Adventskalender

Türchen 1 | 1. Dezember 2020


In diesem Türchen:

Eine Geschichte über die Entstehung des Adventskalenders

Eine Rätselgeschichte…


Für Erwachsene & Kinder

Was sich wohl hinter der ersten Tür befindet?

Als Kinder haben wir darüber nachgedacht und uns so eine eigene Vorstellung gemacht. Schokolade war es damals nicht – eher ein Bild. Manchmal haben wir auch unserer Neugier abgeholfen und den Kalender einfach rumgedreht und gegen das Licht gehalten. Da konnte man schon mehr wahrnehmen. Das geht leider mit diesem Kalender nicht so ganz gut. Auch die Tür des „Adventkalender on tour“, die sich heute hoffentlich um 18 Uhr in Krölpa mit Zustimmung des Gesundheitsamtes öffnen darf, zeigt im Moment ganz und gar nicht, was sich hinter ihr verbirgt.

Eine kleine Rätselgeschichte möchte ich Ihnen mitgeben:

Zu einem Kloster kam einmal ein Bauer. Er war sehr dankbar, dass er eine gute Ernte gehabt hatte und dass er im Kloster immer einen fand, der ihm zugehört hatte, wenn er sich einmal wieder ums Auskommen sorgte. Er nahm also die schönste Weintraube, die er geschnitten hatte mit zur Klosterpforte. Er klopfte und ihm wurde aufgemacht. Der Mönch, der an der Pforte saß, fragte den Bauern nach seinem Anliegen. Der Bauer erzählte voller Freude von seiner guten Ernte und sagte dann- der Pförtner hätte ihm immer die Tür geöffnet, er möchte ihm aus Dankbarkeit die Traube schenken. Der Pförtner staunte nicht schlecht, als er die herrliche Traube auf seinem Tisch liegen sah. Nein, essen kann ich sie nicht – sie ist viel zu schön. Außerdem weiß ich von einem Bruder, der krank liegt, sie wird ihm helfen, wieder gesund zu werden. Also brachte der Pförtner die Traube zu dem Kranken. Wie freute er sich in seiner Krankenstube, dass der Pförtner zu ihm kam! Sie sprachen lange miteinander und der Kranke spürte, wie seine Kräfte zunahmen. Ob das mit der Traube zusammenhing? fragte er sich insgeheim. Er schaute sie sich lange an und plötzlich hatte er eine Idee. Der Bruder Abt hat immer viel zu tun, er braucht seine Kräfte- und außerdem denkt er immer an alle Brüder. Ihm will ich die Traube bringen lassen, er soll sie essen, damit er uns noch lange erhalten bleibt. Kurze Zeit später klopfte es an der Kammer des Abtes- ein Bruder reichte ihm die Traube. Erstaunt blickte er sie an. Nein, essen kann ich diese schöne Traube nicht, aber ich weiß einen, der würde sich über diese Traube freuen, zudem würde sie ihn sättigen. Wie oft kam er schon hierher und klagte seine Not, dass nichts gewachsen war, dass er hungern musste….ihm will ich die Traube schenken. So wanderte die Traube über den Pförtner wieder zum Bauern- mit einem kleinen Brief: Wir wünschen dir von Herzen solch eine Ernte und wenn sie magerer ausgefallen sein sollte, dann nimm diese Traube und nähre dich daran.

Welche besondere Tür wurde immer wieder geöffnet, auch wenn die Weintraube beständig weiter gegeben wurde?

Was (natürlich außer der Weintraube) kann so viele Türen öffnen?

Mit dieser Tür und ihrem Öffner können auch Sie die erstaunlichsten Erfahrungen machen!


Für Erwachsene & Kinder

Was wohl diesmal hinter dem Türchen steckt?

Süßes oder Lego, Parfüm oder Spaßartikel, Tee oder Räucherkerzchen, Bildchen oder eine kleine Geschichte, oder vielleicht doch Selbstgemachtes… der Vielfalt an Adventskalendern sind keine Grenzen gesetzt. Wer die Wahl hat, hat die Qual! Welchen nehme ich – und für wen? „Wir überraschen uns mit gemeinsamen Unternehmungen, alle selbst ausgedacht- das was im Alltag immer zu kurz kommt!“ sagte ein junges Pärchen: ein Spiel, eine Geschichte hören, eine Runde Tanzen, warum nicht auch im Wohnzimmer, ein Candle-Light- Dinner daheim, eine Wanderung, gemeinsam einen Film schauen, etwas basteln… der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Woher kommt eigentlich der Brauch mit dem Adventskalender? Einer, der die Zeit des Wartens auf Weihnachten für seine „Schützlinge“ besonders gestalten wollte, war Johann Hinrich Wichern. Als Leiter eines Waisenhaues („Rauhes Haus“) in Hamburg hatte er 1838 die Idee 20 kleine rote Kerzen und vier große weiße Kerzen auf ein Rad zu stecken – bei den täglichen Zusammenkünften und Andachten wurde immer eine weitere Kerze entzündet und Adventlieder gesungen.

In manchen Familien war es Brauch 24 Kreidestriche an die Tür zu malen- für die Adventsonntage jeweils ein langer Strich, die weggewischt werden konnten. Andere hängten 24 Bilder mit weihnachtlichen Motiven auf. Eine Mutter nähte 24 selbstgebackene Plätzchen (Wibele) auf eine große Pappe, davon durfte jeden Tag eines genascht werden. In Mode waren vor allem in nördlichen Gegenden Adventsbäumchen aus selbstgebastelten Holzgestellen. Tag für Tag wurden kleine Fahnen, Sterne mit Bibelversen oder anderes angebracht. Andere entzündeten Kerzen, auf denen die 24 Tage bis zum Weihnachtsfest markiert waren. In katholischen Häusern durften die Kinder jeden Tag einen Strohhalm mehr in die Krippe legen, damit das Jesuskind schön weich liegt. Daneben gab es auch Weihnachtsuhren. Auf einer Scheibe waren 12 oder 24 Abschnitte markiert. Mit einem Zeiger, wurde der jeweilige Tag angezeigt. Den ersten gedruckten Adventskalender veröffentlichte die evangelische Buchhandlung Friedrich Trümpler in Hamburg 1902.

Er hatte die Form einer Weihnachtsuhr. 1903 folgte der Münchner Verleger Gerhard Lang mit dem Kalender „Im Landes des Christkinds“. 24 Bilder zum Ausschneiden und Aufkleben sollten das Warten verkürzen. Es gab sogar Adventskalender in Blindenschrift. Im Nationalsozialismus versuchte man den Adventskalender aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen. Nach Beginn des 2. Weltkrieges wurde das Papier kontingiert und der Adventskalender wurde verboten. Statt dessen wurde der Kalender „Vorweihnachten“ angeboten, der nationalsozialistische Lieder und Bastelanleitung für hölzernen Weihnachtsbaumschmuck (Runen/ Sonnenräder) enthielt.

Auf Anleitung sollte ein Weihnachtsgärtlein gebaut werden, welches die Krippe ersetzen sollte. Damit sollte der christlich- religiöse Bezug zugunsten der vermeintlich germanischen Wurzeln zurückgedrängt werden. Aus dem Christkind wurde das Lichtkind. Nach dem Krieg lebte die Adventkalendertradition neu auf, bereits 1958 erschien der erste Schokoladenadventskalender. Er ist nebenSpielzeug – und Fotokalendern der beliebteste. In letzter Zeit gestalten immer mehr Menschen ihre ganz persönlichen Kalender. Für alle gemeinsam gilt: sie wollen Freude bereiten, auf das Besondere im Advent hinweisen und die Vorfreude auf Weihnachten steigern – und das bei allen- bei Groß und bei Klein. Lassen Sie sich also überraschen, was wohl diesmal „hinter dem Türchen“ steckt! Am 1. Dezember ist es soweit: Türchen öffnen!

Ute Thalmann