• Osterzeit 2021

    Andacht zum Ausklang der österlichen Freudenzeit, Woche vom 16. -22. Mai 2021

    Schriftwort: Psalm 16, 8b + 10a + 11

    Weil der HERR mir zur Seite steht, werde ich nicht zu Fall kommen. Meine Seele wirst DU nicht dem Totenreich überlassen. DU zeigst mir den Weg zum Leben. Dort, wo DU bist, gibt es Freude in Fülle; ungetrübtes Glück hält DEINE Hand ewig bereit.

    Gedanken zum Text:

    Die österliche Freudenzeit klingt in dieser Woche aus. Klingt sie auch noch nach? Oder sind wir schon längst wieder in Gedanken woanders, bei unseren täglichen Sorgen und Problemen? Das wäre in diesem zweiten Pandemiejahr kein Wunder. Solch eine lang andauernde und allgemeine Verunsicherung haben wir seit langem nicht mehr erlebt. Niemand konnte eine Patentlösung aus der Schublade ziehen. Wir mussten alle gewohnten Lebensabläufe von vorn buchstabieren, um eine unbeherrschbare Katastrophe zu vermeiden. Aber gerade deshalb tut es gut und stärkt die Seele, Ostern noch einmal in uns nachklingen zu lassen, die Gewissheit, dass Jesus von den Toten auferstanden ist und dass wir durch unsere Taufe mit IHM verbunden sind.

    Mit IHM sind wir verbunden und miteinander im Glauben. Gut zu wissen, wenn es ernst wird. Dass niemand von uns allein glauben und leben muss. Denn der persönliche Glaube kann zutiefst erschüttert werden, kann zerbrechen oder im Alltag auch einfach vertrocknen. Es gibt Zeiten im Leben, da muss sich der eigene Glaube auch anlehnen dürfen, abstützen und aufrichten am Glauben der anderen. Da muss er sich festhalten können an dem, was sich für andere bewährt hat, an dem, worauf die Gemeinschaft der Christen in ihrer Vielfalt seit 2000 Jahren vertraut. Dieses Vertrauen wächst aus der Überlieferung des Glaubens Israels, wie unser Schriftwort zeigt: „Weil der HERR mir zur Seite steht, werde ich nicht zu Fall kommen. Meine Seele wirst DU nicht dem Totenreich überlassen. DU zeigst mir den Weg zum Leben.“ Uralte Worte – von zeitloser Gültigkeit und Kraft. Sie haben immer wieder Menschen Halt und Orientierung gegeben, Luft zum Atmen verschafft und ihnen geholfen, den Rücken zu straffen und den Blick zu heben. Österlich eben: Der HERR überlässt Jesus nicht dem Totenreich, sondern öffnet uns durch IHN den Weg zum Leben. Wunderbar, dieser Ausblick zum Schluss: „Dort, wo DU bist, gibt es Freude in Fülle; ungetrübtes Glück hält DEINE Hand ewig bereit.“ Das ist nicht nur ein herrliches Bild vom Himmel, das könn(t)en wir auch schon auf Erden erleben. Wie und wann, fragen Sie? Die Antwort ist recht einfach: Wo die Liebe wohnt und die Güte, da ist Gott – so heißt es in einem Liedruf aus der ökumenischen Bruderschaft von Taize.

    F oto: Privat (J. Reichmann) – Kapelle der Armenischen Gemeinde im Untergeschoss der Grabeskirche in Jerusalem

    Gedanken zum Bild:

    Die über dem Felsengrab Jesu errichtete Kirche in Jerusalem ist heiliger Ort und Zankapfel zugleich: Verschiedene christliche Konfessionen, unter anderem die Römisch – Katholische, die Griechisch Orthodoxe, aber auch „kleinere“ wie die Armenische oder die Koptische Kirche beanspruchen eifersüchtig „ihren“ Teil der Kirche für sich – und das geht nicht immer geschwisterlich zu. Unterschiedliche Liturgien und Glaubenstraditionen prallen aufeinander. Lautstark schmettert die katholische Orgel mitten hinein in einen orthodoxen Gottesdienst mit feierlichen Gesängen (ich war Ohrenzeuge), so dass dieser unterbrochen werden musste. Die koptische Kirche hat ihre Gottesdiensträume im Dachgeschoss, die Armenier im Untergeschoss. Nur dort herrscht andächtige Stille, walzt der nicht abreißen wollende Strom der Touristen nicht alles platt. Miteinader glauben und leben – das ist nicht nur in der Grabeskirche eine gewaltige Herausforderung und ein Geschenk, wenn es gelingt.

    Gebet:

    HERR, unser Gott, Menschen vertrauen DIR zu allen Zeiten. Stärke auch unser Vertrauen in DEINE Liebe und Güte, die uns leben lässt.

    HERR, wir klagen DIR die neuen Ausbrüche von Gewalt im Heiligen Land, in denen so viele Unschuldige auf allen Seiten hineingezogen werden. Sende DEINEN Geist, der Wege zum Frieden öffnet.

    HERR, wir bitten DICH für die Menschen auf allen Seiten, die Gewalt ablehnen und Verständnis für die anderen entwickeln wollen. Segne ihre Anstrengungen und schenke ihnen Geduld und Mut.

    HERR, wir bitten DICH auch für uns, dass wir den Frieden in unserem Land als wertvolles Geschenk achten und hüten, indem wir achtsam und rücksichtsvoll miteinander leben – gerade in dieser Krisenzeit.

    HERR, wir danken DIR, dass wir alle leben können in der österlichen Hoffnung, was auch kommen mag. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Osterzeit 2021

    Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen! – Monatsspruch Mai 2021

    (Sprüche 31,8)

    Füreinander eintreten – Sprachrohr für Summe und Benachteiligte in dieser Zeit werden – ja, sie zuerst einmal in meinen Blick zu bekommen- das scheint derzeit etwas in den Hintergrund zu treten. Auf die momentane Krise und extreme Situation der Pandemie scheinen Menschen, statt solidarisch zu sein, sich eher auf die eigenen Ansprüche, Bedürfnisse, Rechte und Freiheiten zurückzuziehen. Solche Reaktionen wirken auf das gesellschaftliche Miteinander. Und sie haben auch Folgen.

    Und doch gibt es zahlreiche Aktionen, wo Menschen für andere eintreten – auf ihre Not aufmerksam machen, ihre Musik spielen, um Spenden bitten oder sie ganz einfach im Blick haben und für sie da sind. Zum Glück! Nicht nur Menschen in Ländern wie Brasilien oder Indien, sondern auch die Flüchtlinge, die erneut in kleinen Booten den Weg über das Mittelmeer antreten und die auf den Rettungsschiffen, die sie aufnehmen und sicher in einen europäischen Hafen bringen wollen. Auch die Menschen in Staaten, wo ihre Rechte nicht geachtet werden oder sie gar verfolgt und in Gefängnissen festgesetzt werden. Bis zu denen, die in nächster Nähe leben, deren Einsamkeit und Not wahrgenommen werden. Sie zeigen, dass ein Blickwechsel möglich ist – weg von mir selbst und meinen Ansprüchen, hin zu denen, die unter den Zuständen leiden und die auch teilweise übersehen und vergessen werden. Für manchen in der Öffentlichkeit bringt die Pandemie gerade wegen der Einschränkungen, die zu deren Überwindung dienen sollen, eine Möglichkeit über die Werte, die uns in einer Gesellschaft bestimmen, ins Gespräch zu kommen, um vielleicht für die Zukunft damit neue Wege des Miteianders zu ebnen.

    Der Monatsspruch für den Mai lädt uns ein, unser eigenes Denken, Tun und Lassen zu reflektieren. Heinrich Bedford- Strohm beispielsweise rief in seiner Videoandacht dazu auf „… diejenigen wahrzunehmen, die nicht oder kaum an dem Wohlstand teilhaben, den Deutschland insgesamt genießt…“ und „… jetzt darauf zu achten, dass nicht noch mehr Menschen in Armut geraten…“(Quelle:youtube:bayernevangelisch)

    Der Spruch für diesen Monat entstammt dem weisheitlichen Denken Israels, insbesondere der königlichen Weisheit, die in der Erziehung und lebenspraktischen Bildung der Verantwortungsträger der damaligen Zeit eine wichtige Rolle gespielt hat. Dabei ging es nicht um Gesetze oder absolute Wahrheiten, die ein für alle Mal eingehalten werden müssten, sondern um Erfahrungswissen, was einem glücklichen, sinnvollen und gelingenden Leben dient. Es spielte bereits vor Jahrhunderten für die Gestaltung des Miteinanders eine wichtige Rolle. Menschen wussten um die Lücken in den Gesetzen – ein Sozialsystem, wie wir es heute aus unserem Land kennen, gab es damals nicht. Sie waren vielmehr direkt aufeinander angewiesen – es gehörte zu den „Tugenden“, sich nicht abzugrenzen, sondern einander im Blick zu behalten und auch füreinander einzustehen – für die, die keine Stimme hatten damals- zum Beispiel Frauen, Kinder, Witwen und Waisen und für die, die in Not waren, wie Arme, Kranke oder Menschen, die durch ein Unglück alles verloren hatten und selbst keinen Fürsprecher besaßen. Die Brücke zum eigenen verantwortlichen Handeln bildete damals das Vertrauen in die „weisheitliche Tätigkeit JAHWES“ (www.bibelwissenschaft.de/ Info_weisheitsliteratur.doc, diozoese-linz.at), in eine allem zugrunde liegende, gute, von Gott gesetzte, Ordnung.

    Auch wenn letzteres von der Mehrheit der Menschen heute nicht mehr so wahr- und angenommen wird, tragen wir ja – zumal in einer demokratischen Gesellschaft – Verantwortung für die Gestaltung des Lebens, ja wir haben sogar die Freiheit, daran mitzuwirken. Gläubige Menschen haben dabei biblische und andere Vorbilder, die wegweisend sein können. Christen sehen in Jesus selbst den, der diesen Weg beschritten hat. Geschichten aus dem Neuen Testament erzählen, wie er selbst sich für Stumme und Schwache seiner Zeit eingesetzt hat (z.B. Mk.7, 31-37/ Lk.9,10-17/Joh.19,25-27).

    Erneure auch unser Herz

    und gib uns den Geist

    der Klarheit und des Muts

    denn das Gesetz des Geistes

    der uns lebendig macht in Christus

    hat uns befreit

    von dem Gesetz der Resignation

    Lehre uns die Kraft

    der kleinen Leute zu spüren

    und keine Angst mehr zu haben

    wenn wir widersprechen

    Erneure auch unser Herz

    und lass uns wieder miteinander reden

    lehre uns zu teilen statt zu resignieren:

    das Wasser und die Luft,

    die Energie und die Vorräte

    zeig uns, dass die Erde dir gehört

    und darum schön ist

    (Dorothee Sölle, Magazin Lebenshaus Schwäbische Alb)

    Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen!

    (Sprüche 31,8)

    Eine Ermutigung für mich und für alle, die das in dieser Zeit in meiner Nähe, aber auch weltweit nötig haben, eine Ermutigung zu einem neuen Miteinander.

    Ute Thalmann

  • Osterzeit 2021

    Andacht zu Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 13. Mai 2021

    Schriftwort: Epheserbrief, 1, 20 -23

    Es ist dieselbe gewaltige Stärke, mit der ER am Werk war, als ER Christus von den Toten auferweckte und IHM in der himmlischen Welt den Ehrenplatz an SEINER rechten Seite gab. Damit steht Christus jetzt hoch über allen Mächten und Gewalten, hoch über allem, was Autorität besitzt und Einfluss ausübt; ER herrscht über alles, was Rang und Namen hat – nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Ja, Gott hat IHM alles unter die Füße gelegt, und ER hat IHN, den Herrscher über das ganze Universum, zum Haupt der Gemeinde gemacht. Sie ist SEIN Leib, und ER lebt in ihr mit SEINER ganzen Fülle – ER, der alles und alle mit SEINER Gegenwart erfüllt.

    Gedanken zum Text:

    Kennen Sie den Ausspruch: Dem Himmel sei Dank!? Haben sie sich vielleicht auch schon einmal so wohl gefühlt, dass Sie dachten: Das ist der Himmel auf Erden…? Wir sprechen öfter vom Himmel, als wir denken – und jeder weiß sofort, was wir meinen. Dabei sind wohl unsere Bilder und Vorstellungen vom Himmel so verschieden wie wir es sind, ganz persönlich, geprägt durch Überlieferungen und natürlich auch unserer Vorstellungskraft. In unserem Abschnitt aus dem Epheserbrief zeichnet der Verfasser das Himmelsbild seiner Zeit: Die himmlische Welt als eine Art Thronsaal, auf dem Thron Gott selbst, in SEINER gewaltigen Stärke. Dieses Bild ist erhaben, majestätisch, beeindruckend, lässt aber keine Nähe zu. Darin spiegelt sich der schwierige Teil unserer Glaubenserfahrungen. Wir meinen oft, Gott sei weit weg von unserer Welt, bei dem, was uns widerfährt und wie es zugeht in dieser Welt. Nur schwer oder gar nicht erreichbar scheint ER oft zu sein. Und nicht wenigen ist darüber ihr Glaube zerbrochen.

    Unglaublich beeindruckend ist die Macht des Ewigen aber schon: ER lässt SEINEN Sohn nicht nur von den Toten auferstehen, sondern gibt IHM auch noch den Ehrenplatz neben sich im himmlischen Thronsaal. ER setzt IHN über alle Autoritäten und legt IHM alles zu Füßen. Himmelfahrt als Machtübergabe sozusagen. Aber ist es nicht so: Gott ist nie ganz so, wie das Bild, das wir uns von ihm machen. ER ist immer auch ganz anders als wir IHN uns vorstellen. Davon erzählt unser Text auch. „ER hat IHN, den Herrscher über das ganze Universum, zum Haupt der Gemeinde gemacht. Sie ist SEIN Leib, und ER lebt in ihr mit SEINER ganzen Fülle – ER, der alles und alle mit SEINER Gegenwart erfüllt.“ Auf einmal kommt uns der ferne Gott ganz nahe – in SEINEM auferstandenen Sohn Jesus Christus, der das Haupt der Gemeinde ist. Das bedeutet für die Gemeinde: Auch sie findet sich in Christus wieder im himmlischen Thronsaal – und zwar dem Ehrenplatz. Mit SEINER Himmelfahrt eröffnet ER uns allen SEINE Zukunft. Die Macht, mit der Christus regiert, die zuerst im Himmel und immer mehr auch auf der Erde herrschen soll, das ist die Macht der Liebe. Die Macht de Liebe schenkt Mut und Kraft, ganz bei sich selbst und gleichzeitig bei den anderen zu sein, miteinander und füreinander zu leben statt sich gegenseitig zu belauern und das Leben schwer zu machen. Das ist doch wirklich ein Grund zum Feiern, oder?

    Uralter Olivenbaum im Garten Getsemaneh bei Jerusalem ;
    Gedanken zum Bild:

    Der Garten Getsemaneh bei Jerusalem – ein Ort, der für Jesus zum Schicksalsort wurde. Hier nahm die Geschichte ihren Lauf, die wider alle menschliche Erwartung Über SEINE Himmelfahrt in Gottes Zukunft führt. Beeindruckend sind die uralten Olivenbäume nicht nur durch ihre Gestalt, sondern auch durch ihre ungebrochene Lebensenergie. Sie tragen Laub und trotzen seit vielen Menschenaltern Hitze und Trockenheit. So werden sie schon in biblischen Zeiten zum Sinnbild für das Geschenk des Lebens. Nicht von ungefähr bringt die Taube einen Olivenzweig zur Arche des Noah als Zeichen Gottes, dass die Flut ein Ende haben wird. Allerdings fällt auf dem Bild ins Auge: Im Zeitalter des modernen Massentourismus müssen diese uralten Bäume durch hohe Absperrungen gesichert werden. Die Touristen aus aller Welt kennen weder Respekt noch Gnade, wenn es um „kostenlose“ Andenken wie „original Rindenstücke“ geht – oder um das Einritzen wichtiger persönlicher „Botschaften“ (weltweit besonders beliebt: „Ich war hier“ mit Initialen und Datum).

    Gebet:

    HERR, unser Gott, DU hast uns verheißen: DIR gehört die Zukunft, in der DEIN Sohn mit der Macht der Liebe regieren wird. Hab Dank für alles was wir heute schon davon spüren können.

    HERR, wir bitten DICH auch für alle Menschen, die keine Kraft oder keinen Mut mehr haben, DIR zu vertrauen. Hilf, dass auch sie etwas von DEINEM Himmel ahnen können.

    HERR, wir bitten DICH für die Menschen, die soweit von DEINEM Himmel entfernt sind, dass sie sich gegenseitig das Leben zur Hölle machen. Hilf, dass sie den Weg zu Frieden finden.

    HERR, wir bitten DICH für uns alle, dass wir die Welt bewahren, die DU uns zum Leben schenkst.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Osterzeit 2021

    Andacht zum Sonntag Rogate (5. Sonntag nach Ostern) 9. Mai 2021

    Schriftwort: 1. Timotheus 2, 1-6

    So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, auf dass wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Denn solches ist gut und angenehm vor Gott, unserem Heiland, welcher will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

    Gedanken zum Text:

    Rogate – betet! – So lautet der alte Name des heutigen Sonntags. Betet! – und zwar nicht nur für euch selbst, sondern für alle Menschen. Der evangelische Pfarrer Fritz Heinrich (von 1927 bis 1939 in Pößneck – Jüdewein) predigte zu diesem Wort am 6. Mai 1945 (ebenfalls Sonntag Rogate) in Zeulenroda:

    „Unser Text spricht von einer besonderen Art des Betens, von der Fürbitte: „Betet für alle Menschen!“ Warum sollen wir das? Weil „Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ Ein wunderbares Gotteswort, das uns froh machen kann in dieser Zeit der Trauer.

    Hier habt ihr den schroffen Gegensatz zwischen dem Nazismus und dem Christentum. Der Nazismus hat den Hass gelehrt gegen fremde Rassen, gegen alle Menschen und Völker, die ihn ablehnen. Das Christentum aber lehrt: „Betet für alle Menschen!“ Auch die Juden sind Gottesgeschöpfe, die wir lieben, für die wir beten sollen. … Ein Christ hat die Juden nie hassen können. Stammt doch unser Heiland seiner Leiblichkeit nach aus dem jüdischen Volk, waren doch alle Apostel Juden.

    Die unmenschliche Grausamkeit des Nazismus gegen die Juden und gegen politisch anders Denkende in den Konzentrationslagern aber ist eine Schmach, die das deutsche Volk nie wieder von sich abwaschen kann. Allein in Buchenwald, dessen Belegschaft zwischen 80000 und 120000 schwankte, sind über 73000 unschuldige Menschen ermordet oder dem Hungertod preisgegeben worden!

    So tief war die Kirche geknechtet, dass sie kein einziges Wort zu diesen Unmenschlichkeiten sagen durfte. Und wenn einmal einem Pfarrer das Gewissen explodierte, wurde er abgeführt….

    Ich habe in Pößneck dasselbe erfahren. Allein in Buchenwald schmachteten über 1000 evangelische und katholische Pfarrer. Jetzt ist dieser entsetzliche Gewissensdruck von uns genommen, wir dürfen wieder beten für alle Menschen.

    Ohne Ausnahme. Die Kirche ist für alle da, ganz gleich, welche politische Überzeugung sie haben. … Wer zur Erkenntnis der Wahrheit kommen will, und die Botschaft Gottes annimmt, dem wird Gott durch das Evangelium seine Wahrheit offenbaren…. Wir beten für alle Menschen. Besonders für die unzähligen unschuldigen Opfer dieses sinnlosen und schrecklichen Krieges.“ (Predigttext zur Verfügung gestellt von der Tochter Pfr. Heinrichs)

    Auch heute zieht dieser Krieg noch seine Spuren durch die Seelen der Menschen. Die Nachkommen der Opfer „erben“ die Traumata. Die Nachkommen der Täter müssen sich mit ihrem „Erbe“ auseinandersetzen. Beten wir für sie und bitten Gott um SEINE Hilfe für ein friedliches Miteinander in unserer Gesellschaft in der gegenwärtigen Krise.

    Gedenktafel für Pfr. Fritz Heinrich in der Kirche Jüdewein

    Entwurf: J. Reichmann; Ausführung: Kunstschmiede Gerhard, Knau; Foto: Privat (J. Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Pfarrer Fritz Heinrich war ein einfacher, bescheidener Mann. Dennoch geriet er während seiner Amtszeit in Pößneck – Jüdewein durch seine dem Evangelium verpflichteten Predigten in den Fokus der NSDAP – Spitzel. 1937 wurde er denunziert und von der Gestapo verhaftet. Nach einer Woche Haft in Weimar wurde er zwar freigelassen, die Thüringische Landeskirche belegte ihn jedoch mit sofortigem Berufsverbot. Erst nach mehr als einem Jahr wurde er nach Zeulenroda versetzt, wo er unter Auflagen wieder tätig sein durfte. Die Gedenktafel in der Kirche Jüdewein erinnert an sein Gottvertrauen und seinen Mut in der menschenverachtenden Zeit der Naziherrschaft.

    Gebet:

    HERR, unser Gott, nimm uns hinein in den weiten Horizont DEINER Liebe, damit wir unsere Welt, unsere Mitmenschen und uns selbst mit DEINEM Blick sehen lernen.

    Dann, HERR unser Gott, werden wir unser Herz auftun und beten, weit mehr als für uns selbst und unsere eigenen Sorgen.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH für die Menschen, die auch heute noch gezeichnet sind von Krieg und Not, für die, denen das Nötigste zum Leben fehlt oder die gequält werden.

    Wir bitten DICH auch für die Fragenden und Suchenden, für die Verunsicherten und Ängstlichen, die niemandem mehr trauen in dieser Welt.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH für alle, die andere Menschen auf welche Art auch immer leiden lassen. Bringe sie zur Besinnung und hilf ihnen zu erkennen, was sie tun.

    Wir bitten DICH für alle, deren Kraft zu Ende geht, deren Hoffnung in den letzten Zügen liegt und die sich völlig verlassen fühlen.

    HERR, unser Gott, nimm unser Gebet auf DEIN Herz und hilf, dass es besser mit uns und DEINER Welt werde. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Osterzeit 2021

    Andacht zum Sonntag Misericordias Domini (Sonntag vom guten Hirten) 18. April 2021

    Schriftwort: Markus 9,23

    Jesus Christus spricht: „Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Dieses Wort Jesu hallt uns in den Ohren in unserer Zeit, in der so vieles vorübergehend nicht möglich ist. Die Einschränkungen unserer Lebensmöglichkeiten und gewohnten Freiheiten belasten auf die Dauer alle und einige treiben sie wirtschaftlich bedrohlich in die Enge. Es scheint auch fast kein anderes Gesprächsthema mehr zu geben, weil sich jeder wünscht, die Pandemie möge so bald wie möglich vorbei sein. Da hinein also spricht Jesu Wort: „Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“

    Weltfremd! – sagen die einen. Das klingt doch so, als gelten für die Glaubenden keinerlei Einschränkungen! Der Glaube schützt doch nicht vor Ansteckung mit gefährlichen Krankheiten!

    Mal wieder typisch! – sagen die anderen. Die Glaubenden halten sich für etwas besseres! Kirche besteht halt immer wieder auf ihrer Extrawurst in der Gesellschaft…

    Eines ist klar: Dieser Satz Jesu hat es in sich und kann gründlich missverstanden werden, tatsächlich auch zur Weltflucht und oder völligen Selbstüberschätzung derer führen, die ihn im Munde führen.

    Das kann allerdings nur geschehen, wenn er aus dem Zusammenhang seiner Geschichte gerissen wird – der Geschichte der Heilung eines besessenen Jungen (Markus 9, 14-29). In dieser Geschichte geht es nicht um Glaube gegen Wissen oder die Möglichkeiten Auserwählter, sondern um Leid und Hilflosigkeit, enge Grenzen und Versagen, tief eingebrannten Zweifel und was dann wirklich neue Lebensmöglichkeiten schaffen kann. Ein Junge leidet unheilbar an Epilepsie, war schon mehrfach in akuter Lebensgefahr. Der Vater muss hilflos zuschauen. Die Jünger versagen bei dem Versuch, den Jungen zu heilen. Der Vater hat zu viele Enttäuschungen erleben müssen. Noch nicht einmal mehr Jesus selbst kann er mit Vertrauen begegnen. „Hilf, wenn du kannst!“, sagt er zu IHM. Jesus ist entsetzt, wie tief die eigene erlebte Hilflosigkeit Menschen in Zweifel stürzen kann und macht SEINEM Entsetzen Luft. Dann sagt ER:„Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“ Ein Wort, größer noch als der Zweifel tief ist. Ein Wort, an dem sich der geplagte Vater ebenso aufrichten kann wie die erfolglosen Jünger. Ein Wort, das Hoffnung und Zuversicht schenkt, wo es nach Menschenmöglichkeit nichts mehr zu hoffen gibt.

    Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“ Es ist möglich, Mensch zu bleiben in der Krise. Es ist möglich, aus dem Vertrauen in Gottes Liebe Hoffnung zu schenken und Zuversicht, wenn alle murren und klagen, wenn die einen an ihre Grenzen kommen und die anderen keinem mehr trauen. Also weder weltfremd noch Extrawurst, sondern das Wort Christi auch genau für unsere Zeit.

    Foto: Privat (J.Reichmann)

    Manchmal braucht es dringend einen Perspektivwechsel – so wie für den Vater des Jungen. Und wenn der Blick erstarrt ist, braucht es das ganz große Panorama, das über den Alltag hinausweist. „Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“, sagt Jesus. Im Psalm 121 klingt das so: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.“

    Dieses Vertrauen, diese Gewissheit gab dem Beter des Psalms Halt und Trost in seinem Leben. Wir wissen nichts über sein Schicksal. Aber wir können davon ausgehen, dass seine Lebenszeit ganz bestimmt nicht einfacher und bequemer war als die unsere. Sorgenfrei war sie auf keinen Fall. Was hindert uns also daran, wie er auch in der Größe und Schönheit der Schöpfung die Größe und lebensspendende Macht unseres Gottes wahrzunehmen? Das wünsche ich uns allen in dieser herausfordernden Zeit ganz besonders.

    Amen

    Gebet:

    HERR, unser Gott, wir danken DIR für alle Bewahrung und DEINE bergende Liebe, die wir erleben dürfen in der Gemeinschaft der Mitmenschen.

    HERR unser Gott, DU bist uns nahe in Jesus Christus, dem guten Hirten. Wir bitten DICH für die Menschen, die in unserer Zeit Verantwortung übernehmen für andere, die ihnen anvertraut sind. Schenke ihnen Geduld und Freude an ihren Aufgaben.

    HERR, unser Gott, DU guter Hirte, wir bitten DICH für alle Ausgegrenzten und Einsamen, für alle Trauernden und Leidenden, dass ihnen Menschen begegnen, die ihnen beistehen.

    HERR, unser Gott, DU guter Hirte, wir bitten DICH für alle Zweifelnden und Verzweifelten, für alle, die sich verloren glauben im Dickicht dieser Zeit, gehe ihnen nach durch Menschen, die sich ihrer annehmen.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Osterzeit 2021

    Andacht zum Sonntag Quasimodogeniti, 11. April 2021

    Von Pfarrer e.v. Reichmann Pößneck

    Schriftwort: 1. Petrus 1,3 (Wochenspruch)

    Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeborenen hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Der erste Sonntag nach Ostern trägt den schönen, aber merkwürdigen Namen Quasimodogeniti – wie die neugeborenen Kinder – oder auch „der weiße Sonntag“. Ganz früher wurden an diesem Sonntag unmittelbar nach dem Osterfest die Menschen getauft, die sich als Erwachsene für den Lebensweg im Glauben entschieden hatten. Da die Täuflinge feierliche Kleider in der Christusfarbe weiß trugen, erklärt sich der eine Name des Sonntags. Der lateinische Name leitet sich direkt vom Glauben ab: Durch die Taufe beginnt unser Leben mit Jesus Christus. Die Getauften sind also die neugeborenen Kinder Gottes, auch wenn sie schon eine Weile auf dieser Welt lebten.

    Das klingt und ist völlig anders als die Wiedergeburtslehren östlicher Religionen, in denen die Seele eine fast endlose Zahl von Wiedergeburten und Existenzen überstehen muss, in denen sie sich immer wieder neu zu bewähren hat. Das Ziel ist, nicht mehr wiedergeboren werden zu müssen, sondern endlich eingehen zu können in die große Weltseele wie ein Wassertropfen in den Ozean. Ebenso weit entfernt von den neugeborenen Kindern Gottes sind sämtliche esoterischen Ansichten von Seelenwanderung und Wiedergeburt. Der erste Sonntag nach Ostern möchte uns erinnern, dass auch wir sagen dürfen: Ich fühle mich wie neugeboren, weil mich die Kraft der Auferstehung Christi im Innersten berührt hat und mir Hoffnung schenkt, die stärker ist als der Tod. Eine Wiedergeburt in der Hoffnung – wie sehr sehnen wir uns danach in unserer Zeit voller Schwere und Probleme. Spüren wir als Christen etwas von der Osterhoffnung? Schaffen wir es in der endlos scheinenden Pandemie und den anderen Sorgen dieser Welt, der Hoffnungskraft des Glaubens zu vertrauen, der lähmenden Angst oder der bleiernen Gleichgültigkeit zu widerstehen? Wie kann die Hoffnung wiedergeboren werden? Der Schreiber des Petrusbriefs findet die Antwort: Gott selbst bringt in uns die Hoffnung zur Welt. Es ist wie bei einer Geburt. Gott hat in uns die Hoffnung wieder lebendig gemacht – und wir sind nun diejenigen, die die Hoffnung auf die Welt, zur Welt bringen, sie für andere konkret und spürbar werden lassen. Welche Lebensmöglichkeiten tun sich da auf für uns und unsere Mitmenschen, aber auch welche Verantwortung liegt da auf unseren Schultern! Denn was heißt Hoffnung zur Welt bringen anderes als das Leben eben nicht von dem her zu betrachten, was zu Ende oder was verloren geht, sondern von dem her, wie Gott neu Leben schenkt.

    Konkret in unserer Lage, in der die Nerven zunehmend blank liegen, kann das bedeuten: Sich nicht dem um sich greifenden Frust hinzugeben, sondern gerade jetzt einander mit Freundlichkeit und Respekt und Rücksichtnahme zu begegnen auch wenn man nicht einer Meinung ist – wozu auch immer. Die Kraft und den Mut dazu.

    Foto: Privat (J.Reichmann)

    schenkt uns Gott selbst. Wenn ein Mensch in dieser lebendigen Hoffnung lebt, sich dafür öffnet, was Gott in uns zum Leben bringt, dann kann daraus ein befreiendes Lebensgefühl entstehen. Verbundenheit, auch Humor und ein Missachten der Grenzen, wenn die Grenzen lebensfeindlich sind, all das darf sein, wenn ich das Leben von der lebendigen Hoffnung her sehe, die Gott in mir zur Welt gebracht hat.

    Dann werde ich mich selbst, meine Mitmenschen und auch die Natur um mich herum ganz anders und neu wahrnehmen können: Als geliebte Geschöpfe Gottes, die durch SEINE Gnade leben können.

    Amen

    Gebet:

    HERR unser Gott, es tut uns so gut zu hören, dass die Hoffnung und das Leben siegt. DIR zu trauen, schenkt uns die Weite, die wir zum Leben brauchen.

    HERR, barmherziger Gott, schenke im Lande und in unseren Gemeinden und Häusern Großmut und Verständnis füreinander, damit wir beieinander bleiben und zueinander finden.

    HERR, lebendiger Gott, begegne mit DEINER Liebe allen, die bedrückt sind, die sich fürchten vor ihren Mitmenschen, die ihren Weg suchen in dieser verwirrenden Welt und schenke ihnen Zuversicht.

    HERR, tröstender Gott, nimm die Verzweifelten, die Hoffnungslosen, die Sterbenden und die Trauernden an DEINE Hand und stehe ihnen bei.

    HERR, Dreieiniger Gott, gib DEINEN Geist in alles Leben, das DIR widerspricht, damit neu werde DEINE Schöpfung.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Osterzeit 2021

    Andacht für die Osterwoche, 4. bis 10. April 2021

    Schriftwort: 2. Korinther 1, 3+4 (Lehrtext von Dienstag, 6. April)

    Gelobt sei Gott, der Vater unseres HERRN Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis.

    Gedanken zum Text

    Denken wir an das diesjährige Osterfest zurück, fällt uns so manches ein, das wir mit dem altertümlichen Wort „Bedrängnis“ zusammenfassen könnten. Völlig unbeschwert konnte wohl niemand das höchste Fest der Christenheit feiern. Das Virus ist heimtückischer als befürchtet. Es lässt sich nicht so leicht besiegen. Die Menschen verlieren die Geduld und manchen steht auch wirtschaftlich das Wasser inzwischen bis zum Hals. Die Spannung in der Gesellschaft wächst weiter an und wohl alle hoffen, dass es bald vorbei sein möge mit den Einschränkungen aufgrund der Ansteckungsgefahr.

    Woran Paulus dachte, als er von „Bedrängnis“ schrieb, können wir nur aus seinen Briefen zurückschließen. Was wir ziemlich genau wissen: Eine Seuche und ihre unmittelbaren und mittelbaren Folgen hatte er nicht im Blick. Seine Bedrängnisse entsprangen rein menschlichen Quellen: Die erste Quelle, die ihm am meisten zu schaffen machte, war die Auseinandersetzung mit rücksichtslosen und hinterhältigen Konkurrenten um Einfluss in der Christengemeinde von Korinth. Daran hatte Paulus schwer zu tragen, wie wir seinen Briefen deutlich entnehmen können. Ergänzt wurde diese durch die zunehmenden Verfolgung seiner Person und Unterdrückung seiner Missionsarbeit durch örtliche Vertreter der römischen Staatsmacht in anderen Städten. In solch einer Lage ist guter Rat teuer- und wirklich tragfähiger Trost nicht leicht zu finden. Paulus brauchte eine wirklich zähe Geduld und musste sich enorm anstrengen, um mit den Korinthern wieder auf eine vernünftige und wertschätzende Gesprächsbasis zu kommen. Erst ganz langsam besserte sich die Lage. Paulus hätte wohl diese Geduld und dieses Durchhaltevermögen in seinen Bedrängnissen nicht haben können, wenn er nicht Gott sein Leid geklagt hätte. Denn genau in diesen bekam er geschenkt, was ihm half: der Vater der Barmherzigkeit ließ ihn erkennen, dass die Menschen in der Gemeinde von Korinth Schwestern und Brüder waren, die jede Mühe wert waren. und der Gott allen Trostes fing ihn auf, wenn er sich wieder einmal umsonst bemüht hatte.

    Eine andere Situation als die unsere, sicherlich, aber auch aus der heutigen Bedrängnis gibt es einen Weg heraus, ohne dass unser Zusammenleben auf Dauer belastet bleiben muss. Dieser Weg gelingt im Vertrauen in Gottes Liebe, mit dem Blick SEINER Barmherzigkeit und mit SEINEM Trost.

    Foto: J. Reichmann

    Gedanken zum Bild:

    Ostern 2021 in der Stadtkirche Pößneck: Wir waren froh, dass die Kirche trotz der hohen Infektionszahlen für ein stilles Gebet geöffnet werden konnte. Menschen unterschiedlichen Alters kamen zur Gottesdienstzeit am Ostersonntagmorgen zusammen, hörten das Osterevangelium. Die Orgel erklang mit festlicher Musik und die Menschen hatten die Gelegenheit, ganz persönliche Anliegen vor Gott zu bringen. Einige entzündeten auch eine kleine Kerze und stellten sie auf den Rand unseres Taufsteins. Denn zu Ostern erinnern wir traditionell auch an die Getauften des letzten Jahres. In diesem Jahr der Pandemie tut es auch sehr gut, sich wie Martin Luther an die eigene Taufe zu erinnern. So wurde für die Menschen ganz konkret spürbar, was Paulus schreibt:

    Gelobt sei Gott, der Vater unseres HERRN Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis.

    Gebet:

    HERR, unser Gott, für jeden Lichtstrahl danken wir DIR im Dunkel der Geschichte, für jedes DEINER Worte im Lärm unserer neunmalklugen Zeit. DU lässt uns aufatmen und schenkst uns Hoffnung über alle unsere Grenzen hinaus.

    HERR, lass DEINE Botschaft alle unsere Tage erhellen, die vor uns liegen mit Schönem und Schweren, mit Erkenntnissen, Irrwegen, Ahnungen und Gewissheiten.

    HERR, wir bitten DICH für uns, dass die Botschaft DEINER Auferstehung Früchte trägt in unserem Leben, dass DU uns aufrichtest und unseren Blick erhebst in DEINE Barmherzigkeit, die allen DEINEN Geschöpfen gilt.

    HERR, weise uns den Weg aus unserer Bedrängnis in DEINE Zukunft.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Osterzeit 2021

    Der Herr ist auferstanden!…

    Wir wünschen Ihnen frohe und gesegnete Ostern!

    Ostergeschichte mit Ostersegen:


    Hinweis des ev. KGV -Kirchengemeindeverbandes Krölpa-Öpitz:

    Die Gottesdienste fallen aufgrund der Corona Pandemie aus. Die Kirche in Krölpa ist zum stillen Gebet geöffnet.
    Bitte beachten Sie die aktuellen Hygienemaßnahmen. Um 17 Uhr erklingt vom Kirchturm Musik.
    Der KGV Krölpa – Öpitz wünscht allen ein gesegnetes Osterfest.


    Ostersegen 2021!

    Möge die österliche Sonne
    dein Gesicht bescheinen
    und deine Seele erwärmen.

    Die Hoffnung weiche nicht
    aus deinem Herzen,
    noch dein Vertrauen
    in das Leben.

    Mögest du Wege finden,
    die dich zu anderen führen
    ohne dein Zuhause zu verlassen.
    Sei in Frieden mit dir
    und mit deinen Mitmenschen.

    Und sei gewiss:
    Der Tod ist nicht das Ziel
    deines Lebens.

    (Irischer Segenswunsch)


    Andacht zum Osterfest, 4. und 5. April 2021

    Von Jörg Reichmann, ev. Pfr. in Pößneck

    Schriftwort: Markus 14, 3- 9

    Jesus war in Betanien bei Simon dem Aussätzigen zu Gast. Während der Mahlzeit kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl. Sie brach das Gefäß auf und goss Jesus das Öl über den Kopf. Einige der Anwesenden waren empört. »Was soll das, dieses Öl so zu verschwenden?«, sagten sie zueinander. »Man hätte es für mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können!« Und sie machten der Frau heftige Vorwürfe. Weiterlesen…


    Der Emmausweg 2021 – digital!

    Es ist bereits seit vielen Jahren eine schöne Tradition geworden, der jährliche Emmausweg am Ostermontag, von Ranis nach Krölpa! Leider kann auch dieser in diesem Jahr nicht stattfinden, daher haben wir einen “virtuellen” Emmausweg erstellt. Dieser kann gerne von jedem einzeln gepilgert werden.

    Hier finden Sie den Emmausweg 2021 in Digitaler Form: (klicken)