Jahr 2022

Andacht zum 1. Sonntag nach Epiphanias, 9. 1.2022

Text: Hebräerbrief 11,1 (Lehrtext der Herrnhuter Losungen zum 8.1.2022)

Es ist der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.

Gedanken zum Text:

Glaube, Zuversicht, Hoffnung, Vertrauen in einem Satz, diesem Satz aus dem Hebräerbrief im Neuen Testament. Klingt das nicht wohltuend, stärkend, hilfreich in dieser Krise, die gewaltig an den Kräften zehrt? Schon längst ist sie zur Geduldsprobe geworden und inzwischen hat es den Anschein, sie hätte das Zeug zur Zerreißprobe. Da sind solche Sätze Mangelware, denn die Menschen misstrauen einander immer mehr. Angetrieben wird dieses Misstrauen durch die Angst. Die einen haben sie vor der „Genspritze“, die anderen vor den „Ungeimpften“. Ein wirkliches Gespräch zwischen beiden gibt es schon lange nicht mehr. Es bleibt bei gegenseitigen Vorwürfen und Anfeindungen. Gott sei Dank wollen das nicht alle einfach immer weiter hoch kochen lassen und bemühen sich, die Menschen wieder ins Gespräch zu bringen. Das kann natürlich nur gelingen, wenn die Leute dazu bereit sind. Dazu braucht es die Erfahrung, vom anderen ernst genommen zu werden, ausreden zu dürfen, sich weder wie ein Angeklagter vorzukommen noch wie jemand, der belehrt und überzeugt werden soll, weil er bisher „falsch“ lag und schon gar nicht wie einer, der sich für seine Gefühle schämen müsste. Das ist ein schwieriger Weg. Einige Christen aus der Region haben dazu dankenswerterweise den ersten Schritt unternommen und eine Art Flugblatt erstellt, das sich an beide Seiten wendet und um Verständnis für die jeweils andere Position wirbt. Das mag angesichts der angespannten Lage nur als ein sehr kleiner Schritt erscheinen, aber es ist ein Anfang auf dem Weg, auf dem hoffentlich bald so viele Christen wie möglich folgen werden. Denn den Glauben, die Zuversicht und die Hoffnung bringen wir mit, dass durch Gottes Liebe, auf die wir fest vertrauen, auch unter uns Menschen Vergebung und Versöhnung möglich sind. Auch wenn wir davon im Moment noch fast gar nichts sehen können.

Morgenstimmung am Pößnecker Marktplatz mit Weihnachtsbaum am 6. Januar 2022 (Dreikönigstag) Foto: Privat (J. Reichmann)

Gedanken zum Bild:

Heilige Drei Könige – Epiphaniastag – und der Baum auf dem Pößnecker Marktplatz steht noch in vollem Glanz! Was für ein schöner Anblick. Gut, dass er nicht schon „abgeräumt“ wurde wie die „Weihnachts – Deko“ in anderen Städten. Na gut, dort soll sie ja auch schon seit Mitte November (also lange vor Ewigkeitssonntag) angebracht gewesen sein, was in Pößneck ja nicht der Fall war. Liegt das daran, dass man in Pößneck, wie manche immer wieder gern behaupten, einfach „zu spät dran“ ist? Ganz im Gegenteil! Denn wir befinden uns ja mitten in der Weihnachtszeit, wie der Blick in den christlichen Kalender zweifelsfrei belegt. Der Dreikönigstag gehört sogar zum „engeren Weihnachtskreis“ und ihm folgen noch die Wochen bis zum 2. Februar, dem katholischen Feiertag „Maria Lichtmess“, an welchem die Kerzen für das Kirchenjahr geweiht werden. Auch die Evangelischen haben ökumenisch dazugelernt und betonen in ihrer überarbeiteten Gottesdienstordnung den Weihnachtskreis bis zum 2. Februar jetzt deutlich stärker. Warum ich darüber nachdenke? Weihnachten bis zum 2. Februar im Blick zu behalten, scheint mir in diesem herausfordernden Jahr 2022 eine sehr hilfreiche Idee zu sein. Daran zu denken, dass Gottes Sohn als Kind einfacher Menschen geboren wurde, die sich durchs Leben kämpfen mussten. Dass Gott unsere Lebenswege und Leidenswege in SEINEM Sohn selbst mitgemacht und durchlitten hat, damit wir wissen, ER geht mit uns und niemand kann uns aus SEINER Hand reißen, diese Gewissheit schenkt uns Mut und Kraft – nicht nur für den Alltag, sondern auch Neues zu wagen auf dem steinigen und langwierigen Weg von Vergebung und Versöhnung.

Gebet:

HERR, unser Gott, wir vertrauen darauf, dass DU uns in DEINEM Sohn Jesus Christus mit DEINER Liebe begegnest. So können wir mit unseren Gaben, in unserem Umfeld zu Boten DEINES Lichtes werden in der Dunkelheit der Angst und des Misstrauens. Schenke uns den Glauben, die Zuversicht und die Hoffnung, auf DEINEM Weg Schritte zu wagen.

HERR, unser Gott, wir bitten DICH besonders für die Ängstlichen, die Enttäuschten, die Verblendeten, für alle Stillen, nach denen niemand fragt, für alle, die sich bis zur Erschöpfung um Kranke oder Hilfsbedürftige kümmern. Und für die Familien der 255 Corona – Toten aus unserem Landkreis bitten wir DICH. Sei ihnen nahe und lass sie Trost finden in durch den Beistand lieber Mitmenschen.

HERR, unser Gott, lass uns allen DEIN Licht aufgehen, damit wir erkennen können, was uns zum Heil dient. Für die, die Verantwortung tragen in unserem Land und in der Welt, bitten wir um kluge und weitherzige Entscheidungen zum Wohle aller. Für die, die sterben, bitten wir, dass DU sie erwartest in DEINEM ewigen Reich. Die Zeichen DEINER machtvollen Liebe offenbare uns, HERR, dass wir DIR trauen und DEINEN Namen preisen.

Erbarmender Gott, erhöre uns und wecke in uns die Kräfte, die heilen und helfen in DEINEM Geist. Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN