2021 | 950 Jahre Krölpa, Hütten und Friedebach (Teil 1)

2021 feiern gleich drei Ortsteile von Krölpa ihre Ersterwähnung (urkundlich) vor 950 Jahren. Unbestritten ist, dass bereits vor dieser Zeit die Gegend um Krölpa sorbisch besiedelt war. Die urkundliche Erwähnung der Ortsteile von Krölpa ist eng mit der Geschichte der Kirche verbunden. 1071 wurde auf einer Urkunde die Kirche zu Krölpa (neben Neuenhofen und Langenschade) als eine der drei Urkirchen in der Region um Kotschau und Orla erwähnt. Sie besaß damals schon einen großen Sprengel (d.h. zu versorgende Dörfer und Orte bzw. zugehörige Kapellen und Kirchen). Dies geht aus einer Schenkungsurkunde des Kölner Erzbischofs Hanno (Anno) II. an das Stift Saalfeld (Benediktiner- Abtei) aus dem Jahre 1074 hervor. Dort wird „Crölpa“ genannt. Vermutlich wurde die Kirche von Krölpa (1057?) zwischen 1048 und 1063 von der polnischen Königin Richeza (*995-+21.03.1063), Tochter des Pfalzgrafen Ezzo von Lothringen und seiner Frau Mathilde (978-1025), (Tochter des Kaisers Otto II. und der Kaiserin Theophanu), erbaut. Das Fundament im Krölpaer Kirchturm stammt vermutlich noch aus dieser Zeit. Ezzo hatte bereits um 990 von Kaiser Heinrich II. einen Teil des Landes des vormaligen Reichsgutes Saalfeld mit dem Orlagau zum Geschenk erhalten. Es war quasi die Mitgift seiner Frau. Nach dem Tod ihres Vaters Ezzo (1034) und ihres Bruders, des Pfalzgrafen Otto (1047) erlischt das Ezzonische Haus und der Besitz geht an Richeza über. Ab 1047 lebte sie vorwiegend in Saalfeld und gilt als Begründerin der ersten Kirchen des Gebiets.

Was ist noch über sie bekannt? Wie ihre Mutter und ihre sechs Schwestern ( fünf sind namentlich bekannt und wurden Äbtissinnen: Mathilde, Theophanu, Adelheid, Sophie, Ida) erhielt sie eine kirchlich geprägte Erziehung. Ihre zwei Brüder Liudolf und Otto starben vor ihr. Um das Jahr 1000 wurde die eheliche Verbindung zwischen Richeza und Miezko, dem zweiten Sohn des Polenfürsten und ersten polnischen Königs Boleslaw Chrobry (967-1025) vereinbart. Am Pfingstfest 1013 fand die Hochzeit statt. 1016 wurde der gemeinsame Sohn Kasimir geboren. Daneben entstammten der Ehe noch zwei Töchter, von denen die Ältere 1043 mit dem Großfürsten Izjaslaw I. von Kiew (1024-1078) und die Jüngere 1045 von Kasimir mit seinem Bundesgenossen und späteren ungarischen König Bela I. (1015/1020-1063) verheiratet wurde. Nach dem Tod des Schwiegervaters (1025) ging die Königskrone an Miezko und Richeza über. Als Miezko 1032 stirbt, regiert Richeza mit ihrem Sohn Kasimir noch ein Jahr gemeinsam. Danach muss sie Polen verlassen, behält aber ihren Titel „Königin“.1034 kehrt sie in ihre rheinische Heimat zurück. Zwischen 1040-1047 lebt sie in Klotten und ließ sich dort eine Kapelle und ein Haus bauen, das sie später „mit ihrem Gut Clotten“ an das Kloster Brauweiler bei Köln vererbt. 1048 leitete sie den Neubau von Kloster und Kirche in Brauweiler ein, der 1061 vollendet wurde. Der Kölner Erzbischof Anno II. erwies sich als Gegner der Ezzonen und führte 1059/60 Fehde gegen den Pfalzgrafen Heinrich von Lothringen (+1060) um die territoriale Vorherrschaft im Rheinland. Der Konflikt endete mit der Niederlage der Ezzonen. Um dem Zugriff Annos II. auf ihre moselländischen Güter zu entkommen, schenkte Richeza sie dem Kloster Brauweiler. Die Besitzungen in der Provinz Saalfeld und der Herrschaft Coburg übergab sie dem Erzstift zu Köln mit einem lebenslangen Nutzungsrecht. Richeza starb am 21.03.1063 in Saalfeld. Ihr Leichnam wurde ins Rheinland überführt. Entgegen dem Bestreben der Brauweiler Mönche wurde sie nicht in der ezzonischen Familiengrablege Brauweiler, sondern auf Geheiß Annos II. in Köln bestattet. Richeza wurde aufgrund ihrer Schenkungen und Stiftungen als „Selige“ verehrt, später sahen Menschen auch in ihr eine „Heilige“, jedoch kam eine Heiligsprechung durch den Papst nicht zustande.

Der Erzbischof von Köln vergrößerte seinen kirchlichen und machtpolitischen Einfluss im Osten des Reiches. Aus einer Urkunde ist seine strenge Haltung gegenüber den Abgaben der sorbischen Eigenleute bekannt: „Der Slawe, der am festgesetzten Tag den Honig nicht abliefert, wird in Ketten geworfen bis er zinst; wenn einer von ihnen im Lande etwas stiehlt, so soll er Weib und Kind verlieren.“ (S.174 – Landeschronika). Das Chorherrenstift Saalfeld, das auch mit der Verwaltung der Ländereien beauftragt war, hatte aufgrund der Lebensführung der Insassen keinen Bestand und wurde 1063 aufgelöst. 1071 kam es zur Gründung der Benediktinerabtei St. Peter und Paul in Saalfeld, die sich für die Christianisierung der östlichen Gebiete stark machte.

(Zusammengestellt von U. Thalmann)

Quellen: Krölpa- eine Ortschronik, 1998/ www.porta-polonica.de/www.heiligenlexikon.de/ www.rheinische-geschichte.lvr.de/ A. Blöthner: Sagenhafte Wanderungen im Saale-Orla-Kreis- Bd.IV u. ders. – Landeschronika

Fortsetzung folgt


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