• Andachten

    Andacht zum 19. Sonntag nach Trinitatis, 10. Oktober 2021 – und Erntedankfest

    Text: Lukas 6,31 (Lehrtext zum 15. Oktober)

    Jesus spricht: Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!

    Gedanken zum Text:

    Kennen Sie noch das gute alte Wort „Ratgeber“? Neudeutsch heißt das „influencer“ (englisch: „Beeinflusser“. Ja, „Ratgeber“ gibt es auch noch, vor allem auch in den Buchläden stehen sie reihenweise in den Regalen, wie mir neulich wieder einmal auffiel. Zur Gesundheit einschließlich Ernährung ganz vorn dran, aber auch zur „inneren Mitte“, zur Selbstfindung und -verwirklichung, dazwischen auch zur Beziehungspflege und zur Kindererziehung. Haustiere und Garten dürfen nicht fehlen – und die Aufzählung ist immer noch mehr als lückenhaft. Für alles und jedes im persönlichen Leben kann man einen Ratgeber finden – wahlweise natürlich auch einen „influencer“ im Netz. Unter den Ratgebern suchte ich eine Weile, aber einen für ein gelingendes Zusammenleben in der Gesellschaft fand ich dennoch nicht. Braucht es auch nicht, dachte ich mir. Denn besser als Jesus könnte man es sowieso nicht auf den Punkt bringen, wenn ER sagt: Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch! Das klingt einfach, merkt sich gut und hätte weit reichende Folgen, wenn sich immer mehr Menschen daran orientieren würden. Auch wenn dieses Jesuswort nicht unbedingt zu den „klassischen Erntedankworten“ zählt, auch für dieses Fest finde ich es sehr passend. Denn der Dank für die reiche Ernte und das mehr als gesicherte Auskommen schließt ja auch immer den Gedanken ein, Benachteiligte, arme und Notleidende an diesem Segen teilhaben zu lassen. Stellen wir uns doch einmal vor, wohin sich unsere Welt entwickeln würde, wenn wir in den reichen Industrienationen wirklich solidarisch mit den Menschen aus der Zweidrittelwelt lebten. Sicher, ein Himmelreich auf Erden wäre auch das nicht. Denn alles, was Menschen planen und tun, muss Stückwerk bleiben. Aber Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung könnten so bestimmt ein ganzes Stück näher zu rücken als wenn alles immer nur so weitergeht wie bisher. Natürlich muss einer den Anfang machen. Und das sollen wir sein, in unserer kleinen Welt, sagt Christus, unser HERR: Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!

    Foto: Privat (J.Reichmann) – Erntedankfest 2021 in Pößneck – Jüdewein

    Gedanken zum Bild:

    Jahr für Jahr verwandeln zwei Frauen aus unserer Gemeinde den Chorraum der Jüdeweiner Kirche für das Erntedankfest in eine Augenweide. Die Farben der unterschiedlichsten Blumen, die Vielfalt von Gemüse und Obst, Feldfrüchten und die selbst gebundene Erntekrone auf dem Taufstein vereinen sich zu einem prachtvollen Gotteslob und Dank für SEINE Gaben. Die festliche Stimmung überträgt sich auf die Besucher und unser Gottesdienstes für Groß und Klein wird zu einem besonderen Erlebnis. Es tut gut, Gott gemeinsam für SEINE Liebe und Treue in diesem Jahr zu danken. Das spüren wir nach den erforderlichen Einschränkungen im Frühjahr ganz besonders. Aus dem Gottesdienst gehen wir zurück in unseren Alltag. Hat da der Dank auch seinen Platz oder vergessen wir ihn öfter mal, weil zu viel Hektik ist? Es muss ja nicht der große Dank eines Festes sein. Auch der kleine Dank für eine kleine Hilfe oder ein gutes Wort oder was auch immer das Leben leichter und schöner macht, bringt Freude und Licht in den sonst so anstrengenden Tageslauf. Und er ist der Anfang vom großen Dank, der unserem HERRN gebührt.

    Gebet: Da in diesen Tagen auch neben Erntedank das Fest der Kirchweih gefeiert wird, hier ein Gebet dazu:

    HERR unser Gott, seit langen Jahrhunderten bauen DIR Menschen Häuser, in denen sie DIR gemeinsam danken und um DEINEN Beistand bitten.

    HERR, wir bitten DICH, sei DU in unserer Mitte und erfülle uns mit DEINEM Geist, dass wir bei DIR finden, was wir suchen: Die Freude am Leben, die Ruhe für unsere Seelen und den Trost, der uns auffängt.

    HERR, wir bitten DICH, lass zum Segen werden, was wir in DEINEM Haus erleben und was wir mitnehmen in unseren Alltag – für uns selbst und für unsere Nächsten.

    HERR, unser Gott, achte auf unser Gebet und hilf, dass wir auf DEIN Wort hören, das uns stärkt, zu trösten, Hoffnung zu schenken und Zuversicht und die Kraft, mitzubauen an DEINEM Reich.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 18. Sonntag nach Trinitatis, 3. Oktober 2021

    Text: Psalm 34,8 (Tagesspruch zum Michaelisfest am 29. September)

    Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die IHN fürchten, und hilft ihnen heraus.

    Gedanken zum Text:

    Das Fest des Erzengels Michael und aller Engel und das Erntedankfest markieren das baldige Ende der „festfreien Zeit“ im Kirchenjahr. Die Zahl der Sonntage „nach Trinitatis“ im evangelischen Kalender ist weit voran geschritten. Michaelis und Erntedank ermuntern zum Rückblick auf die eben vergangenen Monate. Erinnern Sie sich noch an die Andacht zum Trinitatisfest? Damals hatte ich Sie ermuntert, die Spuren Gottes und SEINER Engel in diesem Sommer für sich zu entdecken. Sind Sie fündig geworden? Ganz in der Stille oder auch mitten im Alltag? An einem wunderschönen Urlaubstag, an einem besonderen Urlaubsort oder zuhause? Gab es unvergessliche Momente oder auch die Erfahrung, in Krankheit gestärkt und bewahrt zu werden? Die vielfältigen Erlebnisse und Erinnerungen machen uns schnell deutlich, dass auch dieses Jahr nicht nur ein „Spaziergang im Sonnenschein“ war – und da spreche ich jetzt nicht nur von der Coronapandemie. Aber einem Engel sind Sie bestimmt begegnet – auch wenn er vielleicht keine Flügel hatte. Dann war es ein Mensch, der Sie froh gemacht hat, Ihrer Lebenslust neuen Schwung verschaffte oder ihren Gedanken einen neuen Horizont eröffnete. Oder ein anderer, der Sie ermutigte, aufrichtete und tröstete mit Worten, im Gebet oder mit Taten. Solchen Engeln begegnet zu sein, das wünsche ich Ihnen von Herzen. Und hin und wieder geschieht es uns auch, dass wir selbst zu Engeln werden – ganz unvermittelt und überraschend durch Gottes guten Geist. Auch da gibt es sicher viel zu erzählen. Wenn Sie mögen, können Sie mir Ihre Erfahrungen dieses Sommers auch sehr gern einmal schreiben. Denn nach meiner Erfahrung erzählen wir uns im Getriebe des Alltags viel zu selten davon. Sollten wir aber tun, weil das die beste Medizin gegen das weit verbreitete Jammern und Schwarzsehen ist. Oder wie singt es der Beter des Psalms mit seinen Worten: Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die IHN fürchten, und hilft ihnen heraus.


    Gedanken zum Bild:

    Engelspuren entdecken im Leben – das birgt so manche Überraschung. Ging mir auch so, als ich im Sommer einmal mit der Kamera unterwegs war. Da entdeckte ich dieses prachtvolle Kirchenfenster mit dem sechsflügeligen Engel in der Mitte. Und wissen Sie, wo? In unserer Pößnecker Stadtkirche! Zugegeben, man sieht es nur tagsüber von der zweiten Empore gegenüber des Turmes. Denn es befindet sich in der oberen, nach innen offenen Turmstube. Nicht nur der verborgene Ort des Fensters, auch die Darstellung des Engels finde ich überraschend. Es muss sich um einen der Thronwächter (Seraphim) des HERRN handeln, die der Prophet Jesaja in einer Vision gesehen hat (Jesaja 6,2). Im Fenster erstrahlen die Flügel in satten Rot- und Gelbtönen, die fast golden wirken. Rot ist die Farbe des Heiligen Geistes und Gold die Gottesfarbe schlechthin. Der Glaskünstler kombiniert die sechs Flügel, von denen der Engel laut Jesaja nur zwei zum Fliegen benötigt (die anderen bedecken das Antlitz und die Füße des Seraphen), mit einem auf den ersten Blick kindlich pausbäckig wirkenden Gesicht. Ein üppiger, glänzender, blonder Haarschopf ergänzt das Bild. Aber ein drolliges, barockes Puttenengelsgesicht strahlt uns dennoch nicht entgegen. Der Blick des Engels ist durchdringend, seine Mundwinkel sind ernst nach unten gezogen. Ein Wächterengel eben, der sein Gegenüber – also uns – immer etwas abschätzend im Auge behält. „Gott sieht alles!“ sagte man früher den Kindern und meinte das in der Regel als Ermahnung zu einem angepassten, „anständigen“ Verhalten. Stimmt, aber der Satz geht weiter, sagen wir heute. „Gott sieht alles und alle mit den Augen des liebenden Vaters an!“, muss er nach der Bibel heißen. Das klingt ganz anders, oder?

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir danken DIR, dass DU immer wieder Hoffnung setzt in uns mit DEINER Güte beschenkst.

    HERR, wir bitten DICH, erfülle uns mit DEINEM Geist, dass wir DIR vertrauen und unser Leben gestalten auf DEINEM Weg zum Heil.

    HERR, wir bitten DICH, hilf uns zu überwinden unter uns, was DEINE Liebe verbirgt, was sie unterdrückt oder entstellt.

    HERR, wir bitten DICH, hilf uns, von schnellen und oberflächlichen Urteilen weg zu kommen und wecke in uns die Ehrfurcht vor DEINEN Geschöpfen.

    HERR, wir bitten DICH, schenke neuen Mut den Müden und Erschöpften, Orientierung und Halt den Ratlosen und Verbitterten.

    Sei bei allen, die in unserem Land Verantwortung übernehmen in Politik und Verwaltung und geleite sie in ihren Entscheidungen in DEINEM Geist.

    HERR, unser Gott, achte auf unser Gebet und hilf, dass wir auf DEIN Wort hören, das uns stärkt, zu trösten, Hoffnung zu schenken und Zuversicht und die Kraft, mitzubauen an DEINEM Reich.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Michaelis – und andere wichtige Tage….

    Im Rahmen des Festjahres in Krölpa ist für den 25. September ein „Michaelismarkt“ (13-18 Uhr rund um den Dorfplatz) geplant. Für manchen ist dies verwunderlich, denn bisher gab es keinen solchen Markt in Krölpa. Darum nun ein kleiner Einblick in die Geschichte und Tradition von (mittelalterlichen) Märkten:

    Das Jahr war im Mittelalter von der agrarischen Struktur des Lebens geprägt, so auch manche Feste und Feiertage, die auch mit Bräuchen aus dem Natur- und Volksglauben verbunden wurden. Sie waren Höhepunkte im Leben der Menschen und strukturierten gleichzeitig auch das Jahr. Eng verbunden mit Festen und Feiertagen waren auch die Märkte, die in den Städten und Dörfern abgehalten wurden (Martinimarkt: um 11.11.- als letzte Möglichkeit vor der Fastenzeit im November/ Dezember Einkäufe zu erledigen/ Johannis (24.06.) oder zur Kirmes/ Kirchweih/ Ostern (Frühjahrsmarkt). Diese dienten nicht nur zur Versorgung mit Lebenswichtigem, sondern auch der Gemeinschaft, des Austausches, der Unterhaltung und dem Fest. Noch heute gibt es auf manchen Märkten zur Kirmes ein Karussell, eine Los Bude oder einen Schießstand. Auch für das leibliche Wohl wurden Dinge angeboten. Daneben gab es bestimmte Markttage, die in den Städten und Orten, die Marktrecht besaßen, vom Rat festgelegt wurden.

    Neben Markttagen gab es auch „Lostage“. Hier handelte es sich um bestimmte Feste und Tage im Jahr, die mit bestimmten bäuerlichen Verrichtungen verbunden waren (Beginn der Aussaat / Verlauf der Ernte) und an denen man auch besonderes Augenmerk auf die Entwicklung des Wetters richtete (Wetterregeln/ hundertjähriger Kalender). Meist standen sie in Verbindung mit dem Heiligenkalender des Kirchenjahres (Maria Lichtmess – 2.Februar/ Siebenschläfer – 7. Juli o.27.Juni/ Johannistag -24.06./ Michaelistag – 29.09. / Hubertustag – 3.11.). „Los“ meint hier „Geschick“. Beispielsweise wurden um den Michaelistag (29.09.) die Pachten und Abgaben gezahlt bzw. auch Verträge festgelegt. Bis heute hat sich dieser Brauch gehalten. Neben der Erinnerung an Engel als Begleiter/ Boten von Gott,- hier für den Erzengel Michael (Namensbedeutung: „Wer ist wie Gott?“) der gegen die Dunkelheit kämpft, stand am Michaelistag auch die Erfahrung der kürzer werdenden Tage und des abnehmenden Lichts im Mittelpunkt. Ab diesem Tag wurden Kerzen in den Häusern entzündet, die Licht für die Arbeit gaben. Aber auch im übertragenen Sinn galt es der eigenen inneren „Dunkelheit“, dem Bösen, Kräfte entgegen zu setzen und für das „innere Licht“ zu sorgen.

    An bestimmten Tagen im Jahr wechselten die Angestellten (Knechte, Mägde, Gesinde, Dienstboten) und Arbeiter (Gesellen) auf den Höfen oder in den Werkstätten. Dies geschah zum Maria Lichtmess (2.Februar) oder auch zum Martinstag. Mit dem Lohn und meist auch einem Festmahl wurden die Angestellten entlassen.

  • Andachten

    Andacht zum 16. Sonntag nach Trinitatis, 19 .September 2021

    Text: 2. Timotheus 1, 10b (Wochenspruch)

    Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.

    Gedanken zum Text:

    Der Wochenspruch ist eine Rede gegen die allgegenwärtige und scheinbar alles bestimmende Angst. Zur Entstehungszeit des Briefes war es die Angst der Christen vor der immer brutaler werdenden römischen Verfolgung. Heute ist es die Angst zu kurz zu kommen im Leben. Denn Wohlstand scheint der einzige Sinn und Zweck in diesem vergänglichen Leben zu sein, dem der Tod die gnadenlose Grenze setzt. Dagegen erhebt der Apostel die Stimme im Namen Christi mit einem lauten „Fürchte dich nicht!“ Das ist viel mehr als ein daher gesagtes „Hab keine Angst!“, denn der Apostel erinnert an die Grundfesten des Glaubens, die tragen, gerade auch in der Angst. Denn Jesus Christus selbst ist den Weg der Angst bis zum Tod am Kreuz gegangen und der EWIGE hat IHN von den Toten auferweckt. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Gottes Liebe ist nicht auf unsere kurze Zeit beschränkt, sondern umfasst die ganze Ewigkeit. Daraus können wir den Mut schöpfen, uns unserer Angst zu stellen, statt sie zu verdrängen oder zu überspielen. Das Vertrauen in die göttliche Kraft der Liebe verändert unsere Angst, setzt ihr die Grenze. Denn bei Gott können wir nicht zu kurz kommen, wenn wir IHM vertrauen. Wir dürfen SEINEN Zuspruch für uns hören: Du Menschenkind darfst dich darauf verlassen, dass du den Weg deines Lebens zu keiner Zeit allein gehen musst. Auch und gerade dann nicht, wenn dir die Angst im Nacken sitzt, wenn sie dir die Luft zum Atmen rauben will. Auch dann nicht, wenn du deinen letzten Weg gehen musst mit deiner Angst vor dem Sterben und dem Tod. Der HERR geht mit und ER hilft dir zu tragen, was dein Herz beschwert. Ihm kannst du deine Angst ans Herz legen. Er wird dich hindurch tragen. Die jüdische Schriftstellerin Rose Ausländer, die die Shoa überlebte, beginnt ein Gedicht mit den Worten: „Wirf deine Angst in die Luft“. Da gehört sie hin, in Gottes Ohr und an Gottes Herz, damit ER uns Erleichterung verschaffen kann, aus der Zuversicht und Mut und Kraft für unser tägliches Leben wachsen. „Wirf deine Angst in die Luft“ – und vertraue darauf, dass der HERR sie auffängt und dich zum Leben führt.

    Foto: Privat (J.Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Langsam reift der Wein am Spalier. Seit uralten Zeiten haben ihn die Menschen kultiviert und er wurde gerade auch in der Tradition Israels zum Symbol für das Gottesgeschenk der Fülle und der Freude des Lebens. Gemeinsam mit dem Brot, das für die Stillung der Grundbedürfnisse steht, hat der Wein einen festen Platz in den Lob – und Dankfesten des Glaubens. An diese Überlieferung schließt auch Jesus an, wenn ER im letzten Sedermahl mit SEINEN Jüngern Brot und Wein austeilt und deren Bedeutung erweitert. Jetzt sind Brot und Wein noch viel mehr als die guten Gaben Gottes, die den Menschen das Leben ermöglichen. Jetzt gibt sich in ihnen der HERR selbst für alle, die IHM vertrauen. In vielen Gemeinden wird dieses Ereignis im Abendmahl oder der Eucharistiefeier regelmäßig gefeiert. Die Corona Pandemie stellt uns da allerdings auch vor bisher nie gekannte Herausforderungen. Beschwerliche Hygienemaßnahmen und besonders der Gemeinschaftskelch werden zum Problem. Gut ist, wenn wir uns davon nicht entmutigen lassen, sondern unsere Traditionen auf würdige Art an die Erfordernisse anpassen können.

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir danken DIR für alles, was wir zum Leben haben, für die Freude an der Welt und die lange Zeit des Friedens in unserem Teil der Welt.

    HERR, vor DICH bringen wir, was uns bange macht und bedrückt – die Angst in unseren Herzen und in der Welt vor der Not der Seele, unsere Schwachheit und Zweifel.

    HERR, wir bringen vor DICH die Schreie der vielen Menschen, die keiner hört, weil ihr Leid zu alltäglich ist für unsere Nachrichtensendungen, die vergessenen Opfer der Umweltzerstörung, der Not und der Kriege, den immer währenden Kampf gegen den gnadenlosen Tod.

    HERR, wir bitten DICH, gib DEINEN Geist denen, die das Sagen und die materiellen Möglichkeiten haben, damit sie eine gütige Hand und ein mildes Herz bekommen.

    HERR, unser Gott, achte auf unser Gebet und hilf, dass wir auf DEIN Wort hören, das uns stärkt, zu trösten, Hoffnung zu schenken und Zuversicht und die Kraft, mitzubauen an DEINEM Reich.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 15. Sonntag nach Trinitatis, 12 .September 2021

    Text: Lukas 17, 5+6

    Die Apostel baten den HERRN: »Gib uns doch mehr Glauben!« Der HERR antwortete: »Selbst wenn euer Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkorn, könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum hier sagen: ›Hebe dich samt deinen Wurzeln aus der Erde und verpflanze dich ins Meer!‹, und er würde euch gehorchen.«

    Gedanken zum Text:

    Wir Menschen beurteilen für unser Leben gern – allerdings am liebsten andere. Aussehen, Fähigkeiten, Verhaltensweisen bewerten wir nach unseren Vorstellungen und Ansichten. Der Glaube macht da keine Ausnahme. Es gibt Christen, die behaupten, die „anderen“ wären im Glauben „noch nicht so weit“, müssten noch mehr „wachsen“. Zu diesen „Flachwurzlern“ gehörten wohl auch die Jünger Jesu. Verwunderlich, oder? Gerade die Freunde Jesu müssten doch wahre „Glaubenshelden“ oder zumindest Vorbilder im Glauben gewesen sein. Aber nein, auch sie waren (Gott sei Dank!) ganz normale Menschen wie Du und ich, mit Fragen und Zweifeln und Herausforderungen, durch die ihr Glaube immer wieder neu auf die Probe gestellt wurde. Klar, sie hatten es oberflächlich gesehen leichter als wir: Sie waren mit Jesus unterwegs, konnten IHN so zu sagen auf dem „kurzen Dienstweg“ bitten, bei ihrem Glauben noch „eine Schippe drauf zu legen“. Immerhin: Sie fragen den Richtigen. Denn nur ER allein hat die Kraft, uns den Mut zum Vertrauen, zum Glauben zu schenken. Die Antwort Jesu ist wieder einmal typisch: Statt einem kurzen „geht klar, Jungs, mach ich doch gerne!“ spricht ER wie so oft in Bildern. Senfkorn und Maulbeerbaum und das Meer sind es hier, eines der kleinsten Samenkörner,und ein Baum mit unglaublich tiefem Wurzelwerk und die unendliche Wasserwüste. Was ER SEINEN Jüngern damit sagt: Denkt nicht, dass ihr zu wenig Glauben habt! Selbst ein winzig kleiner Glaube, ein ganz zartes Vertrauen zu Gott hat eine unglaubliche Kraft, kann scheinbar unüberwindbare Herausforderungen im Leben bestehen helfen und durch schmerzhafteste Zeiten tragen. Wie ich drauf komme? Eben die Bilder: Der Maulbeerbaum ist groß und kräftig und trägt süße Früchte und wenn das Meer auch noch so tobt, er steht fest. Es ist also sinnfrei, die „Glaubensstärke“ bewerten zu wollen, weder bei sich selbst, wie die Jünger es taten und erst recht nicht bei anderen. Was allein zählt, ist das Grundvertrauen in die Liebe Gottes, zu dem uns der HERR Mut macht.

    Gedanken zum Bild:

    Wenn wir nach einem wuchskräftigen Baum mit leckeren Früchten suchen würden für einen bildhaften Vergleich, kämen wir sicher nicht zuerst auf einen Maulbeerbaum. Denn die sind in unseren Breiten doch recht selten. Näherliegend wäre da schon der Walnussbaum. Den gibt es gar nicht so selten und der hat eine ausgesprochen starke Wuchskraft. Vor wenigen Jahren haben wir einen in unserem Garten als Setzling gepflanzt und inzwischen ist er zu einem stattlichen Baum herangewachsen. In guten Jahren wie diesem dürfen wir uns auch auf eine große Zahl leckerer Nüsse freuen. Zugegeben, man kommt nicht ohne die Mühe des Nussknackens an sie heran und ihr Geschmack ist auch nicht jedermanns Sache. Aber sie sind sehr gesund und außerdem aus der nun bald schon wieder anstehenden Weihnachtsbäckerei nicht weg zu denken. Als bildlicher Vergleich für die Kraft des Glaubens eignet sich der Walnussbaum in unseren Breiten jedenfalls bestens.

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir danken DIR dafür, dass DU unsere Erde belebst aus der Fülle DEINER Gaben, die uns Kraft schenken und aufleben lassen.

    HERR, vor DIR legen wir ab, was uns bange macht und bedrückt – unsere Ratlosigkeit angesichts vieler Entwicklungen in der Welt und in unserer Gesellschaft, unser Unvermögen und unsere Angst, etwas zu verlieren.

    HERR, wir bitten DICH, belebe uns und schenke uns DEINEN Geist, dass wir die Zeichen der Zeit erkennen und zuversichtlich bleiben in unserer Liebe zum Leben. Hilf uns, sehen zu lernen und da zu sein, wo DU uns brauchst.

    HERR, wir bitten DICH für alle in unserer Nähe und in der Weite de Welt, die niemanden haben, der zu ihnen hält, sich um sie sorgt und sie durchs Leben begleitet. Für die Sterbenden bitten wir, dass DU ihnen entgegen gehst.

    HERR, unser Gott, mach uns zu DEINEN Boten, die Hoffnung und Zuversicht auf DEIN Reich verkünden und in ihrem Leben erfahren, damit wir andere einladen können, mit uns zu gehen. Mach uns, HERR, bereit für alles, was von DIR kommt, dass wir geborgen bleiben unter DEINEM väterlichen Segen.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 14. Sonntag nach Trinitatis, 5.September 2021

    Text: Psalm 103,2 (Wochenspruch) Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

    Gedanken zum Text:
    Manchmal vergesse ich etwas. Das ärgert mich jedes mal und ich bin froh, wenn das Vergessene nicht allzu wichtig war. Wenn aber doch, kann das richtig peinlich werden. Den Namen eines Bekannten, die versprochene Zuarbeit, den Termin, den Geburtstag eines Freundes – einfach vergessen. Leider passiert mir das immer wieder. Kennen Sie das auch? Ich bewundere Menschen mit nahezu perfektem Gedächtnis und bin froh, dass es Hilfsmittel gibt gegen
    das Vergessen. Der sprichwörtliche Knoten im Taschentuch funktioniert nicht mehr so gut, seitdem die großen, karierten Herrentaschentücher aus Stoff außer Mode gekommen sind.

    Aber Gott sei Dank gibt es ja elektronische Helfer oder auch den klassischen Taschenkalender. Der hilft mir, mich an alle mehr oder weniger wichtigen Dinge zu erinnern. Sich erinnern zu können, dem Vergessen ein Schnippchen zu schlagen, das ist eine ganz wesentliche Voraussetzung, um den Alltag des Lebens zu meistern. Das spüren die Menschen am deutlichsten, die an Demenz erkrankt sind und natürlich auch deren Angehörige. Sich erinnern
    zu können macht darüber hinaus auch dankbar, erleichtert das Herz und erfrischt die Gedanken. So ist es noch viel mehr als eine Voraussetzung, den Alltag zu bestehen. Es gibt Halt und Orientierung, vergewissert mich, wo ich
    herkomme, wo ich hingehöre und wohin ich gehe. Eine Hilfe zur Erinnerung in diesem Sinn bietet uns das Wort aus dem 103. Psalm: Lobe den Herrn, meine Seele, – und vergiss nicht, – was ER dir Gutes getan hat. Ursprünglich wur-
    de dieses Glaubenslied im alten Israel gesungen. Für Israel ist die Erinnerung daran, was Gott SEINEM Volk Gutes getan hat, bis heute gegenwärtig. Zum Passahfest erzählen sich die Menschen die Geschichte der Befreiung ihres
    Volkes aus der ägyptischen Sklaverei. Mitten in der Gegenwart finden sie sich wieder in der Geschichte ihrer Vorfahren so, als hätten sie diese selber erlebt. Sie werden eins, erfahren und erleben sich selbst als Menschen des Gottesvolkes, mit dem ER durch die Zeit unterwegs ist, was auch kommen mag. So zeigt ER SEINE Liebe zu SEINEM Volk. Daran zu erinnern, lohnt sich immer. Die unvergessliche Liebesgeschichte Gottes erzählt Jesus für uns weiter. Wie die Menschen Israels können auch wir erleben, dass wir Anteil daran haben. Das dürfen wir für uns ganz persönlich annehmen.
    Nicht nur in guten Zeiten. Auch in schweren Zeiten: der HERR steht zu uns. Auch wenn aus menschlicher Sicht alles dagegen sprechen mag, SEINE Zusage gilt – weil ER uns liebt.

    Diese Gewissheit macht dankbar und froh, dass wir einstimmen können in das Lob Gottes, auf unsere Art, laut oder leise, schräg oder gekonnt – Hauptsache mit unserer eigenen Stimme. So wie es Israel und die gesamte Christenheit seit Jahrtausenden tut.

    Gedanken zum Bild:
    Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss
    nicht, was er dir Gutes getan hat. Zum Guten
    gehört auch die Schönheit SEINER Schöpfung,
    wie sie sich in den Jahreszeiten spiegelt. Si-
    cher, es gibt immer Leute, denen der Winter zu
    wenig Schnee bringt und der Sommer entweder
    zu heiß und zu trocken oder zu kalt und zu nass
    ist. Jetzt geht es wieder mit Riesenschritten auf
    den Herbst zu – eine Jahreszeit, die auf der Be-
    liebtheitsskala wohl bei den meisten eher wei-
    ter hinten rangieren dürfte. Das liegt wohl dar-
    an, dass sie den grauen November vor Augen
    haben. Dabei kann es im Herbst auch unglaub-
    lich schöne Momente geben. Wir müssen sie
    nur entdecken und uns einen Augenblick Zeit
    für sie nehmen, bevor sie vergehen. Dieser
    Blick in den sonnendurchleuchteten Ahorn-
    baum ist ein solcher Moment, kostbar und ver-
    gänglich und gleichzeitig auch ein strahlendes
    Gotteslob. Festhalten können wir diese Mo-
    mente nicht. Es bleiben nur die Fotos, die unse-
    ren Erinnerungen aufhelfen und die Worte, die
    wir betend sprechen oder singen können: Lobe
    den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht,
    was er dir Gutes getan hat.

    Gebet:
    HERR unser Gott, dankbar bringen wir vor
    DICH alles, was unser Leben ausmacht, was
    uns geprägt hat und erhält. Wir denken vor DIR
    an die Menschen, deren Liebe uns durch das
    Leben begleitet, an alles, was uns ernährt und
    das Leben schön macht.
    HERR, wir danken DIR für unsere Gemeinden,
    für die Schwestern und Brüder im Glauben in
    unseren Orten, in unserem Land und in der
    weiten Welt. Hilf uns, den Weg durch die Her-
    ausforderungen der Zeit gemeinsam in gegen-
    seitiger Achtung unter DEINEM Wort zu ge-
    hen.
    HERR, wir bitten DICH, belebe uns und schen-
    ke uns die Kraft, dass wir uns zu DIR halten
    und das tun, was DU willst in dieser Welt –
    Verlorene zu suchen, Hungernde zu sättigen
    Bedrückten neue Hoffnung schenken.

    HERR, wir bitten DICH um Kraft und Geduld
    und DEIN Erbarmen über unserer Schwach-
    heit. Komm mit DEINER Weite in unsere en-
    gen Gedanken und leuchte mit dem Licht DEI-
    NER Liebe unseren Schritten. Lass uns DEI-
    NEN Namen ehren und eintreten für eine be-
    wohnbare Erde und für die Hoffnung auf DEIN
    ewiges Reich.
    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen
    Beten wir das Vaterunser:
    Vater unser im Himmel
    geheiligt werde Dein Name
    Dein Reich komme
    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf
    Erden
    Unser tägliches Brot gib uns heute
    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir
    vergeben unseren Schuldigern
    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern er-
    löse uns von dem Bösen
    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die
    Herrlichkeit in Ewigkeit.
    Amen
    Es segne uns der allmächtige und barmherzige
    Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 13. Sonntag nach Trinitatis, 29. August 2021

    Text: 1. Chronik 13, 8

    David und ganz Israel tanzten mit aller Macht vor Gott her, mit Liedern, mit Harfen, mit Psaltern, mit Pauken, mit Zimbeln und mit Trompeten.


    Gedanken zum Text:

    Dieser kurze Vers aus dem 1. Buch der Chronik erzählt von einem fröhlichen Volksfest – und Gott ist ganz selbstverständlich dabei. ER ist sogar mittendrin und die Menschen sehen es auch. Denn da ist die Bundeslade, das transportable Heiligtum der Israeliten. Die Bundeslade ist der Ort, wo der HERR selbst wohnt, so waren sie überzeugt. Später erfuhren sie SEINE Gegenwart im großen Tempel Jerusalems. Erst als ihnen die Heimat genommen worden war, erkannten sie IHN als den HERRN der ganzen Welt. Die Formen, IHN zu loben und zu preisen, wandelten sich ebenso. Damals, in der glücklichen Zeit der Königsherrschaft Davids, findet das Gotteslob ganz selbstverständlich unter freiem Himmel statt. Wir stellen uns am besten einen fröhlichen und lautstarken Umzug mit der Bundeslade durch die Gassen der David- stadt vor. Vorneweg der tanzende König mit seinem Gefolge, dann die Bundeslade und danach die verschiedensten Orchestergruppen und Chöre – und alle gaben ihr Bestes. Wenn das keine bunte Mischung war! Zum Gotteslob gehört Musik in ihrer ganzen Vielfalt – von den zarten Harfen und Psaltern bis zu den dröhnenden Pauken und Trompeten und natürlich auch der Gesang. Wie wichtig Musik und Gesang im Gottesdienst sind, haben wir gespürt in der Corona – Zeit, als es untersagt war zu singen. Gott sei Dank, die Orgel durfte spielen. Jetzt dürfen wir wieder singen (unter Beachtung der Regeln) und die Gottesdienstbesucher freuen sich darüber. Selbst Menschen, die bisher nicht als große Sänger in Erscheinung getreten waren, sind hoch erfreut, wenigstens die Möglichkeit wieder zu haben. Eine sagte: „Wenn die Orgel schön laut spielt, dann traue ich mich auch zu singen!“ – also einzustimmen in das Lob Gottes. Und darum geht es. Einzustimmen in das Lob Gottes, fröhlich und ungehemmt, so wie die Israeliten damals auf ihrem Umzug mit der Bundeslade durch die Stadt. Fröhliche, volkstümliche, vielleicht sogar laienhaft gespielte Musik, forsche Lieder und Tanz (!) zum Lob Gottes – es gab Zeiten, in denen das in evangelischen Kirchen unvorstellbar war. Und die liegen noch gar nicht so lange zurück, wie sich die Älteren unter uns sicher noch erinnern werden. Gott sei Dank haben wir die Freude am Gotteslob wiederentdeckt, weil wir zeigen wollen, das unser Gottvertrauen Kraft und Mut für das alltägliche Leben schenkt.

    Foto: Privat (J.Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Ein passenderes Bild zum Thema Lebensfreude und Gotteslob aus unserer Gegend als das der Schlettweiner Kirche kann es kaum geben. Zum einen ist Schlettwein weit bekannt für sein lebensfrohes Dorfleben in den verschiedenen Vereinen. Der Karnevalsverein sorgt für gute Stimmung zu allen Höhepunkten im Jahr und der Gesangsverein pflegt mit viel Liebe und Einsatzfreude die sängerischen Traditionen. Und beide sind auch ihrer Kirche innig verbunden, haben die über Jahre andauernden Sanierungsarbeiten auch immer wieder mit großzügigen Spenden und Benefizkonzerten unterstützt. Ein besonderer Höhepunkt im Jahr ist in Schlettwein mit Sicherheit auch die Kirmes im Oktober, zu der ein festlicher Gottesdienst stattfindet. Jedesmal eine Freude ist das Erlebnis, wenn die Kirmesgesellschaft mit Blaskapelle in die Kirche einzieht und sehr viele kräftig das Lied „Nun lobet alle Gott“ mitsingen. Dann erhalten sie den Segen und brechen zum „Ständchen“ auf, nehmen ihn also mit in die Häuser, wenn man so will. Lebensfreude und Tradition, Kirche und Dorf kommen so zusammen zum Lobe Gottes und zur Freude der Menschen. Anders als damals bei König David – und doch auch ganz im Sinne des HERRN.

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir danken DIR für die heilsame Freude am Leben, die DU uns schenkst in aller Unruhe und allen Sorgen um uns herum. DEIN Wort und DEINE Liebe weiten unseren Blick und stärken unsere Herzen. Du bist bei uns auf unseren Wegen.

    HERR, wir bitten DICH um DEINEN Geist, der unsere Augen öffnet, damit wir in unsren Mitmenschen unsere Nächsten erkennen. Damit wir durch IHN befreit werden, von uns wegzusehen und hinzuhören und zu verstehen, wenn uns unser Nächster braucht in seinem Leben. Schenke uns auch Menschen, die für uns da sind, wenn wir sie brauchen.

    HERR, wir bitten DICH um DEINEN Frieden für unsere Seelen. Nimm von uns die Hast und die Angst, zu kurz zu kommen oder etwas zu verpassen. Lass das Vertrauen unter uns wachsen und die Gemeinschaft in DEINEN Gemeinden und Kirchen.

    HERR, wir bitten DICH für alle, die betroffen sind von Krieg und Elend in unserer Welt, die ausgegrenzt werden von einem Leben in Sicherheit und Wohlstand. Steh ihnen bei und schenke allen Mut und Geduld, die ihnen helfen.

    HERR, wir bitten DICH, wandle in DEINE Gnade und DEINEN Segen, was uns Angst macht in diesen Tagen, was uns mahnt, woran wir zu tragen haben und worauf wir keine Antwort finden.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 12. Sonntag nach Trinitatis, 22. August 2021

    Text: 2. Timotheus 4, 3+4

    Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihrem eigenen Begehren werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren. 

              
    Gedanken zum Text:

    Wen genau der Verfasser des 2. Timotheusbriefes mit seinen Worten im Blick hatte, wissen wir nicht. Aber kaum zu glauben, dass dieser biblische Text schon vor etwa 1900 Jahren geschrieben worden sein soll! Es ist, als ob er unserer Zeit den Spiegel vorhielte. Die christliche Botschaft – mit den Worten des Briefschreibers   „die heilsame Lehre“ – scheint heute tatsächlich für sehr viele unerträglich geworden zu sein – unerträglich langweilig, aus der Zeit gefallen, einfach uncool. Denn Gottvertrauen und Nächstenliebe, damit kommt heute niemand mehr weit. Da gibt es ganz andere Lebenseinstellungen, von denen man wirklich etwas zu haben glaubt: Ich zuerst! – und – Was gehen mich die anderen an?! – stehen da ganz oben auf der Liste, gleich gefolgt von – Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt… Und richtig, wie der Briefschreiber es formuliert: „..nach ihrem eigenen Begehren werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken…“ „Coaching“ für alle Lebensfragen ist  längst in Mode gekommen. „Influencer“ haben ungezählte „Follower“. Und ja, auch auf dem „analogen“ Buchmarkt wimmelt es von Ratgebern aller Art. Das alles auch gern „spirituell“, was nichts weiter heißt als fantasievoll, fabelhaft und einzig auf das Wohlgefühl des „Coachies“, „Users“ oder Lesers angelegt.  Und wenn´s mal Probleme gibt, die sich nicht wirklich verdrängen lassen, dann werden auch dafür die passenden Fabeln erfunden. Fabeln, die einfache Erklärungen liefern und hinter denen man die eigene Angst verstecken kann. Heilsam ist das alles nicht, wie jeder im täglichen Umgang mit seinen Mitmenschen spüren kann. Unversöhnlichkeit, Kälte und Rechthaberei sind allgegenwärtig, ob im Straßenverkehr oder beim Einkaufen im Supermarkt oder wo auch immer. Und die „heilsame Lehre“, die so nahe liegt, die aus diesem Dilemma herausführt, die christliche Botschaft einmal ernst zu nehmen als Wegweiser für das eigene Leben? Fehlanzeige. Davon will nur eine Minderheit etwas wissen. Die Christen waren sie übrigens auch schon zurzeit des Briefes eine Minderheit, also vor etwa 1900 Jahren. Doch es gibt sie bis heute. Und sie werden immer mehr – vor allem in den armen Ländern unserer Welt. Wenn das nicht ein Hoffnungszeichen ist!     

    Foto: Privat (J.Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Christlicher Glaube im Wandel der Zeiten – unsere Kirchgebäude legen davon Zeugnis ab, auch die Stadtkirche von Pößneck. Rechnet man die Bauzeit des Turmes mit ein, so arbeiteten die Handwerker fast 200 Jahre lang an diesem Bau. Nach dem Turm wurde das Hauptschiff errichtet, anschließend der Chor. Spätere Genrationen bauten die Kirche immer wieder um, vor allem im Inneren. Es gab Zeiten, da musste angesichts der schnell wachsenden Bevölkerung der Stadt Platz für viele sonntägliche Gottesdienstbesucher geschaffen werden und der Kirchenraum erhielt drei Emporen. Als Kind habe ich noch erlebt, dass auch diese zum Heiligen Abend bis auf den letzten Platz gefüllt waren. Das war in den 1970er Jahren, als auf dem Marktplatz zeitgleich zur Christvesper das „Jolka – Fest“ (die sowjetische Variante des Weihnachtsfestes) inszeniert wurde. Inzwischen wurde im Rahmen der Umsetzung der Orgel die dritte Empore entfernt. Wir brauchen sie nicht mehr, denn selbst zu Weihnachten reicht inzwischen das Kirchenschiff und die erste Empore für die Besucher aus. Schließlich wird  schon vor dem Lichterfest auf dem Markt Glühwein ausgeschenkt. Da können wir natürlich nicht mithalten. Kurz gesagt: Der großzügige Bau unserer Stadtkirche bietet momentan in der Regel viel zu viele freie Plätze. In der Coronazeit aber stellte sich das als ein echter Vorteil heraus: kein Problem mit den Sicherheitsabständen. Es hat eben alles seine zwei Seiten, könnte man sagen. Oder anders gesagt: Gut, dass wir die Kirche haben. Sie bietet Platz für alle. Ich meine nicht nur das Gebäude, das seit Jahrhunderten fest steht in der Mitte der Stadt. 

    Gebet:

    HERR unser Gott, DIR sei Dank für DEINE Liebe, die ihren Weg immer wieder findet durch die Mauern in unseren Köpfen, erbaut aus den Steinen unserer Angst und unserer Selbstsucht. Durch die Mauern, hinter denen wir uns verstecken und mit denen wir andere und vor allem DICH selbst von uns fernhalten wollen.

    HERR, wir bitten DICH, nimm uns mit auf DEINEM Weg der Liebe, damit unsere Welt menschlicher und freundlicher werde und offener für alle, die miteinander die Zukunft gestalten wollen. 

    HERR, wir bitten DICH, lass uns spüren und erkennen, wo DU am Werk bist und wo DU uns im Angesicht unseres Nächsten begegnest. Mach, dass DEIN Wort unsere Ohren und Herzen erreicht und wir DEINE Sprache verstehen, dass uns DEIN Licht aufgeht in der Freude oder im Schrecken. 

    HERR, wir bitten DICH, wandle in DEINE Gnade und DEINEN Segen, was uns Angst macht in diesen Tagen, was uns mahnt, woran wir zu tragen haben und worauf wir keine Antwort finden. Erbarmender Gott, erhöre uns.  Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN    

  • Andachten

    Andacht zum 10. Sonntag nach Trinitatis, 8. August 2021

    Text: Epheser 5, 8b+9

    Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

    Gedanken zum Text:

    „Kinder des Lichts“, das klingt in den Ohren, das weckt Bilder von Idylle und Sonnenschein – und das lässt ganz viel offen. Denn das ist eine Aufforderung, die in den Versen vorher klar macht, wie das gehen soll. Was also die Kinder des Lichts tun und vor allem nicht tun, ja noch nicht einmal denken sollen. „Wandelt“, heißt es, also auf neudeutsch: Führt euer ganzes Leben, richtet euer ganzes Denken aus in dieser Richtung, als „Kinder des Lichts“ zu leben. Schnell wird klar: Allein aus eigener Kraft wird das nichts mit den „Kindern des Lichts“ – allerhöchstens mit ziemlich flackernden und trüben Funzeln, wenn es extrem gut laufen sollte.Wir leben in der Welt und sind Teil von ihr. Der Epheserbrief möchte uns dennoch Mut machen, indem er uns erinnert: Es liegt nicht an unserem Denken und Handeln, ob es hell wird in unserem Leben. Alles hängt ganz allein von der Liebe Gottes ab. ER hat den ersten Schritt gemacht. ER schenkt uns SEINE Liebe, aus der wir leben können, die unser Leben hell macht. Wir sind also Kinder des Lichtes SEINER Liebe. Das ist das Grundvertrauen und die grundsätzliche Lebenseinstellung, die das Denken und Handeln befreit aus allen Zwängen und Ängsten der ausschließlich an sich selbst gerichteten Liebe, die so viele heutzutage für „normal“ halten. Wer spürt und zu begreifen beginnt, dass Gott ihn liebt, der bekommt einen klaren Blick auf das eigene Leben und unser Zusammenleben. Der findet von daher zu einem erhellenden Verhalten, bemüht sich um klare Worte, setzt sich ein für ein lichtes Miteinander jenseits von Machtspielchen und Rechthaberei. Genau daran werden die „Kinder des Lichts“ erkannt von denen, die ihnen begegnen. Auch wenn sie keine Ahnung von der biblischen Überlieferung haben. Nun gut, sie werden sicher nicht von den „Kindern des Lichts“ sprechen. Aber was Güte ist und Gerechtigkeit und Wahrheit im täglichen Umgang miteinander, das spüren sie ganz genau.

    Foto: Privat (J.Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Eine Mohnblüte ist auch ein „Kind des Lichts“ – und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum ersten ist auch sie ein Geschöpf unseres Gottes, von dem es heißt: Der HERR ist mein Licht und mein Heil…. Zum zweiten braucht sie das Sonnenlicht zum Wachsen. In einem lichtlosen Raum würde sie sterben. Und zum dritten leuchten ihre Blütenblätter in den schönsten Farben – allerdings nur so lange, wie das Sonnenlicht auf sie fällt. Denn sie besitzt keine eigene „Lichtquelle“. Sie reflektiert das Licht der Sonne und lässt es auf ihre ganz eigene Art erstrahlen. Ein sehr schönes und eindrückliches Bild, um die Gedanken des Schreibers des Epheserbriefs zu verstehen. Die Mohnblume macht „ihr eigenes Ding“ aus dem Sonnenlicht, lässt es uns ganz neu und wunderschön wahrnehmen. So kann es auch sein, wenn wir das Licht der Liebe Gottes reflektieren in unser Zusammenleben hinein. Freundlicher und heller würde es werden, und ganz bestimmt auch schöner, weil entspannter. Der Versuch lohnt immer wieder neu.

    Gebet:

    HERR unser Gott, DU allein kannst mit dem Licht DEINER Liebe die Dunkelheit unserer Welt besiegen. Hilf uns, dass wir DEIN Licht weitergeben an alle, die dunkel Zeiten in ihrem Leben durchmachen müssen.

    HERR, wir bitten DICH für alle Menschen, die kein Licht am Ende des Tunnels ihres Lebens sehen, die den Sinn nicht finden können in dem, was sie auszuhalten haben. Gib uns als Gemeinden die Kraft, ihren Weg zu erhellen.

    HERR, wir bitten DICH, gib uns Gesichter, in denen DEINE Güte erstrahlt, Hände, die zufassen, wenn Hilfe nötig ist und Ohren, die offen sind für andere.

    HERR, wir bitten DICH, wehre dem Schrecken des Krieges, des Terrorismus und der Gewalt, bringe den Hass zum Schweigen, der die Herzen der Menschen vergiftet. Belebe unseren Geist, dass wir sagen und tun, was zum Frieden führt.

    HERR unser Gott, DU Vater des Lebens, sei bei allen, die DEINER Hilfe bedürfen in Krankheit und lass die Sterbenden DEINE Hand spüren, die sie leitet in DEINE Ewigkeit. So legen wir DIR alles ans Herz, was uns bewegt.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 9. Sonntag nach Trinitatis, 1. August 2021

    Text: Epheser 2,19

    So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.

    Gedanken zum Text:

    Ihr gehört zu uns, auf Augenhöhe, vollkommen gleichberechtigt. Das hörten mit den Worten des Epheserbriefes Christen im Gebiet der heutigen Türkei am Ende des ersten Jahrhunderts. Vor ihrer Taufe hatten sie viele verschiedene Götter verehrt. Sie kamen aus den unterschiedlichsten Kulturen, Traditionen und Prägungen, die sie mitbrachten in den neuen Glauben. Das waren noch Zeiten! Da wuchsen die Gemeinden statt immer kleiner zu werden! Davon können wir in unserem reichen Land nur träumen. Ich weiß, die Zeiten sind nicht vergleichbar. Jedenfalls ist unsere Zeit unvergleichbar mit ihrem allgemeinen Wohlstand, der generationenlangen Friedenszeit und der fast schrankenlosen individuellen Freiheit im Denken und Handeln. Aber andererseits bleibt der Mensch sich selber treu: Was werden die „Alteingesessenen“, die „Kerngemeinde“ zu den vielen „Neuen“ gesagt haben? Wurden die „Neuen“ mit offenen Armen empfangen? Gab es Vorbehalte? Gab es Forderungen nach Anpassung in Frömmigkeit und Lebensführung? Mit Sicherheit, denn mit der so genannten „Willkommenskultur“ wird es damals nicht viel anders gewesen sein als heute. Unsicherheit auf allen Seiten, Befindlichkeiten nicht zu knapp, die das Zusammenleben belasteten. Diesen Menschen schrieb der Apostel: „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ Ihr gehört dazu, alles geklärt, durch Christus selbst, der der Eckstein der Gemeinschaft ist, der ihr Halt und Sicherheit gibt. Den anderen anzunehmen wie er ist, auch wenn ihm die alten Traditionen wichtig sind und er mit seiner gefühlt uralten Bibelübersetzung daherkommt, sie auszuhalten, wenn sie das völlig anders sieht und handhabt, und trotzdem beieinander zu bleiben, das ist eine fortwährende Aufgabe schon innerhalb einer Konfession – aber erst recht im ökumenischen Dialog. Aufeinander zugehen und aufeinander achten, das legt uns Christus immer wieder ans Herz, innerhalb einer Gemeinde und miteinander in der Ökumene. ER weiß, dass uns die anderen guttun. Denn nur in der Begegnung mit ihnen können wir den Respekt und die Bescheidenheit lernen, die vor Gott zählen. Der HERR traut uns zu, dass wir lernen können. Neue Erfahrungen zuzulassen, das scheint in der schwierigen Gegenwart der Gemeinden eine vordringliche Aufgabe zu sein.

    Kirche Pößneck – Jüdewein. Foto: Privat (J.Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Das zweite Bildfenster im Chorraum der Kirche Jüdewein trägt leider keine Jahreszahl, nur einen Verweis auf die Stifter aus der Gemeinde Jüdewein – Köstitz. Es zeigt eine Abendmahlsszene und den Spruch: HERR, bleibe bei uns.

    Das Abendmahl, die Eucharistie, das Herrenmahl und welche Namen das Heilige Mahl sonst noch trägt, ist die persönlichste Erfahrung der Gemeinschaft mit Christus und zugleich der „springende Punkt“ der Ökumene. Das heißt, an diesem Punkt springt alle Gemeinschaft der Kirchen (im Moment noch) auseinander, prallen Traditionen und theologische Lehrgebäude aufeinander und erscheinen als (fast) unüberwindliche Hindernisse auf dem Weg zum Miteinander am Tisch des HERRN. Man könnte sagen: Im Haus des HERRN wohnen sie alle. Aber sie essen immer noch nicht gemeinsam mit dem Hausherrn, weil sie sich unentwegt darüber streiten, wer unter ihnen, den eingeladenen Mitbewohnern, das Sagen hat, wessen Verständnis von allem verbindlich sei. Dem EWIGEN sei Dank, dass SEINE Geduld kein Ende kennt. ER ist eben doch der beste Lehrer.

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir danken DIR für DEINE Gaben, die wir miteinander teilen können. Hilf uns, DEINE Güte zu erkennen in allem, was unser Leben reich macht.

    HERR, wir bitten DICH, dass DEINE Gaben uns miteinander verbinden. Wenn der eine erschöpft ist, lass den anderen achtsam und helfend zur Seite stehen. Wenn eine geplagt wird von Ärger und Zorn, lass sie Halt finden in einem friedfertigen Menschen.

    HERR, wir bitten DICH für DEINE Kirchen und Gemeinden, begleite ihren Weg zu einem geschwisterlichen Miteinander auch weiterhin mit DEINEM Segen. Lass uns leben als Menschen, die DU berufen hast an einen Tisch, als Verwandte und Nachbarn aus allen Völkern DEINER Erde.

    HERR unser Gott, wir bitten DICH, bewahre uns und unsere Nachkommen auf der gefährdeten Erde vor den Folgen unserer Verschwendung und Habgier, vor allem aber vor der Dürre des Herzens. Schenke uns Hoffnung, die stärker ist als der Tod.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN