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Wort zum Sonntag: Letzter Sonntag im Kirchenjahr – Ewigkeitssonntag, 22.11.20

Aller Prognosen zum Trotz

Wie leben? Bleibt alles anders? So das Motto der derzeitig laufenden Themenwoche. Fragen, die Menschen bewegen: Wann wird sie aufhören – die Pandemie? Gibt es überhaupt Lichtblicke? Die Nachrichten und Meldungen machen nur wenig Hoffnung. Menschen sind enttäuscht, entmutigt und nicht wenige traurig. Besonders die, die die Einschränkungen am eigenen Leib erfahren, die ihr Einkünfte und ihre Arbeit verloren haben, aber auch die, die in Krankenhäusern und Pflegeheimen derzeit wieder keine Besuche empfangen dürfen und die, die sich so hoffnungsvoll auf ein Abflauen der Infektionen im Herbst eingestellt hatten und denen es Ansporn zum Durchhalten war.

Wie leben? Das fragen sich Menschen immer wieder, die schmerzliche Situationen erfahren müssen: beim Abschied von einem lieben Menschen, beim Verlust der Heimat, in Krankheitszeiten, bei Katastrophen, unter Verfolgung und in Gefangenschaft oder eben auch während der gegenwärtigen Pandemie. Es ist nicht einfach, die rechten Worte zu finden, die Trost vermitteln, das Gefühl von Verständnis, Annahme und Geborgenheit schenken, oder eben auch die Resilienz bestärken.

Manchmal helfen Bilder und Visionen, den Prozess der Trauer, des Abschieds und der Ent – täuschung, ja auch der Veränderung, zu begleiten, weil sie offen sind und sich Menschen in ganz unterschiedlichen Erfahrungen hier einfinden und vielleicht auch etwas Hilfreiches, Bestärkendes für ihren Weg entdecken können.

Ein solches Bild begleitet Christen am Ende des Kirchenjahres, dann, wenn sie an die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen und Freunde treten- es ist ein Bild, was Menschen schon vor fast 1900 Jahren in Verfolgungszeiten im Römischen Reich hat Mut und Kraft schöpfen lassen.

Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind verschwunden. … „Sieh doch: Gottes Wohnung bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen und sie werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein. Und er wird jede Träne abwischen von ihren Augen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben, keine Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen.“… „Sieh doch: Ich mache alles neu!“ (Offenbarung des Johannes 21,1, 3b-4+5b – in einer Übertragung der Basisbibel)

Das, was derzeit belastet und schmerzt, wird nicht ewig dauern, nicht endlos sein, auch wenn mancher das vielleicht gerade so erfährt. Tränen, Tod, Trauer, Klagegeschrei und Schmerz werden ein Ende haben. Es wird Neues wachsen und entstehen: eine neue Erde und ein neuer Himmel. Nicht die Wiederherstellung vorherigen Zustände, Gewohnheiten und Gegebenheiten sind gemeint– sondern etwas völlig Neues – Unbekanntes und Unvertrautes – aber Hoffnungsvolles. Gott selbst wird unter den Menschen erfahrbar und nah sein, tröstend, heilend und bestärkend. Aller Prognosen zum Trotz haben sich Menschen vor Jahrhunderten bis heute immer wieder auf dieses Hoffnungsbild eingelassen und haben das Neue für ihr Leben und ihre Situation erfahren und annehmen können. Im Gespür, begleitet zu sein von Gott, der inmitten dessen, was unser Leben bestimmt, dennoch schöpferisch wirkt: in unseren Beziehungen, im Miteinander und auch in der Schöpfung. Selbst im Kleinen hat das Kraft geschenkt, war tröstend und ermutigend für ihren neuen, unbekannten Weg.

Möge dieses Bild auch uns bewegen, nicht aufzugeben und uns dem Neuen immer wieder zu öffnen, aller Prognosen zum Trotz.

Das wünscht

Ute Thalmann, Pastorin