Andachten | Texte

  • Die Widerständigen“ ( 2008) – Zeugen der Weißen Rose (Dokumentarfilm)
    Am Mittwoch, den 6.04.22 ist um 19.00 Uhr die bewegende Geschichtsdokumentation von Katrin Seybold (+2012) im Pfarrhaus Krölpa zu sehen. Die Regisseurin hat Zeitzeugen für ihren Film befragt und entsprechende Recherchen und Dokumente eingearbeitet. Ihr Anliegen ist es, wie sie es in der Laudation auf Dr. Traute Lafrenz- Page (13.09.2009) sagte, „… dem heute mehr denn je virulenten Rechtsradikalismus, Parteien wie der NPD und den Neonazis … das Bild der Toten entgegensetzen, verhindern, dass es auf Nimmerwiedersehen verschwindet“. Dies ist ihr gelungen, wie es Pressestimmen (Süddeutsche Zeitung) belegen: „Wenn einer spricht, wird es hell. Es gibt kaum einen schöneren Satz, um ihren neuen Film zu loben. Nur, dass hier nicht nur einer spricht. Hell machen es, ruhig, gelassen, bewegt , überwältigt von Erinnerungen an das , was geschehen ist, Frauen und Männer, die in den Umkreis der weißen Rose gehörten – und immer noch gehören. 92 Minuten fügen sich zu einem Werk ohne jeden Firlefanz, das (…) den Zuschauer zugleich sacht und energisch hineinzieht in eine Vergangenheit, die nicht vergangen ist. (…) Das Wort `Widerständige` bezieht sich unabhängig von tageskämpfen auf eine Charaktereigenschaft. Ein Widerständiger besitzt und bewahrt eine Haltung der Unbeugsamkeit. Diese Haltung ist ständig präsent, bereitet Widerstand vor, wann immer er als Handlung notwendig wird. (…) Die Zeugnisse derer, die oft nur durch Zufall überlebt haben wirken stärker als historisierende Dokumentationen es können. Ein leiser, starker, dem aufmerkenden Zuschauer unvergesslicher Film ist entstanden(…) Ohne ihnen durch Schnitte ins Wort zu fallen, lässt Seybold allein die Kräfte der Erinnerung wirken. Alle Interessenten sind herzlich eingeladen! Bitte bringen Sie, zu Ihrer Sicherheit, Ihre medizinische Maske mit. KGV Krölpa- Öpitz (Ute Thalmann)
  • Andacht zum 5.Sonntag der Passionszeit, Judica, 3. 4. 2022
    Text: Psalm 43, 5 (aus dem Psalm zur Woche) Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde IHM noch danken, dass ER meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. Gedanken zum Text: Der Beter des Psalms mit sich selbst im Gespräch – merkwürdig, oder? Sind Menschen, die mit sich selber reden, nicht oft auch schrullige Zeitgenossen – zumindest in den Augen der anderen? Das mag sein. Der Psalmbeter gehört jedoch nicht dazu. Denn er plappert nicht vor sich hin, sondern geht zunächst in sich. Er spürt nach, wie es seiner Seele geht, in dem, was er erlebt. Nicht einfach immer nur weitermachen, drüber weg leben, als ginge ihn das alles nichts an, aber sich auch nicht hineinsteigern in die schlimmen Nachrichten seiner Zeit. Das ist gar nicht so leicht, auch für uns heute. Was wir erleben müssen, ist alles andere als beruhigend. Wir brauchten kaum lange nachzudenken, um eine Antwort auf die Frage des Beters zu finden. Aber hat er sie auch so gemeint? Als Aufforderung, alle Beschwernisse einzeln zu benennen? Wenn es persönliche Erfahrungen sind, die die Seele bedrücken, kann das sehr hilfreich sein. Denn wenn ich weiß, was mich drückt, kann ich damit umgehen und es im besten Fall überwinden. Aber wie wir gegenwärtig erleben, gibt es Entwicklungen, die uns allen schwer auf der Seele liegen, weil sie zu keinem wirklich guten Ergebnis führen können. Sicher wird es auch eine Zeit nach diesem Krieg und nach Corona geben. Aber sicher ist auch: Wunden, Narben, Verluste, Trauer werden bleiben, nicht nur materieller Art, sondern ganz besonders in den Seelen der Menschen. Da wird viel Verständnis und Einfühlungsvermögen gefordert sein, um Halt und Hilfe geben zu können. Der Beter stellt sich die Frage aber nicht nur, um verstehen zu können. Er erinnert sich selbst daran, von wem er wirklich Hilfe erwarten kann, mit drei kurzen Worten: „Harre auf Gott;“ – so übersetzt Luther vor 500 Jahren. So redet heute niemand mehr. Das ist auch ein Verlust. Denn wir haben keinen Ersatz für dieses Wort. Es meint ein sicheres, gespanntes, positives Erwarten von Zuwendung und Hilfe. Geblieben ist davon nur eine ferne Ahnung, wenn wir es heute hören oder lesen. „Harre auf Gott; denn ich werde IHM noch danken, dass ER meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ Gott ist treu. ER geht mit durch die Zeit der Unruhe und der Sorgen, das erfuhr der Beter des Psalms und das ist auch uns zugesagt. Foto privat (J. Reichmann) Gedanken zum Bild: Eine Morgenstimmung in den vergangenen sonnigen Tagen, festgehalten mit einem weiten Blick über das Land. Frühling ist die schönste Jahreszeit, hat mal jemand gesagt und ich finde, er hat recht. Die Saat keimt auf dem Feld, inzwischen hat auch die Baumblüte begonnen. Das können wir klar sehen, da wissen wir, was kommt, wenn alles gut läuft. Getreide und Früchte werden reifen. Im Herbst wird die Ernte eingeholt, wenn alles gut läuft und Gott SEINEN Segen dazu gibt. Im Hintergrund liegt ein Dorf im Morgendunst. Das können wir schon viel weniger klar sehen. Es ist weiter weg von uns und zwischen uns und dem Dorf stehen Bäume, die die Sicht zusätzlich einschränken. Ist es nicht auch so mit dem, was auf uns zukommt? Je weiter es in der Zukunft liegt, um so weniger klar sehen wir es, wenn wir ehrlich sind. Klar haben wir unsere Ideen und Pläne, aber oft kommt es ganz anders als gedacht. Das kann wohl jeder Mensch bestätigen, der einmal über´s Leben nachdenkt. Ein Blickpunkt ist allerdings in diesem fernen Ort im Morgendunst deutlich zu erkennen: der Kirchturm. Er gibt dem Auge Orientierung und wer ganz genau hinschaut, kann an seiner Gestalt und Lage sogar erkennen, um welches Dorf es sich handelt. Muss aber nicht sein, denn viel wichtiger ist: Der Kirchturm zeigt allen, dass der liebe Gott auch in diesem Dorf „zuhause“ ist – oder, um in dem Zukunftsbild zu sprechen: ER auch in dem zu finden sein wird, was auf uns zukommt – an Gutem und Friedlichem, an Beruhigendem, ganz besonders auch in den bedrückenden Tagen. Wir dürfen es sicher, gespannt und positiv erwarten, eben auf IHN harren. Gebet: HERR, unser Gott, himmlischer Vater, wir leben in bedrückenden Zeiten. Die Nachrichten setzen uns zu, die Folgen des Krieges spüren wir immer deutlicher, die Fragen nach der Zukunft werden ängstlicher. Hilf, dass der Krieg bald beendet wird, segne die Verhandlungen der Unterhändler. HERR, Jesus Christus, DU bist den Weg des Leidens gegangen. DU hast am eigenen Leib erlitten, wie grausam Menschen sein können. DU hast DEIN Leben gegeben, damit wir leben können. Mache uns bereit, DIR auf dem Weg der Liebe zu folgen und zu tun, was wir können, um füreinander da zu sein. Segne alle, die Menschen in Not Beistand leisten, auf welche Weise auch immer. HERR, Heiliger Geist, Lüge und Ungerechtigkeit begleiten das Morden und Brandschatzen auch in diesem unseligen Krieg. Stärke den Mut all derer, die sich der Wahrheit und Gerechtigkeit verpflichtet haben und bereit sind, die Verfolgung zu ertragen. HERR, Dreieiniger Gott, verändere das Denken und Handeln derer, die in dieser Welt verblendet sind von Macht und Habgier und schenke allen, die Verantwortung tragen, den Mut, sich einzusetzen für Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Trockne die Tränen, vertreibe die Angst, wandle den Hass in Verständnis und gegenseitige Achtung. Eröffne uns allen DEINE Zukunft. Schenke uns DEIN Erbarmen, dass durch uns Menschen aufatmen können. Zeige uns, wo DU uns brauchst. Schenke uns Geduld und Ausdauer, Verständnis und Kraft. Erbarmender Gott, lass DEIN Licht des Lebens leuchten, dass es hell werde um uns und durch uns im Vertrauen auf DEINE Liebe. Amen Beten wir das Vaterunser: Vater unser im Himmel geheiligt werde Dein Name Dein Reich komme Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. AMEN
  • Andacht zum 4. Sonntag der Passionszeit, Laetare,27. 3. 2022
    Text: Johannes 16,33 (Lehrtext der Herrnhuter Losungen vom 23. März 2022) Jesus Christus spricht: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ICH habe die Welt überwunden.“ Gedanken zum Text: Die nüchterne Feststellung Jesu trifft den Nagel auf den Kopf: „In der Welt habt ihr Angst;“ 30 Jahre lang, bis zum Ausbruch der Pandemie, war diese Angst zwar da, aber in unserem Land kein Gefühl, das die gesamte Gesellschaft erfasst hätte. Das hat sich grundlegend geändert. Sie hat durchaus verschiedene Gesichter, diese Angst. Aber sie ist allgegenwärtig. Wie tief sie sich inzwischen eingefressen hat in die Seelen der Menschen, wurde mir beim Einkaufen im bestbesuchten Supermarkt bewusst: Leere Regale, nicht nur beim Mehl, sondern auch wieder beim Toilettenpapier, genau wie vor zwei Jahren! Es gibt erneut Hamsterkäufe, um die Angst loszuwerden, oder wenigstens dieses bedrohliche Gefühl einzudämmen, gegen das man sonst annimmt, nichts tun zu können. Aber stimmt das wirklich? Sind wir der Angst ausgeliefert und schön dumm, wenn wir uns nicht auch bildlich (und mit Augenzwinkern) gesprochen einen „Schutzwall“ aus Mehltüten und Klopapierpackungen gegen die „böse Welt da draußen“ errichten? Nein, sagt Christus. Müsst ihr nicht mitmachen. Denn als Christen könnt ihr doch über den eigenen Tellerrand hinaus sehen, oder? Da seht ihr doch, dass Preistreiberei zwar ungerecht und ärgerlich und unverschämt ist, aber die Angst davor kaum zu vergleichen ist mit der Angst um das eigene Leben, das Leben der Familie, vor Zerstörung und Tod. Christen sollten einen weiten Horizont haben, in dem sie auch ihre Nächsten sehen: Menschen, die geflohen sind, weil sie die Angst in ihrer Heimat nicht mehr ausgehalten haben, die jetzt unsere Hilfe brauchen – und diese Hilfe ist ein wirksames Mittel – auch gegen unsere eigene Angst. Keine Angst, ich rede hier nicht einem unüberlegt hektischen Aktionismus das Wort, der nur verdrängen hilft. Ich spreche für die Nächstenliebe, die tief verwurzelt ist im Vertrauen in Gottes Liebe, die aus der Kraft der Gewissheit lebt, dass der selbst den Tod überwunden hat. ER ist auferstanden, das Leben siegt. Dieses Grundvertrauen löscht die Angst nicht einfach aus. Aber es weist ihr den Platz zu, der ihr gebührt: Als ein Gefühl unter vielen anderen, die uns Menschen bewegen – aber niemals mehr als Herrscherin über unser Gemüt. Denn es gibt nur einen HERRN, der uns den Weg zum Leben eröffnet. Gedanken zum Bild: Dieser Baum wurde zum Opfer einer Naturgewalt. Einer der letzten Stürme hat ihn förmlich auseinandergerissen. Der mächtige, bestimmt zehn Meter lange Hauptast mitsamt der Krone ist vom Zwiesel abwärts aus dem Stamm herausgebrochen und liegt quer über den Fußweg auf der angrenzenden Böschung. Die Ursache dieser Verstümmelung ist wohl ein Pilzbefall, der das Holz im Zwiesel morsch werden ließ. Der Baum ist alt, da passiert so etwas hin und wieder. Er wird bei dieser riesigen Wunde wohl kaum noch zu retten sein. Sicher, die vernarbt irgendwann. Aber schön ist der Anblick nicht und außerdem stellt der Baum in diesem Zustand möglicherweise eine Gefahr dar für die Fußgänger auf dem Weg. Also wird er wohl bald aus der Baumreihe „entfernt“ werden, die wie eine Allee den Weg säumt. Nur eine Lücke wird an ihn erinnern. Ließe man ihn stehen, wäre sein Leben trotz der hässlichen Narbe noch lange nicht zu Ende. Denn er hat sehr starke Wurzeln, die tief ins Erdreich greifen und ihm Halt und Kraft geben. Noch Jahrzehnte später könnte er in jedem Frühjahr neu ausschlagen. Denn auf die Wurzel kommt es an, auch im übertragenen Sinn. Wer tief im Vertrauen in Gottes Liebe verwurzelt ist, der kann auch schwere Stürme überstehen – nicht unverletzt, versteht sich, aber gehalten und gestärkt. Der kann lernen, mit den Narben der Wunden zu leben, die ihm das Leben geschlagen hat. Diese Erfahrung haben Menschen von Anfang an machen können. So ist es kaum verwunderlich, dass schon in der ältesten Schöpfungserzählung unserer Bibel vom „Baum des Lebens“ mitten im Paradies erzählt wird. Sehr berührend finde ich die Tradition armenischer Christen, auch das Kreuz Jesu als einen Lebensbaum darzustellen. Passt sehr gut, denke ich. Denndieser Sonntag trägt den Namen „Laetare“ – „Freut euch…“(nach dem Anfang des Wochenpsalms 84) und bringt mitten in der Fastenzeit schon einen kleinen „Vorgeschmack“ auf das Osterfest. Gebet: In dieser Zeit beten wir besonders für den Frieden. Von daher sind die nachfolgenden Anregungen auch ähnlich denen seit dem 27. Februar. Bitte ergänzen Sie möglicherweise eigene Anliegen und Formulierungen. HERR, unser Gott, himmlischer Vater, wir klagen DIR: Dieser furchtbare Krieg geht immer noch weiter und ein Ende ist nicht wirklich in Sicht. Wir bitten DICH für die Toten und Verwundeten und ihre Angehörigen, dass DU ihnen beistehst, den Hinterbliebenen Menschen an die Seite stellst, die helfen in aller Trostlosigkeit dieser sinnlosen Verluste. Hilf, dass der Krieg nicht ausufert und dass bald Frieden werde. HERR, Jesus Christus, DU bist den Weg des Leidens gegangen. DU hast am eigenen Leib erlitten, wie grausam Menschen sein können. DU hast DEIN Leben gegeben, damit wir leben können. Mache uns bereit, DIR auf dem Weg der Liebe zu folgen und zu tun, was wir können, um füreinander da zu sein. Segne alle, die Menschen in Not Beistand leisten, auf welche Weise auch immer. HERR, Heiliger Geist, Lüge und Ungerechtigkeit begleiten das Morden und Brandschatzen auch in diesem unseligen Krieg. Stärke den Mut all derer, die sich der Wahrheit und Gerechtigkeit verpflichtet haben und bereit sind, die Verfolgung zu ertragen. HERR, Dreieiniger Gott, verändere das Denken und Handeln derer, die in dieser Welt verblendet sind von Macht und Habgier und schenke allen, die Verantwortung tragen, den Mut, sich einzusetzen für Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Trockne die Tränen, vertreibe die Angst, wandle den Hass in Verständnis und gegenseitige Achtung. Eröffne uns allen DEINE Zukunft. Schenke uns DEIN Erbarmen, dass durch uns Menschen aufatmen können. Zeige uns, wo DU uns brauchst. Schenke uns Geduld und Ausdauer, Verständnis und Kraft. Erbarmender Gott, lass DEIN Licht des Lebens leuchten, dass es hell werde um uns und durch uns im Vertrauen auf DEINE Liebe. Amen Beten wir das Vaterunser: Vater unser im Himmel geheiligt werde Dein Name Dein Reich komme Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. AMEN
  • Andacht zum 3. Sonntag der Passionszeit, Okuli, 20. 3. 2022
    Text: Markus 4, 38 (Lehrtext der Herrnhuter Losungen vom 18. März 2022) Jesus war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten IHN auf und sprachen zu IHM: Meister, fragst du nichts danach. Dass wir umkommen? Gedanken zum Text: Neulich hat einer gesagt: „Die Bibel ist immer aktuell“ – und er hat zweifelsohne recht. Denn jede Generation kann in den biblischen Geschichten Bezüge zur eigenen Lebensgeschichte entdecken und Antworten finden auf die wirklich wichtigen Fragen des Lebens. So ist es auch in der Erzählung von der „Sturmstillung“, aus der der obige Vers stammt. Spüren wir zurzeit nicht auch in bedrohlicher Weise wie die Jünger damals, dass wir alle in einem Boot sitzen, in stürmischer Nacht? Haben wir nicht auch Angst, dass uns die Wellen des Mörderkrieg mit in den Abgrund reißen könnten? Versuchen wir nicht auch wie die Jünger mit aller Anstrengung, über Wasser zu bleiben, den Alltag zu meistern, die Not wenigstens ein bisschen zu lindern? Und haben wir vor lauter Hiobsbotschaften und Stress nicht auch „vergessen“, dass Jesus mit uns im Boot ist – wie die Jünger? Die scheinen sich erst an IHN zu erinnern, als es allerhöchste Not ist, als sie sich selbst nicht mehr zu helfen wissen. „Das kriegen wir doch alleine hin“, hatten sie gedacht, „lasst IHN mal schlafen“. (Übrigens: Jesus muss wohl auch völlig erschöpft gewesen sein, wenn er überhaupt schlafen konnte: Der Sturm heulte, die Gischt der Wellen klatschte ins Boot und die Jünger brüllten sich mit aller Kraft Kommandos zu…) Aber – und das ist der Knackpunkt der Bibelgeschichte – aber Gott sei Dank erkennen die Jünger gerade noch rechtzeitig, dass ihre Not größer ist als ihre Möglichkeiten. Und sie wissen, wen sie um Hilfe bitten müssen, um dem endgültigen Untergang zu entkommen. „DU, Meister, musst doch mitgekriegt haben, was hier läuft. Warum tust du nichts? Ist DIR egal, wenn wir untergehen?“ – so möchte ich ihre Frage mit meinen Worten wiedergeben. Nein, es ist IHM alles andere als egal, wie es uns das bekannte Ende der Bibelgeschichte erzählt. Jesus beruhigt den Sturm augenblicklich durch SEIN Machtwort – und dann fragt ER die Jünger: „Wo ist euer Glaube?“ Will sagen: Gerade wenn es ernst wird, so wie im Moment, gerade dann kann uns nur eines retten: Gottvertrauen. Gott zu vertrauen, dass er Menschen Kraft und Mut schenkt, diesen sinnlosen Krieg zu beenden und Ausdauer und Geduld zu helfen. Foto privat (D. Günther) Gedanken zum Bild: Das Portal und der mächtige Westgiebel der Pößnecker Stadtkirche vom Marktplatz aus gesehen ist ein beeindruckendes Bild, das gemeinsam mit dem Rathaus und den teils sehr alten Bürgerhäusern mit ihren vielgestaltigen Fassaden den Kern der Stadt prägt. Die Kirche mitten in der Stadt, da wo das Leben seit alters her pulsiert, weil die Menschen sich aus den verschiedensten Gründen versammeln, weil der Glaube selbstverständlich dazu gehört. Selbst in den Jahrzehnten kirchenfeindlicher Politik im vergangenen Jahrhundert konnten die Machthaber daran nicht wirklich etwas ändern. Es waren die Friedensgebete in den Kirchen, die in der tiefen Krise des Untergangs der DDR den Menschen Halt und Hoffnung gaben. 33 Jahre später ist das Gott sei Dank nicht anders. Auch in der aktuellen Krise können Menschen im gemeinsamen Gebet für den Frieden aktiv werden gegen das lähmende Gefühl der Ohnmacht, des Ausgeliefertseins und der Trauer über die vielen Opfer und das verheerende Maß der Zerstörungen – indem sie ihre Bitten und Klagen dem HERRN selbst ans Herz legen. Dann werden sie auch frei zu handeln und zu helfen – und möchten auch andere dazu einladen. Haben Sie auf dem Bild das Spruchband am linken Treppengeländer vor dem Portal entdeckt? Das wurde als weithin sichtbare Einladung an alle zum Friedensgebet von unseren aktiven Schlettweiner Gemeindemitgliedern gesponsert. Vielen lieben Dank dafür! Gebet: In dieser Zeit beten wir besonders für den Frieden. Von daher sind die nachfolgenden Anregungen auch ähnlich denen seit dem 27. Februar. Bitte ergänzen Sie möglicherweise eigene Anliegen und Formulierungen. HERR, unser Gott, himmlischer Vater, wir klagen DIR: Dieser furchtbare Krieg geht nun schon in die 4. Woche, die Zahl der Opfer nimmt jeden Tag zu. Wir bitten DICH für die Toten und Verwundeten und ihre Angehörigen, dass DU ihnen beistehst, den Hinterbliebenen Menschen an die Seite stellst, die helfen in aller Trostlosigkeit dieser sinnlosen Verluste. HERR, unser Gott, wir bitten DICH von Herzen um ein Ende dieses Krieges, um gelingende Verhandlungen, um Schadensbegrenzung und Versorgung aller Geschädigten. Zeige uns, was wir tun können, um zu helfen. Segne alle, die Beistand leisten, auf welche Weise auch immer. HERR, unser Gott, Lüge und Ungerechtigkeit begleiten das Morden und Brandschatzen auch in diesem unseligen Krieg. Stärke den Mut all derer, die sich der Wahrheit und Gerechtigkeit verpflichtet haben und bereit sind, die Verfolgung zu ertragen. HERR, unser Gott, verändere das Denken und Handeln derer, die in dieser Welt verblendet sind von Macht und Habgier und schenke allen, die Verantwortung tragen, den Mut, sich einzusetzen für Gerechtigkeit und Chancengleichheit. HERR, trockne die Tränen, vertreibe die Angst, wandle den Hass in Verständnis und gegenseitige Achtung. Eröffne uns allen DEINE Zukunft. Schenke uns DEIN Erbarmen, dass durch uns Menschen aufatmen können. Zeige uns, wo DU uns brauchst. Schenke uns Geduld und Ausdauer, Verständnis und Kraft. Erbarmender Gott, lass DEIN Licht des Lebens leuchten, dass es hell werde um uns und durch uns im Vertrauen auf DEINE Liebe. Amen Beten wir das Vaterunser: Vater unser im Himmel geheiligt werde Dein Name Dein Reich komme Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. AMEN
  • Andacht zum 2. Sonntag der Passionszeit,Reminiscere, 13. 3. 2022
    Text: Psalm 33, 13+15+16 (Vers 16 Losungvom 13. Möärz 2022 Der HERR schaut vom Himmel und sieht alleMenschenkinder. ER gibt Acht auf alle ihreWerke. Einem König hilft nicht seine großeMacht; ein Held kann sich nicht retten durchseine große Kraft. Gedanken zum Text:Manch einer denkt wirklich, er kann sagen und machen, was er will und niemandem ist er Re-chenschaft pflichtig – nur, weil er die Macht dazu hat. Das kann im Kleinen zu ärgerlichenNachbarschaftsstreitigkeiten oder bedauerlichen Familienzwisten führen. Wozu das imGroßen führt, müssen wir gerade erleben. Allen, die der Kriegspropaganda nicht völlig hö-rig sind, stockt der Atem. Wer kann diesem entfesselten Wahnsinn Einhalt gebieten?, so fragensich wohl die meisten Menschen auch bei uns. Ja, jetzt in dieser Situation zähle ich mich selbst auch zu den „besorgten Bürgern“, hätteich bis gestern auch noch gesagt. Besorgt, wo das noch alles hinführen soll; besorgt, ob esdenn endlich bald Waffenstillstandsverhandlungen gibt, die mehr als nur bescheidene Ergeb-nisse bringen; besorgt, ob den Opfern dieses menschenverachtenden Krieges wenigstens et-was geholfen werden kann durch Hilfsgüter, Spenden, Aufnahme von Flüchtlingen. Ja, indiesem Sinn bin ich auch jetzt noch ein „besorgter Bürger“. Aber ich benutze den Begriffnicht. Denn die ihn für sich in Anspruch nehmen, beginnen auch schon wieder zu tönen:„Die lassen wieder alle rein und dann bleiben die alle hier und was soll die Spenderei, wir ha-ben doch selbst genug Arme…“ lautstarker O – Ton eines maskenlosen Kunden an der Kasseeines Discounters. Ich wollte ihn nicht fragen, was für ihn das Wort „Mitmenschlichkeit“ be-deutet. Ich befürchtete, er hätte keine Antwort gewusst – und er ist längst nicht der Einzige.Wer kann diesem bornierten Wahnsinn Einhalt gebieten? Eins ist sicher: Menschen können esoffensichtlich nicht für immer, den großen und den kleinen Wahnsinn aus der Welt schaffen.Von daher ist das Wort aus Psalm 33 für mich ein starkes Hoffnungswort. Zum einen, weil esmir sagt, dass der HERR im Himmel auch die Opfer dieses brutalen Krieges sieht, ihr Leidkennt, mit ihnen geht und ihnen beisteht – und zum anderen: Der HERR segnet alle, die Wegezum Frieden suchen, die helfen, wie und wo sie können, die beten, die spenden, die ganz kon-krete Hilfe leisten. Und schließlich steht vor IHM jeder in der Verantwortung, sein Lebennach dem Maßstab der Liebe Gottes zu führen. Ausnahmslos jeder und jede. Es gibt also doch EINEN, der dem Wahnsinn Einhalt gebietenkann – wenn ER denn gehört würde. Das wiederum ist unser Auftrag. Gedanken zum Bild:Ein abgestorbener Baum, totes Holz. Auf den ersten Blick nichts Besonderes, weder schönnoch nützlich. Noch nicht einmal mehr als Feuerholz zu gebrauchen, diese halb vergammelteBaumleiche. Warum macht die keiner weg?Die passt doch nicht ins saubere Dorfbild! Und außerdem erinnert die doch wie ein erhobenerZeigefinger an den unerbittlichen Lauf der Zeit, an die unausweichliche Vergänglichkeit undden sicheren Tod. Diese Gedanken lassen wir doch am liebsten gar nicht an uns heran. Si-cher, der tote Baum ist trotz allem ein viel weniger bedrohliches Bild als die entsetzlichenKriegsnachrichten, aber die Botschaft bleibt: Die Zeit, unsere Zeit, ist begrenzt – und es kommt allein darauf an, was wir daraus machen. Nicht materiell, denn das ist genau so vergänglich. Das einzige, was wirklich bleibt,ist die Liebe, wie wir unsere Zeit miteinander und füreinander gestalten. Übrigens: Für dieMenschen, die an dem toten Baum nicht einfach nur vorbei laufen, die genauer hinschauen,erschließt sich noch eine weitere Botschaft voller Hoffnung auf die Kraft des Lebens. HabenSie sie entdeckt, die vielen Eingangslöcher zu Spechthöhlen im toten Stamm? Gern hätte ichden prächtigen Buntspecht an einer von ihnen mit aufs Foto gebannt, doch er flog ein paar Se-kunden zu früh davon. Nichts geht sinnlos verloren in Gottes Schöpfung, so lautet die Bot-schaft. Alles ist geborgen in SEINEN Händen.Auch das ist ein Trost in dieser Zeit. Gebet: In dieser Zeit beten wir besonders für den Frieden. Von daher sind die nachfolgendenAnregungen auch ähnlich denen seit dem 27. Februar. Bitte ergänzen Sie möglicherweise ei-gene Anliegen und Formulierungen. HERR, unser Gott, himmlischer Vater, nun ist eingetreten, was wir befürchtet haben: Es istKrieg in Europa. Menschen leiden, werden verletzt, müssen aus ihrer Heimat fliehen, sterben– und wir spüren unsere Hilflosigkeit angesichts der sich überstürzenden Ereignisse.HERR, unser Gott, wir bitten DICH von Herzen um ein Ende dieses Krieges, um gelingen-de Verhandlungen, um Schadensbegrenzung und Versorgung aller Geschädigten. Zeige uns,was wir tun können, um zu helfen. Segne alle, die Beistand leisten, auf welche Weise auch im-mer. HERR, unser Gott, bewege DEINE Gemeinden und Kirchen, dass sie aus der Kraft DEINESWortes für den Frieden wirken in unserer Welt, ihre Türen öffnen für die Friedensgebete undden Sorgen und Nöten der Menschen Raum geben. HERR, unser Gott, verändere das Denken undHandeln derer, die in dieser Welt verblendetsind von Macht und Habgier und schenke allen,die Verantwortung tragen, den Mut, sich einzu-setzen für Gerechtigkeit und Chancengleich-heit.HERR, trockne die Tränen, vertreibe die Angst,wandle den Hass in Verständnis und gegenseiti-ge Achtung. Eröffne uns allen DEINE Zukunft.Schenke uns DEIN Erbarmen, dass durch unsMenschen aufatmen können. Zeige uns, wo DUuns brauchst. Schenke uns Geduld und Ausdau-er, Verständnis und Kraft.Erbarmender Gott, lass DEIN Licht des Lebensleuchten, dass es hell werde um uns und durchuns im Vertrauen auf DEINE Liebe.Amen Zu Abschluß beten wir das Vaterunser!
  • Andacht zum1. Sonntag der Passionszeit, Invocavit, 6. 3. 2022
    Text: Psalm 91,1 (Wochenpsalm) Wer unter dem Schutz des HÖCHSTEN wohnt, darf bleiben im Schatten des Allmächtigen. Gedanken zum Text: Wer alt genug ist, um sich erinnern zu können, der weiß: Zu DDR – Zeiten gab es ein groß aufgelegtes staatliches Wohnungsbauprogramm. Trocken, warm und sicher sollten die Menschen wohnen können. Dazu wurden an den Stadträndern die Neubauviertel aus dem Boden gestampft. In Pößneck zum Beispiel werden die Blocks nach und nach aufwendig saniert und zu bequemen Wohnungen umgebaut, die mehr als nur sicher, warm und trocken sind. Entsetzlich die Nachrichten, dass in nur knapp 1000 Kilometer Entfernung seit dem 24. Februar gar nichts mehr sicher ist, geschweige denn warm und trocken, dass Wohnviertel absichtlich beschossen und Umspannwerke gesprengt werden, dass Menschen in Massen flüchten vor der entfesselten Gewalt der brutalen Kriegsmaschine des größten Landes der Welt. Angst breitet sich aus, weit über die Grenzen des überfallenen Landes hinaus, was da wohl noch passieren könnte und wie viele Opfer am Ende zu beklagen sein werden. Aber die Angst ist keine gute Ratgeberin. Sie verengt den Blick und nimmt die Luft zum Atmen. Sie macht misstrauisch und hartherzig. Das haben wir in den letzten Monaten leider schon bei vielen erleben müssen. Da war es die Angst vor der unsichtbaren Gefahr des Virus oder der Nebenwirkungen, die zu den bedenklichsten Reaktionen führte. Jetzt ist es die Angst vor dem sichtbaren Krieg, die Gedanken und Gefühle verdunkelt. Was wir brauchen, ist ein Licht – Wort, das unseren Seelen gut tut, weil es unseren engen Horizont aufbricht. „Wer unter dem Schutz des HÖCHSTEN wohnt, darf bleiben im Schatten des Allmächtigen.“ Das ist solch ein Wort der Horizonterweiterung. Da werden sicher manche kritisch fragen: Wohnen denn die Menschen in der Ukraine zurzeit im Schutz des HÖCHSTEN? Ja, gerade sie, möchte ich antworten. Die Leidenden, die Verjagten, die Flüchtlinge, die Trauernden, sie sind doch Gott besonders nahe. Genau daran erinnern wir doch jedes Jahr in der vorösterlichen Passionszeit: Dass Jesus den Weg des Leidens ging, dass ER mit uns durchs Leiden hindurch geht und uns allen SEINE Zukunft eröffnet, auch gegen den Augenschein des Wahnsinns von Ungerechtigkeit, Krieg und Vernichtung. Und denen, die nicht direkt betroffen sind, ermutigt das Wort zu helfen, beizustehen, aufzufangen. Denn im Schatten des Allmächtigen ist Raum für alle. Foto privat (J. Reichmann ) Gedanken zum Bild: Die Aufnahme entstand im Anschluss an das Friedensgebet am 28. Februar in der Pößnecker Stadtkirche. Am Steinaltar im Hintergrund, auf dem die Kerzen für die Corona – Toten unseres Landkreises stehen, lehnt ein großes Balkenkreuz, das vor Jahren mehrfach beim Jugendkreuzweg in der Region mitgetragen wurde. An diesem Kreuz hatten die Teilnehmer des ersten Friedensgebets vom 21. Februar und der Jungen Gemeinde vom 25. Februar auf kleinen Zetteln geschriebene Klagen, Bitten und Gebetswünsche angenagelt. Das Friedensgebet vom vergangenen Montag stand unter dem Motto: „Licht ins Dunkel bringen“. Die Teilnehmer entzündeten kleine Kerzen und sprachen ihre Gebetsbitten für ein schnelles Ende des brutalen Krieges in der Ukraine dazu laut aus. Sicher können manche zweifeln, ob Friedensgebete gegen die rohe Gewalt helfen können. Die Älteren unter uns erinnern sich aber sehr wohl daran, dass die Friedensgebete in der untergehenden, zu jeder Gewalttat bereiten DDR das Schlimmste verhindert haben. Damals waren es Kerzen – und heute sind es wieder Kerzen. Das Bild macht deutlich, dass schon so wenige, kleine, brennende Kerzen den großen Altarraum der Stadtkirche wenigstens soweit erhellen, dass man sich problemlos darin orientieren kann. Sie bringen auf ihre sanfte Art Licht ins Dunkel. Genau diese Sanftheit und diese Wärme brauchen die Menschen jetzt, damit ihre durchs Kriegsgeschrei und Schreckensnachrichten gepeinigten Seelen wieder Vertrauen in die Kraft des Lebens und den Beistand Gottes fassen können. Das geschieht am besten gemeinsam, zu Beispiel jeden Montag um 18.00 Uhr in der Pößnecker Stadtkirche oder dienstags in Schleiz und in anderen Orten unserer Region. Gebet: HERR, unser Gott, himmlischer Vater, nun ist eingetreten, was wir befürchtet haben: Es ist Krieg in Europa. Menschen leiden, werden verletzt, müssen aus ihrer Heimat fliehen, sterben – und wir spüren unsere Hilflosigkeit angesichts der sich überstürzenden Ereignisse. HERR, unser Gott, wir bitten DICH von Herzen um ein schnelles Ende dieses Krieges, um gelingende Verhandlungen, um Schadensbegrenzung und Versorgung aller Geschädigten. Zeige uns, was wir tun können, um zu helfen. HERR, unser Gott, bewege DEINE Gemeinden und Kirchen, dass sie aus der Kraft DEINES Wortes für den Frieden wirken in unserer Welt, ihre Türen öffnen für die Friedensgebete und den Sorgen und Nöten der Menschen Raum geben. HERR, unser Gott, verändere das Denken und Handeln derer, die in dieser Welt verblendet sind von Macht und Habgier und schenke allen, die Verantwortung tragen, den Mut, sich einzusetzen für Gerechtigkeit und Chancengleichheit. HERR, trockne die Tränen, vertreibe die Angst, wandle den Hass in Verständnis und gegenseitige Achtung. Eröffne uns allen DEINE Zukunft. Schenke uns DEIN Erbarmen, dass durch uns Menschen aufatmen können. Zeige uns, wo DU uns brauchst. Schenke uns Geduld und Ausdauer, Verständnis und Kraft. Erbarmender Gott, lass DEIN Licht des Lebens leuchten, dass es hell werde um uns und durch uns im Vertrauen auf DEINE Liebe. Amen Beten wir das Vaterunser: Vater unser im Himmel geheiligt werde Dein Name Dein Reich komme Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. AMEN
  • Andacht zum Sonntag vor der Passionszeit, Estomihi, 27. 2. 2022
    Text: Psalm 27,1 (Herrnhuter Losung vom 26.2.2022) Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Gedanken zum Text: Dieser Tage im Empfangsbereich einer Arztpraxis in der Region stutzte ich: Mobiliar und selbst die Lampen waren mit einer üppigen Karnevalsdekoration aus metallisch glänzenden Luftschlangen und Girlanden liebevoll verziert. Ach ja, dachte ich, eigentlich erreicht die „5. Jahreszeit“ gerade ihren Höhepunkt! Einerseits freute ich mich, daran erinnert zu werden, auch spürte ich die Sehnsucht nach unbeschwertem Leben und Feiern in mir aufsteigen. Andererseits beschlich mich im gleichen Augenblick ein ganz banges Gefühl – aber ganz bestimmt nicht wegen der Pandemie. Sicher, wir werden an deren Folgen wohl noch eine lange Weile zu tragen haben. Aber viel bedrängender das, was kein vernünftiger Mensch im 21. Jahrhundert noch für denkbar gehalten hätte: Ein offener Eroberungskrieg in Europa, geführt vom größten Land der Welt gegen einen kleinen Nachbarstaat. Eine finstere, furchterregende Vorstellung, was vorgehen mag in den Köpfen der Kriegstreiber, wie viele unschuldige Menschen sinnlos sterben müssen und wohin das alles führen kann. Nein, die Zeit für unbeschwerten Karneval und Faschingstreiben sieht wahrlich anders aus. Bei dem, was da gerade inszeniert wird, bleibt einem das Lachen im Halse stecken und selbst der schwärzeste Humor findet keine Pointen mehr. Zu bedrückend die Erkenntnis, dass Vernunft und Menschlichkeit in der Geschichte der Menschheit immer wieder dem Machtrausch und der Gier zum Opfer fallen. Was kann da noch helfen gegen Mutlosigkeit und Resignation? Da hilft nur noch beten. Gottvertrauen, aus dem die flehentliche Bitte entspringt, der HERR möge die Gedanken der Verantwortlichen erhellen und ihre Herzen erwärmen. Das mag naiv klingen und unbeholfen, aber ist ER allein es nicht, der Wunder tun kann und von dem geschrieben steht, dass ER erfüllt, worum man ihn von Herzen bittet – auf SEINE Weise? So erzählen es seit Urzeiten Menschen, wie der Beter des Psalms, dessen Schicksal wir nicht kennen. Aber er hinterließ uns ein Wort seiner Glaubenserfahrung, das auch uns in unserer beunruhigenden Gegenwart stärken kann: Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Foto privat (M. Reichmann ) Gedanken zum Bild: Ein friedliches, bezauberndes Bild, dieses Leberblümchen am Wegesrand. Zart wächst es zwischen den welken Laubblättern hervor. Das tut den Augen gut, die gestresst sind von den vielen beängstigenden Bildern aus unserer aufgewühlten Zeit mit ihren immer neuen Hiobsbotschaften und tiefen Verunsicherungen. Wer das Leben kennt, der weiß, dass es an sich schon gespickt ist mit Herausforderungen – aber was da im Moment auf uns einstürmt, das hat es lange nicht in solcher Wucht gegeben. Da fällt es zunehmend schwer, sich zu wehren gegen die Verengung des Blickes auf das Schreckliche, auszubrechen aus den Gedankenkreiseln, wie es denn weitergehen wird mit uns und der Welt oder den Kopf über dem Wasser zu halten des Meeres der Gleichgültigkeit. Es sei denn, wir nehmen sie ganz bewusst wahr, diese meist unscheinbaren Bilder der Hoffnung und der Zuversicht, die uns die kleinen Wunder des Lebens zeigen. Der israelische Dichter Shalom Ben Chorin hat einmal einen Liedtext verfasst, der auch im evangelischen Gesangbuch für Thüringen zu finden ist und in unsere Zeit passt wie kaum ein zweiter. Darin heißt es: „Freunde, dass der Mandelzweig/ wieder blüht und treibt, /ist das nicht ein Fingerzeig, /dass die Liebe bleibt? Dass das Leben nicht verging,/ so viel Blut auch schreit,/ achtet dieses nicht gering/ in der trübsten Zeit. Tausende zerstampft der Krieg/, eine Welt vergeht./ Doch des Lebens Blütensieg/ leicht im Winde weht. Freunde, dass der Mandelzweig/ sich in Blüten wiegt,/ bleibe uns ein Fingerzeig,/ wie das Leben siegt.“ (EG Thüringen und Bayern Nr. 659) Gebet: HERR, unser Gott, himmlischer Vater, wir danken DIR für die langen Jahrzehnte des Friedens in unserem Teil der Welt. Generationen wissen von Kriegen nur noch aus den Geschichtsbüchern und den Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern. HERR, unser Gott, wir erschrecken zutiefst, wie wenig selbstverständlich und wie gefährdet dieser Friede auf einmal geworden ist. Wir bitten DICH für alle Menschen, die hart dafür arbeiten, dass dieser Frieden erhalten bleibt. HERR, unser Gott, bewege DEINE Gemeinden und Kirchen, dass sie aus der Kraft DEINES Wortes für den Frieden wirken in unserer Welt, ihre Türen öffnen für die Friedensgebete und den Sorgen und Nöten der Menschen Raum geben. HERR, unser Gott, verändere das Denken und Handeln derer, die in dieser Welt verblendet sind von Macht und Habgier und schenke allen, die Verantwortung tragen, den Mut, sich einzusetzen für Gerechtigkeit und Chancengleichheit. HERR, trockne die Tränen, vertreibe die Angst, wandle den Hass in Verständnis und gegenseitige Achtung. Eröffne uns allen DEINE Zukunft. Schenke uns DEIN Erbarmen, dass durch uns Menschen aufatmen können. Zeige uns, wo DU uns brauchst. Schenke uns Geduld und Ausdauer, Verständnis und Kraft. Erbarmender Gott, lass DEIN Licht des Lebens leuchten, dass es hell werde um uns und durch uns im Vertrauen auf DEINE Liebe. Amen Beten wir das Vaterunser: Vater unser im Himmel geheiligt werde Dein Name Dein Reich komme Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. AMEN
  • Andacht zum 2. Sonntag vor der Passionszeit, Sexagesimae, 20. 2. 2022
    Text: Hebräerbrief 4, 12+13 (Predigttext des Sonntags) Denn eines müssen wir wissen: Gottes Wort ist lebendig und voller Kraft. Das schärfste beidseitig geschliffene Schwert ist nicht so scharf wie dieses Wort, das Seele und Geist und Mark und Bein durchdringt und sich als Richter unserer geheimsten Wünsche und Gedanken erweist. Kein Geschöpf ist vor Gott verborgen; alles liegt offen und ungeschützt vor den Augen dessen da, dem wir Rechenschaft geben müssen. (Neue Genfer Übersetzung) Gedanken zum Text: Wer hat uns was zu sagen? Wem hören wir zu? Nach wessen Wort richten wir unsere Entscheidungen im Leben aus? Wie bedeutungsvoll diese Fragen nicht nur für den einzelnen sind, hat die Pandemie in aller Schärfe ans Licht gebracht. Denn an den darauf gefundenen Antworten sind leider vielerorts Freundschaften zerbrochen, sind sich Familienangehörige fremd geworden und erkaltet das Klima des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Bräuchte es da nicht endlich einmal ein Machtwort? Ein Wort, das unüberhörbar durchdringt, das weder windelweich diskutiert werden kann noch brutal niedergebrüllt, das allen einleuchtet und Klarheit schafft, worauf es wirklich ankommt – nicht nur jetzt im Augenblick, sondern ganz grundsätzlich? Das braucht es wohl. Aber das kann kein Menschenwort sein. Denn das bliebe in unserer Zeit der selbst ernannten Experten und Besserwisser keinesfalls unwidersprochen – und sei es drum, im Netz „follower“ zu sammeln. Bleibt also das Gotteswort. Aber das will doch kaum einer mehr hören! Kein Wunder, denke ich, wenn ich den Abschnitt aus dem Hebräerbrief lese. Gottes Wort eignet sich kaum als beschaulicher, mit Blümchen umrankter Eintrag ins Poesiealbum. Wer lässt sich schon gern wirklich in die Karten gucken, hinter die gestylte Fassade, mitten ins Herz sozusagen? Das weisen wir in der Regel doch eindeutig von uns – oft mit dem neudeutschen Satz: „Das kann ich nicht gut hören.“ (Eigentlich: Das will ich nicht hören!) Kritik, und sei sie noch so begründet und gut gemeint, ist kaum mehr jemand bereit anzunehmen, von Menschen nicht und von Gott erst recht nicht. Dass ER der Richter sein könnte, der Rechenschaft verlangt, ist aus dem Blickfeld geraten. Vorsicht: Um einem gewaltigen Irrglauben vorzubeugen: Der Hebräerbrief schwingt hier nicht die Moralkeule! Denn wenn der HERR Rechenschaft verlangen wird, dann stellt ER nur eine, die entscheidende Frage – die Vertrauensfrage. Das hat der Apostel Paulus ein für allemal festgestellt und Martin Luther entdeckte es wieder im Römerbrief. Dort heißt es: „Aufgrund seines Glaubens wird der Gerechte das Leben erlangen.“ (Römer 1,17, Basis Bibel) Foto privat (J. Reichmann ) Gedanken zum Bild: Am Abend des 30. Januar fand zeitgleich zum lautstarken „Spaziergang“ auf dem Markt ein stilles Gedenken für die Menschen statt, die in unserem Landkreis an Corona oder in Zusammenhang mit dieser Erkrankung verstorben sind. Dabei entzündeten viele der ungefähr 60 Teilnehmer Kerzen. Im Nachklang zu dieser sehr würdevollen Andacht habe ich die damals entzündeten 42 Kerzen ergänzt um weitere 244, um für jeden amtlich registrierten, an Corona verstorbenen Menschen (Stand 30.1.2022) ein eigenes Gedächtnislicht zu entzünden. Ganz bewusst habe ich die Kerzen auf dem Steinaltar unter dem großen Pest – Kruzifix und in Beziehung zur Figur der heiligen Radegunde von Thüringen platziert. Denn so werden sie viel mehr als ein Gedächtnis an die Verstorbenen. Sie werden zur stillen Fürbitte – nicht nur für die Toten, sondern auch für die Lebenden. Dass der HERR ihnen und uns Frieden schenken möge, den Frieden der Herzen und den Frieden SEINER Ewigkeit. Für den Frieden der Herzen können wir mit SEINER Hilfe auch etwas tun. Deshalb möchten wir zum Montag, dem 21. Februar, um 18.00 Uhr zum Friedensgebet in unsere Stadtkirche einladen, selbstverständlich offen für alle und in ökumenischer Verbundenheit. Gebet: HERR, unser Gott, himmlischer Vater, wir danken DIR für DEIN Wort des Lebens, mit dem DU jede und jeden von uns ansprichst. Hilf, dass wir DICH heraushören aus den vielen Worten um uns herum und in unseren Ohren. HERR, unser Gott, DU verheißt, dass DEIN Wort wirkmächtig und befreiend ist. Hilf, dass es uns innerlich neu werden lässt, aufweckt aus Trägheit und immer gleichen Gedankenkreisen. HERR, unser Gott, bewege DEINE Gemeinden und Kirchen, dass sie nach DEINEM Wort leben, dass sie aus der Kraft DEINES Wortes wirken in unserer Welt. HERR, unser Gott, verändere mit DEINEM Wort das Denken und Handeln derer, die in dieser Welt verblendet sind von Macht und Habgier und schenke allen, die Verantwortung tragen, den Mut, sich einzusetzen für Gerechtigkeit und Chancengleichheit. HERR, DEIN Wort möchte Zukunft eröffnen, Wege bahnen und Trost schenken. Zeige uns, wo DU uns brauchst. Schenke uns Geduld und Ausdauer, Verständnis und Kraft, offene Ohren zu haben für die Sorgen und Nöte der Menschen. Erbarmender Gott, lass DEIN Licht des Lebens leuchten, dass es hell werde um uns und durch uns im Vertrauen auf DEINE Liebe. Amen Beten wir das Vaterunser: Vater unser im Himmel geheiligt werde Dein Name Dein Reich komme Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. AMEN
  • Andacht zum 2. Advent, 05. Dezember 2021
    Text: Lukas 21,28 (Wochenspruch) Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Gedanken zum Text: Advent – Gott selbst kommt in unsere Welt. Wann das geschehen wird, bleibt SEIN Geheimnis. Aber wie das geschehen wird, davon erzählt Lukas. Er schreibt vom Ende der alten Welt, wenn sogar der Kosmos aus dem Gleichgewicht kommen wird – und dann dieser Satz: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ Das katastrophale Ende wird kein Ende sein, sondern ein Anfang, besser: der Anfang schlechthin, der Anfang von etwas ganz unerhört anderem, das alles Bisherige in den Schatten stellen wird: Der Anfang des Gottesreiches. Dann müssen die Menschen nicht mehr nach unten sehen, auf den Boden, um keinen falschen Schritt zu machen. Sie können aufsehen, sich aufrichten, erleichtert durchatmen. Jesus, der Menschensohn, wird kommen „in einer Wolke“, – dem alten Bild für den nahen, gegenwärtigen Gott Israels. Wenn der EWIGE uns Menschen nahe kommt, hüllt er sich ein in die Wolke, damit niemand von uns Schaden nehme. Denn kein Mensch lebt, der IHN direkt gesehen hat. Gott wird uns nahe kommen – nicht einfach mit einer Lösung, sondern ER ist die Er-Lösung. Erlösung von allem, was je das Leben bedroht, klein gemacht oder geängstigt hat. ER fängt jede Angst, wirklich jede, mit SEINER Liebe in Jesus Christus auf. Das ist der großartige Ausblick. Das ist die verheißene Zukunft. Große Worte, ein gewaltiges Hoffnungsbild, ohne Zweifel. Zum Träumen geeignet, zum darüber Nachsinnen unbedingt, ganz besonders in düsteren Zeiten. Das Bild weitet den Horizont. Die Worte helfen zu gewichten was mit uns geschieht und erinnern an das, was bleibt, wenn alles ins Rutschen gerät. Aber dann kommt sie mit Wucht zurück, unsere kleine, oft mühsame und beängstigende Gegenwart. Viel zu groß ist da plötzlich das große Hoffnungsbild, verliert an Farbe und droht zu verblassen. Denn jetzt leben wir, jetzt brauchen wir Hoffnung und Halt, nicht erst am Ende der Zeit. Deshalb stellt Jesus klar: Das Reich Gottes ist schon mitten unter euch – da wo ihr Gott vertraut und euer Leben miteinander und füreinander in SEINEM Sinn gestaltet. Mariae Verkündigung – Bild im Chorraum der Stadtkirche Pößneck Foto: Privat (J.Reichmann) Gedanken zum Bild: Der Advent ist nicht nur die Zeit der Lichter. Er ist ebenso die Zeit der Verheißungen. Ganz profan spiegeln diese sich wider in der freudigen Erwartung der Kinder auf das Weihnachtsfest. Als Christen freuen wir uns mit ihnen und wir wissen auch, warum: Denn hinter allem und über alles hinaus steht die Verheißung, dass der HERR selbst in unsere Welt kommt, mitten in unser Leben, unseren Alltag, unsere Sorgen und Fragen. So wie auf dem Bild der Engel, der Bote Gottes, in den Alltag Marias und der beiden anderen Frauen hinein kommt und ihr den Auftrag des EWIGEN überbringt. Anbetend und demütig stellt der Maler Maria dar – aber sie steht aufrecht, mit nur ganz leicht gebeugtem Knie. Aufrechte Menschen wie sie sind es bis heute, die im Vertrauen auf SEINE Liebe Licht in unsere Welt bringen. Die beiden anderen Frauen im Hintergrund des Bildes sind allerdings auch nicht nur Dekoration. Neugierig sind sie, zweifelsohne, wollen diesen Augenblick um keinen Preis verpassen. Aber mein Eindruck ist: Er berührt sie nicht im entferntesten so, wie er Maria berührt. Sie scheinen die Köpfe zusammen zu stecken und das Geschehen zu kommentieren – und das war´s dann auch schon. Der Advent kann eben auch an einem vorbeigehen, wenn man nicht mit dem Herzen sehen lernen will. Ich vertraue aber fest darauf, dass der HERR die Hoffnung nicht aufgibt mit uns. Das hat ER selbst verheißen: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ (Lukas 21,33) Gut zu wissen, besonders in dieser schwierigen Zeit. Gebet: HERR unser Gott, wir möchten gern die Türen und Tore öffnen für DICH, dass DU in unser Leben trittst, in unsere Welt kommst und sie durch DEINE Liebe verwandelst. HERR, unser Gott, wir bitten DICH, hilf, dass wir beginnen, DICH einzulassen, DEINE Wärme in die Kälte zwischen uns, die in dieser schwierigen Zeit die Herzen erstarren und die Worte scharf wie Schwerter werden lässt. HERR, unser Gott, wir bitten DICH, hilf, dass DEIN Frieden uns zueinander führt, DEINE Liebe unsere Achtlosigkeit überwindet, mit der wir nebeneinander her leben. HERR, wir bitten DICH schenke Heil und Leben allen, denen ein menschenwürdiges Leben auf dieser DEINER Erde von anderen Menschen verwehrt bleibt. HERR, unser Gott, wir spüren, wie sehr wir DICH brauchen in unserer Ratlosigkeit und Verwirrung, DEIN Wort und DEINE Liebe, die uns lebendig machen und den Mut und die Kraft für unseren Weg durch die Zeit schenken. HERR, unser Gott, stärke DU unser Vertrauen, dass unser Leben ein Ziel hat in DEINER Ewigkeit. Zeig denen, die an ein Ende kommen, DEIN neues Licht. Reiche den Sterbenden die Hand und bereite ihnen den Weg zu DIR. Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen Beten wir das Vaterunser: Vater unser im Himmel geheiligt werde Dein Name Dein Reich komme Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. AMEN
  • Andacht zum 1. Advent, 28. November 2021
    Text: Sacharja 9, 9b (Wochenspruch) Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer Gedanken zum Text: Advent – Gott kommt, damit wir zueinander kommen. In guten Zeiten können wir das wörtlich nehmen, als physische Bewegung aufeinander zu. Gegenwärtig sollten wir damit mehr als zurückhaltend sein. Aber zueinander kommen ist doch auch ein innerer Prozess, oder? Und der ist oftmals noch viel schwieriger als das aufeinander zu Gehen im wörtlichen Sinn. Denn sofort steht die Frage: Wer von uns geht den ersten Schritt? Gibt es nicht meist viele Gründe, den ersten Schritt von dem oder der anderen zu erwarten, ja sogar zu verlangen? Oder zu sagen: Wenn alle mitmachen, dann mache ich auch mit – den ersten Schritt in Richtung Umweltschutz zum Beispiel. Da muss der doch erst mal, bevor ich… Und so lange die nicht, brauche ich doch noch lange nicht… Und wie stehe ich da, wenn ich den ersten Schritt doch mache und abblitze oder mich zum Gespött mache? Solche und ähnliche Gedanken kennen wir doch alle, wenn wir ehrlich sind, oder? Aber schließlich ist doch Advent! Das heißt doch: Der erste Schritt ist bereits gegangen! Gott geht ihn – und zwar auf mich zu! Gott kommt zu mir, zu jeder und jedem von uns, das ist die alte Verheißung der biblischen Propheten, die für uns in Christus wahr geworden ist. Ich bin IHM offensichtlich nicht zu gering, zu eigensinnig, zu ängstlich, zu oberflächlich oder was IHN sonst noch an mir stören könnte. Nein, IHM sei gedankt! Von Bedingungen ist im Advent nicht die Rede. Es ist wahr, Gott kommt zu mir, zu jedem von uns, auch wenn ich voller Sorgen und trüber Gedanken in dieser schwierigen Zeit bin. ER kommt auf vielen Wegen – im wundervollen Abendrot ebenso wie im nächtlichen Traum, in einem guten Gespräch, das klärt und versöhnt, in einem mir zugesprochenen Wort oder auch im gemeinsamen Schweigen. Advent – Gott kommt, damit wir zueinander kommen, wir gemeinsam Gottes Gegenwart unter uns feiern und uns gerade in diesen schwierigen Zeiten verbunden bleiben – auch mit weniger „Präsenzveranstaltungen“. Gerade dann begegnet ER uns, wenn ER uns die innere Tür öffnet, dass wir zueinander finden. Auf diesem Weg zueinander zu finden ist eine der wichtigsten Aufgaben in dieser Krisenzeit, nicht nur für uns Christenmenschen, sondern für die gesamte Gesellschaft, die sich in bedenklicher Geschwindigkeit auseinander lebt. Kraft und Mut dafür schenkt ER uns. Denn Gott kommt, damit wir zueinander kommen – Advent eben. Foto: Privat (J.Reichmann) Gedanken zum Bild: Der Advent ist unbestritten die Zeit der Lichter. Mögen die Strompreise auch klettern, die Lichterketten in den Vorgärten sind nicht weg zu denken. Es wäre ja auch sehr schade, finde ich. Denn sie leuchten, um ein wenig Behaglichkeit und gute Stimmung zu verbreiten. Das kann ihnen sogar gelingen, wenn ihre Besitzer nicht zur Übertreibung neigen. Mir persönlich ist jedoch ehrlich gesagt das „lebendige“ Licht einer Kerze in einer Laterne oder auf dem Tisch um einiges lieber. Denn es macht die Dunkelheit hell, ohne zu blenden. Es ist kraftvoll und doch sanft und nebenbei wärmt es auch ein wenig. Kein Wunder, dass das Kerzenlicht zum Symbol wurde. Neulich erinnerte sich einer daran: Im Herbst 1989, als die Stimmung schon einmal extrem angespannt war in der untergehenden DDR, da waren Kerzen entscheidend wichtig. Auch auf den Pößnecker Rathaustreppen wurden sie leuchtend abgestellt, als Symbol, als Bitte, dass alles friedlich bleiben möge. Christlich gesprochen: Dass durch Gottes Hilfe Licht ins Dunkel der menschlichen Wutgefühle und des Machtmissbrauchs von welchen Gruppen auch immer und der Freude am Bösen kommt. Vor gut 30 Jahren haben die Kerzen den Weg aus der hoch gefährlichen, zugespitzten Lage im Lande gewiesen. Ob sie es in unseren Tagen noch einmal vermögen? Sicher, die gesellschaftliche Gesamtsituation von damals ist kaum mit der heutigen zu vergleichen. Aber die Spaltungen gehen durch alle Schichten und sehr viele Familien. Miteinander zu sprechen wird immer schwieriger, wenn es nicht schon ganz unmöglich geworden ist. Ist es also nicht an der Zeit, die Kerzen wieder sprechen zu lassen, weil sie keine Worte brauchen? Gebet: HERR unser Gott, es ist Zeit, dass DU kommst, damit wir im Licht DEINER Nähe wieder Mut und Kraft schöpfen können. Denn ratlos sind wir und verunsichert. Wir misstrauen einander, sind getrieben von Ängsten und Vorurteilen. HERR, unser Gott, es ist Zeit, dass DU kommst in unsere Nähe, denn wir haben Unfrieden in unseren Reden und es mangelt uns an Zuversicht. HERR, unser Gott, es ist Zeit, dass DU kommst und uns die Augen öffnest für die Wege, die uns zueinander führen, für die Gemeinsamkeiten, die wir teilen und für die Unterschiede, die wir achten. Lass uns einander in DEINEM Lichte sehen lernen. HERR, wir bitten DICH besonders für die Verbitterten, für die Lieblosen und Hartherzigen und für die Gleichgültigen. Tritt ein mit DEINER Liebe in ihre Häuser, erhelle ihre Seelen und erwärme ihre Herzen. HERR, unser Gott, stärke DU unser Vertrauen, dass unser Leben ein Ziel hat in DEINER Ewigkeit. Zeig denen, die an ein Ende kommen, DEIN neues Licht. Reiche den Sterbenden die Hand und bereite ihnen den Weg zu DIR. Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen Beten wir das Vaterunser: Vater unser im Himmel geheiligt werde Dein Name Dein Reich komme Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. AMEN
  • Andacht zum letzten Sonntag im Kirchenjahr, 21. November 2021 (Ewigkeitssonntag)
    Mit dem Ewigkeitssonntag geht das Kirchenjahr zu Ende. Wir legen es zurück in Gottes Hand, gedenken aller Abschiede dieses Jahres und bitten um Gottes Nähe in der Gegenwart und Zukunft. Denn so schwierig wie in der Gegenwart war unser Leben über Generationen nicht mehr. Immer noch kein Ende der Pandemie in Sicht, eher das Gegenteil ist der Fall. Die Zahlen explodieren, die Krankenhäuser sind überlastet. „Corona – Tote“ ist ein Wort, dessen
  • Andacht zum Drittletzten Sonntag im Kirchenjahr, 7. November 2021
    Der November hat begonnen. Die Zeit wurde auf die „MEZ“ – die „Mitteleuropäische Zeit“ zurückgestellt. Viele Menschen gehen früh jetzt im Halbdunkel zur Arbeit und kommen erst wieder im Dunkeln nach Hause. Draußen ist es ungemütlich nasskalt und noch nicht einmal die Adventsbeleuchtung verbreitet eine herzige Stimmung. Der November wäre der Monat zum Trübsal blasen – wenn da nicht jene Fürbitte aus einem der jüngsten Briefe des Neuen Testaments zu hören wäre, der uns davor bewahrt: Der HERR aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus. Wir dürfen uns angesprochen fühlen, denn der Schreiber des Briefes erinnert uns: Eine Erweiterung unseres Horizontes für Kopf und Herz ist ein Gottesgeschenk. Wir sehen meist nur das, was wir direkt vor Augen haben, was wir mit unserem begrenzten Verstand erfassen und was wir mit unserer bescheidenen Vorstellungskraft zustande bekommen. Nur der HERR selbst vermag unsere Herzen zu weiten, indem ER sie auf SEINE Liebe „ausrichtet“. Manche behaupten, sie könnten das selbst. Aber dann wird der Glaube zur „Leistung“ und dann ist es nur noch ein winziger Schritt, zwischen „echten“ und „lauen“ Christen zu unterscheiden – wobei klar ist, auf welcher Seite sich die Unterscheider selber wähnen. Nehmen wir das Geschenk aus Gottes Händen jedoch dankbar an, dann können wir die Spuren SEINER Liebe auch in diesen trüben Novembertagen in unsrem Leben entdecken.
  • Andacht zum 31. Oktober 2021, Reformationsfest
    „Zur Freiheit hat Christus uns befreit!….Wir aber warten auf die Gerechtigkeit, die Gott für uns bereithält, und diese Hoffnung verdanken wir dem Geist Gottes; sie ist uns aufgrund des Glaubens geschenkt….Das einzige, was zählt, ist der Glaube – ein Glaube, der sich durch tatkräftige Liebe als echt erweist.“
  • Andacht zum 21. Sonntag nach Trinitatis, 24. Oktober 2021
    Hebräerbrief 12, 1+2 (Losung für den 26.10.21)Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, demAnfänger und Vollender des Glaubens. Gedanken zum Text:Der Hebräerbrief gehört zu den jüngeren Schriften des Neuen Testaments. Wir wissen nicht, wer diese Predigt im Stil eines Briefes verfasste und für wen. Aber es lohnt sich, auch heute darauf zu hören. Denn wir erkennen unsere eigene Lebenserfahrung wieder, wenn wir lesen: „Lasst uns laufen mit Geduld“… Ist es nicht so, dass das Leben über weite Strecken einem Dauerlauf gleicht, über Höhen und durch tiefe Täler? Mit Zeiten, in denen „es gut läuft“ und anderen, in denen wir kaum von der Stelle kommen oder in denen uns die Puste auszugehen scheint? Dem Bild vom Dauerlauf schiebt der Verfasser des Hebräerbriefs gleich noch das Bild vom „Kampf“ hinterher. Auch in diesem können wir uns wiederfinden – sei es als Einzelne, die sich gegen alle möglichen Widrigkeiten durchs Leben kämpfen müssen. Ich kenne mehr als genug Menschen, die durch Krankheit, Behinderung oder Schicksalsschläge auch in unserem reichen Land ein trauriges Lied davon singen könnten. Auch als Gemeinden erleben wir uns immer neuen Herausforderungen und Schwierigkeiten ausgesetzt. Der Hebräerbrief stammt aus einer Zeit, in der das nicht viel anders war. Von daher ist es gut, seinen Rat anzunehmen. Zum einen spricht er von Geduld, die wir in unserem Kampf und auf unserem Lauf durch das Leben haben können. Geduld mit uns selbst und Geduld mit den anderen. Und die Kraft dafür kann aus unserem Vertrauen in Christus erwachsen, wenn wir „aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens.“ Ein Dauerlauf, ein Kampf kann nur gewonnen werden, wenn wir genug Kraft und Mut dafür haben. Sehen wir auf zu Jesus, dann haben wir die Quelle der Kraft und das Ziel vor Augen – auch im Inneren und auch dann, wenn um uns herum vielleicht gerade alles andere viel bedeutender erscheinen mag. Mit IHM bleiben wir nicht auf der Strecke. Denn ER ist auferstanden. Gedanken zum Bild:Ein Weg durch sattes Grün, kurz bevor die Blätter fallen. Morgendliche Stille, nur wenige Vögel zwitschern. Eine besondere Stimmung, die Lust macht, diesen Weg Schritt für Schritt, behutsam und mit Entdeckerfreude weiter zu gehen. Was gibt es da nicht alles zu sehen! Spuren von Tieren, interessante Pflanzen, Tautropfen an Blättern, unzählige Spinnennetze im Gegenlicht. Langsam nur kommt man voran – aber in Eile bliebe die ganze Schönheit unentdeckt. In der Regel sind wir viel schneller unterwegs, legen unsere Wege in vielfachem Tempo zurück – und können gar nicht richtig wahrnehmen, was unsere Wege so besonders macht. Das trifft leider auch auf so manchen Lebensweg zu, wenn Menschen einfach nicht zur Ruhe kommen können, immer im Laufschritt unterwegs sind, bis ihnen die Puste ausgeht. Der Herbst ist die Jahreszeit der Besinnung, sagt man. Nachdenken über das reif gewordene Jahr, über das Leben, sich selbst und das Zusammenleben mit den anderen. Die Zeit, einen „Gang runter“ zu schalten. Würde uns allen, auch unserer ungeduldigen Welt mehr als gut tun. Wir sind auf dem Weg durch die Zeit, den wir nur einmal gehen können. Auch das macht uns der Herbst bewusst. Gott sei Dank können wir unseren Weg voller Hoffnung gehen. Gebet:HERR unser Gott, wir danken DIR, dass Duunseren Weg durch die Zeit mit uns gehst. Stärke die Zuversicht in uns und lass uns erfahren,dass DEINE Liebe uns alle umfängt.HERR, wir danken DIR für DEINE Gnade, diewir erleben können in allem Schönen und Guten des Lebens, in allen gelungenen Beziehungen, in jedem frohen Lachen.HERR, wir bitten DICH, öffne uns die Augenfür alle, die sich nach Vergebung sehnen, diedas Gute im Leben nicht mehr wahrnehmenkönnen, die hereinfallen auf falsche Propheten.Hilf, dass wir Brücken bauen und miteinanderstatt übereinander reden.HERR, unser Gott, hilf, dass nichts uns trennevon denen, die uns nahe stehen und dass Respekt uns verbinde mit denen, die uns fremdgeworden sind. Lass uns zum Frieden finden,den DU verheißt, Frieden zwischen den Menschen, dass die Traurigkeit schwindet und dieFreude die Herzen der Menschen höher schlagen lässt.Erbarmender Gott, erhöre uns. AmenBeten wir das Vaterunser:Vater unser im Himmelgeheiligt werde Dein NameDein Reich kommeDein Wille geschehe, wie im Himmel, so aufErden Unser tägliches Brot gib uns heuteUnd vergib uns unsere Schuld, wie auch wirvergeben unseren SchuldigernUnd führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem BösenDenn Dein ist das Reich und die Kraft und dieHerrlichkeit in Ewigkeit.AmenEs segne uns der allmächtige und barmherzigeGott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.AMEN
  • Andacht zum 20. Sonntag nach Trinitatis, 1 7. Oktober 2021 – und Gedenktag des Evangelisten Lukas (18. Oktober)
    Text: Lukas 1, 3+4 Darum hielt auch ich es für richtig, nachdem ich allem bis zu den Anfängen sorgfältig nachgegangen bin, diese Ereignisse für dich, hochverehrter Theophilus, in geordneter Reihenfolge niederzuschreiben, damit du erkennst, wie zuverlässig all das ist, worin du unterrichtet worden bist. Gedanken zum Text: Wer kennt sie nicht, die einprägsamen Geschichten aus dem Lukasevangelium? Die bekannteste ist sicher die Weihnachtsgeschichte von der Krippe und der Geburt Jesu im Stall von Bethlehem. Sogar völlig kirchenfremde Menschen haben sie irgendwann einmal mitbekommen und vergessen sie nicht mehr. Auch wer die Bibel kennenlernen möchte, beginnt am besten mit dem Lukasevangelium. Denn sein Verfasser war ein begnadeter Erzähler, sprachgewandt und ausdrucksstark. Mehr wissen wir leider nicht von ihm. Manche meinen, er könne ein Arzt gewesen sein, weil er sehr viele Heilungsgeschichten überliefert. Andere lesen seine einleitenden Worte ins Evangelium so, als sei er eine Art Historiker gewesen. Ein Forscher, mit den geschichtlichen Fakten zum Leben Jesu eine Art Biografie des HERRN geschrieben hätte. Auf den ersten Blick könnte dieser Eindruck tatsächlich entstehen. Denn nur Lukas ordnet die Geburt Jesu zeitlich in die Regierungszeit des römischen Kaisers Augustus ein. Liest man sein Evangelium allerdings genauer, wird bald deutlich: Die historischen Fakten bilden nur den ungefähren Rahmen für die eigentliche Botschaft: Jesus ist der verheißene Messias des Gottesvolkes. ER verkündigt das Reich Gottes und in SEINER Gegenwart wird das Gottesreich heute schon erfahrbar – und zwar für alle Menschen, die IHM vertrauen können, weit über das Volk Israel hinaus. Das bezeugt Lukas dann vor allem in der Fortsetzung seines Evangeliums, der Apostelgeschichte. Auch wenn wir vielleicht längst nicht so begabt sind wie er, will er uns ermutigen, die Jesus – Geschichten auf unsere Art weiter zu erzählen – und damit bei ganz wenigen oder vielleicht auch nur einem Menschen zu beginnen. Lukas widmete sein Evangelium ja zunächst auch seinem Freund Theophilus. Und wenn der Geist Gottes es will, finden sich auch unsere Zuhörer wieder in den Geschichten und können darin Kraft und Mut schöpfen für ihr Leben. Gedanken zum Bild: Wo ist die Zeit nur hin? – fragte neulich jemand im Rückblick auf dieses Jahr. Das Erntedankfest ist gefeiert, jetzt kommen die eher schwermütigen Sonntage des Kirchenjahres bis hin zum Ewigkeitssonntag. In einer Meditation wird der Lauf des Lebens mit einem Fluss verglichen, der von der Quelle bis zur Mündung in vielen Windungen und über Stromschnellen dahinfließt. Dieses Bild von einem munter plätschernden Bach kann uns daran erinnern. In diesem Fluss suchen wir nach Halt, damit wir nicht untergehen. Der Evangelist Lukas schrieb damals sein Evangelium, um seinem Freund Theophilus eben diesen Halt zu bieten. Denn kaum etwas ist belastender als Unsicherheit und Zweifel, kaum etwas führt schneller in die Irre oder gar in die Verzweiflung. Das Heilmittel gegen die Zweifel ist die Vergewisserung, die zum Vertrauen führt. Das Vertrauen, dass auch unsere Lebensläufe oder -flüsse nicht einfach nur versickern, sondern einmünden in das Meer der Liebe Gottes, um einmal im Bild zu bleiben. Gebet: HERR unser Gott, wir danken DIR, dass Du uns Wege öffnest, wo wir nur Mauern sehen, dass DU unseren Geist erhellst, wo wir zweifeln und grübeln, dass DEINE Liebe uns auffängt, wenn wir trauern. HERR, wir bitten DICH, überwinde unsere Trägheit und unseren Starrsinn, immer so weiter zu machen mit uns, unseren Nächsten und unserer Welt. Hilf, dass wir DEIN Wort mit dem Herzen hören und gib uns ein Herz für DEIN Wort. HERR, wir bitten DICH um offene Augen, empfindsame Ohren und erbarmende Hände, dass durch uns das Gute stärker werde in unserer Welt. HERR, unser Gott, lass uns zum Frieden finden, den DU verheißt, Frieden zwischen den Menschen, dass die Traurigkeit schwindet und die Freude die Herzen der Menschen höher schlagen lässt. Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen Beten wir das Vaterunser: Vater unser im Himmel geheiligt werde Dein Name Dein Reich komme Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. AMEN
  • Andacht zum 19. Sonntag nach Trinitatis, 10. Oktober 2021 – und Erntedankfest
    Text: Lukas 6,31 (Lehrtext zum 15. Oktober) Jesus spricht: Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch! Gedanken zum Text: Kennen Sie noch das gute alte Wort „Ratgeber“? Neudeutsch heißt das „influencer“ (englisch: „Beeinflusser“. Ja, „Ratgeber“ gibt es auch noch, vor allem auch in den Buchläden stehen sie reihenweise in den Regalen, wie mir neulich wieder einmal auffiel. Zur Gesundheit einschließlich Ernährung ganz vorn dran, aber auch zur „inneren Mitte“, zur Selbstfindung und -verwirklichung, dazwischen auch zur Beziehungspflege und zur Kindererziehung. Haustiere und Garten dürfen nicht fehlen – und die Aufzählung ist immer noch mehr als lückenhaft. Für alles und jedes im persönlichen Leben kann man einen Ratgeber finden – wahlweise natürlich auch einen „influencer“ im Netz. Unter den Ratgebern suchte ich eine Weile, aber einen für ein gelingendes Zusammenleben in der Gesellschaft fand ich dennoch nicht. Braucht es auch nicht, dachte ich mir. Denn besser als Jesus könnte man es sowieso nicht auf den Punkt bringen, wenn ER sagt: Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch! Das klingt einfach, merkt sich gut und hätte weit reichende Folgen, wenn sich immer mehr Menschen daran orientieren würden. Auch wenn dieses Jesuswort nicht unbedingt zu den „klassischen Erntedankworten“ zählt, auch für dieses Fest finde ich es sehr passend. Denn der Dank für die reiche Ernte und das mehr als gesicherte Auskommen schließt ja auch immer den Gedanken ein, Benachteiligte, arme und Notleidende an diesem Segen teilhaben zu lassen. Stellen wir uns doch einmal vor, wohin sich unsere Welt entwickeln würde, wenn wir in den reichen Industrienationen wirklich solidarisch mit den Menschen aus der Zweidrittelwelt lebten. Sicher, ein Himmelreich auf Erden wäre auch das nicht. Denn alles, was Menschen planen und tun, muss Stückwerk bleiben. Aber Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung könnten so bestimmt ein ganzes Stück näher zu rücken als wenn alles immer nur so weitergeht wie bisher. Natürlich muss einer den Anfang machen. Und das sollen wir sein, in unserer kleinen Welt, sagt Christus, unser HERR: Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch! Gedanken zum Bild: Jahr für Jahr verwandeln zwei Frauen aus unserer Gemeinde den Chorraum der Jüdeweiner Kirche für das Erntedankfest in eine Augenweide. Die Farben der unterschiedlichsten Blumen, die Vielfalt von Gemüse und Obst, Feldfrüchten und die selbst gebundene Erntekrone auf dem Taufstein vereinen sich zu einem prachtvollen Gotteslob und Dank für SEINE Gaben. Die festliche Stimmung überträgt sich auf die Besucher und unser Gottesdienstes für Groß und Klein wird zu einem besonderen Erlebnis. Es tut gut, Gott gemeinsam für SEINE Liebe und Treue in diesem Jahr zu danken. Das spüren wir nach den erforderlichen Einschränkungen im Frühjahr ganz besonders. Aus dem Gottesdienst gehen wir zurück in unseren Alltag. Hat da der Dank auch seinen Platz oder vergessen wir ihn öfter mal, weil zu viel Hektik ist? Es muss ja nicht der große Dank eines Festes sein. Auch der kleine Dank für eine kleine Hilfe oder ein gutes Wort oder was auch immer das Leben leichter und schöner macht, bringt Freude und Licht in den sonst so anstrengenden Tageslauf. Und er ist der Anfang vom großen Dank, der unserem HERRN gebührt. Gebet: Da in diesen Tagen auch neben Erntedank das Fest der Kirchweih gefeiert wird, hier ein Gebet dazu: HERR unser Gott, seit langen Jahrhunderten bauen DIR Menschen Häuser, in denen sie DIR gemeinsam danken und um DEINEN Beistand bitten. HERR, wir bitten DICH, sei DU in unserer Mitte und erfülle uns mit DEINEM Geist, dass wir bei DIR finden, was wir suchen: Die Freude am Leben, die Ruhe für unsere Seelen und den Trost, der uns auffängt. HERR, wir bitten DICH, lass zum Segen werden, was wir in DEINEM Haus erleben und was wir mitnehmen in unseren Alltag – für uns selbst und für unsere Nächsten. HERR, unser Gott, achte auf unser Gebet und hilf, dass wir auf DEIN Wort hören, das uns stärkt, zu trösten, Hoffnung zu schenken und Zuversicht und die Kraft, mitzubauen an DEINEM Reich. Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen Beten wir das Vaterunser: Vater unser im Himmel geheiligt werde Dein Name Dein Reich komme Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. AMEN
  • Andacht zum 18. Sonntag nach Trinitatis, 3. Oktober 2021
    Text: Psalm 34,8 (Tagesspruch zum Michaelisfest am 29. September) Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die IHN fürchten, und hilft ihnen heraus. Gedanken zum Text: Das Fest des Erzengels Michael und aller Engel und das Erntedankfest markieren das baldige Ende der „festfreien Zeit“ im Kirchenjahr. Die Zahl der Sonntage „nach Trinitatis“ im evangelischen Kalender ist weit voran geschritten. Michaelis und Erntedank ermuntern zum Rückblick auf die eben vergangenen Monate. Erinnern Sie sich noch an die Andacht zum Trinitatisfest? Damals hatte ich Sie ermuntert, die Spuren Gottes und SEINER Engel in diesem Sommer für sich zu entdecken. Sind Sie fündig geworden? Ganz in der Stille oder auch mitten im Alltag? An einem wunderschönen Urlaubstag, an einem besonderen Urlaubsort oder zuhause? Gab es unvergessliche Momente oder auch die Erfahrung, in Krankheit gestärkt und bewahrt zu werden? Die vielfältigen Erlebnisse und Erinnerungen machen uns schnell deutlich, dass auch dieses Jahr nicht nur ein „Spaziergang im Sonnenschein“ war – und da spreche ich jetzt nicht nur von der Coronapandemie. Aber einem Engel sind Sie bestimmt begegnet – auch wenn er vielleicht keine Flügel hatte. Dann war es ein Mensch, der Sie froh gemacht hat, Ihrer Lebenslust neuen Schwung verschaffte oder ihren Gedanken einen neuen Horizont eröffnete. Oder ein anderer, der Sie ermutigte, aufrichtete und tröstete mit Worten, im Gebet oder mit Taten. Solchen Engeln begegnet zu sein, das wünsche ich Ihnen von Herzen. Und hin und wieder geschieht es uns auch, dass wir selbst zu Engeln werden – ganz unvermittelt und überraschend durch Gottes guten Geist. Auch da gibt es sicher viel zu erzählen. Wenn Sie mögen, können Sie mir Ihre Erfahrungen dieses Sommers auch sehr gern einmal schreiben. Denn nach meiner Erfahrung erzählen wir uns im Getriebe des Alltags viel zu selten davon. Sollten wir aber tun, weil das die beste Medizin gegen das weit verbreitete Jammern und Schwarzsehen ist. Oder wie singt es der Beter des Psalms mit seinen Worten: Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die IHN fürchten, und hilft ihnen heraus. Gedanken zum Bild: Engelspuren entdecken im Leben – das birgt so manche Überraschung. Ging mir auch so, als ich im Sommer einmal mit der Kamera unterwegs war. Da entdeckte ich dieses prachtvolle Kirchenfenster mit dem sechsflügeligen Engel in der Mitte. Und wissen Sie, wo? In unserer Pößnecker Stadtkirche! Zugegeben, man sieht es nur tagsüber von der zweiten Empore gegenüber des Turmes. Denn es befindet sich in der oberen, nach innen offenen Turmstube. Nicht nur der verborgene Ort des Fensters, auch die Darstellung des Engels finde ich überraschend. Es muss sich um einen der Thronwächter (Seraphim) des HERRN handeln, die der Prophet Jesaja in einer Vision gesehen hat (Jesaja 6,2). Im Fenster erstrahlen die Flügel in satten Rot- und Gelbtönen, die fast golden wirken. Rot ist die Farbe des Heiligen Geistes und Gold die Gottesfarbe schlechthin. Der Glaskünstler kombiniert die sechs Flügel, von denen der Engel laut Jesaja nur zwei zum Fliegen benötigt (die anderen bedecken das Antlitz und die Füße des Seraphen), mit einem auf den ersten Blick kindlich pausbäckig wirkenden Gesicht. Ein üppiger, glänzender, blonder Haarschopf ergänzt das Bild. Aber ein drolliges, barockes Puttenengelsgesicht strahlt uns dennoch nicht entgegen. Der Blick des Engels ist durchdringend, seine Mundwinkel sind ernst nach unten gezogen. Ein Wächterengel eben, der sein Gegenüber – also uns – immer etwas abschätzend im Auge behält. „Gott sieht alles!“ sagte man früher den Kindern und meinte das in der Regel als Ermahnung zu einem angepassten, „anständigen“ Verhalten. Stimmt, aber der Satz geht weiter, sagen wir heute. „Gott sieht alles und alle mit den Augen des liebenden Vaters an!“, muss er nach der Bibel heißen. Das klingt ganz anders, oder? Gebet: HERR unser Gott, wir danken DIR, dass DU immer wieder Hoffnung setzt in uns mit DEINER Güte beschenkst. HERR, wir bitten DICH, erfülle uns mit DEINEM Geist, dass wir DIR vertrauen und unser Leben gestalten auf DEINEM Weg zum Heil. HERR, wir bitten DICH, hilf uns zu überwinden unter uns, was DEINE Liebe verbirgt, was sie unterdrückt oder entstellt. HERR, wir bitten DICH, hilf uns, von schnellen und oberflächlichen Urteilen weg zu kommen und wecke in uns die Ehrfurcht vor DEINEN Geschöpfen. HERR, wir bitten DICH, schenke neuen Mut den Müden und Erschöpften, Orientierung und Halt den Ratlosen und Verbitterten. Sei bei allen, die in unserem Land Verantwortung übernehmen in Politik und Verwaltung und geleite sie in ihren Entscheidungen in DEINEM Geist. HERR, unser Gott, achte auf unser Gebet und hilf, dass wir auf DEIN Wort hören, das uns stärkt, zu trösten, Hoffnung zu schenken und Zuversicht und die Kraft, mitzubauen an DEINEM Reich. Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen Beten wir das Vaterunser: Vater unser im Himmel geheiligt werde Dein Name Dein Reich komme Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. AMEN
  • Michaelis – und andere wichtige Tage….
    Im Rahmen des Festjahres in Krölpa ist für den 25. September ein „Michaelismarkt“ (13-18 Uhr rund um den Dorfplatz) geplant. Für manchen ist dies verwunderlich, denn bisher gab es keinen solchen Markt in Krölpa. Darum nun ein kleiner Einblick in die Geschichte und Tradition von (mittelalterlichen) Märkten:
  • Andacht zum 16. Sonntag nach Trinitatis, 19 .September 2021
    Der Wochenspruch ist eine Rede gegen die allgegenwärtige und scheinbar alles bestimmende Angst. Zur Entstehungszeit des Briefes war es die Angst der Christen vor der immer brutaler werdenden römischen Verfolgung. Heute ist es die Angst zu kurz zu kommen im Leben. Denn Wohlstand scheint der einzige Sinn und Zweck in diesem vergänglichen Leben zu sein, dem der Tod die gnadenlose Grenze setzt. Dagegen erhebt der Apostel die Stimme im Namen Christi mit einem lauten „Fürchte dich nicht!“ Das ist viel mehr als ein daher gesagtes „Hab keine Angst!“, denn der Apostel erinnert an die Grundfesten des Glaubens, die tragen, gerade auch in der Angst. Denn Jesus Christus selbst ist den Weg der Angst bis zum Tod am Kreuz gegangen und der EWIGE hat IHN von den Toten auferweckt. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort. Gottes Liebe ist nicht auf unsere kurze Zeit beschränkt, sondern umfasst die ganze Ewigkeit.
  • Andacht zum 15. Sonntag nach Trinitatis, 12 .September 2021
    postel baten den HERRN: »Gib uns doch mehr Glauben!« Der HERR antwortete: »Selbst wenn euer Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkorn, könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum hier sagen: ›Hebe dich samt deinen Wurzeln aus der Erde und verpflanze dich ins Meer!‹, und er würde euch gehorchen.«
  • Andacht zum 14. Sonntag nach Trinitatis, 5.September 2021
    alm 103,2 (Wochenspruch) Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Gedanken zum Text: Manchmal vergesse ich etwas. Das ärgert mich jedes mal und ich bin froh, wenn das Vergessene nicht allzu wichtig war. Wenn aber doch, kann das richtig peinlich werden. Den Namen eines Bekannten, die versprochene Zuarbeit, den Termin, den Geburtstag eines Freundes – einfach vergessen. Leider passiert mir das immer wieder. Kennen Sie das auch? Ich bewundere Menschen mit nahezu perfektem Gedächtnis und bin froh, dass es Hilfsmittel gibt gegen das Vergessen. Der sprichwörtliche Knoten im Taschentuch funktioniert nicht mehr so gut, seitdem die großen, karierten Herrentaschentücher aus Stoff außer Mode gekommen sind.
  • Andacht zum 13. Sonntag nach Trinitatis, 29. August 2021
    Dieser kurze Vers aus dem 1. Buch der Chronik erzählt von einem fröhlichen Volksfest – und Gott ist ganz selbstverständlich dabei. ER ist sogar mittendrin und die Menschen sehen es auch. Denn da ist die Bundeslade, das transportable Heiligtum der Israeliten. Die Bundeslade ist der Ort, wo der HERR selbst wohnt, so waren sie überzeugt. Später erfuhren sie SEINE Gegenwart im großen Tempel Jerusalems. Erst als ihnen die Heimat genommen worden war, erkannten sie IHN als den HERRN der ganzen Welt. Die Formen, IHN zu loben und zu preisen, wandelten sich ebenso. Damals, in der glücklichen Zeit der Königsherrschaft Davids, findet das Gotteslob ganz selbstverständlich unter freiem Himmel statt. Wir stellen uns am besten einen fröhlichen und lautstarken Umzug mit der Bundeslade durch die Gassen der David- stadt vor. Vorneweg der tanzende König mit seinem Gefolge, dann die Bundeslade und danach die verschiedensten Orchestergruppen und Chöre – und alle gaben ihr Bestes. Wenn das keine bunte Mischung war!
  • Andacht zum 12. Sonntag nach Trinitatis, 22. August 2021
    eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihrem eigenen Begehren werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren. 
  • Andacht zum 10. Sonntag nach Trinitatis, 8. August 2021
    Text: Epheser 5, 8b+9 Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Gedanken zum Text: „Kinder des Lichts“, das klingt in den Ohren, das weckt Bilder von Idylle und Sonnenschein – und das lässt ganz viel offen. Denn das ist eine Aufforderung, die in den Versen vorher klar macht, wie das gehen soll. Was also die Kinder des Lichts tun und vor allem nicht tun, ja noch nicht einmal denken sollen. „Wandelt“, heißt es, also auf neudeutsch: Führt euer ganzes Leben, richtet euer ganzes Denken aus in dieser Richtung, als „Kinder des Lichts“ zu leben. Schnell wird klar: Allein aus eigener Kraft wird das nichts mit den „Kindern des Lichts“ – allerhöchstens mit ziemlich flackernden und trüben Funzeln, wenn es extrem gut laufen sollte.Wir leben in der Welt und sind Teil von ihr. Der Epheserbrief möchte uns dennoch Mut machen, indem er uns erinnert: Es liegt nicht an unserem Denken und Handeln, ob es hell wird in unserem Leben. Alles hängt ganz allein von der Liebe Gottes ab. ER hat den ersten Schritt gemacht. ER schenkt uns SEINE Liebe, aus der wir leben können, die unser Leben hell macht. Wir sind also Kinder des Lichtes SEINER Liebe. Das ist das Grundvertrauen und die grundsätzliche Lebenseinstellung, die das Denken und Handeln befreit aus allen Zwängen und Ängsten der ausschließlich an sich selbst gerichteten Liebe, die so viele heutzutage für „normal“ halten. Wer spürt und zu begreifen beginnt, dass Gott ihn liebt, der bekommt einen klaren Blick auf das eigene Leben und unser Zusammenleben. Der findet von daher zu einem erhellenden Verhalten, bemüht sich um klare Worte, setzt sich ein für ein lichtes Miteinander jenseits von Machtspielchen und Rechthaberei. Genau daran werden die „Kinder des Lichts“ erkannt von denen, die ihnen begegnen. Auch wenn sie keine Ahnung von der biblischen Überlieferung haben. Nun gut, sie werden sicher nicht von den „Kindern des Lichts“ sprechen. Aber was Güte ist und Gerechtigkeit und Wahrheit im täglichen Umgang miteinander, das spüren sie ganz genau. Foto: Privat (J.Reichmann) Gedanken zum Bild: Eine Mohnblüte ist auch ein „Kind des Lichts“ – und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Zum ersten ist auch sie ein Geschöpf unseres Gottes, von dem es heißt: Der HERR ist mein Licht und mein Heil…. Zum zweiten braucht sie das Sonnenlicht zum Wachsen. In einem lichtlosen Raum würde sie sterben. Und zum dritten leuchten ihre Blütenblätter in den schönsten Farben – allerdings nur so lange, wie das Sonnenlicht auf sie fällt. Denn sie besitzt keine eigene „Lichtquelle“. Sie reflektiert das Licht der Sonne und lässt es auf ihre ganz eigene Art erstrahlen. Ein sehr schönes und eindrückliches Bild, um die Gedanken des Schreibers des Epheserbriefs zu verstehen. Die Mohnblume macht „ihr eigenes Ding“ aus dem Sonnenlicht, lässt es uns ganz neu und wunderschön wahrnehmen. So kann es auch sein, wenn wir das Licht der Liebe Gottes reflektieren in unser Zusammenleben hinein. Freundlicher und heller würde es werden, und ganz bestimmt auch schöner, weil entspannter. Der Versuch lohnt immer wieder neu. Gebet: HERR unser Gott, DU allein kannst mit dem Licht DEINER Liebe die Dunkelheit unserer Welt besiegen. Hilf uns, dass wir DEIN Licht weitergeben an alle, die dunkel Zeiten in ihrem Leben durchmachen müssen. HERR, wir bitten DICH für alle Menschen, die kein Licht am Ende des Tunnels ihres Lebens sehen, die den Sinn nicht finden können in dem, was sie auszuhalten haben. Gib uns als Gemeinden die Kraft, ihren Weg zu erhellen. HERR, wir bitten DICH, gib uns Gesichter, in denen DEINE Güte erstrahlt, Hände, die zufassen, wenn Hilfe nötig ist und Ohren, die offen sind für andere. HERR, wir bitten DICH, wehre dem Schrecken des Krieges, des Terrorismus und der Gewalt, bringe den Hass zum Schweigen, der die Herzen der Menschen vergiftet. Belebe unseren Geist, dass wir sagen und tun, was zum Frieden führt. HERR unser Gott, DU Vater des Lebens, sei bei allen, die DEINER Hilfe bedürfen in Krankheit und lass die Sterbenden DEINE Hand spüren, die sie leitet in DEINE Ewigkeit. So legen wir DIR alles ans Herz, was uns bewegt. Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen Beten wir das Vaterunser: Vater unser im Himmel geheiligt werde Dein Name Dein Reich komme Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden Unser tägliches Brot gib uns heute Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. AMEN
  • Andacht zum 9. Sonntag nach Trinitatis, 1. August 2021
    uen Glauben. Das waren noch Zeiten! Da wuchsen die Gemeinden statt immer kleiner zu werden! Davon können wir in unserem reichen Land nur träumen. Ich weiß, die Zeiten sind nicht vergleichbar. Jedenfalls ist unsere Zeit unvergleichbar mit ihrem allgemeinen Wohlstand, der generationenlangen Friedenszeit und der fast schrankenlosen individuellen Freiheit im Denken und Handeln.