Andachten 2022

Andacht zum 8. Sonntag nach Trinitatis,

7. 8.2022

Text: Jesaja 43,2 (Herrnhuter Losung zum 10.8.2022)

Gott spricht zu SEINEM Volk: Wenn du durch Wasser gehst, will ICH bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen.

Gedanken zum Text:

„Geld regiert die Welt“, sagt man so dahin in Friedenszeiten. Was das konkret bedeutet in einer echten Krise, das spüren wir jetzt. Dann schießen sie aus der Deckung, die Leute, die gnadenlos die Krise für sich ausnutzen, um immer noch reicher zu werden. Klar, dass dann nicht wenige auf dieser Welle mitschwimmen wollen. Manche verkaufen Nachrichten, ein sehr gutes Geschäft im Moment. Aber dennoch braucht es Aufreger, denn das Interesse der Menschen verpufft schnell. Nur „Drama“ zieht, zum Beispiel Horrorszenarien für den kommenden Winter zu verbreiten, die die Ängste der Menschen befeuern. Kein Wunder, dass uns die starken Bilder dieses Gotteswortes direkt ansprechen – vom Wasser, das bis zum Hals steht, vom Strom, der einen mitzureißen droht und gleichzeitig Feuer an allen Ecken der Welt. Was für ein Fest für Panikmacher aller Art! Die gab es schon immer, sicher auch damals im Volk Israel, nach der Katastrophe, als alles für immer verloren schien. Ihr Einfluss wuchs ständig. Denn da war kein Mensch, der einen sicheren Ausweg wusste, einen einfachen Plan anzubieten gehabt hätte. Kein Wunder, denn mit so vielen und so grundlegenden Veränderungen hatte ja auch niemand rechnen können. In solch einer Lage kann man sich nur Schritt für Schritt voran tasten, muss mit Kompromissen leben und auf Rückschläge gefasst sein. Das war damals für Israel kaum anders als für uns heute – ohne Zweifel eine kraftraubende Zeit für alle. Wie heute hat es damals auch einige gegeben, die sich fragten, was Gott wohl zu dem Ganzen sagen würde. Sie werden ebenfalls nicht in der Mehrheit gewesen sein. Aber sie hörten genau hin, als Jesaja ihnen das Gotteswort sagte und schrieben es für alle folgenden Generationen auf, die in ihren Sorgen und Nöten nicht weiter wissen: Wenn du durch Wasser gehst, will ICH bei dir sein, und wenn du durch Ströme gehst, sollen sie dich nicht ersäufen. Wenn du ins Feuer gehst, wirst du nicht brennen, und die Flamme wird dich nicht versengen. Dass der HERR zu SEINEM Wort steht, zeigt uns die Geschichte SEINES Volkes, mit dem wir durch Jesus geschwisterlich verbunden sind, durch alle Zeiten hindurch.

Bach Griebse bei Pößneck

Foto: Privat (J. Reichmann)

Gedanken zum Bild:

Von wegen „Wasser bis zum Hals“ oder gar „Ströme, die einen mitreißen können“ – davon war in unserer Gegend seit Monaten nichts zu bemerken. Im Gegenteil: Inzwischen müssen wir von einem Dürrejahr sprechen, in dem die Wasserknappheit unübersehbar ist. Bäche und kleinere Flüsse fallen ganz oder teilweise trocken. Die Vegetation leidet wie lange nicht. Ernteausfälle sind unvermeidlich. Die Ereignisse sprechen eine deutliche Sprache: Wir sind bereits mitten drin im Klimawandel – heraus aus der Zwischenkaltzeit, zurück in die Warmzeit, sagen Experten. Die Anpassung daran wird uns viel abverlangen, auch weil uns nicht viel Zeit bleibt. Dennoch werden wir es Schritt für Schritt neu lernen müssen. Denn die letzten Menschen, die sich mit den Lebensbedingungen in der Warmzeit unserer Breiten wirklich auskannten, können uns keine Hilfe sein. Sie sind vor gut 550 Jahren gestorben und haben ihr Wissen mit ins Grab genommen. Ihren Glauben, ihr Vertrauen in die Liebe Gottes allerdings nicht – den haben sie uns überliefert, zu spüren in den vielen erhaltenen Kirchen aus jener Zeit. Dort kamen sie zusammen, um neu Kraft und Mut zu schöpfen für die Herausforderungen ihres anstrengenden Alltags. Sie kamen, um sich zu vergewissern, dass es nur einen HERRN und Heiland gibt, der durch die Zeiten führt, die uns oft alles abverlangen. Dass sie dabei auch der Versuchung erlagen, für die Ursache alles Schweren und Bedrückenden eine einfache Antwort zu finden und diese als Strafe Gottes bezeichneten, müssen wir ihnen nachsehen. Denn die wenigsten von ihnen konnten selbst in der Bibel lesen. Das ist seit der Reformation und bis heute Gott sei Dank anders.