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Andacht zum 8. Mai – 75. Jahrestag des Endes des letzten Weltkriegs

von Pfarrer Jörg Reichmann Pößneck

Schriftwort: 2. Samuel 2,26

Abner rief Joab zu: Soll denn das Schwert ohne Ende fressen? Weißt du nicht, dass daraus am Ende nur Jammer kommen wird?

Gedanken zum Schriftwort:

Uralt sind diese Worte aus dem 2. Samuelbuch im Ersten Testament. König Saul war gestorben und der neue König David kämpfte um die Macht, denn er hatte nicht nur Freunde unter den Anhängern Sauls. Ein schmutziger, gnadenloser Bürgerkrieg oder besser Bruderkrieg entbrannte, angefeuert auch durch den Gedanken der Blutrache. Das 2. Buch Samuel berichtet in allen brutalen Einzelheiten. Und mitten im Kampf um Leben und Tod diese Frage des Kriegers Abner an seinen Gegner: Soll das immer so weiter gehen? Was bleibt dann am Ende übrig außer Jammer, wenn bewusst wird, um welchen Preis ein Sieg errungen wurde? Wie viele Opfer der Krieg auf allen Seiten fordert und was er mit den Überlebenden anstellt, die nie über das Grauen hinwegkommen? Abner war für seine Truppe ein Held, weil er viele „Feinde“ getötet hatte. Aber eigentlich war er ein Held, weil er mitten im Kampfgetümmel anfing zu denken, die unausweichlichen Folgen seines Tuns zu bedenken und sich und seinen Gegner zu fragen, ob sie das wirklich haben wollten. Wenn der Gegner vernichtet werden soll um den Preis der Selbstvernichtung, dann braucht es Helden wie Abner. Viele hundert Jahre später gab es im Volk Israel wieder solch einen Abner, im endlosen Bruderkrieg mit den Palästinensern. Sein Name war Jitzchak Rabin und er war der Präsident Israels, auf dem berechtigt alle Hoffnungen auf einen dauerhaften und gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina ruhten. Doch ihm erging es wie einst Abner: Auch er wurde von verbohrten Leuten seines eigenen Volkes umgebracht. Ihr Vermächtnis ist aber lebendig: Die Schraube der Gewalt kann angehalten werden, wenn einer den Mut dazu hat. Denn „ein Soldat, der anfängt zu denken, ist schon fast keiner mehr.“ (Heinrich Böll)

Foto: Privat J.Reichmann

Gedanken zum Bild:

Die Weltkriegsgedenkstätte auf dem Oberen Friedhof in Pößneck erzählt auf engem Raum von den Opfern dieses mörderischen Krieges: Die Opfer der Bombenangriffe, Soldaten, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter…An einem Stein steht eine Vase mit Blumen. Nein, sie sind nicht vergessen. Auch wenn ihre Angehörigen zum Teil nichts von ihrem Schicksal wissen, hat ihr gewaltsamer Tod Lücken gerissen in ihren Familien. Und wenn sie aus der Hölle heimkehrten, dann waren sie nicht mehr dieselben. Auch wenn der Körper mehr oder weniger unversehrt war, die Seele blieb niemals unverletzt und so zeiht manches Trauma bis heute seine Spur durch Familiengeschichten. Am Ende des Krieges folgte der „Kalte Krieg“ und erst mit der friedlichen Revolution 1989 schien die Kriegsgefahr endlich gebannt zu sein. Doch inzwischen versuchen bestimmte Kräfte, aus ganz unterschiedlichen Absichten und Interessen Gewalt als Mittel der Politik wieder salonfähig zu machen. Da können alle friedliebenden Menschen dieser Welt nur gemeinsam flehen: HERR, wirf Hirn vom Himmel!

Gebet:

HERR, unser Gott, wir danken Dir dafür, dass in Europa seit 75 Jahren Frieden herrscht. Inzwischen wächst die dritte Generation auf, die keinen Krieg mehr kennt.

HERR, wir bitten Dich für alle Menschen, die Tag für Tag für den Frieden arbeiten – im Großen wie im Kleinen. Schenke ihnen Geduld und Zähigkeit, stärke ihre Hoffnung und hilf ihnen zu guten Ideen.

HERR, schenke uns Deine Gnade und mache uns fähig, selbst Gnade zu schenken, die vor allem Recht – haben – wollen kommt, die Gnade, verstehen und vertrauen zu können.

Verleih uns Frieden gnädiglich, o HERR!

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN