Andachten

Andacht zum 2. Advent, 05. Dezember 2021

Text: Lukas 21,28 (Wochenspruch)

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Gedanken zum Text:

Advent – Gott selbst kommt in unsere Welt. Wann das geschehen wird, bleibt SEIN Geheimnis. Aber wie das geschehen wird, davon erzählt Lukas. Er schreibt vom Ende der alten Welt, wenn sogar der Kosmos aus dem Gleichgewicht kommen wird – und dann dieser Satz: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ Das katastrophale Ende wird kein Ende sein, sondern ein Anfang, besser: der Anfang schlechthin, der Anfang von etwas ganz unerhört anderem, das alles Bisherige in den Schatten stellen wird: Der Anfang des Gottesreiches. Dann müssen die Menschen nicht mehr nach unten sehen, auf den Boden, um keinen falschen Schritt zu machen. Sie können aufsehen, sich aufrichten, erleichtert durchatmen. Jesus, der Menschensohn, wird kommen „in einer Wolke“, – dem alten Bild für den nahen, gegenwärtigen Gott Israels. Wenn der EWIGE uns Menschen nahe kommt, hüllt er sich ein in die Wolke, damit niemand von uns Schaden nehme. Denn kein Mensch lebt, der IHN direkt gesehen hat. Gott wird uns nahe kommen – nicht einfach mit einer Lösung, sondern ER ist die Er-Lösung. Erlösung von allem, was je das Leben bedroht, klein gemacht oder geängstigt hat. ER fängt jede Angst, wirklich jede, mit SEINER Liebe in Jesus Christus auf. Das ist der großartige Ausblick. Das ist die verheißene Zukunft. Große Worte, ein gewaltiges Hoffnungsbild, ohne Zweifel. Zum Träumen geeignet, zum darüber Nachsinnen unbedingt, ganz besonders in düsteren Zeiten. Das Bild weitet den Horizont. Die Worte helfen zu gewichten was mit uns geschieht und erinnern an das, was bleibt, wenn alles ins Rutschen gerät.

Aber dann kommt sie mit Wucht zurück, unsere kleine, oft mühsame und beängstigende Gegenwart. Viel zu groß ist da plötzlich das große Hoffnungsbild, verliert an Farbe und droht zu verblassen. Denn jetzt leben wir, jetzt brauchen wir Hoffnung und Halt, nicht erst am Ende der Zeit. Deshalb stellt Jesus klar: Das Reich Gottes ist schon mitten unter euch – da wo ihr Gott vertraut und euer Leben miteinander und füreinander in SEINEM Sinn gestaltet.

Mariae Verkündigung – Bild im Chorraum der Stadtkirche Pößneck Foto: Privat (J.Reichmann)

Gedanken zum Bild:

Der Advent ist nicht nur die Zeit der Lichter. Er ist ebenso die Zeit der Verheißungen. Ganz profan spiegeln diese sich wider in der freudigen Erwartung der Kinder auf das Weihnachtsfest. Als Christen freuen wir uns mit ihnen und wir wissen auch, warum: Denn hinter allem und über alles hinaus steht die Verheißung, dass der HERR selbst in unsere Welt kommt, mitten in unser Leben, unseren Alltag, unsere Sorgen und Fragen. So wie auf dem Bild der Engel, der Bote Gottes, in den Alltag Marias und der beiden anderen Frauen hinein kommt und ihr den Auftrag des EWIGEN überbringt. Anbetend und demütig stellt der Maler Maria dar – aber sie steht aufrecht, mit nur ganz leicht gebeugtem Knie. Aufrechte Menschen wie sie sind es bis heute, die im Vertrauen auf SEINE Liebe Licht in unsere Welt bringen. Die beiden anderen Frauen im Hintergrund des Bildes sind allerdings auch nicht nur Dekoration. Neugierig sind sie, zweifelsohne, wollen diesen Augenblick um keinen Preis verpassen. Aber mein Eindruck ist: Er berührt sie nicht im entferntesten so, wie er Maria berührt. Sie scheinen die Köpfe zusammen zu stecken und das Geschehen zu kommentieren – und das war´s dann auch schon. Der Advent kann eben auch an einem vorbeigehen, wenn man nicht mit dem Herzen sehen lernen will. Ich vertraue aber fest darauf, dass der HERR die Hoffnung nicht aufgibt mit uns. Das hat ER selbst verheißen: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ (Lukas 21,33) Gut zu wissen, besonders in dieser schwierigen Zeit.

Gebet:

HERR unser Gott, wir möchten gern die Türen und Tore öffnen für DICH, dass DU in unser Leben trittst, in unsere Welt kommst und sie durch DEINE Liebe verwandelst.

HERR, unser Gott, wir bitten DICH, hilf, dass wir beginnen, DICH einzulassen, DEINE Wärme in die Kälte zwischen uns, die in dieser schwierigen Zeit die Herzen erstarren und die Worte scharf wie Schwerter werden lässt.

HERR, unser Gott, wir bitten DICH, hilf, dass DEIN Frieden uns zueinander führt, DEINE Liebe unsere Achtlosigkeit überwindet, mit der wir nebeneinander her leben.

HERR, wir bitten DICH schenke Heil und Leben allen, denen ein menschenwürdiges Leben auf dieser DEINER Erde von anderen Menschen verwehrt bleibt.

HERR, unser Gott, wir spüren, wie sehr wir DICH brauchen in unserer Ratlosigkeit und Verwirrung, DEIN Wort und DEINE Liebe, die uns lebendig machen und den Mut und die Kraft für unseren Weg durch die Zeit schenken. HERR, unser Gott, stärke DU unser Vertrauen, dass unser Leben ein Ziel hat in DEINER Ewigkeit. Zeig denen, die an ein Ende kommen, DEIN neues Licht. Reiche den Sterbenden die Hand und bereite ihnen den Weg zu DIR.

Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN