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Andacht zum Reformationstag 31.10.2020

Schriftwort: 5. Mose 6, 4-9

Höre, Israel, der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig. Und du sollst den HERRN, deinen Gott, liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst. Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore.

Gedanken zum Schriftwort:

Liebe Schwestern und Brüder,

Höre, Israel, der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig.“ So beginnt das Glaubensbekenntnis des Volkes Israels, das sogenannte “Sch´ma Jisrael”. “Höre, Israel, der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig. Und du sollst den Herrn, deinen Gott liebhaben von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deiner Kraft.”

Der EWIGE spricht und wir hören. ER macht sich bekannt in SEINER Einzigartigkeit bekannt. Und darauf antwortet SEIN Volk mit dem Bekenntnis, der Antwort des Herzens. Beides, das Hören und Erkennen Gottes und die menschliche Antwort darauf mit der Liebe des Herzens, gehören zusammen. Sie sind die zwei Grundpfeiler für alles jüdische und christliche Glaubensleben:

Eine Art Koordinatenkreuz aus Herz und Verstand, durch welches der Raum geöffnet wird, in dem sich alles wirkliche Leben abspielen, jeder Mensch seinen individuellen Platz finden und die Menschlichkeit sich entfalten kann. Und damit ist in diesen Worten alles enthalten, was für Juden und Christen und – ob sie es nun bekennen mögen oder nicht – für alle Menschen richtungweisend ist.

Und damit weist er uns den Weg – Hinzuhören, wo Gott sich offenbart – das kann und wird im Zusammenleben mit unserem Nächsten geschehen. Darauf kommt es für uns alle an. Denn wo wir hinhören, da ge-hören wir hin!

Ist uns das bewusst? Und wie halten wir es mit dem Bekennen? Sagen wir sie regelmäßig auf, die auswendig gelernten, guten alten Worte des Glaubensbekenntnisses in Gottesdienst und Messe? Und was macht das mit uns? Finden wir uns wieder in dieser Sprachbildern und Gedanken unserer Vorfahren im Glauben aus uralter Zeit? Oder stolpern wir regelmäßig an bestimmten Stellen? Und erst recht: Braucht es für ein Bekenntnis einen eigenen Feiertag?

Freilich ist es letztlich jeder und jedem selbst überlassen, wie er oder sie zu den für heutige Ohren mitunter schwer verdaulichen Details der überlieferten Bekenntnistexte eingestellt ist. Andererseits: Ohne Bekenntnis – Worte könnten wir uns einander nicht verständlich machen. Ein Glaube ohne Gemeinschaft und Austausch aber wäre ein reines Privatvergnügen mit sehr begrenzter Haltbarkeitsdauer. Also doch:

Reformationstag – aber was war das nochmal genau? – Was soll diese Frage, werden die Geschichtsinteressierten unter Ihnen sagen. Und die meisten anderen werden ganz weit hinten in ihrer Erinnerung vielleicht noch die passende Person finden – Martin Luther – aber viel mehr auch nicht. Das ist keine Schande, denn der Reformationstag, einst der höchste Feiertag der protestantischen Kirchen neben Ostern und Weihnachten, der Tag des Bekenntnisses zur Reform der Kirche, fristet ein Schattendasein. Sicher, staatlicher Feiertag ist er in Thüringen. Aber die Vergnügungsindustrie gibt sich seit Jahren sehr erfolgreich Mühe, ihn durch das sinnfreie „Gruselfest“ – Halloween – zu überblenden. Und was soll er auch? Was soll ein Bekenntnis bringen in der Spaßgesellschaft, in der alles austauschbar, oberflächlich und beliebig geworden ist, auch die Bekenntnisse. „Lippenbekenntnisse“ sagt man, weil die sich sowieso je nach Mode oder Einfluss ändern oder einfach gleichgesetzt werden mit Fürwahrhalten und Meinen. Was dann geschieht, wenn eindimensionales Fürwahrhalten und übers Internet verbreitete Meinungen mit Bekenntnissen verwechselt werden und in der Öffentlichkeit aufeinanderprallen, konnten wir in diesem Jahr immer wieder erleben. Jetzt, wo die Krise leider Gottes wieder an Fahrt aufnimmt, können wir uns auch in dieser Beziehung auf einiges gefasst machen.

Aber zurück zur Kirche: Mit welchem Recht, so fragen längst nicht nur außenstehende Kritiker, sollten die demokratisch denkenden und mündig handelnden Menschen unserer Tage in der Kirche noch immer durch ein verbindliches, uraltes Bekenntnis festgelegt werden dürfen? Und nicht wenige ergänzen: Kommt es denn im Glauben nicht viel mehr und letztlich einzig und allein auf die Herzenseinstellung an?

Nicht nur. Jedenfalls ganz bestimmt nicht, wenn das Wort „Herzenseinstellung“ allein ein wohliges Gefühl beschreibt. Denn das Herz ist nach schöner alter Vorstellung auch das Symbol für die „Mitte“ des Menschen. Und da sollten wir schon auch mit dem Verstand begreifen und in Worte fassen können, was uns da genau im Herzen bewegt, also genau in der Mitte unserer Person eine Resonanz hat. Für Luther war das lebensentscheidend. Er sagt es kurz und knapp: „Christus in der Mitte!“

Klare Worte, die wir alle gemeinsam unterschreiben können, unabhängig unserer konfessionellen Prägung und unserer Frömmigkeitsrichtung. „Christus in der Mitte“ – und zwar einzig ER, das ist das Bekenntnis , das uns als Christen wirklich eint – und mit dem Volk Israel geschwisterlich verbindet. Und zwar zuerst und grundlegend im Hören auf Gottes Wort. Denn wo wir hinhören, da ge-hören wir hin!

Gebet:

HERR Jesus Christus, Du bist der Weg, der uns zum Vater führt, die Wahrheit und die uns befreit. Wir bitten Dich: Nimm uns mit auf Deinem Weg durch die Zeit.

HERR, hilf uns, dass wir im Gewirr der Stimmen unserer Tage Deine Stimme heraushören können. Mach uns Mut, Deinem Wort von ganzem Herzen zu vertrauen.

HERR, steh uns bei in allen Herausforderungen und sei auch jenen nahe, die ihr Vertrauen nur in sich selbst setzen können. Stärke Du unser Vertrauen in Deine Liebe.

HERR, wir bitten Dich für unsere Gemeinden und Kirchen: Sei Du mit uns allen, dass wir den Mut und die Geduld haben hinzuhören, was die Menschen bewegt, was sie brauchen.

HERR, wir vertrauen darauf, dass unsere Welt in Deinen Händen liegt. Das allein schenkt uns Hoffnung und Zuversicht.

Amen

Beten wir das Vaterunser.

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN