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    Andacht zur Woche „zwischen den Jahren“ 2020 -2021

    Schriftwort: Johannes 1,14b (Wochenspruch)

    Er, der das Wort ist, wurde ein Mensch von Fleisch und Blut und lebte unter uns. Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit, wie nur er als der einzige Sohn sie besitzt, er, der vom Vater kommt. (Neue Genfer Übersetzung)

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Weihnachten 2020 liegt hinter uns, das neue Jahr vor uns. Was bleibt in Erinnerung? Die ganze Aufregung im Vorfeld, die Bedenken, die Beschwernisse, die öffentlichen Forderungen nach Verbot der „Präsenz – Gottesdienste“ noch am 23. Dezember und die damit verbundenen Vorwürfe, die Kirche handle unverantwortlich und riskiere die Gesundheit und vielleicht sogar das Leben der Gottesdienstbesucherinnen und -besucher? Nichts von alledem bleibt wirklich lange im Gedächtnis, vermute ich. Denn wenn Corona endlich einmal vorbei sein wird, werden neue Herausforderungen zu meistern sein.

    Was aber bleibt, das sind die zahlreichen einfallsreichen Initiativen und genialen Ideen, die Weihnachtsbotschaft gerade in diesen unsicheren Zeiten weiterzusagen. Gott sei Dank gibt es die (neuen) Medien (mancherorts wurden auch auf klassischen Wege Weihnachtsbriefe verteilt)! Gleichzeitig gab es auch die mutigen Entscheidungen, dort, wo es die Möglichkeit gab, unter Einhaltung aller notwendigen Maßnahmen Präsenz – Gottesdienste durchzuführen, in denen sich die Besucherinnen und Besucher überall ausgesprochen sorgfältig und vernünftig verhielten. Dafür möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich Danke sagen! Danke für Ihr Engagement in welcher Form auch immer! Sie haben dazu beigetragen, dass die vertraute, hoffnungsvolle Botschaft von Weihnachten die Menschen erreicht. „Fürchtet euch nicht!“, so rufen uns die Engel auch in diesem Jahr zu und sie treffen auf offene Ohren, offener so meine ich als in den satten Jahren bisher.

    Das Johannesevangelium sagt es in seiner feierlichen und gehobenen Sprache sehr beeindruckend: Er, der das Wort ist, wurde ein Mensch von Fleisch und Blut und lebte unter uns. Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit, wie nur er als der einzige Sohn sie besitzt, er, der vom Vater kommt.

    Die Herrlichkeit des HERRN voller Gnade und Wahrheit, sie scheint auf, wenn Menschen Weihnachten feiern, unter allen Umständen, in denen sie leben müssen, und seien diese noch so widrig. Hören Sie den Älteren in den Gemeinden zu, die noch von den Weihnachtsfesten gleich nach dem letzten Weltkrieg erzählen können. Oder unter welchen Bedingungen die verfolgten Mitchristen auf der Welt bis heute das Christfest feiern müssen. Überall ist sie zu spüren, die Herrlichkeit des HERRN, wenn Menschen von SEINER Liebe ergriffen werden. Das muss nicht rauschend gefeiert werden und kann auch ganz im Verborgenen geschehen.

    So war es im Übrigen auch damals in Bethlehem. Die Geburt des Heilands war außer für die Menschen, die die Engel ganz persönlich eingeladen hatten, von niemandem anderen beachtet worden. Die Hirten auf dem Feld fanden den Stall als erste, die Weisen aus dem Morgenland auf Umwegen und mussten feststellen, dass ganz Jerusalem völlig ahnungslos war. Zeichnung: J.Reichmann

    Weihnachten ist also zuallererst eine ganz persönliche Angelegenheit. Ob ich bereit bin, zuzuhören, wie die Hirten und die Weisen. Ob ich bereit bin, zu vertrauen und mich auf den Weg zu machen. Heraus aus meinen liebgewordenenen Gewohnheiten, aus meiner eingefahrenen Vorstellungswelt hinein in die Situation, in der mir Christus begegnet.

    Das Weihnachtsfest liegt hinter uns – aber gerade in unserer Krisenzeit tut es gut zu erinnern, dass die Weihnachtszeit mit ihm erst beginnt! Bis Heilig Abend waren wir im Advent unterwegs, auch wenn uns seit langem schon vorgegaukelt wird, dass spätestens am Totensonntag der Startschuss zum Weihnachtstrubel fallen muss. Die Weihnachtszeit geht im Kirchenjahr bis zum 2. Februar, an dem unsere katholischen Mitchristen das Fest Maria Lichtmess feiern. Gelegenheit also mehr als genug, sich aufmerksam und neugierig auf den Weg zu machen, um Gottes Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit mitten im Alltag zu entdecken.

    Gebet:

    Ewiger Gott, wird denken DIR, dass DU in DEINEM Sohn Jesus Christus Mensch geworden bist und durch alle Zeiten mit uns lebst.

    HERR, wir bitten DICH, lass uns in diesem Vertrauen die Herausforderungen der Krise bestehen können.

    HERR, wir bitten DICH für alle Menschen, die unter der Pandemie und ihren Folgen besonders zu leiden haben oder die Entscheidungen zu fällen haben, wie das Virus am Besten bekämpft werden kann.

    HERR, wir bitten DICH für alle Menschen, die bis zur Erschöpfung und oft auch darüber hinaus in den Krankenhäusern und in der Pflege ihre Arbeit tun in dieser Krisenzeit. Schenke ihnen Kraft und lass sie in allen Herausforderungen ihren Dienst mit Freude tun können.

    HERR, wir bitten DICH für alle, die an der Schwelle zum neuen Jahr schon vergessen haben, dass sie eben noch Weihnachten gefeiert haben. Schenke ihnen das Licht DEINER Hoffnung.

    HERR, komme DU mit DEINEM Heil in unsere unheile Welt und schenke uns ein friedliches und gesegnetes neues Jahr 2021.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser.

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zum 4. Adventssonntag

    20. Dezember 2020

    Schriftwort: Psalm 102, 13 -23 in Auswahl

    Du aber, HERR, regierst für immer, jetzt und in allen künftigen Generationen wird man DICH ehren.

    DU sollst dich aufmachen und DICH der Stadt Zion voll Erbarmen zuwenden, denn es ist an der Zeit, ihr gnädig zu sein. Ja, der Zeitpunkt dafür ist gekommen.

    Aber es kommt die Zeit, in der die Völker Ehrfurcht haben werden vor dem Namen des HERRN und alle Könige der Erde vor DEINER Herrlichkeit.

    Denn der HERR wird Zion wieder aufbauen und dort erscheinen in SEINER Herrlichkeit.

    ER wird sich dem Gebet der Verlassenen wieder zuwenden, ihre Bitten wird ER nicht zurückweisen.

    ER schaut herab aus SEINEM Heiligtum in der Höhe; ja, der HERR blickt vom Himmel auf die Erde,

    um das Seufzen der Gefangenen zu hören, um die Todgeweihten zu befreien.

    Und so werden sie in der Stadt Zion wieder den Namen des HERRN verkünden, SEINEN Ruhm verbreiten in Jerusalem,

    wenn Völker sich dort versammeln, Menschen aus allen Königreichen, um dem HERRN zu dienen.

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Der vierte Adventssonntag steht im Kirchenjahr ganz im Zeichen der Vorfreude auf die nahe Ankunft des HERRN. Aber ehrlich: In diesem Jahr sind wir hin und her gerissen zwischen Vorfreude und Befürchtungen. Mittendrin in der zweiten Pandemiewelle, deren Ende noch nicht abzusehen ist, eingeengt durch die notwendigen Schutzmaßnahmen haben wir mehr Sorgen und Herausforderungen, das Fest unter diesen Bedingungen zu organisieren als dass wir uns leichten Herzens darauf freuen könnten. So manchen ist wohl eher nach klagen und murren als nach lachen und jubeln zumute. „Es wird schon gehen“, sagen die meisten, aber ohne Begeisterung. Für alle, die nicht stecken bleiben wollen im Jammer oder nicht mehr wissen, wohin mit ihrer ohnmächtigen Wut über das, was über uns hereingebrochen ist, weiß die Heilige Schrift Rat:

    Ein Gebet für den Elenden, wenn er verzagt ist und seine Klage vor dem Herrn ausschüttet.“ So steht es als Überschrift im 1. Vers des Psalms 102 aus dem der Abschnitt oben entnommen ist. Beten kann der und die, die mit ihrem Schicksal hadern, die sich ungerecht behandelt fühlen oder die Last ihres Alltags kaum mehr stemmen können. Der Psalm kann helfen, Worte zu finden, die wirklich erleichtern und befreien.

    Dazu beginnt der Beter des Psalms tatsächlich mit einer handfesten Klage, die er in drastischen Bildern beschreibt: „Mein Herz ist geschlagen und verdorrt wie Gras, dass ich sogar vergesse, mein Brot zu essen. Mein Gebein klebt an meiner Haut vor Heulen und Seufzen. Ich bin wie die Eule in der Einöde, wie das Käuzchen in der Ruine“, so sagt er. Und er weiß auch, wen er so tief in seine Seele schauen lässt – den HERRN selbst. Bei Gott dürfen wir klagen. ER hört es ganz bestimmt, nimmt uns nicht übel, wenn wir uns wiederholen, wenn ER unsere Gedanken schon längst kennt. Gott hört auf Klagen und hört zu, wie es uns viele biblische Geschichten erzählen.

    Die Klage vor Gott auszusprechen gibt ihr eine Richtung, hilft, den Kopf wieder frei zu bekommen. Dann sieht der Beter weiter und erinnert sich, von wem er wirklich Hilfe erwarten kann: vom HERRN selbst. Und das sagt er zu Beginn unseres Abschnittes mit deutlichen Worten: „DU sollst dich aufmachen und DICH der Stadt Zion voll Erbarmen zuwenden, denn es ist an der Zeit, ihr gnädig zu sein. Ja, der Zeitpunkt dafür ist gekommen.“ Bei Gott dürfen wir nicht nur klagen, wir dürfen auch unsere ganz persönlichen Erwartungen an IHN herantragen, was wir für richtig und notwendig halten und für ganz dringend erachten. Wir dürfen ganz hartnäckig auf ihn

    einreden, ihn aufwecken, ihn auffordern und ihm unsere Bitten und Wünsche ans Herz legen.

    Und der Beter des Psalms ruft uns sorgenvoll Klagenden ins Gedächtnis, auf wessen Hilfe wir vertrauen können: Die Menschheitsgeschichte ist vor IHM vorbeigezogen. So viel ernsthaftes Suchen der Menschen nach Wahrheit hat ER begleitet und noch viel mehr himmelschreiende Irrtümer. Mitgelitten hat ER mit den Opfern der dauernden Kriege und Gewalttaten und so vielen Männern und Frauen den Mut geschenkt, Versöhnung und Liebe zu wagen. Entsetzt war ER über die abgrundtiefe Dummheit und Selbstgerechtigkeit mancher, erleichtert auch immer wieder über so viele in Bescheidenheit kluge und wissbegierige Menschen, die der Menschheit die Augen öffneten. Diesen unseren Gott können wir um Hilfe bitten für die Sorgen und Nöte der kurzen Zeit, die uns gegeben ist und wir dürfen gewiss sein, dass ER uns hört.

    Wie sagt der Beter des Psalms?

    ER schaut herab aus SEINEM Heiligtum in der Höhe; ja, der HERR blickt vom Himmel auf die Erde, um das Seufzen der Gefangenen zu hören, um die Todgeweihten zu befreien.“

    Mag sein, dass SEINE Antwort ganz anders aussieht als unsere Erwartungen und SEIN Zeitplan hat bestimmt ein ganz anderes Maß als unserer, aber eines ist gewiss: Wir können uns auf SEIN Wort verlassen, dass ER uns auf den Weg durch die Zeit mitgegeben hat: „Und siehe, ICH bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

    Da öffnet sich unser Horizont des Denkens und Vertrauens ganz neu und wir spüren, wie ER der Vorfreude gegen alle Hemmungen und Widerstände in uns Raum verschafft. Der Vorfreude, dass SEINE Gegenwart in unserem Leben aufleuchtet in einer Begegnung, in der Erfahrung, die Krise gemeinsam gemeistert zu haben, in den vielen Initiativen, das Wort Gottes gerade jetzt zu den Menschen zu bringen. Wir dürfen Gott erwarten in unserem Leben, auch wenn es uns oft genug hin und her reißt zwischen Freude und Schmerz, Sorgen und glücklichen Zeiten. Das möchte uns der lebenserfahrene und vom Leben gezeichnete Beter des Psalms weitersagen.

    Amen

    Gebet:

    HERR unser Gott, Du Erlöser der Welt, wir danken DIR, dass wir leben dürfen mit der Botschaft von Jesus, der uns DEIN Gesicht gezeigt hat.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH, hilf, dass wir begreifen, wofür DEIN Herz schlägt: für die Trauernden, für die, die ihren Lebensweg voller Sorgen und Angst gehen müssen.

    HERR, unser Gott, DU stehst auf der Seite derer, die sich nicht wehren können gegen die Bosheit anderer, und bei denen, die keinen Ausweg finden aus Schuld und Versagen.

    HERR, unser Gott, hilf uns zu begreifen, dass bei denen, die nach DEINER Gerechtigkeit hungern, die Würde des Menschen daheim ist und hilf uns, diese Würde zu wahren in allen Herausforderungen unserer Zeit.

    HERR, unser Gott, lass DEINEN Willen geschehen unter uns und auf unserer Erde – durch uns in Jesu Namen.

    Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zum 3 . Adventssonntag

    13. Dezember 2020

    Schriftwort: Jesaja 40, 3+10 (Wochenspruch)

    Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, ER kommt gewaltig.

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Heute feiern wir den dritten Advent und spätestens jetzt beginnt der Endspurt auf Weihnachten. Da ändert auch die Pandemie kaum etwas daran. Sie macht das Ganze nur deutlich anstrengender als es so schon immer war. In der Familie ist jetzt viel zu planen, zu entscheiden, um das Fest oder besser: die Reihe der Festtage so gut es geht vorzubereiten.

    Aber noch ist nicht Weihnachten, auch die Zeit bis dahin nicht mehr lang ist und zum Beispiel die Fußgängerzone in unserer Stadt mit tausenden Lämpchen erleuchtet wird, um die Menschen in „weihnachtliche Stimmung“ zu versetzen.

    Noch ist nicht Weihnachten und es tut gut, den Endspurt für einen kurzen Moment zu unterbrechen, um uns zu besinnen: Worauf es eigentlich ankommt im Advent und wie es gelingen kann, dass wirklich Weihnachten wird, innerlich und erfüllt, gerade in dieser schwierigen Zeit.

    Eine Unterbrechung ist eine kurze Erholungspause, keine Störung. Viele Menschen hören sich in solch einer Pause ihre Lieblingsmusik an. Im Advent könnten das auch die bekannten Lieder sein, die sonst auch gern auf den Weihnachtsmärkten als Hintergrundbeschallung laufen. Nichts gegen diese Musikgestaltung, aber heute wollen wir einmal genauer hinhören, worauf es eigentlich ankommt im Advent. Dazu gibt es ein Lied, das ich noch nirgendwo in einer Dauerschleife gehört habe: das Adventslied „Mit Ernst, o Menschenkinder“, zu finden im Evangelischen Gesangbuch unter der Nr. 10.

    Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt, bald wird das Heil der Sünder, der wunderstarke Held, den Gott aus Gnad allein der Welt zum Licht und Leben versprochen hat zu geben, bei allen kehren ein.“

    Den Text dieses Liedes dichtete der Königsberger Rektor Valentin Thilo in der Zeit des dreißigjährigen Krieges. Seine heute noch bekannte Melodie stammt aus Italien.

    Das Lied eignet sich nicht als Schlager in der Adventszeit. Das stellt gleich die erste Textzeile klar: Mit Ernst, o Menschenkinder, das Herz in euch bestellt“. Sich auf Weihnachten vorzubereiten, ist eine ernste Angelegenheit und eine Herzenssache dazu. Da geht es nicht nur um Gemütlichkeit im Kerzenschein, um Tannenduft und das hoffentlich passende Geschenk. Da kommt Besuch – und zwar von allerhöchster Stelle und bei allen! Dieser Gast ist wie kein anderer, kein bisschen interessiert an Äußerlichkeiten, sondern nur daran, wie es in unserem Herzen aussieht. Hausputz also einmal ganz anders, im Inneren, ist angesagt. Wie der gelingen kann, beschreibt der Dichter Valentin Thilo in der nächsten Strophe:

    Bereitet doch fein tüchtig den Weg dem großen Gast; macht seine Steige richtig, lasst alles, was er hasst; macht alle Bahnen recht, die Tal lasst sein erhöhet, macht niedrig, was hoch stehet, was krumm ist, gleich und schlicht.“

    Der innere Hausputz ist ganz einfach. Der Dichter nimmt den Gedanken des Jesaja auf: „Bereitet dem HERRN den Weg; denn siehe, ER kommt gewaltig.“ und bringt es auf den Punkt: „Lasst alles, was ER hasst“. Alles zu vermeiden, was Gott zuwider ist: Den Neid weglassen, die Besserwisserei, alles Raffen, jede offene oder versteckte Feindseligkeit, jedes Machtspielchen und jede überzogene Selbstdarstellung. In sich gehen, „vor der eigenen Haustüre kehren“ und wegzulassen, was dem besonderen Gast zuwider ist.

    Für diejenigen, die sich nicht sicher sind, was dem hohen Gast eine Freude bereitet, fährt der Dichter in der nächsten Strophe fort: „Ein Herz, das Demut liebet, bei Gott am höchsten steht; ein Herz, das Hochmut übet, mit Angst zugrunde geht; ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten, das kann sich recht bestreiten, zu dem kommt Jesus Christ.“ Was für ein Lied! Ernst, innerer Hausputz, alles lassen, was normalerweise meist „einfach so passiert“, und jetzt auch noch demütig sein! Das totale Gegenteil der aufgekratzten „Vorweihnachtsstimmung“ also!

    Aber wer demütig ist, ist beileibe nicht unterwürfig. Sondern erkennt sich selbst als Mensch unter Menschen, mit Stärken und Schwächen. Diese Erkenntnis stimmt versöhnlich und barmherzig. Eine verlockende Aussicht nicht nur für den Advent, oder? Zweifelsohne. Wenn es da nicht immer ein Problem gäbe: den Menschen. Denn es menschelt gewaltig nicht nur um uns herum, sondern auch in uns drin. Wie lange halten gute Vorsätze an? Und wie schnell ist das frisch geputzte Herz wieder bekleckert oder gar verkrustet mit unserer alten Unart? Da war der Dichter Valentin Thilo wohl doch ein wenig zu optimistisch. Deshalb hat ein anderer zwanzig Jahre später noch eine vierte Strophe hinzugefügt:

    Ach mache du mich Armen zu dieser heilgen Zeit aus Güte und Erbarmen, Herr Jesu, selbst bereit. Zieh in mein Herz hinein vom Stall und von der Krippen, so werden Herz und Lippen dir allzeit dankbar sein.“ HERR, ohne DEINE Hilfe bleibe ich auf der Strecke, schaffe es nicht, über meinen Schatten zu springen. Hilf DU mir, mache DU mich bereit, DICH zu empfangen. Bereit sein, Hilfe anzunehmen, das ist noch viel mehr als die Selbsterkenntnis, ein Mensch unter Menschen zu sein mit Stärken und Schwächen. Das ist schon der erste Schritt, dem HERRN die Tür zu öffnen und IHN hereinzubitten. Wir schauen heute auf das, worauf es wirklich ankommt. Suchen Sie sich das Lied in Ihrem Gesangbuch oder lassen Sie es sich im Internet in einer kurzen Erholungspause während des „vorweihnachtlichen Endspurts“ sogar vorsingen. Wenn Sie mögen, können Sie auch die Strophe, die Sie am meisten anspricht, abschreiben oder herauskopieren als Begleiterin für die nächsten Tage. Dann haben Sie immer eine kleine heilsame Unterbrechung dabei, die den Weg für den Höchsten bereiten hilft. Amen

    Gebet:

    HERR unser Gott, Du Erlöser der Welt, DU hast uns verheißen, in unsere Welt zu kommen. Noch warten so viele Verängstigte auf DEINE Freude; noch finden Gejagte und Verfolgte keinen Schutz; noch verlieren Verbitterte ihre letzte Hoffnung.

    HERR, unser Gott, es ist Zeit, komm in unsere Welt! Hilf uns, geduldig zu sein und gleichzeitig auch unsere Hoffnung weiterzugeben. Sei allen nahe, die DEINER Barmherzigkeit bedürfen.

    HERR, unser Gott, wir danken DIR, dass in unseren Kirchen und Gemeinden DEIN Lob auch in dieser schwierigen Zeit erklingt und Menschen zueinander finden. Erhelle den Weg durch diese Zeit zu DIR.

    Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zum 2. Adventssonntag 2020

    6. Dezember 2020 (St. Nikolaus)

    Schriftwort: Sacharja 9, 9+10

    Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.

    Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

    Liebe Schwestern und Brüder,

    Jetzt haben wir die erste Woche im Advent in diesem so außergewöhnlichen Jahr schon erlebt. Kommt sie auf, die sonst so vertraute Stimmung? Bekommen wir den Kopf frei für die Adventsbotschaft oder überlagert sie der Alltag mit seinen Beschwerlichkeiten? Hören wir die Botschaft? Wissen wir noch, worum es im Advent eigentlich gehen sollte? Worum es eigentlich geht? Wenn die Verunsicherung immer größer wird, zu viele auf einmal immer lauter durcheinander reden und ihren Senf dazu geben, überhören wir sie leicht, diese besondere Botschaft des Advents. Oder wir sind der Meinung, dass diese für die Herausforderungen des Alltags wenig hilfreich sei. Ein Blick in die Heilige Schrift zeigt, dass das keine Erscheinung unserer Zeit ist.

    Das war auch nicht anders, als die Nachgeborenen der Verbannten des Volkes Israel ihre Stadt Jerusalem und den Tempel wieder aufgebaut hatten. Viele Generationen lang hatte dieser Wiederaufbau aus den Ruinen gedauert. Die Zeiten waren einfach nicht besser geworden. Denn das Volk Israel stand all die Jahre unter fremder Herrschaft, wurde gedemütigt und erniedrigt. Spielball waren sie in den Machtkämpfen der großen Reiche, mussten ihre Männer als Soldaten der Fremdmächte in den Krieg gehen sehen.

    Noch dazu bohrten die alten Fragen weiter: Wie konnte es damals zu dieser Katastrophe kommen? War sie eine Strafe Gottes gewesen oder hatte Gott sogar verloren gegen die babylonischen Götter? Jede Menge Verunsicherung bei den einen, gleichgültiges Schulterzucken bei den meisten anderen. Zu diesen Menschen sprach der Prophet Sacharja.

    Wie viele Menschen werden da gedacht haben: Was für ein Esel! Der meint das doch nicht ernst! Ein ärmlicher Eselreiter – König soll die Welt retten und endlich Frieden bringen? Braucht es nicht mutige, verwegene Männer und tapfere Frauen mit Herz und Verstand, um die Welt in Ordnung zu bringen?

    Aber nix da: Ein Eselreiter soll die Feinde entwaffnen und aller Welt Frieden gebieten! Als ob der nur den Hauch einer Chance hätte!

    Und das alles soll ein Grund zum Jubeln sein? Gehört nicht ein grober Klotz auf einen groben Keil? Das ist doch unsere Erfahrung! Das läuft doch immer so.

    Und doch pflanzt sich das Bild vom armen Eselreiter – König ein ins Herz. Es weckt die Sehnsucht, dass es eine echte Alternative gibt zum ewigen Kräftemessen und Kämpfen. Es weckt die Sehnsucht, dass Gott selbst eingreifen wird auf ganz ungewöhnliche Weise, mit einem König, der aus der Welt gefallen ist und gerade deshalb die Welt in Ordnung bringen wird.

    Diese Sehnsucht wuchs in den Herzen der Menschen, langsam, sehr langsam. Wieder dauerte es Generationen, längst waren die alten Herrscher gegangen und neue an die Macht gekommen – die Römer. Auch nicht besser als die alten, anders, aber kein bisschen weniger herrisch. Und immer war noch nichts zu sehen vom Friedenskönig, der die Freiheit bringen sollte.

    Stattdessen lag das Kind in der Futterkrippe im Stall. Noch so ein Ereignis, so ein Bild, nicht von dieser Welt. Noch einmal ein Menschenleben lang dauerte es, bis das erwachsen gewordene Kind sagt: Jetzt ist es soweit. Jetzt geht durch mich in Erfüllung, was Sacharja vor Jahrhunderten ankündigte.

    Wie viele werden da wie damals gedacht haben: Was für ein Esel! Der meint das doch nicht ernst! Der redet sich noch um Kopf und Kragen!

    Aber nach und nach kamen sie sich selbst wie Esel vor, als sie miterleben durften, wie ER Kranke heilte und den Ärmsten der Armen die frohe Botschaft verkündete, die ihnen Kraft und Mut schenkte.

    Als ER dann selbst tatsächlich auf einem Esel in Jerusalem einritt, wurde die uralte Verheißung des Propheten Wirklichkeit. Der Eselreiter – König wurde umjubelt als Messias des Volkes. Doch gerade als alle jubelten, war es schon wieder vorbei. Es schien so, als ob all die Besserwisser und Schlauberger von damals und heute, die mit dem groben Klotz und dem groben Keil, recht behalten sollten bis in alle Ewigkeit. Der Eselreiter – König Gottes hatte gegen die Mächtigen nicht den Anflug einer Chance, sondern landete am Kreuz!

    Erst waren es nur ganz wenige, die kurze Zeit später erkannten: Was da geschehen war auf Golgatha, das war nur das letzte hirnlose Aufbäumen der Todesmacht, der letzte scheinbare Sieg der Gewalt. Der Tod höchstselbst musste kapitulieren vor dieser Sanftmut, dieser augenscheinlichen Ohnmacht des eselreitenden Königs. ER, der keinen groben Keil brauchte, sondern einfach die Wärme seiner Liebe auf den Klotz scheinen ließ, bis dieser sich von ganz allein spaltete.

    Der Gescheiterte geht aus der Katastrophe als Sieger hervor. Welch ein Jubel erfasste die Menschen und bald schon wuchs aus ihm eine neue, noch größere Sehnsucht. Auf wahrhaften Frieden auf der ganzen Welt, Versöhnung aller Feinde, eben auf SEIN Friedensreich. Das Beste kommt noch, lässt uns der HERR hoffen. Und bis dahin ist ER unter uns schon lange am Werk. Er baut mit einfachen, tapferen Menschen an SEINEM Friedensreich, in Ohnmacht und Sanftmut, aber unermüdlich und durch niemanden und nichts aufzuhalten.

    Dass ER dazu auf Wegen geht, auf die wir Menschen nie im Leben gekommen wären und über alles hinaus, was wir uns vorstellen können, das sagt uns der Prophet Sacharja, das lebte uns Jesus vor und darauf hoffen wir – in diesem Advent ganz besonders.

    Amen

    Gebet:

    HERR unser Gott, Du Erlöser der Welt, komm zu uns mit Deiner sanften Macht, die wir so oft unterschätzen. Erfülle uns mit der Hoffnung auf Deine Zukunft.

    HERR, unser Gott, wir bitten Dich für alle Menschen, die in unserer Welt Not leiden, die Gebeugten und Gedemütigten, schenke ihnen Kraft und Mut und helfende Mitmenschen.

    HERR, unser Gott, wir bitten Dich für alle, die in dieser Adventszeit nicht zur Ruhe kommen, die Angst vor der Zukunft haben. Lass sie das Licht Deiner Liebe sehen können, das ihnen den Weg weist.

    HERR, unser Gott, wir bitten Dich für alle, die der alten Verheißung Deines Kommens nicht mehr glauben können. Befreie sie aus ihrer Begrenzung und weite ihre Herzen.

    Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Advent 2020 – still – erwartungsvoll und ganz anders

    Der 1. Advent steht vor der Tür – und er wird ganz anders als üblich. Das traditionelle Adventmärktchen, in diesem Jahr das 14. musste schweren Herzens abgesagt werden, das Konzert mit „Vocalitas Krölpa“ ebenfalls. Von alters her ist die Adventszeit im Grunde eine stille Zeit, früher war sie sogar Fastenzeit. Da wurde bewusst verzichtet. Vom Martinstag an bis zum Weihnachtsfest haben die Menschen keine großen Festessen veranstaltet. Die Martinsgans war wohl der letzte Braten vor dem Fest. Jetzt scheint es ähnlich. Früher – und ich erinnere mich noch an meine Kindheit – hat man in den Familien „Dämmerstunden“ gehalten, da wurden Kerzen entzündet und man hat bei einem Tee Geschichten erzählt oder vorgelesen. Manchmal saßen wir mit den Großeltern zusammen und haben Strümpfe oder anderes gestrickt oder etwas gebastelt, kleine Geschenke für das Weihnachtsfest.

    Ich liebte diese Zeit, denn da hatten auch die Eltern Zeit für uns Kinder. Manchmal haben wir auch ältere Leute im Dorf besucht, ihnen von den selbstgemachten Plätzchen mitgebracht, an solchen Nachmittagen wurde auch miteinander gesungen. Es war eine heimelige Zeit- voller Erwartungen. In den Familien wurde vieles vorbereitet in dieser Zeit, Plätzchen und Stollen wurden gebacken und Päckchen gepackt. Oft gingen wir in diesen Tagen auch im Wald spazieren, wo wir Moos und Wurzeln, aber auch Tannenzapfen und Zweige sammelten. Es war ganz selbstverständlich, dass wir die Adventskränze und Gestecke selbst herstellten. Statt der Weihnachtshits aus dem Radio gab es damals noch Schallplatten mit Weihnachtsliedern.

    Die Adventzeit in diesem Jahr wird ähnlich still werden. Es ist eine Zeit, die wir aber bewusst gestalten können. Anders als die Jahre zuvor, dafür aufmerksamer und achtsamer. Advent (von lat. adventus) heißt Ankunft. Eine erwartungsvolle Zeit in der Gläubige mit der Ankunft Christi eine gerechte Ordnung, das Ende von Krieg und Leid herbeisehnen. Advent lädt mich ein, genau hinzuschauen auf mich und diese Welt, zu warten und zu lauschen, ob sich irgendetwas tut, zu suchen und auf den Weg machen, der Sehnsucht zu folgen und zu staunen, wie sich nicht nur in den Zeichen und Symbolen Himmel und Erde miteinander verbinden.

    Eine gesegnet Adventszeit wünscht

    Ute Thalmann!