950 Jahre

2021 | 950 Jahre Krölpa, Hütten und Friedebach (Teil 2)

Aus der Geschichte der Ortskirchen

Die Parochie von Krölpa (umliegende und zu versorgende Dörfer mit Kirchen und Kapellen) wurde 1126 dem Kloster vom Papst Honorius II (1124-1130) bestätigt. Bereits 1074 war die Benediktiner- Abtei St. Peter und Paul in Saalfeld, nach dem Tod der polnischen Königin Richeza (1063) und der Übernahme der Ländereien durch den neuen Erzbischof Anno II (1056-1075), Erzbischof von Köln, der das Amt des Bruder von Richeza (Hermann II, Erzbischof von Köln, 1036-1056) weiterführte, mit Ländereien aus dem Besitz Richezas ausgestattet worden.

1199 erhielt der Landgraf Hermann I. von Thüringen Saalfeld, dem Reichsgut Orla und die Burg Ranis (Castrum Ranis) als Lehen. Während dieser Zeit unterstanden die Dörfer in ihren Obliegenheiten dem Erzbistum Köln.

1208 verpfändete der neue König Otto IV. Die Saalfelder Besitzungen an die Grafen Heinrich und Günther von Schwarzburg.1290 wurden Albrecht und Heinrich von Brandenstein Untervögte des Günther von Schwarzburg.

Es folgen Jahrhunderte, die geprägt sind vom Wechsel der Herrschaft, Streitigkeiten und kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den jeweiligen Herrschaften. Die Verhältnisse und auch die Verpflichtungen der Untertanen und derer, die im Bereich lebten, mussten stets neu geordnet werden.

1342 bis 1346 gab es Krieg zwischen den Thüringer Grafen („Thüringer Grafenkrieg“). Friedrich der Ernsthafte zwang im Weißenfelser Friedensvertrag die Schwarzburger zum Frieden. Die Leuchtenburg und andere Besitzungen im Saaletal gingen an die Wettiner. Mit dem Kriegsende belehnt der Abt Heinrich von Saalfeld Heinrich von Brandenstein für seine treuen Dienste mit Gütern, die in der Abtei Gerichtsbarkeit inne hatten. Es wird vermutet, dass Zella, Crölpa und auch die Öpitzer Kirche dazu gehörten. 1351stellt Landgraf Friedrich der Streng e einen neuen Lehnsbrief an Heinrich von Brandenstein aus.

Der Graf Günther von Schwarzburg erhandelte 1381 etliche Schlösser und Dörfer von seinem Bruder, darunter u.a. „Crölipp“. Acht Jahre später veräußerte er die Herrschaften von Saalfeld und Ranis an die Markgrafen von Meißen.

Albrecht und Eberhardt von Brandenstein schließen 1401 einen Vertrag mit dem Grafen Günther von Schwarzburg über das „Kirchlein von Cella“, dass danach gemeinschaftlicher Besitz beider bleibt.

Wilhelm III (d. Tapfere) (1425-1482), wurde 1445 Herr über Thüringen, ein Jahr später begann der sächsische Bruderkrieg zwischen ihm und seinem Bruder Friedrich den Sanftmütigen, der bis 1451 schwere Verwüstungen anrichtete. Beispielsweise wurde Töpfersdorf zerstört und dann aber wieder aufgebaut.

Nach dem Tod seiner ersten Frau Anna von Österreich (1462), die er verbannt hatte heiratete er seine frühere Mätresse – die Witwe Katharina von Heßberg, die Schwester Heinrichs von Brandenstein. Er vermachte dem Ritter Heinrich von Brandenstein zu Ehren seiner Frau und zur Erhöhung seines Standes alle Besitztümer zu seiner rechten, ewigen und unwiderruflichen Gabe. Damit kam die Burg und Stadt Ranis, aber auch Krölpa und die umliegenden Orte unter seine Herrschaft.

Nach dem Tod Wilhelms III. (1482) führten seine Neffen, die Söhne Friedrich des Sanftmütigen, Herzog Ernst und Herzog Albrecht die Regierung gemeinsam weiter bis 1485 das Land geteilt wurde ( ernestinische und albertinische Linie).

1517 :Der reformatorische Gedanke Martin Luthers zieht auch in unserer Gegend ein.

Um 1525 erheben sich Bauern gegen die Obrigkeiten – auch gegen Pfarrherren der Umgebung, die eine „reiche Pfründe“ bewirtschafteten.

Im Jahre 1520/1529 fanden die erste Kirchenvisitation des Kirchspiels Krölpa statt. Die Pfarrstelle bestand aus einem Pfarrer und drei Kaplänen. Zum Kirchspiel gehörten damals 16 Filialorte: Rockendorf, Trannroda, Schlettwein, Öpitz, Gräfendorf, Seisla, Oelsen, Schmorda ,Wilhelmsdorf, Dobian, Zella, Lausnitz, Birkigt, Herschdorf, Goßwitz, Neidenberga. Kapellen oder Kirchen befanden sich in Rockendorf, Oelsen, Seisla, Schmorda, Wilhelmsdorf, Dobian, Neidenberga.

1571 Die Herrschaft derer zu Brandenstein über Ranis endete mit einem Konkurs der Brandensteiner. Sie mussten drei Teile ihres Besitzes verkaufen. Der Ritter Melchior von Breitenbuch erwarb die Herrschaft Ranis mit Burg und Stadt, dazu die niedere und obere Gerichtsbarkeit. 1574 wurde ein Pfarrregister durch die Pfarrer von Krölpa eingerichtet, in dem alle Bezüge aus Pfarrgütern, Lehen und Zinsen der zugehörigen Dörfer aufgelistet waren und die Veränderungen (Erbschaft oder Verkauf) urkundlich dokumentiert wurden. Die Einkünfte (Lehngeld/ Getreidezinsen/ Zinshühner) kamen aus folgenden Orten: Krölpa, Gräfendorf, Rockendorf, Trannroda, Zella, Oelsen, Kahla, Herschdorf, Alten- Saalfeld, Klein- Dembach, Röblitz, Preßwitz, Altenitz, Langen- Dembach, Rehmen, Moxa, Laskau, Posen, Grobengereuth, Daumitsch, Döbritz, Gertewitz, Bahren und Schlettwein.

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) hinterließ in unserer Gegend Spuren (steigende Preise, Hungersnot, Einquartierungen, Kriegssteuern, Truppendurchmärsche) und auch die Pest.

Die Einwohner der Dörfer versteckten sich im Wald (z.B. Herschdorf). 1640 zogen schwedische Truppen raubend und plündernd durch Krölpa. Im gleichen Jahr wüteten Seuchen wie die Ruhr, Typhus und Blattern. Die Bevölkerung nahm drastisch ab.

1794 brannte das Kirchenschiff der Krölpaer Kirche infolge eines Blitzschlages ab. Bereits zwei Jahre später begann der Neubau. In diesem Zusammenhang wurde der Kirchturm mit einer barocken Turmhaube versehen. Da die Orgel ein Opfer der Flammen wurde, erwarb die Kirchengemeinde 1801 die ehemalige Orgel des Orgelbaumeisters Crapp (1694) aus der St. Kilians- Kirche in Schleusingen.

1806 zogen sächsische, preußische und französische Truppen plündernd durch die Gegend um Pößneck, auch die Dörfer um Krölpa waren betroffen. In der Chronik des hiesigen Pfarrers Müller ist darüber zu lesen. Die Folge waren Hunger, Not und Krankheiten (Kriegspest).

Mit dem Fortschreiten der Industruialisierung und der Ansiedlung von Betrieben in Pößneck und Umgebung nahm die Einwohnerzahl auch in Krölpa zu.

Krölpa wird an die Bahnlinie Gera-Eichicht angeschlossen, welche am 20.12.1871 eingeweiht wurde. 1891 erhielt Krölpa einen Bahnhof (Einweihung: 1.12.1891). Gips und Ziegelsteine, die hier produziert wurden, konnten nun direkt auf Züge verladen werden. 1871 war bereits mit dem Bau des unteren Gipswerkes begonnen worden und seit 1889 wurden Ziegel im Tonwerk produziert.

Im gleichen Jahr wurde der Turnverein Germania Krölpa unter dem Vorsitz von Amandus Querengässer gegründet.

Seit 1889 ist die Schreibweise des Ortsnamens mit „K“, statt mit „C“ versehen.

Aufgrund der Zunahme an Einwohnern machte sich auch eine Vergrößerung der Schule notwendig. Die alte Schule gegenüber der Kirche war zu klein geworden. 1891 kaufte die Schulgemeinde, zu der die Dörfer Krölpa, Rockendorf, Trannroda und Zella gehörte, das Krölpaer „Schloss“. Es wurde in der Folgezeit umgebaut.

1895 baut die Firma H. Genzel eine Webschützenfabrik.

Die Strasse zwischen Krölpa und Öpitz wurde gepflastert und entlang des Fischbachs konnten zwölf Laternen in Betrieb genommen werden.

Seit 1913 bestand eine Gemeindeschwesternstation in Krölpa.

1917 wurden die Bronzeglocken der Kirche abgenommen und für Kriegszwecke verwendet.

14.04.1945: Die barocke Turmhaube wurde durch amerikanische Infanterie abgeschossen, da sie eine Verteidigungsstellung ausgemacht hatten.. Der Turm wurde in den Folgejahren mit einem Notdach versehen.

Am 14.08.1959 werden drei neue Stahlgussglocken auf den Turm aufgebracht. Seit 1961 beobachtet die Kirchengemeinde Rissbildungen im Turm. Daraufhin wurden die Stahlgussglocken abgenommen und in ein Glockenhaus im Pfarrgarten verbracht.

Zwischen 1995 und 1996 wurde die Kirche im Inneren restauriert. Am 6.09.1996 wurde die Kirche wieder eingeweiht und die neue Turmhaube auf den Turm gesetzt Die Gemeinde Krölpa feierte damals ihr 925 jähriges Bestehen.

Am 25.09.1999 wurde die restaurierte historische Orgel wieder eingeweiht. Im gleichen Jahr wurden das Kirchenschiffdach und die Außenfassade erneuert.

Die Fassade des Pfarrhaues und das Dach wurden 2010/11 saniert. Im gleichen Jahr war die Pfarrscheune eingestürzt und wurde in den folgenden Jahren zurückgebaut. Die Dachkonstruktion des Pferdestalls wurde erneuert und dieser mit alten Ziegeln neu eingedeckt. Die Umfassungsmauern der Pfarrei wurden instand gesetzt und mit Ziegeln abgedeckt. Der Garten wurde umgestaltet und neue Bäume und auch Weinstöcke gepflanzt. Die Gemeinderäume konnten 2019 instand gesetzt werden.

U. Thalmann

Quellen: Kirchenchronik, Krölpa- Eine Ortschronik,1998,

A. Blöthner: Sagenhafte Wanderungen im Saale-Orla-Kreis- Bd.IV u. ders. – Landeschronika