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Andacht zum 3. Sonntag nach Trinitatis, 3.Juli 2022

Text: Johannes 7,37 (Lehrtext der Herrnhuter Losung für den 9. Juli 2022)

Jesus spricht: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!

Gedanken zum Text:

„Durststrecken“ gibt es viele im Leben – das kann jeder bestätigen, der nicht mit einem „goldenen Löffel im Mund“ geboren wurde. Doch auch die „materiell Bessergestellten“ sind nicht davor gefeit. Wir alle kennen Zeiten, in denen die Seele austrocknen kann, weil die Arbeit immer mehr wird oder die Sorgen um die Zukunft ständig wachsen und der Durst nach guten Nachrichten, nach Entlastungen und Friedensbotschaften schon so lange nicht mehr gestillt werden konnte. Wem die Seele ausdörrt, der lebt in der Gefahr, dass ihm das Herz versteinert. Was Menschen mit versteinerten Herzen anrichten können, wenn sie über Waffen oder Energieträger verfügen, das erleben wir gerade in längst vergessenem Ausmaß. Es ist aber weder ehrlich noch angebracht, mit dem Finger nur auf „die da oben“ zu zeigen. Denn die Dürre der Seelen und Herzen begegnet uns im alltäglichen Leben mehr als uns lieb sein kann –
und Vorsicht! Sie ist mindestens genauso ansteckend wie das Coronavirus. Wer durstig ist, hat meistens auch keine guten Abwehrkräfte, weil der Körper sehr empfindlich auf den Flüssigkeitsmangel reagiert. Mit der Seele verhält es sich entsprechend. So wundert es nicht, dass der Markt überschwemmt wird von Angeboten zur Stillung des Seelendurstes. Vieles soll Wunder wirken, manches ist klebrig und süß,
anderes ist so schnell durchschaut, dass es schnell langweilig wird. Ob das alles den Durst
der Seele wirklich stillen kann – nach innerem Frieden, nach Geborgenheit, nach Gerechtigkeit? Durst in diesem Sinne haben zurzeit wohl alle, die auch nur ein bisschen nachdenken über das Leben. Aber auf die Idee, mit ihrem Durst zu Jesus zu gehen, kommen zumindest in unseren Breiten nur wenige. Woran das wohl liegen mag, fragen sich die Experten und finden die verschiedensten Gründe. Vielleicht liegt das ja
aber auch daran, wie Menschen Kirche und Gemeinde heute erleben. Denn gleich im nächsten Satz nach unserem sagt Jesus im Johannesevangelium: Wer an MICH glaubt, von dem werden Ströme quellfrischen Wassers ausgehen. (Johannes 7,38, Übersetzung Jörg Zink).
Das kann uns einerseits zu denken geben und andererseits aber auch Mut machen, Gemeindeleben auch unter den gegenwärtigen Herausforderungen einladend zu gestalten.

Gedanken zum Bild:
Der Burgsee in Bad Salzungen mit Wasserfontäne und Blick auf die Stadtkirche, das Wasser
gekräuselt vom frischen Wind – wohl dem, der an diesen heißen Tagen an solch einem kühleren Plätzchen verweilen kann. Kaum zu glauben, dass die Felder und Wälder schon in der näheren Umgebung seit vielen Wochen nach Wasser schrien, hätten sie eine Stimme. „Dürre – Sommer“ ist das passende Wort, der dritte
nun schon seit 2019 und 2020. Erinnert das nicht an die „sieben fetten und die sieben dürren Jahre“ der Josefsgeschichte im 1. Buch Mose? Natürlich nicht 1:1, denn an fetten Jahren waren es bei uns deutlich mehr als sieben.
Hoffen wir, dass es nicht entsprechend viele dürre Jahre werden! Schließlich stecken wir mitten drin im „Klimawandel“, wie die Daten und Fakten belegen. Dieser Klimawandel ist nicht der erste und wird nicht der letzte sein.
Wer überleben will, muss sich anpassen, wie die Erd- und Menschheitsgeschichte zeigt – muss bereit sein, geprägte und lieb gewordene Lebensgewohnheiten und Lebensweisen infrage zu stellen, zu verändern oder gar aufzugeben und sehr viel dazu zu lernen. Werden wir das wollen und können, wo wir doch am liebsten alles zerreden, nur um uns nicht ändern zu müssen? Zumal: Einen „Masterplan“, mit dem
alle Sorgen vom Tisch wären, gibt es dafür nicht. Den kann kein Politiker und kein Welterklärer aus der Tasche ziehen. Alle entsprechenden Versuche sind krachend gescheitert oder endeten in Katastrophen. Also hilft nur noch beten?! – Das ist überhaupt die beste Idee!
Denn schließlich geht es um die Zukunft – und die ist nun einmal Gottes Reich. Da kann ER alles richten und wir fast nichts, wenn wir ehrlich sind. Das macht Hoffnung und lässt uns „gottgetrost“ leben, wie es einer der Reformatoren schon vor 500 Jahren treffend ausdrückte.

Gebet:
HERR unser Gott, in DEINEM Sohn und durch
DEINEN Geist bist DU der Grund unserer
Hoffnung, dass unser Leben einen viel weiteren
Horizont hat als den unserer alltäglichen Erfah-
rungen.


HERR, unser Gott, wir bitten DICH : Gehe uns
nach, wenn wir DICH aus dem Auge verlieren,
weil Sorgen und Kummer unseren Blick trü-
ben. Fang uns auf, wenn wir stolpern auf unse-
ren Lebenswegen und zu fallen drohen.

HERR, unser Gott, wir bitten für alle Men-
schen auf DEINER Welt, deren Heimat durch
Krieg zerstört wird, die vertrieben werden oder
fliehen müssen, die ausgebeutet und entrechtet
werden, um wenige immer reicher zu machen.

HERR, unser Gott, gib ihnen und uns Zeichen
DEINER Nähe in Menschen, die bereit sind auf
unterschiedliche Weise zu helfen, in Menschen,
die sich unermüdlich für ein friedliches Zusam-
menleben einsetzen, auch wenn sie dafür von
den Kriegstreibern und ihren Helfershelfern
verachtet oder gar verfolgt werden.

HERR, unser Gott, wir bitten für alle Men-
schen auf DEINER Welt, die die Orientierung
verlieren im Geplärr der Stimmen, die auf sie
einreden, die nur noch nach einfachen Lösun-
gen suchen. Stille ihren Durst durch DEINE
vergebende Liebe und lass sie Klarheit in DIR
finden.


HERR, unser Gott, wir bitten DICH um DEI-
NEN tröstenden Geist für alle Traurigen, für
alle Einsamen und Kranken, für alle, die vor
Kummer nicht ein noch aus wissen. Schenke
ihnen neue Hoffnung, die sie tragen kann.

HERR, unser Gott, wir bitten DICH um DEI-
NEN klärenden Geist für unsere geplagte Erde,
die immer noch ausgebeutet und verseucht
wird, um Luxus und Konsum bis zur Ver-
schwendung zu treiben. Bewahre Himmel und
Erde vor unserer Gier und unserem Leichtsinn
und hilf, dass auch wir dazu beitragen, DEINE
Schöpfung zu bewahren.

Erbarmender Gott, erhöre uns.

Amen.