Andacht
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Andacht zum 3. Sonntag nach Epiphanias, 24. Januar 2021

Schriftwort: Lukas 13,29 (Wochenspruch)

Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.

Liebe Schwestern und Brüder!

Ein schönes Bild, das uns der Spruch für die Woche vor Augen stellt. Der Traum aller Missionare! Aber es will leider so gar nicht in unsere Zeit passen. Denn zum einen dürften wir sie ja gar nicht alle auf einmal reinlassen, die Menschen aus den verschiedenen Regionen. Die Teilnehmerzahl bei Gottesdiensten ist auf 25 beschränkt und sich am Tisch des HERRN zu versammeln wäre im Angesicht der Pandemie auch keine wirklich gute Idee.

Und zum anderen kommen die Menschen heute überwiegend aus dem Süden zum Tisch des HERRN. Die anderen Himmelrichtungen sind da längst abgehängt, weil immer mehr Menschen dieser Gegenden jetzt schon zu satt sind, um sich noch auf den Weg zum Tisch des HERRN zu machen. Ein schönes Bild ist das trotzdem – nur eben ein hoffnungsvolles Zukunftsbild. Ein Bild, das den Rahmen einer Woche aufsprengt und den Blick frei macht für das große Ganze, für den Lauf der Welt, der nicht zu trennen ist von der kleinen Welt, in der wir gerade leben und der allein in Gottes Hand liegt.

Und das ist die kleine Welt von Sabina. Sie ist klug und denkt sehr schnell. Nur leider kann sie sich nicht so gut auf andere einstellen. Sie versteht nicht, wie sie fühlen. Sie betet oft zu Gott, so gut sie kann. Sie bittet IHN, ein offener, glücklicher Mensch sein zu können. Oder wenigstens den Mut zu haben, es einmal zu probieren.

Aber der gnädige Gott sagte nein. ER legte ihr nur die Hand aufs Herz, sah ihr in den Verstand und strich ihr sanft über den Kopf. Und wenn alles vorbei ist, sagte ER, kommst du zu mir. So ein heller Mensch erfreut mein Herz.

Noch eine andere: Die kleine Welt von Abdel. Die ist wirklich klein, so klein wie Abdel selbst. Flink ist er und geschickt. Nur leider viel zu kurz geraten. Er betet oft zu Gott, so gut er kann. Er bittet IHN, ein selbstbewusster und zufriedener Mensch sein zu können. Oder wenigstens nicht mehr ausgelacht oder übersehen zu werden. Aber der gnädige Gott sagte nein. ER legte ihm nur die Hand aufs Herz, umarmte ihn und strich ihm sanft über den Kopf. Und wenn alles vorbei ist, sagte ER, kommst du zu MIR. Es wird MIR eine Freude sein.

Sabina wird kommen und Abdel auch und viele andere, denen es ähnlich ergeht wie ihnen – wenn alles vorbei ist. Von Osten und Westen und Norden und Süden – aus ihren kleinen Welten und aus den einsamen, finsteren Ecken. Sie kommen, wie sie sind, wie der EWIGE sie geschaffen hat mit ihren Stärken und Schwächen. Ihr seid, wie ihr seid, sagt der HERR und MEIN Angesicht leuchtet über euch und auf euch und durch eure Gesichter, durch das, was ihr seid. Und wenn alles vorbei ist, macht ihr MIR die Freude und kommt an MEINEN Tisch.

Wenn alles vorbei ist werden wir dort sein, in SEINER Geschichte der Tafelrunde. Eine lange Tafel wird es sein, festlich geschmückt. Alle sitzen am Tisch. Und Sabina lacht fröhlich mit den anderen und hält sogar eine witzige Tischrede. Abdel genießt die Anerkennung der anderen, wenn er etwas sagt, denn sie hören ihm aufmerksam zu. Viele sind hier, manche von ihnen schon sehr lange, andere kommen hinzu. Alle werden herzlich begrüßt und freundlich aufgenommen, auch wenn mit ihnen früher nicht gut Kirschen essen war.

Und SEIN Angesicht leuchtet im Widerschein ihrer Gesichter. Das ist die Geschichte SEINER Tafelrunde, wenn alles vorbei ist – und alles anfängt in SEINEM Reich. Wenn der Heilige Geist die Menschen erfüllt. Ein hoffnungsvolles Zukunftsbild, das ausstrahlt in unsere Gegenwart. Wir leben als Christen also von der Zukunft her und auf die Zukunft hin. Das ist eines der Geheimnisse des Glaubens, das Mut macht und Kraft schenkt auch für diese Woche und die Wochen danach, in denen jeder Tag seine eigene Last haben wird, auch nach der Pandemie.

Wenn diese vorbei ist, werden wir so Gott will wieder ohne Angst vor Ansteckung in der Gemeinschaft um den Tisch des HERRN versammelt sein in den Gemeinden und dabei im Heiligen Geist verbunden sein über alle Konfessionsgrenzen und Frömmigkeitseigenheiten hinweg.

Kluge Leute überlegen schon eine ganze Weile, wie Corona unser Zusammenleben verändern wird. Werden wir näher zusammenrücken? Wir sollten es als Christen zuerst versuchen. Denn Gott sieht uns alle an, legt uns die Hand aufs Herz, streicht uns sanft über den Kopf. Und wenn alles vorbei ist, sagt ER: Kommt zu MIR, es ist MIR eine Freude.

Amen

Gebet

HERR, ewiger Gott, wir danken DIR für alles, was das Leben schön macht und für die kleinen Wunder der Freundlichkeit in diesen angespannten Tagen.

HERR, wir bitten DICH darum, dass auch durch unser Tun und Reden sich DEINE Quelle öffnet für die, die Halt suchen und fragen nach Sinn.

HERR, wir bitten DICH, sei mit DEINEM guten Geist denen nahe, die weinen, die ratlos verstummen oder allein zurückgelassen werden.

HERR, wir bitten DICH für uns alle, dass wir durch ein Lächeln, ein gutes Wort oder eine beruhigende Hand ein wenig von DEINER Zukunft schon heute verschenken können.

HERR, wir bitten DICH, lass DICH erleben als der, der Vertrauen weckt, wo alle Türen verschlossen sind, der Freude schenkt, wo Kummer wohnt. Zeig DICH als der, der uns und unsere Welt heilt.

Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel

geheiligt werde Dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit

Amen

Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

AMEN