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    Andacht zum Ostermontag, 13. April 2020

    von Pfarrer Jörg Reichmann Pößneck

    Schriftwort: Lukas 24, 36 – 45

    Während die beiden noch erzählten, stand plötzlich der Herr selbst mitten unter ihnen. Er grüßte sie: »Frieden sei mit euch!« 37 Sie erschraken und fürchteten sich; denn sie meinten, einen Geist zu sehen. 38 Aber er sagte: »Warum seid ihr so erschrocken? Warum kommen euch solche Gedanken? 39 Schaut mich doch an, meine Hände, meine Füße, dann erkennt ihr, dass ich es wirklich bin! Fasst mich an und überzeugt euch; ein Geist hat doch nicht Fleisch und Knochen wie ich!« 40 Während er das sagte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Füße. 41 Als sie es in ihrer Freude und Verwunderung noch immer nicht fassen konnten, fragte er: »Habt ihr etwas zu essen hier?« 42 Da gaben sie ihm ein Stück gebratenen Fisch, 43 und er nahm es und aß es vor ihren Augen. Dann sagte er zu ihnen: »Als ich noch mit euch zusammen war, habe ich euch gesagt: ›Alles, was im Gesetz, in den Schriften der Propheten und in den Psalmen über mich steht, muss in Erfüllung gehen.‹« 45 Und er half ihnen, die Heiligen Schriften richtig zu verstehen.

    Gedanken zum Text:

    Liebe Schwestern und Brüder,

    am Ostermontag ist der Emmausweg zwischen Ranis und Krölpa zu einer schönen ökumenischen Tradition geworden. Wir erinnern die Geschichte: Zwei Jünger aus Emmaus gingen betrübt in Begleitung eines Fremden den Weg von Jerusalem in ihr Heimatdorf. Als sie dort mit dem Fremden am Tisch saßen, brach er das Brot, und sie erkannten den auferstandenen Jesus. Danach sei der aber sofort wieder verschwunden und sie kehrten auf dem Absatz um, um die frohe Botschaft ihren Freunden in Jerusalem zu überbringen.

    Petrus soll die beiden bei ihrer Ankunft gefragt haben, wie sie sich denn sicher sein könnten und sie sollten sich doch bitte erst einmal beruhigen. Es wäre schon aufregend genug, dass das Grab leer sei und man diesen Fall von Grabschändung wohl nie aufklären würde. Da waren sie ganz schnell still geworden.

    An diesem Morgen im Jerusalemer Versteck der Jünger roch es nach gebratenem Fisch. Ja, der Meister war tot, die eigene Zukunft mehr als ungewiss, aber essen mussten sie trotzdem. Das Leben muss ja irgendwie weiter gehen. Einen großen Appetit hatten sie sicher nicht. Die Stimmung gedrückt, jetzt auch wieder bei den beiden Emmausgängern. Denn sie hatten die anderen nicht anstecken können mit ihrer Begeisterung. Und langsam stiegen auch in ihnen die kalten Zweifel wieder auf. Warum glaubte ihnen keiner?

    Plötzlich stand der auferstandene Jesus leibhaftig mitten unter ihnen und grüßte sie: Friede sei mit euch! Was für ein Schreck! Auf alles waren sie gefasst, was ihre Lage verschlimmern würde – Verhaftung durch die Römer mit allen Folgen, aber das? Jesus, den sie am Kreuz hatten sterben sehen und dessen Grab ihnen auch kein Ort der Trauer mehr sein konnte – mitten unter ihnen? Das konnte nur ein Gespenst sein!

    Wie lange wird es gedauert haben, bis sich der erste Jünger traute, Jesus anzufassen? Und fassen konnten sie es dann auch noch nicht. Der lähmende Schreck wandelte sich in ungläubiges Staunen. Erst als Jesus das menschliche Bedürfnis nach Essen zeigte, löste sich der Knoten. Wir brauchen nicht viel Phantasie um uns vorzustellen, dass es wiederum einige Zeit dauerte, bis die Jünger langsam zur Ruhe kamen.

    Wie soll der Kopf auch zuhören können, wenn das Herz überläuft? Wenn der seelische Druck von Trauer und Angst und Ohnmacht ein Ventil findet? Noch besser endlich den einen findet, der alles auffangen kann, weil selbst der Tod ihm nichts mehr anhaben kann? Was für eine Befreiung, was für eine Erlösung! Und dann, nach dem reinigenden Gewitter der Gefühle, wenn die wärmende Sonne des Vertrauens und der Geborgenheit die Herzen erfüllt, dann ist auch Zeit und Gelegenheit für Erklärungen und Deutungen der erlebten Katastrophe: Lukas schreibt: Dann sagte er zu ihnen: »Als ich noch mit euch zusammen war, habe ich euch gesagt: ›Alles, was im Gesetz, in den Schriften der Propheten und in den Psalmen über mich steht, muss in Erfüllung gehen.‹« 45 Und er half ihnen, die Heiligen Schriften richtig zu verstehen.

    Und wieder einmal wird unser aller Problem bewusst: Wir können das Leben nur vorwärts leben, aber nur rückwärts verstehen. Und selbst in der Rückschau bleibt uns vieles unverständlich – bis zum Ende der Zeit. Aber Jesus macht Hoffnung: Wir werden verstehen, wenn wir unseren Lebensweg wiederfinden in der großen Geschichte Gottes mit seiner Welt, zu der wir alle gehören. Wir werden verstehen, uns wird ein Licht aufgehen wie den Jüngern damals in Jerusalem. Auch wenn der auferstandene HERR nicht einfach bei uns reinplatzt. Aber wer weiß das schon?

    In einem neueren Osterlied heißt es:

    Manchmal feiern wir mitten im Tag
    ein Fest der Auferstehung.
    Stunden werden eingeschmolzen, und ein Glück ist da.

    Manchmal feiern wir mitten im Wort
    ein Fest der Auferstehung.
    Sätze werden aufgebrochen, und ein Lied ist da.

    Manchmal feiern wir mitten im Streit
    ein Fest der Auferstehung.
    Waffen werden umgeschmiedet, und ein Friede ist da.

    Manchmal feiern wir mitten im Tun
    ein Fest der Auferstehung.
    Sperren werden übersprungen, und Sein Geist ist da.

    Foto: Privat – J. Reichmann

    Bildbetrachtung:

    Dieses begehbare Kunstobjekt ist inspiriert vom Song „Yellow Submarine“ (Gelbes Unterseeboot). In der recht engen Kugel finden nur 2 -3 Personen Platz, die über die Trichter in verschiedene Richtungen lauschen können. Sich verstecken vor Gefahr. Abtauchen können – und gleichzeitig wie die Mannschaft eines U boots aufeinander angewiesen sein. Wenn einer einen Fehler macht, wird es für alle gefährlich. Und nicht jeder ist bereit, in solch einem Schiff für längere Zeit mitzufahren. Was für ein Bild für die gegenwärtige Situation mit ihren Herausforderungen! Ich denke, es kommt darauf an, was die Besatzung des gelben Unterseebootes über die Trichter zu hören bekommt. Eine Zeit lang mögen Durchhalteparolen und Anweisungen nützlich sein. Aber was sie unbedingt brauchen, sind klare Worte der Hoffnung und Zuversicht, dass ihre Reise einen Sinn hat und ein Ziel. Kurzfristig ist die Eindämmung der Virusverbreitung ein lebensrettendes Ziel und hat höchste Priorität. Das sieht fast jeder ein. Doch das Einsehen mit dem Verstand allein ist wie die Spitze des Eisbergs, die aus dem Wasser guckt. Unter Wasser sind die Angst, wohin das alles vielleicht doch noch führt, der Zweifel, wie das denn überhaupt weitergehen soll, wenn die Krise vorbei ist und vielleicht auch das Leid, das die Krise auslöst, wenn Menschen sich nicht mehr aus dem Weg gehen können.

    Was wäre, wenn die Menschen im gelben Unterseeboot die Osterbotschaft ganz für sich persönlich hören könnten? So wie der Liederdichter Friedrich Hofmann in seinem Osterlied:

    Ich hör die Botschaft: Jesus lebt! Herr, hilf, dass sich mein Herz erhebt aus Kummer, Zweifel, Angst und Leid! Mach es für Deinen Trost bereit!

    Ich hör die Botschaft: Jesus lebt! Ihr Boten, die ihr Hoffnung gebt, führt mich zum Auferstandenen hin, dass ich bei ihm geborgen bin. Herr, steh mir bei!

    Gebet:

    HERR unser Gott, für jeden Lichtstrahl danken wir Dir im Dunkel der Geschichte, für jedes gute Wort im Lärm der Worte.

    Wenn wir aufatmen, singen wir Dein Lob. Lass die Botschaft des Ostertages alle Tage erhellen, die vor uns liegen, was auch kommen mag.

    HERR, alle im Staub, die Gedemütigten und die Hoffnungslosen, die Ängstlichen, die Beschuldigten, die Kranken und Sterbenden und

    uns am Rande der Wege übergeben wir Dir, HERR, unserem Schöpfer. Halte unsere Welt, damit alle frei atmen können. Besiege alle, die auf Schrecken sinnen, auf beklemmende Dummheit. Besiege Bosheit und Tod. Amen

    Beten wir das Vaterunser.

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zum Ostersonntag, 12. April 2020

    von Pfarrer Jörg Reichmann Pößneck

    Schriftwort: 1. Korinther 15, 19 -20

    Wenn die Hoffnung, die Christus uns gegeben hat, nicht über das Leben in der jetzigen Welt hinausreicht, sind wir bedauernswerter als alle anderen Menschen.
    Doch es verhält sich ja ganz anders: Christus ist von den Toten auferstanden! Er ist der Erste, den Gott auferweckt hat, und seine Auferstehung gibt uns die Gewähr, dass auch die, die im Glauben an ihn gestorben sind, auferstehen werden.

    Gedanken zum Text:

    Liebe Gemeinde,

    Christen feiern seit dem zweiten Jahrhundert Ostern und die Urkraft dieses Ereignisses ist für immer lebendig, weil seine Botschaft auf die einfachste Form gebracht heißt: Da hat einer den Tod hinter sich gelassen, wir aber haben ihn noch vor uns. Das fordert unseren Verstand heraus. Das ist ein Wunder. Das verändert die ganze Welt. Das ist größer noch als Weihnachten, weil hier zu Ostern Gott uns Menschen am Göttlichen teilhaben lässt. Aber erfassen wir auch wirklich, was Ostern für uns bedeuten kann? Wenn die letzte und größte Instanz der menschliche Verstand ist, bleibt Ostern unerklärlich. Denn der Verstand orientiert sich nur an unseren Erfahrungen. Das reicht zur Erklärung des Alltags gewiss.

    Aber längst ist bekannt und gesichert: Der Verstand hat Grenzen, weil die menschliche Erkenntnis Grenzen hat. Und aus der Erfahrung folgert der Verstand: Der Tod in seinen unterschiedlichen Masken regiert die Welt, wirbelt alles durcheinander, wie wir gerade durch Corona selbst erleben oder in den Nachrichten aus Syrien und den anderen Kriegsherden unserer Welt gezeigt bekommen. Das Grab ist leer – und die ersten Zeugen erleben dieses Wunder, das entgegen aller Erfahrung, entgegen aller Erwartung eine völlig neue Wirklichkeit schafft: Nicht der Tod steht da lachenden Munds, sondern ein Engel. Und die ersten Zeugen ziehen aus dieser Erfahrung den einzig richtigen Schluss: Am Ende sind wir nicht am Ende. Die Hoffnung, die uns Christus damit geschenkt hat, die reicht über das Leben in der jetzigen Welt hinaus. So kann es eine Generation später der wortgewandte Apostel Paulus treffend auf den Punkt bringen. Und zu seiner Zeit schon fragten sich viele Christen: Wenn da Christus den Tod hinter sich gelassen hat, was haben wir dann vor uns, wenn wir IHM vertrauen? Ist es auch für uns möglich, durch den Tod hindurch zu gehen? Für Paulus gar keine Frage, sondern getroste Gewissheit.

    Und wenn wir wie er in der Nachfolge Christi den unerhörten Gedanken zulassen, der Tod ist nicht das große Ganze – fällt uns da nicht ein schwerer Stein von der Seele? Verändert sich dann nicht unsere Sicht auf das Leben und seine Vergänglichkeit grundlegend? Und es gibt Menschen in Geschichte und Gegenwart, die mit diesem Blick so viel Gutes und Hoffnungsvolles und Stärkendes für ihre Mitmenschen bewirken, dass sie deren Welt verändern.

    In diesem Jahr zwingen uns die Umstände dazu, das Osterfest ganz still zu begehen. Ein Umstand, den es in unseren Breiten bisher nach meiner Kenntnis noch nie gegeben hat. Aber wer sagt denn, dass darin nicht auch eine ganz überraschende Erfahrung liegen kann?

    Wenn die Festvorbereitungen und der ganze Trubel zurücktreten und der persönlichen Besinnung Platz lassen, damit wir vor Gott bedenken können, was uns Halt und Hoffnung gibt im Leben? Wenn wir IHM unseren Dank sagen für das Geschenk des Lebens und uns vergewissern: Der HERR ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja! Und das ist wahr, denn das große Ganze ist allein in Gott. ER ist Herr über Leben und Tod, über Zeit und Ewigkeit.

    Foto: Privat – J. Reichmann

    Bildbetrachtung;

    Die große Stadtkirche ist dunkel am Abend des Karsamstags. Die Glocken und die Orgel schweigen. Die Dunkelheit steht für die Macht des Todes in der Welt, die an Karfreitag ihren Höhepunkt fand, als der Sohn Gottes am Kreuz zu Tode gefoltert wurde. Und die Spur des Todes zieht sich weiter durch die Geschichte und Gegenwart. Da wäre keine Hoffnung, dass sich das jemals ändern könnte – wenn Christus nicht auferstanden wäre. Doch Ostern ist es geschehen. Die Osterkerze wird entzündet und ihr lebendiges Licht hat die Kraft, den ganzen großen Kirchenraum zu erhellen. Ein stärkeres Symbol für Ostern kann es nicht geben. Jedes Jahr feiern wir das Geheimnis des Sieges Christi über den Tod auf diese Weise. Das wollen wir uns auch im Jahr 2020 nicht nehmen lassen.

    Am Karsamstag Abend um 22.00 Uhr, sowie am Ostersonntag zur gewohnten Gottesdienstzeit um 10.00 Uhr werden die Glocken der Stadtkirche zum persönlichen Gebet in den Häusern und Wohnungen einladen. Bestimmen Sie doch bitte eine Kerze zu Ihrer persönlichen Osterkerze und entzünden Sie diese zum Osterfest. Wer die Möglichkeit hat, kann diese Kerze auch gern ins Fenster stellen als ein Zeichen der Verbundenheit mit den anderen Christen der Region in dieser schwierigen Zeit.

    Gebet:

    Du Gott des Lichtes, du hast die Dunkelheit unserer Welt durchbrochen am Ostermorgen. Du hast einen neuen Anfang gemacht, als alle nur auf das Ende blickten. Versteinertes hast du ins Rollen gebracht und die Schatten der Angst weggewischt. Dafür danken wir Dir.

    Wir bitten dich für alle, die an diesem Osterfest in Angst und Not sind, die Kranken, Leidenden, die Opfer von Krieg und Gewalt. Lass Dein Licht in ihre Dunkelheit leuchten und sende ihnen Menschen, die ihnen beistehen.

    Wir bitten Dich für alle, die um einen lieben Menschen trauern, mit dem sie sich auch nach seinem Tod noch verbunden fühlen. Lass Dein Licht in ihre Dunkelheit leuchten und sende ihnen Menschen, die ihnen beistehen.

    Wir bitten dich: Lass dein Licht an diesem Osterfest auch unser Herz ergreifen und unsere Welt erleuchten, dass wie uns als Schwestern und Brüder in Christus erkennen uns ehren, mit der Ehre, die Dir gebührt. Schenke uns allen den Mut, das Unfassbare zu glauben, damit auch wir dereinst auferstehen. Amen

    Beten wir das Vaterunser.

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Der Friede Gottes, der all unser Verstehen übersteigt, sei ein Schutzwall und eine Wacht um eure Herzen und Gedanken, dass nichts euch trennen möge von Jesus Christus. Er umgebe euch auf eurem Weg.

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zum Karsamstag 11.4.2020

    von Pfarrer Jörg Reichmann Pößneck

    Station 7 – Beisetzung

    Schriftwort: Johannes 19, 40 -42: „Josef aus Arimathäa und Nikodemus nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist. An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten, und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. Wegen des Rüsttags der Juden und weil das Grab in der Nähe lag,setzten sie Jesus dort bei.“

    Besinnung zum Text: Wie der Evangelist Johannes die Beisetzung Jesu beschreibt, hört sich das alles wohl geordnet und traditionsgerecht an. Dabei war das alles ein kleines Wunder. Denn zum einen muss es wohl eine Sondererlaubnis der Römer gegeben haben, den Leichnam Jesu so kurz nach dem Tod vom Kreuz abnehmen zu dürfen. Um sicher zu gehen, dass Jesus wirklich tot war, kam der Befehl, ihn mit der Lanze zusätzlich zu erstechen. In der Regel verwesten die Toten als Abschreckung für die Lebenden am Kreuz und wurden erst abgenommen, wenn die nächste Kreuzigung anstand. Und zum anderen musste alles sehr schnell gehen: Jesus verstarb um die neunte Stunde, also gegen 15 Uhr nach unserer Zeit. Ab 18.00 Uhr begann der Shabbat des Passahfestes, kein Jude durfte dann einen Toten bestatten. Nicht viel Zeit für die Freunde Jesu. Die Kreuzabnahme, bei der sie mit Sicherheit keine Unterstützung durch die Römer bekamen, der Transport des Leichnams zum Grab, schnell die Leinenbinden – das war mit Sicherheit nur eine behelfsmäßige Beisetzung. Mehr ging nicht. Erst am dritten Tag würde alles mit der rituellen Salbung seine Ordnung finden können. Menschen finden erst Ruhe, wenn sie ihre Toten so begraben haben, dass es für sie in Ordnung ist.

    Womit wir in der Gegenwart sind.

    Collage: Privat – J. Reichmann

    Bildbetrachtung:

    Trauer braucht einen Ort, sonst frisst sie sich fest im Herzen, schwelt wie eine offene Wunde, die nicht heilen kann. Das steht außer Zweifel und doch verändert sich die Bestattungskultur. Gräber haben eine „Laufzeit“, und die finanziellen Möglichkeiten und der Wille der Angehörigen entscheidet allein, welchen Ort die Trauer finden kann. Gut ist, dass auch jetzt in der Corona – Krise Trauerfeiern möglich sind, auch wenn die Angehörigen zum eigenen Schutz vor dem Virus mit einer Minimalvariante einverstanden sein müssen. Aber auf unbestimmte Zeit keinen wirklichen Abschied und keinen Ort der Trauer zu haben, ist eine schwere seelische Belastung. Wie viele Menschen wissen bis heute nicht, wo das Grab ihrer Angehörigen ist, die im Krieg umgekommen sind. Wie viele Menschen wissen nicht, wo sie ihre Verstorbenen bestatten sollen, weil sie weit weg aus ihrer Heimat fliehen mussten. Die Trauer braucht einen Ort, sonst dreht sie sich im Kreis und raubt den Hinterbliebenen die Kraft.

    Bedenken wir vor Gott, wie wir mit den Abschieden in unserem Leben leben gelernt haben oder leben lernen möchten.

    Gebet:

    Lasst uns beten für unsere Verstorbenen, derer wir in Liebe gedenken.

    Lasst uns beten für alle, die sich um Gräber kümmern und sie pflegen.

    Lasst uns beten für alle, deren letzte Ruhestätte nicht bekannt ist oder die namenlos in Massengräbern verscharrt wurden.

    Lasst uns beten für uns – um die Gnade einer würdigen Grabstätte. Herr, erbarme dich!

    Zum Ende der Karwoche beten wir:

    Herr Jesus Christus, was du für uns erduldet hast, übersteigt unsere schlimmsten Vorstellungen.

    Dein Leidensweg zeigt uns, dass wir auch heute oft unmenschlich miteinander umgehen und schuldig werden an unseren Mitmenschen.

    Herr, wir alle leben aus deiner Gnade. Dafür danken wir Dir und biiten Dich:

    Hilf uns, dass wir uns als Brüder und Schwestern erkennen und miteinander und füreinander das Leben gestalten, das Du uns schenkst .

    Darum bitten wir dich, unseren geschundenen Bruder und auferstandenen Herrn, Jesus Christus, in der Gemeinschaft des Vaters und des Heiligen Geistes.

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zum Karfreitag, 10. April 2020

    ev. Pfarrer Jörg Reichmann Pößneck

    Kreuzweg Jesu Station 6 – Sterben

    Schriftwort: Matthäus 27,50: „Jesus schrie noch einmal laut auf. Dann hauchte er den Geist aus.“

    Besinnung zum Text:

    Die Verurteilten hingen in ihren grotesken Stellungen stundenlang am Kreuz, bis der Tod eintrat. Die robusteren unter ihnen wohl auch tagelang. Schmerzen ohne Ende, die Atemnot durch die nach hinten oben gezerrten Arme, dazu die Hitze, der Durst, streunende Hunde, Ratten, Raben. Erst wenn der Kreislauf zusammenbrach, war es vorbei mit der Todesfolter. Die Wachen blieben bis zum Schluss, bis der Tod die Verurteilten geholt hatte. Der Tod als Erlösung von menschengemachter Qual und Schmerz. Die meisten Gaffer gingen nach einer Weile, weil es ihnen langweilig wurde. Selten nur blieben Angehörige in der Nähe der Hinrichtungsstätte. Sie konnten die Qualen nicht mit ansehen und fürchteten sich erkannt zu werden oder vor der Häme und der Niedertracht der Gaffer. Kamen sie dem Kreuz zu nahe, liefen sie Gefahr, selbst verhaftet zu werden. Eine ausweglos ohnmächtige Situation. Sie mussten dem Leiden zusehen, Stunde um Stunde. Damals standen sie in der Nähe des Kreuzes, soweit sie die Wachen eben heran ließen. Heute sitzen sie an Betten todkranker Menschen, denen sie nicht mehr helfen können, nur noch beistehen. Oder sie vegetieren in Elendsvierteln vor sich hin ohne Aussicht auf ein menschliches Leben. Und wie viele zittern in Bunkern nicht nur in Syrien, wenn die Bomben um sie herum einschlagen?

    Womit wir in der Gegenwart sind.

    Bildbetrachtung:

    Dunkel, unfassbar, kalt. Was kommt da auf uns zu, wenn sich die Grenze des Lebens nähert auf dem Weg, von dem es heißt, dass ihn jeder allein gehen müsse? Das Geheimnis des Todes, wissenschaftlich beschrieben als das Aufhören aller Lebensfunktionen. Klingt genau so kalt. Das Leiden, die Qualen hören auf, so viel scheint sicher zu sein. Hoffen wir jedenfalls. Und neuerdings scheint der Tod genau aus diesem Grund zu einer Entscheidungsoption zu

    (Collage: Privat – J.Reichmann)

    werden für alle, zu deren Vorstellung eines schönen Lebens weder Leiden noch Schmerzen passen. „Selbstbestimmtes Sterben“ wird das voll tönend genannt. Trauer wird unnötig, denn er oder sie hat es ja so gewollt. Aber ist es nicht so: Die Endgültigkeit des Todes ist und bleibt erschreckend und belastend wie ein schwerer Stein. Es gibt nur ganz wenige gesunde Menschen, die dem eigenen Tod gegenüber wirklich angstfrei oder gleichgültig sein können. Ich kann mir diese Einstellung nur so erklären: Meist haben diese Menschen keine nahen Angehörigen oder haben nie etwas anderes gelernt, als ausschließlich an sich selbst zu denken. Denn besteht der Schrecken des Todes nicht vor allem auch darin, dass er das bisherige gemeinsame Leben unwiederbringlich zerreißt, indem er uns das Liebste nimmt, was wir haben? Und die Grenze ist unüberwindbar. An ihr endet unsere Vorstellungskraft. Aber an dieser Grenze entzündet sich auch unsere Hoffnung, wenn wir dem HERRN vertrauen können.

    Bedenken wir in der Stille vor Gott, was uns selbst für Gedanken, Vorstellungen und Ängste ereilen, wenn wir an unser Lebensende denken oder an den Tod lieber Menschen. Bedenken wir weiterhin, was uns wirklich Trost und Hoffnung zu geben vermag.

    Gebet:

    Lasst uns beten für alle, die den Tod als Erlösung von ihrem Leid und ihren Schmerzen herbei sehnen.

    Lasst uns beten für alle, die in diesen Stunden im Sterben liegen.

    Lasst uns beten für alle, die Sterbende in ihren letzten Stunden begleiten, ohne ihnen helfen zu können.

    Lasst uns beten für uns – um einen gnädigen Tod und eine Sterbestunde in Geborgenheit. Herr, erbarme dich!

    Herr Jesus Christus, was du für uns erduldet hast, übersteigt unsere Vorstellungen. Bis heute werden wir schuldig an unseren Mitmenschen.

    Herr, hilf uns zu leben als Brüder und Schwestern miteinander und füreinander .

    Darum bitten wir dich, unseren geschundenen Bruder und auferstandenen Herrn, Jesus Christus, in der Gemeinschaft des Vaters und des Heiligen Geistes.

    Beten wir das Vaterunser.

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zum Gründonnerstag, 10. April 2020

    ev. Pfarrer Jörg Reichmann Pößneck

    Gründonnerstag – der Tag der Erinnerung an das Abschiedsmahl Jesu mit seinen Jüngern. Er weiß, was kommen wird. Die Jünger befürchten es. Sie spüren, wie sich die Lage von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde zuspitzt. Dann hält es Judas nicht mehr aus. Er will, dass Jesus endlich zeigt, wer er ist – der Messias, der das Volk des HERRN befreit, der Gerechtigkeit und das Reich Gottes bringen wird. Und weil Jesus aus seiner Sicht untätig bleibt, schafft Judas Fakten und verrät seinen Meister. Dann muss der aus der Reserve kommen, seine Macht erweisen, gegen die die Römer keine Chance
    haben! Aber das sind nur die Gedanken des Judas, nicht der Weg Gottes. Die grausamen Mühlen der Macht sind nicht mehr aufzuhalten.

    Nach dem gemeinsamen Mahl wird Jesus im Garten Gethsemane verhaftet, sofort in den Kerker der Burg Antonia verschleppt und dort die ganze Nacht bis zum Morgengrauen gefoltert. Gestehen soll er, dass er einen Aufstand geplant hätte. Und egal, was er sagt, das Urteil steht bereits fest: Tod am Kreuz. Der Schauprozess kurz nach Sonnenaufgang ist nur Kulisse der Grausamkeit. Spätestens jetzt bricht für Judas die Welt zusammen und er weiß keinen Ausweg mehr.

    Kreuzweg Jesu Station 5 – Annagelung
    Schriftwort: Lukas 23,33a: „Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort.“

    Besinnung zum Text:
    Kurz und knapp schreiben die ersten drei Evangelisten: „kreuzigten sie ihn dort“. Ans Kreuz geschlagen, schreibt der Evangelist Johannes noch genauer. Angenagelt – wieder wird der Verurteilte zu Boden geworfen, seine Arme über dem Querbalken des Kreuzes breit gezerrt und mit großen, handgeschmiedeten, kantigen Nägeln hinter den Handgelenken am
    Holz festgenagelt. Nach der Entwürdigung nun die Todesfolter, so schmerzhaft und so lang wie möglich. Die Henker achten darauf, kein
    Blutgefäß mit den Nägeln zu verletzen. Dann wird der am Querbalken angenagelte Verurteilte nach hinten hoch gezerrt, bis der Balken an der
    Halterung des Längsbalkens einrastet.

    Anschließend werden die Beine meist seitlich gedreht und über den Knöcheln angenagelt. In dieser grotesken Stellung quälte sich der Verurteilte bis zu seinem Tod. Bei Kreuzigungen hatten die Soldaten der Hinrichtungskommandos ihren Spaß daran, sich immer brutalere Methoden auszudenken. Was Menschen für grauenvolle Methoden
    entwickeln können, um andere zu foltern und zu quälen hat seit der Römerzeit immer neue Ausmaße erreicht. Auch heute im 21. Jahrhundert ist Folter in vielen Ländern der Welt ein legales Mittel der Behörden „zur
    Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung“ .

    Die Veröffentlichungen von amnesty international sprechen Klartext.
    Womit wir in der Gegenwart sind.

    Bildbetrachtung:
    Was geht vor im Kopf und vor allem im Herzen dessen, der da zusticht? Der da dem anderen den Nagel ins Fleisch bohrt? Der auf wehrlose Menschen schießt oder irgendwo weit weg die Kampfdrohne steuert? Was denkt er? Was fühlt er? Womit rechtfertigt er seine grausame Tat? Ich hatte dem Befehl zu folgen, haben die Naziverbrecher im Nürnberger Prozess gesagt.


    Es war notwendig zum Schutz des Sozialismus haben die Todesschützen an der innerdeutschen Grenze gesagt. Allah ist groß! Rufen die Terroristen. Und alle lassen sich von Ihresgleichen als Helden feiern.

    Bedenken wir in der Stille vor Gott, in welchen Situationen wir uns heraus geredet haben aus unserem schlechten Gewissen.

    Gebet:
    Lasst uns beten für alle Opfer von Gewalt und
    Verbrechen.
    Lasst uns beten für alle Angehörigen, die einen
    Verwandten durch Gewalt oder Verbrechen
    verloren haben.
    Lasst uns beten für alle, die die Todesstrafe für
    sinnvoll halten.
    Lasst uns beten für alle, die der Macht von
    Waffen mehr vertrauen als dem Weg der
    Versöhnung.
    Lasst uns beten für uns, dass wir die Geduld und
    den Mut haben, auf dem Weg des Friedens zu
    bleiben. Herr, erbarme dich!
    Beten wir das Vaterunser.
    Vater unser im Himmel
    geheiligt werde Dein Name
    Dein Reich komme
    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf
    Erden
    Unser tägliches Brot gib uns heute
    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir
    vergeben unseren Schuldigern
    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern
    erlöse uns von dem Bösen
    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die
    Herrlichkeit
    in Ewigkeit
    Amen


    Es segne uns der allmächtige und barmherzige
    Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
    AMEN

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    Andacht zum Mittwoch, 8. April 2020

    ev. Pfarrer Jörg Reichmann Pößneck

    Kreuzweg Jesu Station 4 – Entkleidung

    Schriftwort: Johannes 19,23: „Nachdem die Soldaten Jesus ans Kreuz geschlagen hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen.“

    Besinnung zum Text: Nein, das konnte der Evangelist nicht als Livebericht erzählen, was da auf der Hinrichtungsstätte mit dem Verurteilten getrieben wurde, wenn er völlig entkräftet endlich dort ankam. Zu groß ist die Demütigung, die Schande, die ihm angetan wurde: Alle Kleidungsstücke, das Obergewand und der Lendenschurz, wurden ihm vom Leib gerissen, bevor sie ihn ans Kreuz nagelten. Völlig nackt und schutzlos stieß ihn das Hinrichtungskommando vor die Gaffer und dann zu Boden. Tiefer kann man einen Menschen nicht entwürdigen. Die Schande geht so tief, dass seit alters her in allen christlichen Darstellungen des Gekreuzigten Jesus wenigstens ein kleines Lendentuch gelassen wird. Die Römer waren nicht so feinfühlig. Ganz im Gegenteil. Der Mann am Kreuz lebt noch, als sie um sein Obergewand spielen. Das lässt sich noch zu Geld machen, weil es zum Glück eine recht brauchbare Qualität hat. Im Gegensatz zu dem da am Kreuz. Der hat sein Leben verwirkt und ist wertlos. So denken Machthaber und ihre Helfershelfer bis heute. In China wurden zum Tode verurteilten jungen, gesunden Menschen Stunden vor der Hinrichtung lebenswichtige Organe entnommen und dann auf dem Weltmarkt verkauft.

    Womit wir in der Gegenwart sind.

    Bildbetrachtung:

    Privatsphäre? Kannst du vergessen! Persönlichkeitsrechte? Nicht, wenn es was zu glotzen oder zu quatschen oder zu holen gibt! Mach dich nackig, Alter! Die Hintermänner im Internet wissen eh alles über dich. Was du denkst, was du willst, wie du tickst. Und ganz schnell kann es heißen: Du Opfer, jetzt bist du dran! Du hast keine Chance! Du kannst uns gar nichts! Wir bleiben anonym und schlagen zu – mitten ins Gesicht. Wir fühlen uns so stark und überlegen. Heimtücke und Machtgefühl feiern

    fröhliche Hochzeit. Untiefen der menschlichen Grausamkeit werden sichtbar. Wurden nicht auch die Menschen jüdischen Glaubens gezwungen, sich zu entkleiden, bevor sie in die Gaskammern der Vernichtungslager getrieben wurden? Oder die Gefangenen im Irakkrieg in Bagdad – wurden die nicht auch nackt von ihren Peinigern gequält? Man kann auch seelisch entkleidet werden. Früher betraf das nur die Leute, die im Fernsehen vorgeführt wurden zum Fremdschämen. Heute kann es jeden jederzeit im Internet treffen. Irgendwann ist der Schwachpunkt gefunden oder der Anlass für Häme und Unterstellung gegeben. Gerade jetzt in der Krise fehlt es nicht daran. Ebenso wenig wie an immer neuen Verschwörungstheorien, die die Ursache der Krise zu erklären versuchen oder die angeblich Schuldigen „eindeutig“ zu kennen meinen. Wie leicht lassen wir uns durch solche abstrusen Ideen einfangen? Wie schnell sind wir bereit uns anzumaßen, den „Wert“ eines Menschen zu beurteilen?

    Bedenken wir in der Stille vor Gott, zu welchen Gelegenheiten wir selbst beteiligt waren an Häme und verletzenden Kommentaren gegen andere – und in welchen Situationen wir selbst durch solche Attacken verletzt wurden.

    Gebet:

    Lasst uns beten für alle, die blamiert,verspottet oder beschämt werden.

    Lasst uns beten für alle, die schutzlos der Übermacht anderer ausgeliefert sind.

    Lasst uns beten für alle, denen es Spaß macht, andere in die Enge zu treiben.

    Lasst uns beten für uns, dass wir die Kraft haben, die Würde unserer Mitmenschen unter allen Umständen zu achten. – Herr, erbarme dich!

    Beten wir das Vaterunser.

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zum Dienstag, den 7. April 2020

    ev. Pfarrer Jörg Reichmann Pößneck

    Kreuzweg Jesu Station 3 – Kreuztragen (Simon von Kyrene)

    Schriftwort: Markus 15,21: „Einen Mann, der gerade vom Feld kam, Simon von Kyrene,den Vater des Alexander und Rufus, zwangen sie, sein Kreuz zu tragen.“

    Besinnung zum Text: Ausführlich und genau beschreibt der Evangelist, wer der Unglückliche aus der Zuschauermenge am Wegesrand war, den die Soldaten des Hinrichtungskommandos kurzerhand ergriffen. Gerade war der durch die Folter geschwächte Jesus unter der Last des schweren Balkens zum dritten Mal zusammengebrochen. Schnell hatten die Soldaten begriffen: Den „Rest“ des Weges auf den „Schädelberg“, wie die Hinrichtungsstätte außerhalb der Stadtmauern bildhaft genannt wurde, würde der nie schaffen. Also griffen sie sich einen, der dummerweise in der ersten Reihe stand, lösten den verurteilten Jesus vom Querbalken des Kreuzes und legten diesen dem Simon von Kyrene auf die Schulter. Simon muss gehorchen. Jeder römische Soldat durfte jederzeit einen Einheimischen auf offener Straße anhalten und ihm befehlen, sein Gepäck oder was auch immer zu tragen. Hätte er sich geweigert, wäre das Widerstand gegen die Staatsgewalt gewesen und hätte eine harte Strafe nach sich gezogen. Gegen seinen Willen wurde Simon hineingezogen in das schreckliche Schauspiel, in das Leid Jesu. Und die anderen Schaulustigen? Atemlose Stille zuerst, dann Erleichterung: Uff, mich hat´s nicht erwischt! Und schon johlen sie wieder. Plötzlich war er mittendrin. Ich kenne das auch: Plötzlich bin ich mittendrin, kommt mir das Leid eines Fremden viel näher, als mir lieb ist.

    Womit wir in der Gegenwart sind:

    Bildbetrachtung:

    Der junge Mann kommt gerade von der Arbeit. Geschuftet hat er. Jetzt ist er müde, will nur noch nach Hause. Geht den Weg wie immer. Da passiert es: He, Sie da! Schnell, kommen Sie her! Hier braucht einer Hilfe! Was, ich? Wieso? Kann da nicht jemand anders? Ich kenn den doch gar nicht! Und wer ist der überhaupt, der

    da will, dass ich herkomme?! Kenne ich nicht. Man hört doch immer wieder, dass Hilfsbereite reingelegt werden! Außerdem hab ich doch wirklich genug mit mir selbst zu tun! Nicht einfach, die richtige Entscheidung zu treffen. Aber einfacher als für Simon von Kyrene. Der hatte gar keine Wahl. Wirklich einfacher? In der Bildzeitung stand: Wir sind im Krieg! Der Feind ist unsichtbar und überall – das Virus: Weiß ich, was ich mir weg hole, wenn ich dem da helfe? Da ist sich doch jeder selbst der Nächste! Und wie dumm vor den anderen stehe ich da, wenn ich mich durch meine Hilfe vielleicht angesteckt habe und in Quarantäne muss?

    Welche Werte zählen, wenn es ernst wird? Wer denkt da noch an die anderen? Aber kommt es in der Not nicht gerade darauf an, an die anderen ebenso wie an sich selbst zu denken? Wie schwer das manchen fällt, wird in der Corona – Krise besonders deutlich. Weshalb sonst ist ein Bußgeldkatalog überhaupt nötig?

    Bedenken wir in der Stille vor Gott, in welchen Situationen wir ungewollt in ein Geschehen hineingezogen wurden, das uns überfordert hat oder dem wir uns entzogen haben aus welchen Gründen auch immer.

    Gebet:

    Lasst uns beten für alle, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind – gerade jetzt in dieser Ausnahmezeit.

    Lasst uns beten für alle, die anderen in ihrer Not helfen, sei es als Profis oder als spontane Helfer.

    Lasst uns beten für alle, die niemanden haben, der ihnen beisteht im Leben und Sterben.

    Lasst uns beten für alle, die andere aus welchen Gründen auch immer in Stich lassen in ihrer Not.

    Lasst uns beten für uns, dass wir Mut und Kraft haben, anderen nahe zu sein, die uns brauchen. – Herr, erbarme dich!

    Beten wir das Vaterunser.

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zum Montag, den 6. April 2020

    ev. Pfarrer Jörg Reichmann Pößneck

    Kreuzweg Jesu Station 2 – Kreuzaufnahme

    Schriftwort: Johannes 19, 16b- 17a: „Da übernahmen sie Jesus. Und er trug selbst sein Kreuz.“

    Besinnung zum Text: Kurz angebunden wie eine sms oder eine twitternachricht setzt der Evangelist in Szene, was unmittelbar nach dem Urteilsspruch oder der kurzen Geste des gesenkten Daumens geschah: Das Hinrichtungskommando, bestehend aus einem Offizier und vier Soldaten, zerrt den gefesselten Angeklagten unter dem Gejohle der Schaulustigen an den Rand des Gerichtsplatzes, wo bereits der Querbalken des Kreuzes bereit liegt. Blitzschnell lösen die Soldaten die Handfesseln des Verurteilten, aber nur, um ihn im nächsten Moment rückwärts auf den Querbalken zu werfen und ihn daran zu fesseln.

    Was für ein groteskes Schauspiel, wenn sich der Verurteilte dann unter den Peitschenhieben der Soldaten abmüht, mit dem schweren Querbalken auf der Schulter aufzustehen. Entkräftet durch die Folter in der Nacht vor dem Prozess, quält er sich unter Schmerzen langsam hoch und versucht, das Gleichgewicht zu halten. Und schon wieder die Peitschen, die ihn vorantreiben auf den Weg zur Hinrichtungsstätte. Er wankt mehr als dass er geht, die engen, holprigen Gassen durch Jerusalem, die verstopft sind durch Schaulustige. Drei mal, so erzählt es die Tradition, stolpert, stürzt, bricht Jesus auf diesem Weg zusammen. Zweimal schafft er es aus eigener Kraft wieder aufzustehen und sein Spießrutenlauf bis zum Tod, zur Unterhaltung der Zuschauer, geht weiter. Ja, das Leiden und der Tod haben einen ganz hohen Unterhaltungswert, bis heute.

    Womit wir in der Gegenwart sind:

    Bildbetrachtung:

    Das packt die niemals! Das kriegt die nie gestemmt! Abgestürzt, selber schuld, Flügel abgebrochen. Ich hab´s doch gleich gewusst, dass das nichts werden kann mit der! Und jetzt will die sich wieder aufrappeln? Ist doch lachhaft! Guck die dir doch mal an, wie die sich anstellt! Irgendwie kann sie einem ja auch leid tun, die arme Sau! Immer wenn irgendwas los war – die hat es bestimmt erwischt! Erst krank, dann Arbeitsplatz weg, oder umgekehrt, dann immer der falsche Mann…und am Ende ganz allein. Es gibtLeute, die ziehen das Pech

    magisch an. Mit der will ich um Himmelswillen nicht tauschen! Da weiß man ja, wo das hinführt! Ach, wie schnell sind wir dabei mit unseren Erklärungen und Kommentaren, mit unserem Spott und unseren „guten“ Ratschlägen! Hauptsache, wir bleiben innerlich auf Abstand und äußerlich natürlich auch. Aber ehrlich – aus der Distanz zuschauen, wenn sich da einer quält – ist das nicht auch spannend? Fährt man da nicht besonders langsam vorbei und zückt heimlich das Smartphone für ein Foto?

    Oder lässt uns das Leid anderer einfach nur kalt? Nach dem Motto: Was geht mich das an? Und schlimmer noch: Selber schuld!

    Bedenken wir vor Gott in der Stille, in welchen Situationen wir jemanden alleingelassen haben oder in denen wir selbst alleingelassen wurden und gespürt haben, was ein Mangel an Mitgefühl anrichten kann.

    Gebet:

    Lasst uns beten für alle Menschen, die auf ihrem Lebensweg allein unterwegs sein müssen durch tiefe Täler.

    Lasst uns beten für alle Menschen, die ihren letzten Weg vor Augen haben.

    Lasst uns beten für alle Menschen, die andere auf ihrem letzten Weg begleiten.

    Lasst uns beten für alle Menschen, dass sie anderen ihre schweren Wege nicht zusätzlich erschweren.

    Lasst uns beten für uns, dass wir unseren Lebensweg gefasst und voller Vertrauen in Gottes Liebe gehen können, was auch immer kommen mag. – Herr erbarme dich!

    Beten wir das Vaterunser.

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN