unserer Zeit, sondern auch dann, „Wenn eure Kinder später fragen…“

    Gedanken zum Bild:

    Winterschlaf – endlich mal wieder Schnee auch im Orlatal. Alles eingefroren, um die Zeit bis zum Frühlingserwachen zu überdauern. Das Bild passt gut in die Pandemiezeit. Viele Menschen haben das Gefühl, durch die notwendigen Maßnahmen in einer Art „Winterschlaf“ zu sein. Das löst sicher unterschiedliche Gefühle aus. Aber mir gefällt das Bild sehr gut, da es eine entspannte Ruhe ausstrahlt. Etwas anderes als Abwarten auf den Frühling hat keinen Sinn, ja wäre sogar gefährlich für die Pflanzen und Bäume. Geht es uns nicht auch so? Alles andere als Geduld zu haben hat keinen Sinn, ja kann sogar gefährlich werden? Möge der HERR uns die Kraft dafür schenken.

    Gebet:

    HERR unser Gott, in unseren Breiten sind es nur wenige, die DICH hören und klein ist DEIN Volk, das DIR folgt. Aber DU hast ein Wort für die Völker der Welt, für die Menschen unter allen Dächern und unter DEINEM weiten Himmel.

    Hilf HERR, unser Gott, dass DEIN Wort die Menschen erreiche und nimm unsere Enge und unsere Ängstlichkeit, dass es auch durch uns laut werde.

    HERR, kläre unseren Blick, damit wir die Menschen wirklich sehen, an denen wir vorübergehen und sei dort nahe, wo unsere Hilfe zu kurz greift.

    Belebe uns und unsere Gemeinden in dieser Zeit, dass unsere Sprache klar und unser Bekenntnis glaubwürdig ist. Sprich DU, wenn wir reden und mache uns zu Zeugen DEINER Liebe.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zur Woche „zwischen den Jahren“ 2020 -2021

    Schriftwort: Johannes 1,14b (Wochenspruch)

    Er, der das Wort ist, wurde ein Mensch von Fleisch und Blut und lebte unter uns. Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit, wie nur er als der einzige Sohn sie besitzt, er, der vom Vater kommt. (Neue Genfer Übersetzung)

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Weihnachten 2020 liegt hinter uns, das neue Jahr vor uns. Was bleibt in Erinnerung? Die ganze Aufregung im Vorfeld, die Bedenken, die Beschwernisse, die öffentlichen Forderungen nach Verbot der „Präsenz – Gottesdienste“ noch am 23. Dezember und die damit verbundenen Vorwürfe, die Kirche handle unverantwortlich und riskiere die Gesundheit und vielleicht sogar das Leben der Gottesdienstbesucherinnen und -besucher? Nichts von alledem bleibt wirklich lange im Gedächtnis, vermute ich. Denn wenn Corona endlich einmal vorbei sein wird, werden neue Herausforderungen zu meistern sein.

    Was aber bleibt, das sind die zahlreichen einfallsreichen Initiativen und genialen Ideen, die Weihnachtsbotschaft gerade in diesen unsicheren Zeiten weiterzusagen. Gott sei Dank gibt es die (neuen) Medien (mancherorts wurden auch auf klassischen Wege Weihnachtsbriefe verteilt)! Gleichzeitig gab es auch die mutigen Entscheidungen, dort, wo es die Möglichkeit gab, unter Einhaltung aller notwendigen Maßnahmen Präsenz – Gottesdienste durchzuführen, in denen sich die Besucherinnen und Besucher überall ausgesprochen sorgfältig und vernünftig verhielten. Dafür möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich Danke sagen! Danke für Ihr Engagement in welcher Form auch immer! Sie haben dazu beigetragen, dass die vertraute, hoffnungsvolle Botschaft von Weihnachten die Menschen erreicht. „Fürchtet euch nicht!“, so rufen uns die Engel auch in diesem Jahr zu und sie treffen auf offene Ohren, offener so meine ich als in den satten Jahren bisher.

    Das Johannesevangelium sagt es in seiner feierlichen und gehobenen Sprache sehr beeindruckend: Er, der das Wort ist, wurde ein Mensch von Fleisch und Blut und lebte unter uns. Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit, wie nur er als der einzige Sohn sie besitzt, er, der vom Vater kommt.

    Die Herrlichkeit des HERRN voller Gnade und Wahrheit, sie scheint auf, wenn Menschen Weihnachten feiern, unter allen Umständen, in denen sie leben müssen, und seien diese noch so widrig. Hören Sie den Älteren in den Gemeinden zu, die noch von den Weihnachtsfesten gleich nach dem letzten Weltkrieg erzählen können. Oder unter welchen Bedingungen die verfolgten Mitchristen auf der Welt bis heute das Christfest feiern müssen. Überall ist sie zu spüren, die Herrlichkeit des HERRN, wenn Menschen von SEINER Liebe ergriffen werden. Das muss nicht rauschend gefeiert werden und kann auch ganz im Verborgenen geschehen.

    So war es im Übrigen auch damals in Bethlehem. Die Geburt des Heilands war außer für die Menschen, die die Engel ganz persönlich eingeladen hatten, von niemandem anderen beachtet worden. Die Hirten auf dem Feld fanden den Stall als erste, die Weisen aus dem Morgenland auf Umwegen und mussten feststellen, dass ganz Jerusalem völlig ahnungslos war. Zeichnung: J.Reichmann

    Weihnachten ist also zuallererst eine ganz persönliche Angelegenheit. Ob ich bereit bin, zuzuhören, wie die Hirten und die Weisen. Ob ich bereit bin, zu vertrauen und mich auf den Weg zu machen. Heraus aus meinen liebgewordenenen Gewohnheiten, aus meiner eingefahrenen Vorstellungswelt hinein in die Situation, in der mir Christus begegnet.

    Das Weihnachtsfest liegt hinter uns – aber gerade in unserer Krisenzeit tut es gut zu erinnern, dass die Weihnachtszeit mit ihm erst beginnt! Bis Heilig Abend waren wir im Advent unterwegs, auch wenn uns seit langem schon vorgegaukelt wird, dass spätestens am Totensonntag der Startschuss zum Weihnachtstrubel fallen muss. Die Weihnachtszeit geht im Kirchenjahr bis zum 2. Februar, an dem unsere katholischen Mitchristen das Fest Maria Lichtmess feiern. Gelegenheit also mehr als genug, sich aufmerksam und neugierig auf den Weg zu machen, um Gottes Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit mitten im Alltag zu entdecken.

    Gebet:

    Ewiger Gott, wird denken DIR, dass DU in DEINEM Sohn Jesus Christus Mensch geworden bist und durch alle Zeiten mit uns lebst.

    HERR, wir bitten DICH, lass uns in diesem Vertrauen die Herausforderungen der Krise bestehen können.

    HERR, wir bitten DICH für alle Menschen, die unter der Pandemie und ihren Folgen besonders zu leiden haben oder die Entscheidungen zu fällen haben, wie das Virus am Besten bekämpft werden kann.

    HERR, wir bitten DICH für alle Menschen, die bis zur Erschöpfung und oft auch darüber hinaus in den Krankenhäusern und in der Pflege ihre Arbeit tun in dieser Krisenzeit. Schenke ihnen Kraft und lass sie in allen Herausforderungen ihren Dienst mit Freude tun können.

    HERR, wir bitten DICH für alle, die an der Schwelle zum neuen Jahr schon vergessen haben, dass sie eben noch Weihnachten gefeiert haben. Schenke ihnen das Licht DEINER Hoffnung.

    HERR, komme DU mit DEINEM Heil in unsere unheile Welt und schenke uns ein friedliches und gesegnetes neues Jahr 2021.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser.

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Advent 2020 – still – erwartungsvoll und ganz anders

    Der 1. Advent steht vor der Tür – und er wird ganz anders als üblich. Das traditionelle Adventmärktchen, in diesem Jahr das 14. musste schweren Herzens abgesagt werden, das Konzert mit „Vocalitas Krölpa“ ebenfalls. Von alters her ist die Adventszeit im Grunde eine stille Zeit, früher war sie sogar Fastenzeit. Da wurde bewusst verzichtet. Vom Martinstag an bis zum Weihnachtsfest haben die Menschen keine großen Festessen veranstaltet. Die Martinsgans war wohl der letzte Braten vor dem Fest. Jetzt scheint es ähnlich. Früher – und ich erinnere mich noch an meine Kindheit – hat man in den Familien „Dämmerstunden“ gehalten, da wurden Kerzen entzündet und man hat bei einem Tee Geschichten erzählt oder vorgelesen. Manchmal saßen wir mit den Großeltern zusammen und haben Strümpfe oder anderes gestrickt oder etwas gebastelt, kleine Geschenke für das Weihnachtsfest.

    Ich liebte diese Zeit, denn da hatten auch die Eltern Zeit für uns Kinder. Manchmal haben wir auch ältere Leute im Dorf besucht, ihnen von den selbstgemachten Plätzchen mitgebracht, an solchen Nachmittagen wurde auch miteinander gesungen. Es war eine heimelige Zeit- voller Erwartungen. In den Familien wurde vieles vorbereitet in dieser Zeit, Plätzchen und Stollen wurden gebacken und Päckchen gepackt. Oft gingen wir in diesen Tagen auch im Wald spazieren, wo wir Moos und Wurzeln, aber auch Tannenzapfen und Zweige sammelten. Es war ganz selbstverständlich, dass wir die Adventskränze und Gestecke selbst herstellten. Statt der Weihnachtshits aus dem Radio gab es damals noch Schallplatten mit Weihnachtsliedern.

    Die Adventzeit in diesem Jahr wird ähnlich still werden. Es ist eine Zeit, die wir aber bewusst gestalten können. Anders als die Jahre zuvor, dafür aufmerksamer und achtsamer. Advent (von lat. adventus) heißt Ankunft. Eine erwartungsvolle Zeit in der Gläubige mit der Ankunft Christi eine gerechte Ordnung, das Ende von Krieg und Leid herbeisehnen. Advent lädt mich ein, genau hinzuschauen auf mich und diese Welt, zu warten und zu lauschen, ob sich irgendetwas tut, zu suchen und auf den Weg machen, der Sehnsucht zu folgen und zu staunen, wie sich nicht nur in den Zeichen und Symbolen Himmel und Erde miteinander verbinden.

    Eine gesegnet Adventszeit wünscht

    Ute Thalmann!

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    Wort zum Sonntag: Letzter Sonntag im Kirchenjahr – Ewigkeitssonntag, 22.11.20

    Aller Prognosen zum Trotz

    Wie leben? Bleibt alles anders? So das Motto der derzeitig laufenden Themenwoche. Fragen, die Menschen bewegen: Wann wird sie aufhören – die Pandemie? Gibt es überhaupt Lichtblicke? Die Nachrichten und Meldungen machen nur wenig Hoffnung. Menschen sind enttäuscht, entmutigt und nicht wenige traurig. Besonders die, die die Einschränkungen am eigenen Leib erfahren, die ihr Einkünfte und ihre Arbeit verloren haben, aber auch die, die in Krankenhäusern und Pflegeheimen derzeit wieder keine Besuche empfangen dürfen und die, die sich so hoffnungsvoll auf ein Abflauen der Infektionen im Herbst eingestellt hatten und denen es Ansporn zum Durchhalten war.

    Wie leben? Das fragen sich Menschen immer wieder, die schmerzliche Situationen erfahren müssen: beim Abschied von einem lieben Menschen, beim Verlust der Heimat, in Krankheitszeiten, bei Katastrophen, unter Verfolgung und in Gefangenschaft oder eben auch während der gegenwärtigen Pandemie. Es ist nicht einfach, die rechten Worte zu finden, die Trost vermitteln, das Gefühl von Verständnis, Annahme und Geborgenheit schenken, oder eben auch die Resilienz bestärken.

    Manchmal helfen Bilder und Visionen, den Prozess der Trauer, des Abschieds und der Ent – täuschung, ja auch der Veränderung, zu begleiten, weil sie offen sind und sich Menschen in ganz unterschiedlichen Erfahrungen hier einfinden und vielleicht auch etwas Hilfreiches, Bestärkendes für ihren Weg entdecken können.

    Ein solches Bild begleitet Christen am Ende des Kirchenjahres, dann, wenn sie an die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen und Freunde treten- es ist ein Bild, was Menschen schon vor fast 1900 Jahren in Verfolgungszeiten im Römischen Reich hat Mut und Kraft schöpfen lassen.

    Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind verschwunden. … „Sieh doch: Gottes Wohnung bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen und sie werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein. Und er wird jede Träne abwischen von ihren Augen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben, keine Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen.“… „Sieh doch: Ich mache alles neu!“ (Offenbarung des Johannes 21,1, 3b-4+5b – in einer Übertragung der Basisbibel)

    Das, was derzeit belastet und schmerzt, wird nicht ewig dauern, nicht endlos sein, auch wenn mancher das vielleicht gerade so erfährt. Tränen, Tod, Trauer, Klagegeschrei und Schmerz werden ein Ende haben. Es wird Neues wachsen und entstehen: eine neue Erde und ein neuer Himmel. Nicht die Wiederherstellung vorherigen Zustände, Gewohnheiten und Gegebenheiten sind gemeint– sondern etwas völlig Neues – Unbekanntes und Unvertrautes – aber Hoffnungsvolles. Gott selbst wird unter den Menschen erfahrbar und nah sein, tröstend, heilend und bestärkend. Aller Prognosen zum Trotz haben sich Menschen vor Jahrhunderten bis heute immer wieder auf dieses Hoffnungsbild eingelassen und haben das Neue für ihr Leben und ihre Situation erfahren und annehmen können. Im Gespür, begleitet zu sein von Gott, der inmitten dessen, was unser Leben bestimmt, dennoch schöpferisch wirkt: in unseren Beziehungen, im Miteinander und auch in der Schöpfung. Selbst im Kleinen hat das Kraft geschenkt, war tröstend und ermutigend für ihren neuen, unbekannten Weg.

    Möge dieses Bild auch uns bewegen, nicht aufzugeben und uns dem Neuen immer wieder zu öffnen, aller Prognosen zum Trotz.

    Das wünscht

    Ute Thalmann, Pastorin

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    Andacht zum Ewigkeitssonntag

    22. November 2020

    Schriftwort: Hebräer 6, 13 -18

    Als Gott dem Abraham SEIN Versprechen gab, schwor er bei sich selbst. Denn ER konnte ja bei niemand Größerem schwören. ER versprach: „Ich will dich mit MEINEM Segen segnen und dir zahlreiche Nachkommen geben.“ So wartete Abraham geduldig und erhielt die versprochene Gabe.

    Menschen schwören ja bei einem Größeren. Der Eid dient ihnen zur Bekräftigung und lässt jeden Einwand verstummen. Deshalb hat Gott sich mit einem Eid verbürgt. ER wollte denen, die das versprochene Erbe erhalten, ganz deutlich zeigen, dass SEIN Wille unumstößlich ist. Diese beiden unumstößlichen Tatsachen, bei denen Gott unmöglich lügen kann, sollen uns einen starken Ansporn geben. Wir haben unsere Zuflucht ja schon gefunden. Entsprechend sollen wir an der Hoffnung festhalten, die uns in Aussicht gestellt ist. Sie ist für unser Leben ein sicherer und fester Anker. Er reicht hinein bis ins innerste Heiligtum hinter dem Vorhang. Dort ist Jesus als Wegbereiter für uns eingezogen. (Übersetzung der Basis – Bibel)

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Manche biblischen Texte sind sperrig und erschließen sich für uns beim ersten Lesen noch lange nicht, geschweige denn beim ersten Hören. Sie sind anstrengend. Und dazu gehört mit Sicherheit der „Brief an die Hebräer“, aus dem der obige Abschnitt stammt. Und dennoch lohnt es sich, am Ewigkeitssonntag in ihn hinein zu hören, seinen Gedanken und Bildern zu folgen. Nehmen wir seine Spur auf, so gelangen wir ans Ende des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung. Im ganzen Mittelmeerraum gab es bereits seit gut 40 Jahren kleinere und größere christliche Gemeinden. Die Generation der Jünger und eine weitere, zu denen auch der Apostel Paulus gehörte, waren bereits gestorben. Jetzt lebten gerade noch die Enkel der ersten Jüngergeneration. Wir treffen auf einen Menschen, der als Lehrer in einer christlichen Gemeinde arbeitete. Heute würde man ihn einen Theologen nennen. Leider kennen wir seinen Namen nicht, auch nicht den Ort, an dem er lebte. Was wir von ihm wissen, können wir nur aus den Zeilen erheben, die er uns hinterließ. Seine Sprache klingt gebildet – und angestrengt.

    Ja, auch der Schreiber unseres Textes strengte sich an, bemühte sich, eindringlich mit Argumenten und Begründungen seine Leser zu überzeugen. Denn er machte sich große Sorgen um sie: Immer mehr Zweifel nagten an ihnen.

    Ihre Eltern oder Großeltern oder sie selbst waren Christen geworden, hatten sich taufen lassen, die Tradition ihres jüdischen Glaubens hinter sich gelassen – in der Hoffnung, dass Jesus der Messias jetzt die Verheißungen der Heiligen Schrift erfüllen würde. Das Reich Gottes, die neue Welt voller Gerechtigkeit und Frieden, die würde jetzt Wirklichkeit werden, weil der Messias gekommen war.

    Aber die Lebenserfahrung der Menschen war eine ganz andere. Es blieb noch nicht einmal alles beim Alten, sondern es wurde alles immer schlimmer. Die staatlich gelenkte Verfolgung der Christen verbreitete Leid, Angst und Schrecken. Klar, dass da die Zweifel wuchsen. Klar, dass da nicht wenige den Kontakt zu ihrer Gemeinde abbrachen, um dem Druck der Verfolgung auszuweichen. Und bei denen, die blieben, wuchs die Verunsicherung. Der Schreiber unseres Textes wusste darum und gab sich die größte Mühe mit seinen Möglichkeiten, seine Leser und Hörer zum Bleiben im Glauben zu bewegen.

    Wie er das tut, kann auch für uns heute eine Hilfe sein. Denn auch wir kennen die Sorgen von damals – wenn auch unter anderen Bedingungen. Kleiner werdende Gemeinden, Ängste vieler Art vor der Zukunft, wachsende Fragen, wie wohl Glaube gelebt werden kann in einer Welt, die nur noch vom Geld regiert wird und in einer Zeit, in der Religionen missbraucht werden, um Menschen zu Mördern zu machen.

    Als erstes nimmt der Schreiber unserer Zeilen seine Leser und Hörer ernst. Er wischt ihre Zweifel und Ängste nicht einfach beiseite, sondern nimmt sie auf und weitet den Blick – heraus aus der engen Perspektive der Gegenwart, hinein in die vertraute Erinnerung: Gott steht zu SEINEM Wort, wie ein Eid, immer und über alle Generationen hinweg. Siehe Abraham, dessen Nachkommenschaft tatsächlich nicht mehr zu zählen ist.

    Als zweites führt der Schreiber die Erinnerung wieder in die Gegenwart: Ihr, die ihr jetzt lebt mit euren Sorgen und Nöten, ihr gehört dazu, ihr seid Erben und Teil dieser Nachkommenschaft Abrahams und deshalb gilt auch für und über euch das Segenswort, der Eid des HERRN. Auch wir dürfen uns in dieser Linie angesprochen und gemeint fühlen, weil wir tatsächlich zu denen gehören, die als Glaubende leben.

    Als drittes richtet der Schreiber den Blick seiner Leser aus der Gegenwart in die Zukunft: Wenn die Gegenwart gewiss ist, dass wir zu denen gehören, die mit Gott unterwegs sind, dann ist auch die Zukunft gewiss, weil sie in Gottes Hand liegt. Und das schenkt uns die Hoffnung, die stärker ist als alles, was wir durchleben müssen, weil sie verankert ist bei Gott selbst.

    Ein starkes Bild, der Anker. Selbst für Landratten sofort verständlich. Sicheren Halt verbinden wir damit, nicht nur für Boote und Schiffe, auch im übertragenen Sinn. Vom „Rettungsanker“ sprechen manche und denken an Menschen, die ihnen Halt gaben in Not. Das sind ergreifende Erfahrungen. Der Schreiber unseres Textes weitet den Horizont seiner Leser noch darüber hinaus: Der Anker ist Gott selbst, ER schenkt das Vertrauen in SEINE Liebe und aus diesem die Kraft und den Mut zum Leben, was auch kommen mag. Amen.

    Gebet:

    HERR unser Gott, besonders an diesem Sonntag gehen unsere Gedanken auf die Reise zu den Menschen, die wir verloren haben. Empfange Du sie am Ende ihrer letzten Reise in der ewigen Heimat. Wir leiden unter der Macht, die der Tod in unserem Leben und in unserer Welt hat.

    HERR unser Gott, wir leiden unter der Macht, die der Tod in unserem Leben und in unserer Welt hat. Du hast uns die Hoffnung geschenkt, dass Dein Sohn dem Tod letztlich die Macht genommen hat. Verankere diese Hoffnung ganz fest in unseren Herzen, damit wir getrost und getröstet leben können.

    HERR unser Gott, Wir bitten Dich: Öffne uns die Augen, dass wir erkennen, was wirklich zählt in unserem Leben. Dass wir die Teit, die Du uns schenkst, miteinander und füreinander leben zu Deiner Ehre.

    Amen

    Beten wir das Vaterunser.

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zum Buß – und Bettag, 18. November 2020,

    Schriftwort: Jesaja 1, 10 -18

    Höret des HERRN Wort, ihr Herren von Sodom! Nimm zu Ohren die Weisung unsres Gottes, du Volk von Gomorra!

    Was soll mir die Menge eurer Opfer?, spricht der HERR. Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fettes von Mastkälbern und habe kein Gefallen am Blut der Stiere, der Lämmer und Böcke.

    Wenn ihr kommt, zu erscheinen vor mir – wer fordert denn von euch, dass ihr meinen Vorhof zertretet? Bringt nicht mehr dar so vergebliche Speisopfer! Das Räucherwerk ist mir ein Gräuel! Neumonde und Sabbate, wenn ihr zusammenkommt, Frevel und Festversammlung mag ich nicht!

    Meine Seele ist Feind euren Neumonden und Jahresfesten; sie sind mir eine Last, ich bin’s müde, sie zu tragen.

    Und wenn ihr auch eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor euch; und wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht; denn eure Hände sind voll Blut.
    Wascht euch, reinigt euch, tut eure bösen Taten aus meinen Augen, lasst ab vom Bösen!
    Lernt Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sache! So kommt, lasst uns miteinander rechten, spricht der Herr: wenn deine Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Scharlach, soll sie doch wie Wolle werden.


    Liebe Schwestern und Brüder!

    Was wir heute als Biblischen Text lesen, mögen wir nicht. Höchstens, wenn sich dessen harter Inhalt auf andere Menschen bezieht oder auf gesellschaftliche Entwicklungen, die uns beunruhigen, aufregen, zu denen das passt und auch unbedingt mal gesagt werden müsste. Die Schwierigkeit liegt aber darin, dass wir selbst gemeint sind, ohne wenn und aber. Jedenfalls, wenn wir uns als Gemeinde der Gläubigen verstehen, die mit Gott ihren Weg durch die Zeit gehen. Wir sind gemeint, uns wird der Spiegel durch Gottes Wort vorgehalten. Auch wenn sich unsere Gottesdienstpraxis und sicher auch unsere Frömmigkeitsform erheblich von der am Tempel in Jerusalem vor etwa 2500 Jahren unterscheidet. Denn auf die Form kommt es Gott nicht an, wie Jesaja der Festgemeinde im Tempel im Auftrag des HERRN um die Ohren haut.

    Auch unsere Gottesdienste stehen der in der Gefahr, zur Routine zu werden, um jeden Preis die lieb gewordene Tradition aufrecht zu erhalten. Und da bessert sich nichts, wenn neue Texte und Lieder eingebaut werden oder der Ablauf variiert wird. Das wäre wieder nur ein Kratzen an der Oberfläche und endet im Aktionismus, der umso mehr von den Dingen ablenkt, die nötig sind. Letztlich verkommt auch er zu einer nicht zielführenden Verbindung mit der erstarrter Routine.

    Die Frage ist eher, was geschieht im Gottesdienst mit mir und was nehme ich mit in den Alltag? Eine Umfrage unter Gottesdienstbesuchern ergab, dass zwei Drittel der Befragten nur jene Worte und Themen der Predigt überhaupt aufnehmen, die sie in ihrer vorherigen Haltung bestätigen. Gottesdienst als Selbstbestätigung sozusagen, als Rück-versicherung, dass ich richtig liege, mich nicht ändern muss, alles so weiter laufen kann wie gewohnt und der HERR das genau so sieht. Ein gutes Gewissen ist eben doch auch ein sanftes Ruhekissen, wie der Volksmund sagt.

    Die Festgemeinde in Jerusalem war empört, ja entsetzt: Da stellte sich der Prophet Jesaja doch tatsächlich hin und rief: Gott sieht das ganz anders als ihr!

    Aber bitte, protestierten sie ganz bestimmt, wir sind uns keinerlei Schuld bewusst! Wir erfüllen alle Vorschriften, wir sind es doch, die alles mit rechten Dingen zugehen lassen! Eben nicht, sagt Gott durch Jesaja. Gottesdienst und Leben im Alltag bilden eine unauflösliche Einheit. Wo sie zerbricht, verliert der Gottesdienst seine Kraft.

    Das sind klare Worte, die Gott durch Jesjas Mund spricht. ER möchte erreichen, dass die Menschen umkehren und sich verändern. ER weiß, wie schwer uns das zum einen fällt und zum anderen wie schwer das auch wirklich ist, umzukehren von einem Weg, von dessen Richtigkeit wir felsenfest überzeugt sind. Deshalb zeigt ER uns auch, wie das am besten geht. Es sind drei Schritte, die zur Umkehr führen:

    Der erste Schritt zur Umkehr heißt: Den bisherigen Weg als Irrweg erkennen. Dafür gibt es Hilfe, wenn wir bereit sind, uns den Spiegel vorhalten zu lassen. So wie es der HERR durch den Mund Jesajas für SEIN Volk getan hat. Denn von allein und ohne Hilfe von außen kommt niemand auf den Gedanken, auf dem Irrweg zu sein, bevor er sich völlig verlaufen hat. Allerdings ist dieser erste Schritt zur Umkehr schon eine riesige Herausforderung:
    dass wir uns in Frage stellen lassen mit unseren geliebten Gewohnheiten, unserer vertrauten Weltsicht, unseren eingeschliffenen Verhaltensmustern. Dazu brauchen wir ein festes Vertrauen in den, der uns in Frage stellt, ein Vertrauen, dass ER es gerade durch SEINE harte Kritik gut für uns werden lassen will. Und wenn wir das glauben, dann können wir uns an den zweiten Schritt zur Umkehr wagen:

    Bevor wir uns ändern, müssen wir aufhören mit dem, was nicht gut tut – uns nicht und den Menschen um uns herum auch nicht. Was würde ich gerne ablegen, loswerden, überwinden? Und vor allem: Bei wem kann ich das tun? Doch nur bei IHM, auf dessen Gnade ich hoffen darf, der mir die sorgen und die Schuld von den Schultern nehmen kann, wenn ich IHM von Herzen vertraue. Loswerden, ohne Rache fürchten zu müssen, ohne gebrandmarkt zu sein für immer und ewig, weil SEINE Liebe größer ist als alles, was Menschen sich vorstellen können. Erst wenn wir das verinnerlicht haben, wenn Kopf und Herz frei geworden sind, kann der dritte Schritt zur Umkehr gelingen:

    Hören wir die Stimme Gottes durch Jesaja: „Lernt Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sache! Mit erleichtertem Herzen und freiem Kopf das zu lernen, was dem Leben gut tut, wie es recht ist – mir ebenso wie meinen Mitmenschen.


    Recht ist das entscheidende und wiederkehrende Wort, das Gott den Menschen SEINES Volkes durch Jesaja sagen lässt. Dieses Wort steht im weiten Sinne für jeden geschlichteten Streit, jede benannte und zurechtgerückte Schuld, für jeden Neuanfang, der miteinander gewagt wird. Und da ist der HERR selbst dabei, denn ER sagt: „So kommt, lasst uns miteinander rechten, spricht der Herr: wenn deine Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Scharlach, soll sie doch wie Wolle werden.“

    Amen.

    Gebet:

    Du Gott des Lebens, Du nimmst uns an, wie wir sind. Du liebst uns mit unseren Stärken und Schwächen und vergibst uns, wo wir schuldig geworden sind.

    Wir bitten Dich: Schenke uns den Mut und das Vertrauen, uns durch Dein Wort in Frage stellen zu lassen. Hilf uns, ausgetretene Wege zu verlassen, auf denen wir uns verrannt haben.

    Wir bitten Dich: Weite unsere Herzen und schenke uns helle Augen, dass wir bereit sind, Neues zu lernen, das uns allen gut tut und in Deinen Augen recht ist.

    Wir bitten Dich: Lass uns mehr Zeit füreinander haben, damit das Leben neu aufblüht und Früchte trägt. Heile die Wunden, die uns das Leben und wir uns gegenseitig geschlagen haben und leite uns auf Deinem Weg in Deine Zukunft.

    Amen

    Beten wir das Vaterunser.

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Eine alte Geschichte…

    In diesen Tagen erinnern sich vor allem Kinder an eine Geschichte von einem Mann, der mit einem Bedürftigen, dem er begegnet ist, geteilt – und ihn so gerettet hat: Sankt Martin. Er hat tatsächlich gelebt. In Ungarn um 316/317 n. Chr. wurde er als Sohn eines römischen Offiziers geboren. In Italien ist er aufgewachsen, dort kam er in Kontakt mit Christen. Er besuchte heimlich Gottesdienste und hörte so vom Leben Jesu. Mit 15 Jahren trat er der kaiserlichen Armee bei und beschritt die Offizierslaufbahn, wie sein Vater. Als Achtzehnjähriger wurde er mit seiner Truppe in das Frankenreich (Gebiet des heutigen Frankreich) versetzt. Der Legende nach begegnet er an einem kalten Wintertag in der Stadt Amiens einem frierenden Bettler mit dem er seinen Mantel teilte. Im Traum begegnete ihm Jesus mit demselben Mantelteil und er vernahm eine Stimme:“ Was du dem geringsten deiner Brüder getan hast, das hast du mir getan!“ Martin beschloss, nicht mehr länger als Soldat zu dienen. Er bat um die Entlassung aus dem Heer. Erst wurde ihm Feigheit unterstellt, da das römische Heer bei Worms gegen die einfallenden Germanen kämpfte. Aber nach einem Waffenstillstand wurde schließlich Martins Bitte gewährt. Sein weiterer Weg führte ihn zu Bischof Hilarius (*315- +367), dessen Schüler er wurde. Martin ließ sich taufen und wurde schon bald zum Priester geweiht. Zuerst wirkte er in seiner Heimat, später folgte er dem Ruf des Bischof Hilarius und erbaute ein Kloster in Ligugè und in Marmoutier. Als der Bischof 367 n.Chr. starb, sahen viele in ihm einen würdigen Nachfolger. Er selbst wollte weiter als Mönch leben und versteckte sich. In einer anderen Legende heißt es, dass Gänse ihn verrieten, als er sich in einem Stall versteckt hielt. 371 wurde Martin zum Bischof von Tours ernannt. Weiterhin aber lebte er in Armut und setzte sich für die Rechte der Bauern ein. Er reiste durchs Land und verbreitete den christlichen Glauben. Nachdem er auf einer solchen Reise erkrankt war, starb er am 8.November 397 mit über achtzig Jahren. Am 11.November 397 wurde er in Tours beigesetzt. Bald schon wurde er in der katholische Kirche heiliggesprochen.

    Nach mehr als 1600 Jahren ist die Erinnerung an ihn immer noch lebendig. Seine gute Tat ist Mittelpunkt eines vielfältigen Brauchtums.

    In diesem Jahr aber ist leider alles anders, es werden nicht wie sonst Martinsspiele aufgeführt und Martinshörnchen geteilt. Leider gibt es aufgrund der Bestimmungen zur Corona -Pandemie keine Lampionumzüge der Kinder und Familien.

    Dennoch wollen wir uns in diesen Tagen an Sankt Martin und seine Gabe, die Not des anderen zu sehen und zu helfen, erinnern. Das ist in dieser Zeit wichtiger denn je, denn auch in nächster Nähe, in der Nachbarschaft beispielsweise, gibt es Menschen, die unter dem derzeitigen Lockdown leiden. Ein kleines Hoffnungszeichen würde ihnen sicher gut tun.

    Das Kindermissionswerk „Sternsinger“ lädt zur Aktion: LICHT TEILEN ein. Mit einer kleinen selbstgebastelten Laterne oder einem Licht, dass wir anderen an die Tür bringen, wollen wir ein Zeichen der Hoffnung weiterreichen. Ein Zeichen dafür, dass wir aneinander denken und füreinander da sein und uns unterstützen wollen, gerade in Zeiten, in denen Achtsamkeit und Abstand geboten sind.

    Lassen wir also unsere Lichter füreinander leuchten.

    U. Thalmann, Pastorin

    Im Namen der Mitarbeiter der Region Pößneck

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    Novembergedanken:

    Grau ist er – kalt – Regen und Wind treiben die letzten Blätter vor sich her. November – nicht geliebt – weil er an Abschied erinnert: das Kirchenjahr neigt sich dem Ende entgegen, das Jahr auch.

    Manche stimmt es traurig: „Ist es wieder schon ein Jahr?!“ Ein Jahr in Ausnahmesituation- alles war anders als das, was wir bisher erlebt haben – die Feste waren anders, der Sommer war anders – eben ohne Urlaub im Ausland – ohne Reisen, zumindest für viele. Die Arbeit hat sich verändert. Manchem hat sie keinen Ertrag gebracht durch Corona, eher traurige Bilanzen.

    Menschen gehen in diesen Tagen auf die Friedhöfe, treten an die Gräber ihrer Angehörigen und Freunde. Spüren ihre Trauer, merken, was fehlt.

    Wir spüren in dieser Zeit, wie sich unser Leben verändert.

    Gibt es Lichtblicke in diesem November? Manche meinen, die Gemütlichkeit: im warmen Heim eine Kerze anzünden, ein Buch lesen oder einen Film schauen – und freuen sich drauf.

    Ich kann sie draußen an der Natur ablesen. Denn erst wenn die Blätter von den Bäumen fallen, werde ich gewahr, dass da schon neue Knospen getrieben sind. Vorboten für neues Leben, für kommendes Wachsen und Blühen, sicher klein und zart, aber schon sichtbar. Hoffnungszeichen in grauen Novembertagen. Zeichen auch für unser Leben in diesen Wochen.

    Welche kann ich für mich persönlich entdecken? Wo treibt mein Leben neue Knospen, trotz Dürre, trotz der Veränderungen, die uns manchmal hin und her wirbeln, wie die Herbstblätter im Wind?

    Es lohnt sich, genauer hinzusehen und hinzuspüren, und die zarten Knospen zu entdecken sorgsam zu hüten, damit sie im kommenden Frühjahr austreiben. Manche brauchen etwas Schutz, wie frische Pflanzen im Garten. Die meisten sind so widerstandsfähig, dass sie die Kahlheit und Fröste ertragen.

    Die Bibel ist voll solcher Hoffnungszeichen, die Menschen wahrgenommen haben- eines davon hat der Prophet Jeremia in einer Zeit „gehört“, in der Menschen im Exil und im Ausnahmezustand in einem für sie fremden Land leben mussten: Gott spricht: sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten. (Jeremia 31,9).

    Trost und Orientierung, aus denen wirklich neues Leben erwachsen ist – für ein Volk und ein Land, vielleicht auch noch mehr – damals vor 2500 Jahren. – Ein Wort, das auch hineinspricht in unsere Novembergedanken als Monatsspruch.

    Mögen Sie achtsam und aufmerksam bleiben, um die Lichtblicke und Knospen neuen Lebens auch in den kommenden Wochen wahrzunehmen und sich davon berühren und bewegen zu lassen.

    Ute Thalmann

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    Sterben ist auch Leben – Leben vor dem Tod

      Ambulanter Hospizdienst bietet Begleitung und informiert über Ehrenamtsarbeit

    „Wir können dem verbleibendem Leben nicht mehr Zeit geben, aber der verbleibenden Zeit mehr Leben“, dieser Satz der britischen Krankenschwester Cicely Saunders ist das Leitmotiv

    des ambulanten Hospizdienstes der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein, den ehrenamtlichen Begleiterinnen und Begleiterin sowie drei hauptamtlichen Mitarbeiterinnen.

    Hospizdienst bedeutet Begleitung von schwerkranken und sterbenden Menschen sowie ihrer Zugehörigen im häuslichen Bereich, in Pflegeheimen und in Krankenhäusern.

    Beim Hören des Wortes Hospiz denken viele Menschen an Sterben und Tod – das ist wohl richtig, doch Sterben ist auch Leben – Leben vor dem Tod. Und wir wollen dazu beitragen,

    dass dieser Weg mit Dingen gefüllt wird, die für die Betroffenen wichtig und notwendig sind.

    Menschen suchen in schweren Stunden Trost und Hoffnung, Geborgenheit und Wärme, Kraft und Mut. Die Betroffenen und ihre Zugehörigen befinden sich häufig in einem Chaos der Gefühle.

    Dann können Begleiter individuelle Unterstützer sein. Sie erspüren die Waage zwischen Reden und Schweigen, Kommen und Gehen, Weinen und Lachen… Bestärken die Betroffenen wichtige Angelegenheiten selbst zu regeln. 

    Dabei fällt dem Ehrenamt eine tragende Rolle zu. Denn die Begleitung übernehmen liebevolle und sozial engagierte ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 

    Jeder einzelne von ihnen besitzt unterschiedliche Gaben und Talente, die sie für die Umsetzung der Hospizidee nutzen.

    „Wir sind immer wieder dankbar für Menschen, die sich uns anschließen möchten. Diese werden in einem besonderen Befähigungskurs auf ihren tiefgründigen Dienst am Menschen vorbereitet“,

    sagt Leiterin Christine Josiger.

    In der vergangenen Zeit wurden immer wieder Begleitungsanfragen aus ihrem Gebiet an uns gestellt und wir möchten diesen Anfragen gerecht werden. Dazu brauchen wir ihre Hilfe.

    Suchen Sie ein Ehrenamt? Fühlen Sie sich von der Notwendigkeit unseres Dienstes angesprochen? Möchten Sie den Befähigungskurs besuchen?

    Dann melden sie sich bei uns.

    Kontakt:

    Bad Lobenstein/Schleiz:  Tel.: 036651 – 3989-3989, Mail: Hospiz.Lobenstein@diakonie-wl.de

    Saalfeld/Pößneck/Triptis: Tel.: 03671 – 5254 – 955, Mail: Hospiz.Saalfeld@diakonie-wl.de