Andachten

Andacht zum 1. Advent, 28. November 2021

Text: Sacharja 9, 9b (Wochenspruch)

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer

Gedanken zum Text:

Advent – Gott kommt, damit wir zueinander kommen. In guten Zeiten können wir das wörtlich nehmen, als physische Bewegung aufeinander zu. Gegenwärtig sollten wir damit mehr als zurückhaltend sein. Aber zueinander kommen ist doch auch ein innerer Prozess, oder? Und der ist oftmals noch viel schwieriger als das aufeinander zu Gehen im wörtlichen Sinn. Denn sofort steht die Frage: Wer von uns geht den ersten Schritt? Gibt es nicht meist viele Gründe, den ersten Schritt von dem oder der anderen zu erwarten, ja sogar zu verlangen? Oder zu sagen: Wenn alle mitmachen, dann mache ich auch mit – den ersten Schritt in Richtung Umweltschutz zum Beispiel. Da muss der doch erst mal, bevor ich… Und so lange die nicht, brauche ich doch noch lange nicht… Und wie stehe ich da, wenn ich den ersten Schritt doch mache und abblitze oder mich zum Gespött mache?

Solche und ähnliche Gedanken kennen wir doch alle, wenn wir ehrlich sind, oder? Aber schließlich ist doch Advent! Das heißt doch: Der erste Schritt ist bereits gegangen! Gott geht ihn – und zwar auf mich zu! Gott kommt zu mir, zu jeder und jedem von uns, das ist die alte Verheißung der biblischen Propheten, die für uns in Christus wahr geworden ist. Ich bin IHM offensichtlich nicht zu gering, zu eigensinnig, zu ängstlich, zu oberflächlich oder was IHN sonst noch an mir stören könnte. Nein, IHM sei gedankt! Von Bedingungen ist im Advent nicht die Rede. Es ist wahr, Gott kommt zu mir, zu jedem von uns, auch wenn ich voller Sorgen und trüber Gedanken in dieser schwierigen Zeit bin. ER kommt auf vielen Wegen – im wundervollen Abendrot ebenso wie im nächtlichen Traum, in einem guten Gespräch, das klärt und versöhnt, in einem mir zugesprochenen Wort oder auch im gemeinsamen Schweigen. Advent – Gott kommt, damit wir zueinander kommen, wir gemeinsam Gottes Gegenwart unter uns feiern und uns gerade in diesen schwierigen Zeiten verbunden bleiben – auch mit weniger „Präsenzveranstaltungen“. Gerade dann begegnet ER uns, wenn ER uns die innere Tür öffnet, dass wir zueinander finden. Auf diesem Weg zueinander zu finden ist eine der wichtigsten Aufgaben in dieser Krisenzeit, nicht nur für uns Christenmenschen, sondern für die gesamte Gesellschaft, die sich in bedenklicher Geschwindigkeit auseinander lebt. Kraft und Mut dafür schenkt ER uns. Denn Gott kommt, damit wir zueinander kommen – Advent eben.

Foto: Privat (J.Reichmann)

Gedanken zum Bild:

Der Advent ist unbestritten die Zeit der Lichter. Mögen die Strompreise auch klettern, die Lichterketten in den Vorgärten sind nicht weg zu denken. Es wäre ja auch sehr schade, finde ich. Denn sie leuchten, um ein wenig Behaglichkeit und gute Stimmung zu verbreiten. Das kann ihnen sogar gelingen, wenn ihre Besitzer nicht zur Übertreibung neigen. Mir persönlich ist jedoch ehrlich gesagt das „lebendige“ Licht einer Kerze in einer Laterne oder auf dem Tisch um einiges lieber. Denn es macht die Dunkelheit hell, ohne zu blenden. Es ist kraftvoll und doch sanft und nebenbei wärmt es auch ein wenig. Kein Wunder, dass das Kerzenlicht zum Symbol wurde. Neulich erinnerte sich einer daran: Im Herbst 1989, als die Stimmung schon einmal extrem angespannt war in der untergehenden DDR, da waren Kerzen entscheidend wichtig. Auch auf den Pößnecker Rathaustreppen wurden sie leuchtend abgestellt, als Symbol, als Bitte, dass alles friedlich bleiben möge. Christlich gesprochen: Dass durch Gottes Hilfe Licht ins Dunkel der menschlichen Wutgefühle und des Machtmissbrauchs von welchen Gruppen auch immer und der Freude am Bösen kommt. Vor gut 30 Jahren haben die Kerzen den Weg aus der hoch gefährlichen, zugespitzten Lage im Lande gewiesen. Ob sie es in unseren Tagen noch einmal vermögen? Sicher, die gesellschaftliche Gesamtsituation von damals ist kaum mit der heutigen zu vergleichen. Aber die Spaltungen gehen durch alle Schichten und sehr viele Familien. Miteinander zu sprechen wird immer schwieriger, wenn es nicht schon ganz unmöglich geworden ist. Ist es also nicht an der Zeit, die Kerzen wieder sprechen zu lassen, weil sie keine Worte brauchen?

Gebet:

HERR unser Gott, es ist Zeit, dass DU kommst, damit wir im Licht DEINER Nähe wieder Mut und Kraft schöpfen können. Denn ratlos sind wir und verunsichert. Wir misstrauen einander, sind getrieben von Ängsten und Vorurteilen.

HERR, unser Gott, es ist Zeit, dass DU kommst in unsere Nähe, denn wir haben Unfrieden in unseren Reden und es mangelt uns an Zuversicht.

HERR, unser Gott, es ist Zeit, dass DU kommst und uns die Augen öffnest für die Wege, die uns zueinander führen, für die Gemeinsamkeiten, die wir teilen und für die Unterschiede, die wir achten. Lass uns einander in DEINEM Lichte sehen lernen.

HERR, wir bitten DICH besonders für die Verbitterten, für die Lieblosen und Hartherzigen und für die Gleichgültigen. Tritt ein mit DEINER Liebe in ihre Häuser, erhelle ihre Seelen und erwärme ihre Herzen.

HERR, unser Gott, stärke DU unser Vertrauen, dass unser Leben ein Ziel hat in DEINER Ewigkeit. Zeig denen, die an ein Ende kommen, DEIN neues Licht. Reiche den Sterbenden die Hand und bereite ihnen den Weg zu DIR.

Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN