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Gedanken zum Sonntag Kantate: 10.05.2020

Von Ute Thalmann, Pastorin Krölpa

Mitten im Osterfestkreis liegt der Sonntag „Kantate“ – „Singt!“- lädt er uns ein! Nicht nur unter der Dusche, auf dem „stillen Örtchen“ oder in der Badewanne, nein vielleicht auch im Garten oder auf dem Balkon, wie uns vor Wochen die Italiener vorgemacht haben! Singen ist Ausdruck unserer Persönlichkeit. So verschieden wir sind, so vielfältig sind unsere Stimmen. Die Stimme ist unsere emotionalste und persönlichste Ausdrucksform, sie verändert sich nach Gefühlslage. In vielen Kulturen kommt der Gesang Heilkraft zu. Im menschlichen Gehirn werden beim Singen antriebssteigernde und stimmungsaufhellende Botenstoffe ausgeschüttet, gleichzeitig werden Stresshormone abgesenkt, das Immunsystem gestärkt, die Atmung vertieft und das Herz-Kreislauf-System aktiviert.

Kurz: Singen tut Leib und Seele wohl. Seit Urzeiten singen Menschen in unterschiedlichen Situationen: in Angst und Verzweiflung, bei schwerer Arbeit und vor Freude- zudem fördert das Singen die Gemeinschaft. Darum „Singt!“

Wie soll das gehen, wenn Singen aufgrund der Coronapandemie aus hygienischen Gründen nicht mal in der Kirche erlaubt ist?! Auch auf Abstand lässt sich singen! Das hat kein geringerer als Heinrich Schütz (1585-1672) genutzt, um dem Gesang durch die Verteilung verschiedener Sänger im Kirchenraum einen besonderen Klang zu verleihen. Lassen wir also unsere Stimmen erklingen! Singen wir dem Herrn ein neues Lied, statt der alten Leier. „…denn er tut Wunder!“

Ich erinnere mich an einen denkwürdigen Montag vor fast 31 Jahren in Leipzig. Tausende Menschen hatten sich versammelt, alle Kirchen im Stadtzentrum hatten ihre Türen geöffnet am 9.Oktober 1989. Wir hatten Zuflucht in der reformierten Kirche gesucht. Dort beteten Menschen – und sie sangen- gegen die Angst an-zuerst ganz leise: „Lob Gott getrost mit Singen“, „Sonne der Gerechtigkeit“ und „O komm du Geist der Wahrheit“ und dann mutig und laut und so traten sie heraus auf die Straße und demonstrierten für ihre Freiheit. Eindrücklich war das – und auch das, was dann geschah: kein Schuss fiel aus den Gewehren der Soldaten, die auf LKW`s in den Seitenstraßen standen. Keiner wurde festgenommen. Zehntausende demonstrierten friedlich.

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“ Menschen erheben ihre Stimmen, weil sie Befreiung erfahren hatten. Befreiung , die Gott schenkt. Angefangen beim Volk Israel, über versklavte Afrikaner in Amerika bis heute. In diesen Gesang können auch wir uns einstimmen, gegen die Angst, die sich breit macht, gegen die Verzweiflung und Aussichtlosigkeit – für neue Hoffnung und ein solidarisches Miteinander und wenn`s sein muss, auch auf Abstand!

(Foto:Thomas Steiner, Pixabay)

Ute Thalmann, Pastorin