Andachten

Andacht zum Sonntag Exaudi (6. Sonntag
nach Ostern) 16. Mai 2021

Von Pfarrer Jörg Reichmann Pößneck

Schriftwort: Psalm 27, 1 + 7
Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?
Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?
HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und erhöre mich!

Gedanken zum Text:
Hoffnung braucht es in unserer Zeit und Gottvertrauen.
Nicht nur die Hoffnung, dass die sinkenden Zahlen das Ende der dritten Pandemie –
Welle anzukündigen scheinen und viele Beschwernisse bald wieder entfallen könnten. Es
braucht mehr als die Hoffnung, dass die Folgen der Seuchenkrise beherrschbar bleiben und auf
einigermaßen gerechte Weise bewältigt werden können. Es braucht das große Vertrauen, dass
unsere Zukunft, ja, die Zukunft jedes einzelnen, in Gottes guten Händen liegt.
Solch ein erstaunliches Gottvertrauen spricht aus den ersten Worten dieses Psalms. Nicht nur
kritische Geister fragen sich umgehend: Steht der Beter (oder auch Sänger, denn die Psalmen
hatten ursprünglich alle Melodien) mit beiden Beinen im Leben? Weiß er von der Härte des
Schicksals, das Menschen völlig aus der Bahn werfen kann? Wie die plötzlich festgestellte tödliche
Krankheit, für die es keine Heilung mehr gibt, weil sie sich ohne Warnzeichen im Körper
schon viel zu weit ausgebreitet hat? Oder das unerwartete Ende der so sicher geglaubten Beziehung,
das die Welt auf den Kopf stellt? Kennt der vollmundig Singende das „wirkliche“ Leben,
in dem es rau und unbarmherzig zur Sache geht, mit Gerüchten, Intrigen und Schlimmerem?
Die Antwort lautet: Ja, und ob! Zum einen ist der Psalmsänger kein Traumtänzer, dem es auf
einer friedlichen Insel an nichts fehlt und der sich in seinen Wohlfühlglauben kuschelt. Er
kennt sich aus, hat am eigenen Leib die Attacken seiner Feinde ertragen müssen. Sein Gottvertrauen
ist gewachsen aus den Erfahrungen seines Lebens, in denen er vor der Verzweiflung
und dem Untergang bewahrt wurde. So kann er voller Gewissheit sagen: Der HERR ist mein
Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft;
vor wem sollte mir grauen?

Und zum anderen verfällt der Psalmsänger aufgrund seiner guten Erfahrungen nicht in eine
trügerische Sicherheit. Er weiß, dass er auch weiterhin auf den Beistand und die Hilfe des
HÖCHSTEN angewiesen sein wird. Das Leben wartet mit immer neuen Herausforderungen auf,
es bleibt spannend bis zum Schluss, nicht nur im Hinblick auf das persönliche Ergehen. Deshalb
können wir gemeinsam mit dem Sänger des Psalms bitten: HERR, höre meine Stimme, wenn
ich rufe; sei mir gnädig und erhöre mich!



Gedanken zum Bild :
„Himmelsschlüsselchen“ wird dieser kleine Frühjahrsblüher im Volksmund genannt, der auf
naturbelassenen Wiesen zu finden ist. Ein schöner und passender Name, finde ich. Wie das
Blümchen zu seinem Namen kam, erkläre ich mir so: Zum einen erinnert der manchmal fast
rechtwinklig vom Stängel abstehende Blütenkelch an einen altmodischen Bartschlüssel. Und
zum anderen leuchtet die kleine Blume auf der Frühlingswiese weithin sichtbar in einem beinahe
goldenen Ton. Ein zartes, goldenes Schlüsselchen also, für eine ganz besondere Tür – die
Himmelstür. Hinter dieser Tür sahen unsere Vorfahren den Ort der Vollkommenheit, den Paradiesgarten
mit den schönsten Blumen und Früchten. Wer´s nicht glaubt, der schaue sich
einmal die gotischen Deckenmalereien in den Kirchen an, die davon erzählen. Auch für weniger
poetische Mitmenschen ist diese kleine Blume schön. Denn wenn sie blüht, ist der Winter
vorbei. Das Leben erwacht neu und die Menschen freuen sich an der Schönheit der Schöpfung
– vorausgesetzt, sie haben einen Sinn dafür.
Möge der HERR uns besonders in diesem Frühjahr die Augen dafür öffnen.

Gebet:
HERR, unser Gott, allem, was Angst macht und
einschüchtert in unserem Leben und in unserer
Welt, überwinde mit DEINER Güte und Liebe.

HERR unser Gott, der Geist DEINES Sohnes
Jesu Christi belebe uns und setze Zeichen der
Hoffnung bei allen Menschen, die sich nach
Frieden sehnen.

HERR, unser Gott, wir klagen DIR Gewalt und
Not in unserer Welt, vor allem auch im Heiligen
Land. Die Verbitterten auf allen Seiten lass erkennen,
dass Mord und Totschlag niemals eine
Lösung sein können.

HERR, unser Gott, wir bitten DICH, wehre dem
Hass auch unter uns und brich die Rücksichtslosigkeit
auf durch nachdenkliche Demut.

HERR, unser Gott, nimm unser Gebet auf
DEIN Herz und hilf, dass es besser mit uns und
DEINER Welt werde. Amen
Beten wir das Vaterunser:

Vater unser im Himmel
geheiligt werde Dein Name
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden
Unser tägliches Brot gib uns heute
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir
vergeben unseren Schuldigern
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse
uns von dem Bösen
Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die
Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen
Es segne uns der allmächtige und barmherzige
Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
AMEN