Andachten

Andacht zum Drittletzten Sonntag im Kirchenjahr, 7. November 2021

Text: 2. Thessalonicherbrief, 3,5 (Monatsspruch November 2021)

Der HERR aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus.

Gedanken zum Text:

Der November hat begonnen. Die Zeit wurde auf die „MEZ“ – die „Mitteleuropäische Zeit“ zurückgestellt. Viele Menschen gehen früh jetzt im Halbdunkel zur Arbeit und kommen erst wieder im Dunkeln nach Hause. Draußen ist es ungemütlich nasskalt und noch nicht einmal die Adventsbeleuchtung verbreitet eine herzige Stimmung. Der November wäre der Monat zum Trübsal blasen – wenn da nicht jene Fürbitte aus einem der jüngsten Briefe des Neuen Testaments zu hören wäre, der uns davor bewahrt: Der HERR aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus. Wir dürfen uns angesprochen fühlen, denn der Schreiber des Briefes erinnert uns: Eine Erweiterung unseres Horizontes für Kopf und Herz ist ein Gottesgeschenk. Wir sehen meist nur das, was wir direkt vor Augen haben, was wir mit unserem begrenzten Verstand erfassen und was wir mit unserer bescheidenen Vorstellungskraft zustande bekommen. Nur der HERR selbst vermag unsere Herzen zu weiten, indem ER sie auf SEINE Liebe „ausrichtet“. Manche behaupten, sie könnten das selbst. Aber dann wird der Glaube zur „Leistung“ und dann ist es nur noch ein winziger Schritt, zwischen „echten“ und „lauen“ Christen zu unterscheiden – wobei klar ist, auf welcher Seite sich die Unterscheider selber wähnen. Nehmen wir das Geschenk aus Gottes Händen jedoch dankbar an, dann können wir die Spuren SEINER Liebe auch in diesen trüben Novembertagen in unsrem Leben entdecken. Mehr noch: Wir können von SEINER Liebe weitergeben mit unseren Möglichkeiten an unsere Mitmenschen. Probieren wir es aus, dann stellen wir schnell fest: Sogar der November kann deutlich heller werden. Und vor allem: Es gibt Licht am Ende des Tunnels – denn wir warten ja auf die Ankunft Christi, auf Latein: den Advent. Dass der mehr ist als Schmusestimmung und Einkaufsrausch, daran kann uns auch nur der HERR selbst immer wieder erinnern. Denn wer kann dem Trubel und den hoch gedrehten Ansprüchen unserer Konsumwelt als „normaler“ Mensch wirklich auf Dauer widerstehen?

Gedanken zum Bild:

Am 1. November feiern die römisch – katholischen Christen das Allerheiligen – Fest, das in unserer Gegend noch mehr als das Reformationsfest am Tag davor im Schatten des bestens vermarkteten „Halloween“ – Importes steht. Die evangelische Kirche wollte über lange Zeit hin nichts mit der Heiligenverehrung zu tun haben. Umso erstaunlicher ist es, dass vor gut 140 Jahren sich doch ein Heiligenbild in die lutherische Stadtkirche von Pößneck „eingeschlichen“ hat: In einem der Seitenfenster des Chores findet sich ein recht kleines Medaillon mit der Darstellung des Heiligen Mauritius – allerdings dem damaligen Zeitgeschmack angepasst als hellhäutiger, jugendlicher römischer Krieger. Dabei stammte Mauritius sehr wahrscheinlich aus Ägypten oder sogar dem Sudan, weshalb er im Mittelalter oft als dunkelhäutiger Ritter dargestellt wurde. In der Pößnecker Stadtkirche taucht er auf, weil man zu dieser Zeit in Zusammenhang mit der Figur auf dem Marktbrunnen annahm, dass die Kirche eine „Mauritius“ – Kirche sei. Erst einige Zeit später ergaben gründliche Nachforschungen, dass dem nicht so ist, sondern dass der Patron der Stadtkirche im Mittelalter der Heilige Bartholomäus als Schutzheiliger der Gerber war. Sei es drum: Mauritius im Fensterbild steht der lutherischen Stadtkirche gut zu Gesicht. Denn er erinnert als Märtyrer des Glaubens alle Christen daran, dass es auch heute noch in vielen Ländern Menschen christlichen Glaubens brutal verfolgt, gefoltert und getötet werden.

Gebet:

HERR unser Gott, wir danken DIR, dass wir die Spuren DEINES Reiches unter uns entdecken können und dass DEIN Wille geschieht, überall da, wo Menschen sich in Achtung und Liebe begegnen.

HERR, unser Gott, wir bitten DICH, öffne uns die Augen für das Leben, dessen Zeit DU bestimmst. Lass uns DEINEN Segen spüren und die Schönheit und Freude des Lebens genießen. Hilf uns, das Leid miteinander zu tragen und füreinander da zu sein.

HERR, wir bitten DICH, schenke uns wache Sinne, DEINEN Willen wahrzunehmen: Ohren für DEIN verzeihendes Wort, Augen für DEINE heilenden Hände, Geschmack für DEINE Verheißung.

HERR, unser Gott, stärke DU unser Vertrauen, dass DU uns vorangehst, uns bewahrst und leitest auf dem Weg durch die Zeit und gib uns DEINEN Geist, der uns Mut und Kraft schenkt, Gaben und Zuversicht zu teilen mit denen, die neben uns sind.

Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN