• Jahr 2022

    Andacht zu Himmelfahrt, 26. 5. und zum Sonntag Exaudi,29. 5. 2022

    Text: Römerbrief 8, 28

    Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach SEINEM Ratschluss berufen sind.

    Gedanken zum Text:

    Frühling, Himmelfahrtstag – sehr viele Menschen sind gerade guter Stimmung. Aber nicht allen ist es leicht ums Herz. Da geraten die Traurigen und die Verunsicherten schnell in den Schatten – oder sollen rasch getröstet werden. Doch wie schnell können Worte auch verletzen, auch biblische Worte, wenn sie gut gemeint, aber wenig einfühlsam daher gesagt werden. Passiert öfter, als man annehmen sollte, auch mit diesem Satz: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach SEINEM Ratschluss berufen sind. Wie klingt dieser Satz in den Ohren eines Menschen, der vor lauter Kummer nicht mehr ein noch aus weiß? Kann er es anders hören als den blanken Hohn – nach dem Motto: Was du da gerade durchmachst, was da über dich hereingebrochen ist oder über deine Lieben, das ist bestimmt auf irgendeine Art gut für dich. Es wird schon für irgendwas gut sein. Der Schmerz, die Angst, die bohrenden Fragen, was da noch kommt und wie es überhaupt weitergehen kann – das ist nicht das Beste für den, der es durchleiden muss. Und es kann auch in keiner Weise schön geredet werden. Nein, dieser Satz des Paulus ist alles andere als ein helfendes Wort in akuter Not. Er ist ein Trostwort mit ganz weitem Horizont. Ein Wort, das Paulus nur aufgrund seiner langen Lebenserfahrung finden konnte, nach langem Nachdenken und durch seinen krisenerprobten Glauben. Denn nur im Rückblick auf das eigene Leben mit seinen Höhen und vor allem auch Durststrecken und Tiefschlägen kann einem die Erkenntnis geschenkt werden: Am Ende wird alles gut werden, weil Gott einen Plan für uns hat. Auch wenn im Augenblick alles dagegen zu sprechen scheint, wenn das Leben sich zäh dahin schleppt oder immer noch mehr dazu kommt an Lasten und Herausforderungen, wenn sich Angst und Sorgen breit machen, der Weg führt in die Zukunft. Und die ist allein in Gottes Hand, sie ist SEIN Friedensreich. Paulus tröstet seine leidgeprüften Mitchristen mit dem Blick in die Zukunft – denn nur von dort her kommt die Hoffnung, auf die wir uns wirklich verlassen können. Und diese Zukunft eröffnet uns Jesus Christus, der auferstanden ist und aufgefahren in den Himmel.

    Foto privat (J. Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Der Feiertag Christi Himmelfahrt hat bisher alle Diskussionen über die Kürzung von Feiertagen fraglos überstanden, anders als der Buß – und Bettag im November. Das liegt aber daran, dass aus ihm schon längst der „Männer-“ oder „Familientag“ wurde, an welchem sich auch sonst weniger naturverbundene und bewegungsfreudige Mitmenschen längere Zeit an der frischen Luft aufhalten. Dass einige von ihnen ihre Stimmung durch kräftigen Genuss alkoholischer Getränke zum Kochen bringen, zeigen die Spuren in den folgenden Tagen mehr als deutlich. Himmelfahrt ist ein wirklicher Grund zur Freude, daran besteht kein Zweifel. Schade nur, dass der wahre Anlass zu dieser Freude nur noch wenigen bewusst ist: Himmelfahrt ist das letzte Christusfest im Kirchenjahr. Es schließt den Osterkreis und erinnert an die Vollendung der Auferstehung: Christus ist wahrhaft Gottes Sohn und „sitzt zu SEINER Rechten“, wie es im Glaubensbekenntnis heißt. Wenn das kein Grund zum Feiern ist! Die Natur tut es jedenfalls mit allem, was lebt, in üppiger Pracht wie die Glyzinie auf dem Bild. Die Blütenrispen wirken aus dieser Perspektive fast wie ein Feuerwerk – noch dazu in der Christusfarbe weiß. Und dabei ist dieses Blüten – Feuerwerk noch um einiges schöner als ein pyrotechnisches. Denn der störende Lärm, der Tiere und manche Menschen verschreckt, entfällt. Das Einzige, was beim genauen Hinhören bemerkbar ist, ist das Summen der Bienen und Hummeln, die sich an den Blüten laben. Ich finde, hier gibt uns die Natur ein Beispiel: Man muss nicht laut und nervig sein, wenn man feiert. Denn die wirklich schönsten Momente im Leben sind meist die stillen.

    Gebet:

    Das Gebet für den Frieden bleibt weiterhin unsere gemeinsame Aufgabe. Bitte nutzen Sie auch die Möglichkeit der Friedensgebete in der Region! Selbstverständlich gibt es auch weitere Gebetsanliegen. Hierzu ein Vorschlag:

    HERR unser Gott, DEIN Sohn Jesus Christus hat uns den Weg in den Himmel eröffnet. Wir danken DIR für die Menschen, die uns davon erzählen und uns Mut machen, DIR zu vertrauen.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH für alle Menschen, die vor lauter Kummer den Blick nicht heben können: Die Trauernden, die Kranken, die Einsamen in unserer Nähe. Hilf uns, ihnen beizustehen und sie zu stärken.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH für alle Menschen, die von Krieg, Terror uns Gewalt heimgesucht werden, für alle, die einander das Leben zur Hölle machen. Reiß ihren Himmel auf mit DEINER Liebe, dass sie Wege zum Frieden suchen und finden.

    HERR, unser Gott, Christus öffnet DEINEN Himmel für alle Menschen. Hilf, dass wir unsere Mitmenschen mit DEINEN Augen sehen lernen – als DEINE geliebten Geschöpfe, zu denen auch wir zählen. Stärke alle, die ihre eigenen Wege durchs Leben suchen und lass sie die Wahrheit DEINER Liebe erfahren.

    HERR, wenn wir von DEINEM Himmel hören, nehmen wir unsere Erde in den Blick. Wir bitten Dich für unsere geplagte Erde, die immer noch ausgebeutet und verseucht wird, um Luxus und Konsum bis zur Verschwendung zu treiben. Bewahre Himmel und Erde vor unserer Gier und unserem Leichtsinn und hilf, dass auch wir dazu beitragen, DEINE Schöpfung zu bewahren.

    Erbarmender Gott, erhöre uns.

    Amen.

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Jahr 2022

    Andacht zum Sonntag Rogate, 22. 5. 2022

    Text: Lukas 11, 9+10

    Jesus Christus spricht: Bittet, und es wird euch gegeben; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch geöffnet. Denn jeder, der bittet, empfängt, und wer sucht, findet, und wer anklopft, dem wird geöffnet.

    Gedanken zum Text:

    Bitten, suchen und anklopfen – dazu fordert uns Jesus auf in diesem Abschnitt aus dem Lukasevangelium. Macht man heute nicht mehr, oder? Statt zu bitten wird gefordert, statt zu suchen wird erwartet, dass alles jederzeit bereit steht, statt anzuklopfen wird mit der Tür ins Haus gefallen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel: Es gibt tatsächlich noch ein paar wenige Kinder, für die die Worte „Bitte“ und „Danke“ keine Fremdwörter sind. Gesucht wird auch, zurzeit besonders nach preiswertem Speiseöl, habe ich den Eindruck, oder auch nach dem richtigen Partner fürs Leben. Angeklopft wird vor allem an Amtsstuben und Sprechzimmern. Aber sonst sind bitten, suchen und anklopfen ziemlich aus der Mode gekommen, finden Sie nicht auch? Nun ermahnt Jesus uns allerdings hier nicht zu einem höflichen Umgang miteinander. ER spricht vom Beten. SEINE Jünger hatten IHN dabei beobachtet und wollten nun wissen, wie das „richtig“ geht. ER antwortet ihnen mit den Worten, die wir als „Vaterunser“ kennen und macht ihnen anschließend Mut, beim Beten „dran zu bleiben. Offensichtlich gab es schon damals nicht wenige, die dachten oder sagten: „Beten bringt doch nichts.“ Das ist heute leider nicht anders. Eigentlich müssten gegenwärtig die Kirchen voll sein zu den Gottesdiensten und Friedensgebeten. Denn wenn wir Menschen es offensichtlich nicht hinbekommen, vernünftige Wege zum Frieden zu gehen, dann kann doch wirklich nur noch ein Wunder helfen – oder der erleuchtende Geist Gottes. Den brauchen wir in unserer Gegenwart wieder einmal ganz besonders nötig, wie immer in erschütternden Krisenzeiten. Von diesem Geist spricht Jesus, den sollen wir bitten um Beistand, den sollen wir suchen, statt uns alles mögliche andere einzubilden oder einreden zu lassen und dem sollen wir Tür und Tor öffnen. Denn eigentlich ist ER es, der immer wieder geduldig bei uns anklopft, nicht nur an der Kirchentür. Wer aus zeitlichen oder anderen wichtigen Gründen leider nicht in die Kirche kommen kann, der kann Gottes anklopfen ja auch ganz privat in einer ruhigen Minute hören. Darauf vertraue ich.

    Foto privat (J. Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Ein erster Gedanke, als ich dieses Motiv entdeckte: Stopp, nicht weiter gehen. Anhalten, denn solch ein „Durchblick“ ist etwas ganz besonderes. Ist das nicht ein Bild zum Träumen? Der schützende Raum der Bäume in sattem Grün, der gleichzeitig dem Bild den „Rahmen“ gibt. Den Blick zieht es förmlich hinaus auf die sonnendurchflutete Landschaft und hinauf in den weiten, offenen Himmel, der alles andere als eintönig blau ist. Alles ist klar zu erkennen auf dieser Momentaufnahme, die unwiederholbar ist. Denn schon nach wenigen Augenblicken wird sich das Licht verändert haben, ganz abgesehen von den Wolken. Das Besondere wahrnehmen und den Durchblick bekommen – das hängt ganz unmittelbar zusammen, ja bedingt einander. Dabei bedeutet „Durchblick“ nicht, alles erklären und auf jede Frage eine Antwort zu haben. In diesem Sinne werden wir Menschen wohl niemals den „Durchblick“ haben. Denn unser menschliches Erkennen und Verstehen hat Grenzen – im Kleinsten und im Größten sowieso, aber auch oft genug im alltäglichen Zusammenleben, wie jeder Mensch mit Lebenserfahrung bestätigen kann. Der „Durchblick“, der mir bei diesem Bild aufging, ist ein anderer: Man kann es nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich verstehen, als „Blick in die Zukunft“ sozusagen. Denn der „Himmel“ ist ja nicht nur die Atmosphäre mit ihren Wolkengebilden, sondern steht auch als Bild für das Reich Gottes, die Zukunft, die allein in Gottes Hand liegt. Es ist die Zukunft, die wir schon spüren können heute in unserer Gegenwart. Denn das Licht kommt vom Himmel her – genau wie auf dem Bild.

    Gebet:

    Lasst uns gemeinsam in unserer ökumenischen Vielfalt für den Weg zum Frieden in der Welt und besonders in der Ukraine beten, auch wenn nicht jeder an einem der Friedensgebete in der Region teilnehmen kann:

    Gütiger Gott, wir sehnen uns danach,
    miteinander in Frieden zu leben. Wenn Egoismus und Ungerechtigkeit überhandnehmen, wenn Gewalt zwischen Menschen ausbricht, wenn Versöhnung nicht möglich erscheint, bist DU es, der uns Hoffnung auf Frieden schenkt.

    Wenn Unterschiede in Sprache, Kultur oder Glauben uns vergessen lassen, dass wir DEINE Geschöpfe sind und
    dass DU uns die Schöpfung als gemeinsame Heimat anvertraut hast, bist DU es, der uns Hoffnung auf Frieden schenkt.

    Wenn Menschen gegen Menschen ausgespielt werden, wenn Macht ausgenutzt wird, um andere auszubeuten, wenn Tatsachen verdreht werden, um andere zu täuschen, bist DU es,
    der uns Hoffnung auf Frieden schenkt.

    Lehre uns, gerecht und fürsorglich miteinander umzugehen und der Korruption zu widerstehen. Schenke uns mutige Frauen und Männer, die die Wunden heilen, die Hass und Gewalt
    an Leib und Seele hinterlassen.

    Lass uns die richtigen Worte, Gesten und Mittel finden, um den Frieden zu fördern. In welcher Sprache wir DICH auch als
    „Fürst des Friedens“ bekennen, lass unsere Stimmen laut vernehmbar sein gegen Gewalt und gegen Unrecht.

    Amen.

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Jahr 2022

    Andacht zum Sonntag Kantate,15. 5. 2022

    Text: Hiob 2, 11+13 (Herrnhuter Losung zum 16. Mai)

    Als die drei Freunde Hiobs all das Unglück hörten, das über ihn gekommen war, kamen sie und saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war.

    Gedanken zum Text:

    Reden ist nicht gleich reden und schweigen ist nicht gleich schweigen. Es gibt ein Reden, das wahr ist, gut und notwendig. Das schafft Klarheit, ist hilfreich und baut auf. Und es gibt ein Reden, das unwahr ist, ungut und verwirrend – allen voran die Kriegspropaganda. Aber auch überall dort, wo Menschen durch Worte manipuliert werden oder wo jeder meint, seinen Senf (oder besser: Kommentar) dazu geben zu müssen. Aber auch die „klassischen“ Sticheleien und Gerüchte können viel Unheil anrichten. Reden kann zutiefst verletzen. Besonders dann, wenn die Besucher im Krankenzimmer über den Kranken reden statt mit ihm. Oder wenn sie einfach nicht aufhören zu reden, ihn „volltexten“ mit ihrem Gerede über alles und nichts. Nicht für umsonst heißt das Sprichwort: „Reden ist Silber, schweigen ist Gold.“ Mancher mag es noch kennen – aber wer hält sich dran in unserer redseligen Zeit? Da hat doch der, der nichts sagt, verloren, oder? Dabei kann das Schweigen sogar Leben retten, ganz konkret heute im Jahr 2022 in Russland. Lieber nichts gesagt als 15 Jahre Straflager in der unendlichen Weite Sibiriens mit ungewisser Wiederkehr. Schweigen kann retten, so erzählt es uns auch die Geschichte von den Freunden Hiobs. Die reden nicht, sondern hören von anderen vom Unglück, das über ihren Freund hereingebrochen ist. Gleich kommen sie zu ihm – und reden wieder nicht, sondern setzen sich zu ihm – nicht nur für fünf Minuten, sondern für eine lange Zeit der Trauer. Sie reden immer noch nicht, denn erst jetzt erfassen sie wirklich, sehen das ganze Ausmaß dessen, was ihm geschah. So ist Hiob nicht allein in seinem Unglück und hat den Raum zum Weinen und Klagen. Den Bedrängten, den Unglücklichen Raum zu geben, was auch immer sie bedrückt und sich Zeit für sie zu nehmen, das war und ist ein entscheidendes Kennzeichen der christlichen Gemeinden von Anfang an. Gut, dass gerade in unserer Gegenwart sich viele Christen dieser Aufgabe stellen. Worte wird es dann irgendwann auch geben, sicher. Sie sind wahr, gut und notwendig, wenn sie von Herz zu Herz im Geist Gottes gesprochen werden.

    Gedanken zum Bild:

    Ein Baumstumpf am Wegesrand, auf dem ein Pilz wächst. Zugegeben, es gibt „schönere“, farbenprächtigere Bilder im Frühling. Aber ist es nicht oft das Unscheinbare, das eher wenig Attraktive, das leicht zu Übersehende, in dem ein Geheimnis erkennbar wird, wie in diesem Baumstumpf mit Pilz? Zeigt er uns nicht, wie alles mit allem verbunden ist und nichts verloren geht in der Natur? Dass auch dieser Pilz das Lied der Schöpfung singt, sich ernährt vom Holz des toten Baumes und selber auch wieder Nahrung bietet für andere? Nichts geht verloren in Gottes Schöpfung. Einstein erkannte darin sogar ein Naturgesetz – den Satz von der Erhaltung der Energie. Wir Menschen sind Teil der Schöpfung. Also gilt dieser Satz für uns auch. Auch wir können nicht verloren gehen, wenn unsere Zeit des Lebens vorbei ist. Macht das nicht Mut, den alten Verheißungen zu vertrauen, die uns einen Ausblick schenken, weil sie von Gottes Ewigkeit erzählen? Bekommt da nicht die Seele Flügel und beginnt zu singen? In einem bekannten evangelischen Kirchenlied von Paul Gerhardt, gedichtet fünf Jahre nach dem Ende des dreißigjährigen Krieges, heißt es:

    Du meine Seele singe, wohl auf und singe schön dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den HERREN droben hier preisen auf der Erd; ich will IHN herzlich loben, so lang ich leben werd.

    Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil! Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil, das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt; sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig ungetrübt.

    Hier sind die treuen Sinnen, die niemand Unrecht tun, all denen Gutes gönnen, die in der Treu beruhn. Gott hält SEIN Wort mit Freuden, und was ER spricht, geschicht; und wer Gewalt muss leiden, den schützt ER im Gericht.

    Gebet: Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland lädt ein zum ökumenischen Friedensgebet, an dem sich alle Christengemeinden beteiligen können. Formuliert wurde es von einer römischen Katholischen Ordensschwester aus Kenia, die in Deutschland in der Krankenhausseelsorge arbeitet. Hier der Text zum Mitbeten und gern auch Weitergeben:

    Gütiger Gott, wir sehnen uns danach,
    miteinander in Frieden zu leben. Wenn Egoismus und Ungerechtigkeit überhandnehmen, wenn Gewalt zwischen Menschen ausbricht, wenn Versöhnung nicht möglich erscheint, bist DU es, der uns Hoffnung auf Frieden schenkt.

    Wenn Unterschiede in Sprache, Kultur oder Glauben uns vergessen lassen, dass wir DEINE Geschöpfe sind und
    dass DU uns die Schöpfung als gemeinsame Heimat anvertraut hast, bist DU es, der uns Hoffnung auf Frieden schenkt.

    Wenn Menschen gegen Menschen ausgespielt werden, wenn Macht ausgenutzt wird, um andere auszubeuten, wenn Tatsachen verdreht werden, um andere zu täuschen, bist DU es,
    der uns Hoffnung auf Frieden schenkt.

    Lehre uns, gerecht und fürsorglich miteinander umzugehen und der Korruption zu widerstehen. Schenke uns mutige Frauen und Männer, die die Wunden heilen, die Hass und Gewalt
    an Leib und Seele hinterlassen.

    Lass uns die richtigen Worte, Gesten und Mittel finden, um den Frieden zu fördern. In welcher Sprache wir DICH auch als
    „Fürst des Friedens“ bekennen, lass unsere Stimmen laut vernehmbar sein gegen Gewalt und gegen Unrecht.

    Amen.

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Jahr 2022

    Andacht zumSonntag Jubilate,8. 5. 2022 (Tag der Befreiung vom Faschismus)

    Text: Jesaja 42, 16 (Herrnhuter Losung zum 8. Mai, Sonntag Jubilate)

    Gott spricht: Die Blinden will ICH auf dem Wege leiten, den sie nicht wissen; ICH will sie führen auf den Steigen, die sie nicht kennen.

    Gedanken zum Text:

    Seien wir ehrlich: Wer von uns könnte behaupten, in den besorgniserregenden Entwicklungen unserer Gegenwart noch den Durchblick zu haben? Den vernünftigen Menschen scheint klar zu sein, dass es um Schadensbegrenzung gehen muss. Aber auf welchem Weg? Die einen wollen mehr und mehr Waffen liefern und argumentieren mit dem Selbstverteidigungsrecht. Aber Waffen sind ausschließlich zum Töten und Zerstören da. Die anderen wollen Frieden schaffen ohne Waffen und berufen sich unter anderem auch auf Jesus. Nur ist der Weg der Gewaltlosigkeit der allerschwerste, um zum Frieden zu kommen. Denn er setzt bei allen, die ihn gehen, eine außerordentliche Leidensbereitschaft voraus, für die sich jeder ganz persönlich entscheiden muss. Wieder andere meinen, es wäre sofort Frieden, wenn die Kriegstreiber in die erste Reihe gestellt würden. Die Geschichte lehrt anderes: Noch vor etwa 200 Jahren ritt Kaiser Napoleon seinen kriegerischen Truppen durch ganz Europa voran. So verschieden die Gedanken auch sind, niemand weiß wirklich, in welche Richtung wir im Moment laufen und welche Fallstricke und Hindernisse noch auf uns lauern. Aber ist das nicht eigentlich immer so? Die Gegenwart leben wir, die Vergangenheit tragen wir mit uns, aber die Zukunft ist ungewiss. Meist wird uns nur in Krisen wie jetzt bewusst, dass wir uns Schritt für Schritt vorwärts tasten wie Blinde. Aber blind möchte niemand sein und auch nicht so genannt werden. Denn Blinde brauchen Hilfe – und wer gesteht das schon gern ein? Da halte ich mich doch lieber fest an dem, was ich sehen, oder besser noch zählen kann. Alles andere kann ich ausblenden. Auch Sehende können blind sein für das, worauf es wirklich ankommt, für den Weg, der zum Leben führt. Aber das heißt nicht, dass der HERR uns vor die Wand laufen lässt. Das hat ER SEINEM Volk zugesagt und SEIN Wort bis heute gehalten. Durch Jesus dürfen wir darauf vertrauen, dass SEINE Zusage auch uns gilt, auch wenn wir Wege und Steige nicht wissen und kennen und uns mitunter so hilflos wie Blinde fühlen.

    Foto privat (J. Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    „Jubilate“ – „Jubelt, jubiliert!“ – so heißt der dritte Sonntag nach Ostern, der die Schönheit der Schöpfung Gottes in besonderer Weise in den Blick nimmt. Denn von Ostern her strahlt das Licht der Liebe Gottes ins Leben hinein und hilft uns, sie wahrzunehmen. Aber wie „jubiliert“ man denn eigentlich? Das ist doch viel mehr als einfach nur kurz zur Kenntnis nehmen und lächeln. Die Schöpfung Gottes macht es uns in unübertrefflicher und unnachahmlicher Weise vor im vielstimmigen und dennoch immer harmonischen Gesang der Vögel am Morgen, im frischen Grün in seinen ungezählten Abstufungen und auch in den prachtvollen Blüten des Rhododendrons. Wir Menschen tun uns dagegen in der Regel schwer mit dem Jubilieren, zumindest wir im emotional eher kühlen Mitteleuropa. Da lassen wir selbst unseren positiven Gefühlen nur in geschützten Räumen freien Lauf – zum Beispiel im Fußballstadion oder anderen Sportveranstaltungen. Da darf schon mal vor Freude getanzt, gesungen und geweint werden, wenn die eigene Mannschaft gewinnt. Da kommt es nicht auf den richtigen Ton oder die angemessene Lautstärke an, sondern darauf, dass alle mitmachen, die dazu gehören. Leistungen von Menschen werden bejubelt und das ist auch gut so. Der Jubel beflügelt die Seele, vertreibt den Frust und schenkt Energie für die Tage danach. Denn immer nur zu jubilieren, das hält keiner durch. Aber mal einen Sonntag im Jahr, das müsste doch zu machen sein, oder? Zumal die „Leistung“ des Schöpfers unvergleichlich ist und wir selbst sogar dazugehören.

    Gebet:

    HERR, unser Gott, wir danken DIR für die Schönheit und die Großartigkeit DEINER Schöpfung, für das Geschenk des Lebens und für DEIN Wort, das uns Halt gibt und leitet.

    HERR, unser Gott, DU weißt, worunter wir leiden, kennst, was uns ratlos macht, auch wenn wir keine Worte mehr dafür finden. Schenke uns DEIN Licht, das das Dunkel dort erhellt, wo wir nicht weiter wissen und zu schwach sind, damit wir Vertrauen fassen können in DEINE Verheißung und hoffen auf DEINE Zukunft.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH für die Opfer aller Kriege unserer Welt, für die, die keiner mehr hört, die Verbitterten und Verstörten, derer sich niemand mehr annimmt, für die, die wie blind durch ihr Leben gehen und keinen außer sich selbst mehr sehen.

    HERR, unser Gott, wir bitten für die Arglosen und die Naiven, die an der Kompliziertheit unserer Welt scheitern und nur noch den Erklärern mit den einfachen Antworten zuhören. Hilf, dass sie erkennen, wenn ihnen ein Hinterhalt droht.

    HERR, unser Gott, hilf uns, DEINEM Auftrag gerecht zu werden, DEINE gute Schöpfung zu bewahren und in allem Entscheidungen zu treffen, dass das Leben atmen und blühen und gedeihen kann.

    HERR unser Gott, wir leben von DEINER Güte und Liebe. Führe uns DEINEN Weg und eröffne uns DEINE Zukunft.

    Erbarmender Gott, lass DEIN Licht des Lebens leuchten, dass es hell werde um uns und durch uns im Vertrauen auf DEINE Liebe.

    Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Jahr 2022

    Andacht zumSonntag Quasimodogeniti (Wie die neugeborenen Kinder…), 24. 4. 2022

    Text: Markus 16, 8

    Da flohen die Frauen aus dem Grab und liefen davon. Sie zitterten vor Angst und sagten niemandem etwas, so sehr fürchteten sie sich.

    Ostern ist doch ein fröhliches Fest, oder? Der Sieg des Lebens über den Tod ist doch Grund zur Freude! Aber warum konnten sich die Frauen nicht freuen, als der Engel zu ihnen sprach? Weshalb flohen sie Hals über Kopf und brachten auch später noch kein Wort heraus? Aber ehrlich: Wie wäre es uns ergangen an ihrer Stelle? Wären wir nicht auch zutiefst erschrocken, wenn die Abfolge von Leben und Tod so fundamental durchbrochen und auf den Kopf gestellt wird? Wenn Gottes Macht die vertrauten Abläufe durchbricht, wanken die Grundfesten, da gerät die Welt aus den Fugen. Da protestiert unser „gesunder Menschenverstand“. Angesichts des Todes können wir nichts mehr machen, das ist unsere Erfahrung. Aber für Gott ist etwas zu machen. Ostern heißt: Wo uns alles aus der Hand genommen ist, hat der EWIGE selbst das Heft in die Hand genommen. Die österliche Botschaft, dass am Ende nicht der Tod steht, sondern das Leben, ist eine zutiefst verstörende Überraschung, deren befreiende Wirkung ihre Zeit braucht – und Hoffnungsmenschen, die Boten, die wie der Engel in der Grabhöhle an den Tiefpunkten des Lebens die Menschen ansprechen, ihnen auf ihre Art erzählen von ihrem Vertrauen in die Gewissheit, dass Gottes Liebe sogar stärker ist als der Tod. Kann sein, dass diese Boten nicht gleich verstanden werden. Denn das Gefühl der Hilflosigkeit ist zäh und verengt den Blick auf das, was unserer Erfahrung entspricht. Doch in gesegneten Augenblicken kann dieser Nebelschleier aufreißen und plötzlich geht der Horizont der Liebe Gottes über uns auf, ganz weit, und leuchtet bis in unseren Alltag hinein. In diesem Alltag sind die entsetzten Frauen nach einiger Zeit wieder angekommen – so wie es uns nach den Festtagen viel schneller ergeht. Doch diesen Alltag erlebten sie nun immer deutlicher in einem anderen, im österlichen Licht, weil sie erkannten, dass der tot geglaubte HERR durch alle Höhen und Tiefen ihres Lebens mitgeht. So wurden sie zu Menschen, die in der Hoffnung leben, die ER schenkt und die sie weiter schenken an andere Menschen. Etwas davon haben wir alle in den letzten Wochen erleben können: Menschen, die uneigennützig geholfen haben, Kriegsflüchtlinge bei sich aufgenommen, Möbel oder Alltagsgegenstände zur Verfügung gestellt haben und vieles, vieles mehr. Ein Osterlicht der lebendigen Hoffnung, das in den Karfreitag hineinleuchtet, in den viele gestürzt wurden. Lasst uns Hoffnungsmenschen sein in dieser scheinbar so trostlosen Zeit. Denn der HERR ist auferstanden. ER ist wahrhaftig auferstanden.

    Foto privat (J. Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Ostern ist vorbei, der Alltag hat uns wieder. Also wieder alles wie immer? Moment mal, sagt die gute alte Tradition der Kirche und nennt den ersten Sonntag nach Ostern mit dem lateinischen Namen „Quasimodogeniti“ – „wie die neugeborenen Kindlein“. Denn mit Ostern ist alles für uns neu geworden, im Leben und Sterben, wenn wir Christus vertrauen. Das hört sich zunächst einmal sehr theoretisch an. Deshalb dieses Bild: Eine Bank am Wegesrand unter einem blühenden Baum – ein schöner Ort für eine kurze Rast, einen Moment des Innehaltens. Er lädt ein, nicht einfach weiterzugehen, sondern wahrzunehmen und zu staunen, so wie es die neugeborenen Kinder tun, wenn sie die Welt entdecken. Wir können mit offenen Augen und weitem Herzen und erwachsenem Verstand in dieser Schönheit die Spur Gottes in unserer Welt wiedererkennen. Und nicht nur an solchen Orten. In einem Lied heißt es:

    Wir haben Gottes Spuren festgestellt
    auf unsern Menschenstraßen, Liebe und Wärme in der kalten Welt, Hoffnung, die wir fast vergaßen. Ref.: Zeichen und Wunder sahen wir geschehn in längst vergangnen Tagen, Gott wird auch unsre Wege gehn, uns durch das Leben tragen.

    Blühende Bäume haben wir gesehn, wo niemand sie vermutet, Sklaven, die durch das Wasser gehn, das die Herren überflutet.
    Bettler und Lahme sahen wir beim Tanz,
    hörten wie Stumme sprachen, durch tote Fensterhöhlen kam ein Glanz, Strahlen die die Nacht durchbrachen.
    (Text: Diethard Zils 1978, nach dem französischen „Nous avons
    vu les pas de notre Dieu“ Melodie: Jo Akepsimas 1973). Genau diese Spuren Gottes sind es, die unserer Hoffnung neue Kraft geben, damit wir sie weiter schenken können in dieser Zeit.

    Gebet:

    HERR, unser Gott, wir danken DIR für DEIN Wort, das uns den Sieg des Lebens verkündet und dass DU die Menschen, die DIR vertrauen, bewahrst in DEINEM Licht vor allem Dunkel. Stärke unser Vertrauen in DEINE Verheißung.

    HERR, unser Gott, nimm von uns unsere Angst vor den zerstörerischen Mächten dieser Welt, die uns lähmen will oder zur Gleichgültigkeit verführt. Lass uns aus der Kraft DEINER Liebe reden und handeln für den Frieden und die Mitmenschlichkeit.

    HERR, unser Gott, steh allen bei, die an der Last ihres Lebens zu schleppen haben, denen Krankheit oder Trauer die Tage verdunkeln, die Gewalt und Krieg erleben mussten. Im Land und in unseren Häusern schenke Verständnis und Geduld.

    HERR, unser Gott, stärke alle Kräfte in Russland und in der Ukraine und auch in allen vergessenen Kriegen dieser geschundenen Welt, die Frieden suchen. Lass DEIN Wort laut werden, das Türen füreinander öffnet, die wir gar nicht für möglich halten, damit Versöhnung geschehen kann und Feinde zu Freunden werden.

    Erbarmender Gott, lass DEIN Licht des Lebens leuchten, dass es hell werde um uns und durch uns im Vertrauen auf DEINE Liebe.

    Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Jahr 2022

    Der Herr ist auferstanden!

    Er ist wahrhaftig auferstanden!

    steh auf

    wenn dich etwas umgeworfen hat

    steh auf

    wenn ein anderer besser deinen platz

    ausfüllt

    auch das ist auferstehung

    steh auf

    gerade wenn du meinst

    du könntest nicht aufstehen

    der stein vor deinem grab

    wird sich von selbst fortbewegen

    es wird dir ein stein vom herzen fallen

    (wilhelm willms – in: Alles ist Zeichen)

    Ein gesegnetes und frohes Osterfest

    allen Leser*innen dieser Seite!

  • Jahr 2022

    Andacht zum Osterfest, 17. 4. 2022

    Text: Kolosserbrief 3, 1-4

    Wenn ihr also zusammen mit Christus auferweckt worden seid, dann richtet euch nach oben hin aus. Dort sitzt Christus an der rechten Seite Gottes. Wendet euch dem zu, was dort oben ist, und nicht dem, was auf der Erde ist!Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus bei Gott verborgen. Es kommt aber die Zeit, in der Christus, euer Leben, erscheint. Und dann wird auch offenbar, dass ihr zusammen mit IHM Anteil an Gottes Herrlichkeit habt.

    Gedanken zum Text:

    „Oben“und „Unten“ sind Schlagworte. „Die da oben“ sagen sehr viele, wenn sie verallgemeinernd von Politikern sprechen und sehen sich selbst dabei als einen von „unten“, der im Gegensatz zu denen Bescheid weiß, wie das Leben „wirklich“ ist. Stimmt ja leider auch im Einzelfall, wie das Beispiel der kürzlich zurückgetretenen Ministerin zeigt. Die war so weit „oben“, dass sie völlig unberührt blieb von der Katastrophe unten im Ahrtal. Gott seo Dank haben wir eine Demokratie und plötzlich ist sie selbst unten. Also ist „oben“ heutzutage ein eher negativ besetztes Wort. Ganz anders unser Text: „Oben“ ist ausdrücklich gut, weil dort Christus ist. ER ist oben, weil ER uns mit SEINEM Leben und Sterben in SEINEN Horizont gestellt hat. Das ist SEIN Horizont der Liebe Gottes, in dem wir erkennen können, dass es mehr gibt als „Ich – Zuerst – um jeden Preis“ – im kleinen oder großen Maßstab. Wo das hinführt, erleben wir gerade mit Entsetzen. Da erschließt sich der Sinn unseres Bibelwortes deutlich und klar: Weg von diesem Denken und Handeln, Herzen und Sinne nach oben ausrichten, auf Christus. ER hat uns mit SEINEN Worten und Taten gezeigt, wie das Leben nach Gottes Willen gelingen kann, auf dem Weg der Liebe. Aber hat IHN dieser Weg nicht ans Kreuz geführt? Ja, das hat er, weil die Liebe immer mächtige Feinde hat. Aber seit Ostern wissen wir, dass nur sie das letzte Wort hat. Mag sein, dass davon in unserer Gegenwart kaum etwas zu sehen ist in der Welt, dass wir wieder einmal an der Hoffnung gegen den Augenschein festhalten, wenn wir zu Christus gehören. Dann leben wir auf SEINE Zukunft hin, die ER mit Ostern begonnen hat.

    Foto privat (J. Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Auch wenn es vielen kaum bewusst ist: Ostern ist das höchste Fest der Christenheit. Weihnachten gebührt „nur“ der zweite Rang. Nicht dass ich falsch verstanden werde: Ich feiere gern Weihnachten. Aber ohne Ostern kein Weihnachten, überhaupt keine christlichen Feste, keine Glaubens- und Kirchengeschichte, gar nichts. Denn Ostern fing alles an. Ohne Auferstehung ist alles nichts. Dann hätte der Tod für alle Zeit das letzte Wort. Vielleicht liegt die überragende Beliebtheit von Weihnachten auch an den vielen herzerwärmenden Darstellungen vom Kind in der Krippe. Ostern hat es da viel schwerer. Denn wie bitte schön lässt sich die Auferstehung, die alle unsere Vorstellungskraft sprengt und weit über unsere Erfahrungen hinausgeht, in ein Bild fassen? Natürlich gibt es diverse künstlerische Darstellungen aus verschiedenen Epochen. Aber wie wir Menschen nun einmal sind, greifen wir doch lieber auf etwas aus unserer Erfahrungswelt zurück. Und da hatte jemand wohl eine Idee: Ist nicht das Ei ein geeignetes Ostersymbol? Äußerlich unbelebt, man könnte es für einen toten Gegenstand halten. Aber wenn es dem Huhn nicht weggenommen wird und ein Hahn vorhanden ist und auch sonst alles stimmt, kann daraus ein Küken schlüpfen – das neue Leben. So weit denkt heute wohl kaum noch einer. Eier kauft man je nach Belieben auch in Krisenzeiten im Laden und was daraus werden kann, wissen bestimmt schon längst nicht mehr alle. So wie immer weniger einen Bezug zum Stall und zur Krippe haben und sich auch nicht mehr für Kinder interessieren, wenn es nicht die eigenen sind. Aber immerhin: Beliebt als Schmuckelemente sind die Eier in vielen Vorgärten schon seit Wochen.

    Gebet:

    HERR, unser Gott, himmlischer Vater, wir feiern das Fest der Auferstehung DEINES Sohnes in dieser unruhigen und belastenden Zeit. Wir sind erfüllt von der Sehnsucht nach Unbeschwertheit nach den langen Monaten der Pandemie und in den bedrückenden Wochen des Krieges. Wir bitten DICH: Lass DEIN Osterlicht leuchten in unsere Dunkelheit!

    HERR, Jesus Christus, DU bist konsequent den Weg der Liebe und Gewaltlosigkeit gegangen, der DICH am Kreuz das Leben gekostet hat. Aber der EWIGE selbst hat mit DIR den Tod besiegt und den Weg der Liebe für immer als den SEINEN festgemacht. Segne alle Friedenstifter, alle Kriegsdienstverweigerer, vor alle in den Ländern, in denen sie Verfolgung leiden für ihre Überzeugung.

    HERR, Heiliger Geist, vertreibe den Ungeist, der die Menschen an die Kraft von Waffen und Abschreckung glauben lässt. Hilf, dass dieser unselige Krieg nicht zu einer rasenden Aufrüstungsspirale führt. Schenke den Entscheidungsträgern Einsicht und Mut, Schritte zum Frieden zu gehen und eine weltweite Friedensordnung zu bauen, in der alle leben können. Und uns HERR, gib Geduld und Kraft, auch in unserem Umfeld in Frieden miteinander zu leben.

    HERR, Dreieiniger Gott, DEIN Osterlicht vertreibe die Angst, gebe Kraft zum Trösten, Hände zum Helfen und Hoffnung zum Leben. Eröffne uns allen DEINE Zukunft. Schenke uns DEIN Erbarmen, dass durch uns Menschen aufatmen können und neue Hoffnung finden in DEINEM Licht. Zeige uns, wo DU uns brauchst. Schenke uns Geduld und Ausdauer, Verständnis und ein festes Vertrauen in DEINE Liebe, die stärker ist als der Tod.

    Erbarmender Gott, lass DEIN Licht des Lebens leuchten, dass es hell werde um uns und durch uns im Vertrauen auf DEINE Liebe.

    Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Jahr 2022

    Bräuche zur Karwoche und zum Osterfest

    Die Karwoche ist die Stille Woche/ Heilige Woche (kara – althochdeutsch – Trauer, Klage) vor dem Osterfest, an der Christen sich an das Leiden und Sterben Jesu erinnern. Mancher fastet in dieser Woche. Die Karwoche beginnt mit dem Palmsonntag, an dem sich Christen an der Einzug Jesu in Jerusalem erinnern. Am Palmsonntag werden in katholischen Gegenden Prozessionen mit Palmbuschen/ Palmzweige oder auch Sträußen aus Weidenkätzchen und Buchsbaum (Segenbaum) gemacht. Sie sind Zeichen der Verehrung. Seit dem 7. Jh. ist in einem alten irischen Messbuch die Palmweihe überliefert. In manchen Gemeinden wird ein lebensgroßer Esel aus Holz- oder ein lebendiger Esel- mitgeführt.

    Während der Woche vermied man laute Musik oder auch laute Arbeiten.

    Mitunter finden Passionsmusiken oder Passionsspiele statt (seit dem Mittelalter in Oberammergau) (J. S. Bach – Johannespassion o.a.)

    Der Gründonnerstag (die Namensherkunft ist nicht klar- bezieht es sich auf das „Greinen“ – weinen wegen der bevorstehenden Passion Jesu oder auf das Weinen der Menschen, die umkehren wollen und wieder in die christliche Gemeinde aufgenommen werden wollen.) Die christliche Gemeinde erinnert sich an das letzte Mahl Jesu/ Einsetzung des Abendmahls.

    In manchen Gegenden werden Ratschen (lautes Knattern oder Klappern) benutzt, um den Beginn der Gottesdienste anzuzeigen (weil Glocken schweigen). Mancherorts werden schon am Gründonnerstag Eier gesucht oder gefärbt.

    An diesem Tag wurde auch für Ostern gebacken (Osterlammgebildbrot).

    ( Leonardo da Vinci – Abendmahl)

    Ein alter Brauch war, an diesem Tag „grüne“ Speisen zu essen (Spinat, grünes Gemüse / Kräuter),die Gesundheit und Kraft für`s ganze Jahr schenken sollten.

    Karfreitag erinnert an das Leiden und Sterben Jesu. An diesem Tag schweigen die Kirchenglocken (bis zum Osterfest).

    Die christliche Gemeinde trifft sich zu Kreuzwegandachten in den Kirchen oder der Natur. Tanz und Vergnügungen sind untersagt. Meist haben Gaststätten geschlossen.

    An diesem Tag fasten katholische Christen. Für manche ist es Brauch Fisch zu essen. Dieser Tag ist Feiertag. Es sollte nicht gearbeitet werden und keine Vergnügungen stattfinden (Tanz).

    Karsamstag (Tag der Grabesruhe) gilt noch als Fasttag. An diesem Tag werden oft die Ostervorbereitungen getroffen: Osterschmuck, Ostereier färben etc. Die Fastenzeit endet mit dem Beginn der Osternachtfeier am Karsamstag- Abend/ Nacht. Viele Gemeinden laden zu einer österlichen Lichtfeier mit Taufen und Abendmahl ein. Als Taufvorbereitung wurde von den Taufbewerbern gefastet. Seit dem 3. Jh. Ist es Brauch, dass die Neugetauften auch an der Eucharistiefeier der Osternacht erstmals teilnahmen.

    Die Osternachfeier beginnt mit einem Osterfeuer (Weihfeuer), an dem dann die Osterkerze entzündet wird. Es hat seinen Ursprung in vorchristlich- kultischen Frühlingsfeuern. Seit dem 4. Jahrhundert erinnert das Osterfeuer an die Auferstehung Christi und wurde mit einer eigenen Lichtfeier begangen. Früher wurde am Karfreitag das Herdfeuer gelöscht zu Erinnerung an den Tod Jesu. Am Ostermorgen wurden glimmende Baumschwämme von Kindern in die Häuser getragen zum Zeichen der Auferstehung.

    Die Osterkerze wird mit dem Ruf „Lumen Christi“ (Christus- das Licht) in die dunkle Kirche getragen.

    In der Osternacht wurden auch bestimmte Speisen gesegnet: Milch und Honig, Käse, Osterlämmer, Eier, Butter, Brot und Fleisch, Schinken, Rettich, Salz, Osterkuchen und gebackene Osterlämmer.Osterweihkorb: Der Korb wird durch eine Weihedecke abgedeckt, in die ein Christussymbol oder ein anderes christliches Symbol eingestickt war.

    Im Osterfrühstück lebt diese alte Tradition wieder auf.

    Osterspiele, die die Ostergeschichte nachempfanden, wurden aufgeführt, daneben gab es in frühester Zeit Tanz- und Ballspiele des Klerus.

    Osterlachen – Prediger versuchten die Gemeinde durch witzige Erzählungen zum Lachen zu bringen.

    Viele Osterbräuche ranken sich um das Fest: Osterwasser holen (urspr. Wasser als Symbol für leben und Fruchtbarkeit und zur Verehrung der Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin Ostera) – am frühen Morgen im Schweigen- an einer Quelle, Wassersprengen oder Wasserhüpfen verbanden sich mit heidnischen Fruchtbarkeitsriten. In der Osternacht wurde das Taufwasser, Weihwasser gesegnet.

    Osterei: Zeichen des Lebens und der Fruchtbarkeit (im Christentum als Zeichen des von Gott neu geschenkten Lebens), Eier dienten zur Bezahlung von Pacht und Zins (Zahltermine: Martini- 11.11. / Ostern). In slawischen Gebieten wurden die Eier mit farblichen Schmuck versehen – mitunter auch mit christlichen Motiven, daneben gab es Eier aus Marmor, Wachs und Holz als Festgaben.

    Rot gefärbte Eier (Pass-cha) wurden am Ostermorgen verschenkt als Zeichen der Auferstehung und symbolisierten das Grab Jesu.

    (Oster)Hase: Symbol der Auferstehung Jesu – denn man schrieb ihm die Eigenschaft zu, nie zu schlafen., Brote in Gestalt von Hasen gebacken wurden auf österliche Reisen und Wallfahrten mitgenommen. In ihre Mitte setzte man, um beide Symbole zu verbinden, ein Ei. So entstand die Legende von den eierlegenden oder eierbringenden Osterhasen.

    (Oster)Hase: Symbol der Auferstehung Jesu – denn man schrieb ihm die Eigenschaft zu, nie zu schlafen. Brote in Gestalt von Hasen gebacken wurden auf österliche Reisen und Wallfahrten mitgenommen. In ihre Mitte setzte man, um beide Symbole zu verbinden, ein Ei. So entstand die Legende von den eierlegenden oder eierbringenden Osterhasen.

    Osterfahne: meist waren Gebildbrote (Osterlamm) mit solch einer Fahne geschmückt- ursprünglich – eine rote Fahne mit Kreuz an einer Fahnenstange mit einer Querstrebe, woran das Tuch hing- zeigt den Triumph über den Tod.

    Osterreiten: sorbischer Brauch (Kreuzreiten) – Die Auferstehung Christi wird in den Orten verkündigt. Ursprünglich war es ein slawisches Ritual, bei dem sie im Frühjahr um ihre Felder ritten, um auf diese Weise eine gute Ernte zu erbitten.

    (Quellen: K.H. Bieritz- Das Kirchenjahr, Union Vlg.,2.Aufl.1988/www.brauchtumsseiten.de/Vivat!Magazin/theology.de)

  • Jahr 2022

    Gut zu wissen

    Du bist von Schicksalsschlägen getroffen?

    Und doch: Du bist am Leben!

    Bist du von Trauer erfüllt?

    Und doch: Unzerstörbar lebt in deinem Herzen die Freude.

    Stehst du mit leeren Händen da?

    Und doch: Hände, die bereit sind zu geben, sind niemals leer.

    Weisheit ist zu wissen:

    Nichts gehört uns auf Dauer,

    und doch: Alles wird uns zum Guten dienen.

    (nach 2. Kor.6,29-30)

    (aus: Weisheit für die Seele – Gute Gedanken für alle Tage S.86)


    (Foto: Ute Thalmann, privat)
  • Jahr 2022

    „Not lehrt beten.“

    So sagt es ein altes Sprichwort. Menschen, die den 2. Weltkrieg miterlebt haben, bestätigen das. Im Sommer und Herbst 1989 suchten Menschen bei uns wieder Kirchen auf, schlossen sich in Friedensgebeten zusammen. Der Druck, dem manche ausgesetzt waren, war groß. Hinzu kam die Ungewissheit im Blick auf diejenigen, die über Ungarn und die Botschaft in Prag die DDR verlassen wollten. Was Gebete bewirken, haben viele erfahren. Die Situation ist nicht eskaliert, obgleich im September und auch Anfang Oktober 1989 Militär zum Beispiel nach Leipzig beordert worden war und die Innenstadt durch bewaffnete Streitkräfte umstellt war.

    Und in diesen Tagen finden sich wieder Menschen ein, um für den Frieden zu beten. Der Angriff Russlands auf die Ukraine schockiert, die Drohungen des russischen Präsidenten macht Angst. Was ist jetzt dran? Sicherlich, den Flüchtenden zu helfen, die Stimmen für Gerechtigkeit zu erheben, aber eben auch für den Frieden in der Ukraine und auch in Europa zu beten. Gott an seine Hilfe zu erinnern, ihn zu bitten. Ins Gespräch mit ihm zu kommen und der Sehnsucht Raum zu geben, dass „der Himmel sich auf Erden Bahn bricht“.

    Hört nicht auf zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen. (Epheser 6,18) Dieser Monatsspruch ermutigt uns, dran zu bleiben, unablässig zu beten und für die Menschen in der Ukraine, aber auch in anderen Ländern so einzustehen. Gott an seine Gerechtigkeit zu erinnern, aber auch das Vertrauen in seine Gegenwart wach zu halten und zu pflegen. Der Apostel, der diese Einladung macht, ist im Gefängnis. Und er bittet nicht zuletzt seine Geschwister im Glauben, für ihn zu beten, damit er die rechten Worte findet, dass er Mut hat, sich zu Gott zu bekennen. So können auch wir in unser Gebet Verantwortliche einschließen, damit sie Kraft bekommen, sich entsprechen zu positionieren.

    U. Thalmann