Die vierzehnte Station: Der Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt

Schriftwort: 1.Petrus 3, 18 (Lehrtext des Tages)

Christus hat gelitten, ein für alle Mal um der Sünden willen, der Gerechte für die Ungerechten, damit ER euch zu Gott führe.

Gedanken zum Text:

Stille aushalten, der Trauer den Raum geben, den sie braucht, ohne sofort wieder in den Alltag einzutauchen – das ist eigentlich das Besondere an diesem Tag zwischen Karfreitag und Ostern. Damals rauschte das Pessachfest über die entsetzten und bodenlos traurigen Jünger hinweg. Heute ist dieser Tag selbst in Coronazeiten alles andere als ruhig. Von Nachdenken und Innehalten keine Spur. Dabei würde das doch so gut und so nottun, dem Nachdenken über das Zusammenleben in unserer Gesellschaft mehr Raum zu geben, mehr Zeit zu verschaffen, gerade in der gegenwärtigen Krise.

Denn nur wer innehält, wer nachdenkt, wer nicht sofort zur Tagesordnung übergeht, erahnt irgendwann die Bedeutung dessen, was mit ihm geschieht, erkennt vielleicht auch einen Sinn und kann sich neu orientieren. Das gilt für das gesellschaftliche Leben ebenso wie für den Glauben. Denn auch dieser kann in Krisen geraten. So wie der Glaube der Jünger nach der Kreuzigung Jesu. Sie und die ersten Christen müssen nachdenklichen Menschen gewesen sein. Menschen, die verstehen wollten, mehr erwarteten als das, was vor Augen war und es schließlich auch zu begreifen begannen: Der qualvolle Tod Jesu am Kreuz war kein sinnloses Ende aller ihrer Hoffnungen. Ein Apostel, der sich Jahrzehnte später auf Petrus berief, fasst ihre Erkenntnis in einem knapp gefassten Merksatz zusammen: Christus hat gelitten, ein für alle Mal um der Sünden willen, der Gerechte für die Ungerechten, damit ER euch zu Gott führe.

Da wird nichts beschönigt, nichts geleugnet: Christus hat gelitten – und zwar unschuldig. Die IHN ins Leid trieben, haben sich schuldig gemacht so wie alle, die Menschen leiden lassen. Und nicht nur das: Christus hat uns durch SEIN Leiden und Sterben hindurch einen völlig neuen Horizont eröffnet – dass wir Gottes Liebe in ihrer ganzen Größe erahnen können.

Gedanken zum Bild:

Schlusspunkt jedes Lebens – das Grab. Unser Blick wird hinein gezogen. Noch liegt der Leichnam nicht in der Felsennische, aber gleich wird es soweit sein. Dann noch den Stein davor gerollt, das Grab ordentlich geschlossen. Schnell muss es gehen, nicht nur, weil die Soldaten drängeln, sondern auch, weil nach dem Gesetz Gottes bald der Schabbat beginnt. Und da darf niemand einen Toten berühren. Vorschriften also, Regeln und Befehle, die keinerlei Rücksicht nehmen auf die Gefühle und Bedürfnisse der Trauernden. So wird die Finsternis des Grabes noch dichter. Und was ist das für ein Pessachfest, wenn die Gedanken immer wieder zum Grab wandern, in dem der Verstorbene vorerst nur abgelegt werden konnte, ohne jedes Totengedenken nach den Bräuchen seines Volkes? Tröstlich erst einmal nur, dass die Mutter und die Freunde Jesu wenigsten einen Ort haben, zu dem sie wieder kommen können um zu trauern. Nur wenigen Gekreuzigten war ein eigenes Grab vergönnt. Die meisten hingen solange am Kreuz, bis dieses zur nächsten Hinrichtung wieder gebraucht wurde. Der grausige Anblick sollte die abschreckende Wirkung der Todesstrafe erhöhen. Schlussendlich wurden die sterblichen Überreste kurzerhand irgendwo verscharrt.

Bestattungskulturen wandeln sich. Alte Rituale und Formen geraten in Vergessenheit, neue Foren werden gefunden und ausprobiert. Sehr vieles ist inzwischen möglich. Was allen gemeinsam ist oder besser sein sollte: Es braucht für die Trauernden einen Ort der Erinnerung, des Gedenkens und des langsamen Loslösens. Ohne diesen Ort leben zu müssen, verwehrt den Menschen einen wirklichen Blick nach vorn. Wie viele Frauen hofften fast ihr ganzes Leben lang, dass ihr Mann doch noch aus dem Krieg heimkehren würde oder dass sie wenigstens einmal zu seinem Grab würden reisen können – das es aber nicht gibt. Worauf hoffen wir, wenn wir einen lieben Menschen begraben müssen? Auf das ewige Leben? Auf ein Wiedersehen vielleicht? Oder auch nur, dass jetzt endlich Schluss ist mit der furchtbaren Zeit des Leidens und Sterbens? Die Antworten der Lebenden sind geprägt von ihrer ganz persönlichen Überzeugung und ihrem Glauben. Angesichts des Todes die Hoffnung zu bewahren, ist ein Geschenk.

Gebet:

HERR unser Gott, wir bitten DICH um Licht für unsere Welt, überall da, wo Finsternis regiert: Falsches sich als Wahres verbreitet, Menschen verunsichert und verängstigt werden.

HERR unser Gott, wir bitten DICH um DEIN Wort überall da, wo Menschen den Worten anderer nicht mehr vertrauen, wo Misstrauen und Neid ihre hinterhältigen Siege feiern.

HERR, unser Gott, wir bitten DICH, hilf uns DEINEN Weg zum Kreuz als Weg zum Leben zu erkennen.

HERR Jesus Christus, schenke uns den Mut, DIR zu folgen, wo DU gehst, anzuhalten, bei wem DU verweilst und in DEINEM Sinne miteinander und füreinander zu leben.

HERR Heiliger Geist, wir bitten um DEIN Erbarmen für alle Menschen, die trauern um einen lieben Angehörigen. Schenke ihnen neuen Mut und Freude am Leben.

HERR, Dreieiniger Gott, wir bitten für unsere Verstorbenen, die im Vertrauen auf DEINE Liebe gelebt haben, nimm sie auf in DEINE Herrlichkeit. Und wir bitten für uns selbst: Gehe mit uns auf unseren Wegen, HERR, was auch kommen mag.

Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN