• Osterzeit 2021

    Was feiern wir da eigentlich? | Teil 2 | am 13. Mai – Christi Himmelfahrt

    Christi Himmelfahrt (40 Tage nach Ostern)  

    Im Neuen Testament (Lk.24,50-52, Apg. 1,1-11) wird berichtet, dass der auferstandene Jesus 40 Tage lang sich seinen Jüngern zeigte, ehe er zu Gott in den „Himmel“ eingegangen ist. Seit dem 4. Jahrhundert gilt es in der römischen Kirche als eigenständiges Fest.

    „Als Jesus das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augenemporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“ (Apostelgeschichte 1,9-11)

    In der mittelalterlichen Kunst wird das oft sehr naturalistisch dargestellt:

    Himmelfahrt meint: Christus ist nicht mehr „leibhaftig“ auf der Erde sichtbar. Er ist ganz bei Gott: „die Welt ist Seiner Herrlichkeit voll – der ganze Himmel und die ganze Erde.“ D.h. – er ist überall erfahrbar. Der Kirchenlehrer Augustin (354-430n.Chr.) meint: Er ist der ganz Ferne und zugleich uns näher als wir uns selbst sind. 

    Eine jüdische Geschichte (Martin Buber, Erzählungen der Chassidim) veranschaulicht das:

    Rabbi Mendel von Kozk überraschte einst einige Gelehrte, die bei ihm zu Gast waren, mit der Frage: „Wo wohnt Gott?“ Sie lachten über ihn: „Wie redet Ihr? Ist doch die Welt seiner Herrlichkeit voll! Der ganze Himmel und die ganze Erde!“ Er aber beantwortete die eigene Frage: „Gott wohnt da, wo Du ihn einlässt!“

    Dort, wo Menschen „ihn einlassen“ – ihm vertrauen – ist er ihnen ganz nah. D.h. auch, dass Gott  und Jesus Christus uns im Nächsten/ im Gegenüber begegnen kann.

    Wenn Menschen glücklich sind, wählen sie oft Worte, die den „Himmel“ berühren. Christen glauben, dass der Himmel – Gott selbst uns in seiner Grenzenlosigkeit, Weite und Freiheit nahe kommt, wo wir glücklich sind, das findet seinen Ausdruck auch in unserer Sprache z.B. „einfach himmlisch, im siebten Himmel schweben, himmlische Ruhe empfinden, den Himmel auf Erden erfahren“.

    Jesus selbst hat in seiner Botschaft vom „Reich der Himmel“ (z.B. Lk.17, 21) gesprochen, das gegenwärtig erfahrbar ist. Mit Gleichnissen wollte  er es Menschen nahebringen (vgl.Mt.13,31-32, Mt.13,33, Mt.13,44).

    Ein Brauch an Christi Himmelfahrt sind Gottesdienste in der Natur (unter freiem Himmel). Seit vielen Jahrzehnten (vermutlich seit fast 100 Jahren) feiern Christen aus unserer Region beim Waldhaus Zella (bei Krölpa)  miteinander Gottesdienst.


    Seit Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich mit der Einführung des Muttertages auch der „Vatertag“ entwickelt. Dass dieser an Christi Himmelfahrt mit Männerausflügen begangen wird, leiten manche von der biblischen Überlieferung ab, dass Jesus mit seinen Jüngern zum Ölberg hinausgegangen ist, um sich von ihnen zu verabschieden. Der „Vatertag“ oder „Männertag“ lebt unabhängig von christlichen Bräuchen an „Christi Himmelfahrt“ eigene Traditionen fort. Vielleicht besteht eine Verbindung zu Flurumgängen und – umritten, die früher an diesem Feiertag üblich waren.


    (Quellen: Aschermittwoch- Ostern- Pfingsten – Ein Wegbegleiter für die ganze Familie, Bistum Essen/ vivat.de/ EKD- Feste und Brauchtum/ Ökumenisches Heiliegnlexikon.de/ www.kirchenjahr-evangelisch.de)

    Von Ute Thalmann, Pastorin, Krölpa


  • Osterzeit 2021

    Andacht zum Sonntag Rogate (5. Sonntag nach Ostern) 9. Mai 2021

    Schriftwort: 1. Timotheus 2, 1-6

    So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, auf dass wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Denn solches ist gut und angenehm vor Gott, unserem Heiland, welcher will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

    Gedanken zum Text:

    Rogate – betet! – So lautet der alte Name des heutigen Sonntags. Betet! – und zwar nicht nur für euch selbst, sondern für alle Menschen. Der evangelische Pfarrer Fritz Heinrich (von 1927 bis 1939 in Pößneck – Jüdewein) predigte zu diesem Wort am 6. Mai 1945 (ebenfalls Sonntag Rogate) in Zeulenroda:

    „Unser Text spricht von einer besonderen Art des Betens, von der Fürbitte: „Betet für alle Menschen!“ Warum sollen wir das? Weil „Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ Ein wunderbares Gotteswort, das uns froh machen kann in dieser Zeit der Trauer.

    Hier habt ihr den schroffen Gegensatz zwischen dem Nazismus und dem Christentum. Der Nazismus hat den Hass gelehrt gegen fremde Rassen, gegen alle Menschen und Völker, die ihn ablehnen. Das Christentum aber lehrt: „Betet für alle Menschen!“ Auch die Juden sind Gottesgeschöpfe, die wir lieben, für die wir beten sollen. … Ein Christ hat die Juden nie hassen können. Stammt doch unser Heiland seiner Leiblichkeit nach aus dem jüdischen Volk, waren doch alle Apostel Juden.

    Die unmenschliche Grausamkeit des Nazismus gegen die Juden und gegen politisch anders Denkende in den Konzentrationslagern aber ist eine Schmach, die das deutsche Volk nie wieder von sich abwaschen kann. Allein in Buchenwald, dessen Belegschaft zwischen 80000 und 120000 schwankte, sind über 73000 unschuldige Menschen ermordet oder dem Hungertod preisgegeben worden!

    So tief war die Kirche geknechtet, dass sie kein einziges Wort zu diesen Unmenschlichkeiten sagen durfte. Und wenn einmal einem Pfarrer das Gewissen explodierte, wurde er abgeführt….

    Ich habe in Pößneck dasselbe erfahren. Allein in Buchenwald schmachteten über 1000 evangelische und katholische Pfarrer. Jetzt ist dieser entsetzliche Gewissensdruck von uns genommen, wir dürfen wieder beten für alle Menschen.

    Ohne Ausnahme. Die Kirche ist für alle da, ganz gleich, welche politische Überzeugung sie haben. … Wer zur Erkenntnis der Wahrheit kommen will, und die Botschaft Gottes annimmt, dem wird Gott durch das Evangelium seine Wahrheit offenbaren…. Wir beten für alle Menschen. Besonders für die unzähligen unschuldigen Opfer dieses sinnlosen und schrecklichen Krieges.“ (Predigttext zur Verfügung gestellt von der Tochter Pfr. Heinrichs)

    Auch heute zieht dieser Krieg noch seine Spuren durch die Seelen der Menschen. Die Nachkommen der Opfer „erben“ die Traumata. Die Nachkommen der Täter müssen sich mit ihrem „Erbe“ auseinandersetzen. Beten wir für sie und bitten Gott um SEINE Hilfe für ein friedliches Miteinander in unserer Gesellschaft in der gegenwärtigen Krise.

    Gedenktafel für Pfr. Fritz Heinrich in der Kirche Jüdewein

    Entwurf: J. Reichmann; Ausführung: Kunstschmiede Gerhard, Knau; Foto: Privat (J. Reichmann)

    Gedanken zum Bild:

    Pfarrer Fritz Heinrich war ein einfacher, bescheidener Mann. Dennoch geriet er während seiner Amtszeit in Pößneck – Jüdewein durch seine dem Evangelium verpflichteten Predigten in den Fokus der NSDAP – Spitzel. 1937 wurde er denunziert und von der Gestapo verhaftet. Nach einer Woche Haft in Weimar wurde er zwar freigelassen, die Thüringische Landeskirche belegte ihn jedoch mit sofortigem Berufsverbot. Erst nach mehr als einem Jahr wurde er nach Zeulenroda versetzt, wo er unter Auflagen wieder tätig sein durfte. Die Gedenktafel in der Kirche Jüdewein erinnert an sein Gottvertrauen und seinen Mut in der menschenverachtenden Zeit der Naziherrschaft.

    Gebet:

    HERR, unser Gott, nimm uns hinein in den weiten Horizont DEINER Liebe, damit wir unsere Welt, unsere Mitmenschen und uns selbst mit DEINEM Blick sehen lernen.

    Dann, HERR unser Gott, werden wir unser Herz auftun und beten, weit mehr als für uns selbst und unsere eigenen Sorgen.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH für die Menschen, die auch heute noch gezeichnet sind von Krieg und Not, für die, denen das Nötigste zum Leben fehlt oder die gequält werden.

    Wir bitten DICH auch für die Fragenden und Suchenden, für die Verunsicherten und Ängstlichen, die niemandem mehr trauen in dieser Welt.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH für alle, die andere Menschen auf welche Art auch immer leiden lassen. Bringe sie zur Besinnung und hilf ihnen zu erkennen, was sie tun.

    Wir bitten DICH für alle, deren Kraft zu Ende geht, deren Hoffnung in den letzten Zügen liegt und die sich völlig verlassen fühlen.

    HERR, unser Gott, nimm unser Gebet auf DEIN Herz und hilf, dass es besser mit uns und DEINER Welt werde. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Osterzeit 2021

    Was feiern wir da eigentlich? | Teil 1 | am 1. Mai

    Ein Sprichwort sagt, man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Aber wissen wir um die Feste, die in unserem Kalender stehen? Warum gibt es das Fest und wie wird gefeiert? Dieser Frage wollen wir im Folgenden ein wenig nachgehen. Die Feste, die auf Ostern folgen, sind wenig bekannt. Der Maifeiertag (1.Mai) – oder der „Tag der Arbeit“ sticht dabei etwas heraus.1886 kam es in den USA um den 1.Mai zu einem mehrtägigen Generalstreik. Die Arbeiter demonstrierten für den 8- Stunden- Tag. Beim Streik kamen Arbeiter und Streikposten ums Leben. Zur Erinnerung an dieses Geschehen und auch um in Deutschland den 8- Stunden- Tag zu fordern, trafen sich erstmals 1890 Arbeiter zum Protest am 1. Mai. In den 20-ger Jahren wurde der 8- Stunden- Tag durchgesetzt. Ab 1933 und auch in der DDR wurde der Maifeiertag für ideologische Propaganda missbraucht. Auch heute noch machen Gewerkschaften am 1. Mai auf die Situation der Arbeitenden aufmerksam.

    Zum Maifeiertag gehört der Maibaum, der meist am Vortag aufgestellt und geschmückt (Kranz, Bänder, Wappen der Handwerker/ Innungen des Ortes) wurde. In manchen Gegenden ranken sich Bräuche um den Maibaum- so wurde er von der Dorfjugend bewacht, denn er galt als lukratives Diebesgut, das aber mit entsprechender Menge Bier ausgelöst werden konnte. Ursprünglich fand er Verbindung zu Fruchtbarkeitsritualen, die in vorchristlicher Zeit mit Beginn des Frühlings geübt wurden, ebenso auch das Maifeuer, über das Verliebte gemeinsam einen Sprung wagten (Maisprung). Der Tanz in den Mai fand in früherer Zeit um den Maibaum statt.

    Von Ute Thalmann, Pastorin, Krölpa


    Zusätzlich feiert man in der Katholischen Kirche den 1. Mai als Fest für Josef den Arbeiter

    Zusätzlich zum Festtag des hl. Josef am 19. März hat Papst Pius XII. im Jahr 1955 den 1. Mai als Fest für Josef, den Arbeiter verkündet.
    Mit der Industrialisierung kam es zu einer neuen Sichtweise der Arbeit. Bis dahin lebte ein Großteil der Bevölkerung auf dem Land und war in der Landwirtschaft beschäftigt. Hier war die Verbindung zur Kirche und ihren Festtagen selbstverständlich. Mit der Industrialisierung fand ein tiefgreifender Wandel statt. Etliche Menschen zog es vom Land in die wachsenden Städte, wo sie auf eine vollkommen andere Lebenswelt trafen. Nicht mehr der Rhythmus des Jahres bestimmte nun die Arbeit, sondern die Uhr. Auch ging die Bindung an die Kirche oft verloren.
    Die Kirche nahm sich bald der Sorgen und Nöte der Arbeiter in den Städten an. Christliche Arbeitervereine entstanden, mit offiziellen Lehrschreiben legte die Kirche ihre Position in der Arbeiterfrage dar. Doch hier stand die Kirche in Konkurrenz mit verschiedenen anderen politischen Kräften. Kommunisten und Sozialisten, später dann vor allem die Nationalsozialisten, beeinflussten die Menschen mit ihrem nichtchristlichen Gedankengut.
    Die Kirche wollte den christlichen Arbeitern einen mächtigen Schutzpatron geben, der ihnen helfen soll, auch in den Erfordernissen der Arbeitswelt dem Glauben treu zu bleiben. In der Hl. Schrift wird Josef Zimmermann genannt. Es entstand so das Bild des arbeitenden und treu für seine Familie sorgenden Nährvaters Jesu.
    Indem die Kirche den hl. Josef als Patron der Arbeiter wählte, will sie uns zeigen, dass jede Form ehrlicher Arbeit auch Gottesdienst sein kann. Jeder kann an dem Ort, an dem er steht, einen Beitrag zu einer christlichen Welt leisten, auch wenn die Arbeit noch so einfach und unscheinbar sein mag. Papst Benedikt XVI. sagt dazu:

    Das Vorbild des hl. Josef ist für uns alle ein eindringlicher Aufruf, die Aufgabe, die uns von der Vorsehung anvertraut wurde, in Treue, Einfachheit und Bescheidenheit zu erfüllen. Ich denke vor allem an die Familienväter und -mütter, und ich bete dafür, dass sie die Schönheit eines einfachen, arbeitsamen Lebens stets zu schätzen wissen, indem sie ihre eheliche Beziehung sorgfältig pflegen und ihren großen und nicht einfachen Erziehungsauftrag mit Begeisterung wahrnehmen.

    Heiliger Josef! Du bist das Vorbild aller Arbeiter.
    Beschütze die Arbeiter der ganzen Welt, damit sie durch ihre unterschiedlichen Berufe zum Fortschritt der gesamten Menschheit beitragen!
    Hilf jedem Christen, den Willen Gottes vertrauens- und liebevoll zu erfüllen, um auf diese Weise an der Vollendung des Heilswerks mitzuarbeiten.
    Erbitte mir die Gnade, dass ich gewissenhaft arbeite und die Erfüllung meiner Pflicht höher stelle, als meine persönlichen Neigungen. Lass mich dankbar und freudig die mir von Gott verliehenen Talente anwenden und entfalten.
    Heiliger Josef, bitte für uns!

    Quelle: www.praedica.de

  • Osterzeit 2021

    Andacht zum Sonntag Misericordias Domini (Sonntag vom guten Hirten) 18. April 2021

    Schriftwort: Markus 9,23

    Jesus Christus spricht: „Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Dieses Wort Jesu hallt uns in den Ohren in unserer Zeit, in der so vieles vorübergehend nicht möglich ist. Die Einschränkungen unserer Lebensmöglichkeiten und gewohnten Freiheiten belasten auf die Dauer alle und einige treiben sie wirtschaftlich bedrohlich in die Enge. Es scheint auch fast kein anderes Gesprächsthema mehr zu geben, weil sich jeder wünscht, die Pandemie möge so bald wie möglich vorbei sein. Da hinein also spricht Jesu Wort: „Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“

    Weltfremd! – sagen die einen. Das klingt doch so, als gelten für die Glaubenden keinerlei Einschränkungen! Der Glaube schützt doch nicht vor Ansteckung mit gefährlichen Krankheiten!

    Mal wieder typisch! – sagen die anderen. Die Glaubenden halten sich für etwas besseres! Kirche besteht halt immer wieder auf ihrer Extrawurst in der Gesellschaft…

    Eines ist klar: Dieser Satz Jesu hat es in sich und kann gründlich missverstanden werden, tatsächlich auch zur Weltflucht und oder völligen Selbstüberschätzung derer führen, die ihn im Munde führen.

    Das kann allerdings nur geschehen, wenn er aus dem Zusammenhang seiner Geschichte gerissen wird – der Geschichte der Heilung eines besessenen Jungen (Markus 9, 14-29). In dieser Geschichte geht es nicht um Glaube gegen Wissen oder die Möglichkeiten Auserwählter, sondern um Leid und Hilflosigkeit, enge Grenzen und Versagen, tief eingebrannten Zweifel und was dann wirklich neue Lebensmöglichkeiten schaffen kann. Ein Junge leidet unheilbar an Epilepsie, war schon mehrfach in akuter Lebensgefahr. Der Vater muss hilflos zuschauen. Die Jünger versagen bei dem Versuch, den Jungen zu heilen. Der Vater hat zu viele Enttäuschungen erleben müssen. Noch nicht einmal mehr Jesus selbst kann er mit Vertrauen begegnen. „Hilf, wenn du kannst!“, sagt er zu IHM. Jesus ist entsetzt, wie tief die eigene erlebte Hilflosigkeit Menschen in Zweifel stürzen kann und macht SEINEM Entsetzen Luft. Dann sagt ER:„Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“ Ein Wort, größer noch als der Zweifel tief ist. Ein Wort, an dem sich der geplagte Vater ebenso aufrichten kann wie die erfolglosen Jünger. Ein Wort, das Hoffnung und Zuversicht schenkt, wo es nach Menschenmöglichkeit nichts mehr zu hoffen gibt.

    Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“ Es ist möglich, Mensch zu bleiben in der Krise. Es ist möglich, aus dem Vertrauen in Gottes Liebe Hoffnung zu schenken und Zuversicht, wenn alle murren und klagen, wenn die einen an ihre Grenzen kommen und die anderen keinem mehr trauen. Also weder weltfremd noch Extrawurst, sondern das Wort Christi auch genau für unsere Zeit.

    Foto: Privat (J.Reichmann)

    Manchmal braucht es dringend einen Perspektivwechsel – so wie für den Vater des Jungen. Und wenn der Blick erstarrt ist, braucht es das ganz große Panorama, das über den Alltag hinausweist. „Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“, sagt Jesus. Im Psalm 121 klingt das so: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.“

    Dieses Vertrauen, diese Gewissheit gab dem Beter des Psalms Halt und Trost in seinem Leben. Wir wissen nichts über sein Schicksal. Aber wir können davon ausgehen, dass seine Lebenszeit ganz bestimmt nicht einfacher und bequemer war als die unsere. Sorgenfrei war sie auf keinen Fall. Was hindert uns also daran, wie er auch in der Größe und Schönheit der Schöpfung die Größe und lebensspendende Macht unseres Gottes wahrzunehmen? Das wünsche ich uns allen in dieser herausfordernden Zeit ganz besonders.

    Amen

    Gebet:

    HERR, unser Gott, wir danken DIR für alle Bewahrung und DEINE bergende Liebe, die wir erleben dürfen in der Gemeinschaft der Mitmenschen.

    HERR unser Gott, DU bist uns nahe in Jesus Christus, dem guten Hirten. Wir bitten DICH für die Menschen, die in unserer Zeit Verantwortung übernehmen für andere, die ihnen anvertraut sind. Schenke ihnen Geduld und Freude an ihren Aufgaben.

    HERR, unser Gott, DU guter Hirte, wir bitten DICH für alle Ausgegrenzten und Einsamen, für alle Trauernden und Leidenden, dass ihnen Menschen begegnen, die ihnen beistehen.

    HERR, unser Gott, DU guter Hirte, wir bitten DICH für alle Zweifelnden und Verzweifelten, für alle, die sich verloren glauben im Dickicht dieser Zeit, gehe ihnen nach durch Menschen, die sich ihrer annehmen.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Osterzeit 2021

    Andacht zum Sonntag Quasimodogeniti, 11. April 2021

    Von Pfarrer e.v. Reichmann Pößneck

    Schriftwort: 1. Petrus 1,3 (Wochenspruch)

    Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeborenen hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.“

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Der erste Sonntag nach Ostern trägt den schönen, aber merkwürdigen Namen Quasimodogeniti – wie die neugeborenen Kinder – oder auch „der weiße Sonntag“. Ganz früher wurden an diesem Sonntag unmittelbar nach dem Osterfest die Menschen getauft, die sich als Erwachsene für den Lebensweg im Glauben entschieden hatten. Da die Täuflinge feierliche Kleider in der Christusfarbe weiß trugen, erklärt sich der eine Name des Sonntags. Der lateinische Name leitet sich direkt vom Glauben ab: Durch die Taufe beginnt unser Leben mit Jesus Christus. Die Getauften sind also die neugeborenen Kinder Gottes, auch wenn sie schon eine Weile auf dieser Welt lebten.

    Das klingt und ist völlig anders als die Wiedergeburtslehren östlicher Religionen, in denen die Seele eine fast endlose Zahl von Wiedergeburten und Existenzen überstehen muss, in denen sie sich immer wieder neu zu bewähren hat. Das Ziel ist, nicht mehr wiedergeboren werden zu müssen, sondern endlich eingehen zu können in die große Weltseele wie ein Wassertropfen in den Ozean. Ebenso weit entfernt von den neugeborenen Kindern Gottes sind sämtliche esoterischen Ansichten von Seelenwanderung und Wiedergeburt. Der erste Sonntag nach Ostern möchte uns erinnern, dass auch wir sagen dürfen: Ich fühle mich wie neugeboren, weil mich die Kraft der Auferstehung Christi im Innersten berührt hat und mir Hoffnung schenkt, die stärker ist als der Tod. Eine Wiedergeburt in der Hoffnung – wie sehr sehnen wir uns danach in unserer Zeit voller Schwere und Probleme. Spüren wir als Christen etwas von der Osterhoffnung? Schaffen wir es in der endlos scheinenden Pandemie und den anderen Sorgen dieser Welt, der Hoffnungskraft des Glaubens zu vertrauen, der lähmenden Angst oder der bleiernen Gleichgültigkeit zu widerstehen? Wie kann die Hoffnung wiedergeboren werden? Der Schreiber des Petrusbriefs findet die Antwort: Gott selbst bringt in uns die Hoffnung zur Welt. Es ist wie bei einer Geburt. Gott hat in uns die Hoffnung wieder lebendig gemacht – und wir sind nun diejenigen, die die Hoffnung auf die Welt, zur Welt bringen, sie für andere konkret und spürbar werden lassen. Welche Lebensmöglichkeiten tun sich da auf für uns und unsere Mitmenschen, aber auch welche Verantwortung liegt da auf unseren Schultern! Denn was heißt Hoffnung zur Welt bringen anderes als das Leben eben nicht von dem her zu betrachten, was zu Ende oder was verloren geht, sondern von dem her, wie Gott neu Leben schenkt.

    Konkret in unserer Lage, in der die Nerven zunehmend blank liegen, kann das bedeuten: Sich nicht dem um sich greifenden Frust hinzugeben, sondern gerade jetzt einander mit Freundlichkeit und Respekt und Rücksichtnahme zu begegnen auch wenn man nicht einer Meinung ist – wozu auch immer. Die Kraft und den Mut dazu.

    Foto: Privat (J.Reichmann)

    schenkt uns Gott selbst. Wenn ein Mensch in dieser lebendigen Hoffnung lebt, sich dafür öffnet, was Gott in uns zum Leben bringt, dann kann daraus ein befreiendes Lebensgefühl entstehen. Verbundenheit, auch Humor und ein Missachten der Grenzen, wenn die Grenzen lebensfeindlich sind, all das darf sein, wenn ich das Leben von der lebendigen Hoffnung her sehe, die Gott in mir zur Welt gebracht hat.

    Dann werde ich mich selbst, meine Mitmenschen und auch die Natur um mich herum ganz anders und neu wahrnehmen können: Als geliebte Geschöpfe Gottes, die durch SEINE Gnade leben können.

    Amen

    Gebet:

    HERR unser Gott, es tut uns so gut zu hören, dass die Hoffnung und das Leben siegt. DIR zu trauen, schenkt uns die Weite, die wir zum Leben brauchen.

    HERR, barmherziger Gott, schenke im Lande und in unseren Gemeinden und Häusern Großmut und Verständnis füreinander, damit wir beieinander bleiben und zueinander finden.

    HERR, lebendiger Gott, begegne mit DEINER Liebe allen, die bedrückt sind, die sich fürchten vor ihren Mitmenschen, die ihren Weg suchen in dieser verwirrenden Welt und schenke ihnen Zuversicht.

    HERR, tröstender Gott, nimm die Verzweifelten, die Hoffnungslosen, die Sterbenden und die Trauernden an DEINE Hand und stehe ihnen bei.

    HERR, Dreieiniger Gott, gib DEINEN Geist in alles Leben, das DIR widerspricht, damit neu werde DEINE Schöpfung.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Osterzeit 2021

    Andacht für die Osterwoche, 4. bis 10. April 2021

    Schriftwort: 2. Korinther 1, 3+4 (Lehrtext von Dienstag, 6. April)

    Gelobt sei Gott, der Vater unseres HERRN Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis.

    Gedanken zum Text

    Denken wir an das diesjährige Osterfest zurück, fällt uns so manches ein, das wir mit dem altertümlichen Wort „Bedrängnis“ zusammenfassen könnten. Völlig unbeschwert konnte wohl niemand das höchste Fest der Christenheit feiern. Das Virus ist heimtückischer als befürchtet. Es lässt sich nicht so leicht besiegen. Die Menschen verlieren die Geduld und manchen steht auch wirtschaftlich das Wasser inzwischen bis zum Hals. Die Spannung in der Gesellschaft wächst weiter an und wohl alle hoffen, dass es bald vorbei sein möge mit den Einschränkungen aufgrund der Ansteckungsgefahr.

    Woran Paulus dachte, als er von „Bedrängnis“ schrieb, können wir nur aus seinen Briefen zurückschließen. Was wir ziemlich genau wissen: Eine Seuche und ihre unmittelbaren und mittelbaren Folgen hatte er nicht im Blick. Seine Bedrängnisse entsprangen rein menschlichen Quellen: Die erste Quelle, die ihm am meisten zu schaffen machte, war die Auseinandersetzung mit rücksichtslosen und hinterhältigen Konkurrenten um Einfluss in der Christengemeinde von Korinth. Daran hatte Paulus schwer zu tragen, wie wir seinen Briefen deutlich entnehmen können. Ergänzt wurde diese durch die zunehmenden Verfolgung seiner Person und Unterdrückung seiner Missionsarbeit durch örtliche Vertreter der römischen Staatsmacht in anderen Städten. In solch einer Lage ist guter Rat teuer- und wirklich tragfähiger Trost nicht leicht zu finden. Paulus brauchte eine wirklich zähe Geduld und musste sich enorm anstrengen, um mit den Korinthern wieder auf eine vernünftige und wertschätzende Gesprächsbasis zu kommen. Erst ganz langsam besserte sich die Lage. Paulus hätte wohl diese Geduld und dieses Durchhaltevermögen in seinen Bedrängnissen nicht haben können, wenn er nicht Gott sein Leid geklagt hätte. Denn genau in diesen bekam er geschenkt, was ihm half: der Vater der Barmherzigkeit ließ ihn erkennen, dass die Menschen in der Gemeinde von Korinth Schwestern und Brüder waren, die jede Mühe wert waren. und der Gott allen Trostes fing ihn auf, wenn er sich wieder einmal umsonst bemüht hatte.

    Eine andere Situation als die unsere, sicherlich, aber auch aus der heutigen Bedrängnis gibt es einen Weg heraus, ohne dass unser Zusammenleben auf Dauer belastet bleiben muss. Dieser Weg gelingt im Vertrauen in Gottes Liebe, mit dem Blick SEINER Barmherzigkeit und mit SEINEM Trost.

    Foto: J. Reichmann

    Gedanken zum Bild:

    Ostern 2021 in der Stadtkirche Pößneck: Wir waren froh, dass die Kirche trotz der hohen Infektionszahlen für ein stilles Gebet geöffnet werden konnte. Menschen unterschiedlichen Alters kamen zur Gottesdienstzeit am Ostersonntagmorgen zusammen, hörten das Osterevangelium. Die Orgel erklang mit festlicher Musik und die Menschen hatten die Gelegenheit, ganz persönliche Anliegen vor Gott zu bringen. Einige entzündeten auch eine kleine Kerze und stellten sie auf den Rand unseres Taufsteins. Denn zu Ostern erinnern wir traditionell auch an die Getauften des letzten Jahres. In diesem Jahr der Pandemie tut es auch sehr gut, sich wie Martin Luther an die eigene Taufe zu erinnern. So wurde für die Menschen ganz konkret spürbar, was Paulus schreibt:

    Gelobt sei Gott, der Vater unseres HERRN Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis.

    Gebet:

    HERR, unser Gott, für jeden Lichtstrahl danken wir DIR im Dunkel der Geschichte, für jedes DEINER Worte im Lärm unserer neunmalklugen Zeit. DU lässt uns aufatmen und schenkst uns Hoffnung über alle unsere Grenzen hinaus.

    HERR, lass DEINE Botschaft alle unsere Tage erhellen, die vor uns liegen mit Schönem und Schweren, mit Erkenntnissen, Irrwegen, Ahnungen und Gewissheiten.

    HERR, wir bitten DICH für uns, dass die Botschaft DEINER Auferstehung Früchte trägt in unserem Leben, dass DU uns aufrichtest und unseren Blick erhebst in DEINE Barmherzigkeit, die allen DEINEN Geschöpfen gilt.

    HERR, weise uns den Weg aus unserer Bedrängnis in DEINE Zukunft.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

  • Osterzeit 2021

    Die Ostergeschichte!

    … kurz und einfach erklärt.

    Diese einfache aber auch liebevolle Nachstellung der Ereignisse von vor über 2000 Jahren haben wir von Frau Böhm von der Kath. Gemeinde in Pößneck erhalten. Es zeigt liebevoll gestaltete Püppchen, die die Ostergeschichte nacherzählen:

    Gerne könnt Ihr die Geschichte hier auch als PDF Dokument herunterladen:

  • Osterzeit 2021

    Der Herr ist auferstanden!…

    Wir wünschen Ihnen frohe und gesegnete Ostern!

    Ostergeschichte mit Ostersegen:


    Hinweis des ev. KGV -Kirchengemeindeverbandes Krölpa-Öpitz:

    Die Gottesdienste fallen aufgrund der Corona Pandemie aus. Die Kirche in Krölpa ist zum stillen Gebet geöffnet.
    Bitte beachten Sie die aktuellen Hygienemaßnahmen. Um 17 Uhr erklingt vom Kirchturm Musik.
    Der KGV Krölpa – Öpitz wünscht allen ein gesegnetes Osterfest.


    Ostersegen 2021!

    Möge die österliche Sonne
    dein Gesicht bescheinen
    und deine Seele erwärmen.

    Die Hoffnung weiche nicht
    aus deinem Herzen,
    noch dein Vertrauen
    in das Leben.

    Mögest du Wege finden,
    die dich zu anderen führen
    ohne dein Zuhause zu verlassen.
    Sei in Frieden mit dir
    und mit deinen Mitmenschen.

    Und sei gewiss:
    Der Tod ist nicht das Ziel
    deines Lebens.

    (Irischer Segenswunsch)


    Andacht zum Osterfest, 4. und 5. April 2021

    Von Jörg Reichmann, ev. Pfr. in Pößneck

    Schriftwort: Markus 14, 3- 9

    Jesus war in Betanien bei Simon dem Aussätzigen zu Gast. Während der Mahlzeit kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl. Sie brach das Gefäß auf und goss Jesus das Öl über den Kopf. Einige der Anwesenden waren empört. »Was soll das, dieses Öl so zu verschwenden?«, sagten sie zueinander. »Man hätte es für mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können!« Und sie machten der Frau heftige Vorwürfe. Weiterlesen…


    Der Emmausweg 2021 – digital!

    Es ist bereits seit vielen Jahren eine schöne Tradition geworden, der jährliche Emmausweg am Ostermontag, von Ranis nach Krölpa! Leider kann auch dieser in diesem Jahr nicht stattfinden, daher haben wir einen “virtuellen” Emmausweg erstellt. Dieser kann gerne von jedem einzeln gepilgert werden.

    Hier finden Sie den Emmausweg 2021 in Digitaler Form: (klicken)

  • Osterzeit 2021

    Emmausweg 2021

    Sind Sie gern einmal draußen – genießen Sie auch die Ruhe und einen Spaziergang allein? Freuen Sie sich auch über Entdeckungen? Dann laden wir Sie ein, mit uns den „Emmausweg“ zu gehen. (Sie können natürlich auch gerne jemanden mitnehmen, der Sie begleitet.)

    In christlicher Tradition spielt der „Emmausweg“ am Osterfest eine wichtige Rolle. Über Jahrhunderte schon gehen Menschen diesen Weg, von dem in einer biblischen Ostergeschichte (Lukasevangelium, Kapitel 24, ab Vers 13 ff) erzählt wird, in Gedanken oder in ihrer Umgebung nach. Die Geschichte fand vielfältige Nutzung, z.B. baut die Ausbildung ehrenamtlicher Hospizhelfer*innen darauf auf, ebenso kann ich ihre Erfahrungen nutzen, um mir einen Trauerweg zu vergegenwärtigen und sie kann hilfreich sein für das Verständnis und in der Begegnung mit anderen Menschen. Wenn Sie neugierig geworden sind, kommen Sie einfach mit. Der Start ist in Ranis an der Stadtkirche – das Ziel wird die Kirche in Krölpa sein. Sie können auch gern irgendeinen anderen Weg wählen.

    Dazu können Sie sich die folgenden Texte, Fotos und Impulse ausdrucken und mitnehmen – oder aber mit ihrem Handy den Weg verfolgen.

    1.Station: Stadtkirche Ranis

    Die Situation ist bedrückend, alles ist grau, kein Lichtblick, nichts, was ermutigt, geschweige denn froh stimmt. Die Stimmen der anderen kommen gar nicht recht bei mir an. Ich bin so eingenommen von dem, was da war und von meiner eigenen Stimmung… . Kennen Sie so was? Dann kennen Sie vielleicht auch den Impuls: „Nichts wie weg hier!“ Manche steigen in diesen Tagen ins Flugzeug – oder auch ins Auto. Sie möchten fliehen – einfach raus aus dem Alltag, der so grau, bedrückend – vielleicht für manchen auch langweilig und eintönig ist, raus aus einer Situation, die nahe und nach geht und berührt, die ich einfach nicht annehmen und glauben kann.

    Die Bibel erzählt in der Emmausgeschichte von zwei Freunden von Jesus – und dem, was sie erlebt haben, was sie bedrückt und was sie nicht loslässt: Es ist die Enttäuschung über das, was sich in der Hauptstadt Jerusalem kurz vor dem Passahfest zugetragen hat: Jesus wollte mit ihnen dieses Fest feiern. Aber er wurde festgenommen und es wurde mit ihm kurzer Prozess gemacht, weil er angeblich das Volk aufwiegele und Gotteslästerung betreibe. Darin wurde eine Gefahr für die Ordnung gesehen. Kurzerhand wurde er am Kreuz hingerichtet. Die Freunde haben alles miterlebt, sie haben Angst, sind geschockt und enttäuscht. Der Abschied von ihrem Freund sitzt ihnen tief in den Knochen. Alle ihre Hoffnung auf ein besseres Leben, ja selbst ihren Glauben haben sie zu Grabe getragen. „Nichts wie weg hier!“ und so entschließen sich zwei, Kleopas und ein anderer Freund von Jesus, sich auf den Heimweg nach Emmaus zu machen.

    Basisbibel: Lk.24,13:

    Am selben Tag waren zwei Jünger unterwegs zu dem Dorf Emmaus. Es liegt etwa sechzig Stadien von Jerusalem entfernt. Sie unterhielten sich über alles, was sie in den letzten Tagen erlebt hatten.

    Impuls: Halten Sie einen kurzen Augenblick inne. Machen Sie sich bewusst, was Sie in der letzten Zeit erlebt haben!

    Der Weg führt durch die Altstadt mit ihren engen Gassen hinaus in Richtung Brandenstein. Vor uns liegt ein Tal, in das wir hinabsteigen.

    Wir sind im Tal – am Brandensteiner Teich angelangt. Nehmen Sie hier kurz Platz und lesen Sie die biblische Geschichte weiter.

    Lk.24,14ff:

    Sie unterhielten sich über alles, was sie in den letzten Tagen erlebt hatten. Dann, während sie noch redeten und hin und her überlegten, kam Jesus selbst dazu und schloss sich ihnen an. Aber es war, als ob ihnen jemand die Augen zuhielt und sie erkannten ihn nicht.

    Er fragte sie: „Worüber seid ihr unterwegs so sehr ins Gespräch vertieft?“

    Da blieben sie traurig stehen. Der eine- er hieß Kleopas – antwortete ihm: „Du bist wohl der Einzige in Jerusalem, der nicht weiß, was dort in diesen Tagen passiert ist?“

    Jesus frage sie: „Was denn?“

    Sie sagten zu ihm: „Das mit Jesus von Nazareth! Er war ein großer Prophet. Das hat er durch sein Wirken und mit seinen Worten vor Gott und dem ganzen Volk gezeigt. Unsere führenden Priester und die anderen Mitglieder des jüdischen Rates haben dafür gesorgt, dass er zum Tod verurteilt und gekreuzigt wurde. Wir hatten gehofft, dass er es ist, der Israel erlösen soll. Nun aber ist es schon drei Tage her, seit das alles geschehen ist.

    Und dann haben uns einige Frauen, die zu uns gehören, aus der Fassung gebracht: Sie waren frühmorgens am Grab. Aber sie konnten seinen Leichnam nicht finden. Sie kamen zurück und berichteten: „Wir haben Engel gesehen. Die haben uns gesagt, dass Jesus lebt!“ Einige von uns sind sofort zum Grab gelaufen. Sie fanden alles so vor, wie die Frauen gesagt haben, aber Jesus selbst haben sie nicht gesehen.“

    Das sagte Jesus zu den beiden: „Warum seid ihr so begriffsstutzig und tut euch so schwer damit zu glauben, was die Propheten gesagt haben? Musste der Christus das nicht alles erleiden, um in die Herrlichkeit seines Reiches zu gelangen?“

    Und Jesus erklärte ihnen, was in den heiligen Schriften über ihn gesagt wurde- angefangen bei Mose bis hin zu allen Propheten.

    Impuls: Woran erinnert Sie das Gespräch? Welche eigenen Erfahrungen fallen Ihnen ein? Was geht Ihnen nach?

    (Bedenken Sie es in der Stille oder tauschen Sie sich mit Ihrem Begleiter*in aus!)

    Der Weg führt weiter am Wisentgehege entlang – über einen kleinen Bach und die Holzbrücke. Sie kommen an eine Bank. Nehmen Sie Platz!

    Impuls :Betrachten Sie die Collage! Was entdecken Sie? Was lässt Sie staunen? Was berührt Sie?

    Oder: Schauen Sie sich in der nächsten Umgebung – in der Natur um! Was sehen Sie? Worüber staunen Sie?

    Was geht Ihnen zu Herzen?

    Wir brechen auf laufen durch den Hain an der Hainquelle vorbei den Hainweg unterhalb des Pinsenberges in Richtung Krölpa. Wir überqueren die Bahnhofstrasse und kommen an der Schule im Schloß vorbei zur B 281.Diese überqueren wir an der Ampel und gehen die Trannrodaer Strasse entlang, lassen den Dorfplatz rechts liegen, überqueren den Bach und gehen links die Kirchgasse hinauf. Der letzte Anstieg ist fast geschafft und der Blick öffnet sich auf die Kirche St. Peter und Paul.

    Wir treten ein und verweilen, um die biblische Geschichte weiter zu lesen:

    Lk. 24,28ff :

    So kamen sie zu dem Dorf zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat so, als wollte er weiterziehen. Da drängten sie ihn: „Bleibe doch bei uns! Es ist fast Abend und der Tag geht zu Ende!“ Er ging mit ihnen ins Haus und blieb dort.

    Dann, nachdem er sich mit ihnen zum Essen niedergelassen hatte, nahm er das Brot und sprach das Dankgebet. Er brach das Brot in Stücke und gab es ihnen.

    Da fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen und sie erkannten ihn. Im selben Augenblick verschwand er vor ihnen.

    Sie sagten zueinander: „War unser Herz nicht Feuer und Flamme, als er unterwegs mit uns redete und uns die Heiligen Schriften erklärte?“ Und sofort sprangen sie auf und liefen nach Jerusalem zurück. Dort fanden sie die elf Jünger beieinander, zusammen mit allen anderen, die zu ihnen gehörten. Die Jünger riefen ihnen zu: „Der Herr ist wirklich auferstanden! Er hat sich Simon gezeigt!“ Da erzählte die beiden, was sie unterwegs erlebt hatten und wie sie den Herrn erkannten, als er das Brot in Stücke brach.

    Impuls: Welche Erfahrungen und Entdeckungen unterwegs haben Sie besonders angerührt? Worüber staune Sie noch immer?

    Was ist Ihnen zu Herzen gegangen?Sie können sich mit Ihrem Begleiter*in austauschen – oder es in der Stille bedenken.

    Der Herr ist auferstanden! – Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Er bewirkt Entdecken und neues Sehen – auf das eigene Leben und diese Welt – er lässt uns staunen, auch über kleine Dinge. Er weckt in uns Lebendigkeit und Hoffnung. Erfüllt uns mit Freude. Nichts ist mehr so, wie es war. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Auch nicht die Meldungen über die Inzidenzen des Covid-19 – Virus, nicht Trauer, Enttäuschung und Vergeblichkeit. Die Welt erscheint in einem anderen Licht -im Osterlicht.

    Sie können Ihrer Hoffnung und Freude Ausdruck verleihen: …

    Auch mit dem folgenden Gebet:

    Wir spüren, das Leben siegt, Gott:

    In der Natur regt sich neues Leben.

    Menschen, die gedemütigt wurden, erheben ihre Häupter.

    Menschen, die stummgeworden sind, fangen an zu sprechen.

    Menschen, die resigniert haben, bekommen neue Hoffnung.

    Stimmen, die von Hass erfüllt waren, reden freundliche Worte.

    Hände, die kraftlos waren, fassen an und helfen.

    Blicke, die leer geworden waren, finden sich neu.

    Alles, was darniederliegt, erwacht zum neuen Leben.

    Das ist ein Wunder vor unseren Augen. Hab Dank dafür. Amen

    Vater unser im Himmel,

    geheiligt werde dein Name.

    Dein Reich komme.

    Dein Wille geschehe,

    wie im Himmel, so auf Erden.

    Unser tägliches Brot gib und heute.

    Und vergib uns unsere Schuld,

    wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

    Und führe uns nicht in Versuchung,

    sondern erlöse uns von dem Bösen.

    Denn dein ist das Reich und die Kraft

    und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

    Und nun geht. Geht mit Gottes Segen.
    Geht in euer Leben, voller Kraft.
    Liebt und streitet, lacht und weint,
    lebt jeden Tag voll großer Leidenschaft.

    Und nun geht. Das Leben ist voll Wunder.
    Und selbst der Tod ist nunmehr nur ein kleines Tor.
    Aus allem Dunkel, allen Trauerfalten
    spitzt heut das Licht von Gottes Liebe vor.
    (aus: nach -Texte der Klänge in der Nacht 26.02.2016/ Citykirche Schweinfurt)

  • Osterzeit 2021

    Andacht zum Karsamstag, 3. April 2021

    Die vierzehnte Station: Der Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt

    Schriftwort: 1.Petrus 3, 18 (Lehrtext des Tages)

    Christus hat gelitten, ein für alle Mal um der Sünden willen, der Gerechte für die Ungerechten, damit ER euch zu Gott führe.

    Gedanken zum Text:

    Stille aushalten, der Trauer den Raum geben, den sie braucht, ohne sofort wieder in den Alltag einzutauchen – das ist eigentlich das Besondere an diesem Tag zwischen Karfreitag und Ostern. Damals rauschte das Pessachfest über die entsetzten und bodenlos traurigen Jünger hinweg. Heute ist dieser Tag selbst in Coronazeiten alles andere als ruhig. Von Nachdenken und Innehalten keine Spur. Dabei würde das doch so gut und so nottun, dem Nachdenken über das Zusammenleben in unserer Gesellschaft mehr Raum zu geben, mehr Zeit zu verschaffen, gerade in der gegenwärtigen Krise.

    Denn nur wer innehält, wer nachdenkt, wer nicht sofort zur Tagesordnung übergeht, erahnt irgendwann die Bedeutung dessen, was mit ihm geschieht, erkennt vielleicht auch einen Sinn und kann sich neu orientieren. Das gilt für das gesellschaftliche Leben ebenso wie für den Glauben. Denn auch dieser kann in Krisen geraten. So wie der Glaube der Jünger nach der Kreuzigung Jesu. Sie und die ersten Christen müssen nachdenklichen Menschen gewesen sein. Menschen, die verstehen wollten, mehr erwarteten als das, was vor Augen war und es schließlich auch zu begreifen begannen: Der qualvolle Tod Jesu am Kreuz war kein sinnloses Ende aller ihrer Hoffnungen. Ein Apostel, der sich Jahrzehnte später auf Petrus berief, fasst ihre Erkenntnis in einem knapp gefassten Merksatz zusammen: Christus hat gelitten, ein für alle Mal um der Sünden willen, der Gerechte für die Ungerechten, damit ER euch zu Gott führe.

    Da wird nichts beschönigt, nichts geleugnet: Christus hat gelitten – und zwar unschuldig. Die IHN ins Leid trieben, haben sich schuldig gemacht so wie alle, die Menschen leiden lassen. Und nicht nur das: Christus hat uns durch SEIN Leiden und Sterben hindurch einen völlig neuen Horizont eröffnet – dass wir Gottes Liebe in ihrer ganzen Größe erahnen können.

    Gedanken zum Bild:

    Schlusspunkt jedes Lebens – das Grab. Unser Blick wird hinein gezogen. Noch liegt der Leichnam nicht in der Felsennische, aber gleich wird es soweit sein. Dann noch den Stein davor gerollt, das Grab ordentlich geschlossen. Schnell muss es gehen, nicht nur, weil die Soldaten drängeln, sondern auch, weil nach dem Gesetz Gottes bald der Schabbat beginnt. Und da darf niemand einen Toten berühren. Vorschriften also, Regeln und Befehle, die keinerlei Rücksicht nehmen auf die Gefühle und Bedürfnisse der Trauernden. So wird die Finsternis des Grabes noch dichter. Und was ist das für ein Pessachfest, wenn die Gedanken immer wieder zum Grab wandern, in dem der Verstorbene vorerst nur abgelegt werden konnte, ohne jedes Totengedenken nach den Bräuchen seines Volkes? Tröstlich erst einmal nur, dass die Mutter und die Freunde Jesu wenigsten einen Ort haben, zu dem sie wieder kommen können um zu trauern. Nur wenigen Gekreuzigten war ein eigenes Grab vergönnt. Die meisten hingen solange am Kreuz, bis dieses zur nächsten Hinrichtung wieder gebraucht wurde. Der grausige Anblick sollte die abschreckende Wirkung der Todesstrafe erhöhen. Schlussendlich wurden die sterblichen Überreste kurzerhand irgendwo verscharrt.

    Bestattungskulturen wandeln sich. Alte Rituale und Formen geraten in Vergessenheit, neue Foren werden gefunden und ausprobiert. Sehr vieles ist inzwischen möglich. Was allen gemeinsam ist oder besser sein sollte: Es braucht für die Trauernden einen Ort der Erinnerung, des Gedenkens und des langsamen Loslösens. Ohne diesen Ort leben zu müssen, verwehrt den Menschen einen wirklichen Blick nach vorn. Wie viele Frauen hofften fast ihr ganzes Leben lang, dass ihr Mann doch noch aus dem Krieg heimkehren würde oder dass sie wenigstens einmal zu seinem Grab würden reisen können – das es aber nicht gibt. Worauf hoffen wir, wenn wir einen lieben Menschen begraben müssen? Auf das ewige Leben? Auf ein Wiedersehen vielleicht? Oder auch nur, dass jetzt endlich Schluss ist mit der furchtbaren Zeit des Leidens und Sterbens? Die Antworten der Lebenden sind geprägt von ihrer ganz persönlichen Überzeugung und ihrem Glauben. Angesichts des Todes die Hoffnung zu bewahren, ist ein Geschenk.

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir bitten DICH um Licht für unsere Welt, überall da, wo Finsternis regiert: Falsches sich als Wahres verbreitet, Menschen verunsichert und verängstigt werden.

    HERR unser Gott, wir bitten DICH um DEIN Wort überall da, wo Menschen den Worten anderer nicht mehr vertrauen, wo Misstrauen und Neid ihre hinterhältigen Siege feiern.

    HERR, unser Gott, wir bitten DICH, hilf uns DEINEN Weg zum Kreuz als Weg zum Leben zu erkennen.

    HERR Jesus Christus, schenke uns den Mut, DIR zu folgen, wo DU gehst, anzuhalten, bei wem DU verweilst und in DEINEM Sinne miteinander und füreinander zu leben.

    HERR Heiliger Geist, wir bitten um DEIN Erbarmen für alle Menschen, die trauern um einen lieben Angehörigen. Schenke ihnen neuen Mut und Freude am Leben.

    HERR, Dreieiniger Gott, wir bitten für unsere Verstorbenen, die im Vertrauen auf DEINE Liebe gelebt haben, nimm sie auf in DEINE Herrlichkeit. Und wir bitten für uns selbst: Gehe mit uns auf unseren Wegen, HERR, was auch kommen mag.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

    in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN