• Osterzeit 2021

    Andacht zum Sonntag Quasimodogeniti, 11. April 2021

    Von Pfarrer e.v. Reichmann Pößneck

    Schriftwort: 1. Petrus 1,3 (Wochenspruch)

    Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeborenen hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Der erste Sonntag nach Ostern trägt den schönen, aber merkwürdigen Namen Quasimodogeniti – wie die neugeborenen Kinder – oder auch „der weiße Sonntag“. Ganz früher wurden an diesem Sonntag unmittelbar nach dem Osterfest die Menschen getauft, die sich als Erwachsene für den Lebensweg im Glauben entschieden hatten. Da die Täuflinge feierliche Kleider in der Christusfarbe weiß trugen, erklärt sich der eine Name des Sonntags. Der lateinische Name leitet sich direkt vom Glauben ab: Durch die Taufe beginnt unser Leben mit Jesus Christus. Die Getauften sind also die neugeborenen Kinder Gottes, auch wenn sie schon eine Weile auf dieser Welt lebten.

    Das klingt und ist völlig anders als die Wiedergeburtslehren östlicher Religionen, in denen die Seele eine fast endlose Zahl von Wiedergeburten und Existenzen überstehen muss, in denen sie sich immer wieder neu zu bewähren hat. Das Ziel ist, nicht mehr wiedergeboren werden zu müssen, sondern endlich eingehen zu können in die große Weltseele wie ein Wassertropfen in den Ozean. Ebenso weit entfernt von den neugeborenen Kindern Gottes sind sämtliche esoterischen Ansichten von Seelenwanderung und Wiedergeburt. Der erste Sonntag nach Ostern möchte uns erinnern, dass auch wir sagen dürfen: Ich fühle mich wie neugeboren, weil mich die Kraft der Auferstehung Christi im Innersten berührt hat und mir Hoffnung schenkt, die stärker ist als der Tod. Eine Wiedergeburt in der Hoffnung – wie sehr sehnen wir uns danach in unserer Zeit voller Schwere und Probleme. Spüren wir als Christen etwas von der Osterhoffnung? Schaffen wir es in der endlos scheinenden Pandemie und den anderen Sorgen dieser Welt, der Hoffnungskraft des Glaubens zu vertrauen, der lähmenden Angst oder der bleiernen Gleichgültigkeit zu widerstehen? Wie kann die Hoffnung wiedergeboren werden? Der Schreiber des Petrusbriefs findet die Antwort: Gott selbst bringt in uns die Hoffnung zur Welt. Es ist wie bei einer Geburt. Gott hat in uns die Hoffnung wieder lebendig gemacht – und wir sind nun diejenigen, die die Hoffnung auf die Welt, zur Welt bringen, sie für andere konkret und spürbar werden lassen. Welche Lebensmöglichkeiten tun sich da auf für uns und unsere Mitmenschen, aber auch welche Verantwortung liegt da auf unseren Schultern! Denn was heißt Hoffnung zur Welt bringen anderes als das Leben eben nicht von dem her zu betrachten, was zu Ende oder was verloren geht, sondern von dem her, wie Gott neu Leben schenkt.

    Konkret in unserer Lage, in der die Nerven zunehmend blank liegen, kann das bedeuten: Sich nicht dem um sich greifenden Frust hinzugeben, sondern gerade jetzt einander mit Freundlichkeit und Respekt und Rücksichtnahme zu begegnen auch wenn man nicht einer Meinung ist – wozu auch immer. Die Kraft und den Mut dazu.

    Foto: Privat (J.Reichmann)

    schenkt uns Gott selbst. Wenn ein Mensch in dieser lebendigen Hoffnung lebt, sich dafür öffnet, was Gott in uns zum Leben bringt, dann kann daraus ein befreiendes Lebensgefühl entstehen. Verbundenheit, auch Humor und ein Missachten der Grenzen, wenn die Grenzen lebensfeindlich sind, all das darf sein, wenn ich das Leben von der lebendigen Hoffnung her sehe, die Gott in mir zur Welt gebracht hat.

    Dann werde ich mich selbst, meine Mitmenschen und auch die Natur um mich herum ganz anders und neu wahrnehmen können: Als geliebte Geschöpfe Gottes, die durch SEINE Gnade leben können.

    Amen

    Gebet:

    HERR unser Gott, es tut uns so gut zu hören, dass die Hoffnung und das Leben siegt. DIR zu trauen, schenkt uns die Weite, die wir zum Leben brauchen.

    HERR, barmherziger Gott, schenke im Lande und in unseren Gemeinden und Häusern Großmut und Verständnis füreinander, damit wir beieinander bleiben und zueinander finden.

    HERR, lebendiger Gott, begegne mit DEINER Liebe allen, die bedrückt sind, die sich fürchten vor ihren Mitmenschen, die ihren Weg suchen in dieser verwirrenden Welt und schenke ihnen Zuversicht.

    HERR, tröstender Gott, nimm die Verzweifelten, die Hoffnungslosen, die Sterbenden und die Trauernden an DEINE Hand und stehe ihnen bei.

    HERR, Dreieiniger Gott, gib DEINEN Geist in alles Leben, das DIR widerspricht, damit neu werde DEINE Schöpfung.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Osterzeit 2021

    Andacht für die Osterwoche, 4. bis 10. April 2021

    Schriftwort: 2. Korinther 1, 3+4 (Lehrtext von Dienstag, 6. April)

    Gelobt sei Gott, der Vater unseres HERRN Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis.

    Gedanken zum Text

    Denken wir an das diesjährige Osterfest zurück, fällt uns so manches ein, das wir mit dem altertümlichen Wort „Bedrängnis“ zusammenfassen könnten. Völlig unbeschwert konnte wohl niemand das höchste Fest der Christenheit feiern. Das Virus ist heimtückischer als befürchtet. Es lässt sich nicht so leicht besiegen. Die Menschen verlieren die Geduld und manchen steht auch wirtschaftlich das Wasser inzwischen bis zum Hals. Die Spannung in der Gesellschaft wächst weiter an und wohl alle hoffen, dass es bald vorbei sein möge mit den Einschränkungen aufgrund der Ansteckungsgefahr.

    Woran Paulus dachte, als er von „Bedrängnis“ schrieb, können wir nur aus seinen Briefen zurückschließen. Was wir ziemlich genau wissen: Eine Seuche und ihre unmittelbaren und mittelbaren Folgen hatte er nicht im Blick. Seine Bedrängnisse entsprangen rein menschlichen Quellen: Die erste Quelle, die ihm am meisten zu schaffen machte, war die Auseinandersetzung mit rücksichtslosen und hinterhältigen Konkurrenten um Einfluss in der Christengemeinde von Korinth. Daran hatte Paulus schwer zu tragen, wie wir seinen Briefen deutlich entnehmen können. Ergänzt wurde diese durch die zunehmenden Verfolgung seiner Person und Unterdrückung seiner Missionsarbeit durch örtliche Vertreter der römischen Staatsmacht in anderen Städten. In solch einer Lage ist guter Rat teuer- und wirklich tragfähiger Trost nicht leicht zu finden. Paulus brauchte eine wirklich zähe Geduld und musste sich enorm anstrengen, um mit den Korinthern wieder auf eine vernünftige und wertschätzende Gesprächsbasis zu kommen. Erst ganz langsam besserte sich die Lage. Paulus hätte wohl diese Geduld und dieses Durchhaltevermögen in seinen Bedrängnissen nicht haben können, wenn er nicht Gott sein Leid geklagt hätte. Denn genau in diesen bekam er geschenkt, was ihm half: der Vater der Barmherzigkeit ließ ihn erkennen, dass die Menschen in der Gemeinde von Korinth Schwestern und Brüder waren, die jede Mühe wert waren. und der Gott allen Trostes fing ihn auf, wenn er sich wieder einmal umsonst bemüht hatte.

    Eine andere Situation als die unsere, sicherlich, aber auch aus der heutigen Bedrängnis gibt es einen Weg heraus, ohne dass unser Zusammenleben auf Dauer belastet bleiben muss. Dieser Weg gelingt im Vertrauen in Gottes Liebe, mit dem Blick SEINER Barmherzigkeit und mit SEINEM Trost.

    Foto: J. Reichmann

    Gedanken zum Bild:

    Ostern 2021 in der Stadtkirche Pößneck: Wir waren froh, dass die Kirche trotz der hohen Infektionszahlen für ein stilles Gebet geöffnet werden konnte. Menschen unterschiedlichen Alters kamen zur Gottesdienstzeit am Ostersonntagmorgen zusammen, hörten das Osterevangelium. Die Orgel erklang mit festlicher Musik und die Menschen hatten die Gelegenheit, ganz persönliche Anliegen vor Gott zu bringen. Einige entzündeten auch eine kleine Kerze und stellten sie auf den Rand unseres Taufsteins. Denn zu Ostern erinnern wir traditionell auch an die Getauften des letzten Jahres. In diesem Jahr der Pandemie tut es auch sehr gut, sich wie Martin Luther an die eigene Taufe zu erinnern. So wurde für die Menschen ganz konkret spürbar, was Paulus schreibt:

    Gelobt sei Gott, der Vater unseres HERRN Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis.

    Gebet:

    HERR, unser Gott, für jeden Lichtstrahl danken wir DIR im Dunkel der Geschichte, für jedes DEINER Worte im Lärm unserer neunmalklugen Zeit. DU lässt uns aufatmen und schenkst uns Hoffnung über alle unsere Grenzen hinaus.

    HERR, lass DEINE Botschaft alle unsere Tage erhellen, die vor uns liegen mit Schönem und Schweren, mit Erkenntnissen, Irrwegen, Ahnungen und Gewissheiten.

    HERR, wir bitten DICH für uns, dass die Botschaft DEINER Auferstehung Früchte trägt in unserem Leben, dass DU uns aufrichtest und unseren Blick erhebst in DEINE Barmherzigkeit, die allen DEINEN Geschöpfen gilt.

    HERR, weise uns den Weg aus unserer Bedrängnis in DEINE Zukunft.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Osterzeit 2021

    Die Ostergeschichte!

    … kurz und einfach erklärt.

    Diese einfache aber auch liebevolle Nachstellung der Ereignisse von vor über 2000 Jahren haben wir von Frau Böhm von der Kath. Gemeinde in Pößneck erhalten. Es zeigt liebevoll gestaltete Püppchen, die die Ostergeschichte nacherzählen:

    Gerne könnt Ihr die Geschichte hier auch als PDF Dokument herunterladen:

  • Osterzeit 2021

    Der Herr ist auferstanden!…

    Wir wünschen Ihnen frohe und gesegnete Ostern!

    Ostergeschichte mit Ostersegen:


    Hinweis des ev. KGV -Kirchengemeindeverbandes Krölpa-Öpitz:

    Die Gottesdienste fallen aufgrund der Corona Pandemie aus. Die Kirche in Krölpa ist zum stillen Gebet geöffnet.
    Bitte beachten Sie die aktuellen Hygienemaßnahmen. Um 17 Uhr erklingt vom Kirchturm Musik.
    Der KGV Krölpa – Öpitz wünscht allen ein gesegnetes Osterfest.


    Ostersegen 2021!

    Möge die österliche Sonne
    dein Gesicht bescheinen
    und deine Seele erwärmen.

    Die Hoffnung weiche nicht
    aus deinem Herzen,
    noch dein Vertrauen
    in das Leben.

    Mögest du Wege finden,
    die dich zu anderen führen
    ohne dein Zuhause zu verlassen.
    Sei in Frieden mit dir
    und mit deinen Mitmenschen.

    Und sei gewiss:
    Der Tod ist nicht das Ziel
    deines Lebens.

    (Irischer Segenswunsch)


    Andacht zum Osterfest, 4. und 5. April 2021

    Von Jörg Reichmann, ev. Pfr. in Pößneck

    Schriftwort: Markus 14, 3- 9

    Jesus war in Betanien bei Simon dem Aussätzigen zu Gast. Während der Mahlzeit kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl. Sie brach das Gefäß auf und goss Jesus das Öl über den Kopf. Einige der Anwesenden waren empört. »Was soll das, dieses Öl so zu verschwenden?«, sagten sie zueinander. »Man hätte es für mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können!« Und sie machten der Frau heftige Vorwürfe. Weiterlesen…


    Der Emmausweg 2021 – digital!

    Es ist bereits seit vielen Jahren eine schöne Tradition geworden, der jährliche Emmausweg am Ostermontag, von Ranis nach Krölpa! Leider kann auch dieser in diesem Jahr nicht stattfinden, daher haben wir einen “virtuellen” Emmausweg erstellt. Dieser kann gerne von jedem einzeln gepilgert werden.

    Hier finden Sie den Emmausweg 2021 in Digitaler Form: (klicken)

  • Osterzeit 2021

    Emmausweg 2021

    Sind Sie gern einmal draußen – genießen Sie auch die Ruhe und einen Spaziergang allein? Freuen Sie sich auch über Entdeckungen? Dann laden wir Sie ein, mit uns den „Emmausweg“ zu gehen. (Sie können natürlich auch gerne jemanden mitnehmen, der Sie begleitet.)

    In christlicher Tradition spielt der „Emmausweg“ am Osterfest eine wichtige Rolle. Über Jahrhunderte schon gehen Menschen diesen Weg, von dem in einer biblischen Ostergeschichte (Lukasevangelium, Kapitel 24, ab Vers 13 ff) erzählt wird, in Gedanken oder in ihrer Umgebung nach. Die Geschichte fand vielfältige Nutzung, z.B. baut die Ausbildung ehrenamtlicher Hospizhelfer*innen darauf auf, ebenso kann ich ihre Erfahrungen nutzen, um mir einen Trauerweg zu vergegenwärtigen und sie kann hilfreich sein für das Verständnis und in der Begegnung mit anderen Menschen. Wenn Sie neugierig geworden sind, kommen Sie einfach mit. Der Start ist in Ranis an der Stadtkirche – das Ziel wird die Kirche in Krölpa sein. Sie können auch gern irgendeinen anderen Weg wählen.

    Dazu können Sie sich die folgenden Texte, Fotos und Impulse ausdrucken und mitnehmen – oder aber mit ihrem Handy den Weg verfolgen.

    1.Station: Stadtkirche Ranis

    Die Situation ist bedrückend, alles ist grau, kein Lichtblick, nichts, was ermutigt, geschweige denn froh stimmt. Die Stimmen der anderen kommen gar nicht recht bei mir an. Ich bin so eingenommen von dem, was da war und von meiner eigenen Stimmung… . Kennen Sie so was? Dann kennen Sie vielleicht auch den Impuls: „Nichts wie weg hier!“ Manche steigen in diesen Tagen ins Flugzeug – oder auch ins Auto. Sie möchten fliehen – einfach raus aus dem Alltag, der so grau, bedrückend – vielleicht für manchen auch langweilig und eintönig ist, raus aus einer Situation, die nahe und nach geht und berührt, die ich einfach nicht annehmen und glauben kann.

    Die Bibel erzählt in der Emmausgeschichte von zwei Freunden von Jesus – und dem, was sie erlebt haben, was sie bedrückt und was sie nicht loslässt: Es ist die Enttäuschung über das, was sich in der Hauptstadt Jerusalem kurz vor dem Passahfest zugetragen hat: Jesus wollte mit ihnen dieses Fest feiern. Aber er wurde festgenommen und es wurde mit ihm kurzer Prozess gemacht, weil er angeblich das Volk aufwiegele und Gotteslästerung betreibe. Darin wurde eine Gefahr für die Ordnung gesehen. Kurzerhand wurde er am Kreuz hingerichtet. Die Freunde haben alles miterlebt, sie haben Angst, sind geschockt und enttäuscht. Der Abschied von ihrem Freund sitzt ihnen tief in den Knochen. Alle ihre Hoffnung auf ein besseres Leben, ja selbst ihren Glauben haben sie zu Grabe getragen. „Nichts wie weg hier!“ und so entschließen sich zwei, Kleopas und ein anderer Freund von Jesus, sich auf den Heimweg nach Emmaus zu machen.

    Basisbibel: Lk.24,13:

    Am selben Tag waren zwei Jünger unterwegs zu dem Dorf Emmaus. Es liegt etwa sechzig Stadien von Jerusalem entfernt. Sie unterhielten sich über alles, was sie in den letzten Tagen erlebt hatten.

    Impuls: Halten Sie einen kurzen Augenblick inne. Machen Sie sich bewusst, was Sie in der letzten Zeit erlebt haben!

    Der Weg führt durch die Altstadt mit ihren engen Gassen hinaus in Richtung Brandenstein. Vor uns liegt ein Tal, in das wir hinabsteigen.

    Wir sind im Tal – am Brandensteiner Teich angelangt. Nehmen Sie hier kurz Platz und lesen Sie die biblische Geschichte weiter.

    Lk.24,14ff:

    Sie unterhielten sich über alles, was sie in den letzten Tagen erlebt hatten. Dann, während sie noch redeten und hin und her überlegten, kam Jesus selbst dazu und schloss sich ihnen an. Aber es war, als ob ihnen jemand die Augen zuhielt und sie erkannten ihn nicht.

    Er fragte sie: „Worüber seid ihr unterwegs so sehr ins Gespräch vertieft?“

    Da blieben sie traurig stehen. Der eine- er hieß Kleopas – antwortete ihm: „Du bist wohl der Einzige in Jerusalem, der nicht weiß, was dort in diesen Tagen passiert ist?“

    Jesus frage sie: „Was denn?“

    Sie sagten zu ihm: „Das mit Jesus von Nazareth! Er war ein großer Prophet. Das hat er durch sein Wirken und mit seinen Worten vor Gott und dem ganzen Volk gezeigt. Unsere führenden Priester und die anderen Mitglieder des jüdischen Rates haben dafür gesorgt, dass er zum Tod verurteilt und gekreuzigt wurde. Wir hatten gehofft, dass er es ist, der Israel erlösen soll. Nun aber ist es schon drei Tage her, seit das alles geschehen ist.

    Und dann haben uns einige Frauen, die zu uns gehören, aus der Fassung gebracht: Sie waren frühmorgens am Grab. Aber sie konnten seinen Leichnam nicht finden. Sie kamen zurück und berichteten: „Wir haben Engel gesehen. Die haben uns gesagt, dass Jesus lebt!“ Einige von uns sind sofort zum Grab gelaufen. Sie fanden alles so vor, wie die Frauen gesagt haben, aber Jesus selbst haben sie nicht gesehen.“

    Das sagte Jesus zu den beiden: „Warum seid ihr so begriffsstutzig und tut euch so schwer damit zu glauben, was die Propheten gesagt haben? Musste der Christus das nicht alles erleiden, um in die Herrlichkeit seines Reiches zu gelangen?“

    Und Jesus erklärte ihnen, was in den heiligen Schriften über ihn gesagt wurde- angefangen bei Mose bis hin zu allen Propheten.

    Impuls: Woran erinnert Sie das Gespräch? Welche eigenen Erfahrungen fallen Ihnen ein? Was geht Ihnen nach?

    (Bedenken Sie es in der Stille oder tauschen Sie sich mit Ihrem Begleiter*in aus!)

    Der Weg führt weiter am Wisentgehege entlang – über einen kleinen Bach und die Holzbrücke. Sie kommen an eine Bank. Nehmen Sie Platz!

    Impuls :Betrachten Sie die Collage! Was entdecken Sie? Was lässt Sie staunen? Was berührt Sie?

    Oder: Schauen Sie sich in der nächsten Umgebung – in der Natur um! Was sehen Sie? Worüber staunen Sie?

    Was geht Ihnen zu Herzen?

    Wir brechen auf laufen durch den Hain an der Hainquelle vorbei den Hainweg unterhalb des Pinsenberges in Richtung Krölpa. Wir überqueren die Bahnhofstrasse und kommen an der Schule im Schloß vorbei zur B 281.Diese überqueren wir an der Ampel und gehen die Trannrodaer Strasse entlang, lassen den Dorfplatz rechts liegen, überqueren den Bach und gehen links die Kirchgasse hinauf. Der letzte Anstieg ist fast geschafft und der Blick öffnet sich auf die Kirche St. Peter und Paul.

    Wir treten ein und verweilen, um die biblische Geschichte weiter zu lesen:

    Lk. 24,28ff :

    So kamen sie zu dem Dorf zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat so, als wollte er weiterziehen. Da drängten sie ihn: „Bleibe doch bei uns! Es ist fast Abend und der Tag geht zu Ende!“ Er ging mit ihnen ins Haus und blieb dort.

    Dann, nachdem er sich mit ihnen zum Essen niedergelassen hatte, nahm er das Brot und sprach das Dankgebet. Er brach das Brot in Stücke und gab es ihnen.

    Da fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen und sie erkannten ihn. Im selben Augenblick verschwand er vor ihnen.

    Sie sagten zueinander: „War unser Herz nicht Feuer und Flamme, als er unterwegs mit uns redete und uns die Heiligen Schriften erklärte?“ Und sofort sprangen sie auf und liefen nach Jerusalem zurück. Dort fanden sie die elf Jünger beieinander, zusammen mit allen anderen, die zu ihnen gehörten. Die Jünger riefen ihnen zu: „Der Herr ist wirklich auferstanden! Er hat sich Simon gezeigt!“ Da erzählte die beiden, was sie unterwegs erlebt hatten und wie sie den Herrn erkannten, als er das Brot in Stücke brach.

    Impuls: Welche Erfahrungen und Entdeckungen unterwegs haben Sie besonders angerührt? Worüber staune Sie noch immer?

    Was ist Ihnen zu Herzen gegangen?Sie können sich mit Ihrem Begleiter*in austauschen – oder es in der Stille bedenken.

    Der Herr ist auferstanden! – Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Er bewirkt Entdecken und neues Sehen – auf das eigene Leben und diese Welt – er lässt uns staunen, auch über kleine Dinge. Er weckt in uns Lebendigkeit und Hoffnung. Erfüllt uns mit Freude. Nichts ist mehr so, wie es war. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Auch nicht die Meldungen über die Inzidenzen des Covid-19 – Virus, nicht Trauer, Enttäuschung und Vergeblichkeit. Die Welt erscheint in einem anderen Licht -im Osterlicht.

    Sie können Ihrer Hoffnung und Freude Ausdruck verleihen: …

    Auch mit dem folgenden Gebet:

    Wir spüren, das Leben siegt, Gott:

    In der Natur regt sich neues Leben.

    Menschen, die gedemütigt wurden, erheben ihre Häupter.

    Menschen, die stummgeworden sind, fangen an zu sprechen.

    Menschen, die resigniert haben, bekommen neue Hoffnung.

    Stimmen, die von Hass erfüllt waren, reden freundliche Worte.

    Hände, die kraftlos waren, fassen an und helfen.

    Blicke, die leer geworden waren, finden sich neu.

    Alles, was darniederliegt, erwacht zum neuen Leben.

    Das ist ein Wunder vor unseren Augen. Hab Dank dafür. Amen

    Vater unser im Himmel,

    geheiligt werde dein Name.

    Dein Reich komme.

    Dein Wille geschehe,

    wie im Himmel, so auf Erden.

    Unser tägliches Brot gib und heute.

    Und vergib uns unsere Schuld,

    wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

    Und führe uns nicht in Versuchung,

    sondern erlöse uns von dem Bösen.

    Denn dein ist das Reich und die Kraft

    und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

    Und nun geht. Geht mit Gottes Segen.
    Geht in euer Leben, voller Kraft.
    Liebt und streitet, lacht und weint,
    lebt jeden Tag voll großer Leidenschaft.

    Und nun geht. Das Leben ist voll Wunder.
    Und selbst der Tod ist nunmehr nur ein kleines Tor.
    Aus allem Dunkel, allen Trauerfalten
    spitzt heut das Licht von Gottes Liebe vor.
    (aus: nach -Texte der Klänge in der Nacht 26.02.2016/ Citykirche Schweinfurt)

  • Osterzeit 2021

    Andacht zum Karsamstag, 3. April 2021

    Die vierzehnte Station: Der Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt

    Schriftwort: 1.Petrus 3, 18 (Lehrtext des Tages)

    Christus hat gelitten, ein für alle Mal um der Sünden willen, der Gerechte für die Ungerechten, damit ER euch zu Gott führe.

    Gedanken zum Text:

    Stille aushalten, der Trauer den Raum geben, den sie braucht, ohne sofort wieder in den Alltag einzutauchen – das ist eigentlich das Besondere an diesem Tag zwischen Karfreitag und Ostern. Damals rauschte das Pessachfest über die entsetzten und bodenlos traurigen Jünger hinweg. Heute ist dieser Tag selbst in Coronazeiten alles andere als ruhig. Von Nachdenken und Innehalten keine Spur. Dabei würde das doch so gut und so nottun, dem Nachdenken über das Zusammenleben in unserer Gesellschaft mehr Raum zu geben, mehr Zeit zu verschaffen, gerade in der gegenwärtigen Krise.

    Denn nur wer innehält, wer nachdenkt, wer nicht sofort zur Tagesordnung übergeht, erahnt irgendwann die Bedeutung dessen, was mit ihm geschieht, erkennt vielleicht auch einen Sinn und kann sich neu orientieren. Das gilt für das gesellschaftliche Leben ebenso wie für den Glauben. Denn auch dieser kann in Krisen geraten. So wie der Glaube der Jünger nach der Kreuzigung Jesu. Sie und die ersten Christen müssen nachdenklichen Menschen gewesen sein. Menschen, die verstehen wollten, mehr erwarteten als das, was vor Augen war und es schließlich auch zu begreifen begannen: Der qualvolle Tod Jesu am Kreuz war kein sinnloses Ende aller ihrer Hoffnungen. Ein Apostel, der sich Jahrzehnte später auf Petrus berief, fasst ihre Erkenntnis in einem knapp gefassten Merksatz zusammen: Christus hat gelitten, ein für alle Mal um der Sünden willen, der Gerechte für die Ungerechten, damit ER euch zu Gott führe.

    Da wird nichts beschönigt, nichts geleugnet: Christus hat gelitten – und zwar unschuldig. Die IHN ins Leid trieben, haben sich schuldig gemacht so wie alle, die Menschen leiden lassen. Und nicht nur das: Christus hat uns durch SEIN Leiden und Sterben hindurch einen völlig neuen Horizont eröffnet – dass wir Gottes Liebe in ihrer ganzen Größe erahnen können.

    Gedanken zum Bild:

    Schlusspunkt jedes Lebens – das Grab. Unser Blick wird hinein gezogen. Noch liegt der Leichnam nicht in der Felsennische, aber gleich wird es soweit sein. Dann noch den Stein davor gerollt, das Grab ordentlich geschlossen. Schnell muss es gehen, nicht nur, weil die Soldaten drängeln, sondern auch, weil nach dem Gesetz Gottes bald der Schabbat beginnt. Und da darf niemand einen Toten berühren. Vorschriften also, Regeln und Befehle, die keinerlei Rücksicht nehmen auf die Gefühle und Bedürfnisse der Trauernden. So wird die Finsternis des Grabes noch dichter. Und was ist das für ein Pessachfest, wenn die Gedanken immer wieder zum Grab wandern, in dem der Verstorbene vorerst nur abgelegt werden konnte, ohne jedes Totengedenken nach den Bräuchen seines Volkes? Tröstlich erst einmal nur, dass die Mutter und die Freunde Jesu wenigsten einen Ort haben, zu dem sie wieder kommen können um zu trauern. Nur wenigen Gekreuzigten war ein eigenes Grab vergönnt. Die meisten hingen solange am Kreuz, bis dieses zur nächsten Hinrichtung wieder gebraucht wurde. Der grausige Anblick sollte die abschreckende Wirkung der Todesstrafe erhöhen. Schlussendlich wurden die sterblichen Überreste kurzerhand irgendwo verscharrt.

    Bestattungskulturen wandeln sich. Alte Rituale und Formen geraten in Vergessenheit, neue Foren werden gefunden und ausprobiert. Sehr vieles ist inzwischen möglich. Was allen gemeinsam ist oder besser sein sollte: Es braucht für die Trauernden einen Ort der Erinnerung, des Gedenkens und des langsamen Loslösens. Ohne diesen Ort leben zu müssen, verwehrt den Menschen einen wirklichen Blick nach vorn. Wie viele Frauen hofften fast ihr ganzes Leben lang, dass ihr Mann doch noch aus dem Krieg heimkehren würde oder dass sie wenigstens einmal zu seinem Grab würden reisen können – das es aber nicht gibt. Worauf hoffen wir, wenn wir einen lieben Menschen begraben müssen? Auf das ewige Leben? Auf ein Wiedersehen vielleicht? Oder auch nur, dass jetzt endlich Schluss ist mit der furchtbaren Zeit des Leidens und Sterbens? Die Antworten der Lebenden sind geprägt von ihrer ganz persönlichen Überzeugung und ihrem Glauben. Angesichts des Todes die Hoffnung zu bewahren, ist ein Geschenk.

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir bitten DICH um Licht für unsere Welt, überall da, wo Finsternis regiert: Falsches sich als Wahres verbreitet, Menschen verunsichert und verängstigt werden.

    HERR unser Gott, wir bitten DICH um DEIN Wort überall da, wo Menschen den Worten anderer nicht mehr vertrauen, wo Misstrauen und Neid ihre hinterhältigen Siege feiern.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH, hilf uns DEINEN Weg zum Kreuz als Weg zum Leben zu erkennen.

    HERR Jesus Christus, schenke uns den Mut, DIR zu folgen, wo DU gehst, anzuhalten, bei wem DU verweilst und in DEINEM Sinne miteinander und füreinander zu leben.

    HERR Heiliger Geist, wir bitten um DEIN Erbarmen für alle Menschen, die trauern um einen lieben Angehörigen. Schenke ihnen neuen Mut und Freude am Leben.

    HERR, Dreieiniger Gott, wir bitten für unsere Verstorbenen, die im Vertrauen auf DEINE Liebe gelebt haben, nimm sie auf in DEINE Herrlichkeit. Und wir bitten für uns selbst: Gehe mit uns auf unseren Wegen, HERR, was auch kommen mag.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Osterzeit 2021

    Andacht zum Karfreitag, 2. April 2021

    Die dreizehnte Station: Der Leichnam Jesu wird vom Kreuz genommen und in den Schoß SEINER Mutter gelegt

    Schriftwort: Hosea 6, 1

    Kommt, wir wollen zum HERRN umkehren! ER hat uns verletzt, ER wird uns auch heilen. ER hat uns geschlagen, ER verbindet unsere Wunden.

    Gedanken zum Text:

    Karfreitag – der dunkelste Tag im Kirchenjahr, Gedenktag des Justizmords an Jesus, Tiefpunkt der Passionszeit. Kaum auszuhalten ist er in seiner Schwere – für die meisten Glaubenden schon nicht und für die Außenstehenden erst recht nicht. Ein freier Tag, dann ein langes Wochenende über Ostern, das bitte gern. Aber dann gleich von Anfang an Ostern zum Beispiel mit dem beliebten „Osterspaziergang“ am Karfreitag in Pößneck oder mit Tanz und Musik (wenn es denn wieder möglich sein wird) und nicht erst Tod und Trauer! Am liebsten feiern, bis der Arzt kommt – ein schräger Ausdruck, der im letzten Jahr und gegenwärtig jede Komik verloren hat.

    An Karfreitag, am Ernst des Lebens, der ganz schnell todernst wird, führt kein Weg vorbei. Auch das hat uns das letzte Jahr gelehrt. Wie von diesen schweren Gedanken wieder wegkommen? Zurück zur „Normalität“ – und das so schnell wie möglich – wer will das nicht? „Normalität“ verstanden als weitgehende Sorglosigkeit, (fast) uneingeschränkte Freiheit – das ist doch aber nicht die Regel, sondern mit einem Blick in die Geschichte und auch in die Bibel die Ausnahme, oder? Die Regel ist doch das Leben als immer neue Herausforderung, als anstrengende Wanderung durch die Zeit, die durch ganz tiefe Täler führen kann. Täler, in denen die Menschen nach jedem Strohhalm der Hoffnung greifen, dankbar sind für jedes aufmunternde Wort und jeden Beistand, an den sie erinnert werden. Und genau das tut der Prophet Hosea: Er erinnert sein Volk an den besten Beistand, den es geben kann. Sicher, der EWIGE hält das Leid nicht fern von uns Menschen. Aber ER hilft uns hindurch. Gut, dass die Worte Hoseas aufgeschrieben wurden. Denn sie sprechen auch ganz unmittelbar in unsere Zeit. Meinen Sie nicht auch?

    Grafik:. J.Reichmann

    Gedanken zum Bild:

    Nach all den brutalen Bildern der Todesfolter und des Sterbens Jesu nun wieder ein Bild der behutsamen Stille, voller Vertrautheit und Nähe, wie es in Wirklichkeit wohl niemals möglich war. Maria hält den toten Körper Jesu, nimmt endgültig Abschied von ihrem Sohn. Den Querbalken des Kreuzes hat die Wache längst beiseite geschafft, damit er bald für die nächste Kreuzigung wiederverwendet werden kann. Argwöhnisch beobachten sie jetzt die Szene, denn sie müssen die Kontrolle behalten. Noch ist die Gefahr spontaner Unruhen durch die Jesusanhänger nicht endgültig gebannt. Sie hätten solch eine anrührende Szene deshalb auf keinen Fall geduldet.

    Maria, die Mutter Jesu blieb nach den Evangelien in der Nähe des Kreuzes bis zum Tode ihres Sohnes. Kein Wunder, dass schon bald die Legende entstand, sie hätte ihren toten Sohn noch einmal im Schoß halten können. Abschiednehmen braucht Zeit, weil die Trauernden die geliebten Menschen nur ganz langsam loslassen und gleichzeitig im Herzen bewahren lernen können. Gegenwart und Vergangenheit stehen oft gleichzeitig vor Augen und die Menschen brauchen Halt. Maria mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß kann vielen Menschen einen solchen Halt geben. Sie wird zur großen Schmerzensmutter, in vielen katholischen Kirchen als Pieta` dargestellt. Und ich denke, auch wir evangelischen Christen mit unserer rein menschlichen Betrachtung Marias werden angerührt durch dieses Symbol des Mitleidens und der Nähe Gottes für alle trauernden Menschen dieser Welt. Für mich ist die Schmerzensmutter noch mehr: Sie steht für die mitfühlende, mütterliche Seite Gottes, die ich immer dann spüren kann, wenn mein Verstand in Leid und Zweifel nach der Nähe des großen allmächtigen Schöpfergottes fragt und keine Antwort finden kann. Gott ist eben auch da, wo es keine Antworten mehr gibt, wo einzig ein Auffangen und Mittragen noch Entlastung bringen kann.

    Gebet:

    HERR unser Gott, heute liegt uns die Klage näher als die Bitte. Wir bringen vor DICH alle Menschen, die sich voreinander fürchten, die Angst haben vor unversöhnlicher Fremdheit und auch die, die verblendet sind in ihrem Hass.

    HERR, wir bringen vor DICH alle Menschen, die nur an sich und ihren Vorteil denken, den Ungeist, der unsere Welt beherrscht und an dem wir selbst oft genug beteiligt sind.

    HERR, wir klagen DIR unsere Irrwege, die wir immer wieder gehen – vernarrt, verführt oder verbittert. Wege, die weit weg führen vom Frieden und von der Gerechtigkeit, die DU verheißen hast.

    HERR, wir klagen DIR unsere Schwächen und Sorgen und vertrauen darauf, dass DU die rettende Antwort hast. Bitten wollen wir DICH um DEINE väterliche Geduld, dass DU unsere Bitten hörst.

    Wir bitten um DEIN Erbarmen Herr für alle Mütter, die wie Maria ihr Kind betrauern müssen, die ihre Liebste oder ihren Liebsten verloren haben. Schenke ihnen die Gewissheit, dass DU sie und ihre Lieben auffängst in DEINEN mütterlichen Händen. Schenke uns allen das Leben aus der Fülle DEINES Geistes.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Osterzeit 2021

    Ostern 2021 – Fest der Freude – Fest der Auferstehung

    Dies ist der Tag, den der Herr macht;
    Lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
    Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!
    (Aus der Osterliturgie)

    Zuerst ist da nur ein Ahnen, mitten in der Dämmerung. Die Nacht legt ein letztes Mal ihre langen Schatten übers Land. Unmerklich und sehr langsam steigt sie empor, zuerst ist nur ein schmaler Lichtstreifen am Horizont zu sehen, ein Hoffnungsschimmer. Mal um mal wird es heller – steigt die Sonne hinter den Hügeln hervor und legt alles in ein warmes, goldenes Licht. Die Welt sieht mit einem Mal ganz anders aus- strahlend – schön. Zuerst sind nur die Umrisse sichtbar, ein vages Erkennen – Bäume, Häuser, Türme, dann aber wird der Blick klarer – Details werden sichtbar. Und dann wird es offenbar: klar und deutlich steht es vor Augen.

    Ein zweites, anderes Ostern feiern wir – ein Jahr Pandemie und Ausnahmezustand liegen hinter uns. Menschen waren herausgefordert – Junge und Alte, Kinder und Erwachsene, immer neu galt es sich auf Veränderungen einzustellen. „Up and down“ im Wechsel würden die Jüngeren sagen. Wie bei den Wellen eines Ozeans. Wer dem anschwimmen will, verbraucht schnell seine Kraft. Wer sich hineinbegeben hat, den haben die Wellen getragen, das erfordert Mut, denn ich muss loslassen, absehen davon, dass ich allein etwas bewirken könnte, darauf vertrauen, dass ich getragen werde und nicht untergehe. – In hoffnungsvoller Erwartung, dass diese Pandemie bald zu Ende sei, und in der Enttäuschung, sich immer wieder neu in Geduld üben zu müssen und sich auf Veränderungen, die nicht ausblieben, stets neu einzustellen, ist ein Jahr vergangen. Ein Jahr voller Wandlungen, Herausforderungen, ein Jahr, in dem wir aber auch gelernt haben, was Leben bedeutet und ausmacht: Dass nichts selbstverständlich ist und das wir, das, was wir bisher gelebt haben, vielleicht manchmal zu selbstverständlich genommen haben. Der eine oder andere ist – nicht nur durch eine überstandene Corona -Infektion- dankbarer geworden. Denn unser Leben – unser Zusammensein – Gemeinschaft und lebendige Beziehungen sind ein großes Geschenk, mit dem wir achtsam umgehen können und das wir dankbar erfahren. Noch immer bewegt uns dieses Auf und Ab. Wir sehen noch kein baldiges Ende vor uns, das macht es nicht einfacher, aber wir hoffen. Wir hoffen, auch über die nächste Welle zu kommen. Einiges haben wir so schon gemeinsam gemeistert. In Geduld und Rücksichtnahme, in Empathie und Aufmerksamkeit füreinander. In gegenseitiger Unterstützung konnte manches aufgefangen werden. Für unsere Jüngsten – für die Kinder und Jugendlichen war es schwer, für Familien, die Betreuung, Beschulung und die Arbeit daheim unter einen Hut bringen mussten, nicht weniger, aber auch für die Ältesten. „So etwas habe ich mein ganzes Leben noch nicht erlebt. Ich hoffe, dass wir am Ende dieses Jahres (wenn ich dann noch leben werde), es geschafft haben.“ sagte eine 92 Jahre alte Frau mit gebrochener Stimme am Telefon. „Das Schlimmste ist, dass keiner kommen kann, und einen niemand in die Arme schließt.“

    Ganz still war es plötzlich im Raum geworden, als sich die Kinder des Kinderkreises nach langer Zeit letztes Jahr im Frühsommer zum ersten Mal wieder trafen. Auf die Frage, was jetzt sei, meinten sie: „Wir haben uns so lange nicht gesehen! Und jetzt sind wir wieder zusammen! Das ist so neu, so ungewohnt!“ Ein kleines Osterfest! Da verschlägt es mir erst mal die Sprache. Das kann ich gar nicht fassen mit all meinen Sinnen. Ostern – die Freude und das Leben zu feiern, die Gemeinschaft und Nähe noch mehr schätzen, kann ich, wenn ich Tiefen erfahren habe und auch Talsohlen überwinden konnte. Wenn ich gespürt habe, selbst wenn meine Hoffnung am Ende war, bin ich getragen. Wer diese Zeiten durchlebt hat, wird die kleinen Zeichen des Lebens umso dankbarer wahrnehmen und genießen können. So ist es auch, wenn wir in diesem Jahr Ostern miteinander – auf Abstand – und erneut anders feiern. Dieses Fest hat eine Vorgeschichte, die Leid, Schmerz und Traurigkeit aufnimmt. Davon erzählen auch die Passions- und Ostergeschichten der Bibel. Sie erzählen von der Trauer der Freunde Jesu, Frauen und Männer, die nach seinem Tod am Kreuz allein und ohne Hoffnung zurückblieben. Alle ihre Sehnsucht war mit Jesu Tod gestorben. Sie berichten, wie sie sich in ihrem Schmerz aufgemacht haben, um ihre Hoffnung zu begraben. Und dabei erleben sie etwas, was sie zuerst so sehr erschreckt, dass sie flüchten wollen. Die Botschaft von der Auferstehung. Dass der Tod nicht das letzte Wort hat, dass eben nicht alles aus und vorbei ist, dass Jesus auferstanden ist und lebt und ihnen begegnen wird. Frauen waren wohl die ersten, die das wahrnahmen. Ganz begreifen konnten sie es erst später, als sie dem Auferstandenen tatsächlich begegneten. Und so ist es vielleicht auch für manche heute, dass das Neue, das Unerwartete, das Unvertraute erst einmal Angst macht oder auch erschreckt, bevor Menschen fassen und begreifen, dass es ein neuer Anfang ist. Vielleicht ist es hilfreich, mit offenen Augen und Herzen zu sein in dieser Zeit. Die eigenen Vorstellungen einmal loszulassen und sich so „neu-gierig“ aufzumachen, um es zu entdecken – meist zeigt es sich in kleinen Dingen, in der Art, wie sich Menschen begegnen, wie sie miteinander sprechen und aufeinander hören. Vielleicht entdecken Sie auch an Altbekannten neue Seiten. Schade wäre es ja, wenn wir sie übersehen, weil wir durch unsere „Brille“ so ein vorgefasstes Bild voneinander haben. Aber auch in der Natur kann ich die Veränderungen spüren und sehen. Nach den schneereichen Winterwochen gibt es hier und da viel Buntes und Lebendiges zu entdecken und auch zu hören. Über all das kann ich staunen und mich freuen. Es sind Zeichen des neuen Lebens – Hoffnungszeichen. Und es sind Osterentdeckungen. Ich wünsche Ihnen Augen und Herzen, die dies wahrnehmen. Dass Sie fündig werden, nicht nur, wenn Sie Ostereier suchen, dass Sie für Ihr Leben erfahren und begreifen: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ Darum: „Lasst uns freuen und fröhlich sein!“

    Wie das Licht am Ostermorgen,

    so leuchte uns dein Segen, Gott.

    Christus ist auferstanden:

    Möge sein Frieden uns beflügeln

    und seine Freude uns anrühren.

    (aus einem irischen Segenswunsch)

    Ein gesegnetes Osterfest 2021 wünscht Ihnen und Ihren Lieben

    Ihre Ute Thalmann, Pastorin