Andachten

Andacht zum letzten Sonntag im Kirchenjahr, 21. November 2021 (Ewigkeitssonntag)

Text: Offenbarung des Johannes 21.6

Jesus Christus: Ich werde dem Durstigen geben aus der Quelle des Wassers des Lebens umsonst.

Gedanken zum Text:

Mit dem Ewigkeitssonntag geht das Kirchenjahr zu Ende. Wir legen es zurück in Gottes Hand, gedenken aller Abschiede dieses Jahres und bitten um Gottes Nähe in der Gegenwart und Zukunft. Denn so schwierig wie in der Gegenwart war unser Leben über Generationen nicht mehr. Immer noch kein Ende der Pandemie in Sicht, eher das Gegenteil ist der Fall. Die Zahlen explodieren, die Krankenhäuser sind überlastet. „Corona – Tote“ ist ein Wort, dessen erschreckende Dimension wir noch nicht einmal im eigenen Land ermessen können, geschweige denn weltweit. Als ob das nicht schon noch kaum zu ertragen wäre, kommen dazu noch die Krisengewinnler, die gnadenlos an den Preisschrauben drehen, um ihren Reichtum ins Unermessliche zu steigern. Niemand scheint ihnen Einhalt gebieten zu können. Solch einen Druck, solch eine Last hält die Seele nur aus, wenn sie Kraft schöpfen kann, wen sie eine Quelle findet, die sie vor dem Vertrocknen bewahrt, vor dem rücksichtslosen Eigensinn und der Hartherzigkeit. Zugang zu dieser Quelle meinen viele auf dem Weg zu sich selbst zu bekommen, aus eigener Kraft. Mag sein, dass dieser Weg bis nahe heran führen kann – weiter aber nicht. Denn kein Mensch dieser Erde kann sich einfach so Wasser aus der Quelle des Lebens schöpfen, auch wenn das zahlreiche „Life – Coaches“ oder wie auch immer sie sich nennen, forsch behaupten. Das kann nur Gott selber tun. Ihm sei Dank, dass das so ist. Denn so kann jede lebensdurstige Seele zu IHM kommen, ohne Eintrittsgeld oder Kurskosten. Für jeden traurigen, geplagten, verstörten und verbitterten Menschen steht ER bereit, um großzügig vom Wasser des Lebens zu schöpfen. Das Wasser, das Mut und Kraft schenkt, um den Alltag zu bestehen und die Hoffnung zu bewahren. Gerade auch dann, wenn Menschen die Zeit der Trauer durchleben müssen.

Foto: Privat (J.Reichmann)

Gedanken zum Bild:

Auf dem Oberen Friedhof in Pößneck befinden sich zahlreiche beeindruckende Gruften aus der industriellen Blüte der Stadt in der „Gründerzeit“ am Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts. Eher bescheiden nimmt sich dabei diese sehr geschmackvoll gestaltete Grabanlage aus. Eine zarte Frauenfigur aus weißem Marmor kauert mit gefalteten Händen vor einer große, schwarz glänzenden Fläche. Ihr Blick ist vom Betrachter abgewandt und verliert sich irgendwo im Dunkel des Hintergrunds. Poetischer lässt sich die Trauer kaum ausdrücken: Keine Kraft zu stehen oder den Blick zu heben, dem ausgesetzt, was da gerade geschieht, die Gedanken oft rückwärts gewandt in die Zeit, als alles noch gut war, nichts als die Vergänglichkeit vor Augen. Wirklich nichts? Da ist doch das Kreuz, das sich klar vom Dunkel abhebt, in der lebendigsten und wärmsten Farbe des ganzen Grabmals. Aber die Trauer schaut nicht direkt hin. Sie braucht Zeit. Nur wenn sie versucht, den Kopf wieder zu heben, kann sie das Kreuz ganz sehen und die Hoffnung spüren, die von ihm ausgeht. Denn das Kreuz ist leer, der HERR ist auferstanden und öffnet uns den Weg zum ewigen Leben. Das heißt: Ganz leer ist das Kreuz auf diesem Grabmal nicht. Wer genau hinschaut, kann ganz oben eine bronzene Lutherrose entdecken. Damit drückt die Familie ihr Bekenntnis aus, die die Anlage errichten ließ. So ändern sich die Zeiten. Heute ist es schon ein Bekenntnis, wenn auf einem Grabstein ein Kreuz zu sehen ist. Konfessionelle Unterschiede sind kaum noch auszumachen. Das ist aus meiner Sicht aber kein Verlust, eher das Gegenteil: Denn das vielstimmige Bekenntnis zum auferstandenen HERRN vereint uns Christen. Ist es doch die einzige Hoffnung, die stärker ist als der Tod.

Gebet:

HERR unser Gott, wir danken DIR, dass DU uns die Hoffnung auf DEINE Zukunft schenkst, die geborgen ist in den weiten Gedanken DEINER Liebe.

HERR, unser Gott, wir bitten DICH, nimm uns die Angst, die engherzigen Sorgen, das Misstrauen und die Unruhe, die uns bedrängen in dieser Zeit und in dieser unserer Welt.

HERR, unser Gott, wir bitten DICH um Zuversicht und Geduld und um weite Herzen. Vollende, was wir nur schwach vermögen, Frieden und Gerechtigkeit zuerst und bewahre unsere Welt vor unserem Leichtsinn.

HERR, wir bitten DICH besonders für die Verbitterten, für die Lieblosen und Hartherzigen und für die Gleichgültigen. Tritt ein mit DEINER Liebe in ihre Häuser, erwärme ihre Herzen.

HERR, unser Gott, stärke DU unser Vertrauen, dass unser Leben ein Ziel hat in DEINER Ewigkeit. Zeig denen, die an ein Ende kommen, DEIN neues Licht. Reiche den Sterbenden die Hand und bereite ihnen den Weg zu DIR.

HERR, unser Gott, für uns erbitten wir DEINE Gnade und heute auch ganz besonders für alle, die Trauer tragen, dass DEINE Gemeinden und Kirchen ihnen beistehen und sie begleiten.

Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN