• Andachten

    Andacht zum 6. Sonntag nach Trinitatis, 11. Juli 2021

    Text: Jesaja 43,1 (Wochenspruch)

    So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.

    Gedanken zum Text:

    Diese großartige Zusage Gottes spannt sich über das Leben. Sie steht über allem, was uns im Leben begegnet, von der Geburt bis zum Tod, über den Zeiten des Entdeckens, der Freude ebenso wie über den Zeiten des Loslassens und des Schmerzes. „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst;“, spricht der HERR zu einem jeden und einer jeden von uns nicht nur in dieser Zeit, sondern SEINE Zusage reicht über unsere Lebenszeit hinaus. ER sagt uns: Ihr braucht keine Angst zu haben, denn ihr gehört zu mir. Was auch kommen mag, ihr gehört zu mir. Ich liefere euch nicht dieser Angst aus, sondern gebe euch Halt in allem, was euch geschieht. Das hörten zuerst die Menschen des Volkes Israel in der babylonischen Gefangenschaft, die bereits fast alle Hoffnung auf eine Rückkehr in die Heimat aufgegeben hatten. Erstaunt erkannten sie, dass Gott sie nicht abgeschrieben und verlassen hatte, sondern ganz i Gegenteil: Dass ER auch in der Fremde zu ihnen hielt und sich als mächtiger erweisen sollte als die Götter der Sieger. Neue Hoffnung keimte auf, neuer Mut und neue Kraft durchströmte die Kinder und Enkel derer, die einst verschleppt worden waren. Sie hielten die Zusage Gottes in Ehren und überlieferten sie ihren Nachkommen. Und auch wir haben Anteil an dieser kraftvollen Zusage Gottes. „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Jede und jeder von uns trägt einen unverwechselbaren Namen. Der EWIGE selbst spricht uns mit Namen an. ER kennt uns und weiß genau, wer wir sind, kennt unsere Stärken und Schwächen, unsere Freude und unsere Sorgen und erst recht unsere Not. ER weiß um die Menschen, um die wir uns sorgen, um die, die uns vorausgegangen sind. Auch die hat ER bei ihrem Namen gerufen, hinein in SEINE Ewigkeit. Bei Gott ist niemand verloren, der IHM vertrauen kann, denn keiner kann aus SEINER Liebe fallen. „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Das sagt uns der EWIGE zu, der Gott Jakobs, Israels, der Vater Jesu, in unserer Zeit, ind der die Götter Babylons längst verschwunden sind im Dunkel der Geschichte. Der HERR über Zeit und Ewigkeit. Das schenkt Mut und Kraft und Trost und die einzige Hoffnung, die stärker ist als der Tod.

    Kirche Pößneck – Jüdewein. Foto: Privat (J.Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Die Konfirmanden der Jahrgänge 1914 -1920 sammelten Spenden zur Finanzierung dieses Bildfensters im Chor der Kirche Jüdewein. Es zeigt die Szene der Taufe Jesu nach Markus 1. Ich denke, dass diese Darstellung sehr bewusst ausgewählt wurde. Denn die Konfirmation (lateinisch: Befestigung) ist nach evangelischer Tradition die bewusste Bestätigung der Taufe durch den jungen Menschen, der in der Regel als Säugling getauft wurde. Getauft sein heißt für sein Leben zu Jesus zu gehören. So wundert es nicht, dass auch das Bibelwort aus dem Propheten Jesaja Gott spricht: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ einer der beliebtesten Taufsprüche ist, denn so verbindet sich die Zusage Gottes mit dem Sakrament und es wird für uns Menschen erlebbar, was sie bedeuten kann für das Leben. Der Reformator Martin Luther hat sich der Überlieferung nach immer wieder in den schweren Krisen seines Lebens an seine Taufe erinnert. Das hat ihm Halt und neue Hoffnung geschenkt. Ich weiß, dass es ihm viele Menschen gleich tun.

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir danken DIR für DEINE Liebe, die DU uns von klein auf schenkst. DU nimmst uns in der Taufe als DEINE Kinder an und begleitest uns durch das Leben. Hab Dank für die Kinder, die DU uns anvertraust. Lass den Geist DEINER Liebe auch in ihrem Leben Raum gewinnen.

    HERR, wir bitten DICH, dass DEINE Liebe spürbar wird in unserem Zusammenleben, dass wir Geduld miteinander haben und einander zugewandt bleiben auch in schwierigen Zeiten. Wehre der Rücksichtslosigkeit und der Selbstversessenheit, die das Zusammenleben zur Qual machen.

    HERR, wir bitten DICH um offene Ohren und weite Herzen für die Sorgen und Nöte unserer Nächsten, aber auch für ihre Ideen und Pläne. Zeige uns, dass wir miteinander unsere Zeit gestalten können. Lass uns einander zum Segen werden in den Familien, unter den Freunden, in der Gesellschaft und in der Welt.

    HERR unser Gott, wir bitten DICH, lass uns DEINE Liebe leben ganz besonders in unseren Gemeinden und Kirchen. Schenke uns Verlässlichkeit, Klarheit und geduldiges Verständnis füreinander in unserer Verschiedenheit und stärke uns, dass wir gemeinsam die Aufgaben angehen, zu denen DU uns berufen hast. Schenke uns Hoffnung, die stärker ist als der Tod.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 5. Sonntag nach Trinitatis, 4. Juli 2021

    Text: Apostelgeschichte 17,27b + 28a  (Monatsspruch Juli 2021)

    Keinem von uns ist Gott fern. Durch ihn leben wir doch, bewegen wir uns und haben unser Dasein. (BasisBibel)

    Gedanken zum Text:

    Beispielhaft, diese Szene: Paulus steht auf dem Marktplatz von Athen, umgeben von kritischen Zuhörern. So verschieden sie sind, in einem Punkt sind sie sich einig: Sie zeigen verhaltenes Interesse an der Botschaft des Paulus. Er soll sagen, woran ein Christ glaubt. Kennen Sie eine vergleichbare Situation? Aus der Öffentlichkeit eines Marktplatzes wohl weniger, aber sicher aus dem privaten Bereich. Meisterhaft beschreibt Lukas als Verfasser der Apostelgeschichte den Verlauf eines solchen Gespräches:  Paulus spricht zuerst über Gott und den Glauben mit beeindruckenden Worten. Dann sagt  er, was diese Glaubenssätze mit ihm selbst und mit seinen Zuhörern zu tun haben, was sie miteinander verbindet, was sie für sich entdecken können: „Keinem von uns ist Gott fern. Durch ihn leben wir doch, bewegen wir uns und haben unser Dasein.“ Ehrlich: Lukas schildert den Paulus als einen begnadeten Missionar. Denn das Gespräch bricht an dieser Stelle nicht ab, wie sonst immer. Pah, heißt es da in der Regel, wo war denn dein Gott, als meine Oma so lange leiden musste? Sie hat sich wund gebetet, so lange sie konnte! Was hat es ihr gebracht? Wo ist dein Gott? Was tut ER gegen die Kriege, die Not, die Katastrophen? Und genau das ist der springende Punkt, an dem so viele abspringen: Die Zumutung des Glaubens, dass Gott das Leid nicht fernhält. Aber ER geht mit durch die schweren und dunklen Zeiten des Lebens. Ich kann mir gut vorstellen, dass die kranke Oma aus dem Beispiel ganz genau darauf vertraut hat und all ihren Kummer dem HERRN ans Herz legte. Für sie war ihr Gebet alles andere als vergeblich. Sie durfte die Erfahrung machen, die Lukas beschreibt: Keinem von uns ist Gott fern. Durch ihn leben wir doch, bewegen wir uns und haben unser Dasein. Und, so lässt Lukas den Paulus auf dem Markt von Athen weiter sagen, der HERR wird alles zu einem guten Ende führen, weil Christus von den Toten auferstanden ist. Gottes Zusage gilt allen, die IHM vertrauen, bis in Ewigkeit. Das ging  den schlauen Athenern bis auf einzelne nicht in den Kopf und das Herz – nicht anders als heute.

    Kirche Pößneck – Jüdewein, Foto: Privat (J. Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Anfang des letzten Jahrhunderts wurden in der Kirche Jüdewein Bildfenster eingebaut, die durch Spenden von Gemeindemitgliedern finanziert worden waren. Das Fenster über dem Nordportal zeigt die Kreuzigung Jesu. Unter dem Kreuz stehen Maria und Johannes, darunter ein Schriftzug: „Es ist vollbracht“. Leiden und Sterben – dafür gibt es kein eindrücklicheres Symbol als das Kreuz, weil ja der Gottessohn selbst daran starb. Auch wer davon keine Ahnung (mehr) hat, verwendet das Kreuzsymbol in diesem Sinn. Auf Demonstrationen wird es herumgetragen, wenn eine Fabrik geschlossen werden soll. Auf Feldrändern steht es, wenn Landwirte wirtschaftliche Schwierigkeiten befürchten. Auf frischen Gräbern von Nichtchristen steht es, bis der Stein gesetzt wird. Aber das Kreuz ist viel mehr als ein Symbol des Endes und des Todes. Das Jüdeweiner Bildfenster zeigt über dem Kreuz die Himmelsrose mit einer Krone darin als Symbol der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu. Erst in diesen großen Zusammenhang gestellt erahnen wir die ganze Wahrheit des Satzes: Keinem von uns ist Gott fern. Durch ihn leben wir doch, bewegen wir uns und haben unser Dasein.        

    Gebet:      

    HERR, himmlischer Vater, DU gehst mit uns auf den wegen unseres Lebens. DU sprichst zu uns durch DEIN Wort in guten und schlechten Zeiten, schenkst uns Mut und Kraft. Dafür danken wir DIR.

    HERR, wir bitten DICH für die Menschen, mit denen wir durch das Leben unterwegs sind, für die Familien, die Freunde. Hilf uns, dass wir  behutsam und aufrichtig miteinander leben. Für die Menschen, die DU uns anvertraut hast und für uns selbst bitten wir um Geduld und Nachsicht und Ausdauer in der Fürsorge,

    HERR, wir wir bitten DICH für DEINE Gemeinden, dass die Menschen DEINEN Ruf hören und DEINER Stimme vertrauen, um sich  aufzumachen für den Dienst am Nächsten.

    HERR, wir bitten DICH für unsere Welt, dass Menschen Wege zum Frieden suchen und gehen, auch wenn ihnen Steine in den Weg gelegt werden. Hilf, dass die großen Sorgen der Zukunft die Kräfte stärken, die schon längst verstanden haben, dass es nur gemeinsam eine Lösung geben kann.  

    HERR, öffne unsere Augen für die Spuren DEINER Liebe in unserer Welt und unserem Leben.

    Schenke uns DEIN Erbarmen, damit DEIN Reich komme.  Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN    

  • Andachten

    Andacht zum 3. Sonntag nach Trinitatis, 20. Juni 2021

    Text: Galater 6,2 (Wochenspruch)

    Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

    Gedanken zum Text:

    Lasten tragen – was, schon wieder oder immer noch? Haben wir nicht eine lange, belastende Zeit hinter uns? Also, von Lasten will jetzt niemand mehr etwas hören. Jetzt ist Sommer und Corona scheint (hoffentlich!) Pause zu machen! Lebensfreude ist angesagt, ungezwungen das Leben genießen, kurz: endlich wieder frei zu sein. Und außerdem: Was soll ich mit der Last der anderen? Muss nicht jeder für sich selbst sorgen und mit sich selbst fertig werden? Und wenn schon einmal etwas unbedingt für andere zu tun ist, dann wird abgerechnet. Der Einsatz muss etwas bringen. Gott sei Dank denkt nicht jeder so. Sonst würde es bald kein gemeinschaftliches Leben im Ort oder im Land geben. Manche sind auch tatsächlich am Limit mit der Last, die sie zu stemmen haben. Da ist es mehr als verständlich, wenn sie sagen: Noch mehr geht nicht und will ich bitte schön auch nicht! Ja, jeder hat Grenzen und es ist nicht gut, diese nicht erkennen zu wollen. Sonst kommt es zur ungesunden Überlastung. Und spätestens dann geht es gar nicht anders: Wir brauchen einen Mitmenschen, der uns eine Last abnimmt. Das kann eine seelische Last sein, die wir in einem vertrauensvollen Gespräch abgeben können. Oft sind es auch ganz praktische Dinge, die uns im Alltag zur Last geworden sind. Einer trage des anderen Last…“- das ist kein schwermütiger Satz, der nichts von Freude wissen will. Das ist ein Satz, der Erleichterung verschaffen möchte, indem er uns erinnert: Wir leben in Gemeinschaft, in Beziehungen. So wollte Gott es von Anbeginn. Nur ist das nicht so einfach, Lasten abzugeben, die eigenen Grenzen zu akzeptieren, die ja so schnell als Schwäche gedeutet werden könnten. Und noch viel schlimmer: Den anderen meine Last, meine Schwäche zuzumuten, das empfinden viele fast als ungehörig – zumindest in der älteren Generation. Wie oft höre ich in Trauergesprächen den Satz: „Er oder sie wollte niemandem zur Last fallen“. Es mag Bescheidenheit und auch eine Portion Scham aus diesem Vorsatz sprechen. Aber ist das Leben nicht von Anfang bis Ende ein geben und nehmen?

    Der Satz geht weiter: „…so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ Das Wort „Gesetz“ steht hier als Ausdruck für das verbindliche Gotteswort, für die Weisung des EWIGEN, die zum Leben führt. Sie führt zu einem wirklich tragfähigen Miteinander, in guten, ungezwungenen Zeiten und erst recht in Krisenzeiten.

    Stadtkirche Pößneck Foto: Privat (J. Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Einer trage des anderen Last…“- wie oft werden diese Worte gesprochen worden sein in unserer Stadtkirche im Laufe ihrer jahrhundertelangen Geschichte? Und vor allem: Wie oft werden sich hier Menschen versammelt haben, die gebeugt waren unter der Last ihres Lebens? Menschen, die hier dem HERRN ihr Leid klagten von Krieg und Not, von Krankheit und Trauer, von Armut und Verzweiflung. Denn all das war gegenwärtig im Leben der Menschen. So materiell versorgt und oft auch unbesorgt wie wir zu leben, das konnten sie sich nicht vorstellen. Die Kirche ein Rückzugsort, ein Ort der Stärkung und Vergewisserung. So haben wir sie auch erleben dürfen im Jahr der friedlichen Revolution, nach dem Attentat im Gutenberggymnasium und in den Friedensgebeten zur Zeit des Golfkrieges. Da kamen auch viele Außenstehende zu den Andachten und Gottesdiensten, selbst als es in der untergehenden DDR noch einigen Mut kostete. In der heißen Phase der Pandemie haben wir so bald wie möglich die Kirche wieder geöffnet. Zunächst zum stillen Gebet, aber bald darauf zur Andacht und zum Gottesdienst. Der Andrang der Menschen blieb leider aus. Andererseits entstand in der Pandemie auch viel Neues – wie zum Beispiel diese Andachtsreihe. Nur: Ein „Ersatz“ für den gemeinsamen Gottesdienst in den Kirchen und Gemeinden kann und will das Neue nicht sein. Gut ist, wenn es noch mehr Verbindungen knüpft, damit wir das Gesetz Christi erfüllen können.

    Gebet:

    HERR, unser Gott, wir danken DIR, dass DU unsere Welt erhellst durch DEINE Liebe, die uns in DEINEM Sohn Jesus Christus begegnet.

    HERR, wir bitten DICH für uns, dass unsere Augen mehr sehen können als die Schwächen und Fehler der anderen. Schenke uns Demut und Bescheidenheit, auch unsere eigenen Fehler wahrzunehmen und unsere Grenzen zu akzeptieren.

    HERR, wir wir bitten DICH für alle Menschen, die nur noch das Schlechte sehen können in der Welt und die mit ihren Nachbarn in Unfrieden leben. Öffne ihre Augen für das Schöne und zeige ihnen Wege zur Versöhnung und zum Neuanfang.

    HERR, wir bitten DICH für alle Kranken: Steh ihnen bei, stärke ihre Lebenskraft und geleite sie durch die Zeit ihres Leidens in DEINE Zukunft. Sei auch bei ihren Angehörigen, schenke ihnen Geduld und Kraft, immer da zu sein, wenn sie gebraucht werden.

    HERR, wir bitten DICH, für alle Trauernden: Lass auch sie Menschen finden, auf die sie sich verlassen können. Die ihnen nahe sind und helfen, den Schmerz zu tragen und neuen Lebensmut zu finden.

    HERR, öffne unsere Augen für die Spuren DEINER Liebe in unserer Welt und unserem Leben.

    Schenke uns DEIN Erbarmen, damit DEIN Reich komme. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zur Woche vom 13. bis 1 9 . Juni 2021

    Von Pfarrer Reichmann Pößneck

    Schrifttext_Hebräerbrief 10, 35 (Lehrtext für Montag, 14.6.2021)

    Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.

    Gedanken zum Text

    Stopp, nicht wegwerfen! Halt an, denkt drüber nach, auch wenn´s nur einen Moment lang ist! Es wird so viel weggeworfen – wir werfen so viel weg – und so viel wertvolles ist noch darunter! In der Zeitung stand: Sogar 50% der Müllverbrennungsasche ist noch wiederverwertbar, weil Metalle usw. in lohnender Menge zu finden sind. Wir werfen weg, was das Zeug hält – längst nicht mehr nur materielle Dinge. „Wendehälse“ gab es nicht nur in der Wendezeit. Menschen also, die ihre Überzeugung wechseln wie andere das Hemd. Hauptsache sie haben das Gefühl, es bringt ihnen etwas. Das ist auch beim Glauben nicht anders. Vor einer Weile wollte eine junge Frau getauft werden, weil sie sich „im Westen“ in einem Kindergarten bewerben wollte – aber ohne dass sie an Gott glauben „müsse“. Nach einem ersten Gespräch im Pfarramt tauchte sie nicht wieder auf. Ebenso wenig wie ein Geflüchteter aus Afghanistan – der wollte auch unbedingt möglichst gleich getauft werden. Er glaube an Gott, wie er sagte. Aber dass wir an Jesus als Gottes Sohn glauben, war ihm dann doch nicht geheuer. Er hatte sich das viel einfacher vorgestellt mit der Taufe und dem Übertritt zum christlichen Glauben. Um einen „Glaubensübertritt“ geht es auch in dem Satz aus dem Hebräerbrief. Genauer gesagt um einen erwünschten, geforderten, erpressten Glaubensübertritt – vom Christentum zum römischen Kaiserkult. Ein enormer Anpassungsdruck lag auf den Christen, dem sicher viele nicht gewachsen waren. Denn wer kann schon auf unabsehbare Dauer Diskriminierung, Verfolgung und Willkür bis zur Todesstrafe aushalten? Wer bricht nicht zusammen, wenn es um Frau, Mann oder Kinder geht? Nein, um ein leichtfertiges Wegwerfen des Vertrauens ging es dem Schreiber des Hebräerbriefes nicht, auch nicht um persönlicher Vorteile einzelner halber.Da ging es ums Ganze: um den Fortbestand der Gemeinden in extrem bedrohlicher Zeit, in der immer mehr keine Zukunft mehr für sich sahen. Deshalb weitet der Verfasser des Briefes den Blick seiner Leser, indem er ihr gegenwärtiges Erleben in den Horizont der Heilsgeschichte Gottes mit SEINEM Volk stellt. Die in Aussicht gestellte Belohnung kann der HERR nur selbst geben – „der Seelen Seligkeit“, wie man früher so treffend sagen konnte. Und dem EWIGEN sei Dank: Auch unser Erleben als einzelne ebenso wie als Gemeinden steht im Horizont SEINER Heilsgeschichte. Darauf können wir von ganzem Herzen vertrauen.

    Uhr mit Sternzeichen im Inneren der Stadtkirche Pößneck

    Foto: Privat (J. Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Ich kenne keine zwei Kirchen, die sich völlig gleichen. Jede von ihnen ist in ihrer Gestaltung einmalig und lebt davon, mit wie viel Liebe und Aufwand die Menschen sie schön gemacht haben. Mit sehr viel Liebe und Aufwand und auch enormer Fachkenntnis hat dazu auch einmal ein Uhrmachermeister in der Pößnecker Stadtkirche beigetragen. In einer Zeit, als in den evangelischen Kirchen Land auf Land ab „nach der Uhr“ gepredigt wurde. Der Pfarrer hatte in der Regel eine Sanduhr auf der Kanzel und bestimmte mit ihr die Dauer seiner Predigt. Das schien dem Uhrmachermeister zu schlicht zu sein. Er konstruierte diese große Wanduhr, deren Werk mit dem der Turmuhr gekoppelt ist. Es wäre interessant herauszufinden, ob er damit nicht sogar ein „Alleinstellungsmerkmal“ unserer Stadtkirche geschaffen hat. Einmalig ist auf jeden Fall auch der Schmuckkranz der Uhr mit den „Sternzeichen“, der schwer zu deuten ist. Stehen sie für den Jahreslauf – oder gar für Himmel und Ewigkeit? Das würde nahe liegen. Denn ich bin mir sicher, der Uhrmachermeister wollte mit seinem außergewöhnlichen Werk auch ein Zeichen seines Vertrauens in Gottes Liebe setzen.

    Gebet:

    HERR, unser Gott, DU Gott des Lebens, wir danken DIR, dass DU uns spüren lässt: unser Leben geschieht im Horizont DEINER Liebe, die größer ist als unsere Erfahrungen, unser Verstand und unsere Angst.

    HERR, wir klagen DIR, dass so viele Menschen in unserem reichen Land diesen Horizont weggeworfen haben und sich mit selbst gemachtem Ersatz zufrieden geben. Schenke ihnen die Sehnsucht nach DEINER Liebe.

    HERR, wir bitten DICH auch um Geduld mit uns. DU wartest auf uns, unsere Antwort auf DEINE Liebe. Wir stehen uns oft selbst im Weg, rechnen gar nicht mit DIR oder lassen uns ganz leicht ablenken. DU lädst uns ein und wir lassen uns bitten. Bewege unsere Herzen und Sinne zu DIR.

    HERR, hilf uns zu klaren Worten, wenn es um Gerechtigkeit geht, zu einem langen Atem, wenn wir Traurigen beistehen und zu DEINER starken Hoffnung, wenn wir Verzweifelte auffangen, damit DEIN Horizont auch durch unsere schwache Kraft über ihnen aufleuchte.

    Leite sie alle in DEINER Wahrheit und gewähre uns DEIN Erbarmen, dass DEIN Reich komme.

    Amen

  • Andachten

    Andacht zum 2. Sonntag nach Trinitatis, 13. Juni 2021

    Von Pfarrer e.v. Reichmann, Pößneck

    Text: 1. Korintherbrief, 14, 1+3

    Paulus schreibt: Das soll also euer Ziel sein:
    ein Leben, das von der Liebe bestimmt wird. Bemüht euch aber auch um die Fähigkeiten, die uns durch Gottes Geist gegeben werden, und wenn ich das sage, denke ich vor allem an die Gabe des prophetischen Redens. Wenn jemand
    eine prophetische Botschaft verkündet, richten sich seine Worte an die Menschen; was er sagt, bringt ihnen Hilfe, Ermutigung und Trost.

    Gedanken zum Text:

    In diesem Abschnitt aus dem 14. Kapitel des Römerbriefs schreibt Paulus darüber, was in einem Gottesdienst geschehen sollte. Genau das ist auch gegenwärtig ein viel diskutiertes Thema, sicher nicht nur in der evangelischen Kirche.
    Denn die Zahl der Teilnehmer ist allerorts gut überschaubar. Das ist für manche mit Blick auf die Zukunft besorgniserregend. Weshalb ist das so? Einige haben eine einfache und schnelle Antwort: Es sei die Form des Gottesdienstes, die Liturgie, die die Menschen befremde. Sie verstünden sie nicht sofort, wenn sie als Außenstehende
    zum allerersten Mal einen Gottesdienst miterlebten. Sicher: Sich im Gottesdienst zurecht zu finden, das ist Übungssache. Aber wer wirklich will, der lernt es in ganz kurzer Zeit. Wenige Gottesdienstbesuche reichen aus.
    Das erlebe ich immer wieder. Nicht sehr häufig, leider, aber es kommt durchaus vor, und
    niemand von diesen Menschen beschwert sich über die Unverständlichkeit der Liturgie. Die Frage wäre also viel interessanter und wichtiger:

    Weshalb kommen die Menschen zum Gottesdienst?

    Was erwarten sie, wünschen sie sich,
    möchten sie mitnehmen in ihren Alltag?

    Die Antwort gibt Paulus: Ein von Gottes Geist getragenes Wort, das sie persönlich anspricht, sie
    anrührt und ihnen Hilfe, Ermutigung und Trost zuspricht für die Herausforderungen ihres Lebens.
    Ja, es sind die Menschen, die spüren, dass ihnen die Begegnung mit dem Heiligen neue
    Kraft und neuen Mut schenkt. Sie kommen zum Gottesdienst, manche oft, viele andere immer
    wieder zu Weihnachten, weil ihnen eine „Jahresration“ ausreicht. Das entscheidet Gott
    sei Dank jeder selbst. Denn Gottesdienst als „Pflichtveranstaltung“, wie es in früheren Zeiten
    einmal war, kann ja wohl auch keine Option sein. Gegen die Angst vor „kleinen Zahlen“
    hilft ebenfalls ein Blick in die Bibel. Jesus sagt:
    „Wo zwei oder drei Menschen in meinem Namen zusammenkommen, da bin ich selbst in ihrer
    Mitte.“ (Basis Bibel Übersetzung)

    Stadtkirche Pößneck, Chorraum: Darstellung „Wölfe im
    Schafspelz“? Foto: Privat (J. Reichmann)

    Gedanken zum Bild :
    Hilfe, Ermutigung und Trost für die Herausforderungen und Tiefen ihres Lebens suchen die
    Menschen in der Kirche und im Gottesdienst. Das war nicht anders im ausgehenden Mittelalter,
    als der Chorraum der Pößnecker Stadtkirche entstand. Am Ende der westlichen Gewölberippen
    bekommt durch die Kunst der Steinmetze ein Gesicht, wovor sich die Menschen damals fürchteten: der Teufel und seine Helfershelfer, die Dämonen – die oft als tierische Symbolgestalt dargestellt wurden. Hier sehen
    wir einen unschuldig dreinblickenden Schafskopf, hinter dem sich gleich zwei Wolfsköpfe
    mit überdimensionalen Zähnen verbergen.

    Heimtücke und Hinterlist verstecken sich geschickt hinter aufgesetzter Freundlichkeit. Der
    bösartige Dämon der Falschheit entfaltet seine zerstörerische Wirkung für unser Zusammenleben.
    Das erleben wir auch heute leider immer wieder. Dieser Dämon hat zeigt sich zwar auch
    in der Kirche, aber er hat hier keine Macht mehr. Die Gewölberippe, die ihn niederdrückt,
    kommt von der Mitte des Sterngewölbes her.
    Und dort ist groß und strahlend das Symbol des auferstandenen Christus zu sehen. Die mittelalterliche
    Bildsprache schenkt auf ihre Weise zeitlos Hilfe, Ermutigung und Trost.

    Gebet:

    HERR, unser Gott, wir danken DIR, dass DU
    DEINEN Himmel offen hältst für alle Menschen.
    In DEINEM weiten Horizont lass uns
    auf unsere Welt, unseren Nächsten und uns
    selbst schauen und handeln.

    HERR, wir bitten DICH für alle Menschen, die
    DEINEN Himmel nicht sehen können, weil sie
    die Hölle erleben müssen: den Hunger oder
    auch die Willkür selbstherrlicher Despoten.
    Steh ihnen bei HERR, mit DEINEN himmlischen
    Kräften.

    HERR, wir wir bitten DICH für alle Menschen,
    deren Blick zum Himmel verdunkelt wird
    durch Krankheit, Trauer und Sorgen um die
    Gesundheit lieber Mitmenschen. Schicke ihnen
    einen Sonnenstrahl der Hoffnung.

    HERR, wir bitten DICH für alle Menschen, deren
    Blicke immer öfter besorgt zum Himmel
    gehen, weil sie leiden unter der Klimaveränderung.
    Schenke Einsicht und kluge Entscheidungen
    im Großen und im Kleinen, damit DEINE
    Erde bewahrt werde.
    Schenke uns DEIN Erbarmen, damit DEIN
    Reich komme. Amen
    Beten wir das Vaterunser:
    Vater unser im Himmel
    geheiligt werde Dein Name
    Dein Reich komme
    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf
    Erden
    Unser tägliches Brot gib uns heute
    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir
    vergeben unseren Schuldigern
    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse
    uns von dem Bösen
    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die
    Herrlichkeit in Ewigkeit.
    Amen
    Es segne uns der allmächtige und barmherzige
    Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
    AMEN

  • Andachten

    Andacht zur Woche vom 6. Juni 12 . Juni 2021

    Schrifttext_ Psalm 34, 2 + 3 +7 +8 (Auszug aus dem Psalm zur Woche)

    Ich will den Herrn preisen zu aller Zeit, immer soll sein Lob auf meinen Lippen sein. Aus tiefster Seele will ich den Herrn rühmen. Alle, die ihr Leid geduldig ertragen, werden mich hören und sich freuen. Als es mir schlecht ging, rief ich zum Herrn. Er hörte mich und befreite mich aus aller Not. Der Engel des Herrn lässt sich bei denen nieder, die in Ehrfurcht vor Gott leben, er umgibt sie mit seinem Schutz und rettet sie.

    Gedanken zum Text

    Der Countdown läuft! Diese Woche entscheidet sich, ob die Zahlen lang genug so niedrig bleiben, dass endlich auch bei uns Lockerungen möglich werden! Die Menschen atmen auf und die Glaubenden können dem Psalmbeter aus ganzem Herzen zustimmen: „Ich will den Herrn preisen zu aller Zeit, immer soll sein Lob auf meinen Lippen sein.“ Das klingt wie ein Jubelschrei, der die Seele befreit. Denn längst nicht jeder Tag verläuft so, dass uns zum Loben und Preisen zumute ist, auch wenn Corona bald vielleicht doch nicht mehr das Thema Nummer 1 ist. Neue Sorgen, neue Herausforderungen werden nicht lange auf sich warten lassen und mancher kann schon jetzt ein banges Lied davon singen. Der Beter des Psalms teilt diese Erfahrung mit uns. Sein Lobpreis wird deshalb auch nicht immer lautstark zu vernehmen gewesen sein. Aber es war der tiefe, berührende Grundton seines Lebens, den er mit Herz und Sinnen spürte. Auch dann, wenn sein Leben längst nicht so harmonisch verlief, wie er es sich wünschte. Der tiefe Grundton des Gottvertrauens, der mitschwingt, wenn ich mich an den täglichen Kleinigkeiten des Lebens freuen kann – eine liebevoll zubereiteten Essen, der prachtvollen Natur um diese Jahreszeit oder einen lieben Menschen, mit dem ich mich verbunden fühle.

    Gott zu loben und zu preisen heißt Dankbarkeit lernen. Dankbarkeit für das, was das Leben ermöglicht, erhält und schön macht.Dankbarkeit kann sich auch ganz einfach in stiller Wertschätzung ausdrücken, in Nähe zu denen, die unserer Hilfe und unseres Beistandes bedürfen. Eine Nähe, die nicht viele Worte braucht und die doch gut tut, auffängt und stärkt. Unser Lob und unsere Dankbarkeit können zur Lebenskraft werden für die, die keine Kraft mehr haben. Wenn wir laut und leise den HERRN preisen und loben, bringen wir Wärme und Menschlichkeit in unsere Welt. Vertrauen wir Gott von ganzem Herzen, dann schenkt ER uns den Mut, allem vermeidbaren Leid entgegenzutreten und die Kraft, das unvermeidbare Leid miteinander zu tragen. Diese Gewissheit führt uns auf die Entdeckungsreise ins Leben, in Gottes Leben mit uns. Im Bild des Psalms gesprochen: Der Engel des Herrn lässt sich bei denen nieder, die in Ehrfurcht vor Gott leben, er umgibt sie mit seinem Schutz und rettet sie.

    F oto: Privat (J. Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Eine Momentaufnahme an einem dunstigen Morgen lädt ein zum Nachdenken. Ist unser Leben nicht oftmals so komplex und unübersichtlich wie das Wirrwarr der Zweige und Blätter im Vordergrund? Es ist uns doch lieber, wenn alles schön übersichtlich, der Reihe nach und wenn es irgend geht auch unseren Wünschen entsprechend wäre im Leben, oder? Ist es aber nicht, sagt die Erfahrung. Und was die weitere Zukunft betrifft, die bleibt sowieso unscharf und im Nebel. Schön, wenn wir im Lauf des Lebens oder manchmal auch in ganz besonderen Momenten ein einzelnes Blatt, eine Begegnung, eine Gabe näher entdecken und klar erkennen. Die Lebenskraft, die darin steckt, können wir als Geschenk dankbar wahrnehmen. Und dann weitet sich unser Blick auf die ganze Pflanze, den ganzen Baum. Bäume haben es uns Menschen schon immer angetan. Nicht von ungefähr gibt es auch in der Heiligen Schrift den Baum des Lebens in der Schöpfungsgeschichte. In der armenischen Kirche wird auch das Kreuz Christi gern als Lebensbaum dargestellt, denn allein ER führt zum Leben.

    Gebet:

    HERR, unser Gott, DU Gott des Lebens, wir danken DIR, dass DU mit uns gehst durch das Leben. Hilf uns zu leben nach DEINEM Willen, miteinander und füreinander, behutsam und verlässlich, geborgen in DEINER Liebe.

    HERR, wir klagen DIR, dass mitten unter uns Menschen DEINES Volkes zur Zielscheibe von Hassgeschrei, Übergriffen und Gewalt werden.

    Stärke und segne alle Menschen, die sich in unserer Gesellschaft und in der weiten Welt für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen, die vermitteln statt zu verurteilen, die Brücken bauen statt Gewalt und Ausgrenzung zu verherrlichen.

    HERR hilf, dass die bunte Familie DEINER Kirchen und Gemeinden in gegenseitigem Respekt und in Offenheit den Weg in DEINE Zukunft gehen, damit DEIN Lob klar und wahrhaftig erklingt. Leite sie alle in DEINER Wahrheit und gewähre uns DEIN Erbarmen, dass DEIN Reich komme.

    Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 1. Sonntag nach Trinitatis, 6.Juni 2021

    Text: 1. Petrusbrief, 5.7

    Alle eure Sorgen werft auf IHN, denn ER sorgt für euch.

    Gedanken zum Text:

    Schwierige und anstrengende Monate liegen hinter uns. Die Pandemie und die Einschränkungen zu ihrer Eindämmung bestimmten unser Leben. Gott sei Dank gibt es inzwischen Grund zum vorsichtigen Optimismus. Die Zahl der Neuinfektionen geht auch bei uns zurück. Hält der Silberstreif am Horizont, was er verspricht? Einen (fast) Corona – freien Sommer?Das wäre eine Gnade! Eine Frage sei erlaubt: Was tun die Menschen, wenn sie einer Gefahr entronnen sind, die ihre Gesundheit, ja im schlimmsten Fall ihr Leben bedrohte? Darauf gibt es verschiedene Antworten. Die meisten versuchen wohl, so schnell wie möglich zu vergessen, stürzen sich zurück ins „normale“ Leben, wenn´s denn sein muss, sogar geimpft. Urlaubsreisen und Flüge werden fleißig gebucht, wie die Zeitung berichtet. Hoffentlich geht alles gut und die Menschen kommen erholt und gesund zurück. Abstand gewinnen, neue Kraft schöpfen – das gehört zum Sommer. Zum Sommer in diesem Jahr gehört für mich aber auch ein innerer „Zwischenstopp“, ein innehalten. So schnell kann ich nicht wieder zur „normalen Tagesordnung“ übergehen. Denn da ist zuallererst die Trauer über die Todesopfer der Pandemie. Auch bei uns im Landkreis starben bis zum heutigen Tag 171 Menschen an Covid 19. Es gibt kleine Dörfer bei uns im Kreis, die haben deutlich weniger Einwohner. Trauer braucht Zeit und Raum, nicht nur in den betroffenen Familien. Schließlich hätte es noch viel mehr Tod und Trauer geben können. Gab es aber Gott sei´s gedankt nicht. Das ist der zweite wichtige Grund, weshalb ich´s nicht so eilig habe. Denn ich möchte Gott danken, dass ER uns vor noch viel schlimmerem bewahrt hat, dass die Seuche bei uns trotz allem nicht außer Kontrolle geriet und dass ER auch all denen nahe ist und beisteht, die jetzt durch das Tal der Trauer und des Abschiedes gehen müssen. Zur Trauer und zur Dankbarkeit gesellt sich das Nachdenken: Was genau können wir aus der Zeit der Pandemie lernen – für unser Zusammenleben im allgemeinen, aber auch für unseren Glauben im Besonderen? Ein kluger Mensch hat mal gesagt (oder so ähnlich): „Jede Krise ist eine Lernaufgabe.“ Damit bin ich noch längst nicht fertig. Es ist sicher auch wenig sinnvoll, sich dieser Aufgabe allein stellen zu wollen. Von daher freue ich mich darauf, dass wir uns (hoffentlich) bald wieder treffen und miteinander austauschen können.

    Christus in der Stadtkirche zu Pößneck F oto: Privat (J. Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Trauer und Dankbarkeit für Bewahrung am Ende einer Pandemie – diese Empfindungen spiegeln sich auch im sehr lebensnah geschnitzte Christus in der Stadtkirche Pößneck. Einst hing dieses einmalige Kunstwerk in der Pößnecker „Gottesackerkirche“ (eigentlich: Sankt Marien). Um diese Kirche herum wurden im Mittelalter die vielen Opfer der Pest bestattet, die in der Stadt zu beklagen waren. Der Platz auf dem ursprünglichen Friedhof um die Stadtkirche herum reichte dafür nicht aus. Etwa jeder dritte Einwohner starb an der Seuche. Schutzmaßnahmen gab es nicht, Infektionsketten konnten nicht unterbrochen werden. Das Grauen nahm seinen Lauf. War die Krankheit endlich überstanden, kamen die Hungerjahre. Der Handel mit den umliegenden Orten brach zusammen, ebenso die Versorgung der Überlebenden mit Nahrungsmitteln. Oft dauerte es Jahrzehnte, bis die wirtschaftlichen Folgen einer Pandemie überstanden waren. In diesen schweren Jahren brauchten die Menschen einen Halt, der ihnen Lebensmut und Kraft für den täglichen Kampf ums Überleben schenkte. Und da kommt wieder die große Christusfigur ins Spiel, die nach Aussage eines Kenners die Züge eines an Lungenpest erkrankten Menschen trägt: Sie verkündet ihren Betrachtern: Christus geht mit durch das Leid. ER ist bei und mit allen, die diese furchtbare Katastrophe ereilt hat. Und ER öffnet auch ihnen den Weg in Gottes Zukunft, auch wenn alles dagegen zu sprechen scheint im Erleben und Erleiden der Menschen. So wird der leidende Christus zum Symbol der Hoffnung. Mehr noch, der leider unbekannte Künstler hält mit ihm eine Trostpredigt ohne Worte, die über alle Zeiten Kraft und Mut schenken kann.

    Gebet:

    HERR, unser Gott, wir danken DIR für jedes Menschenwort, das uns die Ohren öffnet und das Herz weitet für DEINE Gegenwart und die Sorgen unserer Mitmenschen. Lass uns diese Stimmen hören mitten im Durcheinander unserer Zeit.

    HERR, wir bitten DICH um DEINEN Geist der Wahrheit und Wahrhaftigkeit in unserem Reden und Tun, der Klarheit schafft und auf Versöhnung drängt in allen Gesprächen zwischen Freunden und Feinden.

    HERR, hilf uns, im Vertrauen auf DICH denen beizustehen, die ratlos sind, die Angst haben, die enttäuscht wurden und verbittert sind, damit sie neue Hoffnung schöpfen können und wieder zueinander finden.

    HERR, sei den Stillen nahe, stehe den Trauernden, den Kranken und den Sterbenden beiund schenke uns allen DEINE Zukunft.

    Schenke uns DEIN Erbarmen, damit DEIN Reich komme. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum Sonntag Exaudi (6. Sonntag
    nach Ostern) 16. Mai 2021

    Von Pfarrer Jörg Reichmann Pößneck

    Schriftwort: Psalm 27, 1 + 7
    Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?
    Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?
    HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und erhöre mich!

    Gedanken zum Text:
    Hoffnung braucht es in unserer Zeit und Gottvertrauen.
    Nicht nur die Hoffnung, dass die sinkenden Zahlen das Ende der dritten Pandemie –
    Welle anzukündigen scheinen und viele Beschwernisse bald wieder entfallen könnten. Es
    braucht mehr als die Hoffnung, dass die Folgen der Seuchenkrise beherrschbar bleiben und auf
    einigermaßen gerechte Weise bewältigt werden können. Es braucht das große Vertrauen, dass
    unsere Zukunft, ja, die Zukunft jedes einzelnen, in Gottes guten Händen liegt.
    Solch ein erstaunliches Gottvertrauen spricht aus den ersten Worten dieses Psalms. Nicht nur
    kritische Geister fragen sich umgehend: Steht der Beter (oder auch Sänger, denn die Psalmen
    hatten ursprünglich alle Melodien) mit beiden Beinen im Leben? Weiß er von der Härte des
    Schicksals, das Menschen völlig aus der Bahn werfen kann? Wie die plötzlich festgestellte tödliche
    Krankheit, für die es keine Heilung mehr gibt, weil sie sich ohne Warnzeichen im Körper
    schon viel zu weit ausgebreitet hat? Oder das unerwartete Ende der so sicher geglaubten Beziehung,
    das die Welt auf den Kopf stellt? Kennt der vollmundig Singende das „wirkliche“ Leben,
    in dem es rau und unbarmherzig zur Sache geht, mit Gerüchten, Intrigen und Schlimmerem?
    Die Antwort lautet: Ja, und ob! Zum einen ist der Psalmsänger kein Traumtänzer, dem es auf
    einer friedlichen Insel an nichts fehlt und der sich in seinen Wohlfühlglauben kuschelt. Er
    kennt sich aus, hat am eigenen Leib die Attacken seiner Feinde ertragen müssen. Sein Gottvertrauen
    ist gewachsen aus den Erfahrungen seines Lebens, in denen er vor der Verzweiflung
    und dem Untergang bewahrt wurde. So kann er voller Gewissheit sagen: Der HERR ist mein
    Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft;
    vor wem sollte mir grauen?

    Und zum anderen verfällt der Psalmsänger aufgrund seiner guten Erfahrungen nicht in eine
    trügerische Sicherheit. Er weiß, dass er auch weiterhin auf den Beistand und die Hilfe des
    HÖCHSTEN angewiesen sein wird. Das Leben wartet mit immer neuen Herausforderungen auf,
    es bleibt spannend bis zum Schluss, nicht nur im Hinblick auf das persönliche Ergehen. Deshalb
    können wir gemeinsam mit dem Sänger des Psalms bitten: HERR, höre meine Stimme, wenn
    ich rufe; sei mir gnädig und erhöre mich!



    Gedanken zum Bild :
    „Himmelsschlüsselchen“ wird dieser kleine Frühjahrsblüher im Volksmund genannt, der auf
    naturbelassenen Wiesen zu finden ist. Ein schöner und passender Name, finde ich. Wie das
    Blümchen zu seinem Namen kam, erkläre ich mir so: Zum einen erinnert der manchmal fast
    rechtwinklig vom Stängel abstehende Blütenkelch an einen altmodischen Bartschlüssel. Und
    zum anderen leuchtet die kleine Blume auf der Frühlingswiese weithin sichtbar in einem beinahe
    goldenen Ton. Ein zartes, goldenes Schlüsselchen also, für eine ganz besondere Tür – die
    Himmelstür. Hinter dieser Tür sahen unsere Vorfahren den Ort der Vollkommenheit, den Paradiesgarten
    mit den schönsten Blumen und Früchten. Wer´s nicht glaubt, der schaue sich
    einmal die gotischen Deckenmalereien in den Kirchen an, die davon erzählen. Auch für weniger
    poetische Mitmenschen ist diese kleine Blume schön. Denn wenn sie blüht, ist der Winter
    vorbei. Das Leben erwacht neu und die Menschen freuen sich an der Schönheit der Schöpfung
    – vorausgesetzt, sie haben einen Sinn dafür.
    Möge der HERR uns besonders in diesem Frühjahr die Augen dafür öffnen.

    Gebet:
    HERR, unser Gott, allem, was Angst macht und
    einschüchtert in unserem Leben und in unserer
    Welt, überwinde mit DEINER Güte und Liebe.

    HERR unser Gott, der Geist DEINES Sohnes
    Jesu Christi belebe uns und setze Zeichen der
    Hoffnung bei allen Menschen, die sich nach
    Frieden sehnen.

    HERR, unser Gott, wir klagen DIR Gewalt und
    Not in unserer Welt, vor allem auch im Heiligen
    Land. Die Verbitterten auf allen Seiten lass erkennen,
    dass Mord und Totschlag niemals eine
    Lösung sein können.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH, wehre dem
    Hass auch unter uns und brich die Rücksichtslosigkeit
    auf durch nachdenkliche Demut.

    HERR, unser Gott, nimm unser Gebet auf
    DEIN Herz und hilf, dass es besser mit uns und
    DEINER Welt werde. Amen
    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel
    geheiligt werde Dein Name
    Dein Reich komme
    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden
    Unser tägliches Brot gib uns heute
    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir
    vergeben unseren Schuldigern
    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse
    uns von dem Bösen
    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die
    Herrlichkeit in Ewigkeit.
    Amen
    Es segne uns der allmächtige und barmherzige
    Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum Sonntag Kantate (4. Sonntag nach Ostern) 2. Mai 2021

    ev. Pfarrer Jörg Reichmann Pößneck

    Schriftwort: Lukas 19, 37 -40

    Als Jesus das Wegstück erreichte, das vom Ölberg zur Stadt hinunterführt, brach die ganze Schar der Jünger in Freudenrufe aus; mit lauter Stimme priesen sie Gott für all die Wunder, die sie miterlebt hatten.

    »›Gesegnet sei ER, der König, der im Namen des HERRN kommt!‹ riefen sie. »Frieden bei dem, der im Himmel ist, Ehre dem, der droben in der Höhe wohnt!« Einige Pharisäer aus der Menge erhoben Einspruch. »Meister«, sagten sie zu Jesus, »verbiete es deinen Jüngern, so zu reden!« Doch Jesus gab ihnen zur Antwort: »Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien!« (Neue Genfer Übersetzung)

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Kantate! Singt! Singt dem HERRN ein neues Lied! So heißt der 4. Sonntag nach Ostern. Vom Singen ist in der kurzen Erzählung des Lukas nicht die Rede. Musikalisch wird die beschriebene Szene wohl eher eine gewaltige Herausforderung für empfindliche Ohren gewesen sein: Wir lesen von stürmischen Freudenrufen und einem sich überschlagendem Lobpreis für Gottes Wundertaten, der sich zu einem ungestüm vorgetragenen Psalmzitat steigert. Die Jünger waren offensichtlich ganz außer Rand und Band geraten. Denn jetzt zog Jesus in Jerusalem ein – und sie mit IHM. Sie würden Zeugen sein, wie ER SEINE Macht entfaltete, endlich die Römer aus dem Land jagen und das ewige Königreich Davids errichten würde. So hofften sie inständig. Dass es völlig anders kommen sollte, konnten sie sich beim besten Willen nicht vorstellen. Das überstieg ihren Horizont bei weitem.

    Es fiel ihnen überhaupt nicht auf, dass Jesus so merkwürdig still auf seinem Esel saß. Einigen Pharisäern, die zwischen den Menschen am Wegesrand standen, fiel das aber sehr wohl auf. Wir kennen die Pharisäer aus den Evangelien als die theologischen Bedenkenträger. Es muss ihnen irgendwie gelungen sein, an Jesus heranzukommen. ER nahm sie ernst. ER hörte ihnen zu. ER ließ sie ausreden, die Andersdenkenden, selbst wenn ihre Forderung in diesem Moment des überschäumenden Jubels völlig daneben war. »Meister«, sagten sie zu Jesus, »verbiete es deinen Jüngern, so zu reden!«

    Gründe nannten die Pharisäer nicht für ihren Einspruch. Sicher ging es ihnen zu weit, dass hier ein lebender Mensch, und sei er ein Rabbi, der Wunder tun konnte, als verheißener Messias und endzeitlicher König im Namen des HERRN gepriesen wurde. Der Messias, der kam nach ihrer Vorstellung in einer endzeitlichen Katastrophe, mit dem vollen Aufgebot der himmlischen Heerscharen, mit größtmöglichem Orchester und unübersehbarer Herrlichkeit. Dieser einfache Mann auf dem Esel als Messias – das konnte nicht sein. Das überstieg ihren Horizont bei weitem.

    Jesus unterbrach weder den Jubel der Jünger noch stieß ER die Pharisäer vor den Kopf. ER antwortete ihnen auf SEINE Weise, mit einem prophetischen Wort, das ihrer aller Horizont bis in weite Zukunft erweitern sollte: Jesus gab ihnen zur Antwort: »Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien!«

    Foto: Privat (J. Reichmann)

    Was für ein gewaltiges Bildwort – und ein prophetisches dazu, das sich immer wieder erfüllt hat in der Geschichte der Menschheit. Nur zwei Generationen nach der Kreuzigung und Auferstehung Jesu bereits zum ersten Mal: Da wurde nach dem gescheiterten Aufstand jüdischer Freiheitskämpfer der Tempel in Jerusalem von den Römern zerstört – bis auf die eine Mauer, die bis heute den Namen „Klagemauer“ trägt. Die Steine der Mauer erzählen von der jahrhundertelangen Heimatlosigkeit und Verfolgungsgeschichte des Gottesvolkes und sind sein heiligster Ort. Leider sind sie ebenso im Laufe der Jahrhunderte zum Symbol der Unversöhnlichkeit der Menschen verschiedenen Glaubens geworden. Die den Juden heilige Klagemauer trägt das drittwichtigste Heiligtum des Islam.

    Jesus sagt: »Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien!«

    Wie jedes Bildwort trägt allerdings auch das von den schreienden Steinen mehrere Verständnismöglichkeiten in sich. Neben der Mahnung, das Gotteslob und das Leben nach SEINEN Geboten nicht zu vergessen, erinnert es auch daran, dass selbst die Steine zum Träger der Verkündigung werden können. Das können die gigantischen Felsen der hohen Berge sein, die die Schönheit der Schöpfung und die Größe des Schöpfers preisen. Oder auch die altehrwürdigen steinernen Zeugnisse der christlichen Geschichte, wie wir sie zum Beispiel in Irland finden.

    Als die Mönche den christlichen Glauben bereits sehr früh auf die grüne Insel brachten, erbauten und gestalteten sie bald darauf die ersten dieser eindrucksvollen Steinkreuze in der Nähe der Klöster. In feiner Steinmetzkunst ausgeführt erzählen sie den Betrachtern biblische Geschichten in bildlicher Darstellung. Denn die Kultur der keltischen Einwohner Irlands kannte keine Schrift. Das änderte sich erst, als die Mönche begannen, die Bibel ins Irisch – Gälische zu übertragen und dazu ein eigenes Alphabet entwickelten. Aber auch dann blieb die „Bilderschrift“ der Steinkreuze für die meisten Menschen wichtig, denn Bücher und Texte lesen konnten damals nur wenige aus der Oberschicht. Das Gute an den steinernen Kreuzen: Ihr Zeugnis des christlichen Glaubens überdauerte viele hundert Jahre schon jeden Sturm und jedes Unwetter. Sie erheben auch heute noch ihre Stimme, stehen unverrückbar und unübersehbar in der irischen Landschaft – im Gegensatz zu ihren Gestaltern, die schon längst für immer schweigen. Amen

    Gebet:

    HERR, unser Gott, offenbare DICH in unserer Welt, dass DIR Loblieder gesungen werden für DEINE Gnade und Liebe.

    HERR unser Gott, gib DEINEN Kirchen und Gemeinden DEINEN Geist, der sich hören lässt in unserem Zusammenleben.

    HERR, unser Gott, hilf, dass unsere Worte verbinden statt zu verletzen, dass unsere Gedanken nutzen statt zu schaden und unser Handeln anderen weiterhilft.

    HERR, unser Gott, lehre uns, den Klang der Stille zu hören, in der nur DU sprichst. Und wenn unter uns alles laut ist von Schreien und Klagen, dann schenke uns Worte, die Vertrauen schaffen und Taten, die Erleichterung verschaffen.

    HERR, unser Gott, komm mit DEINER Kraft in unser Leben, sei bei den Kranken, trage die Unheilbaren und erwecke die Sterbenden in der Heimat bei DIR. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum Sonntag Jubilate (3. Sonntag nach Ostern) 25. April 2021

    Von ev. Pfarrer Jörg Reichmann, Pößneck

    Schriftwort: Psalm 71,5

    »DU bist meine Zuversicht, HERR, mein Gott,

    meine Hoffnung von meiner Jugend an.«

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Jubilate! Jubelt, Lobet ihr Völker unseren Gott! So heißt es im 66. Psalm, der zum 3. Sonntag nach Ostern gebetet wird. Auch sonst ist das Lob Gottes in den Gottesdiensten aller Gemeinden ein wesentlicher Schwerpunkt. Aber wie sieht es damit im täglichen Leben aus? Und gerade jetzt in dieser Krisenzeit?

    Bei Kurt Tucholsky findet sich der Satz: „Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenn’s ihm gut geht, und eine, wenn’s ihm schlecht geht. Die letztere heißt Religion.“ Oder bildhafter ausgedrückt: „Mit der Kirche (dem Glauben) ist es wie mit der Feuerwehr. Gut zu wissen, dass es sie gibt. Aber noch besser, wenn man sie nicht braucht.“ Wieso also Gott loben, wenn einem im Alltag nicht allzu viel dazu einfällt? Oder ganz im Gegenteil: Viel zu vieles einfällt, was einem schon den Gedanken an das Gotteslob unmöglich zu machen scheint?

    Wer loben und preisen will, der muss sich erst einmal das Herz und die Sinne erleichtern, durchatmen und die Last ablegen können. Wie das gehen kann? Auch wieder ein alter Spruch aus der Volksweisheit, der es auf den Punkt bringt: „Not lehrt beten.“

    Das ist ein Spruch, in dem sich die Lebens- und Glaubenserfahrung von Generationen widerspiegelt. Ja, es ist wahr, dass Menschen ihre Klage und ihre Bitten in der Not vor Gott bringen und oft Halt und Stärkung erfahren, zur Ruhe finden und neuen Mut für ihr Leben fassen können. Dennoch bleiben Fragen offen: Wie groß muss die „Not“ sein, dass sie die Menschen das Beten lehrt? Und was empfinden die Leute als „Not“? Vor knapp 32 Jahren waren die Kirchen voll, als die DDR ihre letzten Wochen und Tage erlebte. Die Menschen hatten zurecht Angst vor einem Gewaltausbruch des untergehenden Staates und sammelten sich zu Friedensgebeten. Es gab Gott sei´s gedankt nur ganz wenige Verletzte und keinen Toten zu beklagen. Manche sagen, ich soll nicht immer von früher erzählen. Finde ich aber wichtig – und außerdem ist das ganz normal, wenn man älter wird. Dabei ist mir allerdings die Sichtweise des Beters unseres Psalmverses wichtig: Du bist meine Zuversicht, HERR, mein Gott, meine Hoffnung von meiner Jugend an.“ Von früher zu erzählen als einer Geschichte von Hoffnung, Zuversicht und Bewahrung, darauf kommt es an, nicht nur in der persönlichen Lebensgeschichte. Denn diese ist immer auch verbunden mit der Geschichte meiner Mitmenschen, sogar mit der meiner Vorfahren, auch wenn mir das im Alltag kaum bewusst ist.

    Ja, es ist eine große Not, dass die Pandemie viele tausende schwer krank gemacht hat und leider auch schon tausende Tote zu beklagen sind. Und diese Not lehrt beten, unbedingt. Sie führt zum Gebet in allen seinen Formen: Zum Bitten um Zuversicht und Hoffnung, um Trost und

    Foto: Privat (J.Reichmann)

    Beistand für die Erkrankten und die Angehörigen der Verstorbenen, ja für die Verstorbenen selbst, dass sie geborgen seien in Gottes Ewigkeit. Zur Klage über die Hartnäckigkeit des Virus und die Angst vor Ansteckung oder einen schweren Krankheitsverlauf, über die Anstrengung und die Schattenseiten des Lockdowns für die Familien, über die Einsamkeit der Menschen vor allem in den Pflegeheimen. Aber auch zum Dank für alles, was den Schaden begrenzen kann und vor allem für die Menschen, die sich unermüdlich um die Erkrankten kümmern in den Krankenhäusern und Heimen. Und natürlich auch für alles erwachende Leben in der Natur, das unseren Alltag schöner macht.

    Ihnen fallen bestimmt noch viel mehr Anlässe und Gründe für ein Gebet in dieser Zeit ein, da bin ich mir sicher. Wir beten anders als vor gut 30 Jahren, als die Gotteshäuser die vielen Menschen kaum fassen konnten. Aber wir wissen uns auch ohne „Präsenzveranstaltungen“ verbunden mit unseren Mitchristen nicht nur in unserem Land. Und dafür können wir auch aus ganzem Herzen unseren HERRN loben und preisen. „Du bist meine Zuversicht, Herr, mein Gott, meine Hoffnung von meiner Jugend an.“

    Gebet:

    HERR, unser Gott, wir vertrauen darauf: DU hörst unsere Klagen, worunter wir leiden und schweigen und oft ratlos sind.

    HERR unser Gott, wir bitten DICH: um DEIN Licht für unsere Gedanken und Gefühle, für unser Tun und Lassen.

    HERR, unser Gott, DIR legen wir besonders an Herz: die Einsamen, die Verbitterten, die Sprachlosen, die Entmutigten.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH: Schenke uns Kraft und Mut, dass durch uns Menschen aufatmen können in DEINER Liebe.

    HERR, unser Gott, wir danken DIR für jedes Zeichen der Hoffnung in unserer Welt, für die Schönheit DEINER Schöpfung und das Geheimnis des Lebens.

    Großer und gütiger Gott, wir loben und preisen DEINEN Namen, wie es unsere Vorfahren getan haben und unsere Nachfahren tun werden bis in Ewigkeit. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN