Andachten 2022

  • Andachten 2022

    Andacht zum 13. Sonntag nach Trinitatis,

    11. 9. 2022

    Text: Römerbrief 14, 19 (Lehrtext zum 15. 9. 2022)

    Paulus schreibt: Lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander.

    Gedanken zum Text:

    Ach, Paulus, du hast ja so recht! Erinnere uns nur, worauf es wirklich ankommt, gerade dann, wenn das Leben seine raue Seite zeigt. Da liegt uns nämlich das Beharren, das Recht haben wollen, die Schuldzuweisung und der Verriss viel näher als die Sorge um den Frieden oder gar um die „Erbauung untereinander“, wie es wohlklingend altertümlich in der Lutherübersetzung heißt. Das ist unsere menschliche Natur. Das war zu deiner Zeit auch nicht anders, auch in den christlichen Gemeinden, selbst in der Welthauptstadt Rom, stimmt´s, Paulus? Damals ging´s ums Essen. Was darf der gute Christ essen und was nicht. Muss er die Speisegebote der Thora einhalten, darf er das Fleisch von Opfertieren für andere Götter, das preiswert zu haben war, zu sich nehmen? Diese „Probleme“ möchten wir haben, denken bestimmt nicht wenige Menschen heute in den Kirchen und Gemeinden. Aber halt! Kennen wir diese Diskussionen nicht auch? Sicher, die Thora – Speisegebote wieder zu beachten ist für die meisten Christen kein Thema. Aber ob nun Ernährung mit oder ohne Fleisch, alles unbedingt Bio oder Hauptsache, es schmeckt – das gerät immer öfter zur grundsätzlichen, scheinbar heilsentscheidenden Bekenntnisfrage. Danke, Paulus, dass du die römischen Christen zu deiner Zeit und auch uns heute vor diesem gefährlichen Irrtum bewahren möchtest, indem du sie und uns erinnerst: Was wir essen, ist eben nicht heilsentscheidend und wird auch immer so verschieden sein, wie wir geprägt sind und was für Ernährungsmöglichkeiten wir haben. Die Vielfalt unserer Ansichten – längst nicht nur in diesem Punkt – ist immer eine Herausforderung für das Zusammenleben, wie wir gerade auch in der gegenwärtigen Krise deutlich spüren, in der bei ziemlich vielen Menschen die Nerven blank zu liegen scheinen. Dem nachzustreben, was zum Frieden dient, heißt da ganz konkret sich an einen Tisch zu setzen, einander zuzuhören und zu sagen, was zu sagen ist: Stärkende Worte, Mut machende Ideen, hoffnungsvolle Gedanken, oder auch ein sanfter Trost – gespeist aus einem tiefen Gottvertrauen kommen – kurz: alles, was der Erbauung untereinander dient.

    Brücke die Orte verbindet

    Gedanken zum Bild:

    Brücken verbinden Orte und Menschen, lassen sie auf direktem Weg zueinander kommen, überwinden Hindernisse ohne mühsame Umwege – kurz: Sie sind eine sehr praktische Erfindung, die das Leben erheblich erleichtern. Mehr noch: Eine Brücke ist auch ein sehr starkes, sofort verständliches Symbol. „Brücken“ im übertragenen Sinn sind für das Zusammenleben unerlässlich. Denn oft genug sind wir auf sie angewiesen, wenn wir die Menschen verstehen wollen, mit denen wir den Lebensraum und die Lebenszeit teilen. Das beginnt bereits bei unseren Familien und Verwandten und erst recht bei Bekannten oder Unbekannten. Menschen, die als „Brückenbauer“ wirken, braucht es gerade in unserer Gegenwart so sehr wie lange nicht mehr, denn so viele igeln sich inzwischen am „Ufer“ der eigenen Meinung, der eigenen Weltsicht und der eigenen Sorgen ein, bis die Verbindung zu den „anderen Ansichten“ ganz abzureißen droht. Natürlich haben es die „Brückenbauer“ nicht immer leicht. Einerseits werden sie sehr geschätzt von denen, die bereit sind, die Brücke von sich aus auch zu betreten. Bei den anderen müssen sie sich mitunter Belehrungen, Spott und Hohn gefallen lassen. Denn was nützt die schönste Brücke, wenn sie nicht betreten wird oder jeder nur an „seinem Ufer“ verharrt – und darauf wartet, dass der andere da drüben den ersten Schritt macht? Klar, es braucht etwas Überwindung und Mut für den ersten Schritt aufeinander zu und es kann auch sein, dass sich der Jubel auf „der anderen Seite“ in Grenzen hält. Aber dass es Brücken für ein gelingendes Zusammenleben nicht nur in den Gemeinden braucht, steht außer Frage. Diese zu bauen und zu erhalten ist unsere Aufgabe als Kirchen und Christen.

  • Andachten 2022

    Andacht zum 10. Sonntag nach Trinitatis, 21. 8.2022, Israel – Sonntag

    Gedenktag der Zerstörung Jerusalems

    Text: Klagelieder Jeremias 5, 20 – 21 (Predigt-
    text)
    Warum willst DU uns so ganz vergessen, uns
    fern bleiben für alle Zeit? Bring uns doch,
    HERR, zu DIR zurück! Dann wollen auch wir
    umkehren! Schenk uns neues Leben wie in den
    alten Tagen! (Basis – Bibel Übersetzung)
    Gedanken zum Text:
    Kaum zu glauben, dass diese Worte ungefähr
    2500 Jahre alt sind! Ursprünglich beziehen sie
    sich auf die Zerstörung Jerusalems im Jahr 586
    vor Christus. Sie könnten aber durchaus auch
    aus unserer Zeit stammen, oder? Empfinden
    nicht viele unsere Zeit als „gottvergessen“ –
    wenn sie dafür überhaupt noch eine „Antenne“
    haben? Wünschen sich nicht die wenigen Gott-
    gläubigen unserer Gegend endlich ein unmiss-
    verständliches Zeichen des HERRN, das die
    Menschen wieder „heimführt“ in die so leer ge-
    wordenen Kirchen? Spätestens den letzten
    Satz, die flehentliche Bitte um das neue Leben
    wie in alten Tagen ( …wie vor der Krise) wür-
    den wohl alle sofort unterschreiben, unabhän-
    gig ihrer Weltanschauung oder ihres Glaubens.
    Ehrlich: Wer sehnt sich momentan innerlich
    nicht zurück ins Leben wie in den alten Tagen?
    In denen war zwar auch nicht alles Gold, was
    glänzte, aber es war allemal ruhiger und siche-
    rer als jetzt mitten in der Krise. Der Blick zu-
    rück ist also mehr als verständlich und die Bitte
    ebenso. Das Problem ist nur: Die allermeisten
    richten sie an die falsche Adresse. Eigentlich
    sprechen sie sie gar nicht einmal direkt aus,
    sondern verstecken sie in einer Erwartung – an
    „die da oben“, „Politiker“ im allgemeinen und
    die Bundesregierung im besonderen. Von der
    wird erwartet, ja geradezu gefordert, dass sie
    die Auswirkungen der weltumspannenden Kri-
    se für uns mit einem Mal beseitigt – und das
    bitte umgehend, damit das Leben ganz schnell
    wieder so sein kann wie in den alten Tagen. Er-
    schreckend, wie weit diese Erwartung an der
    Wirklichkeit vorbeigeht! Zum einen, weil es
    keine „Patentlösung“ gibt für diese Krise. Viel
    zu viele Köche haben da einen giftig blubbernden Brei zusammengerührt, aus dem sie Gold
    machen wie kaum je zuvor. Und zum anderen,
    weil niemand die Zeit zurückdrehen kann. Zeit,
    Leben ist Veränderung, die immer nur in eine
    Richtung laufen kann. Auch für das Volk Israel
    kam die gute alte Zeit nicht wieder, als sie nach
    gut 50 Jahren Gefangenschaft zurück in ihre
    Heimat durften. Da fingen sie bei Null an. Wer
    weiß, wie wir aus der gegenwärtigen Krise her-
    auskommen werden, was dann alles anders sein
    wird als wir es bisher kannten. Nur eines ist ge-
    wiss: Auch das wird keine gottlose Zeit sein.
    Denn der HERR vergisst die SEINEN nicht –
    wie wir an SEINEM Volk bis heute sehen kön-
    nen.

    Baum im Sommer

    Gedanken zum Bild:
    Mancher denkt beim Blick in die „alten Tage“ –
    nicht nur in die vor der Krise, sondern wohl
    auch in die der eigenen Jugend – wohl an einen
    solchen breiten, ebenen Weg durch den strah-
    lenden Sonnenschein. Da gab es nur ganz we-
    nig Schatten am Wegesrand. Da „lief alles
    glatt“ und wenn doch etwas entgegen kam –
    kein Problem, auszuweichen war immer recht-
    zeitig möglich, wenn man die Augen offen
    hielt. Mag sein, dass da die Erinnerung noch
    ein zusätzliches „goldenes Licht“ darüber legt.

    Aber was soll ́s? Nur: Wer nur zurückschaut,
    lebt riskant. Denn der Weg führt nun einmal
    nur in die Zukunft, auch wenn er zunächst
    kaum zwischen den Schatten erkennbar bleibt.
    Aber sehen Sie den „Sonnenfleck“ im Hinter-
    grund, in dessen Licht der Verlauf des Weges
    aufleuchtet? Sehen Sie in seinem Licht, dass
    der Weg auch durch die Schatten breit und eben
    bleibt, gut begehbar? Übrigens ganz nebenbei
    bemerkt: Wer sagt denn, dass wir bei „Schat-
    ten“ immer „Schwarz sehen“, an Negatives
    denken müssen? Sollte uns nicht gerade dieser
    Dürresommer gelehrt haben, dass Schatten
    durchaus ihr Gutes haben können, ja sogar hilf-
    reich sein können zum Überleben? Wie und
    was genau sich da zeigt, werden wir erst spüren
    und erleben, wenn wir diese Wegstrecke selber
    gehen – auf dem breiten, ebenen Weg, auf dem
    wir nicht allein unterwegs sind. Denn der
    HERR vergisst die SEINEN nicht. Möge ER
    uns schenken, dass wir dann nicht mehr ge-
    blendet sind vom strahlenden Glanz unseres
    Wohlstands, sondern neue, weitsichtige Ein-
    sichten gewinnen, mit denen wir unser Leben
    neu gestalten.

  • Andachten 2022

    Andacht zum 9. Sonntag nach Trinitatis,14. 8.2022

    Text: Psalm 113, 5-7 (Herrnhuter Losung zum
    14.8.2022)
    Wer ist dem HERRN gleich, unserem Gott, der
    hoch droben thront, der tief hinunterschaut auf
    Himmel und Erde! Der aus dem Staub den Ge-
    ringen aufrichtet.
    Gedanken zum Text:
    „Wer ist dem HERRN gleich…“, so fragt der
    Beter des Psalms. Er hat dabei nicht Menschen
    im Blick, sondern zuallererst die „anderen Göt-
    ter“, die in der Umwelt des Volkes Israel meist
    mit großem Pomp verehrt wurden. Mit denen
    stand der Gott Israels auch in den Augen SEI-
    NES Volkes immer in Konkurrenz, weil ER
    eben SEINE Macht nicht zeigte in gewonnenen
    Kriegen oder anderen augenfälligen Ereignis-
    sen. Da fiel es schwer, IHN als den HERRN
    der Welt zu glauben. „Religiöse Konkurrenz“
    ist in unseren Breiten kein Thema (mehr) oder
    sollte es zumindest nicht sein. Denn wir leben
    in einer Welt, in der alle gläubigen Menschen
    als seltsam betrachtet werden, wenn sie die
    rückhaltlose Verehrung des Geldes und der
    Selbstsucht in allen Lebensbereichen wenigs-
    tens infrage stellen. Wir hören das Psalmwort
    heute entsprechend: „Wer ist dem HERRN
    gleich…“- o ja, da ist sie wieder, die Versu-
    chung, sich wie Gott zu fühlen oder gar aufzu-
    führen, sich allen anderen überlegen zu glauben
    und sie den langen Arm der eigenen Macht
    spüren zu lassen. Das ist längst nicht nur ver-
    breitet in den höchsten Kreisen. Das geht schon
    bei den Jüngsten im Kindergarten los, wenn da
    einer in der Gruppe immer den Chef spielt und
    einen anderen drangsaliert. Es setzt sich unter
    anderem fort in Nachbarschaftsstreitereien, in
    denen sofort das „schwere Geschütz“ aufgefah-
    ren wird, statt freundlich über den Zaun mitein-
    ander die Sache zu klären. Der Gipfel des Gan-
    zen sind machtberauschte Politiker, die ohne
    jeden Skrupel für ihre Ziele über Leichenberge
    gehen, wie wir es gerade wieder einmal an ver-
    schiedenen Orten unserer geschundenen Welt
    erleben müssen. Macht macht süchtig nach
    mehr Macht, nach Allmacht, von „oben herab“
    zu schauen auf die anderen, die „ganz tief“ un-
    ter einem zu sein scheinen, wo man sie garnicht mehr so richtig sehen kann. Gott ist da
    ganz anders. ER sieht „von ganz oben“ auch
    die, die im Staub, am Boden liegen. Die Ohn-
    mächtigen, die Opfer der Mächtigen, die Ent-
    rechteten, die Enttäuschten, die Traurigen und
    Verzweifelten. ER sieht sie nicht nur, ER rich-
    tet sie auf, wie uns der Beter des Psalms erin-
    nert. Sehen und Aufrichten, das können auch
    wir mit Gottes Hilfe – im Rahmen unserer
    Möglichkeiten und Grenzen. Das macht uns
    keinesfalls Gott gleich – aber zu SEINEN
    glaubwürdigen Schülern.

    Sommer Dürre Bach

    Die Dürre lastet auf dem Land – und dennoch
    gibt es auch das noch: eine kleine Quelle, aus
    der immer noch Wasser entspringt. Ein schönes
    Bild, gerade in diesen Tagen. Aber was kann
    schon eine Quelle ausrichten gegen die Tro-
    ckenheit, die Pflanzen und zunehmend auch
    Tieren immer mehr zusetzt? Liefert sie nicht
    nur den berühmten „Tropfen auf den heißen
    Stein“? Im Großen und Ganzen betrachtet, tro-
    cken und realistisch, ist das so, ohne Zweifel.
    Aber vielleicht ist diese Betrachtungsweise
    vom Großen und Ganzen hier auch gar nicht
    angemessen. Denn sie wertet ab statt zu würdi-
    gen. Diese kleine Quelle sprudelt. Wo ihr Was-
    ser auftrifft, ist das Gras grün. Wo es hinfließt,

    da steht sogar ein großer Baum mit saftig grü-
    nen Blättern. Diesen Pflanzen in ihrer Nähe
    Wasser zu geben, das kann doch auch die Be-
    stimmung dieser Quelle inmitten der Dürre
    sein, oder? Mehr braucht es nicht und mehr
    kann sie auch nicht. Aber das genügt, weil es
    Leben möglich macht in ihrer Nähe. Mir ist
    dieser Gedanke wichtig, weil er hilft, vom läh-
    menden „da kann man nichts machen“ weg zu
    kommen, das ich immer wieder höre und
    manchmal sogar selber denke. Sicher wachsen
    die Sorgenberge im Moment bei sehr vielen
    Menschen schneller, als sie je gedacht hätten.
    Sie erzählen davon und bei manchen habe ich
    den Eindruck, sie erhoffen sich damit irgendei-
    ne Art der Unterstützung. Ein Geheimrezept,
    das alles wieder gut macht, die Dürre endgültig
    beseitigt, wird niemand haben. Aber ehrlich zu
    fragen: „Was genau kann ich jetzt für dich
    tun?“ Das ist möglich und kann zur kleinen
    Quelle werden, wenn es denn getan wird.

  • Andachten 2022

    Andacht zum 8. Sonntag nach Trinitatis,

    7. 8.2022

    Text: Jesaja 43,2 (Herrnhuter Losung zum 10.8.2022)

    Gott spricht zu SEINEM Volk: Wenn du durch Wasser gehst, will ICH bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen.

    Gedanken zum Text:

    „Geld regiert die Welt“, sagt man so dahin in Friedenszeiten. Was das konkret bedeutet in einer echten Krise, das spüren wir jetzt. Dann schießen sie aus der Deckung, die Leute, die gnadenlos die Krise für sich ausnutzen, um immer noch reicher zu werden. Klar, dass dann nicht wenige auf dieser Welle mitschwimmen wollen. Manche verkaufen Nachrichten, ein sehr gutes Geschäft im Moment. Aber dennoch braucht es Aufreger, denn das Interesse der Menschen verpufft schnell. Nur „Drama“ zieht, zum Beispiel Horrorszenarien für den kommenden Winter zu verbreiten, die die Ängste der Menschen befeuern. Kein Wunder, dass uns die starken Bilder dieses Gotteswortes direkt ansprechen – vom Wasser, das bis zum Hals steht, vom Strom, der einen mitzureißen droht und gleichzeitig Feuer an allen Ecken der Welt. Was für ein Fest für Panikmacher aller Art! Die gab es schon immer, sicher auch damals im Volk Israel, nach der Katastrophe, als alles für immer verloren schien. Ihr Einfluss wuchs ständig. Denn da war kein Mensch, der einen sicheren Ausweg wusste, einen einfachen Plan anzubieten gehabt hätte. Kein Wunder, denn mit so vielen und so grundlegenden Veränderungen hatte ja auch niemand rechnen können. In solch einer Lage kann man sich nur Schritt für Schritt voran tasten, muss mit Kompromissen leben und auf Rückschläge gefasst sein. Das war damals für Israel kaum anders als für uns heute – ohne Zweifel eine kraftraubende Zeit für alle. Wie heute hat es damals auch einige gegeben, die sich fragten, was Gott wohl zu dem Ganzen sagen würde. Sie werden ebenfalls nicht in der Mehrheit gewesen sein. Aber sie hörten genau hin, als Jesaja ihnen das Gotteswort sagte und schrieben es für alle folgenden Generationen auf, die in ihren Sorgen und Nöten nicht weiter wissen: Wenn du durch Wasser gehst, will ICH bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen. Dass der HERR zu SEINEM Wort steht, zeigt uns die Geschichte SEINES Volkes, mit dem wir durch Jesus geschwisterlich verbunden sind, durch alle Zeiten hindurch.

    Bach Griebse bei Pößneck

    Foto: Privat (J. Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Von wegen „Wasser bis zum Hals“ oder gar „Ströme, die einen mitreißen können“ – davon war in unserer Gegend seit Monaten nichts zu bemerken. Im Gegenteil: Inzwischen müssen wir von einem Dürrejahr sprechen, in dem die Wasserknappheit unübersehbar ist. Bäche und kleinere Flüsse fallen ganz oder teilweise trocken. Die Vegetation leidet wie lange nicht. Ernteausfälle sind unvermeidlich. Die Ereignisse sprechen eine deutliche Sprache: Wir sind bereits mitten drin im Klimawandel – heraus aus der Zwischenkaltzeit, zurück in die Warmzeit, sagen Experten. Die Anpassung daran wird uns viel abverlangen, auch weil uns nicht viel Zeit bleibt. Dennoch werden wir es Schritt für Schritt neu lernen müssen. Denn die letzten Menschen, die sich mit den Lebensbedingungen in der Warmzeit unserer Breiten wirklich auskannten, können uns keine Hilfe sein. Sie sind vor gut 550 Jahren gestorben und haben ihr Wissen mit ins Grab genommen. Ihren Glauben, ihr Vertrauen in die Liebe Gottes allerdings nicht – den haben sie uns überliefert, zu spüren in den vielen erhaltenen Kirchen aus jener Zeit. Dort kamen sie zusammen, um neu Kraft und Mut zu schöpfen für die Herausforderungen ihres anstrengenden Alltags. Sie kamen, um sich zu vergewissern, dass es nur einen HERRN und Heiland gibt, der durch die Zeiten führt, die uns oft alles abverlangen. Dass sie dabei auch der Versuchung erlagen, für die Ursache alles Schweren und Bedrückenden eine einfache Antwort zu finden und diese als Strafe Gottes bezeichneten, müssen wir ihnen nachsehen. Denn die wenigsten von ihnen konnten selbst in der Bibel lesen. Das ist seit der Reformation und bis heute Gott sei Dank anders.

  • Andachten 2022

    Andacht zum 4. Sonntag nach Trinitatis, 10.7.2022

    Text: Psalm 138, 7 (Herrnhuter Losung vom 16.7.2022)

    HERR, wenn ich mitten in der Angst wandle, so erquickst DU mich.

    Gedanken zum Text:

    Die großen Ferien rücken immer näher Das Schuljahr ist zweifelsohne auf der Zielgeraden. „Notenschluss“ und „Wandertage“ heißen die erlösenden Worte für die Kinder und Jugendlichen, die sich auf den Sommer freuen. Den Erwachsenen geht es ähnlich: Endlich raus aus dem Hamsterrad, entspannen, neue Kraft tanken, mal frei über die Zeit verfügen können, eine „erquickliche Zeit“ erleben, um dieses schöne alte Wort mal zu verwenden. Diese Freude kann uns niemand nehmen. Aber leider: Eingetrübt ist sie auch im Jahr 2022. Das liegt sicher nicht an uns. So viel Unfrieden in der Welt, der uns bedrohlich nahe kommt. Die Ukraine ist nur der Gipfel des Vulkans, auf dem wir alle leben. Auch Corona ist noch längst nicht besiegt, sagen die Experten. Hätte jemand ahnen können, dass wir nach nur 30 Jahren wieder lernen müssen, mit der Angst zu leben, „mitten in ihr zu wandeln“? Es ist ein Teufelskreis: Angst macht unsicher und Unsicherheit macht Angst, verwirrt, lässt Rufe nach „einfachen Lösungen“ immer lauter werden. Da aber jeder einigermaßen denkende Mensch spürt, dass es diese Patentrezepte nicht gibt, muss wenigstens ein „Schuldiger“ her – wahlweise Regierung, Bundestag, NATO, Putin…Wie hieß es bei der letzten Fußball – WM: Wir haben in Deutschland 80 Millionen Bundestrainer. Jetzt drängt sich mir der Eindruck auf: Heute haben wir mindestens so viele Bundeskanzler. Der Unterschied ist: Beim Fussball meinten alle, sie wüssten, wie die Mannschaft hätte spielen müssen, um weiter vorn zu landen. Heute wird nur gemotzt, was nichts hilft gegen die Angst. Wirklich helfen gegen die Angst kann nur Vertrauen, zuallererst auf Gott. IHM alle Sorgen ans Herz zu legen, auch die Ängste. Was dann geschieht, übersetzt Luther mit: „so erquickst DU mich.“ Gott selbst ist es also, der uns aus dem Hamsterrad der Angst herausholt, uns durchatmen lässt und neue Kraft schenkt. Erholung, Urlaub für die Seele pur – mehr noch: für den ganzen Menschen, damit der Blick wieder frei wird für die Spuren SEINER Gnade, die wir so leicht übersehen.

    Wald in Thüringen

    Foto privat (J. Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Bei diesem Bild sollte man genauer hinschauen – wie im richtigen Leben. Was auf den ersten Blick erscheint wie die Aufnahme eines stimmungsvollen, sommerlichen Waldstücks, nett anzusehen, aber sonst… ist eigentlich viel mehr. Haben Sie den großen Felsen im Hintergrund wahrgenommen – und vor allem die Kiefern, die an seiner Abbruchkante wurzeln? Ein Wahnsinn, oder? Am Abgrund Wurzeln zu schlagen, in die Höhe zu wachsen, der Gefahr zu trotzen, weil da genug ist – sicher nicht viel, aber gerade genug, damit der Kiefersamen seine Lebenskraft entfaltet. Das, was da ist, reicht aus, um Leben zu ermöglichen, Halt zu geben und Kraft. Erstaunlich, wie hoch die Kiefern schon gewachsen sind! Das ist viel mehr als ein einfacher Blick in eine eindrückliche Landschaft. Das ist eine Naturaufnahme, die zum Hoffnungsbild wird, gerade in unseren Zeiten. Sie stellt uns zum einen vor Augen, wie wenig es eigentlich braucht zum Leben, wie anspruchslos das Leben seine Kraft entfalten kann. Zum anderen erinnert sie uns: Auf die Wurzel und den Wurzelgrund kommt es an. Ist die Wurzel stark genug, und der Grund, der sie hält, dann ist auch ein kräftiges Leben am „Abgrund“ möglich. Menschen „wurzeln“ in sehr verschiedenen Gründen. Familie, Beziehungen, Freundeskreis. Die beste Wurzel ist allerdings zweifelsohne das Vertrauen in in das Fundament der Liebe Gottes. Die hält stand, auch wenn die ärgsten Stürme um den Felsen toben. Damit wir das auch spüren können, feiern wir miteinander Gottesdienst und empfangen Gottes Segen.