Andachten

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    Andacht zum 2. Advent, 05. Dezember 2021

    Text: Lukas 21,28 (Wochenspruch)

    Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

    Gedanken zum Text:

    Advent – Gott selbst kommt in unsere Welt. Wann das geschehen wird, bleibt SEIN Geheimnis. Aber wie das geschehen wird, davon erzählt Lukas. Er schreibt vom Ende der alten Welt, wenn sogar der Kosmos aus dem Gleichgewicht kommen wird – und dann dieser Satz: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ Das katastrophale Ende wird kein Ende sein, sondern ein Anfang, besser: der Anfang schlechthin, der Anfang von etwas ganz unerhört anderem, das alles Bisherige in den Schatten stellen wird: Der Anfang des Gottesreiches. Dann müssen die Menschen nicht mehr nach unten sehen, auf den Boden, um keinen falschen Schritt zu machen. Sie können aufsehen, sich aufrichten, erleichtert durchatmen. Jesus, der Menschensohn, wird kommen „in einer Wolke“, – dem alten Bild für den nahen, gegenwärtigen Gott Israels. Wenn der EWIGE uns Menschen nahe kommt, hüllt er sich ein in die Wolke, damit niemand von uns Schaden nehme. Denn kein Mensch lebt, der IHN direkt gesehen hat. Gott wird uns nahe kommen – nicht einfach mit einer Lösung, sondern ER ist die Er-Lösung. Erlösung von allem, was je das Leben bedroht, klein gemacht oder geängstigt hat. ER fängt jede Angst, wirklich jede, mit SEINER Liebe in Jesus Christus auf. Das ist der großartige Ausblick. Das ist die verheißene Zukunft. Große Worte, ein gewaltiges Hoffnungsbild, ohne Zweifel. Zum Träumen geeignet, zum darüber Nachsinnen unbedingt, ganz besonders in düsteren Zeiten. Das Bild weitet den Horizont. Die Worte helfen zu gewichten was mit uns geschieht und erinnern an das, was bleibt, wenn alles ins Rutschen gerät.

    Aber dann kommt sie mit Wucht zurück, unsere kleine, oft mühsame und beängstigende Gegenwart. Viel zu groß ist da plötzlich das große Hoffnungsbild, verliert an Farbe und droht zu verblassen. Denn jetzt leben wir, jetzt brauchen wir Hoffnung und Halt, nicht erst am Ende der Zeit. Deshalb stellt Jesus klar: Das Reich Gottes ist schon mitten unter euch – da wo ihr Gott vertraut und euer Leben miteinander und füreinander in SEINEM Sinn gestaltet.

    Mariae Verkündigung – Bild im Chorraum der Stadtkirche Pößneck Foto: Privat (J.Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Der Advent ist nicht nur die Zeit der Lichter. Er ist ebenso die Zeit der Verheißungen. Ganz profan spiegeln diese sich wider in der freudigen Erwartung der Kinder auf das Weihnachtsfest. Als Christen freuen wir uns mit ihnen und wir wissen auch, warum: Denn hinter allem und über alles hinaus steht die Verheißung, dass der HERR selbst in unsere Welt kommt, mitten in unser Leben, unseren Alltag, unsere Sorgen und Fragen. So wie auf dem Bild der Engel, der Bote Gottes, in den Alltag Marias und der beiden anderen Frauen hinein kommt und ihr den Auftrag des EWIGEN überbringt. Anbetend und demütig stellt der Maler Maria dar – aber sie steht aufrecht, mit nur ganz leicht gebeugtem Knie. Aufrechte Menschen wie sie sind es bis heute, die im Vertrauen auf SEINE Liebe Licht in unsere Welt bringen. Die beiden anderen Frauen im Hintergrund des Bildes sind allerdings auch nicht nur Dekoration. Neugierig sind sie, zweifelsohne, wollen diesen Augenblick um keinen Preis verpassen. Aber mein Eindruck ist: Er berührt sie nicht im entferntesten so, wie er Maria berührt. Sie scheinen die Köpfe zusammen zu stecken und das Geschehen zu kommentieren – und das war´s dann auch schon. Der Advent kann eben auch an einem vorbeigehen, wenn man nicht mit dem Herzen sehen lernen will. Ich vertraue aber fest darauf, dass der HERR die Hoffnung nicht aufgibt mit uns. Das hat ER selbst verheißen: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ (Lukas 21,33) Gut zu wissen, besonders in dieser schwierigen Zeit.

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir möchten gern die Türen und Tore öffnen für DICH, dass DU in unser Leben trittst, in unsere Welt kommst und sie durch DEINE Liebe verwandelst.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH, hilf, dass wir beginnen, DICH einzulassen, DEINE Wärme in die Kälte zwischen uns, die in dieser schwierigen Zeit die Herzen erstarren und die Worte scharf wie Schwerter werden lässt.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH, hilf, dass DEIN Frieden uns zueinander führt, DEINE Liebe unsere Achtlosigkeit überwindet, mit der wir nebeneinander her leben.

    HERR, wir bitten DICH schenke Heil und Leben allen, denen ein menschenwürdiges Leben auf dieser DEINER Erde von anderen Menschen verwehrt bleibt.

    HERR, unser Gott, wir spüren, wie sehr wir DICH brauchen in unserer Ratlosigkeit und Verwirrung, DEIN Wort und DEINE Liebe, die uns lebendig machen und den Mut und die Kraft für unseren Weg durch die Zeit schenken. HERR, unser Gott, stärke DU unser Vertrauen, dass unser Leben ein Ziel hat in DEINER Ewigkeit. Zeig denen, die an ein Ende kommen, DEIN neues Licht. Reiche den Sterbenden die Hand und bereite ihnen den Weg zu DIR.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zum 1. Advent, 28. November 2021

    Text: Sacharja 9, 9b (Wochenspruch)

    Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer

    Gedanken zum Text:

    Advent – Gott kommt, damit wir zueinander kommen. In guten Zeiten können wir das wörtlich nehmen, als physische Bewegung aufeinander zu. Gegenwärtig sollten wir damit mehr als zurückhaltend sein. Aber zueinander kommen ist doch auch ein innerer Prozess, oder? Und der ist oftmals noch viel schwieriger als das aufeinander zu Gehen im wörtlichen Sinn. Denn sofort steht die Frage: Wer von uns geht den ersten Schritt? Gibt es nicht meist viele Gründe, den ersten Schritt von dem oder der anderen zu erwarten, ja sogar zu verlangen? Oder zu sagen: Wenn alle mitmachen, dann mache ich auch mit – den ersten Schritt in Richtung Umweltschutz zum Beispiel. Da muss der doch erst mal, bevor ich… Und so lange die nicht, brauche ich doch noch lange nicht… Und wie stehe ich da, wenn ich den ersten Schritt doch mache und abblitze oder mich zum Gespött mache?

    Solche und ähnliche Gedanken kennen wir doch alle, wenn wir ehrlich sind, oder? Aber schließlich ist doch Advent! Das heißt doch: Der erste Schritt ist bereits gegangen! Gott geht ihn – und zwar auf mich zu! Gott kommt zu mir, zu jeder und jedem von uns, das ist die alte Verheißung der biblischen Propheten, die für uns in Christus wahr geworden ist. Ich bin IHM offensichtlich nicht zu gering, zu eigensinnig, zu ängstlich, zu oberflächlich oder was IHN sonst noch an mir stören könnte. Nein, IHM sei gedankt! Von Bedingungen ist im Advent nicht die Rede. Es ist wahr, Gott kommt zu mir, zu jedem von uns, auch wenn ich voller Sorgen und trüber Gedanken in dieser schwierigen Zeit bin. ER kommt auf vielen Wegen – im wundervollen Abendrot ebenso wie im nächtlichen Traum, in einem guten Gespräch, das klärt und versöhnt, in einem mir zugesprochenen Wort oder auch im gemeinsamen Schweigen. Advent – Gott kommt, damit wir zueinander kommen, wir gemeinsam Gottes Gegenwart unter uns feiern und uns gerade in diesen schwierigen Zeiten verbunden bleiben – auch mit weniger „Präsenzveranstaltungen“. Gerade dann begegnet ER uns, wenn ER uns die innere Tür öffnet, dass wir zueinander finden. Auf diesem Weg zueinander zu finden ist eine der wichtigsten Aufgaben in dieser Krisenzeit, nicht nur für uns Christenmenschen, sondern für die gesamte Gesellschaft, die sich in bedenklicher Geschwindigkeit auseinander lebt. Kraft und Mut dafür schenkt ER uns. Denn Gott kommt, damit wir zueinander kommen – Advent eben.

    Foto: Privat (J.Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Der Advent ist unbestritten die Zeit der Lichter. Mögen die Strompreise auch klettern, die Lichterketten in den Vorgärten sind nicht weg zu denken. Es wäre ja auch sehr schade, finde ich. Denn sie leuchten, um ein wenig Behaglichkeit und gute Stimmung zu verbreiten. Das kann ihnen sogar gelingen, wenn ihre Besitzer nicht zur Übertreibung neigen. Mir persönlich ist jedoch ehrlich gesagt das „lebendige“ Licht einer Kerze in einer Laterne oder auf dem Tisch um einiges lieber. Denn es macht die Dunkelheit hell, ohne zu blenden. Es ist kraftvoll und doch sanft und nebenbei wärmt es auch ein wenig. Kein Wunder, dass das Kerzenlicht zum Symbol wurde. Neulich erinnerte sich einer daran: Im Herbst 1989, als die Stimmung schon einmal extrem angespannt war in der untergehenden DDR, da waren Kerzen entscheidend wichtig. Auch auf den Pößnecker Rathaustreppen wurden sie leuchtend abgestellt, als Symbol, als Bitte, dass alles friedlich bleiben möge. Christlich gesprochen: Dass durch Gottes Hilfe Licht ins Dunkel der menschlichen Wutgefühle und des Machtmissbrauchs von welchen Gruppen auch immer und der Freude am Bösen kommt. Vor gut 30 Jahren haben die Kerzen den Weg aus der hoch gefährlichen, zugespitzten Lage im Lande gewiesen. Ob sie es in unseren Tagen noch einmal vermögen? Sicher, die gesellschaftliche Gesamtsituation von damals ist kaum mit der heutigen zu vergleichen. Aber die Spaltungen gehen durch alle Schichten und sehr viele Familien. Miteinander zu sprechen wird immer schwieriger, wenn es nicht schon ganz unmöglich geworden ist. Ist es also nicht an der Zeit, die Kerzen wieder sprechen zu lassen, weil sie keine Worte brauchen?

    Gebet:

    HERR unser Gott, es ist Zeit, dass DU kommst, damit wir im Licht DEINER Nähe wieder Mut und Kraft schöpfen können. Denn ratlos sind wir und verunsichert. Wir misstrauen einander, sind getrieben von Ängsten und Vorurteilen.

    HERR, unser Gott, es ist Zeit, dass DU kommst in unsere Nähe, denn wir haben Unfrieden in unseren Reden und es mangelt uns an Zuversicht.

    HERR, unser Gott, es ist Zeit, dass DU kommst und uns die Augen öffnest für die Wege, die uns zueinander führen, für die Gemeinsamkeiten, die wir teilen und für die Unterschiede, die wir achten. Lass uns einander in DEINEM Lichte sehen lernen.

    HERR, wir bitten DICH besonders für die Verbitterten, für die Lieblosen und Hartherzigen und für die Gleichgültigen. Tritt ein mit DEINER Liebe in ihre Häuser, erhelle ihre Seelen und erwärme ihre Herzen.

    HERR, unser Gott, stärke DU unser Vertrauen, dass unser Leben ein Ziel hat in DEINER Ewigkeit. Zeig denen, die an ein Ende kommen, DEIN neues Licht. Reiche den Sterbenden die Hand und bereite ihnen den Weg zu DIR.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zum letzten Sonntag im Kirchenjahr, 21. November 2021 (Ewigkeitssonntag)

    Text: Offenbarung des Johannes 21.6

    Jesus Christus: Ich werde dem Durstigen geben aus der Quelle des Wassers des Lebens umsonst.

    Gedanken zum Text:

    Mit dem Ewigkeitssonntag geht das Kirchenjahr zu Ende. Wir legen es zurück in Gottes Hand, gedenken aller Abschiede dieses Jahres und bitten um Gottes Nähe in der Gegenwart und Zukunft. Denn so schwierig wie in der Gegenwart war unser Leben über Generationen nicht mehr. Immer noch kein Ende der Pandemie in Sicht, eher das Gegenteil ist der Fall. Die Zahlen explodieren, die Krankenhäuser sind überlastet. „Corona – Tote“ ist ein Wort, dessen erschreckende Dimension wir noch nicht einmal im eigenen Land ermessen können, geschweige denn weltweit. Als ob das nicht schon noch kaum zu ertragen wäre, kommen dazu noch die Krisengewinnler, die gnadenlos an den Preisschrauben drehen, um ihren Reichtum ins Unermessliche zu steigern. Niemand scheint ihnen Einhalt gebieten zu können. Solch einen Druck, solch eine Last hält die Seele nur aus, wenn sie Kraft schöpfen kann, wen sie eine Quelle findet, die sie vor dem Vertrocknen bewahrt, vor dem rücksichtslosen Eigensinn und der Hartherzigkeit. Zugang zu dieser Quelle meinen viele auf dem Weg zu sich selbst zu bekommen, aus eigener Kraft. Mag sein, dass dieser Weg bis nahe heran führen kann – weiter aber nicht. Denn kein Mensch dieser Erde kann sich einfach so Wasser aus der Quelle des Lebens schöpfen, auch wenn das zahlreiche „Life – Coaches“ oder wie auch immer sie sich nennen, forsch behaupten. Das kann nur Gott selber tun. Ihm sei Dank, dass das so ist. Denn so kann jede lebensdurstige Seele zu IHM kommen, ohne Eintrittsgeld oder Kurskosten. Für jeden traurigen, geplagten, verstörten und verbitterten Menschen steht ER bereit, um großzügig vom Wasser des Lebens zu schöpfen. Das Wasser, das Mut und Kraft schenkt, um den Alltag zu bestehen und die Hoffnung zu bewahren. Gerade auch dann, wenn Menschen die Zeit der Trauer durchleben müssen.

    Foto: Privat (J.Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Auf dem Oberen Friedhof in Pößneck befinden sich zahlreiche beeindruckende Gruften aus der industriellen Blüte der Stadt in der „Gründerzeit“ am Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts. Eher bescheiden nimmt sich dabei diese sehr geschmackvoll gestaltete Grabanlage aus. Eine zarte Frauenfigur aus weißem Marmor kauert mit gefalteten Händen vor einer große, schwarz glänzenden Fläche. Ihr Blick ist vom Betrachter abgewandt und verliert sich irgendwo im Dunkel des Hintergrunds. Poetischer lässt sich die Trauer kaum ausdrücken: Keine Kraft zu stehen oder den Blick zu heben, dem ausgesetzt, was da gerade geschieht, die Gedanken oft rückwärts gewandt in die Zeit, als alles noch gut war, nichts als die Vergänglichkeit vor Augen. Wirklich nichts? Da ist doch das Kreuz, das sich klar vom Dunkel abhebt, in der lebendigsten und wärmsten Farbe des ganzen Grabmals. Aber die Trauer schaut nicht direkt hin. Sie braucht Zeit. Nur wenn sie versucht, den Kopf wieder zu heben, kann sie das Kreuz ganz sehen und die Hoffnung spüren, die von ihm ausgeht. Denn das Kreuz ist leer, der HERR ist auferstanden und öffnet uns den Weg zum ewigen Leben. Das heißt: Ganz leer ist das Kreuz auf diesem Grabmal nicht. Wer genau hinschaut, kann ganz oben eine bronzene Lutherrose entdecken. Damit drückt die Familie ihr Bekenntnis aus, die die Anlage errichten ließ. So ändern sich die Zeiten. Heute ist es schon ein Bekenntnis, wenn auf einem Grabstein ein Kreuz zu sehen ist. Konfessionelle Unterschiede sind kaum noch auszumachen. Das ist aus meiner Sicht aber kein Verlust, eher das Gegenteil: Denn das vielstimmige Bekenntnis zum auferstandenen HERRN vereint uns Christen. Ist es doch die einzige Hoffnung, die stärker ist als der Tod.

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir danken DIR, dass DU uns die Hoffnung auf DEINE Zukunft schenkst, die geborgen ist in den weiten Gedanken DEINER Liebe.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH, nimm uns die Angst, die engherzigen Sorgen, das Misstrauen und die Unruhe, die uns bedrängen in dieser Zeit und in dieser unserer Welt.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH um Zuversicht und Geduld und um weite Herzen. Vollende, was wir nur schwach vermögen, Frieden und Gerechtigkeit zuerst und bewahre unsere Welt vor unserem Leichtsinn.

    HERR, wir bitten DICH besonders für die Verbitterten, für die Lieblosen und Hartherzigen und für die Gleichgültigen. Tritt ein mit DEINER Liebe in ihre Häuser, erwärme ihre Herzen.

    HERR, unser Gott, stärke DU unser Vertrauen, dass unser Leben ein Ziel hat in DEINER Ewigkeit. Zeig denen, die an ein Ende kommen, DEIN neues Licht. Reiche den Sterbenden die Hand und bereite ihnen den Weg zu DIR.

    HERR, unser Gott, für uns erbitten wir DEINE Gnade und heute auch ganz besonders für alle, die Trauer tragen, dass DEINE Gemeinden und Kirchen ihnen beistehen und sie begleiten.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zum Drittletzten Sonntag im Kirchenjahr, 7. November 2021

    Text: 2. Thessalonicherbrief, 3,5 (Monatsspruch November 2021)

    Der HERR aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus.

    Gedanken zum Text:

    Der November hat begonnen. Die Zeit wurde auf die „MEZ“ – die „Mitteleuropäische Zeit“ zurückgestellt. Viele Menschen gehen früh jetzt im Halbdunkel zur Arbeit und kommen erst wieder im Dunkeln nach Hause. Draußen ist es ungemütlich nasskalt und noch nicht einmal die Adventsbeleuchtung verbreitet eine herzige Stimmung. Der November wäre der Monat zum Trübsal blasen – wenn da nicht jene Fürbitte aus einem der jüngsten Briefe des Neuen Testaments zu hören wäre, der uns davor bewahrt: Der HERR aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus. Wir dürfen uns angesprochen fühlen, denn der Schreiber des Briefes erinnert uns: Eine Erweiterung unseres Horizontes für Kopf und Herz ist ein Gottesgeschenk. Wir sehen meist nur das, was wir direkt vor Augen haben, was wir mit unserem begrenzten Verstand erfassen und was wir mit unserer bescheidenen Vorstellungskraft zustande bekommen. Nur der HERR selbst vermag unsere Herzen zu weiten, indem ER sie auf SEINE Liebe „ausrichtet“. Manche behaupten, sie könnten das selbst. Aber dann wird der Glaube zur „Leistung“ und dann ist es nur noch ein winziger Schritt, zwischen „echten“ und „lauen“ Christen zu unterscheiden – wobei klar ist, auf welcher Seite sich die Unterscheider selber wähnen. Nehmen wir das Geschenk aus Gottes Händen jedoch dankbar an, dann können wir die Spuren SEINER Liebe auch in diesen trüben Novembertagen in unsrem Leben entdecken. Mehr noch: Wir können von SEINER Liebe weitergeben mit unseren Möglichkeiten an unsere Mitmenschen. Probieren wir es aus, dann stellen wir schnell fest: Sogar der November kann deutlich heller werden. Und vor allem: Es gibt Licht am Ende des Tunnels – denn wir warten ja auf die Ankunft Christi, auf Latein: den Advent. Dass der mehr ist als Schmusestimmung und Einkaufsrausch, daran kann uns auch nur der HERR selbst immer wieder erinnern. Denn wer kann dem Trubel und den hoch gedrehten Ansprüchen unserer Konsumwelt als „normaler“ Mensch wirklich auf Dauer widerstehen?

    Gedanken zum Bild:

    Am 1. November feiern die römisch – katholischen Christen das Allerheiligen – Fest, das in unserer Gegend noch mehr als das Reformationsfest am Tag davor im Schatten des bestens vermarkteten „Halloween“ – Importes steht. Die evangelische Kirche wollte über lange Zeit hin nichts mit der Heiligenverehrung zu tun haben. Umso erstaunlicher ist es, dass vor gut 140 Jahren sich doch ein Heiligenbild in die lutherische Stadtkirche von Pößneck „eingeschlichen“ hat: In einem der Seitenfenster des Chores findet sich ein recht kleines Medaillon mit der Darstellung des Heiligen Mauritius – allerdings dem damaligen Zeitgeschmack angepasst als hellhäutiger, jugendlicher römischer Krieger. Dabei stammte Mauritius sehr wahrscheinlich aus Ägypten oder sogar dem Sudan, weshalb er im Mittelalter oft als dunkelhäutiger Ritter dargestellt wurde. In der Pößnecker Stadtkirche taucht er auf, weil man zu dieser Zeit in Zusammenhang mit der Figur auf dem Marktbrunnen annahm, dass die Kirche eine „Mauritius“ – Kirche sei. Erst einige Zeit später ergaben gründliche Nachforschungen, dass dem nicht so ist, sondern dass der Patron der Stadtkirche im Mittelalter der Heilige Bartholomäus als Schutzheiliger der Gerber war. Sei es drum: Mauritius im Fensterbild steht der lutherischen Stadtkirche gut zu Gesicht. Denn er erinnert als Märtyrer des Glaubens alle Christen daran, dass es auch heute noch in vielen Ländern Menschen christlichen Glaubens brutal verfolgt, gefoltert und getötet werden.

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir danken DIR, dass wir die Spuren DEINES Reiches unter uns entdecken können und dass DEIN Wille geschieht, überall da, wo Menschen sich in Achtung und Liebe begegnen.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH, öffne uns die Augen für das Leben, dessen Zeit DU bestimmst. Lass uns DEINEN Segen spüren und die Schönheit und Freude des Lebens genießen. Hilf uns, das Leid miteinander zu tragen und füreinander da zu sein.

    HERR, wir bitten DICH, schenke uns wache Sinne, DEINEN Willen wahrzunehmen: Ohren für DEIN verzeihendes Wort, Augen für DEINE heilenden Hände, Geschmack für DEINE Verheißung.

    HERR, unser Gott, stärke DU unser Vertrauen, dass DU uns vorangehst, uns bewahrst und leitest auf dem Weg durch die Zeit und gib uns DEINEN Geist, der uns Mut und Kraft schenkt, Gaben und Zuversicht zu teilen mit denen, die neben uns sind.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 31. Oktober 2021, Reformationsfest

    Text: Galater 5, 1a+5+6b

    Zur Freiheit hat Christus uns befreit!….Wir aber warten auf die Gerechtigkeit, die Gott für uns bereithält, und diese Hoffnung verdanken wir dem Geist Gottes; sie ist uns aufgrund des Glaubens geschenkt….Das einzige, was zählt, ist der Glaube – ein Glaube, der sich durch tatkräftige Liebe als echt erweist.“

    Gedanken zum Text:

    Das Reformationsfest ist in den mitteldeutschen Bundesländern ein arbeitsfreier Feiertag (der in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt…). Arbeitsfrei haben alle, unabhängig ihrer Konfessions- oder Religionszugehörigkeit. Interessant wäre, einmal die Leute zu fragen: Was genau feiern wir eigentlich am Reformationsfest? Mit etwas Glück würden wir auf jemanden treffen, der noch aus dem Geschichtsunterricht weiß: Das hat irgendetwas mit Martin Luther zu tun. Und mit noch deutlich mehr Glück weiß jemand sogar noch, dass Luther an eben jenem Tag seine 95 Thesen zum Ablasshandel veröffentlicht hatte, die eine öffentliche Diskussion zur Glaubens- und Lebenspraxis der damaligen Amtskirche auslösen sollten. Das geschah tatsächlich auch, jedoch mit einem Ergebnis, das Luther selbst in keiner Weise beabsichtigt hatte: Es kam einige Zeit später zur Spaltung der Kirche. Die „Lutheraner“ waren und sind in der Folge als eigenständige Konfession unterwegs. Von daher ist der Reformationstag für die evangelisch – lutherischen Christen nach Ostern, Pfingsten und Weihnachten der höchste Feiertag im Kirchenjahr. Gott sei Dank kam es in den vergangenen Jahren wieder zu einer Annäherung der verschiedenen christlichen Konfessionen. Dabei wurde immer klarer, dass uns viel mehr miteinander verbindet als uns trennt. Und das trifft auch auf den reformatorischen Grundgedanken zu, den Martin Luther beim eifrigen Studium der Bibel herausarbeitete, unter anderem auch aus dem Galaterbrief: Das einzige, was zählt, ist der Glaube – ein Glaube, der sich durch tatkräftige Liebe als echt erweist.“ Kein Christ kann sich im Himmel einen Ehrenplatz verdienen, keine Konfession kann behaupten, die einzig von Gott geliebte zu sein. Einzig das Vertrauen in Gottes Liebe kennzeichnet das christliche Leben, erkennbar für Christen und Nichtchristen durch „tatkräftige Liebe“. Diese Liebe im alltäglichen Miteinander der Menschen zu leben, das ist die Aufgabe aller Konfessionen und Christenmenschen gerade auch in unserer Zeit.

    Motiv im Mittelfenster des Chorraums der Stadtkirche St. Bartholomäus in Pößneck Foto: Privat (J.Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    „Gottes Wort und Luthers Lehr´vergehen nun und nimmermehr“ – so lautet der Spruch im Mittelfenster des Chorraums der Pößnecker Stadtkirche, flankiert von den Bildnissen Martin Luthers und Philipp Melanchthons. Abgrenzung gegenüber vor allem der römisch – katholischen Konfession ist diesem Bildwerk bis heute abzuspüren. Es stammt aus dem 19. Jahrhundert, als noch nicht der Hauch einer ökumenischen Bewegung aufeinander zu vorstellbar gewesen ist. Jede Konfession trat mit dem Anspruch an, einzige rechtmäßige Vertreterin der göttlichen Wahrheit auf Erden zu sein. Das war nicht nur theologisch äußerst fragwürdig, sondern hatte auch ganz lebenspraktische Konsequenzen: Bis tief ins vergangene Jahrhundert hinein waren zum Beispiel „Mischehen“ etwas Außergewöhnliches und in manchen Gegenden Deutschlands war es fatal, der „falschen“ Kofession anzugehören. Ganz zu schweigen von den Gemeinden kleinerer Kirchen, die lange Zeit um Anerkennung ringen mussten. Dem HERRN sei Dank, dass da inzwischen viel Bewegung hinein gekommen ist. Sicher auch bedingt durch die Entkirchlichung der Gesellschaft rücken die Christenmenschen mehr zusammen als früher. Denn nur sie wissen: Es gibt keine gottlose Zeit.

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir danken DIR, dass Du uns DEIN Wort schenkst, das so anders ist als alles, was wir von uns hören lassen, DEIN göttliches Wort, das uns Hoffnung schenkt für die Zukunft unserer Welt und unseres Lebens.

    HERR, wir danken DIR für DEINE Güte und hilf uns, dass sie nicht verdorben werde durch unsere menschliche Begrenztheit. Hilf uns, DIR zu vertrauen und erleuchte uns durch DEINEN Geist.

    HERR, wir bitten DICH um die Kraft und die Geduld, Geplagten zu helfen, die Last ihres Lebens zu tragen, den Verbitterten neue Wege zu zeigen und den Schuldigen mit DEINER vergebenden Liebe zu begegnen.

    HERR, unser Gott, schaff Frieden dort, wo Menschen einander misstrauen und keine Schritte aufeinander zu wagen, bewege die Herzen der Hartherzigen durch DEINE Liebe und schenke den Ratlosen gute Ideen.

    HERR, unser Gott, belebe DEINE Kirchen und Gemeinden in ihrer Vielfalt durch unser Vertrauen in DEINE Liebe und durch unsere Bereitschaft, zu tun, was DU willst, zu DEINEM Lob und wehre allem, was in uns DIR widerstrebt.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 21. Sonntag nach Trinitatis, 24. Oktober 2021

    Hebräerbrief 12, 1+2 (Losung für den 26.10.21)
    Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem
    Anfänger und Vollender des Glaubens.

    Gedanken zum Text:
    Der Hebräerbrief gehört zu den jüngeren Schriften des Neuen Testaments. Wir wissen nicht, wer diese Predigt im Stil eines Briefes verfasste und für wen. Aber es lohnt sich, auch heute darauf zu hören. Denn wir erkennen unsere eigene Lebenserfahrung wieder, wenn wir lesen: „Lasst uns laufen mit Geduld“… Ist es nicht so, dass das Leben über weite Strecken einem Dauerlauf gleicht, über Höhen und durch tiefe Täler? Mit Zeiten, in denen „es gut läuft“ und anderen, in denen wir kaum von der Stelle kommen oder in denen uns die Puste auszugehen scheint? Dem Bild vom Dauerlauf schiebt der Verfasser des Hebräerbriefs gleich noch das Bild vom „Kampf“ hinterher. Auch in diesem können wir uns wiederfinden – sei es als Einzelne, die sich gegen alle möglichen Widrigkeiten durchs Leben kämpfen müssen. Ich kenne mehr als genug Menschen, die durch Krankheit, Behinderung oder Schicksalsschläge auch in unserem reichen Land ein trauriges Lied davon singen könnten. Auch als Gemeinden erleben wir uns immer neuen Herausforderungen und Schwierigkeiten ausgesetzt. Der Hebräerbrief stammt aus einer Zeit, in der das nicht viel anders war. Von daher ist es gut, seinen Rat anzunehmen. Zum einen spricht er von Geduld, die wir in unserem Kampf und auf unserem Lauf durch das Leben haben können. Geduld mit uns selbst und Geduld mit den anderen.

    Und die Kraft dafür kann aus unserem Vertrauen in Christus erwachsen, wenn wir „aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens.“ Ein Dauerlauf, ein Kampf kann nur gewonnen werden, wenn wir genug Kraft und Mut dafür haben. Sehen wir auf zu Jesus, dann haben wir die Quelle der Kraft und das Ziel vor Augen – auch im Inneren und auch dann, wenn um uns herum vielleicht gerade alles andere viel bedeutender erscheinen mag. Mit IHM bleiben wir nicht auf der Strecke. Denn ER ist auferstanden.

    Gedanken zum Bild:
    Ein Weg durch sattes Grün, kurz bevor die Blätter fallen. Morgendliche Stille, nur wenige Vögel zwitschern. Eine besondere Stimmung, die Lust macht, diesen Weg Schritt für Schritt, behutsam und mit Entdeckerfreude weiter zu gehen. Was gibt es da nicht alles zu sehen!

    Spuren von Tieren, interessante Pflanzen, Tautropfen an Blättern, unzählige Spinnennetze im Gegenlicht. Langsam nur kommt man voran – aber in Eile bliebe die ganze Schönheit unentdeckt. In der Regel sind wir viel schneller unterwegs, legen unsere Wege in vielfachem Tempo zurück – und können gar nicht richtig wahrnehmen, was unsere Wege so besonders macht. Das trifft leider auch auf so manchen Lebensweg zu, wenn Menschen einfach nicht zur Ruhe kommen können, immer im Laufschritt unterwegs sind, bis ihnen die Puste ausgeht. Der Herbst ist die Jahreszeit der Besinnung, sagt man. Nachdenken über das reif gewordene Jahr, über das Leben, sich selbst und das Zusammenleben mit den anderen. Die Zeit, einen „Gang runter“ zu schalten. Würde uns allen, auch unserer ungeduldigen Welt mehr als gut tun. Wir sind auf dem Weg durch die Zeit, den wir nur einmal gehen können. Auch das macht uns der Herbst bewusst. Gott sei Dank können wir unseren Weg voller Hoffnung gehen.

    Gebet:
    HERR unser Gott, wir danken DIR, dass Du
    unseren Weg durch die Zeit mit uns gehst. Stärke die Zuversicht in uns und lass uns erfahren,
    dass DEINE Liebe uns alle umfängt.
    HERR, wir danken DIR für DEINE Gnade, die
    wir erleben können in allem Schönen und Guten des Lebens, in allen gelungenen Beziehungen, in jedem frohen Lachen.
    HERR, wir bitten DICH, öffne uns die Augen
    für alle, die sich nach Vergebung sehnen, die
    das Gute im Leben nicht mehr wahrnehmen
    können, die hereinfallen auf falsche Propheten.
    Hilf, dass wir Brücken bauen und miteinander
    statt übereinander reden.
    HERR, unser Gott, hilf, dass nichts uns trenne
    von denen, die uns nahe stehen und dass Respekt uns verbinde mit denen, die uns fremd
    geworden sind. Lass uns zum Frieden finden,
    den DU verheißt, Frieden zwischen den Menschen, dass die Traurigkeit schwindet und die
    Freude die Herzen der Menschen höher schlagen lässt.
    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen
    Beten wir das Vaterunser:
    Vater unser im Himmel
    geheiligt werde Dein Name
    Dein Reich komme
    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf
    Erden Unser tägliches Brot gib uns heute
    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir
    vergeben unseren Schuldigern
    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen
    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die
    Herrlichkeit in Ewigkeit.
    Amen
    Es segne uns der allmächtige und barmherzige
    Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 20. Sonntag nach Trinitatis, 1 7. Oktober 2021 – und Gedenktag des Evangelisten Lukas (18. Oktober)

    Text: Lukas 1, 3+4

    Darum hielt auch ich es für richtig, nachdem ich allem bis zu den Anfängen sorgfältig nachgegangen bin, diese Ereignisse für dich, hochverehrter Theophilus, in geordneter Reihenfolge niederzuschreiben, damit du erkennst, wie zuverlässig all das ist, worin du unterrichtet worden bist.

    Gedanken zum Text:

    Wer kennt sie nicht, die einprägsamen Geschichten aus dem Lukasevangelium? Die bekannteste ist sicher die Weihnachtsgeschichte von der Krippe und der Geburt Jesu im Stall von Bethlehem. Sogar völlig kirchenfremde Menschen haben sie irgendwann einmal mitbekommen und vergessen sie nicht mehr. Auch wer die Bibel kennenlernen möchte, beginnt am besten mit dem Lukasevangelium. Denn sein Verfasser war ein begnadeter Erzähler, sprachgewandt und ausdrucksstark. Mehr wissen wir leider nicht von ihm. Manche meinen, er könne ein Arzt gewesen sein, weil er sehr viele Heilungsgeschichten überliefert. Andere lesen seine einleitenden Worte ins Evangelium so, als sei er eine Art Historiker gewesen. Ein Forscher, mit den geschichtlichen Fakten zum Leben Jesu eine Art Biografie des HERRN geschrieben hätte. Auf den ersten Blick könnte dieser Eindruck tatsächlich entstehen. Denn nur Lukas ordnet die Geburt Jesu zeitlich in die Regierungszeit des römischen Kaisers Augustus ein. Liest man sein Evangelium allerdings genauer, wird bald deutlich: Die historischen Fakten bilden nur den ungefähren Rahmen für die eigentliche Botschaft: Jesus ist der verheißene Messias des Gottesvolkes. ER verkündigt das Reich Gottes und in SEINER Gegenwart wird das Gottesreich heute schon erfahrbar – und zwar für alle Menschen, die IHM vertrauen können, weit über das Volk Israel hinaus. Das bezeugt Lukas dann vor allem in der Fortsetzung seines Evangeliums, der Apostelgeschichte. Auch wenn wir vielleicht längst nicht so begabt sind wie er, will er uns ermutigen, die Jesus – Geschichten auf unsere Art weiter zu erzählen – und damit bei ganz wenigen oder vielleicht auch nur einem Menschen zu beginnen. Lukas widmete sein Evangelium ja zunächst auch seinem Freund Theophilus. Und wenn der Geist Gottes es will, finden sich auch unsere Zuhörer wieder in den Geschichten und können darin Kraft und Mut schöpfen für ihr Leben.

    Gedanken zum Bild:

    Wo ist die Zeit nur hin? – fragte neulich jemand im Rückblick auf dieses Jahr. Das Erntedankfest ist gefeiert, jetzt kommen die eher schwermütigen Sonntage des Kirchenjahres bis hin zum Ewigkeitssonntag. In einer Meditation wird der Lauf des Lebens mit einem Fluss verglichen, der von der Quelle bis zur Mündung in vielen Windungen und über Stromschnellen dahinfließt. Dieses Bild von einem munter plätschernden Bach kann uns daran erinnern. In diesem Fluss suchen wir nach Halt, damit wir nicht untergehen. Der Evangelist Lukas schrieb damals sein Evangelium, um seinem Freund Theophilus eben diesen Halt zu bieten. Denn kaum etwas ist belastender als Unsicherheit und Zweifel, kaum etwas führt schneller in die Irre oder gar in die Verzweiflung. Das Heilmittel gegen die Zweifel ist die Vergewisserung, die zum Vertrauen führt. Das Vertrauen, dass auch unsere Lebensläufe oder -flüsse nicht einfach nur versickern, sondern einmünden in das Meer der Liebe Gottes, um einmal im Bild zu bleiben.

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir danken DIR, dass Du uns Wege öffnest, wo wir nur Mauern sehen, dass DU unseren Geist erhellst, wo wir zweifeln und grübeln, dass DEINE Liebe uns auffängt, wenn wir trauern.

    HERR, wir bitten DICH, überwinde unsere Trägheit und unseren Starrsinn, immer so weiter zu machen mit uns, unseren Nächsten und unserer Welt. Hilf, dass wir DEIN Wort mit dem Herzen hören und gib uns ein Herz für DEIN Wort.

    HERR, wir bitten DICH um offene Augen, empfindsame Ohren und erbarmende Hände, dass durch uns das Gute stärker werde in unserer Welt.

    HERR, unser Gott, lass uns zum Frieden finden, den DU verheißt, Frieden zwischen den Menschen, dass die Traurigkeit schwindet und die Freude die Herzen der Menschen höher schlagen lässt.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 19. Sonntag nach Trinitatis, 10. Oktober 2021 – und Erntedankfest

    Text: Lukas 6,31 (Lehrtext zum 15. Oktober)

    Jesus spricht: Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!

    Gedanken zum Text:

    Kennen Sie noch das gute alte Wort „Ratgeber“? Neudeutsch heißt das „influencer“ (englisch: „Beeinflusser“. Ja, „Ratgeber“ gibt es auch noch, vor allem auch in den Buchläden stehen sie reihenweise in den Regalen, wie mir neulich wieder einmal auffiel. Zur Gesundheit einschließlich Ernährung ganz vorn dran, aber auch zur „inneren Mitte“, zur Selbstfindung und -verwirklichung, dazwischen auch zur Beziehungspflege und zur Kindererziehung. Haustiere und Garten dürfen nicht fehlen – und die Aufzählung ist immer noch mehr als lückenhaft. Für alles und jedes im persönlichen Leben kann man einen Ratgeber finden – wahlweise natürlich auch einen „influencer“ im Netz. Unter den Ratgebern suchte ich eine Weile, aber einen für ein gelingendes Zusammenleben in der Gesellschaft fand ich dennoch nicht. Braucht es auch nicht, dachte ich mir. Denn besser als Jesus könnte man es sowieso nicht auf den Punkt bringen, wenn ER sagt: Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch! Das klingt einfach, merkt sich gut und hätte weit reichende Folgen, wenn sich immer mehr Menschen daran orientieren würden. Auch wenn dieses Jesuswort nicht unbedingt zu den „klassischen Erntedankworten“ zählt, auch für dieses Fest finde ich es sehr passend. Denn der Dank für die reiche Ernte und das mehr als gesicherte Auskommen schließt ja auch immer den Gedanken ein, Benachteiligte, arme und Notleidende an diesem Segen teilhaben zu lassen. Stellen wir uns doch einmal vor, wohin sich unsere Welt entwickeln würde, wenn wir in den reichen Industrienationen wirklich solidarisch mit den Menschen aus der Zweidrittelwelt lebten. Sicher, ein Himmelreich auf Erden wäre auch das nicht. Denn alles, was Menschen planen und tun, muss Stückwerk bleiben. Aber Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung könnten so bestimmt ein ganzes Stück näher zu rücken als wenn alles immer nur so weitergeht wie bisher. Natürlich muss einer den Anfang machen. Und das sollen wir sein, in unserer kleinen Welt, sagt Christus, unser HERR: Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!

    Foto: Privat (J.Reichmann) – Erntedankfest 2021 in Pößneck – Jüdewein

    Gedanken zum Bild:

    Jahr für Jahr verwandeln zwei Frauen aus unserer Gemeinde den Chorraum der Jüdeweiner Kirche für das Erntedankfest in eine Augenweide. Die Farben der unterschiedlichsten Blumen, die Vielfalt von Gemüse und Obst, Feldfrüchten und die selbst gebundene Erntekrone auf dem Taufstein vereinen sich zu einem prachtvollen Gotteslob und Dank für SEINE Gaben. Die festliche Stimmung überträgt sich auf die Besucher und unser Gottesdienstes für Groß und Klein wird zu einem besonderen Erlebnis. Es tut gut, Gott gemeinsam für SEINE Liebe und Treue in diesem Jahr zu danken. Das spüren wir nach den erforderlichen Einschränkungen im Frühjahr ganz besonders. Aus dem Gottesdienst gehen wir zurück in unseren Alltag. Hat da der Dank auch seinen Platz oder vergessen wir ihn öfter mal, weil zu viel Hektik ist? Es muss ja nicht der große Dank eines Festes sein. Auch der kleine Dank für eine kleine Hilfe oder ein gutes Wort oder was auch immer das Leben leichter und schöner macht, bringt Freude und Licht in den sonst so anstrengenden Tageslauf. Und er ist der Anfang vom großen Dank, der unserem HERRN gebührt.

    Gebet: Da in diesen Tagen auch neben Erntedank das Fest der Kirchweih gefeiert wird, hier ein Gebet dazu:

    HERR unser Gott, seit langen Jahrhunderten bauen DIR Menschen Häuser, in denen sie DIR gemeinsam danken und um DEINEN Beistand bitten.

    HERR, wir bitten DICH, sei DU in unserer Mitte und erfülle uns mit DEINEM Geist, dass wir bei DIR finden, was wir suchen: Die Freude am Leben, die Ruhe für unsere Seelen und den Trost, der uns auffängt.

    HERR, wir bitten DICH, lass zum Segen werden, was wir in DEINEM Haus erleben und was wir mitnehmen in unseren Alltag – für uns selbst und für unsere Nächsten.

    HERR, unser Gott, achte auf unser Gebet und hilf, dass wir auf DEIN Wort hören, das uns stärkt, zu trösten, Hoffnung zu schenken und Zuversicht und die Kraft, mitzubauen an DEINEM Reich.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Andacht zum 18. Sonntag nach Trinitatis, 3. Oktober 2021

    Text: Psalm 34,8 (Tagesspruch zum Michaelisfest am 29. September)

    Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die IHN fürchten, und hilft ihnen heraus.

    Gedanken zum Text:

    Das Fest des Erzengels Michael und aller Engel und das Erntedankfest markieren das baldige Ende der „festfreien Zeit“ im Kirchenjahr. Die Zahl der Sonntage „nach Trinitatis“ im evangelischen Kalender ist weit voran geschritten. Michaelis und Erntedank ermuntern zum Rückblick auf die eben vergangenen Monate. Erinnern Sie sich noch an die Andacht zum Trinitatisfest? Damals hatte ich Sie ermuntert, die Spuren Gottes und SEINER Engel in diesem Sommer für sich zu entdecken. Sind Sie fündig geworden? Ganz in der Stille oder auch mitten im Alltag? An einem wunderschönen Urlaubstag, an einem besonderen Urlaubsort oder zuhause? Gab es unvergessliche Momente oder auch die Erfahrung, in Krankheit gestärkt und bewahrt zu werden? Die vielfältigen Erlebnisse und Erinnerungen machen uns schnell deutlich, dass auch dieses Jahr nicht nur ein „Spaziergang im Sonnenschein“ war – und da spreche ich jetzt nicht nur von der Coronapandemie. Aber einem Engel sind Sie bestimmt begegnet – auch wenn er vielleicht keine Flügel hatte. Dann war es ein Mensch, der Sie froh gemacht hat, Ihrer Lebenslust neuen Schwung verschaffte oder ihren Gedanken einen neuen Horizont eröffnete. Oder ein anderer, der Sie ermutigte, aufrichtete und tröstete mit Worten, im Gebet oder mit Taten. Solchen Engeln begegnet zu sein, das wünsche ich Ihnen von Herzen. Und hin und wieder geschieht es uns auch, dass wir selbst zu Engeln werden – ganz unvermittelt und überraschend durch Gottes guten Geist. Auch da gibt es sicher viel zu erzählen. Wenn Sie mögen, können Sie mir Ihre Erfahrungen dieses Sommers auch sehr gern einmal schreiben. Denn nach meiner Erfahrung erzählen wir uns im Getriebe des Alltags viel zu selten davon. Sollten wir aber tun, weil das die beste Medizin gegen das weit verbreitete Jammern und Schwarzsehen ist. Oder wie singt es der Beter des Psalms mit seinen Worten: Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die IHN fürchten, und hilft ihnen heraus.


    Gedanken zum Bild:

    Engelspuren entdecken im Leben – das birgt so manche Überraschung. Ging mir auch so, als ich im Sommer einmal mit der Kamera unterwegs war. Da entdeckte ich dieses prachtvolle Kirchenfenster mit dem sechsflügeligen Engel in der Mitte. Und wissen Sie, wo? In unserer Pößnecker Stadtkirche! Zugegeben, man sieht es nur tagsüber von der zweiten Empore gegenüber des Turmes. Denn es befindet sich in der oberen, nach innen offenen Turmstube. Nicht nur der verborgene Ort des Fensters, auch die Darstellung des Engels finde ich überraschend. Es muss sich um einen der Thronwächter (Seraphim) des HERRN handeln, die der Prophet Jesaja in einer Vision gesehen hat (Jesaja 6,2). Im Fenster erstrahlen die Flügel in satten Rot- und Gelbtönen, die fast golden wirken. Rot ist die Farbe des Heiligen Geistes und Gold die Gottesfarbe schlechthin. Der Glaskünstler kombiniert die sechs Flügel, von denen der Engel laut Jesaja nur zwei zum Fliegen benötigt (die anderen bedecken das Antlitz und die Füße des Seraphen), mit einem auf den ersten Blick kindlich pausbäckig wirkenden Gesicht. Ein üppiger, glänzender, blonder Haarschopf ergänzt das Bild. Aber ein drolliges, barockes Puttenengelsgesicht strahlt uns dennoch nicht entgegen. Der Blick des Engels ist durchdringend, seine Mundwinkel sind ernst nach unten gezogen. Ein Wächterengel eben, der sein Gegenüber – also uns – immer etwas abschätzend im Auge behält. „Gott sieht alles!“ sagte man früher den Kindern und meinte das in der Regel als Ermahnung zu einem angepassten, „anständigen“ Verhalten. Stimmt, aber der Satz geht weiter, sagen wir heute. „Gott sieht alles und alle mit den Augen des liebenden Vaters an!“, muss er nach der Bibel heißen. Das klingt ganz anders, oder?

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir danken DIR, dass DU immer wieder Hoffnung setzt in uns mit DEINER Güte beschenkst.

    HERR, wir bitten DICH, erfülle uns mit DEINEM Geist, dass wir DIR vertrauen und unser Leben gestalten auf DEINEM Weg zum Heil.

    HERR, wir bitten DICH, hilf uns zu überwinden unter uns, was DEINE Liebe verbirgt, was sie unterdrückt oder entstellt.

    HERR, wir bitten DICH, hilf uns, von schnellen und oberflächlichen Urteilen weg zu kommen und wecke in uns die Ehrfurcht vor DEINEN Geschöpfen.

    HERR, wir bitten DICH, schenke neuen Mut den Müden und Erschöpften, Orientierung und Halt den Ratlosen und Verbitterten.

    Sei bei allen, die in unserem Land Verantwortung übernehmen in Politik und Verwaltung und geleite sie in ihren Entscheidungen in DEINEM Geist.

    HERR, unser Gott, achte auf unser Gebet und hilf, dass wir auf DEIN Wort hören, das uns stärkt, zu trösten, Hoffnung zu schenken und Zuversicht und die Kraft, mitzubauen an DEINEM Reich.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Andachten

    Michaelis – und andere wichtige Tage….

    Im Rahmen des Festjahres in Krölpa ist für den 25. September ein „Michaelismarkt“ (13-18 Uhr rund um den Dorfplatz) geplant. Für manchen ist dies verwunderlich, denn bisher gab es keinen solchen Markt in Krölpa. Darum nun ein kleiner Einblick in die Geschichte und Tradition von (mittelalterlichen) Märkten:

    Das Jahr war im Mittelalter von der agrarischen Struktur des Lebens geprägt, so auch manche Feste und Feiertage, die auch mit Bräuchen aus dem Natur- und Volksglauben verbunden wurden. Sie waren Höhepunkte im Leben der Menschen und strukturierten gleichzeitig auch das Jahr. Eng verbunden mit Festen und Feiertagen waren auch die Märkte, die in den Städten und Dörfern abgehalten wurden (Martinimarkt: um 11.11.- als letzte Möglichkeit vor der Fastenzeit im November/ Dezember Einkäufe zu erledigen/ Johannis (24.06.) oder zur Kirmes/ Kirchweih/ Ostern (Frühjahrsmarkt). Diese dienten nicht nur zur Versorgung mit Lebenswichtigem, sondern auch der Gemeinschaft, des Austausches, der Unterhaltung und dem Fest. Noch heute gibt es auf manchen Märkten zur Kirmes ein Karussell, eine Los Bude oder einen Schießstand. Auch für das leibliche Wohl wurden Dinge angeboten. Daneben gab es bestimmte Markttage, die in den Städten und Orten, die Marktrecht besaßen, vom Rat festgelegt wurden.

    Neben Markttagen gab es auch „Lostage“. Hier handelte es sich um bestimmte Feste und Tage im Jahr, die mit bestimmten bäuerlichen Verrichtungen verbunden waren (Beginn der Aussaat / Verlauf der Ernte) und an denen man auch besonderes Augenmerk auf die Entwicklung des Wetters richtete (Wetterregeln/ hundertjähriger Kalender). Meist standen sie in Verbindung mit dem Heiligenkalender des Kirchenjahres (Maria Lichtmess – 2.Februar/ Siebenschläfer – 7. Juli o.27.Juni/ Johannistag -24.06./ Michaelistag – 29.09. / Hubertustag – 3.11.). „Los“ meint hier „Geschick“. Beispielsweise wurden um den Michaelistag (29.09.) die Pachten und Abgaben gezahlt bzw. auch Verträge festgelegt. Bis heute hat sich dieser Brauch gehalten. Neben der Erinnerung an Engel als Begleiter/ Boten von Gott,- hier für den Erzengel Michael (Namensbedeutung: „Wer ist wie Gott?“) der gegen die Dunkelheit kämpft, stand am Michaelistag auch die Erfahrung der kürzer werdenden Tage und des abnehmenden Lichts im Mittelpunkt. Ab diesem Tag wurden Kerzen in den Häusern entzündet, die Licht für die Arbeit gaben. Aber auch im übertragenen Sinn galt es der eigenen inneren „Dunkelheit“, dem Bösen, Kräfte entgegen zu setzen und für das „innere Licht“ zu sorgen.

    An bestimmten Tagen im Jahr wechselten die Angestellten (Knechte, Mägde, Gesinde, Dienstboten) und Arbeiter (Gesellen) auf den Höfen oder in den Werkstätten. Dies geschah zum Maria Lichtmess (2.Februar) oder auch zum Martinstag. Mit dem Lohn und meist auch einem Festmahl wurden die Angestellten entlassen.