• Andachten

    Andacht zum 15. Sonntag nach Trinitatis, 12 .September 2021

    Text: Lukas 17, 5+6

    Die Apostel baten den HERRN: »Gib uns doch mehr Glauben!« Der HERR antwortete: »Selbst wenn euer Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkorn, könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum hier sagen: ›Hebe dich samt deinen Wurzeln aus der Erde und verpflanze dich ins Meer!‹, und er würde euch gehorchen.«

    Gedanken zum Text:

    Wir Menschen beurteilen für unser Leben gern – allerdings am liebsten andere. Aussehen, Fähigkeiten, Verhaltensweisen bewerten wir nach unseren Vorstellungen und Ansichten. Der Glaube macht da keine Ausnahme. Es gibt Christen, die behaupten, die „anderen“ wären im Glauben „noch nicht so weit“, müssten noch mehr „wachsen“. Zu diesen „Flachwurzlern“ gehörten wohl auch die Jünger Jesu. Verwunderlich, oder? Gerade die Freunde Jesu müssten doch wahre „Glaubenshelden“ oder zumindest Vorbilder im Glauben gewesen sein. Aber nein, auch sie waren (Gott sei Dank!) ganz normale Menschen wie Du und ich, mit Fragen und Zweifeln und Herausforderungen, durch die ihr Glaube immer wieder neu auf die Probe gestellt wurde. Klar, sie hatten es oberflächlich gesehen leichter als wir: Sie waren mit Jesus unterwegs, konnten IHN so zu sagen auf dem „kurzen Dienstweg“ bitten, bei ihrem Glauben noch „eine Schippe drauf zu legen“. Immerhin: Sie fragen den Richtigen. Denn nur ER allein hat die Kraft, uns den Mut zum Vertrauen, zum Glauben zu schenken. Die Antwort Jesu ist wieder einmal typisch: Statt einem kurzen „geht klar, Jungs, mach ich doch gerne!“ spricht ER wie so oft in Bildern. Senfkorn und Maulbeerbaum und das Meer sind es hier, eines der kleinsten Samenkörner,und ein Baum mit unglaublich tiefem Wurzelwerk und die unendliche Wasserwüste. Was ER SEINEN Jüngern damit sagt: Denkt nicht, dass ihr zu wenig Glauben habt! Selbst ein winzig kleiner Glaube, ein ganz zartes Vertrauen zu Gott hat eine unglaubliche Kraft, kann scheinbar unüberwindbare Herausforderungen im Leben bestehen helfen und durch schmerzhafteste Zeiten tragen. Wie ich drauf komme? Eben die Bilder: Der Maulbeerbaum ist groß und kräftig und trägt süße Früchte und wenn das Meer auch noch so tobt, er steht fest. Es ist also sinnfrei, die „Glaubensstärke“ bewerten zu wollen, weder bei sich selbst, wie die Jünger es taten und erst recht nicht bei anderen. Was allein zählt, ist das Grundvertrauen in die Liebe Gottes, zu dem uns der HERR Mut macht.

    Gedanken zum Bild:

    Wenn wir nach einem wuchskräftigen Baum mit leckeren Früchten suchen würden für einen bildhaften Vergleich, kämen wir sicher nicht zuerst auf einen Maulbeerbaum. Denn die sind in unseren Breiten doch recht selten. Näherliegend wäre da schon der Walnussbaum. Den gibt es gar nicht so selten und der hat eine ausgesprochen starke Wuchskraft. Vor wenigen Jahren haben wir einen in unserem Garten als Setzling gepflanzt und inzwischen ist er zu einem stattlichen Baum herangewachsen. In guten Jahren wie diesem dürfen wir uns auch auf eine große Zahl leckerer Nüsse freuen. Zugegeben, man kommt nicht ohne die Mühe des Nussknackens an sie heran und ihr Geschmack ist auch nicht jedermanns Sache. Aber sie sind sehr gesund und außerdem aus der nun bald schon wieder anstehenden Weihnachtsbäckerei nicht weg zu denken. Als bildlicher Vergleich für die Kraft des Glaubens eignet sich der Walnussbaum in unseren Breiten jedenfalls bestens.

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir danken DIR dafür, dass DU unsere Erde belebst aus der Fülle DEINER Gaben, die uns Kraft schenken und aufleben lassen.

    HERR, vor DIR legen wir ab, was uns bange macht und bedrückt – unsere Ratlosigkeit angesichts vieler Entwicklungen in der Welt und in unserer Gesellschaft, unser Unvermögen und unsere Angst, etwas zu verlieren.

    HERR, wir bitten DICH, belebe uns und schenke uns DEINEN Geist, dass wir die Zeichen der Zeit erkennen und zuversichtlich bleiben in unserer Liebe zum Leben. Hilf uns, sehen zu lernen und da zu sein, wo DU uns brauchst.

    HERR, wir bitten DICH für alle in unserer Nähe und in der Weite de Welt, die niemanden haben, der zu ihnen hält, sich um sie sorgt und sie durchs Leben begleitet. Für die Sterbenden bitten wir, dass DU ihnen entgegen gehst.

    HERR, unser Gott, mach uns zu DEINEN Boten, die Hoffnung und Zuversicht auf DEIN Reich verkünden und in ihrem Leben erfahren, damit wir andere einladen können, mit uns zu gehen. Mach uns, HERR, bereit für alles, was von DIR kommt, dass wir geborgen bleiben unter DEINEM väterlichen Segen.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 14. Sonntag nach Trinitatis, 5.September 2021

    Text: Psalm 103,2 (Wochenspruch) Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

    Gedanken zum Text:
    Manchmal vergesse ich etwas. Das ärgert mich jedes mal und ich bin froh, wenn das Vergessene nicht allzu wichtig war. Wenn aber doch, kann das richtig peinlich werden. Den Namen eines Bekannten, die versprochene Zuarbeit, den Termin, den Geburtstag eines Freundes – einfach vergessen. Leider passiert mir das immer wieder. Kennen Sie das auch? Ich bewundere Menschen mit nahezu perfektem Gedächtnis und bin froh, dass es Hilfsmittel gibt gegen
    das Vergessen. Der sprichwörtliche Knoten im Taschentuch funktioniert nicht mehr so gut, seitdem die großen, karierten Herrentaschentücher aus Stoff außer Mode gekommen sind.

    Aber Gott sei Dank gibt es ja elektronische Helfer oder auch den klassischen Taschenkalender. Der hilft mir, mich an alle mehr oder weniger wichtigen Dinge zu erinnern. Sich erinnern zu können, dem Vergessen ein Schnippchen zu schlagen, das ist eine ganz wesentliche Voraussetzung, um den Alltag des Lebens zu meistern. Das spüren die Menschen am deutlichsten, die an Demenz erkrankt sind und natürlich auch deren Angehörige. Sich erinnern
    zu können macht darüber hinaus auch dankbar, erleichtert das Herz und erfrischt die Gedanken. So ist es noch viel mehr als eine Voraussetzung, den Alltag zu bestehen. Es gibt Halt und Orientierung, vergewissert mich, wo ich
    herkomme, wo ich hingehöre und wohin ich gehe. Eine Hilfe zur Erinnerung in diesem Sinn bietet uns das Wort aus dem 103. Psalm: Lobe den Herrn, meine Seele, – und vergiss nicht, – was ER dir Gutes getan hat. Ursprünglich wur-
    de dieses Glaubenslied im alten Israel gesungen. Für Israel ist die Erinnerung daran, was Gott SEINEM Volk Gutes getan hat, bis heute gegenwärtig. Zum Passahfest erzählen sich die Menschen die Geschichte der Befreiung ihres
    Volkes aus der ägyptischen Sklaverei. Mitten in der Gegenwart finden sie sich wieder in der Geschichte ihrer Vorfahren so, als hätten sie diese selber erlebt. Sie werden eins, erfahren und erleben sich selbst als Menschen des Gottesvolkes, mit dem ER durch die Zeit unterwegs ist, was auch kommen mag. So zeigt ER SEINE Liebe zu SEINEM Volk. Daran zu erinnern, lohnt sich immer. Die unvergessliche Liebesgeschichte Gottes erzählt Jesus für uns weiter. Wie die Menschen Israels können auch wir erleben, dass wir Anteil daran haben. Das dürfen wir für uns ganz persönlich annehmen.
    Nicht nur in guten Zeiten. Auch in schweren Zeiten: der HERR steht zu uns. Auch wenn aus menschlicher Sicht alles dagegen sprechen mag, SEINE Zusage gilt – weil ER uns liebt.

    Diese Gewissheit macht dankbar und froh, dass wir einstimmen können in das Lob Gottes, auf unsere Art, laut oder leise, schräg oder gekonnt – Hauptsache mit unserer eigenen Stimme. So wie es Israel und die gesamte Christenheit seit Jahrtausenden tut.

    Gedanken zum Bild:
    Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss
    nicht, was er dir Gutes getan hat. Zum Guten
    gehört auch die Schönheit SEINER Schöpfung,
    wie sie sich in den Jahreszeiten spiegelt. Si-
    cher, es gibt immer Leute, denen der Winter zu
    wenig Schnee bringt und der Sommer entweder
    zu heiß und zu trocken oder zu kalt und zu nass
    ist. Jetzt geht es wieder mit Riesenschritten auf
    den Herbst zu – eine Jahreszeit, die auf der Be-
    liebtheitsskala wohl bei den meisten eher wei-
    ter hinten rangieren dürfte. Das liegt wohl dar-
    an, dass sie den grauen November vor Augen
    haben. Dabei kann es im Herbst auch unglaub-
    lich schöne Momente geben. Wir müssen sie
    nur entdecken und uns einen Augenblick Zeit
    für sie nehmen, bevor sie vergehen. Dieser
    Blick in den sonnendurchleuchteten Ahorn-
    baum ist ein solcher Moment, kostbar und ver-
    gänglich und gleichzeitig auch ein strahlendes
    Gotteslob. Festhalten können wir diese Mo-
    mente nicht. Es bleiben nur die Fotos, die unse-
    ren Erinnerungen aufhelfen und die Worte, die
    wir betend sprechen oder singen können: Lobe
    den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht,
    was er dir Gutes getan hat.

    Gebet:
    HERR unser Gott, dankbar bringen wir vor
    DICH alles, was unser Leben ausmacht, was
    uns geprägt hat und erhält. Wir denken vor DIR
    an die Menschen, deren Liebe uns durch das
    Leben begleitet, an alles, was uns ernährt und
    das Leben schön macht.
    HERR, wir danken DIR für unsere Gemeinden,
    für die Schwestern und Brüder im Glauben in
    unseren Orten, in unserem Land und in der
    weiten Welt. Hilf uns, den Weg durch die Her-
    ausforderungen der Zeit gemeinsam in gegen-
    seitiger Achtung unter DEINEM Wort zu ge-
    hen.
    HERR, wir bitten DICH, belebe uns und schen-
    ke uns die Kraft, dass wir uns zu DIR halten
    und das tun, was DU willst in dieser Welt –
    Verlorene zu suchen, Hungernde zu sättigen
    Bedrückten neue Hoffnung schenken.

    HERR, wir bitten DICH um Kraft und Geduld
    und DEIN Erbarmen über unserer Schwach-
    heit. Komm mit DEINER Weite in unsere en-
    gen Gedanken und leuchte mit dem Licht DEI-
    NER Liebe unseren Schritten. Lass uns DEI-
    NEN Namen ehren und eintreten für eine be-
    wohnbare Erde und für die Hoffnung auf DEIN
    ewiges Reich.
    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen
    Beten wir das Vaterunser:
    Vater unser im Himmel
    geheiligt werde Dein Name
    Dein Reich komme
    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf
    Erden
    Unser tägliches Brot gib uns heute
    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir
    vergeben unseren Schuldigern
    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern er-
    löse uns von dem Bösen
    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die
    Herrlichkeit in Ewigkeit.
    Amen
    Es segne uns der allmächtige und barmherzige
    Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 13. Sonntag nach Trinitatis, 29. August 2021

    Text: 1. Chronik 13, 8

    David und ganz Israel tanzten mit aller Macht vor Gott her, mit Liedern, mit Harfen, mit Psaltern, mit Pauken, mit Zimbeln und mit Trompeten.


    Gedanken zum Text:

    Dieser kurze Vers aus dem 1. Buch der Chronik erzählt von einem fröhlichen Volksfest – und Gott ist ganz selbstverständlich dabei. ER ist sogar mittendrin und die Menschen sehen es auch. Denn da ist die Bundeslade, das transportable Heiligtum der Israeliten. Die Bundeslade ist der Ort, wo der HERR selbst wohnt, so waren sie überzeugt. Später erfuhren sie SEINE Gegenwart im großen Tempel Jerusalems. Erst als ihnen die Heimat genommen worden war, erkannten sie IHN als den HERRN der ganzen Welt. Die Formen, IHN zu loben und zu preisen, wandelten sich ebenso. Damals, in der glücklichen Zeit der Königsherrschaft Davids, findet das Gotteslob ganz selbstverständlich unter freiem Himmel statt. Wir stellen uns am besten einen fröhlichen und lautstarken Umzug mit der Bundeslade durch die Gassen der David- stadt vor. Vorneweg der tanzende König mit seinem Gefolge, dann die Bundeslade und danach die verschiedensten Orchestergruppen und Chöre – und alle gaben ihr Bestes. Wenn das keine bunte Mischung war! Zum Gotteslob gehört Musik in ihrer ganzen Vielfalt – von den zarten Harfen und Psaltern bis zu den dröhnenden Pauken und Trompeten und natürlich auch der Gesang. Wie wichtig Musik und Gesang im Gottesdienst sind, haben wir gespürt in der Corona – Zeit, als es untersagt war zu singen. Gott sei Dank, die Orgel durfte spielen. Jetzt dürfen wir wieder singen (unter Beachtung der Regeln) und die Gottesdienstbesucher freuen sich darüber. Selbst Menschen, die bisher nicht als große Sänger in Erscheinung getreten waren, sind hoch erfreut, wenigstens die Möglichkeit wieder zu haben. Eine sagte: „Wenn die Orgel schön laut spielt, dann traue ich mich auch zu singen!“ – also einzustimmen in das Lob Gottes. Und darum geht es. Einzustimmen in das Lob Gottes, fröhlich und ungehemmt, so wie die Israeliten damals auf ihrem Umzug mit der Bundeslade durch die Stadt. Fröhliche, volkstümliche, vielleicht sogar laienhaft gespielte Musik, forsche Lieder und Tanz (!) zum Lob Gottes – es gab Zeiten, in denen das in evangelischen Kirchen unvorstellbar war. Und die liegen noch gar nicht so lange zurück, wie sich die Älteren unter uns sicher noch erinnern werden. Gott sei Dank haben wir die Freude am Gotteslob wiederentdeckt, weil wir zeigen wollen, das unser Gottvertrauen Kraft und Mut für das alltägliche Leben schenkt.

    Foto: Privat (J.Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Ein passenderes Bild zum Thema Lebensfreude und Gotteslob aus unserer Gegend als das der Schlettweiner Kirche kann es kaum geben. Zum einen ist Schlettwein weit bekannt für sein lebensfrohes Dorfleben in den verschiedenen Vereinen. Der Karnevalsverein sorgt für gute Stimmung zu allen Höhepunkten im Jahr und der Gesangsverein pflegt mit viel Liebe und Einsatzfreude die sängerischen Traditionen. Und beide sind auch ihrer Kirche innig verbunden, haben die über Jahre andauernden Sanierungsarbeiten auch immer wieder mit großzügigen Spenden und Benefizkonzerten unterstützt. Ein besonderer Höhepunkt im Jahr ist in Schlettwein mit Sicherheit auch die Kirmes im Oktober, zu der ein festlicher Gottesdienst stattfindet. Jedesmal eine Freude ist das Erlebnis, wenn die Kirmesgesellschaft mit Blaskapelle in die Kirche einzieht und sehr viele kräftig das Lied „Nun lobet alle Gott“ mitsingen. Dann erhalten sie den Segen und brechen zum „Ständchen“ auf, nehmen ihn also mit in die Häuser, wenn man so will. Lebensfreude und Tradition, Kirche und Dorf kommen so zusammen zum Lobe Gottes und zur Freude der Menschen. Anders als damals bei König David – und doch auch ganz im Sinne des HERRN.

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir danken DIR für die heilsame Freude am Leben, die DU uns schenkst in aller Unruhe und allen Sorgen um uns herum. DEIN Wort und DEINE Liebe weiten unseren Blick und stärken unsere Herzen. Du bist bei uns auf unseren Wegen.

    HERR, wir bitten DICH um DEINEN Geist, der unsere Augen öffnet, damit wir in unsren Mitmenschen unsere Nächsten erkennen. Damit wir durch IHN befreit werden, von uns wegzusehen und hinzuhören und zu verstehen, wenn uns unser Nächster braucht in seinem Leben. Schenke uns auch Menschen, die für uns da sind, wenn wir sie brauchen.

    HERR, wir bitten DICH um DEINEN Frieden für unsere Seelen. Nimm von uns die Hast und die Angst, zu kurz zu kommen oder etwas zu verpassen. Lass das Vertrauen unter uns wachsen und die Gemeinschaft in DEINEN Gemeinden und Kirchen.

    HERR, wir bitten DICH für alle, die betroffen sind von Krieg und Elend in unserer Welt, die ausgegrenzt werden von einem Leben in Sicherheit und Wohlstand. Steh ihnen bei und schenke allen Mut und Geduld, die ihnen helfen.

    HERR, wir bitten DICH, wandle in DEINE Gnade und DEINEN Segen, was uns Angst macht in diesen Tagen, was uns mahnt, woran wir zu tragen haben und worauf wir keine Antwort finden.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 12. Sonntag nach Trinitatis, 22. August 2021

    Text: 2. Timotheus 4, 3+4

    Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihrem eigenen Begehren werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren. 

              
    Gedanken zum Text:

    Wen genau der Verfasser des 2. Timotheusbriefes mit seinen Worten im Blick hatte, wissen wir nicht. Aber kaum zu glauben, dass dieser biblische Text schon vor etwa 1900 Jahren geschrieben worden sein soll! Es ist, als ob er unserer Zeit den Spiegel vorhielte. Die christliche Botschaft – mit den Worten des Briefschreibers   „die heilsame Lehre“ – scheint heute tatsächlich für sehr viele unerträglich geworden zu sein – unerträglich langweilig, aus der Zeit gefallen, einfach uncool. Denn Gottvertrauen und Nächstenliebe, damit kommt heute niemand mehr weit. Da gibt es ganz andere Lebenseinstellungen, von denen man wirklich etwas zu haben glaubt: Ich zuerst! – und – Was gehen mich die anderen an?! – stehen da ganz oben auf der Liste, gleich gefolgt von – Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt… Und richtig, wie der Briefschreiber es formuliert: „..nach ihrem eigenen Begehren werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken…“ „Coaching“ für alle Lebensfragen ist  längst in Mode gekommen. „Influencer“ haben ungezählte „Follower“. Und ja, auch auf dem „analogen“ Buchmarkt wimmelt es von Ratgebern aller Art. Das alles auch gern „spirituell“, was nichts weiter heißt als fantasievoll, fabelhaft und einzig auf das Wohlgefühl des „Coachies“, „Users“ oder Lesers angelegt.  Und wenn´s mal Probleme gibt, die sich nicht wirklich verdrängen lassen, dann werden auch dafür die passenden Fabeln erfunden. Fabeln, die einfache Erklärungen liefern und hinter denen man die eigene Angst verstecken kann. Heilsam ist das alles nicht, wie jeder im täglichen Umgang mit seinen Mitmenschen spüren kann. Unversöhnlichkeit, Kälte und Rechthaberei sind allgegenwärtig, ob im Straßenverkehr oder beim Einkaufen im Supermarkt oder wo auch immer. Und die „heilsame Lehre“, die so nahe liegt, die aus diesem Dilemma herausführt, die christliche Botschaft einmal ernst zu nehmen als Wegweiser für das eigene Leben? Fehlanzeige. Davon will nur eine Minderheit etwas wissen. Die Christen waren sie übrigens auch schon zurzeit des Briefes eine Minderheit, also vor etwa 1900 Jahren. Doch es gibt sie bis heute. Und sie werden immer mehr – vor allem in den armen Ländern unserer Welt. Wenn das nicht ein Hoffnungszeichen ist!     

    Foto: Privat (J.Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Christlicher Glaube im Wandel der Zeiten – unsere Kirchgebäude legen davon Zeugnis ab, auch die Stadtkirche von Pößneck. Rechnet man die Bauzeit des Turmes mit ein, so arbeiteten die Handwerker fast 200 Jahre lang an diesem Bau. Nach dem Turm wurde das Hauptschiff errichtet, anschließend der Chor. Spätere Genrationen bauten die Kirche immer wieder um, vor allem im Inneren. Es gab Zeiten, da musste angesichts der schnell wachsenden Bevölkerung der Stadt Platz für viele sonntägliche Gottesdienstbesucher geschaffen werden und der Kirchenraum erhielt drei Emporen. Als Kind habe ich noch erlebt, dass auch diese zum Heiligen Abend bis auf den letzten Platz gefüllt waren. Das war in den 1970er Jahren, als auf dem Marktplatz zeitgleich zur Christvesper das „Jolka – Fest“ (die sowjetische Variante des Weihnachtsfestes) inszeniert wurde. Inzwischen wurde im Rahmen der Umsetzung der Orgel die dritte Empore entfernt. Wir brauchen sie nicht mehr, denn selbst zu Weihnachten reicht inzwischen das Kirchenschiff und die erste Empore für die Besucher aus. Schließlich wird  schon vor dem Lichterfest auf dem Markt Glühwein ausgeschenkt. Da können wir natürlich nicht mithalten. Kurz gesagt: Der großzügige Bau unserer Stadtkirche bietet momentan in der Regel viel zu viele freie Plätze. In der Coronazeit aber stellte sich das als ein echter Vorteil heraus: kein Problem mit den Sicherheitsabständen. Es hat eben alles seine zwei Seiten, könnte man sagen. Oder anders gesagt: Gut, dass wir die Kirche haben. Sie bietet Platz für alle. Ich meine nicht nur das Gebäude, das seit Jahrhunderten fest steht in der Mitte der Stadt. 

    Gebet:

    HERR unser Gott, DIR sei Dank für DEINE Liebe, die ihren Weg immer wieder findet durch die Mauern in unseren Köpfen, erbaut aus den Steinen unserer Angst und unserer Selbstsucht. Durch die Mauern, hinter denen wir uns verstecken und mit denen wir andere und vor allem DICH selbst von uns fernhalten wollen.

    HERR, wir bitten DICH, nimm uns mit auf DEINEM Weg der Liebe, damit unsere Welt menschlicher und freundlicher werde und offener für alle, die miteinander die Zukunft gestalten wollen. 

    HERR, wir bitten DICH, lass uns spüren und erkennen, wo DU am Werk bist und wo DU uns im Angesicht unseres Nächsten begegnest. Mach, dass DEIN Wort unsere Ohren und Herzen erreicht und wir DEINE Sprache verstehen, dass uns DEIN Licht aufgeht in der Freude oder im Schrecken. 

    HERR, wir bitten DICH, wandle in DEINE Gnade und DEINEN Segen, was uns Angst macht in diesen Tagen, was uns mahnt, woran wir zu tragen haben und worauf wir keine Antwort finden. Erbarmender Gott, erhöre uns.  Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN    

  • Andachten

    Andacht zum 10. Sonntag nach Trinitatis, 8. August 2021

    Text: Epheser 5, 8b+9

    Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

    Gedanken zum Text:

    „Kinder des Lichts“, das klingt in den Ohren, das weckt Bilder von Idylle und Sonnenschein – und das lässt ganz viel offen. Denn das ist eine Aufforderung, die in den Versen vorher klar macht, wie das gehen soll. Was also die Kinder des Lichts tun und vor allem nicht tun, ja noch nicht einmal denken sollen. „Wandelt“, heißt es, also auf neudeutsch: Führt euer ganzes Leben, richtet euer ganzes Denken aus in dieser Richtung, als „Kinder des Lichts“ zu leben. Schnell wird klar: Allein aus eigener Kraft wird das nichts mit den „Kindern des Lichts“ – allerhöchstens mit ziemlich flackernden und trüben Funzeln, wenn es extrem gut laufen sollte.Wir leben in der Welt und sind Teil von ihr. Der Epheserbrief möchte uns dennoch Mut machen, indem er uns erinnert: Es liegt nicht an unserem Denken und Handeln, ob es hell wird in unserem Leben. Alles hängt ganz allein von der Liebe Gottes ab. ER hat den ersten Schritt gemacht. ER schenkt uns SEINE Liebe, aus der wir leben können, die unser Leben hell macht. Wir sind also Kinder des Lichtes SEINER Liebe. Das ist das Grundvertrauen und die grundsätzliche Lebenseinstellung, die das Denken und Handeln befreit aus allen Zwängen und Ängsten der ausschließlich an sich selbst gerichteten Liebe, die so viele heutzutage für „normal“ halten. Wer spürt und zu begreifen beginnt, dass Gott ihn liebt, der bekommt einen klaren Blick auf das eigene Leben und unser Zusammenleben. Der findet von daher zu einem erhellenden Verhalten, bemüht sich um klare Worte, setzt sich ein für ein lichtes Miteinander jenseits von Machtspielchen und Rechthaberei. Genau daran werden die „Kinder des Lichts“ erkannt von denen, die ihnen begegnen. Auch wenn sie keine Ahnung von der biblischen Überlieferung haben. Nun gut, sie werden sicher nicht von den „Kindern des Lichts“ sprechen. Aber was Güte ist und Gerechtigkeit und Wahrheit im täglichen Umgang miteinander, das spüren sie ganz genau.

    Foto: Privat (J.Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Eine Mohnblüte ist auch ein „Kind des Lichts“ – und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum ersten ist auch sie ein Geschöpf unseres Gottes, von dem es heißt: Der HERR ist mein Licht und mein Heil…. Zum zweiten braucht sie das Sonnenlicht zum Wachsen. In einem lichtlosen Raum würde sie sterben. Und zum dritten leuchten ihre Blütenblätter in den schönsten Farben – allerdings nur so lange, wie das Sonnenlicht auf sie fällt. Denn sie besitzt keine eigene „Lichtquelle“. Sie reflektiert das Licht der Sonne und lässt es auf ihre ganz eigene Art erstrahlen. Ein sehr schönes und eindrückliches Bild, um die Gedanken des Schreibers des Epheserbriefs zu verstehen. Die Mohnblume macht „ihr eigenes Ding“ aus dem Sonnenlicht, lässt es uns ganz neu und wunderschön wahrnehmen. So kann es auch sein, wenn wir das Licht der Liebe Gottes reflektieren in unser Zusammenleben hinein. Freundlicher und heller würde es werden, und ganz bestimmt auch schöner, weil entspannter. Der Versuch lohnt immer wieder neu.

    Gebet:

    HERR unser Gott, DU allein kannst mit dem Licht DEINER Liebe die Dunkelheit unserer Welt besiegen. Hilf uns, dass wir DEIN Licht weitergeben an alle, die dunkel Zeiten in ihrem Leben durchmachen müssen.

    HERR, wir bitten DICH für alle Menschen, die kein Licht am Ende des Tunnels ihres Lebens sehen, die den Sinn nicht finden können in dem, was sie auszuhalten haben. Gib uns als Gemeinden die Kraft, ihren Weg zu erhellen.

    HERR, wir bitten DICH, gib uns Gesichter, in denen DEINE Güte erstrahlt, Hände, die zufassen, wenn Hilfe nötig ist und Ohren, die offen sind für andere.

    HERR, wir bitten DICH, wehre dem Schrecken des Krieges, des Terrorismus und der Gewalt, bringe den Hass zum Schweigen, der die Herzen der Menschen vergiftet. Belebe unseren Geist, dass wir sagen und tun, was zum Frieden führt.

    HERR unser Gott, DU Vater des Lebens, sei bei allen, die DEINER Hilfe bedürfen in Krankheit und lass die Sterbenden DEINE Hand spüren, die sie leitet in DEINE Ewigkeit. So legen wir DIR alles ans Herz, was uns bewegt.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 9. Sonntag nach Trinitatis, 1. August 2021

    Text: Epheser 2,19

    So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.

    Gedanken zum Text:

    Ihr gehört zu uns, auf Augenhöhe, vollkommen gleichberechtigt. Das hörten mit den Worten des Epheserbriefes Christen im Gebiet der heutigen Türkei am Ende des ersten Jahrhunderts. Vor ihrer Taufe hatten sie viele verschiedene Götter verehrt. Sie kamen aus den unterschiedlichsten Kulturen, Traditionen und Prägungen, die sie mitbrachten in den neuen Glauben. Das waren noch Zeiten! Da wuchsen die Gemeinden statt immer kleiner zu werden! Davon können wir in unserem reichen Land nur träumen. Ich weiß, die Zeiten sind nicht vergleichbar. Jedenfalls ist unsere Zeit unvergleichbar mit ihrem allgemeinen Wohlstand, der generationenlangen Friedenszeit und der fast schrankenlosen individuellen Freiheit im Denken und Handeln. Aber andererseits bleibt der Mensch sich selber treu: Was werden die „Alteingesessenen“, die „Kerngemeinde“ zu den vielen „Neuen“ gesagt haben? Wurden die „Neuen“ mit offenen Armen empfangen? Gab es Vorbehalte? Gab es Forderungen nach Anpassung in Frömmigkeit und Lebensführung? Mit Sicherheit, denn mit der so genannten „Willkommenskultur“ wird es damals nicht viel anders gewesen sein als heute. Unsicherheit auf allen Seiten, Befindlichkeiten nicht zu knapp, die das Zusammenleben belasteten. Diesen Menschen schrieb der Apostel: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ Ihr gehört dazu, alles geklärt, durch Christus selbst, der der Eckstein der Gemeinschaft ist, der ihr Halt und Sicherheit gibt. Den anderen anzunehmen wie er ist, auch wenn ihm die alten Traditionen wichtig sind und er mit seiner gefühlt uralten Bibelübersetzung daherkommt, sie auszuhalten, wenn sie das völlig anders sieht und handhabt, und trotzdem beieinander zu bleiben, das ist eine fortwährende Aufgabe schon innerhalb einer Konfession – aber erst recht im ökumenischen Dialog. Aufeinander zugehen und aufeinander achten, das legt uns Christus immer wieder ans Herz, innerhalb einer Gemeinde und miteinander in der Ökumene. ER weiß, dass uns die anderen guttun. Denn nur in der Begegnung mit ihnen können wir den Respekt und die Bescheidenheit lernen, die vor Gott zählen. Der HERR traut uns zu, dass wir lernen können. Neue Erfahrungen zuzulassen, das scheint in der schwierigen Gegenwart der Gemeinden eine vordringliche Aufgabe zu sein.

    Kirche Pößneck – Jüdewein. Foto: Privat (J.Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Das zweite Bildfenster im Chorraum der Kirche Jüdewein trägt leider keine Jahreszahl, nur einen Verweis auf die Stifter aus der Gemeinde Jüdewein – Köstitz. Es zeigt eine Abendmahlsszene und den Spruch: HERR, bleibe bei uns.

    Das Abendmahl, die Eucharistie, das Herrenmahl und welche Namen das Heilige Mahl sonst noch trägt, ist die persönlichste Erfahrung der Gemeinschaft mit Christus und zugleich der „springende Punkt“ der Ökumene. Das heißt, an diesem Punkt springt alle Gemeinschaft der Kirchen (im Moment noch) auseinander, prallen Traditionen und theologische Lehrgebäude aufeinander und erscheinen als (fast) unüberwindliche Hindernisse auf dem Weg zum Miteinander am Tisch des HERRN. Man könnte sagen: Im Haus des HERRN wohnen sie alle. Aber sie essen immer noch nicht gemeinsam mit dem Hausherrn, weil sie sich unentwegt darüber streiten, wer unter ihnen, den eingeladenen Mitbewohnern, das Sagen hat, wessen Verständnis von allem verbindlich sei. Dem EWIGEN sei Dank, dass SEINE Geduld kein Ende kennt. ER ist eben doch der beste Lehrer.

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir danken DIR für DEINE Gaben, die wir miteinander teilen können. Hilf uns, DEINE Güte zu erkennen in allem, was unser Leben reich macht.

    HERR, wir bitten DICH, dass DEINE Gaben uns miteinander verbinden. Wenn der eine erschöpft ist, lass den anderen achtsam und helfend zur Seite stehen. Wenn eine geplagt wird von Ärger und Zorn, lass sie Halt finden in einem friedfertigen Menschen.

    HERR, wir bitten DICH für DEINE Kirchen und Gemeinden, begleite ihren Weg zu einem geschwisterlichen Miteinander auch weiterhin mit DEINEM Segen. Lass uns leben als Menschen, die DU berufen hast an einen Tisch, als Verwandte und Nachbarn aus allen Völkern DEINER Erde.

    HERR unser Gott, wir bitten DICH, bewahre uns und unsere Nachkommen auf der gefährdeten Erde vor den Folgen unserer Verschwendung und Habgier, vor allem aber vor der Dürre des Herzens. Schenke uns Hoffnung, die stärker ist als der Tod.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 6. Sonntag nach Trinitatis, 11. Juli 2021

    Text: Jesaja 43,1 (Wochenspruch)

    So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.

    Gedanken zum Text:

    Diese großartige Zusage Gottes spannt sich über das Leben. Sie steht über allem, was uns im Leben begegnet, von der Geburt bis zum Tod, über den Zeiten des Entdeckens, der Freude ebenso wie über den Zeiten des Loslassens und des Schmerzes. „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst;“, spricht der HERR zu einem jeden und einer jeden von uns nicht nur in dieser Zeit, sondern SEINE Zusage reicht über unsere Lebenszeit hinaus. ER sagt uns: Ihr braucht keine Angst zu haben, denn ihr gehört zu mir. Was auch kommen mag, ihr gehört zu mir. Ich liefere euch nicht dieser Angst aus, sondern gebe euch Halt in allem, was euch geschieht. Das hörten zuerst die Menschen des Volkes Israel in der babylonischen Gefangenschaft, die bereits fast alle Hoffnung auf eine Rückkehr in die Heimat aufgegeben hatten. Erstaunt erkannten sie, dass Gott sie nicht abgeschrieben und verlassen hatte, sondern ganz i Gegenteil: Dass ER auch in der Fremde zu ihnen hielt und sich als mächtiger erweisen sollte als die Götter der Sieger. Neue Hoffnung keimte auf, neuer Mut und neue Kraft durchströmte die Kinder und Enkel derer, die einst verschleppt worden waren. Sie hielten die Zusage Gottes in Ehren und überlieferten sie ihren Nachkommen. Und auch wir haben Anteil an dieser kraftvollen Zusage Gottes. „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Jede und jeder von uns trägt einen unverwechselbaren Namen. Der EWIGE selbst spricht uns mit Namen an. ER kennt uns und weiß genau, wer wir sind, kennt unsere Stärken und Schwächen, unsere Freude und unsere Sorgen und erst recht unsere Not. ER weiß um die Menschen, um die wir uns sorgen, um die, die uns vorausgegangen sind. Auch die hat ER bei ihrem Namen gerufen, hinein in SEINE Ewigkeit. Bei Gott ist niemand verloren, der IHM vertrauen kann, denn keiner kann aus SEINER Liebe fallen. „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Das sagt uns der EWIGE zu, der Gott Jakobs, Israels, der Vater Jesu, in unserer Zeit, ind der die Götter Babylons längst verschwunden sind im Dunkel der Geschichte. Der HERR über Zeit und Ewigkeit. Das schenkt Mut und Kraft und Trost und die einzige Hoffnung, die stärker ist als der Tod.

    Kirche Pößneck – Jüdewein. Foto: Privat (J.Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Die Konfirmanden der Jahrgänge 1914 -1920 sammelten Spenden zur Finanzierung dieses Bildfensters im Chor der Kirche Jüdewein. Es zeigt die Szene der Taufe Jesu nach Markus 1. Ich denke, dass diese Darstellung sehr bewusst ausgewählt wurde. Denn die Konfirmation (lateinisch: Befestigung) ist nach evangelischer Tradition die bewusste Bestätigung der Taufe durch den jungen Menschen, der in der Regel als Säugling getauft wurde. Getauft sein heißt für sein Leben zu Jesus zu gehören. So wundert es nicht, dass auch das Bibelwort aus dem Propheten Jesaja Gott spricht: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ einer der beliebtesten Taufsprüche ist, denn so verbindet sich die Zusage Gottes mit dem Sakrament und es wird für uns Menschen erlebbar, was sie bedeuten kann für das Leben. Der Reformator Martin Luther hat sich der Überlieferung nach immer wieder in den schweren Krisen seines Lebens an seine Taufe erinnert. Das hat ihm Halt und neue Hoffnung geschenkt. Ich weiß, dass es ihm viele Menschen gleich tun.

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir danken DIR für DEINE Liebe, die DU uns von klein auf schenkst. DU nimmst uns in der Taufe als DEINE Kinder an und begleitest uns durch das Leben. Hab Dank für die Kinder, die DU uns anvertraust. Lass den Geist DEINER Liebe auch in ihrem Leben Raum gewinnen.

    HERR, wir bitten DICH, dass DEINE Liebe spürbar wird in unserem Zusammenleben, dass wir Geduld miteinander haben und einander zugewandt bleiben auch in schwierigen Zeiten. Wehre der Rücksichtslosigkeit und der Selbstversessenheit, die das Zusammenleben zur Qual machen.

    HERR, wir bitten DICH um offene Ohren und weite Herzen für die Sorgen und Nöte unserer Nächsten, aber auch für ihre Ideen und Pläne. Zeige uns, dass wir miteinander unsere Zeit gestalten können. Lass uns einander zum Segen werden in den Familien, unter den Freunden, in der Gesellschaft und in der Welt.

    HERR unser Gott, wir bitten DICH, lass uns DEINE Liebe leben ganz besonders in unseren Gemeinden und Kirchen. Schenke uns Verlässlichkeit, Klarheit und geduldiges Verständnis füreinander in unserer Verschiedenheit und stärke uns, dass wir gemeinsam die Aufgaben angehen, zu denen DU uns berufen hast. Schenke uns Hoffnung, die stärker ist als der Tod.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 5. Sonntag nach Trinitatis, 4. Juli 2021

    Text: Apostelgeschichte 17,27b + 28a  (Monatsspruch Juli 2021)

    Keinem von uns ist Gott fern. Durch ihn leben wir doch, bewegen wir uns und haben unser Dasein. (BasisBibel)

    Gedanken zum Text:

    Beispielhaft, diese Szene: Paulus steht auf dem Marktplatz von Athen, umgeben von kritischen Zuhörern. So verschieden sie sind, in einem Punkt sind sie sich einig: Sie zeigen verhaltenes Interesse an der Botschaft des Paulus. Er soll sagen, woran ein Christ glaubt. Kennen Sie eine vergleichbare Situation? Aus der Öffentlichkeit eines Marktplatzes wohl weniger, aber sicher aus dem privaten Bereich. Meisterhaft beschreibt Lukas als Verfasser der Apostelgeschichte den Verlauf eines solchen Gespräches:  Paulus spricht zuerst über Gott und den Glauben mit beeindruckenden Worten. Dann sagt  er, was diese Glaubenssätze mit ihm selbst und mit seinen Zuhörern zu tun haben, was sie miteinander verbindet, was sie für sich entdecken können: „Keinem von uns ist Gott fern. Durch ihn leben wir doch, bewegen wir uns und haben unser Dasein.“ Ehrlich: Lukas schildert den Paulus als einen begnadeten Missionar. Denn das Gespräch bricht an dieser Stelle nicht ab, wie sonst immer. Pah, heißt es da in der Regel, wo war denn dein Gott, als meine Oma so lange leiden musste? Sie hat sich wund gebetet, so lange sie konnte! Was hat es ihr gebracht? Wo ist dein Gott? Was tut ER gegen die Kriege, die Not, die Katastrophen? Und genau das ist der springende Punkt, an dem so viele abspringen: Die Zumutung des Glaubens, dass Gott das Leid nicht fernhält. Aber ER geht mit durch die schweren und dunklen Zeiten des Lebens. Ich kann mir gut vorstellen, dass die kranke Oma aus dem Beispiel ganz genau darauf vertraut hat und all ihren Kummer dem HERRN ans Herz legte. Für sie war ihr Gebet alles andere als vergeblich. Sie durfte die Erfahrung machen, die Lukas beschreibt: Keinem von uns ist Gott fern. Durch ihn leben wir doch, bewegen wir uns und haben unser Dasein. Und, so lässt Lukas den Paulus auf dem Markt von Athen weiter sagen, der HERR wird alles zu einem guten Ende führen, weil Christus von den Toten auferstanden ist. Gottes Zusage gilt allen, die IHM vertrauen, bis in Ewigkeit. Das ging  den schlauen Athenern bis auf einzelne nicht in den Kopf und das Herz – nicht anders als heute.

    Kirche Pößneck – Jüdewein, Foto: Privat (J. Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Anfang des letzten Jahrhunderts wurden in der Kirche Jüdewein Bildfenster eingebaut, die durch Spenden von Gemeindemitgliedern finanziert worden waren. Das Fenster über dem Nordportal zeigt die Kreuzigung Jesu. Unter dem Kreuz stehen Maria und Johannes, darunter ein Schriftzug: „Es ist vollbracht“. Leiden und Sterben – dafür gibt es kein eindrücklicheres Symbol als das Kreuz, weil ja der Gottessohn selbst daran starb. Auch wer davon keine Ahnung (mehr) hat, verwendet das Kreuzsymbol in diesem Sinn. Auf Demonstrationen wird es herumgetragen, wenn eine Fabrik geschlossen werden soll. Auf Feldrändern steht es, wenn Landwirte wirtschaftliche Schwierigkeiten befürchten. Auf frischen Gräbern von Nichtchristen steht es, bis der Stein gesetzt wird. Aber das Kreuz ist viel mehr als ein Symbol des Endes und des Todes. Das Jüdeweiner Bildfenster zeigt über dem Kreuz die Himmelsrose mit einer Krone darin als Symbol der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu. Erst in diesen großen Zusammenhang gestellt erahnen wir die ganze Wahrheit des Satzes: Keinem von uns ist Gott fern. Durch ihn leben wir doch, bewegen wir uns und haben unser Dasein.        

    Gebet:      

    HERR, himmlischer Vater, DU gehst mit uns auf den wegen unseres Lebens. DU sprichst zu uns durch DEIN Wort in guten und schlechten Zeiten, schenkst uns Mut und Kraft. Dafür danken wir DIR.

    HERR, wir bitten DICH für die Menschen, mit denen wir durch das Leben unterwegs sind, für die Familien, die Freunde. Hilf uns, dass wir  behutsam und aufrichtig miteinander leben. Für die Menschen, die DU uns anvertraut hast und für uns selbst bitten wir um Geduld und Nachsicht und Ausdauer in der Fürsorge,

    HERR, wir wir bitten DICH für DEINE Gemeinden, dass die Menschen DEINEN Ruf hören und DEINER Stimme vertrauen, um sich  aufzumachen für den Dienst am Nächsten.

    HERR, wir bitten DICH für unsere Welt, dass Menschen Wege zum Frieden suchen und gehen, auch wenn ihnen Steine in den Weg gelegt werden. Hilf, dass die großen Sorgen der Zukunft die Kräfte stärken, die schon längst verstanden haben, dass es nur gemeinsam eine Lösung geben kann.  

    HERR, öffne unsere Augen für die Spuren DEINER Liebe in unserer Welt und unserem Leben.

    Schenke uns DEIN Erbarmen, damit DEIN Reich komme.  Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN    

  • Andachten

    Andacht zum 3. Sonntag nach Trinitatis, 20. Juni 2021

    Text: Galater 6,2 (Wochenspruch)

    Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

    Gedanken zum Text:

    Lasten tragen – was, schon wieder oder immer noch? Haben wir nicht eine lange, belastende Zeit hinter uns? Also, von Lasten will jetzt niemand mehr etwas hören. Jetzt ist Sommer und Corona scheint (hoffentlich!) Pause zu machen! Lebensfreude ist angesagt, ungezwungen das Leben genießen, kurz: endlich wieder frei zu sein. Und außerdem: Was soll ich mit der Last der anderen? Muss nicht jeder für sich selbst sorgen und mit sich selbst fertig werden? Und wenn schon einmal etwas unbedingt für andere zu tun ist, dann wird abgerechnet. Der Einsatz muss etwas bringen. Gott sei Dank denkt nicht jeder so. Sonst würde es bald kein gemeinschaftliches Leben im Ort oder im Land geben. Manche sind auch tatsächlich am Limit mit der Last, die sie zu stemmen haben. Da ist es mehr als verständlich, wenn sie sagen: Noch mehr geht nicht und will ich bitte schön auch nicht! Ja, jeder hat Grenzen und es ist nicht gut, diese nicht erkennen zu wollen. Sonst kommt es zur ungesunden Überlastung. Und spätestens dann geht es gar nicht anders: Wir brauchen einen Mitmenschen, der uns eine Last abnimmt. Das kann eine seelische Last sein, die wir in einem vertrauensvollen Gespräch abgeben können. Oft sind es auch ganz praktische Dinge, die uns im Alltag zur Last geworden sind. Einer trage des anderen Last…“- das ist kein schwermütiger Satz, der nichts von Freude wissen will. Das ist ein Satz, der Erleichterung verschaffen möchte, indem er uns erinnert: Wir leben in Gemeinschaft, in Beziehungen. So wollte Gott es von Anbeginn. Nur ist das nicht so einfach, Lasten abzugeben, die eigenen Grenzen zu akzeptieren, die ja so schnell als Schwäche gedeutet werden könnten. Und noch viel schlimmer: Den anderen meine Last, meine Schwäche zuzumuten, das empfinden viele fast als ungehörig – zumindest in der älteren Generation. Wie oft höre ich in Trauergesprächen den Satz: „Er oder sie wollte niemandem zur Last fallen“. Es mag Bescheidenheit und auch eine Portion Scham aus diesem Vorsatz sprechen. Aber ist das Leben nicht von Anfang bis Ende ein geben und nehmen?

    Der Satz geht weiter: „…so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Das Wort „Gesetz“ steht hier als Ausdruck für das verbindliche Gotteswort, für die Weisung des EWIGEN, die zum Leben führt. Sie führt zu einem wirklich tragfähigen Miteinander, in guten, ungezwungenen Zeiten und erst recht in Krisenzeiten.

    Stadtkirche Pößneck Foto: Privat (J. Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Einer trage des anderen Last…“- wie oft werden diese Worte gesprochen worden sein in unserer Stadtkirche im Laufe ihrer jahrhundertelangen Geschichte? Und vor allem: Wie oft werden sich hier Menschen versammelt haben, die gebeugt waren unter der Last ihres Lebens? Menschen, die hier dem HERRN ihr Leid klagten von Krieg und Not, von Krankheit und Trauer, von Armut und Verzweiflung. Denn all das war gegenwärtig im Leben der Menschen. So materiell versorgt und oft auch unbesorgt wie wir zu leben, das konnten sie sich nicht vorstellen. Die Kirche ein Rückzugsort, ein Ort der Stärkung und Vergewisserung. So haben wir sie auch erleben dürfen im Jahr der friedlichen Revolution, nach dem Attentat im Gutenberggymnasium und in den Friedensgebeten zur Zeit des Golfkrieges. Da kamen auch viele Außenstehende zu den Andachten und Gottesdiensten, selbst als es in der untergehenden DDR noch einigen Mut kostete. In der heißen Phase der Pandemie haben wir so bald wie möglich die Kirche wieder geöffnet. Zunächst zum stillen Gebet, aber bald darauf zur Andacht und zum Gottesdienst. Der Andrang der Menschen blieb leider aus. Andererseits entstand in der Pandemie auch viel Neues – wie zum Beispiel diese Andachtsreihe. Nur: Ein „Ersatz“ für den gemeinsamen Gottesdienst in den Kirchen und Gemeinden kann und will das Neue nicht sein. Gut ist, wenn es noch mehr Verbindungen knüpft, damit wir das Gesetz Christi erfüllen können.

    Gebet:

    HERR, unser Gott, wir danken DIR, dass DU unsere Welt erhellst durch DEINE Liebe, die uns in DEINEM Sohn Jesus Christus begegnet.

    HERR, wir bitten DICH für uns, dass unsere Augen mehr sehen können als die Schwächen und Fehler der anderen. Schenke uns Demut und Bescheidenheit, auch unsere eigenen Fehler wahrzunehmen und unsere Grenzen zu akzeptieren.

    HERR, wir wir bitten DICH für alle Menschen, die nur noch das Schlechte sehen können in der Welt und die mit ihren Nachbarn in Unfrieden leben. Öffne ihre Augen für das Schöne und zeige ihnen Wege zur Versöhnung und zum Neuanfang.

    HERR, wir bitten DICH für alle Kranken: Steh ihnen bei, stärke ihre Lebenskraft und geleite sie durch die Zeit ihres Leidens in DEINE Zukunft. Sei auch bei ihren Angehörigen, schenke ihnen Geduld und Kraft, immer da zu sein, wenn sie gebraucht werden.

    HERR, wir bitten DICH, für alle Trauernden: Lass auch sie Menschen finden, auf die sie sich verlassen können. Die ihnen nahe sind und helfen, den Schmerz zu tragen und neuen Lebensmut zu finden.

    HERR, öffne unsere Augen für die Spuren DEINER Liebe in unserer Welt und unserem Leben.

    Schenke uns DEIN Erbarmen, damit DEIN Reich komme. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zur Woche vom 13. bis 1 9 . Juni 2021

    Von Pfarrer Reichmann Pößneck

    Schrifttext_Hebräerbrief 10, 35 (Lehrtext für Montag, 14.6.2021)

    Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.

    Gedanken zum Text

    Stopp, nicht wegwerfen! Halt an, denkt drüber nach, auch wenn´s nur einen Moment lang ist! Es wird so viel weggeworfen – wir werfen so viel weg – und so viel wertvolles ist noch darunter! In der Zeitung stand: Sogar 50% der Müllverbrennungsasche ist noch wiederverwertbar, weil Metalle usw. in lohnender Menge zu finden sind. Wir werfen weg, was das Zeug hält – längst nicht mehr nur materielle Dinge. „Wendehälse“ gab es nicht nur in der Wendezeit. Menschen also, die ihre Überzeugung wechseln wie andere das Hemd. Hauptsache sie haben das Gefühl, es bringt ihnen etwas. Das ist auch beim Glauben nicht anders. Vor einer Weile wollte eine junge Frau getauft werden, weil sie sich „im Westen“ in einem Kindergarten bewerben wollte – aber ohne dass sie an Gott glauben „müsse“. Nach einem ersten Gespräch im Pfarramt tauchte sie nicht wieder auf. Ebenso wenig wie ein Geflüchteter aus Afghanistan – der wollte auch unbedingt möglichst gleich getauft werden. Er glaube an Gott, wie er sagte. Aber dass wir an Jesus als Gottes Sohn glauben, war ihm dann doch nicht geheuer. Er hatte sich das viel einfacher vorgestellt mit der Taufe und dem Übertritt zum christlichen Glauben. Um einen „Glaubensübertritt“ geht es auch in dem Satz aus dem Hebräerbrief. Genauer gesagt um einen erwünschten, geforderten, erpressten Glaubensübertritt – vom Christentum zum römischen Kaiserkult. Ein enormer Anpassungsdruck lag auf den Christen, dem sicher viele nicht gewachsen waren. Denn wer kann schon auf unabsehbare Dauer Diskriminierung, Verfolgung und Willkür bis zur Todesstrafe aushalten? Wer bricht nicht zusammen, wenn es um Frau, Mann oder Kinder geht? Nein, um ein leichtfertiges Wegwerfen des Vertrauens ging es dem Schreiber des Hebräerbriefes nicht, auch nicht um persönlicher Vorteile einzelner halber.Da ging es ums Ganze: um den Fortbestand der Gemeinden in extrem bedrohlicher Zeit, in der immer mehr keine Zukunft mehr für sich sahen. Deshalb weitet der Verfasser des Briefes den Blick seiner Leser, indem er ihr gegenwärtiges Erleben in den Horizont der Heilsgeschichte Gottes mit SEINEM Volk stellt. Die in Aussicht gestellte Belohnung kann der HERR nur selbst geben – „der Seelen Seligkeit“, wie man früher so treffend sagen konnte. Und dem EWIGEN sei Dank: Auch unser Erleben als einzelne ebenso wie als Gemeinden steht im Horizont SEINER Heilsgeschichte. Darauf können wir von ganzem Herzen vertrauen.

    Uhr mit Sternzeichen im Inneren der Stadtkirche Pößneck

    Foto: Privat (J. Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Ich kenne keine zwei Kirchen, die sich völlig gleichen. Jede von ihnen ist in ihrer Gestaltung einmalig und lebt davon, mit wie viel Liebe und Aufwand die Menschen sie schön gemacht haben. Mit sehr viel Liebe und Aufwand und auch enormer Fachkenntnis hat dazu auch einmal ein Uhrmachermeister in der Pößnecker Stadtkirche beigetragen. In einer Zeit, als in den evangelischen Kirchen Land auf Land ab „nach der Uhr“ gepredigt wurde. Der Pfarrer hatte in der Regel eine Sanduhr auf der Kanzel und bestimmte mit ihr die Dauer seiner Predigt. Das schien dem Uhrmachermeister zu schlicht zu sein. Er konstruierte diese große Wanduhr, deren Werk mit dem der Turmuhr gekoppelt ist. Es wäre interessant herauszufinden, ob er damit nicht sogar ein „Alleinstellungsmerkmal“ unserer Stadtkirche geschaffen hat. Einmalig ist auf jeden Fall auch der Schmuckkranz der Uhr mit den „Sternzeichen“, der schwer zu deuten ist. Stehen sie für den Jahreslauf – oder gar für Himmel und Ewigkeit? Das würde nahe liegen. Denn ich bin mir sicher, der Uhrmachermeister wollte mit seinem außergewöhnlichen Werk auch ein Zeichen seines Vertrauens in Gottes Liebe setzen.

    Gebet:

    HERR, unser Gott, DU Gott des Lebens, wir danken DIR, dass DU uns spüren lässt: unser Leben geschieht im Horizont DEINER Liebe, die größer ist als unsere Erfahrungen, unser Verstand und unsere Angst.

    HERR, wir klagen DIR, dass so viele Menschen in unserem reichen Land diesen Horizont weggeworfen haben und sich mit selbst gemachtem Ersatz zufrieden geben. Schenke ihnen die Sehnsucht nach DEINER Liebe.

    HERR, wir bitten DICH auch um Geduld mit uns. DU wartest auf uns, unsere Antwort auf DEINE Liebe. Wir stehen uns oft selbst im Weg, rechnen gar nicht mit DIR oder lassen uns ganz leicht ablenken. DU lädst uns ein und wir lassen uns bitten. Bewege unsere Herzen und Sinne zu DIR.

    HERR, hilf uns zu klaren Worten, wenn es um Gerechtigkeit geht, zu einem langen Atem, wenn wir Traurigen beistehen und zu DEINER starken Hoffnung, wenn wir Verzweifelte auffangen, damit DEIN Horizont auch durch unsere schwache Kraft über ihnen aufleuchte.

    Leite sie alle in DEINER Wahrheit und gewähre uns DEIN Erbarmen, dass DEIN Reich komme.

    Amen