Andachten

Andacht für die 2. Woche nach Ostern, 11. bis 17. April 2021

Schriftwort: Esra 6,22 (Losung von Mittwoch, dem 14. April)

Der HERR hatte sie fröhlich gemacht.

Gedanken zum Text

Ein kurzer Satz aus einem weitgehend unbekannten biblischen Buch begegnet uns in dieser Woche in den Herrnhuter Losungen. Ein Satz, über den wir stolpern. Zum einen scheint er so gar nicht in unsere gegenwärtige Situation zu passen. Denn ehrlich: Wer findet noch fröhlich, was uns seit über einem Jahr in Atem hält? Da kenne ich niemanden. Und zum anderen hängt dieser kurze Satz quasi in der Luft. Sein Hintergrund fehlt uns völlig und so fällt es uns schwer, ihn für uns zu hören.

Dabei könnten wir, wenn wir ihm nachgingen, wie durch ein Fenster in eine Zeit und zu einem Ereignis schauen, das auch uns heute viel zu sagen hat: Wir sehen das Volk Israel vor uns. Genauer: Den Rest des Volkes, der aus der siebzigjährigen (!) Verbannung in Babylon in die alte Heimat zurückgekehrt ist. Die Urenkel derer, die einst verschleppt wurden, stehen vor den Trümmern der Stadt Jerusalem, müssen in ihnen hausen und gleichzeitig den Wiederaufbau meistern. Das kann nur gelingen, wenn sie sich einig sind. Und Einigkeit kann nur über das Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen, das im Glauben an den einen Gott begründet ist. Also bauen sie auch den Tempel wieder auf. Eine Herausforderung, die ihre Kräfte aufs Äußerste in Anspruch nimmt und am Ende gegen alle Widerstände auch gelingt. Der Höhepunkt ist das erste feierliche und frohe Pessachfest im wieder aufgebauten Tempel, Erinnerung an die Befreiung des Volkes durch Gott aus der ägyptischen Sklaverei und jetzt natürlich auch aus der babylonischen Verbannung.

Der HERR hatte sie fröhlich gemacht. Der HERR hatte sie über die lange Zeit der Verbannung bewahrt und ihnen beigestanden in der schweren Zeit danach. Das Entscheidende war, dass sie trotz allem Leid und aller Schwierigkeiten festhielten am Glauben. Kann uns das nicht auch Zuversicht und Hoffnung geben in unserer Situation?

Foto: J. Reichmann

Gedanken zum Bild:

Blühende Christrosen im Sonnenschein, Vorboten des Frühlings in diesem Jahr. Christrosen werden sie genannt, weil in manchen Jahren die ersten Blüten sogar schon um Weihnachten herum zu sehen sind. Diese Aufnahme entstand kurz vor dem Osterfest. Auch ein schönes Symbol, dachte ich, dass zu diesem Zeitpunkt die Christrosen blühen. Gerade in diesem Jahr, in dem wir uns so nach Farben und Abwechslung und Lebendigkeit sehnen. Ja, wer sich umschaut in der nun immer stärker erwachende Schöpfung, kann fröhlich werden und aus ganzem Herzen sagen: Der HERR hatte sie fröhlich gemacht. Gut ist, wenn uns dieser Blick im allgemeinen Betrieb und der sich ziehenden Geduldsprobe der Pandemie erhalten bleibt. Auch das ist eine Gnade und Grund zum Danken.

Gebet:

HERR, unser Gott, DU Gott des Lebens, DU hast DEINEN Sohn Jesus Christus auferweckt, damit auch wir leben. Wir bitten DICH: Lass uns den Sieg des Lebens wahrnehmen und spüren.

HERR, DU Gott des Lebens, wir bitten DICH: Schenke uns wache Augen, damit wir die Spuren DEINER Liebe auch in unserem Leben entdecken.

HERR, DU Gott des Lebens, schenke uns Mut und Kraft, damit wir mit unseren Möglichkeiten dazu beitragen können, das Leben zu schützen und zu bewahren.

HERR, DU Gott des Lebens, weite unseren Horizont, dass wir DEINE Gnade erkennen in jedem Brot, das wir essen und in jedem Menschen, der mit uns das Leben teilt.

Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN