• Andachten

    Andacht zum Sonntag Kantate (4. Sonntag nach Ostern) 2. Mai 2021

    ev. Pfarrer Jörg Reichmann Pößneck

    Schriftwort: Lukas 19, 37 -40

    Als Jesus das Wegstück erreichte, das vom Ölberg zur Stadt hinunterführt, brach die ganze Schar der Jünger in Freudenrufe aus; mit lauter Stimme priesen sie Gott für all die Wunder, die sie miterlebt hatten.

    »›Gesegnet sei ER, der König, der im Namen des HERRN kommt!‹ riefen sie. »Frieden bei dem, der im Himmel ist, Ehre dem, der droben in der Höhe wohnt!« Einige Pharisäer aus der Menge erhoben Einspruch. »Meister«, sagten sie zu Jesus, »verbiete es deinen Jüngern, so zu reden!« Doch Jesus gab ihnen zur Antwort: »Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien!« (Neue Genfer Übersetzung)

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Kantate! Singt! Singt dem HERRN ein neues Lied! So heißt der 4. Sonntag nach Ostern. Vom Singen ist in der kurzen Erzählung des Lukas nicht die Rede. Musikalisch wird die beschriebene Szene wohl eher eine gewaltige Herausforderung für empfindliche Ohren gewesen sein: Wir lesen von stürmischen Freudenrufen und einem sich überschlagendem Lobpreis für Gottes Wundertaten, der sich zu einem ungestüm vorgetragenen Psalmzitat steigert. Die Jünger waren offensichtlich ganz außer Rand und Band geraten. Denn jetzt zog Jesus in Jerusalem ein – und sie mit IHM. Sie würden Zeugen sein, wie ER SEINE Macht entfaltete, endlich die Römer aus dem Land jagen und das ewige Königreich Davids errichten würde. So hofften sie inständig. Dass es völlig anders kommen sollte, konnten sie sich beim besten Willen nicht vorstellen. Das überstieg ihren Horizont bei weitem.

    Es fiel ihnen überhaupt nicht auf, dass Jesus so merkwürdig still auf seinem Esel saß. Einigen Pharisäern, die zwischen den Menschen am Wegesrand standen, fiel das aber sehr wohl auf. Wir kennen die Pharisäer aus den Evangelien als die theologischen Bedenkenträger. Es muss ihnen irgendwie gelungen sein, an Jesus heranzukommen. ER nahm sie ernst. ER hörte ihnen zu. ER ließ sie ausreden, die Andersdenkenden, selbst wenn ihre Forderung in diesem Moment des überschäumenden Jubels völlig daneben war. »Meister«, sagten sie zu Jesus, »verbiete es deinen Jüngern, so zu reden!«

    Gründe nannten die Pharisäer nicht für ihren Einspruch. Sicher ging es ihnen zu weit, dass hier ein lebender Mensch, und sei er ein Rabbi, der Wunder tun konnte, als verheißener Messias und endzeitlicher König im Namen des HERRN gepriesen wurde. Der Messias, der kam nach ihrer Vorstellung in einer endzeitlichen Katastrophe, mit dem vollen Aufgebot der himmlischen Heerscharen, mit größtmöglichem Orchester und unübersehbarer Herrlichkeit. Dieser einfache Mann auf dem Esel als Messias – das konnte nicht sein. Das überstieg ihren Horizont bei weitem.

    Jesus unterbrach weder den Jubel der Jünger noch stieß ER die Pharisäer vor den Kopf. ER antwortete ihnen auf SEINE Weise, mit einem prophetischen Wort, das ihrer aller Horizont bis in weite Zukunft erweitern sollte: Jesus gab ihnen zur Antwort: »Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien!«

    Foto: Privat (J. Reichmann)

    Was für ein gewaltiges Bildwort – und ein prophetisches dazu, das sich immer wieder erfüllt hat in der Geschichte der Menschheit. Nur zwei Generationen nach der Kreuzigung und Auferstehung Jesu bereits zum ersten Mal: Da wurde nach dem gescheiterten Aufstand jüdischer Freiheitskämpfer der Tempel in Jerusalem von den Römern zerstört – bis auf die eine Mauer, die bis heute den Namen „Klagemauer“ trägt. Die Steine der Mauer erzählen von der jahrhundertelangen Heimatlosigkeit und Verfolgungsgeschichte des Gottesvolkes und sind sein heiligster Ort. Leider sind sie ebenso im Laufe der Jahrhunderte zum Symbol der Unversöhnlichkeit der Menschen verschiedenen Glaubens geworden. Die den Juden heilige Klagemauer trägt das drittwichtigste Heiligtum des Islam.

    Jesus sagt: »Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien!«

    Wie jedes Bildwort trägt allerdings auch das von den schreienden Steinen mehrere Verständnismöglichkeiten in sich. Neben der Mahnung, das Gotteslob und das Leben nach SEINEN Geboten nicht zu vergessen, erinnert es auch daran, dass selbst die Steine zum Träger der Verkündigung werden können. Das können die gigantischen Felsen der hohen Berge sein, die die Schönheit der Schöpfung und die Größe des Schöpfers preisen. Oder auch die altehrwürdigen steinernen Zeugnisse der christlichen Geschichte, wie wir sie zum Beispiel in Irland finden.

    Als die Mönche den christlichen Glauben bereits sehr früh auf die grüne Insel brachten, erbauten und gestalteten sie bald darauf die ersten dieser eindrucksvollen Steinkreuze in der Nähe der Klöster. In feiner Steinmetzkunst ausgeführt erzählen sie den Betrachtern biblische Geschichten in bildlicher Darstellung. Denn die Kultur der keltischen Einwohner Irlands kannte keine Schrift. Das änderte sich erst, als die Mönche begannen, die Bibel ins Irisch – Gälische zu übertragen und dazu ein eigenes Alphabet entwickelten. Aber auch dann blieb die „Bilderschrift“ der Steinkreuze für die meisten Menschen wichtig, denn Bücher und Texte lesen konnten damals nur wenige aus der Oberschicht. Das Gute an den steinernen Kreuzen: Ihr Zeugnis des christlichen Glaubens überdauerte viele hundert Jahre schon jeden Sturm und jedes Unwetter. Sie erheben auch heute noch ihre Stimme, stehen unverrückbar und unübersehbar in der irischen Landschaft – im Gegensatz zu ihren Gestaltern, die schon längst für immer schweigen. Amen

    Gebet:

    HERR, unser Gott, offenbare DICH in unserer Welt, dass DIR Loblieder gesungen werden für DEINE Gnade und Liebe.

    HERR unser Gott, gib DEINEN Kirchen und Gemeinden DEINEN Geist, der sich hören lässt in unserem Zusammenleben.

    HERR, unser Gott, hilf, dass unsere Worte verbinden statt zu verletzen, dass unsere Gedanken nutzen statt zu schaden und unser Handeln anderen weiterhilft.

    HERR, unser Gott, lehre uns, den Klang der Stille zu hören, in der nur DU sprichst. Und wenn unter uns alles laut ist von Schreien und Klagen, dann schenke uns Worte, die Vertrauen schaffen und Taten, die Erleichterung verschaffen.

    HERR, unser Gott, komm mit DEINER Kraft in unser Leben, sei bei den Kranken, trage die Unheilbaren und erwecke die Sterbenden in der Heimat bei DIR. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum Sonntag Jubilate (3. Sonntag nach Ostern) 25. April 2021

    Von ev. Pfarrer Jörg Reichmann, Pößneck

    Schriftwort: Psalm 71,5

    »DU bist meine Zuversicht, HERR, mein Gott,

    meine Hoffnung von meiner Jugend an.«

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Jubilate! Jubelt, Lobet ihr Völker unseren Gott! So heißt es im 66. Psalm, der zum 3. Sonntag nach Ostern gebetet wird. Auch sonst ist das Lob Gottes in den Gottesdiensten aller Gemeinden ein wesentlicher Schwerpunkt. Aber wie sieht es damit im täglichen Leben aus? Und gerade jetzt in dieser Krisenzeit?

    Bei Kurt Tucholsky findet sich der Satz: „Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenn’s ihm gut geht, und eine, wenn’s ihm schlecht geht. Die letztere heißt Religion.“ Oder bildhafter ausgedrückt: „Mit der Kirche (dem Glauben) ist es wie mit der Feuerwehr. Gut zu wissen, dass es sie gibt. Aber noch besser, wenn man sie nicht braucht.“ Wieso also Gott loben, wenn einem im Alltag nicht allzu viel dazu einfällt? Oder ganz im Gegenteil: Viel zu vieles einfällt, was einem schon den Gedanken an das Gotteslob unmöglich zu machen scheint?

    Wer loben und preisen will, der muss sich erst einmal das Herz und die Sinne erleichtern, durchatmen und die Last ablegen können. Wie das gehen kann? Auch wieder ein alter Spruch aus der Volksweisheit, der es auf den Punkt bringt: „Not lehrt beten.“

    Das ist ein Spruch, in dem sich die Lebens- und Glaubenserfahrung von Generationen widerspiegelt. Ja, es ist wahr, dass Menschen ihre Klage und ihre Bitten in der Not vor Gott bringen und oft Halt und Stärkung erfahren, zur Ruhe finden und neuen Mut für ihr Leben fassen können. Dennoch bleiben Fragen offen: Wie groß muss die „Not“ sein, dass sie die Menschen das Beten lehrt? Und was empfinden die Leute als „Not“? Vor knapp 32 Jahren waren die Kirchen voll, als die DDR ihre letzten Wochen und Tage erlebte. Die Menschen hatten zurecht Angst vor einem Gewaltausbruch des untergehenden Staates und sammelten sich zu Friedensgebeten. Es gab Gott sei´s gedankt nur ganz wenige Verletzte und keinen Toten zu beklagen. Manche sagen, ich soll nicht immer von früher erzählen. Finde ich aber wichtig – und außerdem ist das ganz normal, wenn man älter wird. Dabei ist mir allerdings die Sichtweise des Beters unseres Psalmverses wichtig: Du bist meine Zuversicht, HERR, mein Gott, meine Hoffnung von meiner Jugend an.“ Von früher zu erzählen als einer Geschichte von Hoffnung, Zuversicht und Bewahrung, darauf kommt es an, nicht nur in der persönlichen Lebensgeschichte. Denn diese ist immer auch verbunden mit der Geschichte meiner Mitmenschen, sogar mit der meiner Vorfahren, auch wenn mir das im Alltag kaum bewusst ist.

    Ja, es ist eine große Not, dass die Pandemie viele tausende schwer krank gemacht hat und leider auch schon tausende Tote zu beklagen sind. Und diese Not lehrt beten, unbedingt. Sie führt zum Gebet in allen seinen Formen: Zum Bitten um Zuversicht und Hoffnung, um Trost und

    Foto: Privat (J.Reichmann)

    Beistand für die Erkrankten und die Angehörigen der Verstorbenen, ja für die Verstorbenen selbst, dass sie geborgen seien in Gottes Ewigkeit. Zur Klage über die Hartnäckigkeit des Virus und die Angst vor Ansteckung oder einen schweren Krankheitsverlauf, über die Anstrengung und die Schattenseiten des Lockdowns für die Familien, über die Einsamkeit der Menschen vor allem in den Pflegeheimen. Aber auch zum Dank für alles, was den Schaden begrenzen kann und vor allem für die Menschen, die sich unermüdlich um die Erkrankten kümmern in den Krankenhäusern und Heimen. Und natürlich auch für alles erwachende Leben in der Natur, das unseren Alltag schöner macht.

    Ihnen fallen bestimmt noch viel mehr Anlässe und Gründe für ein Gebet in dieser Zeit ein, da bin ich mir sicher. Wir beten anders als vor gut 30 Jahren, als die Gotteshäuser die vielen Menschen kaum fassen konnten. Aber wir wissen uns auch ohne „Präsenzveranstaltungen“ verbunden mit unseren Mitchristen nicht nur in unserem Land. Und dafür können wir auch aus ganzem Herzen unseren HERRN loben und preisen. „Du bist meine Zuversicht, Herr, mein Gott, meine Hoffnung von meiner Jugend an.“

    Gebet:

    HERR, unser Gott, wir vertrauen darauf: DU hörst unsere Klagen, worunter wir leiden und schweigen und oft ratlos sind.

    HERR unser Gott, wir bitten DICH: um DEIN Licht für unsere Gedanken und Gefühle, für unser Tun und Lassen.

    HERR, unser Gott, DIR legen wir besonders an Herz: die Einsamen, die Verbitterten, die Sprachlosen, die Entmutigten.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH: Schenke uns Kraft und Mut, dass durch uns Menschen aufatmen können in DEINER Liebe.

    HERR, unser Gott, wir danken DIR für jedes Zeichen der Hoffnung in unserer Welt, für die Schönheit DEINER Schöpfung und das Geheimnis des Lebens.

    Großer und gütiger Gott, wir loben und preisen DEINEN Namen, wie es unsere Vorfahren getan haben und unsere Nachfahren tun werden bis in Ewigkeit. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht für die 3. Woche nach Ostern, 18. bis 24. April 2021

    Schriftwort: Römer 8,37 (Lehrtext Montag, 19.4.2021

    In dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat.

    Gedanken zum Text

    Ursprünglich schrieb Paulus diese Worte an die Christengemeinde in Rom sehr wahrscheinlich zurzeit des Kaisers Nero, der als brutaler Christenhasser unrühmlich in die Geschichte eingegangen ist. „Überwinden“ – dieses Wort bleibt als erstes im Gedächtnis, wenn wir diesen Satz des Apostels Paulus lesen oder hören. „We shall overcome – wir werden überwinden“ sangen viele Jahrhunderte später die unmenschlich behandelten Sklaven auf den Baumwollplantagen in den Südstaaten der USA. In den 1980er Jahren erlebte dieses geistliche Lied auch in der zu Ende gehenden DDR eine große Beliebtheit in kirchlichen Gruppen. Überwinden“ – das klang wie himmlische Musik in den Ohren der verfolgten Christen, der geschundenen Sklaven und aller Menschen, die unter ungerechten gesellschaftlichen Verhältnissen oder Staatsregimen zu leiden haben. Die Notlage zu überwinden – das wünschen wir uns auch nach mehr als einem Jahr Pandemie. Ja, es ist tatsächlich eine Notlage. Denn allein in Europa sind schon mehr als eine Million Menschen durch diese Krankheit gestorben. Auch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Spätfolgen lassen sich heute noch gar nicht erahnen. Können wir auch für uns heute den Satz des Paulus hören? „In dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat.“

    Überwinden“ heißt durchmachen, sich auseinandersetzen und am Ende einen Weg finden, der ins Leben führt – auch wenn es viel Kraft und Zeit kostet. Gelingen kann das aber nur im Vertrauen auf Jesus Christus, legt uns Paulus ans Herz. Je größer die Not, umso wichtiger ist diese Gewissheit. Deshalb schreibt Paulus gleich im nächsten Satz: Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

    Wir werden überwinden, weil uns nichts trennen kann von Gottes Liebe, die wir durch Jesus Christus erfahren können. Was auch kommen mag.

    Foto: J. Reichmann

    Gedanken zum Bild:

    Ein Felsblock, auseinander geplatzt durch die Kraft des Wassers, wird zum Ort des Lebens. Gras beginnt im Spalt zu wachsen, geschützt vor der rauen Witterung. Aber auch auf der Steinfläche selbst halten sich tapfer Flechten und leuchten in ihrer eigenen Farbe. Unscheinbar das Ganze am Wegesrand – kaum jemand nimmt es wahr, dieses kleine Wunder der Lebenskraft. Und doch wird es zum Zeichen der Zuversicht für jeden, der es sehen kann. Gehen wir gerade in unserer Gegenwart aufmerksam durch die Natur, werden wir sehr viele dieser Zeichen entdecken. Gut, dass uns die Natur in diesem Jahr etwas mehr Zeit dafür lässt, weil nicht alles auf einmal grünt und blüht. Schließlich heißt es in einem schönen Volkslied: „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus…“ – und nicht: „Der März ist gekommen…“, wie wir es in den vergangenen Jahren immer erlebten.

    Gebet:

    HERR, unser Gott, DU bist der gute Hirte, der mit uns geht auf allen unseren Wegen. Wir bitten DICH für alle, die gern glauben möchten, sich aber schwer tun angesichts ihrer Lebenswirklichkeit.

    HERR, unser Gott, hilf uns, die Spuren DEINES Lichtes in unserer Welt zu erkennen und Hoffnung zu schöpfen aus DEINEM Wort.

    HERR, unser Gott, DU hast uns gerufen in DEINEN Dienst. Wir bitten DICH um DEINEN Geist, dass wir in unserem Tun und Reden DEINER Wahrheit den Weg bereiten.

    HERR, unser Gott, wir klagen DIR die vielen Toten der Pandemie und bitten DICH: Nimm sie auf in DEINE Ewigkeit und stehe ihren Angehörigen bei in der Zeit der Trauer und des Loslassens.

    HERR, unser Gott, hab acht auf uns und schenke uns Geduld und Kraft, dass wir auch aufeinander achten. Halte uns unter DEINER Geborgenheit und lass Frieden werden in unserer Welt.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum Sonntag Misericordias Domini (Sonntag vom guten Hirten) 18. April 2021

    Schriftwort: Markus 9,23

    Jesus Christus spricht: „Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Dieses Wort Jesu hallt uns in den Ohren in unserer Zeit, in der so vieles vorübergehend nicht möglich ist. Die Einschränkungen unserer Lebensmöglichkeiten und gewohnten Freiheiten belasten auf die Dauer alle und einige treiben sie wirtschaftlich bedrohlich in die Enge. Es scheint auch fast kein anderes Gesprächsthema mehr zu geben, weil sich jeder wünscht, die Pandemie möge so bald wie möglich vorbei sein. Da hinein also spricht Jesu Wort: „Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“

    Weltfremd! – sagen die einen. Das klingt doch so, als gelten für die Glaubenden keinerlei Einschränkungen! Der Glaube schützt doch nicht vor Ansteckung mit gefährlichen Krankheiten!

    Mal wieder typisch! – sagen die anderen. Die Glaubenden halten sich für etwas besseres! Kirche besteht halt immer wieder auf ihrer Extrawurst in der Gesellschaft…

    Eines ist klar: Dieser Satz Jesu hat es in sich und kann gründlich missverstanden werden, tatsächlich auch zur Weltflucht und oder völligen Selbstüberschätzung derer führen, die ihn im Munde führen.

    Das kann allerdings nur geschehen, wenn er aus dem Zusammenhang seiner Geschichte gerissen wird – der Geschichte der Heilung eines besessenen Jungen (Markus 9, 14-29). In dieser Geschichte geht es nicht um Glaube gegen Wissen oder die Möglichkeiten Auserwählter, sondern um Leid und Hilflosigkeit, enge Grenzen und Versagen, tief eingebrannten Zweifel und was dann wirklich neue Lebensmöglichkeiten schaffen kann. Ein Junge leidet unheilbar an Epilepsie, war schon mehrfach in akuter Lebensgefahr. Der Vater muss hilflos zuschauen. Die Jünger versagen bei dem Versuch, den Jungen zu heilen. Der Vater hat zu viele Enttäuschungen erleben müssen. Noch nicht einmal mehr Jesus selbst kann er mit Vertrauen begegnen. „Hilf, wenn du kannst!“, sagt er zu IHM. Jesus ist entsetzt, wie tief die eigene erlebte Hilflosigkeit Menschen in Zweifel stürzen kann und macht SEINEM Entsetzen Luft. Dann sagt ER:„Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“ Ein Wort, größer noch als der Zweifel tief ist. Ein Wort, an dem sich der geplagte Vater ebenso aufrichten kann wie die erfolglosen Jünger. Ein Wort, das Hoffnung und Zuversicht schenkt, wo es nach Menschenmöglichkeit nichts mehr zu hoffen gibt.

    Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“ Es ist möglich, Mensch zu bleiben in der Krise. Es ist möglich, aus dem Vertrauen in Gottes Liebe Hoffnung zu schenken und Zuversicht, wenn alle murren und klagen, wenn die einen an ihre Grenzen kommen und die anderen keinem mehr trauen. Also weder weltfremd noch Extrawurst, sondern das Wort Christi auch genau für unsere Zeit.

    Foto: Privat (J.Reichmann)

    Manchmal braucht es dringend einen Perspektivwechsel – so wie für den Vater des Jungen. Und wenn der Blick erstarrt ist, braucht es das ganz große Panorama, das über den Alltag hinausweist. „Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“, sagt Jesus. Im Psalm 121 klingt das so: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.“

    Dieses Vertrauen, diese Gewissheit gab dem Beter des Psalms Halt und Trost in seinem Leben. Wir wissen nichts über sein Schicksal. Aber wir können davon ausgehen, dass seine Lebenszeit ganz bestimmt nicht einfacher und bequemer war als die unsere. Sorgenfrei war sie auf keinen Fall. Was hindert uns also daran, wie er auch in der Größe und Schönheit der Schöpfung die Größe und lebensspendende Macht unseres Gottes wahrzunehmen? Das wünsche ich uns allen in dieser herausfordernden Zeit ganz besonders.

    Amen

    Gebet:

    HERR, unser Gott, wir danken DIR für alle Bewahrung und DEINE bergende Liebe, die wir erleben dürfen in der Gemeinschaft der Mitmenschen.

    HERR unser Gott, DU bist uns nahe in Jesus Christus, dem guten Hirten. Wir bitten DICH für die Menschen, die in unserer Zeit Verantwortung übernehmen für andere, die ihnen anvertraut sind. Schenke ihnen Geduld und Freude an ihren Aufgaben.

    HERR, unser Gott, DU guter Hirte, wir bitten DICH für alle Ausgegrenzten und Einsamen, für alle Trauernden und Leidenden, dass ihnen Menschen begegnen, die ihnen beistehen.

    HERR, unser Gott, DU guter Hirte, wir bitten DICH für alle Zweifelnden und Verzweifelten, für alle, die sich verloren glauben im Dickicht dieser Zeit, gehe ihnen nach durch Menschen, die sich ihrer annehmen.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht für die 2. Woche nach Ostern, 11. bis 17. April 2021

    Schriftwort: Esra 6,22 (Losung von Mittwoch, dem 14. April)

    Der HERR hatte sie fröhlich gemacht.

    Gedanken zum Text

    Ein kurzer Satz aus einem weitgehend unbekannten biblischen Buch begegnet uns in dieser Woche in den Herrnhuter Losungen. Ein Satz, über den wir stolpern. Zum einen scheint er so gar nicht in unsere gegenwärtige Situation zu passen. Denn ehrlich: Wer findet noch fröhlich, was uns seit über einem Jahr in Atem hält? Da kenne ich niemanden. Und zum anderen hängt dieser kurze Satz quasi in der Luft. Sein Hintergrund fehlt uns völlig und so fällt es uns schwer, ihn für uns zu hören.

    Dabei könnten wir, wenn wir ihm nachgingen, wie durch ein Fenster in eine Zeit und zu einem Ereignis schauen, das auch uns heute viel zu sagen hat: Wir sehen das Volk Israel vor uns. Genauer: Den Rest des Volkes, der aus der siebzigjährigen (!) Verbannung in Babylon in die alte Heimat zurückgekehrt ist. Die Urenkel derer, die einst verschleppt wurden, stehen vor den Trümmern der Stadt Jerusalem, müssen in ihnen hausen und gleichzeitig den Wiederaufbau meistern. Das kann nur gelingen, wenn sie sich einig sind. Und Einigkeit kann nur über das Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen, das im Glauben an den einen Gott begründet ist. Also bauen sie auch den Tempel wieder auf. Eine Herausforderung, die ihre Kräfte aufs Äußerste in Anspruch nimmt und am Ende gegen alle Widerstände auch gelingt. Der Höhepunkt ist das erste feierliche und frohe Pessachfest im wieder aufgebauten Tempel, Erinnerung an die Befreiung des Volkes durch Gott aus der ägyptischen Sklaverei und jetzt natürlich auch aus der babylonischen Verbannung.

    Der HERR hatte sie fröhlich gemacht. Der HERR hatte sie über die lange Zeit der Verbannung bewahrt und ihnen beigestanden in der schweren Zeit danach. Das Entscheidende war, dass sie trotz allem Leid und aller Schwierigkeiten festhielten am Glauben. Kann uns das nicht auch Zuversicht und Hoffnung geben in unserer Situation?

    Foto: J. Reichmann

    Gedanken zum Bild:

    Blühende Christrosen im Sonnenschein, Vorboten des Frühlings in diesem Jahr. Christrosen werden sie genannt, weil in manchen Jahren die ersten Blüten sogar schon um Weihnachten herum zu sehen sind. Diese Aufnahme entstand kurz vor dem Osterfest. Auch ein schönes Symbol, dachte ich, dass zu diesem Zeitpunkt die Christrosen blühen. Gerade in diesem Jahr, in dem wir uns so nach Farben und Abwechslung und Lebendigkeit sehnen. Ja, wer sich umschaut in der nun immer stärker erwachende Schöpfung, kann fröhlich werden und aus ganzem Herzen sagen: Der HERR hatte sie fröhlich gemacht. Gut ist, wenn uns dieser Blick im allgemeinen Betrieb und der sich ziehenden Geduldsprobe der Pandemie erhalten bleibt. Auch das ist eine Gnade und Grund zum Danken.

    Gebet:

    HERR, unser Gott, DU Gott des Lebens, DU hast DEINEN Sohn Jesus Christus auferweckt, damit auch wir leben. Wir bitten DICH: Lass uns den Sieg des Lebens wahrnehmen und spüren.

    HERR, DU Gott des Lebens, wir bitten DICH: Schenke uns wache Augen, damit wir die Spuren DEINER Liebe auch in unserem Leben entdecken.

    HERR, DU Gott des Lebens, schenke uns Mut und Kraft, damit wir mit unseren Möglichkeiten dazu beitragen können, das Leben zu schützen und zu bewahren.

    HERR, DU Gott des Lebens, weite unseren Horizont, dass wir DEINE Gnade erkennen in jedem Brot, das wir essen und in jedem Menschen, der mit uns das Leben teilt.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht für die Karwoche, 28. März bis 3. April 2021

    Die zwölfte Station: Jesus stirbt am Kreuz

    Schriftwort: Johannes 3, 14b + 15 (Wochenspruch)

    Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

    Gedanken zum Text

    Höhen und Tiefen gibt es in jedem menschlichen Leben – und oft liegen sie nur ganz kurze Zeit auseinander. Die letzten Lebenstage Jesu sind ein eindrückliches Beispiel dafür: Als der Gesalbte des Höchsten, wie ein König wird ER mit großem Jubel der Massen in Jerusalem empfangen, so schreiben die Evangelien. Palmwedel werden geschwenkt, wie ein Teppich ausgebreitete Obergewänder schützen IHN vor dem Staub des Weges. Höher kann ein Mensch kaum steigen im Ansehen seiner Mitmenschen. Dass die römischen Sicherheitskräfte das Treiben argwöhnisch beobachteten, dürfen wir sicher annehmen. Unmittelbar danach ein Stück Alltag: SEINE Jünger und ER tauchen ein in das Gewimmel der Menschen in der Stadt, die sich auf das größte Fest des Jahres vorbereitet. Plötzlich taucht ER wieder auf, im Tempel, wo ER die gewohnten Abläufe und vor allem das lohnende Geschäft im Vorhof empfindlich stört. Jetzt steht ER endgültig im Fokus der Sicherheitskräfte. Nach außen hin ist noch alles normal, das Festessen am Sederabend wird gebührend vorbereitet. Aber es liegt bereits eine unheilvolle Spannung in der Luft, die sich nur wenige Stunden später Schlag auf Schlag entladen soll:

    Verrat, Verhaftung, Verhöre und Folter die ganze Nacht lang, morgens der Schauprozess mit bezahlten Schreihälsen im Publikum, das Todesurteil und am selben Tag noch die öffentliche Hinrichtung am Schandmal des Kreuzes. Tiefer kann ein Mensch nicht fallen in den Augen seiner Mitmenschen.

    Dass dieser abgrundtiefe Fall unverzichtbar war für das nachfolgende Wunder, wurde den Christen erst geraume Zeit später bewusst. Erst, als sie das Leben und Sterben Jesu im österlichen Licht sehen konnten, dämmerte ihnen, welches Wunder da geschehen war. Der Evangelist Johannes gehört wahrscheinlich zur vierten Generation der Christen. Er kann es ganz knapp und präzise beschreiben: Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

    Grafik: J.Reichmann

    Gedanken zum Bild:

    Die Henker leisten ganze Arbeit. Sie hieven den Querbalken mit dem Verurteilten daran am Längsbalken hoch. Sie hängen den Querbalken ein in den Haken des Längsbalkens. Sie verdrehen den Körper Jesu so, dass sie sein Gesäß auf das schmale Sitzbrett pressen können. Sie drehen die Beine seitlich zum Längsbalken übereinander und nageln sie an mit einem einzigen riesigen Nagel durch beide Knöchelgelenke. Langsam soll der Tod kommen, ganz langsam. Die nach hinten oben gezerrten Arme erschweren die Atmung. Dazu die Erschöpfung nach der Folter, die Tageshitze.Und plötzlich, so um die sechste Stunde Jesu am Kreuz, wird es Nacht mitten am Tag. Die Sonne verfinstert sich zunehmend. Die Schaulustigen sind längst gegangen. Nur die Wache steht noch da und in einiger Entfernung Jesu Mutter, seine beste Freundin und sein bester Freund. Da hören wir vom Kreuz die Stimme Jesu: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Eli, Eli, lama `azavthani?! Und dann greift die Stille des Todes nach den Herzen der Menschen.

    Der Moment des Todes, Geheimnis im eiskalten Schauer für die Weiterlebenden. Bis zum Ende bleiben nicht viele, weichen lieber aus, drängen die Gewissheit des eigenen Todes beiseite. Früher war es üblich, dass sich oft sogar die ganze Familie am Sterbebett versammelte, oder dass der Mensch wenigstens in seinen vertrauten vier Wänden sterben konnte. Das gibt es heute oft nicht mehr. Immer mehr Menschen sterben in Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Der Tod ist nur noch interessant, wenn das Sterben spektakulär ist wie auf der Autobahn. Aber was kann es für den sterbenden Menschen für ein Liebesdienst sein, wenn er oder sie gewiss sein kann: Auch wenn ich diesen Weg gehen muss: Ich bin nicht allein. Ein lieber Mensch ist mit im Raum. Ich kann seine Nähe spüren, auch wenn nichts mehr geht, außer die Hand zu halten. Und der da am Kreuz stirbt, ist Jesus Christus, Gottes Sohn. Heißt das denn nicht, dass Christus auch unseren allerletzten Weg mitgeht? Dass wir diesen Weg nicht allein gehen müssen, wenn wir ihm vertrauen können?

    Gebet:

    HERR, unser Gott, hab Dank, dass DU DICH zeigst unter uns Menschen. Wir bitten DICH: Lass uns DEIN Angesicht auch entdecken in denen, die fragen und klagen, verbittert sind und verstört.

    HERR, lass uns erkennen, dass DU handeln willst in Schritten, die wir auf Menschen zugehen, die nach DIR rufen und durch unsere Hände, die wir denen reichen, die Hilfe brauchen.

    HERR, wir bitten DICH, nimm in DEINE Hände, was uns belastet und hindert, DIR zu vertrauen – die Angst und das Misstrauen, die dunklen Gedanken.

    HERR, wir bitten um DEIN Erbarmen für alle Menschen, die in Krankheit oder Alter auf den Tod zugehen. Schenke ihnen die Kraft, zu klären und anzusprechen, was ihnen den Weg erschwert.

    HERR, hilf uns, in denen, die leiden und in denen die sterben unsere Schwestern und Brüder zu erkennen, die mit uns auf dem Weg in DEINE Ewigkeit sind.

    HERR, wir danken für alle Menschen, die die Kraft haben, den Sterbenden bis zum letzten Augenblick ihres Lebens beizustehen. Amen

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 6. Sonntag der Passionszeit, Palmarum 28. März 2021

    Die elfte Station: Jesus wird ans Kreuz genagelt

    Schriftwort: Lukas 23, 34 (Lehrtext Mittwoch, 31.3.2021)

    Jesus sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun.

    Gedanken zum Text:

    Doch, Jesus, möchten wir IHM aus unserer menschlichen Erfahrung ganz unbedingt widersprechen: Die wussten ganz genau, was sie tun, als sie DICH per Justizmord aus dem Weg räumten. Das machen die nämlich immer so und werden es nie anders machen, die Diktatoren und ihre Helfershelfer dieser Welt: Sie bringen jeden mit Gewalt zum Schweigen, der ihnen nicht in den Kram passt. Der bekommt das Schild „Staatsfeind“ oder „Klassenfeind“ umgehängt oder „Saboteur“ oder „Ungläubiger“, bevor er umgebracht wird. Damit jeder sehen kann, was passiert, wenn…Einschüchtern wollen sie, Angst verbreiten, mit voller Absicht – und meist auch mit vollem Erfolg.

    Das war nicht anders damals bei DEINEN Jüngern. Nur ein einziger, so schreiben die Evangelien, sei unter den Zuschauern am Kreuzigungsplatz gewesen. Lebensgefährlich für ihn, sobald er erkannt worden wäre. Alle anderen hatten sich versteckt im Gewühl der überfüllten Stadt, verstört, entsetzt, plan- und hilflos. Eben noch mit so viel Hoffnung und blühenden Träumen vom Sieg des Messias unterwegs, wurden sie hinein gerissen in den Strudel der Ereignisse, auf dessen Grund sie die Todesangst packte. Wieder einmal schien die Verbindung aus staatlicher Macht und Gewalt unbesiegbar zu sein.

    Was für eine Gnade, in einer Gesellschaft leben zu können, in der jeder das Recht hat, völlig angstfrei seine Ansichten und Gedanken zu äußern, auch wenn sie noch so abgedreht erscheinen mögen. So lange sie die Freiheit der Andersdenkenden respektieren, gibt es keine Grenzen. Aber noch einmal zurück zu Jesus: Was meint ER mit SEINER Bitte, wenn die Mächtigen genau wussten, was sie taten? Wussten sie wirklich, dass sie da den Sohn des EWIGEN selbst ans Kreuz nageln ließen? Sicher nicht. Für sie war Jesus nichts weiter als ein einfacher Kerl, ein lästiger Störenfried mit unklaren, religiös überhöhten Ansichten, dem die armen Schlucker und die Ausgestoßenen hinterher liefen. Den zu beseitigen, sahen sie als ihr Recht, ja sogar ihre Pflicht an im Sinne der Ordnung. Dass die Hinrichtung Jesu ein Angriff gegen Gott selbst sein könnte, wäre ihnen niemals in den Sinn gekommen. So bekommt Jesu Bitte um Vergebung für SEINE Peiniger einen ganz tiefen Sinn, der noch in anderer Hinsicht bedenkenswert ist:

    Wie viel Leid tun Menschen einander an aus blankem Unwissen. Wie oft fällt im Gespräch irgendeine flapsige Bemerkung, die den anderen zutiefst verletzt, weil der Sprecher einfach nicht weiß, welche innere Wunde er mit seinen Worten aufgerissen hat. Und das setzt sich im Großen fort. Rassismus zum Beispiel hat nicht nur etwas mit Vorurteilen zu tun, sondern ganz wesentlich auch mit Unwissen. Die Unwissenden nicht abzuurteilen, sondern sie als Mitmenschen zu achten, dazu fordert uns Jesu Bitte auf.

    Gedanken zum Bild:

    Wir kommen aus unserer Zuschauerrolle nicht heraus. Wir können nicht einfach mit der Fernbedienung das Programm wechseln. Was da gleich neben uns geschieht, hat längst jeden Unterhaltungswert verloren. Ohrenbetäubend die Hammerschläge des Henkers. Spüren wir nicht förmlich am eigenen Leib, wie sich die Spitze des kantig geschmiedeten Nagels zentimeterweise durch Haut, Fleisch und Knochen bohrt? Unsägliche Schmerzen hat Jesus zu ertragen und ich bin mir sicher: Jetzt, nach der Nacht im Folterkeller und dem schier endlosen Weg hierher auf die Hinrichtungsstätte, fehlt ihm jede Kraft zur Tapferkeit. Ich wünsche ihm nur, dass der Schmerz ihm in diesen schrecklichen Minuten das Bewusstsein raubt. Denn nur so, durch sein Schweigen, kommt vielleicht so mancher Zuschauer vielleicht doch noch zum Nachdenken. Der Henker an seiner Seite allerdings nicht. Der macht nur seinen Job, wie alle Henker dieser Welt. Eiskalt und ohne eine Sekunde darüber nachzudenken, was er da gerade tut. Er ist ja nur der anonyme Vollstrecker des Todesurteils. Er folgt seinem Befehl.

    Befehle, Anordnungen, Dienstverordnungen geben Sicherheit. Da weiß der Soldat, was er zu tun hat. Alles ist klipp und klar geregelt und die Verantwortung für sein Tun trägt dann ja auch der Befehlsgeber, oder? Jedenfalls sahen das viele Angeklagte in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen nach dem Ende der Nazidiktatur so und meinten, damit auch nicht schuldig zu sein. Wenn ich bedenke, wie viel Unheil und Grauen durch gut funktionierende Befehlsketten über Menschen gebracht wurde und in vielen Staaten dieser Welt immer wieder gebracht wird! Die Folterknechte aller Zeiten und Länder lassen grüßen bis zum heutigen Tag. Und nicht nur die, gleich kommen die Terroristen aus ihren finsteren Löchern, denn auch sie sind hörig einer bestimmten Wahnvorstellung oder einem geheimen Befehlshaber, der ihnen den Auftrag zum Anschlag erteilt. Wird denn die Gewalt nie aufhören in dieser Welt? Drohgebärden, Säbelrasseln, Aufrüstung, Auslandseinsätze lassen nichts gutes ahnen. Manchmal ist es doch kaum zum Aushalten: Hilflos und ohnmächtig zusehen zu müssen, wie Katastrophen ihren Lauf nehmen, wie Wege zum Frieden immer wieder erfolglos bleiben. Warum sind wir Menschen so wenig lernfähig, selbst nach weltumspannenden Katastrophen nicht? Warum hören wir nicht zu, wenn Menschen wie der Dichter Heinrich Böll aus eigener bitterer Lebenserfahrung sagt: Ein Soldat, der anfängt zu denken, ist schon fast keiner mehr.?

    Gebet:

    HERR Jesus Christus, DU Trost der Liebe, gib unserer Art zu leben von DEINEM Glanz und DEINER Schlichtheit. Nimm uns mit auf DEINEM Weg durch das Tor zum Leben.

    HERR, wir bitten um DEIN Erbarmen für alle Menschen, die von anderen aufs Kreuz gelegt werden, festgenagelt und ausgeliefert.

    DICH bitten wir für alle, die Befehle geben müssen in dieser Welt, dass sie dabei auf ihr Herz und Hirn hören und für alle Befehlsempfänger, dass sie ihrem Gewissen verpflichtet bleiben.

    HERR, gib uns die Kraft zu DEINER Art der Sanftmut. Wir danken DIR für alle Menschen, die Wege zum Frieden suchen.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 5. Sonntag der Passionszeit, (Iudica), 21. März 2021

    Die neunte Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

    Schriftwort: Matthäus 20,28 (Wochenspruch)

    Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass ER sich dienen lasse, sondern dass ER diene und gebe SEIN Leben als Lösegeld für viele.

    Gedanken zum Text:

    Mit Lösegeld werden Gefangene freigekauft, Übeltäter und Verurteilte. Daraus ergeben sich eine Reihe von Fragen: Wer sind die Verurteilten und wessen werden sie beschuldigt? Wer hat sie angeklagt und in Haft genommen? Das einzige, was fraglos klar ist: Das Lösegeld bezahlt der Menschensohn – aber warum mit SEINEM Leben? Die erste Frage hat eine sehr unangenehme Antwort: Die Verurteilten sind wir. Und gleich die Antwort auf die zweite Frage: Der EWIGE selbst klagt uns an. Und zwar, weil wir immer wieder tun, was wir unbedingt unterlassen sollen und unterlassen, was wir unbedingt tun sollen. Unser Leben ist ein Hin und Her zwischen guten Taten und bösen Gedanken, aus Wertschätzung gegenüber den einen und Schadenfreude gegenüber den anderen. Es ist ein Gemisch aus Liebenswürdigkeit und Selbstsucht. Da kommen wir nicht wirklich raus. Darüber hinaus sind wir auch noch vergesslich – Gott gegenüber. Leben und entscheiden so, als ob es IHN nicht gäbe und wundern uns, was dabei herauskommt: Hass und Gleichgültigkeit statt Verständnis und Liebe in Familien, unter Mitmenschen, ungezählte verpasste Momente zur Versöhnung, Vorurteile und Rechthaberei ohne Ende – kurz: verschwendetes, verfehltes Leben. ER hat also allen Grund, uns haftbar zu machen und unwiderruflich ins Verderben rennen zu lassen.

    Aber ER weiß auch, dass wir es aus eigenem Willen und eigenen Möglichkeiten niemals schaffen, über unseren Schatten zu springen und alles wieder in Ordnung zu bringen. Deshalb bringt ER es von sich aus wieder in Ordnung.

    Der Preis ist allerdings sehr hoch, für Menschen unvorstellbar hoch: ER selbst wird Mensch in Christus und durchlebt am eigenen Leib alles, was Menschen einander antun können. Schimpf und Schande, Qual, Folter und Tod – nichts bleibt IHM erspart. Und doch unterliegen am Ende Bosheit, Hinterlist und Gewalt. Der Sieg gehört der Liebe Gottes, die stärker ist als der Tod, die Mut und Kraft für das Leben schenkt für alle, die ihr vertrauen können.

    Grafik:. J.Reichmann

    Gedanken zum Bild:

    Schon wieder stürzt Jesus unter dem Kreuz. Jeder Meter des Weges hat ihn zermürbt. Und jetzt hat ihn die Last des Kreuzbalkens sogar der Länge nach zu Boden geworfen. Eingeklemmt ist sein Kopf, das Gesicht liegt im Dreck. Was für eine Schmach! Die Schadenfrohen kommen jetzt voll auf ihre Kosten! Seht ihn euch doch an, dieses Häufchen Unglück! Den haben seine Anhänger für den Messias gehalten?! Die müssen doch blind und dumm gleichzeitig gewesen sein! Aber wer wie Jesus ganz am Boden liegt, den erreichen die Hohnrufe und das bösartige Lachen der Spötter nicht mehr wirklich. Der ist völlig erledigt, um den wird es dunkel und kalt. Wer einsam und am Boden ist, spürt die Kälte bis auf die Knochen, kann sich nicht mehr wehren, will nur noch, dass es so schnell wie möglich vorbei ist, nimmt sein Schicksal an, ist bereit zu sterben… Aber das alles heißt nicht, dass Jesus aufgeben würde. ER wird sich wider allen Spottes und wider aller Berechnung noch einmal mit allerletzter Kraft aufrichten, um SEINEN Weg bis zum Ende zu gehen. ER geht ihn unter Peitschenhieben und Gejohle zwar, aber doch in der Annahme SEINES Leides so großartig und einmalig. Und auf einmal wird allen, die nur ein wenig Herz und Verstand haben, das armselige und erbärmliche Wesen all seiner Peiniger bewusst. Klar, dass sie sich entlarvt fühlen und jetzt um so heftiger schreien, peitschen und grölen.

    Dreimal fällt Jesus unter der Last des Kreuzbalkens auf seinem letzten Weg. Dreimal – das Maß ist voll und nur noch durch die Vollstreckung des Todesurteils zu steigern, denn jedes mal fällt er ein Stück tiefer. Keine Tiefe, kein Abgrund des Lebens ist ihm fremd, bis hin zur tiefsten Einsamkeit inmitten des Gewühls der Menschen. Jesus in den Tiefen des Lebens, dort, wo die Menschen nach Hilfe schreien, nach Gott. Jesus in den Abgründen des Lebens, wo es keinen Ausweg mehr zu geben scheint. Er geht mit uns Menschen dort hinein und hilft uns dadurch, unser Leid anzunehmen. Und damit nimmt er schon eine gewaltige Last von unseren Schultern und trägt sie selbst. Nicht selten werden Menschen, die ihr Leid wirklich annehmen können, anderen zur Hilfe und zur Stärkung. Von ganz unten so zu sagen, direkt vom Fundament des Lebens aus. Wünschen wir uns das nicht für uns selbst? Unsere Würde bewahren zu können, auch wenn es uns ganz schlecht geht, wenn wir niedergeschmettert am Boden liegen, in jeder Bewegung, in jeder Lebensäußerung angewiesen auf die Hilfe anderer? Kann mir nicht passieren, sagen viele, dass ich jemals in solch eine Situation komme. Doch das Leben zeigt: Ein Unfall reicht aus, eine akute Krankheit oder ein langsames Dahindämmern am Ende des Lebens und aus einer geachteten Persönlichkeit wird ein hilfloser Pflegefall. Die Pflegekräfte in den Heimen arbeiten hart, gerade auch unter den aktuellen Bedingungen und es ist eine Gnade, wenn sie dabei auch den Blick für die Würde der hilflosen Bewohnerinnen und Bewohner wahren können. Amen

    Gebet:

    HERR, unser Gott, DU hast uns durch Jesus Christus berufen zur Hoffnung. DU willst, dass auch durch uns fehlerhafte und unvollkommene Menschen DEIN Reich komme in dieser Welt.

    HERR, unser Gott, ruf uns heraus aus der Furcht und stärke unser Vertrauen in DEINE Liebe, dass wir unser Leben als Gabe für uns und Menschen um uns herum erkennen.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH um DEIN Erbarmen für alle Menschen, die mit ihrer Kraft am Ende sind, dass ihre Würde gewahrt wird und für alle Menschen, die Verantwortung für hilflose Menschen tragen, dass sie ihre Mitmenschlichkeit mit deiner Hilfe bewahren können.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH auch für alle Menschen, die in die Knie gehen, weil sie sich zu viele Lasten anderer aufgebürdet haben und für die, denen von anderen immer mehr aufgebürdet und zugemutet wird.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht für die 4. Woche der Passionszeit, 14. – 20. März 2021

    Die achte Station: Jesus und die weinenden Frauen

    Schriftwort: Apostelgeschichte 4,20 (Lehrtext am 15. März 2021)

    Wir können ´s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.

    Gedanken zum Text

    Lukas schrieb die Apostelgeschichte mehrere Generationen nach Ostern. Inzwischen gab es christliche Gemeinden in fast allen Regionen des römischen Reiches. Diese wurden jedoch zunehmend unterdrückt und verfolgt. Viele verloren den Mut, trauten sich nicht mehr, ihren Glauben zu leben. Mit der Apostelgeschichte wollte Lukas den Christen seiner Zeit Mut machen. Er erinnerte sie an die Anfangszeit, in der die Apostel unterwegs waren und trotz aller Widerstände Gemeinden gründeten. „Wir können ´s ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“ – Selbst gesehen und gehört, selbst miterlebt hatten sie die Zeit mit Jesus und vor allem das Osterwunder, das ihnen die unglaubliche Energie verlieh, in nur wenigen Jahren Gemeinden im gesamten Mittelmeerraum zu gründen.

    Wenn wir die Bibel genau lesen, stellen wir fest: Von Anfang an waren auf diesem Weg Männer und Frauen unterwegs. Frauen, die Jesus als Jüngerinnen gefolgt waren, wurden die allerersten Zeuginnen der Auferstehung. Sie konnten es als erste nicht lassen, von dem zu reden, was sie gesehen und gehört hatten. Selbstverständlich leiteten Frauen wie Lydia in der Anfangszeit nach Ostern auch Gemeinden. Christen lebten in der Nachfolge Jesu gleichberechtigt, ungeachtet ihres Geschlechtes oder ihrer Herkunft – und das ohne Gender – Sprache und behördliche Regulierungspersonen.

    Erst geraume Zeit später setzte sich unter dem Einfluss der Umwelt die Dominanz der Männer auch in der entstehenden Kirche mehr und mehr durch. Allerdings gab es auch Ausnahmen: Radegunde von Thüringen soll im 6. Jahrhundert zur Diakonin geweiht worden sein, als sie Äbtissin des Klosters von Poitiers war. Auch Hildegard von Bingen 600 Jahre später erhielt höchste Anerkennung für ihr geistliches Werk. Es gab im Laufe der Zeit noch einige Frauen mehr, die in den Jahrhunderten aus den gewünschten Rollenbildern in der Kirche ausbrachen. Erst die Umbrüche im vergangenen Jahrhundert führten dazu, dass in vielen Konfessionen heute die Gleichberechtigung wieder gelebt wird.

    G rafik: J.Reichmann

    Gedanken zum Bild:

    Jesus geht die nächsten schweren Schritte auf seinem Weg zur Hinrichtungsstätte. Und wie er sich so dahin schleppt, hört er mitten im Gegröle und dem Geschrei der Soldaten ganz andere Klänge. Frauen stehen unter den Zuschauern, die nach der Tradition seines Volkes die Totenklage angestimmt haben. Ja, sie singen die schwere Melodie und die traurigen Worte und niemand hindert sie daran, denn darauf hatte selbst ein zum Tode Verurteilter wie Jesus Anspruch. Die Melodie erreicht das Ohr Jesu und es gelingt ihm, den Frauen etwas zuzurufen: „Weint nicht um mich, ihr Töchter Jerusalems. Weint über euch selbst und eure Kinder.“ Ein rätselhaftes Wort in diesem Augenblick, ein letztes prophetisches Wort Jesu, wie die Menschen in der christliche Gemeinde Jerusalems etwa 40 Jahre später erkannten. Denn im Jahre 70 unserer Zeit zerstörten die römischen Fremdherrscher nach einem gescheiterten Aufstand den Tempel und die Juden wurden über das ganze römische Reich verstreut. Das war auch die Zeit, in der die reichsweiten Christenverfolgungen begannen.

    Das Leid hört nicht auf und Jesus war nur einer von ungezählten Menschen, die in der Römerzeit qualvoll am Kreuz zu Tode kamen. Aber Jesus ruft den weinenden Frauen zu: Findet euch nicht ab damit, werdet nicht einfach gleichgültig, sondern klagt das Leid an! Klagt, klagt an, beklagt, was immer euch und uns ums Leben bringt, die Zukunft raubt für die Kinder, denn wer klagt, entdeckt in der Klage die Kraft zum Wandel. Dann, nur dann gibt es Hoffnung.

    Klagen will gelernt sein. Denn es unterscheidet sich vom Dauerjammern und vom schmalzigen Selbstmitleid ebenso wie vom raffinierten juristischen Versuch, aus einer Situation das meiste für sich herausholen zu wollen. Klagen dagegen ist ehrlich und konkret und uneigennützig. Wer klagt, der spricht die Not und das Unrecht an, nennt es beim Namen und zeigt, dass er oder sie auch bereit ist, etwas dagegen zu unternehmen. Und echte Klage ist immer auch mit echten Tränen verbunden, weil sie aus einer tiefen Betroffenheit kommt, aus einem Mitgefühl. Gibt es deshalb so wenig oder gar keine echte Klage mehr in unserem Land? Feindbilder, ja, die gibt es zuhauf, damit man drauf los gehen kann. Und vielleicht noch ein paar wenige Intelligenzler, die in scharf satirischem Kabarett ihre Klage hinter schwarzem Humor verstecken. Echte Klage gibt es kaum noch. Wird sie wiederkommen, wenn die Krise noch länger dauert? Und wird sie gehört werden? Echte Klage ist oft nur ganz leise und zu ihr gehören echte Tränen. Die zu zeigen in unserer Gesellschaft, das geht zu weit. Sie passen nicht in unsere Welt der Glücksversprechen und der Gewinnermentalität.

    Da komme ich nicht weit. Ich muss auf den Putz hauen, Lärm machen, mit Forderungen daherkommen, wenn ich etwas erreichen will. Klagen bringt nichts, aber anklagen.

    Kaum jemand traut sich zu weinen, wenn andere es sehen. Echtes Mitgefühl ist selten geworden. Ein Mitgefühl, das Respekt kennt und Anstand, das sich nicht vordergründig um die eigene Darstellung dreht: Ach, was bin ich doch Anteil nehmend und hilfsbereit. Und dabei können echte Gefühle so viel Leid lindern helfen.

    Gebet:

    HERR Jesus Christus, Du bist den Weg des Leides bis zum Ende gegangen. Wir leben davon, dass DU DICH in Liebe für uns hingegeben hast.

    HERR, lass DEINE Liebe unsere Herzen anrühren, damit Verständnis einziehe überall da, wo wir nebeneinander her leben statt miteinander und füreinander.

    HERR, wir bitten DICH, dass unsere Gemeinden zur Heimat werden, in der Trauernde getröstet und Einsame aufgefangen werden.

    HERR, wir bitten DICH um DEIN Erbarmen für alle, die ungerührt am Leid eines andern vorbei gehen oder sehen können. Weite ihre Herzen und öffne ihre Augen.

    HERR, wir bitten DICH für alle, die helfen wollen, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Und für alle, die die ersten Schritte gehen, um sich zu ändern.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andacht
    Andachten

    Andacht zum 4. Sonntag der Passionszeit, 14. März 2021

    Die siebente Station: Jesus fällt zum zweiten mal unter dem Kreuz

    Schriftwort: Johannes 12,24 (Wochenspruch)

    Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein, wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

    Gedanken zum Text:

    Immer wieder diese Frage – der Evangelist Johannes konnte sie wohl schon bald nicht mehr hören: Warum musste Jesus leiden, wenn ER doch Gottes Sohn war, ja sogar Gott in IHM, wie du geschrieben hast am Anfang deines Evangeliums, Johannes? Wenn der EWIGE IHN, den Christus, höchstpersönlich vom Himmel schickt, dann hätte ER das Erlösungswerk doch um einiges eleganter und würdiger gestalten können?! Musste ER unbedingt dabei vor die Hunde gehen? Musste es unbedingt diese schmachvolle Todesfolter am Kreuz sein? Auf diese Art hingerichtet zu werden, war die größtmögliche Erniedrigung eines Menschen im römischen Reich. Und wer einem Gekreuzigten folgte, wer sogar behauptete, dieser sei der Messias, der war in den Augen der Außenstehenden keinen Deut besser. Warum also musste Jesus leiden und sterben?

    Und überhaupt: Ist aus rein menschlicher Sicht nicht jedes Leid, jeder Tod am Ende sinnlos, weil das Leben zerstört wird? Sicher, man kann alles schönreden. Man kann vom „Heldentod“ reden oder vom „Tod auf dem Feld der Ehre“, um der Grausamkeit des Sterbens im Krieg nicht ins Gesicht sehen zu müssen. Auch in Friedenszeiten bemüht man sich, dem Tod einen Sinn zu geben. Neuerdings wird zum Beispiel immer wieder lautstark vom „selbst bestimmten Sterben“ gesprochen. Nach meinem Eindruck verbirgt sich dahinter nichts anderes als die schreckliche Wahrheit eines Selbstmordes aus Hoffnungslosigkeit oder verlorenem Lebenssinn.

    Johannes findet eine Antwort auf die bohrende Frage der Menschen aus seiner Gemeinde. Er erkennt, dass im Leiden und Sterben Jesu eben doch ein Sinn liegt. Und er kann seine Gedanken in einem Vergleich aus dem Leben seiner Zuhörer formulieren, den sie sofort verstehen:

    Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein, wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

    Schaut euch um, wird er dann gesagt haben: Jesus wurde gekreuzigt – und doch finden immer mehr Menschen zum Glauben. Das ist auch heute noch so. Zugegeben: In unserer satten Wohlstandsgesellschaft merken wir seit Jahren nichts davon. Rückläufige Zahlen, geschwundene Erwartungen an Kirche bestimmen das Bild. Und die meisten derer, die überhaupt noch etwas erwarten, denken: „Mit der Kirche ist es wie mit der Feuerwehr. Gut zu wissen, dass es sie gibt. Und noch besser, wenn man sie nicht braucht.“

    In den ärmsten Regionen dieser Welt hingegen wachsen die christlichen Gemeinden in rasantem Tempo, weil sie konkrete Hilfe in der Bewältigung des Alltags organisieren und eine Gemeinschaft bieten, die im Vertrauen in die Liebe Gottes getragen ist. Wie das bei uns aussehen könnte, ganz konkret, hier und heute, in der Krise und bei der Bewältigung ihrer Folgen, wäre auch einmal ein bedenkenswertes Thema für die Fastenzeit.

    Grafik. J.Reichmann

    Gedanken zum Bild:

    Schon wieder geht Jesus in die Knie, kann er die Last des Kreuzes nicht mehr schleppen. Seine Kräfte versagen. Manche der Umstehenden erschrecken, andere halten die Luft an: Da liegt ER wie ein Häufchen Unglück, SEINE Gestalt ist kaum mehr auszumachen unter dem wuchtigen Balken. Erneut muss er Anlauf nehmen, um sich hoch zu stemmen. Das sieht aus unserer Perspektive der Zuschauer ziemlich hoffnungslos aus. In dieser Körperhaltung wird er wohl kaum wieder auf die Beine kommen. Das höhnische Lachen vieler Umstehenden klingt nur noch gepresst und hohl. Die kühlen Rechner unter den Soldaten überschlagen den Zeitbedarf des Verurteilten für die verbleibende Wegstrecke bis zur Hinrichtungsstätte und machen sich auf einen verspäteten Feierabend gefasst. Das macht sie wütend und so schlagen sie mit ihren Peitschen auf Jesus ein, bis es ihm doch noch einmal gelingt, unter dem Grölen der Massen und den Schreien der Henkersknechte auf die Beine zu kommen. Wie weit wird er kommen? Wieder nur ein paar Schritte?

    Die Welt ist voll von Beispielen erschöpfter Menschen. Menschen, die nicht nur einmal ganz von vorn anfangen mussten und müssen. Lebensgeschichten erzählen davon, Fluchtgeschichten in den Monaten des Kriegsendes 1945, aus der DDR, aus Syrien und Afghanistan. Vielleicht haben wir selbst die Erfahrung machen müssen: Nichts geht mehr? Schlimm, wenn uns andere in solch ein Tief hinein treiben. Was aber, wenn wir uns selbst hinein geritten haben? Wenn wir einen Fehler gemacht oder gar Schuld auf uns geladen haben und nun nicht mehr wissen, wie wir wieder aus dieser Falle heraus kommen sollen? Dann drückt uns das Kreuz unserer Schuld fast die Luft ab. Und es nur einen Weg durch ein solches Tief, der mit einem Satz beginnt, der sich schwerer sagt als „Ich liebe dich“. Er liegt erst im Magen wie zu viel fettiges Essen. Dann steckt er als Kloß im Hals fest, im Mund lähmt er Zunge, Lippen, Gaumen. Er wehrt sich bis zuletzt dagegen, gesagt zu werden. Der Satz heißt: „Ich war´s“ oder auch: „Ich bin schuld, ich hab´s verbockt, ich bin verantwortlich. Ich bekenne mein Versagen.“ Aber wer wirklich wieder auf die Beine kommen will, kommt um diesen Satz nicht herum. Amen

    Gebet:

    HERR, unser Gott, wir bitten um DEIN Erbarmen für alle Menschen, die von anderen bis zur Erschöpfung angetrieben und ausgenutzt werden und keinen Ausweg mehr sehen. Stehe ihnen bei.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH für alle Menschen, die andere ständig drangsalieren und vorwärts treiben aus eigenen Interessen. Lass sie zur Besinnung kommen und ihr Handeln verändern.

    HERR, unser Gott, wir bitten für die, die durch eigenes Versagen oder eigene Schuld in ein tiefes Loch gefallen sind, dass sie den Mut haben, zu ihrer Schuld zu stehen und bitten DICH: lass uns DEIN Licht auch in unseren dunklen Momenten sehen können.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH, hilf uns, bescheiden zu sein und friedvoll und stärke unser Vertrauen in DEINE Liebe, die unsere Welt erneuert, DEINE müde Kirche weckt und uns allen DEINE Zukunft schenkt.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN