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Hoffnungspost der ev. Kirchgemeinde Krölpa

Liebes Gemeindemitglied und Freunde unserer Kirchengemeinde,

wir feiern Ostern. In diesem Jahr ist es ganz anders, als wir es gewöhnt sind. Hinter uns liegen Wochen, die manchen an den Rand seiner Möglichkeiten und Kraft gebracht haben. Tage und Stunden mit Bangen und Hoffen um die Nächsten, um Menschen in Krisengebieten, um Verwandte und Freunde, die nicht in nächster Umgebung sind. Und die Angst vielleicht, sich selbst anzustecken. Noch immer ist kein Ende absehbar. Täglich erhalten wir neue Meldungen, mit denen wir umgehen müssen. Und tief in uns drin ist die Sehnsucht, dass das Blatt sich wendet- dass die Situation sich wandelt und das Leben siegt. Dass es neues Leben gibt für uns und alle für die wir hoffen. Und natürlich auch für diese Erde, von der wir Anfang des Jahres noch Katastrophenmeldungen vernommen hatten.

Wir feiern Ostern- die Natur macht es uns vor – sie trotzt auch den kurzfristigen Kälte- und Wintereinbrüchen. Und sie scheint sich in der Atempause, die es auch für sie gibt in diesen Wochen, gut zu erholen. Wir Menschen hoffentlich auch. Was kann uns hilfreich und tröstlich sein in diesen Tagen? Woran können wir uns festhalten – oder auch aufrichten? Was schenkt uns Hoffnung?

Sie merken, Ostern ist viel mehr als die erwachende Natur, von der J.W. Goethe ganz poetisch schwärmt:“ Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden, belebenden Blick, im Tale grünet Hoffnungsglück. Der alte Winter in seiner Schwäche zog sich in rauhe Berge zurück…“. (in ders. Faust, Teil I). Ostern ist etwas, was mit mir und Ihnen zu tun hat, was fühlbar, spürbar- ja erfahrbar im Leben ist und auch seine Folgen hat. Es ist das Fest der Auferstehung. Es feiert die Hoffnung, dass das Leben stärker ist, als der Tod – und das allen Widrigkeiten zum Trotz. Dass der Mut größer ist, als die Angst. Eine Wahrheit, die in unserem Leben wirksam werden will.

Würden wir in der Osternacht (vom Karsamstag zum Ostersonntag)einen Gottesdienst besuchen, dann würden wir die Worte eines Apostels hören, der seine Glaubensgeschwister in schweren Zeiten (damals der Christenverfolgung im Römischen Reich) erinnern, bestärken – ja auch trösten möchte:

Halt im Gedächtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten aus dem Geschlecht Davids, nach meinem Evangelium, für welches ich leide bis dahin, dass ich gebunden bin wie ein Übeltäter, aber Gottes Wort ist nicht gebunden. … (2. Timotheus2,8-13)

Im Klartext: Erinnere dich daran, was du gehört hast von Jesus Christus, der gekreuzigt wurde, gestorben ist und begraben wurde. Dass sein Tod nicht das letzte Wort hatte – dass er auferstanden ist. Erinnere dich an die Geschichten, die du gehört hast von Menschen, die solches in ihrem ganz persönlichen Leben erfahren haben – denke zurück an das, was du selbst schon davon im eigenen Leben gespürt hast: Wie das Blatt sich plötzlich wendet. Wie du in einer Krankheit wieder Mut fassen konntest, dass es Menschen gab, denen du dein Herz ausgeschüttet hast, die einfach da waren und so zum Halt und zur Stütze wurden, dass auch dann, wenn du einen Menschen schmerzlich loslassen musstest , dein Weg doch weiter ging. Dass Menschen dir nahe waren und dich aufgefangen haben, wenn du traurig warst – selbst, wenn manches, was du dir gewünscht und ersehnt hast, nicht eintraf. Dass es Worte, Bilder und Melodien gab und gibt, die dich berührt haben, die dich auf ganz eigene Weise herausgeführt haben aus dem Kreisen der Gedanken. Das Gottes Wort eben nicht gebunden ist. Dass – im Bild gesprochen – nach der Nacht – ein neuer Morgen kam. Ostererfahrungen.

Herausfordern ist das für uns – weil es neu ist, so persönlich Ostern zu begehen. Herausfordern ist es, weil wir uns auch in Geduld üben müssen- im Miteinander – bei Begegnungen – in den Familien und in der Öffentlichkeit.

Der Apostel übt sich in Geduld, weil er weiß:

Das ist gewisslich wahr: Sind wir mit gestorben, so werden wir mit leben. Dulden wir so, werden wir mit herrschen.

Wir werden erfahren, wie sich das Blatt wendet, wie unsere Sehnsucht Hand und Fuß bekommt, wie sich das Leben – auch unseres wandelt – wie wir hervorgehen aus der Flut, durchnässt vielleicht bis auf die Haut, aber gestärkt im Inneren und in der tiefen Erfahrung, was Leben bedeutet.

Zum Zeichen dafür können Sie Ihre Osterkerze entzünden.

Ostern, alltäglich

Am Morgen

ist das Leben

wieder aufgestanden,

hat den Nachtvorhang

beiseitegeschoben

und das Licht begrüßt.

Komm, wach auf!,

sagt es munter

und reicht mir

seine Hand.

(Tina Willms- Im Glauben: Zweifel – Im Zweifel:Glauben)

Segenswunsch: Leben, das bleibt

Ich wünsche dir, dass jeder Morgen in dir Vertrauen weckt

und jeder Frühling in dir den Glauben stärkt

und jeder Anfang in dir die Hoffnung nährt

auf ein Leben, das bleibt.

Ein besonders gesegnetes Osterfest wünscht Ihnen Ihre Ute Thalmann, Pastorin


Leere Straßen, geschlossene Geschäfte und in unserem Kirchenkreis leider auch geschlossene Kirchen. Äußerlich scheint das Leben erstorben zu sein. Einzig vor den Supermärkten sind noch Autos zu sehen. Menschen kommen, um sich mit dem Nötigsten einzudecken. Daneben gibt es noch eine andere Seite: eine, die wir nicht so schnell sehen, aber immer stärker auch bemerken können: neue Start up`s (kleine Unternehmen) entwickeln sich, Internetseiten entstehen, in Blogs tauschen sich Menschen aus, sprechen über ihre Erfahrungen, ihre Gefühle, Ideen und Vorhaben. Menschen telefonieren und schreiben Briefe, bleiben im Kontakt. Neue Konzepte werden entwickelt: Menschen bieten anderen Hilfe an, setzen sich ein, kreieren für ihr Unternehmen, ihre Firma völlig neue Handlungsstrategien. Quasi „aus der Not geboren“. Einerseits um die Firma und die Angestellten zu halten, andererseits, um etwas zu tun, was not-wendig scheint im wahrsten Sinne des Wortes. Und dabei geht es nicht nur um äußere Nöte, auch darum, wie Menschen der Existenzangst begegnen und den Sorgen, die sich breit machen. „Aus der Not eine Tugend machen“ – das war ein geflügeltes Wort meiner Urgroßmutter. Auch einer schlechten Situation etwas Gutes abgewinnen- etwas positives- und sich dafür einsetzen. Als ihr jüngster Bruder, an dem sie sehr hing, krank und total geschwächt aus der Gefangenschaft heimkam, hat sie das sehr bewegt und sie stellte ihm jeden Tag einen Topf Milch ins Fenster, obgleich sie diese hätte abgeben müssen. „Sie hat mir das Leben gerettet!“ bekannte er noch Jahrzehnte später und im hohen Alter. Das verband uns und unsere Familien. „Aus der Not eine Tugend machen“ – Soziologen, Virologen und andere Forscher versuchen das gerade im Blick auf die Corokrise. Ein Blickwechsel soll helfen, Hoffnung zu schöpfen für den kräftefordernden Weg, nach dem Motto: Was werden wir (an Erfahrungen)gewonnen haben, wenn wir durch diese Krise gekommen sind?

Ja, wir spüren, wie vieles sich verändert hat- auch im Alltag. Plötzlich gibt es Freiräume, die gestaltet werden wollen, Veränderungen, die angenommen werden müssen- ja auch die Sehnsucht, dass die täglich neuen Herausforderungen endlich mal ein Ende haben mögen und doch bald ein ganz normaler, geregelter Alltag einziehen werde. Ohne Sorgen, ohne Stress mit den Kindern, die beschult und auch beschäftigt werden wollen, ohne die Frage, was ich denn heute wieder Gesundes auf den Tisch bringe und wie ich im Homeoffice meiner Arbeit nachkommen kann. Warum ich das erzähle? Weil es viele unter uns bewegt und weil wir am Beginn der Karwoche stehen, der Woche, in der wir uns an das (einsame) Leiden und Sterben Jesu erinnern und den Weg weiter wagen auf Ostern zu. Und das völlig anders als sonst: ohne Gottesdienste und Andachten, ohne Kreuzwegmeditationen und Musik- ohne Osternachtfeier in den Kirchen. Sollen wir „aus der Not eine Tugend“ machen? Manchmal fordert das unseren ganzen Mut und Einsatz, manchmal müssen wir dabei über unseren Schatten springen und etwas völlig neues ausprobieren. Eine Frau wagt es. Eine biblische Geschichte erzählt, wie sie liebevoll- verschwenderisch einem anderen begegnet, wie sie ihr Herz sprechen lässt, ihre Intuition, nicht ihren kritischen und berechnenden Verstand, der sich vielleicht auch unter uns meldet, wenn es um die Verteilung der zugesagten Millionen Zuschüsse für bedürftige Kleinunternehmer geht. Anders sie: sie kommt in das Haus des Simon, des Aussätzigen. Mitten in eine Männerrunde tritt sie, die sich um Jesus versammelt hat. Sie stört- denn Frauen waren in solchen Zusammenkünften unerwünscht. Aber sie hat ein Herzensanliegen. Einmal möchte sie diesem Jesus etwas Gutes tun für all das, was er Menschen getan hat. Ihm ganz nahe sein. Zielgerichtet geht sie auf ihn zu, es kümmert sie nicht, dass die Männer ihr nachsehen, dass sie hinter ihrem Rücken reden. Aus ihrem Gewand zieht sie ein kleines kostbares Gefäß – sie öffnet es und gießt den Inhalt über Jesu Haare: wertvolles Öl. Der ganze Raum ist erfüllt von einem betörenden Duft. Zärtlich streicht sie mit ihren Händen durch sein Haar. Und er lässt es geschehen. Was für eine Provokation! Das tut man nicht in der Öffentlichkeit! Unmut regt sich unter den Anwesenden. Jesus spürt es. Plötzlich erheben sich Stimmen: Was für eine Verschwendung! Dieses kostbare Öl hätte man meistbietend verkaufen können und der Ertrag wäre Armen zu Gute gekommen! Die Freunde von Jesus unterstützen das. Anders er selbst. „Lasst sie gewähren! Bekümmert sie nicht!“ Er hatte gemerkt, sie tut es aus ihrem Herzen – sie folgt ihrer ureigensten Intuition – ihrer Ahnung. Sie salbt Jesus zu seiner Beerdigung.

(nach Mk.14,3-9 – Predigttext zum Sonntag Palmarum, 5.04.20)

Vielleicht kennen Sie das auch. Es gibt für alles den rechten Augenblick, der anzeigt, was not-wendig- was wichtig und dran ist- wenn ich diesem Gespür folge, tritt alles andere zurück. Daran wollen wir uns erinnern lassen, nicht nur, wenn wir die Karwoche begehen und an das Leben und Sterben Jesu denken, sondern auch dann, wenn wir versuchen miteinander diese schwierigen Zeiten zu durchleben und zu gestalten. In diesem Sinne – folgen Sie Ihrer Herzspur und ihrer Intuition – dann wird aus der Not eine Tugend und noch viel mehr – Sie werden staunen, wie viel mehr unser Leben ist, wenn wir zulassen, was in uns durchbrechen und wachsen soll, nämlich, wie Gott uns geträumt hat (Dorothee Sölle).

Und vor allem bleiben Sie in allem behütet!

Über alle Entfernungen in Gedanken und im Gebet verbunden,

Ihre Ute Thalmann, Pastorin