Jahr 2022

Andacht zumSonntag Jubilate,8. 5. 2022 (Tag der Befreiung vom Faschismus)

Text: Jesaja 42, 16 (Herrnhuter Losung zum 8. Mai, Sonntag Jubilate)

Gott spricht: Die Blinden will ICH auf dem Wege leiten, den sie nicht wissen; ICH will sie führen auf den Steigen, die sie nicht kennen.

Gedanken zum Text:

Seien wir ehrlich: Wer von uns könnte behaupten, in den besorgniserregenden Entwicklungen unserer Gegenwart noch den Durchblick zu haben? Den vernünftigen Menschen scheint klar zu sein, dass es um Schadensbegrenzung gehen muss. Aber auf welchem Weg? Die einen wollen mehr und mehr Waffen liefern und argumentieren mit dem Selbstverteidigungsrecht. Aber Waffen sind ausschließlich zum Töten und Zerstören da. Die anderen wollen Frieden schaffen ohne Waffen und berufen sich unter anderem auch auf Jesus. Nur ist der Weg der Gewaltlosigkeit der allerschwerste, um zum Frieden zu kommen. Denn er setzt bei allen, die ihn gehen, eine außerordentliche Leidensbereitschaft voraus, für die sich jeder ganz persönlich entscheiden muss. Wieder andere meinen, es wäre sofort Frieden, wenn die Kriegstreiber in die erste Reihe gestellt würden. Die Geschichte lehrt anderes: Noch vor etwa 200 Jahren ritt Kaiser Napoleon seinen kriegerischen Truppen durch ganz Europa voran. So verschieden die Gedanken auch sind, niemand weiß wirklich, in welche Richtung wir im Moment laufen und welche Fallstricke und Hindernisse noch auf uns lauern. Aber ist das nicht eigentlich immer so? Die Gegenwart leben wir, die Vergangenheit tragen wir mit uns, aber die Zukunft ist ungewiss. Meist wird uns nur in Krisen wie jetzt bewusst, dass wir uns Schritt für Schritt vorwärts tasten wie Blinde. Aber blind möchte niemand sein und auch nicht so genannt werden. Denn Blinde brauchen Hilfe – und wer gesteht das schon gern ein? Da halte ich mich doch lieber fest an dem, was ich sehen, oder besser noch zählen kann. Alles andere kann ich ausblenden. Auch Sehende können blind sein für das, worauf es wirklich ankommt, für den Weg, der zum Leben führt. Aber das heißt nicht, dass der HERR uns vor die Wand laufen lässt. Das hat ER SEINEM Volk zugesagt und SEIN Wort bis heute gehalten. Durch Jesus dürfen wir darauf vertrauen, dass SEINE Zusage auch uns gilt, auch wenn wir Wege und Steige nicht wissen und kennen und uns mitunter so hilflos wie Blinde fühlen.

Foto privat (J. Reichmann)

Gedanken zum Bild:

„Jubilate“ – „Jubelt, jubiliert!“ – so heißt der dritte Sonntag nach Ostern, der die Schönheit der Schöpfung Gottes in besonderer Weise in den Blick nimmt. Denn von Ostern her strahlt das Licht der Liebe Gottes ins Leben hinein und hilft uns, sie wahrzunehmen. Aber wie „jubiliert“ man denn eigentlich? Das ist doch viel mehr als einfach nur kurz zur Kenntnis nehmen und lächeln. Die Schöpfung Gottes macht es uns in unübertrefflicher und unnachahmlicher Weise vor im vielstimmigen und dennoch immer harmonischen Gesang der Vögel am Morgen, im frischen Grün in seinen ungezählten Abstufungen und auch in den prachtvollen Blüten des Rhododendrons. Wir Menschen tun uns dagegen in der Regel schwer mit dem Jubilieren, zumindest wir im emotional eher kühlen Mitteleuropa. Da lassen wir selbst unseren positiven Gefühlen nur in geschützten Räumen freien Lauf – zum Beispiel im Fußballstadion oder anderen Sportveranstaltungen. Da darf schon mal vor Freude getanzt, gesungen und geweint werden, wenn die eigene Mannschaft gewinnt. Da kommt es nicht auf den richtigen Ton oder die angemessene Lautstärke an, sondern darauf, dass alle mitmachen, die dazu gehören. Leistungen von Menschen werden bejubelt und das ist auch gut so. Der Jubel beflügelt die Seele, vertreibt den Frust und schenkt Energie für die Tage danach. Denn immer nur zu jubilieren, das hält keiner durch. Aber mal einen Sonntag im Jahr, das müsste doch zu machen sein, oder? Zumal die „Leistung“ des Schöpfers unvergleichlich ist und wir selbst sogar dazugehören.

Gebet:

HERR, unser Gott, wir danken DIR für die Schönheit und die Großartigkeit DEINER Schöpfung, für das Geschenk des Lebens und für DEIN Wort, das uns Halt gibt und leitet.

HERR, unser Gott, DU weißt, worunter wir leiden, kennst, was uns ratlos macht, auch wenn wir keine Worte mehr dafür finden. Schenke uns DEIN Licht, das das Dunkel dort erhellt, wo wir nicht weiter wissen und zu schwach sind, damit wir Vertrauen fassen können in DEINE Verheißung und hoffen auf DEINE Zukunft.

HERR, unser Gott, wir bitten DICH für die Opfer aller Kriege unserer Welt, für die, die keiner mehr hört, die Verbitterten und Verstörten, derer sich niemand mehr annimmt, für die, die wie blind durch ihr Leben gehen und keinen außer sich selbst mehr sehen.

HERR, unser Gott, wir bitten für die Arglosen und die Naiven, die an der Kompliziertheit unserer Welt scheitern und nur noch den Erklärern mit den einfachen Antworten zuhören. Hilf, dass sie erkennen, wenn ihnen ein Hinterhalt droht.

HERR, unser Gott, hilf uns, DEINEM Auftrag gerecht zu werden, DEINE gute Schöpfung zu bewahren und in allem Entscheidungen zu treffen, dass das Leben atmen und blühen und gedeihen kann.

HERR unser Gott, wir leben von DEINER Güte und Liebe. Führe uns DEINEN Weg und eröffne uns DEINE Zukunft.

Erbarmender Gott, lass DEIN Licht des Lebens leuchten, dass es hell werde um uns und durch uns im Vertrauen auf DEINE Liebe.

Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN