Winterprojekt

Februar – Hoch-zeit der „fünften Jahreszeit“ – Fastnacht

Karneval / Fastnacht im Lockdown? Geht das überhaupt? Nachdem ein Umzug abgebrochen werden musste und viele Karnevalsclubs ihre Veranstaltungen ausfallen lassen werden oder ins Internet verlegen, fragen sich das manche Menschen. Auch in diesem Jahr werden wohl die meisten Narren und Närrinnen zu Hause bleiben.

Woher kommt eigentlich der Karneval oder die Fastnacht?

Die turbulenten Tage vor der Fastenzeit haben ihren Ursprung vermutlich im „Fest der Narren“. Im Mittelalter zogen Studenten, Priester und hochangesehene Bürger mit Masken und verkleidet über die Straßen und machten sich über alles lustig. Stadtbekannte Persönlichkeiten mussten damit rechten, „auf den Arm genommen zu werden“.

Weil bekanntlich Freude ein Ausdruck unseres Glaubens ist, war und ist der Karneval in christlichen Gegenden (Rheinland, Baden-Württemberg, Schweiz und auch in Teilen Thüringens) beheimatet. In der Freude wird die Welt auf den Kopf gestellt, denn die Ordnung dieser Welt ist nicht das letzte. Das Närrisch- sein- dürfen trifft den Lebensnerv der Menschen. Sich verkleiden – in andere Rollen schlüpfen- und den Sorgen des Alltags entfliehen, ausgelassen, fröhlich sein und lachen dürfen- auch über sich selbst- das tut nicht nur gut, sondern ist auch noch gesund.

Der Brauch, sich zu verkleiden geht eigentlich auf die Römerzeit zurück. Schon die Germanen haben mit Masken und Verkleidungen und mit viel Lärm gefeiert, um die bösen Geister zu vertreiben. Meist war es auch der Winter, von dem Abschied genommen wurde. Bräuche dazu haben sich auch in unserer Gegend bis jetzt erhalten ( z.B. „Strohbär“ in Orlamünde).

Die Fastnacht erinnert – wie der Name schon sagt an die Nacht/ die letzten Nächte vor der Fastenzeit. Der Aschermittwoch ist der Beginn des 40- tägigen Fastens bis Ostern (die Sonntage in dieser Zeit waren vom Fasten ausgenommen). Früher galten strenge Regeln für diese Zeit: Der Verzehr von Fleisch, Fett und Milch, aber auch Alkohol (Wein) war tabu. Darum hat man die letzten Tage vor der Fastenzeit ausgelassen gefeiert und gegessen.

Manche deuten auch das Wort „Karneval“ – von lateinisch „carne vale“ – „Fleisch- lebe wohl“, als Hinweis auf den kommenden Verzicht.

Die älteste literarische Erwähnung der „fasnaht“ findet sich bei Wolfram von Eschenbachs „Parsifal“ (um 1200). In der Reformationszeit und später auch im Dreißigjährigen Krieg wurde das närrische Treiben unterdrückt. Im 18. Jahrhundert dann zogen an den Höfen der Kurfürsten – angelehnt an den Karneval in Venedig – wieder Maskenbälle ein. Unter Napoleon wurde die venezianische Maskenfreiheit verboten. Besonders im Rheinland ließ man in dieser Zeit den Fasching wieder aufleben und nutzte ihn, um die Besatzer, zu denen auch später die Preußen gehörten, zu verspotten. 1823 gab es in Köln den ersten Rosenmontagsumzug. Das närrische Treiben sollte in geordneten Bahnen verlaufen, deshalb setzten die Stadtväter diese Veranstaltung an. Die Wagen, die beim Umzug mitgeführt wurden, hatten meist die Form von Schiffen, sie erinnert an die mittelalterlichen „Narrenschiffe“, die ohne Mast und Segel ins Verderben fuhren (siehe auch das „Narrenschiff“ von Sebastian Brant, 1494 –das Torheiten und Schwächen der Menschen in ironisch-satirischer Form aufs Korn nimmt).



Selbst in schwierigen Zeiten versuchten Menschen mit Spaß und Frohsinn ihren Alltag leichter zu machen. Verkleiden und freuen können wir uns auch in den Familien daheim, vielleicht schafft uns das etwas Abstand und Leichtigkeit in diesen bangen Wochen. Zeit zum Umdenken kommt ganz gewiss, auch mit dem Aschermittwoch, an dem bekanntlich „alles vorbei ist“. Die Kirchen greifen in der kommenden Fastenzeit wichtige Themen auf und laden ein, Neues zu wagen – einen anderen Lebensstil einzuüben: z. B „Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden“ (EKD) oder „7 Wochen anders leben“ (Andere Zeiten e.V.) Es geht! Anders. (Misereor) Lassen Sie sich zur Freude einladen und vor allem Neues zu probieren in den kommenden Wochen! Sie werden staunen, welche Erfahrungen Sie dabei mit sich und anderen machen!

Ute Thalmann