Jahr 2022

Andacht zum 4. Sonntag vor der Passionszeit, 6. 2. 2022

Text: Epheser 4, 26 (Monatsspruch Februar 2022)

Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.


Gedanken zum Text:

Jahreslosung, Monatssprüche, Wochensprüche, Tageslosung – sie alle sind biblische Worte, die uns zur Besinnung und zum Nachdenken anregen wollen. Nicht immer ergibt sich der Bezug zu unserer Lebenswirklichkeit auf den ersten Blick. Beim Monatsspruch für den Februar 2022 ist das anders. Wer einmal die „Atmosphäre“ bei den derzeitigen „Montagsspaziergängen“ erlebte, weiß, wovon ich spreche. Gott sei Dank, die allermeisten Spaziergänger geben ihre Ansichten friedlich kund und haben überhaupt kein Interesse an Gewalt oder Eskalation. Aber es gibt sie eben auch, die Scharfmacher, die mit ohrenbetäubenden Trillerpfeifen, heulenden Handsirenen und martialischem Gebrüll ihren zornigen Gefühlen freien Lauf lassen. Aber es sind nicht immer nur die anderen, die der Zorn packt. Das kann jedem passieren und passiert jedem auch, ganz sicher. Niemand ist davor gefeit. Davon spricht auch der Schreiber des Epheserbriefes. Er sagt nicht: Zürnt nicht! – weil das eine unrealistische Forderung an die Christengemeinde und erst recht an den einzelnen Christenmenschen wäre. Auch der Zorn muss raus, braucht ein Ventil. Dampf ablassen muss sein, sonst platzt irgendwann der Kessel – und dann trifft es meist die völlig Unschuldigen. Aber der Apostel sagt: Zürnt ihr, so sündigt nicht; will sagen: Lasst den Zorn nicht Herr werden über euch! Denn nicht nur die Liebe, auch der Zorn kann die Gedanken eines Menschen benebeln und das Herz berauschen, so dass er nicht mehr überlegt, was er tut. Der Zorn hat eine gewaltige Kraft, die Menschen auseinander treiben kann – Freunde, Familien, Kollegien, gesellschaftliche Gruppen. Manchmal reden sie nicht mehr miteinander, sind nachtragend, oft machen sie sich gegenseitig das Leben schwer oder gar zur Hölle. Am Ende bleibt nur Verbitterung auf allen Seiten.

Zeichnung J. Reichmann

Der Zorn also braucht ein Ventil, aber auch einen Rahmen. Ich finde den Vorschlag des Apostels sehr gut: „lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.“ Spätestensabends wieder „runterzukommen“, das hilft. Am besten im Gebet alles dem HERRN hinlegen, was mich geärgert, zornig gemacht und aufgeregt hat. ER ist die beste Adresse dafür. Denn ER wandelt am Ende in Segen, wo wir nur rot sehen. Darauf vertraue ich, auch im Hinblick auf die Krise.

Foto privat (J. Reichmann )

Gedanken zum Bild:

Das nasskalte Wetter drückt zusätzlich auf die angespannte Stimmung in diesen Wochen. Wenn es wenigsten „richtig“ Winter wäre mit Schnee, Sonne, klarer Luft und Kälte – aber nein, wochenlang dieses „Schnuddelwetter“, wie die Leute von der Küste es nennen. Die Sehnsucht nach dem Frühling wächst nahezu täglich. Na gut, die Winterferien beginnen demnächst und viele werden, wenn es denn möglich sein wird, noch einmal den Winter in schneesicheren Gebieten genießen wollen. Aber spätestens danach bitte schön sollder Frühling nicht mehr auf sich warten lassen. Schließlich schickt er schon jetzt seine Vorboten: Winterlinge und Schneeglöckchen, Haselstrauch und Zaubernuss. Deren Blütenstände leuchten selbst bei wolkigem Wetter so sonnengelb, das es eine Freude ist – und wieder ein Grund, dem Schöpfer zu danken.

Gebet:

HERR, unser Gott, DU Schöpfer des Lebens, himmlischer Vater, wir danken DIR für die Schönheit DEINER Schöpfung und für alle Zeichen der Hoffnung in schwierigen Zeiten, dass DU ein gutes Wort für uns hast und uns nahe bist.

HERR, unser Gott, unsere verwirrte Welt sehnt sich nach DEINEM Heil, das DU uns verheißen hast. DU allein kannst uns Zukunft schenken. Wir bitten DICH darum, bewahre uns vor falscher Hoffnung, jähem Zorn und giftiger Verbitterung.

HERR, unser Gott, schenke uns das Licht DEINER Liebe für unseren Weg durch die Zeit. Halte die Ängstlichen, ermutige die Tüchtigen, bewahre die Fröhlichen und vergib den Schuldigen. Den Ohnmächtigen schenke Zuversicht, den Mächtigen Verstand und Herz.

HERR, unser Gott, hilf uns stark zu sein, um Traurigen und Verzagten beizustehen, Tränen zu trocknen den Weinenden und eine Stimme zu geben denen, die verstummen im Geschrei der anderen.

HERR, komm mit DEINER Liebe und DEINEM Licht auch in unsere Art und Weise miteinander zu reden, erleuchte unsere Gedanken, dass wir bei der Wahrheit bleiben und auf DEINEM Weg. Wehre dem Hochmut und den schnellen, harten Urteilen.

Erbarmender Gott, lass DEIN Licht des Lebens leuchten, dass es hell werde um uns und durch uns im Vertrauen auf DEINE Liebe.

Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN