• Sommer / Herbst 2021

    Michaelis – und andere wichtige Tage….

    Im Rahmen des Festjahres in Krölpa ist für den 25. September ein „Michaelismarkt“ (13-18 Uhr rund um den Dorfplatz) geplant. Für manchen ist dies verwunderlich, denn bisher gab es keinen solchen Markt in Krölpa. Darum nun ein kleiner Einblick in die Geschichte und Tradition von (mittelalterlichen) Märkten:

    Das Jahr war im Mittelalter von der agrarischen Struktur des Lebens geprägt, so auch manche Feste und Feiertage, die auch mit Bräuchen aus dem Natur- und Volksglauben verbunden wurden. Sie waren Höhepunkte im Leben der Menschen und strukturierten gleichzeitig auch das Jahr. Eng verbunden mit Festen und Feiertagen waren auch die Märkte, die in den Städten und Dörfern abgehalten wurden (Martinimarkt: um 11.11.- als letzte Möglichkeit vor der Fastenzeit im November/ Dezember Einkäufe zu erledigen/ Johannis (24.06.) oder zur Kirmes/ Kirchweih/ Ostern (Frühjahrsmarkt). Diese dienten nicht nur zur Versorgung mit Lebenswichtigem, sondern auch der Gemeinschaft, des Austausches, der Unterhaltung und dem Fest. Noch heute gibt es auf manchen Märkten zur Kirmes ein Karussell, eine Los Bude oder einen Schießstand. Auch für das leibliche Wohl wurden Dinge angeboten. Daneben gab es bestimmte Markttage, die in den Städten und Orten, die Marktrecht besaßen, vom Rat festgelegt wurden.

    Neben Markttagen gab es auch „Lostage“. Hier handelte es sich um bestimmte Feste und Tage im Jahr, die mit bestimmten bäuerlichen Verrichtungen verbunden waren (Beginn der Aussaat / Verlauf der Ernte) und an denen man auch besonderes Augenmerk auf die Entwicklung des Wetters richtete (Wetterregeln/ hundertjähriger Kalender). Meist standen sie in Verbindung mit dem Heiligenkalender des Kirchenjahres (Maria Lichtmess – 2.Februar/ Siebenschläfer – 7. Juli o.27.Juni/ Johannistag -24.06./ Michaelistag – 29.09. / Hubertustag – 3.11.). „Los“ meint hier „Geschick“. Beispielsweise wurden um den Michaelistag (29.09.) die Pachten und Abgaben gezahlt bzw. auch Verträge festgelegt. Bis heute hat sich dieser Brauch gehalten. Neben der Erinnerung an Engel als Begleiter/ Boten von Gott,- hier für den Erzengel Michael (Namensbedeutung: „Wer ist wie Gott?“) der gegen die Dunkelheit kämpft, stand am Michaelistag auch die Erfahrung der kürzer werdenden Tage und des abnehmenden Lichts im Mittelpunkt. Ab diesem Tag wurden Kerzen in den Häusern entzündet, die Licht für die Arbeit gaben. Aber auch im übertragenen Sinn galt es der eigenen inneren „Dunkelheit“, dem Bösen, Kräfte entgegen zu setzen und für das „innere Licht“ zu sorgen.

    An bestimmten Tagen im Jahr wechselten die Angestellten (Knechte, Mägde, Gesinde, Dienstboten) und Arbeiter (Gesellen) auf den Höfen oder in den Werkstätten. Dies geschah zum Maria Lichtmess (2.Februar) oder auch zum Martinstag. Mit dem Lohn und meist auch einem Festmahl wurden die Angestellten entlassen.

  • Sommer / Herbst 2021

    Andacht zum 16. Sonntag nach Trinitatis, 19 .September 2021

    Text: 2. Timotheus 1, 10b (Wochenspruch)

    Christus Jesus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.

    Gedanken zum Text:

    Der Wochenspruch ist eine Rede gegen die allgegenwärtige und scheinbar alles bestimmende Angst. Zur Entstehungszeit des Briefes war es die Angst der Christen vor der immer brutaler werdenden römischen Verfolgung. Heute ist es die Angst zu kurz zu kommen im Leben. Denn Wohlstand scheint der einzige Sinn und Zweck in diesem vergänglichen Leben zu sein, dem der Tod die gnadenlose Grenze setzt. Dagegen erhebt der Apostel die Stimme im Namen Christi mit einem lauten „Fürchte dich nicht!“ Das ist viel mehr als ein daher gesagtes „Hab keine Angst!“, denn der Apostel erinnert an die Grundfesten des Glaubens, die tragen, gerade auch in der Angst. Denn Jesus Christus selbst ist den Weg der Angst bis zum Tod am Kreuz gegangen und der EWIGE hat IHN von den Toten auferweckt. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Gottes Liebe ist nicht auf unsere kurze Zeit beschränkt, sondern umfasst die ganze Ewigkeit. Daraus können wir den Mut schöpfen, uns unserer Angst zu stellen, statt sie zu verdrängen oder zu überspielen. Das Vertrauen in die göttliche Kraft der Liebe verändert unsere Angst, setzt ihr die Grenze. Denn bei Gott können wir nicht zu kurz kommen, wenn wir IHM vertrauen. Wir dürfen SEINEN Zuspruch für uns hören: Du Menschenkind darfst dich darauf verlassen, dass du den Weg deines Lebens zu keiner Zeit allein gehen musst. Auch und gerade dann nicht, wenn dir die Angst im Nacken sitzt, wenn sie dir die Luft zum Atmen rauben will. Auch dann nicht, wenn du deinen letzten Weg gehen musst mit deiner Angst vor dem Sterben und dem Tod. Der HERR geht mit und ER hilft dir zu tragen, was dein Herz beschwert. Ihm kannst du deine Angst ans Herz legen. Er wird dich hindurch tragen. Die jüdische Schriftstellerin Rose Ausländer, die die Shoa überlebte, beginnt ein Gedicht mit den Worten: „Wirf deine Angst in die Luft“. Da gehört sie hin, in Gottes Ohr und an Gottes Herz, damit ER uns Erleichterung verschaffen kann, aus der Zuversicht und Mut und Kraft für unser tägliches Leben wachsen. „Wirf deine Angst in die Luft“ – und vertraue darauf, dass der HERR sie auffängt und dich zum Leben führt.

    Foto: Privat (J.Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Langsam reift der Wein am Spalier. Seit uralten Zeiten haben ihn die Menschen kultiviert und er wurde gerade auch in der Tradition Israels zum Symbol für das Gottesgeschenk der Fülle und der Freude des Lebens. Gemeinsam mit dem Brot, das für die Stillung der Grundbedürfnisse steht, hat der Wein einen festen Platz in den Lob – und Dankfesten des Glaubens. An diese Überlieferung schließt auch Jesus an, wenn ER im letzten Sedermahl mit SEINEN Jüngern Brot und Wein austeilt und deren Bedeutung erweitert. Jetzt sind Brot und Wein noch viel mehr als die guten Gaben Gottes, die den Menschen das Leben ermöglichen. Jetzt gibt sich in ihnen der HERR selbst für alle, die IHM vertrauen. In vielen Gemeinden wird dieses Ereignis im Abendmahl oder der Eucharistiefeier regelmäßig gefeiert. Die Corona Pandemie stellt uns da allerdings auch vor bisher nie gekannte Herausforderungen. Beschwerliche Hygienemaßnahmen und besonders der Gemeinschaftskelch werden zum Problem. Gut ist, wenn wir uns davon nicht entmutigen lassen, sondern unsere Traditionen auf würdige Art an die Erfordernisse anpassen können.

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir danken DIR für alles, was wir zum Leben haben, für die Freude an der Welt und die lange Zeit des Friedens in unserem Teil der Welt.

    HERR, vor DICH bringen wir, was uns bange macht und bedrückt – die Angst in unseren Herzen und in der Welt vor der Not der Seele, unsere Schwachheit und Zweifel.

    HERR, wir bringen vor DICH die Schreie der vielen Menschen, die keiner hört, weil ihr Leid zu alltäglich ist für unsere Nachrichtensendungen, die vergessenen Opfer der Umweltzerstörung, der Not und der Kriege, den immer währenden Kampf gegen den gnadenlosen Tod.

    HERR, wir bitten DICH, gib DEINEN Geist denen, die das Sagen und die materiellen Möglichkeiten haben, damit sie eine gütige Hand und ein mildes Herz bekommen.

    HERR, unser Gott, achte auf unser Gebet und hilf, dass wir auf DEIN Wort hören, das uns stärkt, zu trösten, Hoffnung zu schenken und Zuversicht und die Kraft, mitzubauen an DEINEM Reich.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Sommer / Herbst 2021

    “Gut behütet” Familiengottesdienst zum Schuljahresbeginn 2021!

    Auch in diesem Jahr fand am 05.09.2021 in der ev. Kirche Peter und Paul in Krölpa ein spannender Familiengottesdienst zum Schuljahresanfang statt.

    In einem spannenden Mitmachtspiel konnten die Kinder und auch einige Erwachsene miterleben welcher Hut wen und wie behütet und am eigenen Körper erleben welche Aufgabe ein Hut hat und wie der ein oder andere Hut schützen kann.

    Durch ein kurzes „Theaterstück“ lernten wir den Hut Jim aus Texas kennen und hörten ihn von seinen Erlebnissen als Cowboyhut erzählen.

    Wo stammt eigentlich der Begriff Hut her und was bedeutet Hut eigentlich? Die Antwort und was das Ganze mit Behüten und von Gott behütet zu sein, zu tun hat, konnten alle in einer kindgerechten Predigt mit erleben!

    Zum Abschluß dieses erlebnisreichen Gottesdienstes segnete Pastorin Thalmann und auch die ganze Gemeinde die ABC Schützen und die Kinder, die nun ein neues Schuljahr beginnen und wünschten ihnen alles Gute für das neue Schuljahr!

    Als Mutmacher für das neue Schuljahr gab es noch ein Armband und eine kleine Zuckertüte!



    Wir wünschen auf diesem Weg allen Schulanfängern: Gottes Segen für das neue Schuljahr, bleibt stets behütet!

  • Sommer / Herbst 2021

    Gedanken zum Monatsspruch September 2021

    Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig, ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt`s in einen löchrigen Beutel.“ (Haggai 1,6)

    Kontrastprogramm zu dem, was uns vor Augen ist, wenn wir bald in unseren Gemeinden Erntedank feiern, zu dem, was das Foto eingefangen hat. Beim genauen Lesen und Hinhören merken wir: Da stimmt doch etwas nicht! Viel Einsatz bringt wenig Frucht, Menschen essen und werden nicht satt, sie trinken und bleiben durstig, es gibt einen Überfluss an Kleidung, aber Menschen spüren dennoch Kälte und das Geld zerrinnt zwischen den Fingern.

    Vor 2500 Jahren kamen Israeliten aus dem Exil aus Babylon in ihre Heimat und nach Jerusalem zurück. Der Tempel, ja die ganze Stadt – lagen in Schutt und Asche. Zudem war eine Dürre vorausgegangen, nichts war gewachsen. Menschen hungerten, sie hatten nicht genügend Wohnraum, eine Teuerung war übers Land gekommen. Viele hatten sich auf das eigene besonnen – das eigene Häuschen zu bauen, sich recht und schlecht einzurichten. In solche Situation geht das Wort des Propheten: Baut Gottes Haus – den Tempel- wieder auf! Sucht seine Nähe, hört auf sein Wort! Nicht bei allen stieß es auf offene Ohren. Die Not war groß – wieso dann den Tempel bauen- das war ein teures Unterfangen- wichtig war es doch – zuerst für das eigene Auskommen zu sorgen!

    Auch wenn wir heute in unserem Land keine Not leiden, wie zur Zeit des Propheten Haggai, so scheint doch manchen das Gefühl der Vergeblichkeit umzutreiben. Menschen leisten viel, denn es wird viel von ihnen abverlangt, aber der Ertrag scheint in keinem Verhältnis dazu zu stehen. Es gibt in unserem Land genug zu essen und zu trinken, aber der Überfluss macht nicht satt. Menschen haben „Hunger“ nach anderem, Menschen haben Sehnsucht, und nicht nur in Coronazeiten. Und obgleich wir uns mindestens vier Mal im Jahr nach neuen Moden kleiden könnten, besteht Kälte – Kälte zwischen Menschen, vor der auch der noch so teure Mantel nicht schützen kann.

    Was würde der Prophet den Menschen von heute raten? „Besinnt euch auf andere Werte – auf ein menschliches Miteinander, auf Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.“ Für andere klingt vielleicht seine Stimme ganz ähnlich wie damals: „Sucht Gottes Nähe, gebt ihm Raum in euch, lest in der Bibel, hört auf sein Wort!“ Oder „Nehmt ihn ernst für euer Leben und verlasst euch nicht nur auf eure eigenen Möglichkeiten, verfolgt nicht nur eure eigenen Ziele!“ „Nehmt wahr, was er euch anvertraut, welche neuen Wege er euch weist- und verfolgt sie mit Mut!“

    Dann trägt euer Einsatz Frucht, dann macht euer Tun Sinn, nicht nur für euch, sondern für alle und alles. Das schenkt Wärme, gibt Geborgenheit und lässt dankbar werden auch für die kleinen Dinge, die uns heute mitunter so selbstverständlich daherkommen, wie beispielsweise die Erntedankgaben auf unserem Foto.

    Ute Thalmann, Pastorin

  • Sommer / Herbst 2021,  Was feiern wir da eigentlich?

    Was feiern wir da eigentlich? | Teil 5 | am 24. Juni – Johannistag

    Schon an Weihnachtsvorbereitungen gedacht? Der Johannistag teilt das Jahr- er liegt genau ein halbes Jahr vor dem Weihnachtsfest (Christi Geburt). Dieser Tag erinnert an Johannes den Täufer, dem Vorläufer und Verwandten von Jesus, einer schillernden und streitbaren Persönlichkeit. In der Bibel (Lukas 1,5-23/ Lk.1, 57-80) wird dem Vater von Johannes, Zacharias, die Geburt eines Kindes angekündigt. Er ist daraufhin sprachlos, denn es wird erzählt, dass beide Eltern schon älter sind. Er schreibt daraufhin den Namen des Kindes auf eine Tafel: „Er heißt Johannes.“ Als er seine Sprache zurückerhält stimmt er einen Lobgesang auf den Gott Israels und den kommenden Erlöser an (Benedictus). Nach Lukas 1, 36a ist Elisabeth, seine Frau, bereits im 6. Monat schwanger, als Maria die Geburt eines Kindes angekündigt wird. Deshalb legt man den Termin der Geburt des Johannes auf den 24.06. .

    Vermutlich begann Johannes um das Jahr 27/28 n. Chr. in der Wüste am Jordan zu predigen, die Menschen zur Umkehr aufzufordern. Er sagte das kommende Gericht an. Diejenigen, die in ihrem Leben die Umkehr praktizieren wollen, taufte er im Jordan. Auch Jesus wurde von ihm getauft. Johannes fiel durch seine asketische Lebenshaltung auf, trug nur einfache Kleidung und ernährte sich sehr spartanisch. Er sammelte Schüler / Jünger um sich, aus denen die späteren Jünger Jesu hervorgegangen sind. Manche Forscher sahen ihn in enger Verbindung zu den Essenern, einer klosterähnlichen Gemeinschaft, die am Rande des Toten Meeres damals lebte. Johannes kritisierte den Lebenswandel der Mächtigen, wie Herodes Antipas, der ihn später gefangen nehmen und töten ließ. Er wies mit seiner Botschaft auf den kommenden Christus hin, in dessen Schatten er immer mehr trat. „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ (Joh.3,30)

    (Quelle Bild: Joachim Schäfer –www.heiligenlexikon.de Ökumenisches Heiligenlexikon/Dietrich Bouts der Jüngere: Johannes in der Landschaft, um 1470, in der Alten Pinakothek in München)

    Der Tag (oder der Sonntag vor bzw. nach dem 24.06.) wird vielfach mit Johannisandachten auf den Friedhöfen begangen. Dabei wird in manchen Gegenden der Verstorbenen des vergangenen Jahres gedacht. Der Johannistag ist ein Wendepunkt: er erinnert auf seine Weise an das Loslassen, was sich im Laufe des Lebens und auch des Jahres (die erste Jahreshälfte ist bereits überschritten) einstellt. Hinzu kommen die Wahrnehmung und Erinnerung daran, dass mit fortschreitendem Alter, wenn die Kräfte nachlassen, beim Menschen die Auseinandersetzung mit dem Glauben und inneren Werten zunimmt (Christus soll in mir wachsen). So lädt er ein, dem nachzusinnen, was dran ist und „in der Luft liegt“, die nächsten Schritte zu bedenken und Veränderungen ins Auge zu fassen. Als volkstümlicher Brauch gehört zu diesem Tag das Johannisfeuer, das mancherorts auf den Höhen der Berge entzündet wird. Es weist auf das Kommen des Lichtes – auf die Geburt von Jesus Christus hin. Ursprünglich standen sie wohl in enger Beziehung zu den Sonnenwendfeiern.

    Quellen: Karl- Heinrich Bieritz – Das Kirchenjahr/ Kirchenjahr evangelisch)

    U. Thalmann

  • Sommer / Herbst 2021,  Was feiern wir da eigentlich?

    Was feiern wir da eigentlich? | Teil 4 | am 30. Mai – Trinitatisfest

    Christen feiern am Sonntag nach Pfingsten (Trinitatis) das Fest der Dreieinigkeit Gottes. Der Name leitet sich ab von lateinischen Trinitas (im Genitiv: Trinitatis)- Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit. Hintergrund des Festes sind theologische Ideen, wie das Wesen Gottes beschreibbar ist – als Vater – Sohn und Heiliger Geist. Gibt es eine Verbindung ihnen und wie kann ich sie mir vorstellen? Im Laufe der Kirchengeschichte wurde darüber immer wieder diskutiert und entsprechende Lehrsätze entwickelt. Ich soll mir kein Bildnis von Gott machen und dennoch haben Menschen sich immer wieder Vorstellungen von Gott und seinem Wirken gemacht.

    Was uns die Dreieinigkeit Gottes zeigt: Gottes Wirken ist umfassender, als wir es uns vorstellen können. Er ist in der Geschichte – und auch im Leben des einzelnen erfahrbar und zeigt darin etwas von seinem Wesen. Als „Vater“ ist er nicht nur Schöpfer dieser Welt, sondern erwählt sich auch ein Volk. Als „Sohn“ wird er selbst menschlich – in Jesus von Nazareth. In ihm kommt er uns heilsam nahe. An ihm erkennen und erfahren wir Wesenszüge Gottes. Als „Heiliger Geist“teilt er sich unserem Inneren mit – als Begeisterung, als Freude, Trost und Liebeskraft. Er stiftet Beziehung.

    In verschiedenen Symbolen wollten Christen dem Ausdruck verleihen – im Dreieck – im Kleeblatt.

    Der Schweizer Dichter und Pfarrer Kurt Marti (1921 -2017) hat sich in einem Gedicht seinen eigenen Reim auf die Trinität Gottes gemacht.

    Kurt Marti: Die gesellige Gottheit am Werk
    Von Ur an:
    Gott in Geselligkeit,
    Gott mit Sophia,
    der Frau, der Weisheit,
    geboren,
    noch ehe alles begann.

    Sie spielte
    vor dem Erschaffer (Spr.8,22-31),
    umspielte, was er geschaffen
    und schlug, leicht hüpfend von Einfall zu Einfall,
    neue Erschaffungen vor:
    Warum nicht einen anmutig gekurvten Raum?
    Warum nicht Myriaden pfiffiger Moleküle?
    Warum nicht schleierwehende Wirbel, Gase?
    Oder Materie, schwebend, fliegend, rotierend?

    So sei es, lachte Gott,
    denn alles ist möglich,
    doch muss auch Ordnung ins Ganze-
    durch Schwerkraft zum Beispiel.

    Dazu wünschte Sophia sich ebensoviel Leichtigkeit.
    Da ersann Gott die Zeit.
    Und Sophia klatschte in die Hände,
    Sophia tanzte, leicht wie die Zeit,
    zum wilden melodischen Urknall,
    dem Wirbel, Bewegungen, Töne entsprangen,
    Räume, Zukünfte, erste Vergangenheiten –
    Der kosmische Tanz,
    das sich freudig ausdehnende All.
    Fröhlich streckte Sophia Gott die Arme entgegen.
    Und Gott tanzte mit.

    Am Anfang also Beziehung.
    Am Anfang Rhythmus.
    Am Anfang Geselligkeit.

    Und weil Geselligkeit: Wort.
    Und im Werk, das sie erschuf,
    suchte die Geselligkeit Gottes sich neue Geselligkeiten.
    Weder Berührungsängste noch hierarchische Attitüden.
    Eine Gottheit, die vibriert vor Lust, vor Leben.
    Die überspringen will
    Auf alles,
    auf alle.
    Bildchen, naiv.

    Doch wie sonst faß ich`s?
    Imagines, imaginatio.
    Denn wer glaubt, glaubt an Wunder.
    Wunder ist der Inhalt jeder Theologie.

    (Quelle: Kurt Martin – Die gesellige Gottheit)

    Ein Trost und Hoffnung in dieser Zeit: er selbst greift über die Abstände hinweg, sucht „Geselligkeit“ – Beziehung zu uns Menschen in ganz verschiedener Art und Weise. Lassen wir uns also von ihm überraschen, berühren- ja vielleicht auch in unserer Hoffnung beflügeln, nicht nur an diesem Fest, sondern immer wieder im Jahr.

    Ute Thalmann

  • Sommer / Herbst 2021

    Frohe und gesegnete Pfingsten!…

    Segen zu Pfingsten

    Einen Hauch von Wagemut,

    einen Hauch von Tapferkeit,

    einen Hauch von Lebenslust,

    einen Hauch von Fröhlichkeit,

    einen Hauch von Fantasie,

    einen Hauch von Findigkeit,

    einen Hauch von Leidenschaft,

    einen Hauch von Seligkeit,

    möge dir die segnende Kraft

    des heilig-heilenden Geistes,

    Atem, der lebendig macht,

    mitten ins Herz wehen!

    (Christa Spilling- Nöker)

    Wir wünschen Ihnen frohe und gesegnete Pfingsten!

    Von Ute Thalmann, ev. Pastorin Krölpa