Jahr 2022

Andacht zum 3. Sonntag nach Epiphanias, 23. 1.2022

Text: Jesaja 9, 4 (Losung vom 22.1.2022)

Jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.


Gedanken zum Text:

Manche sagen, die Kirche solle nicht politisch sein. Aber als Christenmenschen leben wir mitten in der Gesellschaft, mit offenen Augen und unseren Gedanken zum Zeitgeschehen. So kann ich nicht wegsehen, wenn mich mitten in der Woche am Zeitungsladen die Schlagzeile der beliebtesten Tageszeitung anschreit: „NATO – Chef spricht von Krieg!“ Auch wenn dieses Blatt für seine oft reißerischen Aufmacher bekannt ist – ich bin zutiefst erschrocken. Und ich frage mich, wie weit der Grenzkonflikt ganz im Osten Europas mitten im 21. Jahrhundert allen Ernstes noch getrieben werden soll? Was wollen die Verantwortlichen damit erreichen? Ich verstehe das alles nicht. Haben wir nicht schon genug Krisen von weltweitem Ausmaß? Bei der Pandemie steht ja zu hoffen, dass wir sie nach Meinung der Wissenschaft in einiger Zeit überwunden haben werden. Aber momentan sind wir noch nicht über den Berg. Und der Klimawandel mit all seinen kaum absehbaren Folgen? Was braucht es da noch einen Krieg? Das fragen sich bestimmt immer mehr Menschen in Europa. Aber bringen sie es auch zum Ausdruck, demonstrieren sie für eine friedliche Lösung des Konflikts? Kann sein, ich habe etwas verpasst, aber mitbekommen habe ich darüber bisher nichts. Ich finde, eine Demonstration muss es auch nicht sein. Denn da gibt es im Moment eine wahre Inflation. Besser und am Ende wirkmächtiger ist es, wenn Kirche und Gemeinden wieder klar und deutlich für den Frieden beten. Ob das als eigenständiges Friedensgebet durchgeführt wird oder in den Fürbitten des Sonntagsgottesdienstes, ob im Hauskreis oder im persönlichen Gebet, bleibt unbenommen. Wichtig ist nur, dass es geschieht, und zwar ernsthaft und nachdrücklich. Denn der HERR des Lebens ist der Einzige, der die engen Grenzen menschlicher Machtspiele wirklich sprengen kann. „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!“ – so stand es vor Jahren auf Aufklebern vieler Autos von Christenmenschen zu lesen. Der Prophet Jesaja sagt es viel bildhafter und drastischer: „Jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.“ Kaum zu glauben, dass diese Verheißung schon 2500 Jahre alt ist. Denn sie ist auch heute noch ein Zukunftswort, das Mut macht, dem EWIGEN in den Ohren zu liegen, es endlich wahr werden zu lassen.

Foto: Privat (J. Reichmann)

Gedanken zum Bild:

Was für ein friedliches Bild: Ein Eichelhäher holt sich einen Leckerbissen am Futterplatz. Er wird sich satt fressen und nimmt sich ganz in Ruhe die Zeit dazu. Die anderen, kleineren Vögel sind allerdings alle davon geflogen, als er auf dem Ast neben der Röhre landete. Nur ganz wenige, freche Kohlmeisen werden bald versuchen, an der Gegenseite her ein Korn des lockenden Futters zu erwischen. Der Häher wird sie alle weg scheuchen, auch wenn jede Meise mit nur einer halben Erdnuss zufrieden ist und er niemals alle vorhandenen Körner fressen kann. Im Tierreich gilt nun einmal ausschließlich das Recht des Stärkeren mit allen Folgen: Futterneid und Streitbarkeit, Machtdemonstrationen, Drohgebärden und wenn es sein muss eben auch den Einsatz von Waffen, wenn man den Schnabel mal als eine solche ansehen will. Das geschieht besonders dann, wenn die Lebensbedingungen enger werden, krisenhaft – also zum Beispiel auch im Winter. Dass wir Menschen oft unbewusst in solche Verhaltensweisen zurückfallen, zeigt, wie nahe wir in diesem Punkt dem Tierreich sind. Eigentlich müssten wir es besser wissen und eigentlich können wir auch anders. Aber das durchzuhalten, auch in schwierigen Zeiten, fällt so unglaublich schwer, kostet Kraft und vor allem Geduld mit mir selbst und mit den anderen. Denn niemand kann über seinen Schatten springen. Mir helfen da immer wieder gute Worte, manchmal aus der Bibel und manchmal auch von weisen Menschen. Eines davon stand mal als Grafitto an einer Wand und ist sogar als Lebensorientierung geeignet: „Mach es wie Gott – werde Mensch!“

Gebet:

HERR, unser Gott, DU Schöpfer des Lebens, himmlischer Vater, wir danken DIR für alles, was das Leben schön macht und froh, für die kleinen Wunder der Freundlichkeit und für die Hoffnung, die uns durch die Zeit trägt.

HERR, unser Gott, wir bitten DICH um Vernunft und Weitsicht aller Menschen, die Macht haben und Verantwortung tragen – vor allem in dem Konflikt im Osten Europas, der zur Bedrohung des Friedens entgleisen kann. Lass sie Wege einer friedlichen Lösung zum Wohle aller suchen und finden.

HERR, unser Gott, schenke uns durch DEINEN Heiligen Geist, dass auch durch unser Tun und Reden sich DEINE Quellen erschließen für alle, die Halt suchen und Ziele, für die es sich zu leben lohnt.

HERR, unser Gott, stehe denen bei, die weinen, ratlos verstummen und leiden an ihrer Einsamkeit, die vom Leben nichts mehr erwarten, von Angst gejagt oder bedrückt werden, dass sie Zutrauen in DEINE Liebe finden können.

Erbarmender Gott, lass DEIN Licht des Lebens leuchten, schenke DEINEN Geist allen, die Verantwortung tragen und Entscheidungen fällen, dass es hell werde um uns und durch uns im Vertrauen auf DEINE Liebe.

Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN