Andacht
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Andacht zum 4. Adventssonntag

20. Dezember 2020

Schriftwort: Psalm 102, 13 -23 in Auswahl

Du aber, HERR, regierst für immer, jetzt und in allen künftigen Generationen wird man DICH ehren.

DU sollst dich aufmachen und DICH der Stadt Zion voll Erbarmen zuwenden, denn es ist an der Zeit, ihr gnädig zu sein. Ja, der Zeitpunkt dafür ist gekommen.

Aber es kommt die Zeit, in der die Völker Ehrfurcht haben werden vor dem Namen des HERRN und alle Könige der Erde vor DEINER Herrlichkeit.

Denn der HERR wird Zion wieder aufbauen und dort erscheinen in SEINER Herrlichkeit.

ER wird sich dem Gebet der Verlassenen wieder zuwenden, ihre Bitten wird ER nicht zurückweisen.

ER schaut herab aus SEINEM Heiligtum in der Höhe; ja, der HERR blickt vom Himmel auf die Erde,

um das Seufzen der Gefangenen zu hören, um die Todgeweihten zu befreien.

Und so werden sie in der Stadt Zion wieder den Namen des HERRN verkünden, SEINEN Ruhm verbreiten in Jerusalem,

wenn Völker sich dort versammeln, Menschen aus allen Königreichen, um dem HERRN zu dienen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Der vierte Adventssonntag steht im Kirchenjahr ganz im Zeichen der Vorfreude auf die nahe Ankunft des HERRN. Aber ehrlich: In diesem Jahr sind wir hin und her gerissen zwischen Vorfreude und Befürchtungen. Mittendrin in der zweiten Pandemiewelle, deren Ende noch nicht abzusehen ist, eingeengt durch die notwendigen Schutzmaßnahmen haben wir mehr Sorgen und Herausforderungen, das Fest unter diesen Bedingungen zu organisieren als dass wir uns leichten Herzens darauf freuen könnten. So manchen ist wohl eher nach klagen und murren als nach lachen und jubeln zumute. „Es wird schon gehen“, sagen die meisten, aber ohne Begeisterung. Für alle, die nicht stecken bleiben wollen im Jammer oder nicht mehr wissen, wohin mit ihrer ohnmächtigen Wut über das, was über uns hereingebrochen ist, weiß die Heilige Schrift Rat:

Ein Gebet für den Elenden, wenn er verzagt ist und seine Klage vor dem Herrn ausschüttet.“ So steht es als Überschrift im 1. Vers des Psalms 102 aus dem der Abschnitt oben entnommen ist. Beten kann der und die, die mit ihrem Schicksal hadern, die sich ungerecht behandelt fühlen oder die Last ihres Alltags kaum mehr stemmen können. Der Psalm kann helfen, Worte zu finden, die wirklich erleichtern und befreien.

Dazu beginnt der Beter des Psalms tatsächlich mit einer handfesten Klage, die er in drastischen Bildern beschreibt: „Mein Herz ist geschlagen und verdorrt wie Gras, dass ich sogar vergesse, mein Brot zu essen. Mein Gebein klebt an meiner Haut vor Heulen und Seufzen. Ich bin wie die Eule in der Einöde, wie das Käuzchen in der Ruine“, so sagt er. Und er weiß auch, wen er so tief in seine Seele schauen lässt – den HERRN selbst. Bei Gott dürfen wir klagen. ER hört es ganz bestimmt, nimmt uns nicht übel, wenn wir uns wiederholen, wenn ER unsere Gedanken schon längst kennt. Gott hört auf Klagen und hört zu, wie es uns viele biblische Geschichten erzählen.

Die Klage vor Gott auszusprechen gibt ihr eine Richtung, hilft, den Kopf wieder frei zu bekommen. Dann sieht der Beter weiter und erinnert sich, von wem er wirklich Hilfe erwarten kann: vom HERRN selbst. Und das sagt er zu Beginn unseres Abschnittes mit deutlichen Worten: „DU sollst dich aufmachen und DICH der Stadt Zion voll Erbarmen zuwenden, denn es ist an der Zeit, ihr gnädig zu sein. Ja, der Zeitpunkt dafür ist gekommen.“ Bei Gott dürfen wir nicht nur klagen, wir dürfen auch unsere ganz persönlichen Erwartungen an IHN herantragen, was wir für richtig und notwendig halten und für ganz dringend erachten. Wir dürfen ganz hartnäckig auf ihn

einreden, ihn aufwecken, ihn auffordern und ihm unsere Bitten und Wünsche ans Herz legen.

Und der Beter des Psalms ruft uns sorgenvoll Klagenden ins Gedächtnis, auf wessen Hilfe wir vertrauen können: Die Menschheitsgeschichte ist vor IHM vorbeigezogen. So viel ernsthaftes Suchen der Menschen nach Wahrheit hat ER begleitet und noch viel mehr himmelschreiende Irrtümer. Mitgelitten hat ER mit den Opfern der dauernden Kriege und Gewalttaten und so vielen Männern und Frauen den Mut geschenkt, Versöhnung und Liebe zu wagen. Entsetzt war ER über die abgrundtiefe Dummheit und Selbstgerechtigkeit mancher, erleichtert auch immer wieder über so viele in Bescheidenheit kluge und wissbegierige Menschen, die der Menschheit die Augen öffneten. Diesen unseren Gott können wir um Hilfe bitten für die Sorgen und Nöte der kurzen Zeit, die uns gegeben ist und wir dürfen gewiss sein, dass ER uns hört.

Wie sagt der Beter des Psalms?

ER schaut herab aus SEINEM Heiligtum in der Höhe; ja, der HERR blickt vom Himmel auf die Erde, um das Seufzen der Gefangenen zu hören, um die Todgeweihten zu befreien.“

Mag sein, dass SEINE Antwort ganz anders aussieht als unsere Erwartungen und SEIN Zeitplan hat bestimmt ein ganz anderes Maß als unserer, aber eines ist gewiss: Wir können uns auf SEIN Wort verlassen, dass ER uns auf den Weg durch die Zeit mitgegeben hat: „Und siehe, ICH bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Da öffnet sich unser Horizont des Denkens und Vertrauens ganz neu und wir spüren, wie ER der Vorfreude gegen alle Hemmungen und Widerstände in uns Raum verschafft. Der Vorfreude, dass SEINE Gegenwart in unserem Leben aufleuchtet in einer Begegnung, in der Erfahrung, die Krise gemeinsam gemeistert zu haben, in den vielen Initiativen, das Wort Gottes gerade jetzt zu den Menschen zu bringen. Wir dürfen Gott erwarten in unserem Leben, auch wenn es uns oft genug hin und her reißt zwischen Freude und Schmerz, Sorgen und glücklichen Zeiten. Das möchte uns der lebenserfahrene und vom Leben gezeichnete Beter des Psalms weitersagen.

Amen

Gebet:

HERR unser Gott, Du Erlöser der Welt, wir danken DIR, dass wir leben dürfen mit der Botschaft von Jesus, der uns DEIN Gesicht gezeigt hat.

HERR, unser Gott, wir bitten DICH, hilf, dass wir begreifen, wofür DEIN Herz schlägt: für die Trauernden, für die, die ihren Lebensweg voller Sorgen und Angst gehen müssen.

HERR, unser Gott, DU stehst auf der Seite derer, die sich nicht wehren können gegen die Bosheit anderer, und bei denen, die keinen Ausweg finden aus Schuld und Versagen.

HERR, unser Gott, hilf uns zu begreifen, dass bei denen, die nach DEINER Gerechtigkeit hungern, die Würde des Menschen daheim ist und hilf uns, diese Würde zu wahren in allen Herausforderungen unserer Zeit.

HERR, unser Gott, lass DEINEN Willen geschehen unter uns und auf unserer Erde – durch uns in Jesu Namen.

Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN