Andachten

Andacht zum 5.Sonntag der Passionszeit, Judica, 3. 4. 2022

Text: Psalm 43, 5 (aus dem Psalm zur Woche)

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde IHM noch danken, dass ER meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.


Gedanken zum Text:

Der Beter des Psalms mit sich selbst im Gespräch – merkwürdig, oder? Sind Menschen, die mit sich selber reden, nicht oft auch schrullige Zeitgenossen – zumindest in den Augen der anderen? Das mag sein. Der Psalmbeter gehört jedoch nicht dazu. Denn er plappert nicht vor sich hin, sondern geht zunächst in sich. Er spürt nach, wie es seiner Seele geht, in dem, was er erlebt. Nicht einfach immer nur weitermachen, drüber weg leben, als ginge ihn das alles nichts an, aber sich auch nicht hineinsteigern in die schlimmen Nachrichten seiner Zeit. Das ist gar nicht so leicht, auch für uns heute. Was wir erleben müssen, ist alles andere als beruhigend. Wir brauchten kaum lange nachzudenken, um eine Antwort auf die Frage des Beters zu finden. Aber hat er sie auch so gemeint? Als Aufforderung, alle Beschwernisse einzeln zu benennen? Wenn es persönliche Erfahrungen sind, die die Seele bedrücken, kann das sehr hilfreich sein. Denn wenn ich weiß, was mich drückt, kann ich damit umgehen und es im besten Fall überwinden. Aber wie wir gegenwärtig erleben, gibt es Entwicklungen, die uns allen schwer auf der Seele liegen, weil sie zu keinem wirklich guten Ergebnis führen können. Sicher wird es auch eine Zeit nach diesem Krieg und nach Corona geben. Aber sicher ist auch: Wunden, Narben, Verluste, Trauer werden bleiben, nicht nur materieller Art, sondern ganz besonders in den Seelen der Menschen. Da wird viel Verständnis und Einfühlungsvermögen gefordert sein, um Halt und Hilfe geben zu können. Der Beter stellt sich die Frage aber nicht nur, um verstehen zu können. Er erinnert sich selbst daran, von wem er wirklich Hilfe erwarten kann, mit drei kurzen Worten: „Harre auf Gott;“ – so übersetzt Luther vor 500 Jahren. So redet heute niemand mehr. Das ist auch ein Verlust. Denn wir haben keinen Ersatz für dieses Wort. Es meint ein sicheres, gespanntes, positives Erwarten von Zuwendung und Hilfe. Geblieben ist davon nur eine ferne Ahnung, wenn wir es heute hören oder lesen. „Harre auf Gott; denn ich werde IHM noch danken, dass ER meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ Gott ist treu. ER geht mit durch die Zeit der Unruhe und der Sorgen, das erfuhr der Beter des Psalms und das ist auch uns zugesagt.

Foto privat (J. Reichmann)

Gedanken zum Bild:

Eine Morgenstimmung in den vergangenen sonnigen Tagen, festgehalten mit einem weiten Blick über das Land. Frühling ist die schönste Jahreszeit, hat mal jemand gesagt und ich finde, er hat recht. Die Saat keimt auf dem Feld, inzwischen hat auch die Baumblüte begonnen. Das können wir klar sehen, da wissen wir, was kommt, wenn alles gut läuft. Getreide und Früchte werden reifen. Im Herbst wird die Ernte eingeholt, wenn alles gut läuft und Gott SEINEN Segen dazu gibt. Im Hintergrund liegt ein Dorf im Morgendunst. Das können wir schon viel weniger klar sehen. Es ist weiter weg von uns und zwischen uns und dem Dorf stehen Bäume, die die Sicht zusätzlich einschränken. Ist es nicht auch so mit dem, was auf uns zukommt? Je weiter es in der Zukunft liegt, um so weniger klar sehen wir es, wenn wir ehrlich sind. Klar haben wir unsere Ideen und Pläne, aber oft kommt es ganz anders als gedacht. Das kann wohl jeder Mensch bestätigen, der einmal über´s Leben nachdenkt. Ein Blickpunkt ist allerdings in diesem fernen Ort im Morgendunst deutlich zu erkennen: der Kirchturm. Er gibt dem Auge Orientierung und wer ganz genau hinschaut, kann an seiner Gestalt und Lage sogar erkennen, um welches Dorf es sich handelt. Muss aber nicht sein, denn viel wichtiger ist: Der Kirchturm zeigt allen, dass der liebe Gott auch in diesem Dorf „zuhause“ ist – oder, um in dem Zukunftsbild zu sprechen: ER auch in dem zu finden sein wird, was auf uns zukommt – an Gutem und Friedlichem, an Beruhigendem, ganz besonders auch in den bedrückenden Tagen. Wir dürfen es sicher, gespannt und positiv erwarten, eben auf IHN harren.

Gebet:

HERR, unser Gott, himmlischer Vater, wir leben in bedrückenden Zeiten. Die Nachrichten setzen uns zu, die Folgen des Krieges spüren wir immer deutlicher, die Fragen nach der Zukunft werden ängstlicher. Hilf, dass der Krieg bald beendet wird, segne die Verhandlungen der Unterhändler.

HERR, Jesus Christus, DU bist den Weg des Leidens gegangen. DU hast am eigenen Leib erlitten, wie grausam Menschen sein können. DU hast DEIN Leben gegeben, damit wir leben können. Mache uns bereit, DIR auf dem Weg der Liebe zu folgen und zu tun, was wir können, um füreinander da zu sein. Segne alle, die Menschen in Not Beistand leisten, auf welche Weise auch immer.

HERR, Heiliger Geist, Lüge und Ungerechtigkeit begleiten das Morden und Brandschatzen auch in diesem unseligen Krieg. Stärke den Mut all derer, die sich der Wahrheit und Gerechtigkeit verpflichtet haben und bereit sind, die Verfolgung zu ertragen.

HERR, Dreieiniger Gott, verändere das Denken und Handeln derer, die in dieser Welt verblendet sind von Macht und Habgier und schenke allen, die Verantwortung tragen, den Mut, sich einzusetzen für Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Trockne die Tränen, vertreibe die Angst, wandle den Hass in Verständnis und gegenseitige Achtung. Eröffne uns allen DEINE Zukunft. Schenke uns DEIN Erbarmen, dass durch uns Menschen aufatmen können. Zeige uns, wo DU uns brauchst. Schenke uns Geduld und Ausdauer, Verständnis und Kraft.

Erbarmender Gott, lass DEIN Licht des Lebens leuchten, dass es hell werde um uns und durch uns im Vertrauen auf DEINE Liebe.

Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN