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Andacht zum Ewigkeitssonntag

22. November 2020

Schriftwort: Hebräer 6, 13 -18

Als Gott dem Abraham SEIN Versprechen gab, schwor er bei sich selbst. Denn ER konnte ja bei niemand Größerem schwören. ER versprach: „Ich will dich mit MEINEM Segen segnen und dir zahlreiche Nachkommen geben.“ So wartete Abraham geduldig und erhielt die versprochene Gabe.

Menschen schwören ja bei einem Größeren. Der Eid dient ihnen zur Bekräftigung und lässt jeden Einwand verstummen. Deshalb hat Gott sich mit einem Eid verbürgt. ER wollte denen, die das versprochene Erbe erhalten, ganz deutlich zeigen, dass SEIN Wille unumstößlich ist. Diese beiden unumstößlichen Tatsachen, bei denen Gott unmöglich lügen kann, sollen uns einen starken Ansporn geben. Wir haben unsere Zuflucht ja schon gefunden. Entsprechend sollen wir an der Hoffnung festhalten, die uns in Aussicht gestellt ist. Sie ist für unser Leben ein sicherer und fester Anker. Er reicht hinein bis ins innerste Heiligtum hinter dem Vorhang. Dort ist Jesus als Wegbereiter für uns eingezogen. (Übersetzung der Basis – Bibel)

Liebe Schwestern und Brüder!

Manche biblischen Texte sind sperrig und erschließen sich für uns beim ersten Lesen noch lange nicht, geschweige denn beim ersten Hören. Sie sind anstrengend. Und dazu gehört mit Sicherheit der „Brief an die Hebräer“, aus dem der obige Abschnitt stammt. Und dennoch lohnt es sich, am Ewigkeitssonntag in ihn hinein zu hören, seinen Gedanken und Bildern zu folgen. Nehmen wir seine Spur auf, so gelangen wir ans Ende des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung. Im ganzen Mittelmeerraum gab es bereits seit gut 40 Jahren kleinere und größere christliche Gemeinden. Die Generation der Jünger und eine weitere, zu denen auch der Apostel Paulus gehörte, waren bereits gestorben. Jetzt lebten gerade noch die Enkel der ersten Jüngergeneration. Wir treffen auf einen Menschen, der als Lehrer in einer christlichen Gemeinde arbeitete. Heute würde man ihn einen Theologen nennen. Leider kennen wir seinen Namen nicht, auch nicht den Ort, an dem er lebte. Was wir von ihm wissen, können wir nur aus den Zeilen erheben, die er uns hinterließ. Seine Sprache klingt gebildet – und angestrengt.

Ja, auch der Schreiber unseres Textes strengte sich an, bemühte sich, eindringlich mit Argumenten und Begründungen seine Leser zu überzeugen. Denn er machte sich große Sorgen um sie: Immer mehr Zweifel nagten an ihnen.

Ihre Eltern oder Großeltern oder sie selbst waren Christen geworden, hatten sich taufen lassen, die Tradition ihres jüdischen Glaubens hinter sich gelassen – in der Hoffnung, dass Jesus der Messias jetzt die Verheißungen der Heiligen Schrift erfüllen würde. Das Reich Gottes, die neue Welt voller Gerechtigkeit und Frieden, die würde jetzt Wirklichkeit werden, weil der Messias gekommen war.

Aber die Lebenserfahrung der Menschen war eine ganz andere. Es blieb noch nicht einmal alles beim Alten, sondern es wurde alles immer schlimmer. Die staatlich gelenkte Verfolgung der Christen verbreitete Leid, Angst und Schrecken. Klar, dass da die Zweifel wuchsen. Klar, dass da nicht wenige den Kontakt zu ihrer Gemeinde abbrachen, um dem Druck der Verfolgung auszuweichen. Und bei denen, die blieben, wuchs die Verunsicherung. Der Schreiber unseres Textes wusste darum und gab sich die größte Mühe mit seinen Möglichkeiten, seine Leser und Hörer zum Bleiben im Glauben zu bewegen.

Wie er das tut, kann auch für uns heute eine Hilfe sein. Denn auch wir kennen die Sorgen von damals – wenn auch unter anderen Bedingungen. Kleiner werdende Gemeinden, Ängste vieler Art vor der Zukunft, wachsende Fragen, wie wohl Glaube gelebt werden kann in einer Welt, die nur noch vom Geld regiert wird und in einer Zeit, in der Religionen missbraucht werden, um Menschen zu Mördern zu machen.

Als erstes nimmt der Schreiber unserer Zeilen seine Leser und Hörer ernst. Er wischt ihre Zweifel und Ängste nicht einfach beiseite, sondern nimmt sie auf und weitet den Blick – heraus aus der engen Perspektive der Gegenwart, hinein in die vertraute Erinnerung: Gott steht zu SEINEM Wort, wie ein Eid, immer und über alle Generationen hinweg. Siehe Abraham, dessen Nachkommenschaft tatsächlich nicht mehr zu zählen ist.

Als zweites führt der Schreiber die Erinnerung wieder in die Gegenwart: Ihr, die ihr jetzt lebt mit euren Sorgen und Nöten, ihr gehört dazu, ihr seid Erben und Teil dieser Nachkommenschaft Abrahams und deshalb gilt auch für und über euch das Segenswort, der Eid des HERRN. Auch wir dürfen uns in dieser Linie angesprochen und gemeint fühlen, weil wir tatsächlich zu denen gehören, die als Glaubende leben.

Als drittes richtet der Schreiber den Blick seiner Leser aus der Gegenwart in die Zukunft: Wenn die Gegenwart gewiss ist, dass wir zu denen gehören, die mit Gott unterwegs sind, dann ist auch die Zukunft gewiss, weil sie in Gottes Hand liegt. Und das schenkt uns die Hoffnung, die stärker ist als alles, was wir durchleben müssen, weil sie verankert ist bei Gott selbst.

Ein starkes Bild, der Anker. Selbst für Landratten sofort verständlich. Sicheren Halt verbinden wir damit, nicht nur für Boote und Schiffe, auch im übertragenen Sinn. Vom „Rettungsanker“ sprechen manche und denken an Menschen, die ihnen Halt gaben in Not. Das sind ergreifende Erfahrungen. Der Schreiber unseres Textes weitet den Horizont seiner Leser noch darüber hinaus: Der Anker ist Gott selbst, ER schenkt das Vertrauen in SEINE Liebe und aus diesem die Kraft und den Mut zum Leben, was auch kommen mag. Amen.

Gebet:

HERR unser Gott, besonders an diesem Sonntag gehen unsere Gedanken auf die Reise zu den Menschen, die wir verloren haben. Empfange Du sie am Ende ihrer letzten Reise in der ewigen Heimat. Wir leiden unter der Macht, die der Tod in unserem Leben und in unserer Welt hat.

HERR unser Gott, wir leiden unter der Macht, die der Tod in unserem Leben und in unserer Welt hat. Du hast uns die Hoffnung geschenkt, dass Dein Sohn dem Tod letztlich die Macht genommen hat. Verankere diese Hoffnung ganz fest in unseren Herzen, damit wir getrost und getröstet leben können.

HERR unser Gott, Wir bitten Dich: Öffne uns die Augen, dass wir erkennen, was wirklich zählt in unserem Leben. Dass wir die Teit, die Du uns schenkst, miteinander und füreinander leben zu Deiner Ehre.

Amen

Beten wir das Vaterunser.

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN