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Andacht zum Ostersonntag, 12. April 2020

von Pfarrer Jörg Reichmann Pößneck

Schriftwort: 1. Korinther 15, 19 -20

Wenn die Hoffnung, die Christus uns gegeben hat, nicht über das Leben in der jetzigen Welt hinausreicht, sind wir bedauernswerter als alle anderen Menschen.
Doch es verhält sich ja ganz anders: Christus ist von den Toten auferstanden! Er ist der Erste, den Gott auferweckt hat, und seine Auferstehung gibt uns die Gewähr, dass auch die, die im Glauben an ihn gestorben sind, auferstehen werden.

Gedanken zum Text:

Liebe Gemeinde,

Christen feiern seit dem zweiten Jahrhundert Ostern und die Urkraft dieses Ereignisses ist für immer lebendig, weil seine Botschaft auf die einfachste Form gebracht heißt: Da hat einer den Tod hinter sich gelassen, wir aber haben ihn noch vor uns. Das fordert unseren Verstand heraus. Das ist ein Wunder. Das verändert die ganze Welt. Das ist größer noch als Weihnachten, weil hier zu Ostern Gott uns Menschen am Göttlichen teilhaben lässt. Aber erfassen wir auch wirklich, was Ostern für uns bedeuten kann? Wenn die letzte und größte Instanz der menschliche Verstand ist, bleibt Ostern unerklärlich. Denn der Verstand orientiert sich nur an unseren Erfahrungen. Das reicht zur Erklärung des Alltags gewiss.

Aber längst ist bekannt und gesichert: Der Verstand hat Grenzen, weil die menschliche Erkenntnis Grenzen hat. Und aus der Erfahrung folgert der Verstand: Der Tod in seinen unterschiedlichen Masken regiert die Welt, wirbelt alles durcheinander, wie wir gerade durch Corona selbst erleben oder in den Nachrichten aus Syrien und den anderen Kriegsherden unserer Welt gezeigt bekommen. Das Grab ist leer – und die ersten Zeugen erleben dieses Wunder, das entgegen aller Erfahrung, entgegen aller Erwartung eine völlig neue Wirklichkeit schafft: Nicht der Tod steht da lachenden Munds, sondern ein Engel. Und die ersten Zeugen ziehen aus dieser Erfahrung den einzig richtigen Schluss: Am Ende sind wir nicht am Ende. Die Hoffnung, die uns Christus damit geschenkt hat, die reicht über das Leben in der jetzigen Welt hinaus. So kann es eine Generation später der wortgewandte Apostel Paulus treffend auf den Punkt bringen. Und zu seiner Zeit schon fragten sich viele Christen: Wenn da Christus den Tod hinter sich gelassen hat, was haben wir dann vor uns, wenn wir IHM vertrauen? Ist es auch für uns möglich, durch den Tod hindurch zu gehen? Für Paulus gar keine Frage, sondern getroste Gewissheit.

Und wenn wir wie er in der Nachfolge Christi den unerhörten Gedanken zulassen, der Tod ist nicht das große Ganze – fällt uns da nicht ein schwerer Stein von der Seele? Verändert sich dann nicht unsere Sicht auf das Leben und seine Vergänglichkeit grundlegend? Und es gibt Menschen in Geschichte und Gegenwart, die mit diesem Blick so viel Gutes und Hoffnungsvolles und Stärkendes für ihre Mitmenschen bewirken, dass sie deren Welt verändern.

In diesem Jahr zwingen uns die Umstände dazu, das Osterfest ganz still zu begehen. Ein Umstand, den es in unseren Breiten bisher nach meiner Kenntnis noch nie gegeben hat. Aber wer sagt denn, dass darin nicht auch eine ganz überraschende Erfahrung liegen kann?

Wenn die Festvorbereitungen und der ganze Trubel zurücktreten und der persönlichen Besinnung Platz lassen, damit wir vor Gott bedenken können, was uns Halt und Hoffnung gibt im Leben? Wenn wir IHM unseren Dank sagen für das Geschenk des Lebens und uns vergewissern: Der HERR ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja! Und das ist wahr, denn das große Ganze ist allein in Gott. ER ist Herr über Leben und Tod, über Zeit und Ewigkeit.

Foto: Privat – J. Reichmann

Bildbetrachtung;

Die große Stadtkirche ist dunkel am Abend des Karsamstags. Die Glocken und die Orgel schweigen. Die Dunkelheit steht für die Macht des Todes in der Welt, die an Karfreitag ihren Höhepunkt fand, als der Sohn Gottes am Kreuz zu Tode gefoltert wurde. Und die Spur des Todes zieht sich weiter durch die Geschichte und Gegenwart. Da wäre keine Hoffnung, dass sich das jemals ändern könnte – wenn Christus nicht auferstanden wäre. Doch Ostern ist es geschehen. Die Osterkerze wird entzündet und ihr lebendiges Licht hat die Kraft, den ganzen großen Kirchenraum zu erhellen. Ein stärkeres Symbol für Ostern kann es nicht geben. Jedes Jahr feiern wir das Geheimnis des Sieges Christi über den Tod auf diese Weise. Das wollen wir uns auch im Jahr 2020 nicht nehmen lassen.

Am Karsamstag Abend um 22.00 Uhr, sowie am Ostersonntag zur gewohnten Gottesdienstzeit um 10.00 Uhr werden die Glocken der Stadtkirche zum persönlichen Gebet in den Häusern und Wohnungen einladen. Bestimmen Sie doch bitte eine Kerze zu Ihrer persönlichen Osterkerze und entzünden Sie diese zum Osterfest. Wer die Möglichkeit hat, kann diese Kerze auch gern ins Fenster stellen als ein Zeichen der Verbundenheit mit den anderen Christen der Region in dieser schwierigen Zeit.

Gebet:

Du Gott des Lichtes, du hast die Dunkelheit unserer Welt durchbrochen am Ostermorgen. Du hast einen neuen Anfang gemacht, als alle nur auf das Ende blickten. Versteinertes hast du ins Rollen gebracht und die Schatten der Angst weggewischt. Dafür danken wir Dir.

Wir bitten dich für alle, die an diesem Osterfest in Angst und Not sind, die Kranken, Leidenden, die Opfer von Krieg und Gewalt. Lass Dein Licht in ihre Dunkelheit leuchten und sende ihnen Menschen, die ihnen beistehen.

Wir bitten Dich für alle, die um einen lieben Menschen trauern, mit dem sie sich auch nach seinem Tod noch verbunden fühlen. Lass Dein Licht in ihre Dunkelheit leuchten und sende ihnen Menschen, die ihnen beistehen.

Wir bitten dich: Lass dein Licht an diesem Osterfest auch unser Herz ergreifen und unsere Welt erleuchten, dass wie uns als Schwestern und Brüder in Christus erkennen uns ehren, mit der Ehre, die Dir gebührt. Schenke uns allen den Mut, das Unfassbare zu glauben, damit auch wir dereinst auferstehen. Amen

Beten wir das Vaterunser.

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit

Amen

Der Friede Gottes, der all unser Verstehen übersteigt, sei ein Schutzwall und eine Wacht um eure Herzen und Gedanken, dass nichts euch trennen möge von Jesus Christus. Er umgebe euch auf eurem Weg.

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN