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    Andacht zum 2. Sonntag nach Epiphanias, 17. Januar 2021

    Schriftwort: Johannes 2, 1-11

    Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Diese Geschichte vom Weinwunder in Kana kennen Sie, oder? Sie gehört zu den bekanntesten Jesusgeschichten überhaupt und merkt sich auch ganz leicht. Eine Hochzeitsfeier war ein Höhepunkt im gesellschaftlichen Leben des ganzen Ortes. Mitten im Getümmel der frohen Menschen waren Jesus, seine Jünger und sogar seine Mutter zu finden. Daran ist nicht zu rütteln: Jesus hat an solchen Festen teilgenommen. Wer als Christ solche Feste und ihre Genüsse für ungehörig hält, der möge sich in seiner Ablehnung der Lebensfreude nicht auf Jesus berufen. Feste, auch solche, bei denen es hoch hergeht, waren für den HERRN kein gottloser Sündenpfuhl. Der HERR ist nicht gekommen, um den Menschen das Feiern zu verleiden. Deshalb sorgt ER dafür, dass der Wein wieder in Strömen fließt, als der plötzlich ausgegangen war. Eine kleine Sensation, ein Wunder, ein Kunststück, das den Erfolg der Party garantierte – so könnte man oberflächlich annehmen.

    Wir sind aber, liebe Schwestern und Brüder, mit diesen Gedanken noch längst nicht auf dem Grund der Geschichte vom Weinwunder angekommen. Wir sollten sie noch einmal genau lesen. Am Ende der Geschichte schreibt Johannes eine Art Zusammenfassung: „ER offenbarte SEINE Herrlichkeit und SEINE Jünger glaubten an ihn.“

    Wenn der Evangelist Johannes von der Herrlichkeit des HERRN schreibt, meint er nicht Jesu Fähigkeit, irgendein Wunder zu tun, das die Menschen verblüfft. Und es käme ihm auch nicht in den Sinn, den Glauben der Jünger zu verwechseln mit einem faszinierten Für-Wahr-Halten von irgendwelchen unerklärlichen Ereignissen. Johannes denkt und glaubt von der Auferstehung des HERRN her. Das sagt er auch selbst, gleich zu Beginn der Geschichte: „und am dritten Tage“ – das überhören wir schnell. Das ist doch ganz deutlich eine Anspielung auf Ostern, als sich die Herrlichkeit des HERRN im Sieg über den Tod offenbart. Und wer dem auferstandenen HERRN von ganzem Herzen vertraut, der glaubt, sagt der Evangelist Johannes.

    Die Geschichte von der Hochzeit in Kana erzählt Johannes also in einem österlichen Licht. Allerdings nehmen die Menschen in ihrem Leben dieses österliche Licht nur selten wahr. Sie sehen nur, dass der Wein alle wird, sogar bei einer sorgfältig geplanten Hochzeit. Sie erleben, dass Krankheit und Schicksalsschläge das Leben über Nacht zur Qual machen können. Die Freude ist dahin. Der Wein ist ausgegangen. Und was sagt nochmal Jesus dazu? SEINE Mutter bittet IHN, in dieser Situation schnell und unkompliziert zu helfen. Sie sagt aber nur: „Sie haben keinen Wein mehr“ Jesus soll’s richten. Schließlich ist ER der Messias, ER hat die Möglichkeit und die Macht dazu. Komm mach mal, Heiland, dass alles wieder so wird, dass es für uns passt!

    Und Jesus antwortet: „meine Stunde ist noch nicht gekommen“. Was sich anhört wie eine Abfuhr, öffnet zunächst einen Abgrund: Den Abgrund der flehentlichen, ja verzweifelten Bitten von Menschen in Not, der HERR möge doch ihre Lebenslage schleunigst ändern – die ohne die gewünschte Antwort bleiben. „meine Stunde ist noch nicht gekommen“. Das scheinbare Schweigen des HERRN stürzt uns immer wieder in Zweifel.

    meine Stunde ist noch nicht gekommen“, sagt der HERR. SEINE Stunde. Wenn Jesus im Johannes-Evangelium von SEINER Stunde spricht, ist immer die Stunde SEINES Todes gemeint. Das verändert die Blickrichtung völlig. Plötzlich steht da kein Bild eines abwartenden Gottes mehr vor unseren Augen, der vielleicht irgendwann einmal eingreift, wenn es IHM einfällt. Sondern da leuchtet das Bild des leidenden, des mit leidenden Christus auf. Der Christus, der die tiefsten Tiefen der menschlichen Existenz durchleiden musste, verraten von seinen Freunden, zu Unrecht verurteilt, gnadenlos verspottet und entwürdigt, am Ende grausam zu Tode gequält.

    Und dieser Christus, das möchte Johannes seinen Hörern ganz unbedingt ans Herz legen, dieser Christus leidet mit uns mit, geht den Weg in den Tod mit uns und durch den Tod hindurch zum ewigen Leben. Und dann kennt die Freude und die Fülle kein Ende mehr, für die der Wein ein uraltes Symbol in der Kultur des Gottesvolkes ist. Auf dieses strahlende Bild läuft die ganze Geschichte der Menschen mit ihren schönen Seiten der Hochzeit und ihren Einschränkungen und ihrer Endlichkeit zu, die wir erleben. Der Evangelist Johannes war nicht nur ein Meister der Sprache. Er kannte auch seine Hörer ganz genau. Die hörten zwar, was Jesus zu ihnen sagte: Füllt die Krüge mit Wasser. Ganz schön mühsam, diese Aufgabe. Mit kleineren Gefäßen das Wasser aus dem See herantragen, in die Riesenkrüge füllen und wieder zurück. Selbst mit einer Eimerkette dauert das seine Zeit und ist eine anstrengende Schufterei. Noch dazu, wenn man nicht weiß wozu. Denn der Wein war alle, nicht das Wasser. Und selbst wenn jemand von den Dienern Marias Bemerkung richtig verstanden hätte – die Antwort Jesu ließ ja alle Spekulationen über eine schnelle Abhilfe verstummen. Allerdings gab es da etwas, was die Diener verwunderte und hellhörig werden ließ:

    Marias Reaktion auf die abweisenden Worte ihres Sohnes. Sie blieb ruhig, gab kein Kontra oder hob den Zeigefinger. Sie wandte sich an die Diener und sagte: Was ER euch sagt, das tut. Was ER euch sagt, das tut. Das gilt auch uns. Auch wenn wir uns wund gelaufen haben mit den schweren Wassereimern und manchmal erschöpft fragen, wie oft wir noch laufen müssen – ER wird das Wasser in Wein verwandeln, darauf vertraue ich.

    Amen

    Gebet

    HERR, wir danken DIR, dass DU mit uns bist auf unseren Wegen, auch wenn wir DEINE Spuren manchmal erst nach vielen Jahren entdecken können.

    HERR, wir bitten DICH für alle Menschen, die an ihrem Leben verzweifeln oder unter den Belastungen ihres Alltags die Hoffnung zu verlieren drohen. Stelle ihnen Menschen an die Seite, die ihnen beistehen.

    HERR, wir bitten DICH für alle, die von Schicksalsschlägen getroffen wurden, schenke ihnen Lebensmut, Geduld und Kraft für ihren Lebensweg.

    HERR, wir bitten DICh für uns alle, dass wir DEIN österliches Licht in unserem Leben und in unserer Welt wahrnehmen können. Schenke uns weiten Raum für unsere Gedanken und Gefühle und lass uns zusammenstehen.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zur Woche vom 10.-16.1. 2021 (erste Woche der ökumenischen Gebetswochen in unserer Region)

    Schriftwort: 5. Mose 6, 20+21; 24+25 (aus der Allianzgebetswoche 2021)

    Wenn eure Kinder später fragen, wozu all die Weisungen, Gebote und Rechtsbestimmungen gut sind, die ihr vom HERRN, eurem Gott, bekommen habt, dann gebt ihnen zur Antwort: »Als Sklaven mussten wir dem König von Ägypten dienen, doch der Herr befreite uns mit seinem starken Arm. ER hat uns befohlen, IHN, unseren Gott, ernst zu nehmen und alle diese Gebote zu befolgen, damit es uns gut geht und ER uns am Leben erhalten kann, wie das heute tatsächlich der Fall ist. Unser Tun findet beim HERRN Anerkennung, wenn wir alles genau befolgen, was ER, unser Gott, uns befohlen hat.«

    Gedanken zum Text

    „Lebenselixier Bibel“ ist das Motto der Allianzgebetswoche 2021, das auf gut reformatorischem Fundament steht. Bei Luther hieß das „ad fontes“ – (zurück) zu den Quellen. Damals eine Zeit, in der kaum einer aus dem Volk die Bibel lesen konnte, aber gleichzeitig vielfältige kirchliche Traditionen und eine phantasievolle Volksfrömmigkeit das Leben aller bestimmte. Heute eine weitgehende Unkenntnis über die Bibel in der Bevölkerung und individualistische Lebensgestaltung statt Traditionen. Höchste Zeit also, die Bibel (wieder) mehr ins Gespräch zu bringen und sich auf Entdeckungsreise in ihre Welt zu begeben. Der Text aus dem 5. Buch Mose ist ein Souvenir einer solchen Reise. Ein Mitbringsel, das man vor Ort wohl ganz nett fand. Zuhause wieder angekommen, stellt man aber fest: So richtig passt es nicht. Zumindest nicht zu dem, was wir uns als evangelisch geprägte Christen noch von biblischen Entdeckungsreisen mitgebracht haben. Denn hier heißt es: „Unser Tun findet beim HERRN Anerkennung, wenn wir alles genau befolgen, was ER, unser Gott, uns befohlen hat.“ Das passt doch nicht zu Paulus, der im Römerbrief (4,13) schreibt: Gott hat Abraham und seinen Nachkommen versprochen, dass sie die ganze Welt als Erbbesitz erhalten. ER gibt ihnen dieses Versprechen aber nicht, weil sie das Gesetz befolgen. ER gibt es ihnen, weil ER sie aufgrund ihres Glaubens als gerecht annimmt.“ (Basis Bibel) Also allein der Glaube, das Vertrauen bewirkt, dass Gott uns anerkennt. Aber beides steht in der Bibel, weil der HERR es ist, der weiß, wie verschieden SEINE Menschen sind und ihre Art zu glauben. Die Heilige Schrift zu lesen und zu bedenken hilft uns, diese Vielfalt der Glaubenswege und Frömmigkeiten als SEINEN Willen zu erkennen. Ein außerordentlich wichtiger Impuls nicht nur in unserer Zeit, sondern auch dann, „Wenn eure Kinder später fragen…“

    Gedanken zum Bild:

    Winterschlaf – endlich mal wieder Schnee auch im Orlatal. Alles eingefroren, um die Zeit bis zum Frühlingserwachen zu überdauern. Das Bild passt gut in die Pandemiezeit. Viele Menschen haben das Gefühl, durch die notwendigen Maßnahmen in einer Art „Winterschlaf“ zu sein. Das löst sicher unterschiedliche Gefühle aus. Aber mir gefällt das Bild sehr gut, da es eine entspannte Ruhe ausstrahlt. Etwas anderes als Abwarten auf den Frühling hat keinen Sinn, ja wäre sogar gefährlich für die Pflanzen und Bäume. Geht es uns nicht auch so? Alles andere als Geduld zu haben hat keinen Sinn, ja kann sogar gefährlich werden? Möge der HERR uns die Kraft dafür schenken.

    Gebet:

    HERR unser Gott, in unseren Breiten sind es nur wenige, die DICH hören und klein ist DEIN Volk, das DIR folgt. Aber DU hast ein Wort für die Völker der Welt, für die Menschen unter allen Dächern und unter DEINEM weiten Himmel.

    Hilf HERR, unser Gott, dass DEIN Wort die Menschen erreiche und nimm unsere Enge und unsere Ängstlichkeit, dass es auch durch uns laut werde.

    HERR, kläre unseren Blick, damit wir die Menschen wirklich sehen, an denen wir vorübergehen und sei dort nahe, wo unsere Hilfe zu kurz greift.

    Belebe uns und unsere Gemeinden in dieser Zeit, dass unsere Sprache klar und unser Bekenntnis glaubwürdig ist. Sprich DU, wenn wir reden und mache uns zu Zeugen DEINER Liebe.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zu Epiphanias (Heilige Drei Könige – 6. Januar 2021)

    Schriftwort: Johannes 2,8 b (Spruch des Tages)

    Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon.

    Liebe Schwestern und Brüder,

    am Mittwoch ist der „Dreikönigstag“, im evangelischen Festkalender „Epiphanias“ genannt, griechisch für „Erscheinung des HERRN“. Für die katholischen Mitchristen ist dieser Tag ein hoher Feiertag. Erst recht für die orthodoxen Kirchen, die nach ihrer Tradition jetzt erst die Geburt Christi feiern. In der evangelischen Kirche steht dieser Festtag leider im Schatten. Die jahrhundertelange Tradition der Abgrenzung der Konfessionen voneinander hat hier sehr deutlich ihre Spuren hinterlassen.

    Immerhin: In jedem klassischen evangelischen Krippenspiel gehören die „drei Könige“ zum unverzichtbaren Personal. Denn sie spielen in der biblischen Weihnachtsgeschichte des Matthäusevangeliums eine bedeutende Rolle. Und in den letzten Jahren kam noch mehr in Bewegung: Die Sternsinger als „Nachfolger“ der drei Heiligen Könige zum Dreikönigstag sind an manchen Orten auch unserer Region inzwischen ökumenisch unterwegs.

    Nehmen wir also die Spur der „drei Könige“ auf. Zunächst einmal: Dass sie „Könige“ waren, ist eine Annahme, die sich erst ungefähr 250 Jahre nach der Geburt Christi in den christlichen Gemeinden verbreitete. So ganz aus der Luft gegriffen ist sie aus rein praktischen Überlegungen nicht: Die weite Reise aus „dem Morgenland“, also dem nicht näher definierten nahen oder fernen Osten, nach Jerusalem konnten sich einfache Leute nicht leisten – weder finanziell noch inhaltlich. Denn wer außer den Superreichen hatte die Zeit und das Geld, einem Stern hinterher zu ziehen? Sicher, Handelskarawanen zogen damals auch schon weite Wege. Aber denen hätten sich „echte“ Könige wohl kaum angeschlossen. Jeder von ihnen wäre mit einem großen Hofstaat unterwegs gewesen – was für eine Sensation! Kaum zu glauben, dass das an den römischen Besatzungsbehörden vorbei gegangen wäre, die dem Vasallenkönig Herodes sowieso nicht wirklich über den Weg trauten.

    Aber das Bild von den drei Königen ist einfach zu schön. Denn hinzu kam ein theologischer Gedanke: die Wertschätzung des Heilands durch fremde Könige im Gegensatz zur ablehnenden Haltung der römischen Kaiser im 3. Jahrhundert. Dieser Gedanke wurde später noch ausgeweitet, als den drei Königen Namen „gegeben“ und sie als Vertreter der damals bekannten Kontinente betrachtet wurden, die keine Mühe scheuten, um dem Heiland zu huldigen.

    Bei Matthäus steht kein Wort davon, dass die drei Fremden Könige gewesen seien, geschweige denn ihre Namen. Er bezeichnet sie als „Magier“ und meint damit keine esoterisch abgedrehten Persönlichkeiten oder Showmaster im Zaubereigeschäft, sondern hoch gebildete Wissenschaftler, die sich mit der Sternenkunde auskannten. Die Sternenkunde wurde damals noch nicht scharf getrennt von der Sterndeutung. Wissenschaftler also, die den Lauf der Planeten berechneten und gleichzeitig die Zeichen am Himmel zu deuten wussten.

    Um dieses Himmelszeichen ging es Matthäus, um den berühmten Stern, der den Sternenkundigen bis heute noch Rätsel aufgibt. Alle astronomischen Erklärungsversuche sind bisher fragwürdig geblieben. Es gibt zwar einige kosmische Ereignisse, die damals zu einem hellen Stern am Himmel geführt haben können. Diese passen aber leider nicht wirklich in das „Zeitfenster“ der Geburt Jesu, selbst wenn dieses nur ungefähr um den Beginn unserer Zeitrechnung gefasst werden kann. Wie gesagt, Matthäus geht es um ein Himmelszeichen. Das brachte in den letzten Jahren Forscher auf die Idee, in der Sterndeutung nach einer Antwort zu suchen und sie wurden fündig:

    Sie fanden eine „bedeutungsvolle Planetenkonstellation“ im Sternbild Löwe, die den Sternenkundigen aus dem Morgenland nicht entgangen sein dürfte: Der „Löwe“ ist das Sternbild Judas und wenn in diesem sich Sonne, Mond und Mars „versammeln“, die damals als Gottheiten verstanden wurden, dann geschah aus ihrer Sicht in Juda ein Ereignis von außerordentlicher Bedeutung, das sie unbedingt miterleben wollten. Also machten sie sich auf die weite Reise – und suchten natürlich zuerst den Palast des Herodes in Jerusalem auf – vergeblich und mit dramatischen Folgen, wie uns Matthäus berichtet. Dass er das Phänomen der „bedeutenden Planetenkonstellation“ gekannt haben wird, ist sehr wahrscheinlich. Dass er es in seinem Evangelium durch einen „hellen Stern“ umschreibt, war eine gute erzählerische Idee. Denn mit diesem Bild können seine Leser bis heute viel mehr anfangen.

    Schlussendlich entdeckten die drei „Weisen“, wie der Begriff „Magier“ in vielen Bibelübersetzungen übertragen wird, weit ab vom Palast des Vasallenkönigs Herodes den neugeborenen Heiland und zogen erfüllt, aber schnell und heimlich auf Geheiß des Engels in ihre Heimat zurück. Sie hinterlassen eine deutliche Spur in der Geschichte des Christentums, die bis in unsere Tage reicht. Nicht nur als fantasievoll kostümierte Mitspieler beim Krippenspiel oder Mitsänger in den Sternensängergruppen, sondern weil uns ihre Geschichte auch viel über Gott und uns Menschen erzählt.

    Sie erzählt von unserem Gott, der keine Grenzen kennt. Zeigt er sich doch den andersglaubenden Magiern in ihrer Denk – und Vorstellungswelt – dem Sternbild. Dass diese Magier nicht gleich darauf kommen, dass Gott ihnen da ein Zeichen gibt, ist typisch menschlich. Ebenso typisch menschlich ist das, was die Magier anschließend tun: Sie setzen alles daran, der Sache mit dem Sternbild auf den Grund zu gehen, nehmen alle Beschwernisse der langen Reise auf sich und sind immer überzeugt, die richtige Lösung gefunden zu haben, wenn sie nur in Jerusalem ankommen. Hier müssen sie erkennen, dass ihr Können allein nicht ausreicht. Das Himmelszeichen konnten sie zwar deuten, doch sie sind noch nicht am Ziel. Erst die alten Prophetenworte, die ihnen durch die Schriftgelehrten übersetzt werden, weisen ihnen den Weg zum Ziel ihrer Reise.

    Dort begegnen sie dem Heiland, der sich finden lässt, auch wenn wir Menschen Umwege machen und eigentlich gar nicht wissen, dass wir nach IHM suchen. Sie erlebten, was der Evangelist Johannes beschreibt: Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon.

    Das gilt auch für uns und macht Mut in dieser Zeit, in der Weihnachten für die meisten schon längst wieder in den Kartons und Schränken verschwunden ist und die alltäglichen Sorgen an uns zerren.

    Amen

    Gebet:

    HERR Jesus Christus, DU bist der Morgenstern. Wir bitten DICH für alle Menschen, die auf der Suche sind nach Sinn und Glück. Schicke ihnen ein Zeichen des Himmels, damit sie zu DIR finden, dem Retter der Welt.

    Wir bitten DICH für alle Menschen, die gefangen sind in den Irrtümern und Enttäuschungen ihres Lebens, die sich verrannt haben in ihrem Groll und ihrer Unzufriedenheit. Weite ihren Blick und ihre Herzen, dass sie neu aufbrechen zu DIR.

    Wir bitten DICH HERR für uns, dass wir auf der Suche nach DIR bleiben, gerade dann, wenn wir meinen, DICH gefunden zu haben. Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zum 4. Adventssonntag

    20. Dezember 2020

    Schriftwort: Psalm 102, 13 -23 in Auswahl

    Du aber, HERR, regierst für immer, jetzt und in allen künftigen Generationen wird man DICH ehren.

    DU sollst dich aufmachen und DICH der Stadt Zion voll Erbarmen zuwenden, denn es ist an der Zeit, ihr gnädig zu sein. Ja, der Zeitpunkt dafür ist gekommen.

    Aber es kommt die Zeit, in der die Völker Ehrfurcht haben werden vor dem Namen des HERRN und alle Könige der Erde vor DEINER Herrlichkeit.

    Denn der HERR wird Zion wieder aufbauen und dort erscheinen in SEINER Herrlichkeit.

    ER wird sich dem Gebet der Verlassenen wieder zuwenden, ihre Bitten wird ER nicht zurückweisen.

    ER schaut herab aus SEINEM Heiligtum in der Höhe; ja, der HERR blickt vom Himmel auf die Erde,

    um das Seufzen der Gefangenen zu hören, um die Todgeweihten zu befreien.

    Und so werden sie in der Stadt Zion wieder den Namen des HERRN verkünden, SEINEN Ruhm verbreiten in Jerusalem,

    wenn Völker sich dort versammeln, Menschen aus allen Königreichen, um dem HERRN zu dienen.

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Der vierte Adventssonntag steht im Kirchenjahr ganz im Zeichen der Vorfreude auf die nahe Ankunft des HERRN. Aber ehrlich: In diesem Jahr sind wir hin und her gerissen zwischen Vorfreude und Befürchtungen. Mittendrin in der zweiten Pandemiewelle, deren Ende noch nicht abzusehen ist, eingeengt durch die notwendigen Schutzmaßnahmen haben wir mehr Sorgen und Herausforderungen, das Fest unter diesen Bedingungen zu organisieren als dass wir uns leichten Herzens darauf freuen könnten. So manchen ist wohl eher nach klagen und murren als nach lachen und jubeln zumute. „Es wird schon gehen“, sagen die meisten, aber ohne Begeisterung. Für alle, die nicht stecken bleiben wollen im Jammer oder nicht mehr wissen, wohin mit ihrer ohnmächtigen Wut über das, was über uns hereingebrochen ist, weiß die Heilige Schrift Rat:

    Ein Gebet für den Elenden, wenn er verzagt ist und seine Klage vor dem Herrn ausschüttet.“ So steht es als Überschrift im 1. Vers des Psalms 102 aus dem der Abschnitt oben entnommen ist. Beten kann der und die, die mit ihrem Schicksal hadern, die sich ungerecht behandelt fühlen oder die Last ihres Alltags kaum mehr stemmen können. Der Psalm kann helfen, Worte zu finden, die wirklich erleichtern und befreien.

    Dazu beginnt der Beter des Psalms tatsächlich mit einer handfesten Klage, die er in drastischen Bildern beschreibt: „Mein Herz ist geschlagen und verdorrt wie Gras, dass ich sogar vergesse, mein Brot zu essen. Mein Gebein klebt an meiner Haut vor Heulen und Seufzen. Ich bin wie die Eule in der Einöde, wie das Käuzchen in der Ruine“, so sagt er. Und er weiß auch, wen er so tief in seine Seele schauen lässt – den HERRN selbst. Bei Gott dürfen wir klagen. ER hört es ganz bestimmt, nimmt uns nicht übel, wenn wir uns wiederholen, wenn ER unsere Gedanken schon längst kennt. Gott hört auf Klagen und hört zu, wie es uns viele biblische Geschichten erzählen.

    Die Klage vor Gott auszusprechen gibt ihr eine Richtung, hilft, den Kopf wieder frei zu bekommen. Dann sieht der Beter weiter und erinnert sich, von wem er wirklich Hilfe erwarten kann: vom HERRN selbst. Und das sagt er zu Beginn unseres Abschnittes mit deutlichen Worten: „DU sollst dich aufmachen und DICH der Stadt Zion voll Erbarmen zuwenden, denn es ist an der Zeit, ihr gnädig zu sein. Ja, der Zeitpunkt dafür ist gekommen.“ Bei Gott dürfen wir nicht nur klagen, wir dürfen auch unsere ganz persönlichen Erwartungen an IHN herantragen, was wir für richtig und notwendig halten und für ganz dringend erachten. Wir dürfen ganz hartnäckig auf ihn

    einreden, ihn aufwecken, ihn auffordern und ihm unsere Bitten und Wünsche ans Herz legen.

    Und der Beter des Psalms ruft uns sorgenvoll Klagenden ins Gedächtnis, auf wessen Hilfe wir vertrauen können: Die Menschheitsgeschichte ist vor IHM vorbeigezogen. So viel ernsthaftes Suchen der Menschen nach Wahrheit hat ER begleitet und noch viel mehr himmelschreiende Irrtümer. Mitgelitten hat ER mit den Opfern der dauernden Kriege und Gewalttaten und so vielen Männern und Frauen den Mut geschenkt, Versöhnung und Liebe zu wagen. Entsetzt war ER über die abgrundtiefe Dummheit und Selbstgerechtigkeit mancher, erleichtert auch immer wieder über so viele in Bescheidenheit kluge und wissbegierige Menschen, die der Menschheit die Augen öffneten. Diesen unseren Gott können wir um Hilfe bitten für die Sorgen und Nöte der kurzen Zeit, die uns gegeben ist und wir dürfen gewiss sein, dass ER uns hört.

    Wie sagt der Beter des Psalms?

    ER schaut herab aus SEINEM Heiligtum in der Höhe; ja, der HERR blickt vom Himmel auf die Erde, um das Seufzen der Gefangenen zu hören, um die Todgeweihten zu befreien.“

    Mag sein, dass SEINE Antwort ganz anders aussieht als unsere Erwartungen und SEIN Zeitplan hat bestimmt ein ganz anderes Maß als unserer, aber eines ist gewiss: Wir können uns auf SEIN Wort verlassen, dass ER uns auf den Weg durch die Zeit mitgegeben hat: „Und siehe, ICH bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

    Da öffnet sich unser Horizont des Denkens und Vertrauens ganz neu und wir spüren, wie ER der Vorfreude gegen alle Hemmungen und Widerstände in uns Raum verschafft. Der Vorfreude, dass SEINE Gegenwart in unserem Leben aufleuchtet in einer Begegnung, in der Erfahrung, die Krise gemeinsam gemeistert zu haben, in den vielen Initiativen, das Wort Gottes gerade jetzt zu den Menschen zu bringen. Wir dürfen Gott erwarten in unserem Leben, auch wenn es uns oft genug hin und her reißt zwischen Freude und Schmerz, Sorgen und glücklichen Zeiten. Das möchte uns der lebenserfahrene und vom Leben gezeichnete Beter des Psalms weitersagen.

    Amen

    Gebet:

    HERR unser Gott, Du Erlöser der Welt, wir danken DIR, dass wir leben dürfen mit der Botschaft von Jesus, der uns DEIN Gesicht gezeigt hat.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH, hilf, dass wir begreifen, wofür DEIN Herz schlägt: für die Trauernden, für die, die ihren Lebensweg voller Sorgen und Angst gehen müssen.

    HERR, unser Gott, DU stehst auf der Seite derer, die sich nicht wehren können gegen die Bosheit anderer, und bei denen, die keinen Ausweg finden aus Schuld und Versagen.

    HERR, unser Gott, hilf uns zu begreifen, dass bei denen, die nach DEINER Gerechtigkeit hungern, die Würde des Menschen daheim ist und hilf uns, diese Würde zu wahren in allen Herausforderungen unserer Zeit.

    HERR, unser Gott, lass DEINEN Willen geschehen unter uns und auf unserer Erde – durch uns in Jesu Namen.

    Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zum 3 . Adventssonntag

    13. Dezember 2020

    Schriftwort: Jesaja 40, 3+10 (Wochenspruch)

    Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, ER kommt gewaltig.

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Heute feiern wir den dritten Advent und spätestens jetzt beginnt der Endspurt auf Weihnachten. Da ändert auch die Pandemie kaum etwas daran. Sie macht das Ganze nur deutlich anstrengender als es so schon immer war. In der Familie ist jetzt viel zu planen, zu entscheiden, um das Fest oder besser: die Reihe der Festtage so gut es geht vorzubereiten.

    Aber noch ist nicht Weihnachten, auch die Zeit bis dahin nicht mehr lang ist und zum Beispiel die Fußgängerzone in unserer Stadt mit tausenden Lämpchen erleuchtet wird, um die Menschen in „weihnachtliche Stimmung“ zu versetzen.

    Noch ist nicht Weihnachten und es tut gut, den Endspurt für einen kurzen Moment zu unterbrechen, um uns zu besinnen: Worauf es eigentlich ankommt im Advent und wie es gelingen kann, dass wirklich Weihnachten wird, innerlich und erfüllt, gerade in dieser schwierigen Zeit.

    Eine Unterbrechung ist eine kurze Erholungspause, keine Störung. Viele Menschen hören sich in solch einer Pause ihre Lieblingsmusik an. Im Advent könnten das auch die bekannten Lieder sein, die sonst auch gern auf den Weihnachtsmärkten als Hintergrundbeschallung laufen. Nichts gegen diese Musikgestaltung, aber heute wollen wir einmal genauer hinhören, worauf es eigentlich ankommt im Advent. Dazu gibt es ein Lied, das ich noch nirgendwo in einer Dauerschleife gehört habe: das Adventslied „Mit Ernst, o Menschenkinder“, zu finden im Evangelischen Gesangbuch unter der Nr. 10.

    Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt, bald wird das Heil der Sünder, der wunderstarke Held, den Gott aus Gnad allein der Welt zum Licht und Leben versprochen hat zu geben, bei allen kehren ein.“

    Den Text dieses Liedes dichtete der Königsberger Rektor Valentin Thilo in der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Seine heute noch bekannte Melodie stammt aus Italien.

    Das Lied eignet sich nicht als Schlager in der Adventszeit. Das stellt gleich die erste Textzeile klar: Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt“. Sich auf Weihnachten vorzubereiten, ist eine ernste Angelegenheit und eine Herzenssache dazu. Da geht es nicht nur um Gemütlichkeit im Kerzenschein, um Tannenduft und das hoffentlich passende Geschenk. Da kommt Besuch – und zwar von allerhöchster Stelle und bei allen! Dieser Gast ist wie kein anderer, kein bisschen interessiert an Äußerlichkeiten, sondern nur daran, wie es in unserem Herzen aussieht. Hausputz also einmal ganz anders, im Inneren, ist angesagt. Wie der gelingen kann, beschreibt der Dichter Valentin Thilo in der nächsten Strophe:

    Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast; macht seine Steige richtig, lasst alles, was er hasst; macht alle Bahnen recht, die Tal lasst sein erhöhet, macht niedrig, was hoch stehet, was krumm ist, gleich und schlicht.“

    Der innere Hausputz ist ganz einfach. Der Dichter nimmt den Gedanken des Jesaja auf: „Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, ER kommt gewaltig.“ und bringt es auf den Punkt: „Lasst alles, was ER hasst“. Alles zu vermeiden, was Gott zuwider ist: Den Neid weglassen, die Besserwisserei, alles Raffen, jede offene oder versteckte Feindseligkeit, jedes Machtspielchen und jede überzogene Selbstdarstellung. In sich gehen, „vor der eigenen Haustüre kehren“ und wegzulassen, was dem besonderen Gast zuwider ist.

    Für diejenigen, die sich nicht sicher sind, was dem hohen Gast eine Freude bereitet, fährt der Dichter in der nächsten Strophe fort: „Ein Herz, das Demut liebet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmut übet, mit Angst zugrunde geht; ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, das kann sich recht bestreiten, zu dem kommt Jesus Christ.“ Was für ein Lied! Ernst, innerer Hausputz, alles lassen, was normalerweise meist „einfach so passiert“, und jetzt auch noch demütig sein! Das totale Gegenteil der aufgekratzten „Vorweihnachtsstimmung“ also!

    Aber wer demütig ist, ist beileibe nicht unterwürfig. Sondern erkennt sich selbst als Mensch unter Menschen, mit Stärken und Schwächen. Diese Erkenntnis stimmt versöhnlich und barmherzig. Eine verlockende Aussicht nicht nur für den Advent, oder? Zweifelsohne. Wenn es da nicht immer ein Problem gäbe: den Menschen. Denn es menschelt gewaltig nicht nur um uns herum, sondern auch in uns drin. Wie lange halten gute Vorsätze an? Und wie schnell ist das frisch geputzte Herz wieder bekleckert oder gar verkrustet mit unserer alten Unart? Da war der Dichter Valentin Thilo wohl doch ein wenig zu optimistisch. Deshalb hat ein anderer zwanzig Jahre später noch eine vierte Strophe hinzugefügt:

    Ach mache du mich Armen zu dieser heilgen Zeit aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit. Zieh in mein Herz hinein vom Stall und von der Krippen, so werden Herz und Lippen dir allzeit dankbar sein.“ HERR, ohne DEINE Hilfe bleibe ich auf der Strecke, schaffe es nicht, über meinen Schatten zu springen. Hilf DU mir, mache DU mich bereit, DICH zu empfangen. Bereit sein, Hilfe anzunehmen, das ist noch viel mehr als die Selbsterkenntnis, ein Mensch unter Menschen zu sein mit Stärken und Schwächen. Das ist schon der erste Schritt, dem HERRN die Tür zu öffnen und IHN hereinzubitten. Wir schauen heute auf das, worauf es wirklich ankommt. Suchen Sie sich das Lied in Ihrem Gesangbuch oder lassen Sie es sich im Internet in einer kurzen Erholungspause während des „vorweihnachtlichen Endspurts“ sogar vorsingen. Wenn Sie mögen, können Sie auch die Strophe, die Sie am meisten anspricht, abschreiben oder herauskopieren als Begleiterin für die nächsten Tage. Dann haben Sie immer eine kleine heilsame Unterbrechung dabei, die den Weg für den Höchsten bereiten hilft. Amen

    Gebet:

    HERR unser Gott, Du Erlöser der Welt, DU hast uns verheißen, in unsere Welt zu kommen. Noch warten so viele Verängstigte auf DEINE Freude; noch finden Gejagte und Verfolgte keinen Schutz; noch verlieren Verbitterte ihre letzte Hoffnung.

    HERR, unser Gott, es ist Zeit, komm in unsere Welt! Hilf uns, geduldig zu sein und gleichzeitig auch unsere Hoffnung weiterzugeben. Sei allen nahe, die DEINER Barmherzigkeit bedürfen.

    HERR, unser Gott, wir danken DIR, dass in unseren Kirchen und Gemeinden DEIN Lob auch in dieser schwierigen Zeit erklingt und Menschen zueinander finden. Erhelle den Weg durch diese Zeit zu DIR.

    Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zum 2. Adventssonntag 2020

    6. Dezember 2020 (St. Nikolaus)

    Schriftwort: Sacharja 9, 9+10

    Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.

    Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

    Liebe Schwestern und Brüder,

    Jetzt haben wir die erste Woche im Advent in diesem so außergewöhnlichen Jahr schon erlebt. Kommt sie auf, die sonst so vertraute Stimmung? Bekommen wir den Kopf frei für die Adventsbotschaft oder überlagert sie der Alltag mit seinen Beschwerlichkeiten? Hören wir die Botschaft? Wissen wir noch, worum es im Advent eigentlich gehen sollte? Worum es eigentlich geht? Wenn die Verunsicherung immer größer wird, zu viele auf einmal immer lauter durcheinander reden und ihren Senf dazu geben, überhören wir sie leicht, diese besondere Botschaft des Advents. Oder wir sind der Meinung, dass diese für die Herausforderungen des Alltags wenig hilfreich sei. Ein Blick in die Heilige Schrift zeigt, dass das keine Erscheinung unserer Zeit ist.

    Das war auch nicht anders, als die Nachgeborenen der Verbannten des Volkes Israel ihre Stadt Jerusalem und den Tempel wieder aufgebaut hatten. Viele Generationen lang hatte dieser Wiederaufbau aus den Ruinen gedauert. Die Zeiten waren einfach nicht besser geworden. Denn das Volk Israel stand all die Jahre unter fremder Herrschaft, wurde gedemütigt und erniedrigt. Spielball waren sie in den Machtkämpfen der großen Reiche, mussten ihre Männer als Soldaten der Fremdmächte in den Krieg gehen sehen.

    Noch dazu bohrten die alten Fragen weiter: Wie konnte es damals zu dieser Katastrophe kommen? War sie eine Strafe Gottes gewesen oder hatte Gott sogar verloren gegen die babylonischen Götter? Jede Menge Verunsicherung bei den einen, gleichgültiges Schulterzucken bei den meisten anderen. Zu diesen Menschen sprach der Prophet Sacharja.

    Wie viele Menschen werden da gedacht haben: Was für ein Esel! Der meint das doch nicht ernst! Ein ärmlicher Eselreiter – König soll die Welt retten und endlich Frieden bringen? Braucht es nicht mutige, verwegene Männer und tapfere Frauen mit Herz und Verstand, um die Welt in Ordnung zu bringen?

    Aber nix da: Ein Eselreiter soll die Feinde entwaffnen und aller Welt Frieden gebieten! Als ob der nur den Hauch einer Chance hätte!

    Und das alles soll ein Grund zum Jubeln sein? Gehört nicht ein grober Klotz auf einen groben Keil? Das ist doch unsere Erfahrung! Das läuft doch immer so.

    Und doch pflanzt sich das Bild vom armen Eselreiter – König ein ins Herz. Es weckt die Sehnsucht, dass es eine echte Alternative gibt zum ewigen Kräftemessen und Kämpfen. Es weckt die Sehnsucht, dass Gott selbst eingreifen wird auf ganz ungewöhnliche Weise, mit einem König, der aus der Welt gefallen ist und gerade deshalb die Welt in Ordnung bringen wird.

    Diese Sehnsucht wuchs in den Herzen der Menschen, langsam, sehr langsam. Wieder dauerte es Generationen, längst waren die alten Herrscher gegangen und neue an die Macht gekommen – die Römer. Auch nicht besser als die alten, anders, aber kein bisschen weniger herrisch. Und immer war noch nichts zu sehen vom Friedenskönig, der die Freiheit bringen sollte.

    Stattdessen lag das Kind in der Futterkrippe im Stall. Noch so ein Ereignis, so ein Bild, nicht von dieser Welt. Noch einmal ein Menschenleben lang dauerte es, bis das erwachsen gewordene Kind sagt: Jetzt ist es soweit. Jetzt geht durch mich in Erfüllung, was Sacharja vor Jahrhunderten ankündigte.

    Wie viele werden da wie damals gedacht haben: Was für ein Esel! Der meint das doch nicht ernst! Der redet sich noch um Kopf und Kragen!

    Aber nach und nach kamen sie sich selbst wie Esel vor, als sie miterleben durften, wie ER Kranke heilte und den Ärmsten der Armen die frohe Botschaft verkündete, die ihnen Kraft und Mut schenkte.

    Als ER dann selbst tatsächlich auf einem Esel in Jerusalem einritt, wurde die uralte Verheißung des Propheten Wirklichkeit. Der Eselreiter – König wurde umjubelt als Messias des Volkes. Doch gerade als alle jubelten, war es schon wieder vorbei. Es schien so, als ob all die Besserwisser und Schlauberger von damals und heute, die mit dem groben Klotz und dem groben Keil, recht behalten sollten bis in alle Ewigkeit. Der Eselreiter – König Gottes hatte gegen die Mächtigen nicht den Anflug einer Chance, sondern landete am Kreuz!

    Erst waren es nur ganz wenige, die kurze Zeit später erkannten: Was da geschehen war auf Golgatha, das war nur das letzte hirnlose Aufbäumen der Todesmacht, der letzte scheinbare Sieg der Gewalt. Der Tod höchstselbst musste kapitulieren vor dieser Sanftmut, dieser augenscheinlichen Ohnmacht des eselreitenden Königs. ER, der keinen groben Keil brauchte, sondern einfach die Wärme seiner Liebe auf den Klotz scheinen ließ, bis dieser sich von ganz allein spaltete.

    Der Gescheiterte geht aus der Katastrophe als Sieger hervor. Welch ein Jubel erfasste die Menschen und bald schon wuchs aus ihm eine neue, noch größere Sehnsucht. Auf wahrhaften Frieden auf der ganzen Welt, Versöhnung aller Feinde, eben auf SEIN Friedensreich. Das Beste kommt noch, lässt uns der HERR hoffen. Und bis dahin ist ER unter uns schon lange am Werk. Er baut mit einfachen, tapferen Menschen an SEINEM Friedensreich, in Ohnmacht und Sanftmut, aber unermüdlich und durch niemanden und nichts aufzuhalten.

    Dass ER dazu auf Wegen geht, auf die wir Menschen nie im Leben gekommen wären und über alles hinaus, was wir uns vorstellen können, das sagt uns der Prophet Sacharja, das lebte uns Jesus vor und darauf hoffen wir – in diesem Advent ganz besonders.

    Amen

    Gebet:

    HERR unser Gott, Du Erlöser der Welt, komm zu uns mit Deiner sanften Macht, die wir so oft unterschätzen. Erfülle uns mit der Hoffnung auf Deine Zukunft.

    HERR, unser Gott, wir bitten Dich für alle Menschen, die in unserer Welt Not leiden, die Gebeugten und Gedemütigten, schenke ihnen Kraft und Mut und helfende Mitmenschen.

    HERR, unser Gott, wir bitten Dich für alle, die in dieser Adventszeit nicht zur Ruhe kommen, die Angst vor der Zukunft haben. Lass sie das Licht Deiner Liebe sehen können, das ihnen den Weg weist.

    HERR, unser Gott, wir bitten Dich für alle, die der alten Verheißung Deines Kommens nicht mehr glauben können. Befreie sie aus ihrer Begrenzung und weite ihre Herzen.

    Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Advent 2020 – still – erwartungsvoll und ganz anders

    Der 1. Advent steht vor der Tür – und er wird ganz anders als üblich. Das traditionelle Adventmärktchen, in diesem Jahr das 14. musste schweren Herzens abgesagt werden, das Konzert mit „Vocalitas Krölpa“ ebenfalls. Von alters her ist die Adventszeit im Grunde eine stille Zeit, früher war sie sogar Fastenzeit. Da wurde bewusst verzichtet. Vom Martinstag an bis zum Weihnachtsfest haben die Menschen keine großen Festessen veranstaltet. Die Martinsgans war wohl der letzte Braten vor dem Fest. Jetzt scheint es ähnlich. Früher – und ich erinnere mich noch an meine Kindheit – hat man in den Familien „Dämmerstunden“ gehalten, da wurden Kerzen entzündet und man hat bei einem Tee Geschichten erzählt oder vorgelesen. Manchmal saßen wir mit den Großeltern zusammen und haben Strümpfe oder anderes gestrickt oder etwas gebastelt, kleine Geschenke für das Weihnachtsfest.

    Ich liebte diese Zeit, denn da hatten auch die Eltern Zeit für uns Kinder. Manchmal haben wir auch ältere Leute im Dorf besucht, ihnen von den selbstgemachten Plätzchen mitgebracht, an solchen Nachmittagen wurde auch miteinander gesungen. Es war eine heimelige Zeit- voller Erwartungen. In den Familien wurde vieles vorbereitet in dieser Zeit, Plätzchen und Stollen wurden gebacken und Päckchen gepackt. Oft gingen wir in diesen Tagen auch im Wald spazieren, wo wir Moos und Wurzeln, aber auch Tannenzapfen und Zweige sammelten. Es war ganz selbstverständlich, dass wir die Adventskränze und Gestecke selbst herstellten. Statt der Weihnachtshits aus dem Radio gab es damals noch Schallplatten mit Weihnachtsliedern.

    Die Adventzeit in diesem Jahr wird ähnlich still werden. Es ist eine Zeit, die wir aber bewusst gestalten können. Anders als die Jahre zuvor, dafür aufmerksamer und achtsamer. Advent (von lat. adventus) heißt Ankunft. Eine erwartungsvolle Zeit in der Gläubige mit der Ankunft Christi eine gerechte Ordnung, das Ende von Krieg und Leid herbeisehnen. Advent lädt mich ein, genau hinzuschauen auf mich und diese Welt, zu warten und zu lauschen, ob sich irgendetwas tut, zu suchen und auf den Weg machen, der Sehnsucht zu folgen und zu staunen, wie sich nicht nur in den Zeichen und Symbolen Himmel und Erde miteinander verbinden.

    Eine gesegnet Adventszeit wünscht

    Ute Thalmann!

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    Andacht zur vierten Woche im November 2020

    Schriftwort: Jesaja 57,15

    Gott spricht: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.

    Gedanken zum Schriftwort:

    Wo ist Gott angesichts unseres Schicksals? So fragten sich die Menschen des Volkes Israel in der Zeit der Gefangenschaft in Babylon. Vor langen Jahren waren sie nach dem verlorenen Krieg hierher verschleppt worden. Seit Anbeginn schon gab es nicht wenige, die sagten: Unser Gott kann uns nicht helfen. Der wohnte im Tempel in Jerusalem und nicht mal den konnte ER vor der Zerstörung bewahren.

    Gott wohnt im Gotteshaus, ganz klar. So fremd ist uns das nicht. Ich kannte einen alten Mann, der sagte mit einem Lächeln auf den Lippen nach einem Kirchenbesuch: „Ich war mal wieder beim lieben Gott.“ Und er meinte das durchaus ernst. Aber wohnt ER nur dort?

    In Babylon waren auch die anderen, die sich da nicht mehr so ganz sicher waren. Konnte es sein, dass sie Gott ganz neu und unerwartet erfuhren? Zu diesen Menschen sprach der Prophet Jesaja das Gotteswort, das alle Unklarheiten beseitigte: Nicht nur im Himmel und im Heiligtum, sondern bei den Gedemütigten und Zerschlagenen ist ER zu finden. Bei denen, denen das Leben übel mitspielt, bei denen, die vor lauter Sorgen und Zweifeln nicht weiter wissen, bei den Trauernden und den Verunsicherten.

    Gut, das zu hören, gut, das zu wissen, fanden die Menschen damals in Babylon. Denn das macht Mut und schenkt Kraft für den Alltag und die immer wieder neuen Herausforderungen des Lebens. Deshalb schrieben sie das Gotteswort auf für die Nachgeborenen. Wir lesen es heute und teilen ihre Erfahrung.

    Foto: J. Reichmann

    Gedanken zum Bild:

    Eine Lindenallee auf einem Friedhof in frischem Grün. Trauer und kraftvolles Leben auf einen Blick. Der Weg führt an den Gräbern vorbei, an den Orten des Schmerzes, den Punkten der Erinnerung, der Lebensläufe mit ihren frohen und bitteren Geschichten. Ein Weg der Lebensgeschichten von Menschen und Bäumen. Er erinnert mich an den Weg, den wir alle gehen, durch die Zeit, die wir erleben dürfen. Wie viele sinnbildlich zu Stein gewordene Geschichten liegen an unserem Weg? Nehmen wir sie wahr, verweilen wir sogar hin und wieder bei ihnen oder streben wir nur immer weiter vorwärts? Was ist uns wirklich wichtig im Leben? Wohin wird uns unser Weg noch führen? Sehen wir den offenen, lebendigen Himmel über uns oder starren wir am liebsten vor unsere Füße? Fragen des Übergangs zwischen dem Rückblick – und Trauermonat November und dem kommenden Advent, der in diesem Jahr ganz besonders zu Besinnung und Einkehr einlädt.

    Gebet:

    Ewiger Gott, wir bergen uns in die Hoffnung, dass auch der kommende Weg geborgen sein wird in den weiten Gedanken DEINER Liebe.

    HERR, nimm uns die Angst, die kränkende Sorge, das Misstrauen und die Unruhe durch DEINE Nähe, wie DU sie durch den Propheten DEINEN Menschen verheißen hast.

    Hilf uns HERR, zur Zuversicht, zur Geduld und zu einem weiten Herzen. Schenke Ideen und Wege, die zum Frieden führen in unserer friedlosen Welt.

    Öffne DU, HERR, Türen und Fäuste, wo wir scheitern, bewahre uns davor, bitter und mutlos zu werden. Schenke uns offene Augen für die Freude und Schönheit des Lebens.

    Ewiger Gott, den Sterbenden reiche die Hand und tröste die Trauernden. Uns alle Gott, in unseren Kirchen und Gemeinden, halte in DEINER Hand und sei uns gnädig.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser.

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Wort zum Sonntag: Letzter Sonntag im Kirchenjahr – Ewigkeitssonntag, 22.11.20

    Aller Prognosen zum Trotz

    Wie leben? Bleibt alles anders? So das Motto der derzeitig laufenden Themenwoche. Fragen, die Menschen bewegen: Wann wird sie aufhören – die Pandemie? Gibt es überhaupt Lichtblicke? Die Nachrichten und Meldungen machen nur wenig Hoffnung. Menschen sind enttäuscht, entmutigt und nicht wenige traurig. Besonders die, die die Einschränkungen am eigenen Leib erfahren, die ihr Einkünfte und ihre Arbeit verloren haben, aber auch die, die in Krankenhäusern und Pflegeheimen derzeit wieder keine Besuche empfangen dürfen und die, die sich so hoffnungsvoll auf ein Abflauen der Infektionen im Herbst eingestellt hatten und denen es Ansporn zum Durchhalten war.

    Wie leben? Das fragen sich Menschen immer wieder, die schmerzliche Situationen erfahren müssen: beim Abschied von einem lieben Menschen, beim Verlust der Heimat, in Krankheitszeiten, bei Katastrophen, unter Verfolgung und in Gefangenschaft oder eben auch während der gegenwärtigen Pandemie. Es ist nicht einfach, die rechten Worte zu finden, die Trost vermitteln, das Gefühl von Verständnis, Annahme und Geborgenheit schenken, oder eben auch die Resilienz bestärken.

    Manchmal helfen Bilder und Visionen, den Prozess der Trauer, des Abschieds und der Ent – täuschung, ja auch der Veränderung, zu begleiten, weil sie offen sind und sich Menschen in ganz unterschiedlichen Erfahrungen hier einfinden und vielleicht auch etwas Hilfreiches, Bestärkendes für ihren Weg entdecken können.

    Ein solches Bild begleitet Christen am Ende des Kirchenjahres, dann, wenn sie an die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen und Freunde treten- es ist ein Bild, was Menschen schon vor fast 1900 Jahren in Verfolgungszeiten im Römischen Reich hat Mut und Kraft schöpfen lassen.

    Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind verschwunden. … „Sieh doch: Gottes Wohnung bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen und sie werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein. Und er wird jede Träne abwischen von ihren Augen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben, keine Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen.“… „Sieh doch: Ich mache alles neu!“ (Offenbarung des Johannes 21,1, 3b-4+5b – in einer Übertragung der Basisbibel)

    Das, was derzeit belastet und schmerzt, wird nicht ewig dauern, nicht endlos sein, auch wenn mancher das vielleicht gerade so erfährt. Tränen, Tod, Trauer, Klagegeschrei und Schmerz werden ein Ende haben. Es wird Neues wachsen und entstehen: eine neue Erde und ein neuer Himmel. Nicht die Wiederherstellung vorherigen Zustände, Gewohnheiten und Gegebenheiten sind gemeint– sondern etwas völlig Neues – Unbekanntes und Unvertrautes – aber Hoffnungsvolles. Gott selbst wird unter den Menschen erfahrbar und nah sein, tröstend, heilend und bestärkend. Aller Prognosen zum Trotz haben sich Menschen vor Jahrhunderten bis heute immer wieder auf dieses Hoffnungsbild eingelassen und haben das Neue für ihr Leben und ihre Situation erfahren und annehmen können. Im Gespür, begleitet zu sein von Gott, der inmitten dessen, was unser Leben bestimmt, dennoch schöpferisch wirkt: in unseren Beziehungen, im Miteinander und auch in der Schöpfung. Selbst im Kleinen hat das Kraft geschenkt, war tröstend und ermutigend für ihren neuen, unbekannten Weg.

    Möge dieses Bild auch uns bewegen, nicht aufzugeben und uns dem Neuen immer wieder zu öffnen, aller Prognosen zum Trotz.

    Das wünscht

    Ute Thalmann, Pastorin

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    Andacht zum Ewigkeitssonntag

    22. November 2020

    Schriftwort: Hebräer 6, 13 -18

    Als Gott dem Abraham SEIN Versprechen gab, schwor er bei sich selbst. Denn ER konnte ja bei niemand Größerem schwören. ER versprach: „Ich will dich mit MEINEM Segen segnen und dir zahlreiche Nachkommen geben.“ So wartete Abraham geduldig und erhielt die versprochene Gabe.

    Menschen schwören ja bei einem Größeren. Der Eid dient ihnen zur Bekräftigung und lässt jeden Einwand verstummen. Deshalb hat Gott sich mit einem Eid verbürgt. ER wollte denen, die das versprochene Erbe erhalten, ganz deutlich zeigen, dass SEIN Wille unumstößlich ist. Diese beiden unumstößlichen Tatsachen, bei denen Gott unmöglich lügen kann, sollen uns einen starken Ansporn geben. Wir haben unsere Zuflucht ja schon gefunden. Entsprechend sollen wir an der Hoffnung festhalten, die uns in Aussicht gestellt ist. Sie ist für unser Leben ein sicherer und fester Anker. Er reicht hinein bis ins innerste Heiligtum hinter dem Vorhang. Dort ist Jesus als Wegbereiter für uns eingezogen. (Übersetzung der Basis – Bibel)

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Manche biblischen Texte sind sperrig und erschließen sich für uns beim ersten Lesen noch lange nicht, geschweige denn beim ersten Hören. Sie sind anstrengend. Und dazu gehört mit Sicherheit der „Brief an die Hebräer“, aus dem der obige Abschnitt stammt. Und dennoch lohnt es sich, am Ewigkeitssonntag in ihn hinein zu hören, seinen Gedanken und Bildern zu folgen. Nehmen wir seine Spur auf, so gelangen wir ans Ende des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung. Im ganzen Mittelmeerraum gab es bereits seit gut 40 Jahren kleinere und größere christliche Gemeinden. Die Generation der Jünger und eine weitere, zu denen auch der Apostel Paulus gehörte, waren bereits gestorben. Jetzt lebten gerade noch die Enkel der ersten Jüngergeneration. Wir treffen auf einen Menschen, der als Lehrer in einer christlichen Gemeinde arbeitete. Heute würde man ihn einen Theologen nennen. Leider kennen wir seinen Namen nicht, auch nicht den Ort, an dem er lebte. Was wir von ihm wissen, können wir nur aus den Zeilen erheben, die er uns hinterließ. Seine Sprache klingt gebildet – und angestrengt.

    Ja, auch der Schreiber unseres Textes strengte sich an, bemühte sich, eindringlich mit Argumenten und Begründungen seine Leser zu überzeugen. Denn er machte sich große Sorgen um sie: Immer mehr Zweifel nagten an ihnen.

    Ihre Eltern oder Großeltern oder sie selbst waren Christen geworden, hatten sich taufen lassen, die Tradition ihres jüdischen Glaubens hinter sich gelassen – in der Hoffnung, dass Jesus der Messias jetzt die Verheißungen der Heiligen Schrift erfüllen würde. Das Reich Gottes, die neue Welt voller Gerechtigkeit und Frieden, die würde jetzt Wirklichkeit werden, weil der Messias gekommen war.

    Aber die Lebenserfahrung der Menschen war eine ganz andere. Es blieb noch nicht einmal alles beim Alten, sondern es wurde alles immer schlimmer. Die staatlich gelenkte Verfolgung der Christen verbreitete Leid, Angst und Schrecken. Klar, dass da die Zweifel wuchsen. Klar, dass da nicht wenige den Kontakt zu ihrer Gemeinde abbrachen, um dem Druck der Verfolgung auszuweichen. Und bei denen, die blieben, wuchs die Verunsicherung. Der Schreiber unseres Textes wusste darum und gab sich die größte Mühe mit seinen Möglichkeiten, seine Leser und Hörer zum Bleiben im Glauben zu bewegen.

    Wie er das tut, kann auch für uns heute eine Hilfe sein. Denn auch wir kennen die Sorgen von damals – wenn auch unter anderen Bedingungen. Kleiner werdende Gemeinden, Ängste vieler Art vor der Zukunft, wachsende Fragen, wie wohl Glaube gelebt werden kann in einer Welt, die nur noch vom Geld regiert wird und in einer Zeit, in der Religionen missbraucht werden, um Menschen zu Mördern zu machen.

    Als erstes nimmt der Schreiber unserer Zeilen seine Leser und Hörer ernst. Er wischt ihre Zweifel und Ängste nicht einfach beiseite, sondern nimmt sie auf und weitet den Blick – heraus aus der engen Perspektive der Gegenwart, hinein in die vertraute Erinnerung: Gott steht zu SEINEM Wort, wie ein Eid, immer und über alle Generationen hinweg. Siehe Abraham, dessen Nachkommenschaft tatsächlich nicht mehr zu zählen ist.

    Als zweites führt der Schreiber die Erinnerung wieder in die Gegenwart: Ihr, die ihr jetzt lebt mit euren Sorgen und Nöten, ihr gehört dazu, ihr seid Erben und Teil dieser Nachkommenschaft Abrahams und deshalb gilt auch für und über euch das Segenswort, der Eid des HERRN. Auch wir dürfen uns in dieser Linie angesprochen und gemeint fühlen, weil wir tatsächlich zu denen gehören, die als Glaubende leben.

    Als drittes richtet der Schreiber den Blick seiner Leser aus der Gegenwart in die Zukunft: Wenn die Gegenwart gewiss ist, dass wir zu denen gehören, die mit Gott unterwegs sind, dann ist auch die Zukunft gewiss, weil sie in Gottes Hand liegt. Und das schenkt uns die Hoffnung, die stärker ist als alles, was wir durchleben müssen, weil sie verankert ist bei Gott selbst.

    Ein starkes Bild, der Anker. Selbst für Landratten sofort verständlich. Sicheren Halt verbinden wir damit, nicht nur für Boote und Schiffe, auch im übertragenen Sinn. Vom „Rettungsanker“ sprechen manche und denken an Menschen, die ihnen Halt gaben in Not. Das sind ergreifende Erfahrungen. Der Schreiber unseres Textes weitet den Horizont seiner Leser noch darüber hinaus: Der Anker ist Gott selbst, ER schenkt das Vertrauen in SEINE Liebe und aus diesem die Kraft und den Mut zum Leben, was auch kommen mag. Amen.

    Gebet:

    HERR unser Gott, besonders an diesem Sonntag gehen unsere Gedanken auf die Reise zu den Menschen, die wir verloren haben. Empfange Du sie am Ende ihrer letzten Reise in der ewigen Heimat. Wir leiden unter der Macht, die der Tod in unserem Leben und in unserer Welt hat.

    HERR unser Gott, wir leiden unter der Macht, die der Tod in unserem Leben und in unserer Welt hat. Du hast uns die Hoffnung geschenkt, dass Dein Sohn dem Tod letztlich die Macht genommen hat. Verankere diese Hoffnung ganz fest in unseren Herzen, damit wir getrost und getröstet leben können.

    HERR unser Gott, Wir bitten Dich: Öffne uns die Augen, dass wir erkennen, was wirklich zählt in unserem Leben. Dass wir die Teit, die Du uns schenkst, miteinander und füreinander leben zu Deiner Ehre.

    Amen

    Beten wir das Vaterunser.

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN