Archiv | Andachten 2021

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    Andacht zum 17. Sonntag nach Trinitatis, 26. September 2021

    Text: Epheserbrief 1, 18 (Lehrtext der Herrnhuter Losungen für den Sonntag)

    Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von IHM berufen seid.

    Gedanken zum Text:

    Viele Worte der Bibel strahlen von innen heraus, schenken Licht und Zuversicht. Sie verschaffen uns eine andere Perspektive auf uns selbst, unsere Mitmenschen und unser Leben und erweitern damit unseren Horizont. Dieser Vers aus dem Brief eines unbekannten Apostels an die Gemeinde in Ephesus gehört ohne Zweifel dazu. Er macht uns Mut, „mit dem Herzen zu sehen“, zugewandt und verständnisvoll auf uns, unsere Mitmenschen und unsere Welt zu schauen. Das ist ganz bestimmt eine gute Idee, das Leben entspannter und gelassener zu meistern gerade in dieser Zeit. Doch der Apostel weiß, dass wir damit nicht sehr weit kommen, wenn wir es nur aus eigener Kraft versuchen. Denn sehr schnell bringt uns so manches und so mancher an die Grenzen unseres Verständnisses. Ganz davon zu schweigen, dass wir längst nicht allen offen und zugewandt begegnen – nicht zuletzt, weil uns unsere eigenen Vorurteile oft genug im Wege stehen. Deshalb sind die Worte des Apostels keine Aufforderung an uns, sondern eine Bitte an Gott. ER möge „die Augen unseres Herzens“ erleuchten. Ja, SEIN Geist muss unsere Herzensaugen erleuchten, damit es mehr sehen kann als die eigenen Sorgen und Bedürfnisse. Oder dass es nicht gleichgültig und abgestumpft vor sich hin pocht. Dann ist es nicht mehr weit und die Augen des Herzens erblinden und es bleibt nichts als Bitterkeit und Finsternis. Der gute Geist Gottes kann uns davor beschützen, wenn ER die Augen des Herzens erleuchtet. Erleuchtete Augen sehen klar, können erkennen, worauf es wirklich ankommt, lassen sich nicht mehr ablenken und können sogar wahrnehmen, was dem flüchtigen Blick verborgen bleibt: Dass jeder, der Gott vertraut, sich keine bohrenden Fragen zum Sinn seines Lebens zu stellen braucht. Denn den Sinn hat der HERR schon geschenkt. Der Apostel spricht noch deutlicher von „Berufung“, von unserem Auftrag: Nämlich als Christen Hoffnungsboten zu sein in dieser Welt und in unserer Zeit mit unseren Möglichkeiten und Grenzen. Jede und jeder auf ganz eigene Art, laut und leise, sich gegenseitig ergänzend zu einem großen Chor zum Lobe Gottes und zum Wohle der Menschen.

    Gedanken zum Bild:

    Es müssen nicht immer die großen Worte sein, die lauten Töne, die das Lob des EWIGEN anstimmen. Sicher, die sind meist sehr eindrucksvoll und gehören unbedingt dazu. Eine festlich geschmückte Kirche zur Konfirmation wie am Sonntag in Pößneck oder an den kommenden Sonntagen zu den Erntedankfesten in den Kirchen der Region möchte keiner missen. Aber viel öfter sind die Worte des Gotteslobs kurz und der Ton wird zum Flüstern, wenn der Alltag zu bestehen ist oder sich die Sorgen häufen. Und dennoch ist das Gotteslob für manche gerade in seiner leisen Form viel eindrücklicher, weil persönlicher. Es kann nicht immer der prachtvolle Blumenstrauß sein, oft genug ist es die kleine Blüte in ihrer Schönheit – und die doch von der Hoffnung spricht, dass der Schöpfer uns die Freude am Leben schenkt.

    Gebet:

    HERR unser Gott, wir danken DIR, dass DU mit uns gehst, wenn wir unsere Tage gestalten. DU sprichst uns an mit DEINEM guten Wort, das uns DEINE Liebe erkennen lässt für uns und unsere Welt.

    HERR, wir bitten DICH, hilf uns zu hören, zu folgen und Zeichen DEINES Wirkens zu werden mit klaren Worten und warmem Herzen, mit verständnisvollem Reden und hilfsbereiten Händen.

    HERR, wir bitten DICH für DEINE Kirche in ihren verschiedenen Gemeinden, die DEIN Wort hörbar macht in dieser Welt. Bewahre sie in DEINER Gnade der Klarheit und Treue, des geschwisterlichen Umgangs miteinander und der gegenseitigen Anerkennung und Anteilnahme.

    HERR, wir bitten DICH für alle Menschen, die unsicher geworden sind und ängstlich in dieser Zeit der Herausforderung und die sich fürchten vor der Zukunft. Stelle ihnen Menschen zur Seite, die Hoffnung und Zuversicht schenken können.

    Sei bei allen, die in unserem Land Verantwortung übernehmen in Politik und Verwaltung und geleite sie in ihren Entscheidungen in DEINEM Geist.

    HERR, unser Gott, achte auf unser Gebet und hilf, dass wir auf DEIN Wort hören, das uns stärkt, zu trösten, Hoffnung zu schenken und Zuversicht und die Kraft, mitzubauen an DEINEM Reich.

    Erbarmender Gott, erhöre uns. Amen

    Beten wir das Vaterunser:

    Vater unser im Himmel

    geheiligt werde Dein Name

    Dein Reich komme

    Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden

    Unser tägliches Brot gib uns heute

    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

    Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

    Amen

    Es segne uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

    AMEN

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    Andacht zur Woche vom 10.-16.1. 2021 (erste Woche der ökumenischen Gebetswochen in unserer Region)

    Schriftwort: 5. Mose 6, 20+21; 24+25 (aus der Allianzgebetswoche 2021)

    Wenn eure Kinder später fragen, wozu all die Weisungen, Gebote und Rechtsbestimmungen gut sind, die ihr vom HERRN, eurem Gott, bekommen habt, dann gebt ihnen zur Antwort: »Als Sklaven mussten wir dem König von Ägypten dienen, doch der Herr befreite uns mit seinem starken Arm. ER hat uns befohlen, IHN, unseren Gott, ernst zu nehmen und alle diese Gebote zu befolgen, damit es uns gut geht und ER uns am Leben erhalten kann, wie das heute tatsächlich der Fall ist. Unser Tun findet beim HERRN Anerkennung, wenn wir alles genau befolgen, was ER, unser Gott, uns befohlen hat.«

    Gedanken zum Text

    „Lebenselixier Bibel“ ist das Motto der Allianzgebetswoche 2021, das auf gut reformatorischem Fundament steht. Bei Luther hieß das „ad fontes“ – (zurück) zu den Quellen. Damals eine Zeit, in der kaum einer aus dem Volk die Bibel lesen konnte, aber gleichzeitig vielfältige kirchliche Traditionen und eine phantasievolle Volksfrömmigkeit das Leben aller bestimmte. Heute eine weitgehende Unkenntnis über die Bibel in der Bevölkerung und individualistische Lebensgestaltung statt Traditionen. Höchste Zeit also, die Bibel (wieder) mehr ins Gespräch zu bringen und sich auf Entdeckungsreise in ihre Welt zu begeben. Der Text aus dem 5. Buch Mose ist ein Souvenir einer solchen Reise. Ein Mitbringsel, das man vor Ort wohl ganz nett fand. Zuhause wieder angekommen, stellt man aber fest: So richtig passt es nicht. Zumindest nicht zu dem, was wir uns als evangelisch geprägte Christen noch von biblischen Entdeckungsreisen mitgebracht haben. Denn hier heißt es: „Unser Tun findet beim HERRN Anerkennung, wenn wir alles genau befolgen, was ER, unser Gott, uns befohlen hat.“ Das passt doch nicht zu Paulus, der im Römerbrief (4,13) schreibt: Gott hat Abraham und seinen Nachkommen versprochen, dass sie die ganze Welt als Erbbesitz erhalten. ER gibt ihnen dieses Versprechen aber nicht, weil sie das Gesetz befolgen. ER gibt es ihnen, weil ER sie aufgrund ihres Glaubens als gerecht annimmt.“ (Basis Bibel) Also allein der Glaube, das Vertrauen bewirkt, dass Gott uns anerkennt. Aber beides steht in der Bibel, weil der HERR es ist, der weiß, wie verschieden SEINE Menschen sind und ihre Art zu glauben. Die Heilige Schrift zu lesen und zu bedenken hilft uns, diese Vielfalt der Glaubenswege und Frömmigkeiten als SEINEN Willen zu erkennen. Ein außerordentlich wichtiger Impuls nicht nur in unserer Zeit, sondern auch dann, „Wenn eure Kinder später fragen…“

    Winterwald - im Winter

    Gedanken zum Bild:

    Winterschlaf – endlich mal wieder Schnee auch im Orlatal. Alles eingefroren, um die Zeit bis zum Frühlingserwachen zu überdauern. Das Bild passt gut in die Pandemiezeit. Viele Menschen haben das Gefühl, durch die notwendigen Maßnahmen in einer Art „Winterschlaf“ zu sein. Das löst sicher unterschiedliche Gefühle aus. Aber mir gefällt das Bild sehr gut, da es eine entspannte Ruhe ausstrahlt. Etwas anderes als Abwarten auf den Frühling hat keinen Sinn, ja wäre sogar gefährlich für die Pflanzen und Bäume. Geht es uns nicht auch so? Alles andere als Geduld zu haben hat keinen Sinn, ja kann sogar gefährlich werden? Möge der HERR uns die Kraft dafür schenken.

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    Andacht zu Neujahr 2021

    Schriftwort: Lukas 6,36 (Jahreslosung)

    Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

    Liebe Schwestern und Brüder!

    Zu Beginn des neuen Jahres 2021 vernehmen wir die Worte: Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

    Mein erster Impuls ist: Das hört sich gut an. Zumindest für mich, der ich das alte Wort „barmherzig“ noch verstehen kann, das nur noch im „innerkirchlichen Dienstgebrauch“ verwendet wird. Außenstehenden müsste ich es übersetzen. Aber das ist nicht leicht. „Verständnisvoll“ könnte passen, „geduldig“ ebenso, „gütig“ und „freundlich“, „aufmunternd“ und „nachsichtig“ – und noch viel mehr. Und doch trifft keines den ganzen Sinn des Wortes „barmherzig“.

    Ich bleibe dabei: Das hört sich gut an als Leitwort für das neue Jahr, auch wenn es schwer zu fassen ist. Denn unser Zusammenleben könnte ruhig ein wenig mehr Barmherzigkeit vertragen, meinen Sie nicht auch? Vielleicht würde die ja helfen gegen die vielen verdeckten Spannungen, die durch die Krise immer offener zutage treten?

    Aber wenn schon das Wort „barmherzig“ nicht mehr zu finden ist im allgemeinen Sprachgebrauch, wie sieht es dann mit der Umsetzung aus im alltäglichen Leben? In dem es mehr als genug Minenfelder gibt – und es wäre ein Wunder, wenn wir im neuen Jahr nicht auch wieder hinein stolperten! Wie sagt schon ein altes Sprichwort: „Es kann der Frömmste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Barmherzig sein, wenn der andere nicht aufhört zu sticheln – auf Arbeit, in der Schule, im Mehrfamilienhaus, über den Zaun? Oder wenn der andere mir krass die Vorfahrt nimmt? Wie soll das gehen?

    Oder in den Gemeinden? Barmherzig sein, wenn einige auf Traditionen pochen und andere sie nur als unnötigen Ballast betrachten? Oder in den Familien? Barmherzig sein, wenn jeder nur seinen Stiefel macht? Klar, das ist nur eine kleine Auswahl der allgegenwärtigen Minenfelder, die hinter der nächsten Ecke schon wieder auf uns warten. Die Frage ist: Wie kommen wir da durch? Ist die Barmherzigkeit ein guter Wegweiser? Ist es nicht besser, sich zu wehren? Klüger und cleverer zu sein als die, die einem das Leben schwer machen, die so komisch sind, so dämlich, so völlig hinterm Mond oder so durchtrieben, eben ganz anders als wir selbst? So funktioniert doch die Welt: Der Schlaueste hat die besten Chancen, oder?

    Ist die Schlauheit also ein besserer Wegweiser durchs Minenfeld? Bestimmt nicht. Denn ich kann schlau sein wie ich will – es braucht bloß ein Reizwort zu fallen oder mir diese oder jener über den Weg zu laufen – schon fällt das Visier und ich reagiere nach einem bestimmten Muster. Und das geschieht so schnell, dass es mir weder bewusst wird noch dass ich gar darüber nachdenken würde. Da bin ich kein Einzelfall. Jede und jeder von uns trägt solche Reaktionsmuster in sich, geprägt in der frühen Kindheit oder sogar geerbt von den Vorfahren. Diese Muster aktivieren wir entsprechend der Situation – und schon fliegt uns im Minenfeld wieder einmal alles um die Ohren und wir haben eine ganze weile mit der Schadensbegrenzung zu tun.

    Da könnte man doch glatt denken: Um wie vieles einfacher wäre das Leben, wenn alle gleich tickten, denn Gleiches gesellt sich doch gern mit Gleichem, oder? Dann würde das Zusammenleben endlich stressfrei und angenehm. Ob das klappt? Zum einen bleibt das eine Fantasie, denn die anderen sind eben anders und werden es auch bleiben. Und zum anderen: Dann hätten auch alle anderen die gleichen „Aufreger“ und die gleichen „Antworten“ darauf – ob das entspannter wäre, denke ich nicht. Im Material für eine Friedensdekade vor einigen Jahren fand ich mal einen sehr nachdenkenswerten Spruch, der hieß: Lieber Gott, DU weißt, dass einer von meiner Sorte genug ist.“

    Wir müssen lernen, miteinander auszukommen und miteinander umzugehen. Dabei sagt die Erfahrung: Das ist anstrengend! Sich auf andere Menschen einzustellen, bedeutet immer wieder anstrengende Arbeit. Viel bequemer ist es, sie in Schubladen einzusortieren und nur mit denen zu reden, die meine Ansichten und meine Meinung teilen. Aber dann wird das nichts mit der Barmherzigkeit. Dann bleibt sie ein Fremdwort.

    Lassen wir uns aber auf die Anstrengung ein, kann sie sogar zu einem Ergebnis führen, das wir so noch nicht erlebt haben. Es ist ein weiter Weg bis dorthin, für den ein kurzes Jahr wohl kaum ausreichen wird. Aber er lohnt sich.

    Er beginnt wie jeder Weg mit dem ersten Schritt – nicht ins Ungewisse, sondern auf uns selbst zu. Diesen ersten Schritt gehen wir nämlich nicht selbst. Diesen ersten Schritt geht Gott – auf uns zu in SEINER Barmherzigkeit und Liebe. ER schenkt uns das Leben und die Möglichkeit, es zu gestalten, unsere Gaben und natürlich auch unsere Grenzen. Und ER traut uns zu, dass wir das Beste daraus machen können. Das ist die Voraussetzung, die Grundlage. Sonst kämen wir keinen Schritt voran und blieben hängen an unseren Stereotypen und Vorurteilen. Denn wir können ja nur lieben und andere barmherzig aushalten, wenn wir uns selbst als geliebt und angenommen erfahren können. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, sagt der barmherzige Gott zu jeder und jedem von uns. „Liebe deinen Nächsten und dich selbst“, dürfen wir hören. Denn am Anfang des Weges und bei jedem Schritt den du gehst, reicht dir der HERR die Hand, damit du dich so annehmen kannst, wie du bist und dir zutraust, dich auf den Weg zu machen. Denn eines ist gewiss: Mag der andere dir auch das Leben auf welche Art auch immer schwer machen – er hat niemals die Chance, dir die Liebe Gottes zu rauben. Was auch geschieht, keine Macht der Welt kann uns trennen von der Liebe Gottes.

    Und mit Gottes Hilfe trauen wir uns, den zweiten Schritt zu gehen: Auch wieder auf uns zu. Denn wir müssen auch auf uns selbst hören lernen. Ja, Sie haben richtig gelesen, liebe Schwestern und Brüder. Mir selbst zuhören lernen: Wie rede ich? Was denke ich in den Situationen, die mich aufregen? Was kommt wann in mir zum Klingen, in welchen Klangfarben oder Geräuschen? Und welchen Akkord wähle ich als Antwort aus? Denn das ist die Erkenntnis aus dem Zuhören: Ich kann auswählen! Ich muss nicht immer mit den gleichen Stimmen und Tönen reagieren. Ich kann die Stimmen meines inneren Orchesters dirigieren, den Einsatz geben und immer neue Varianten ausprobieren. Das überrascht mich selbst und die anderen und befreit ungemein. Ich werde freier, entspannter, möglicherweise sogar barmherziger…

    nach dem zweiten fällt der dritte Schritt schon viel leichter: Nach dem Hören kommt das Sehen, das Hinsehen lernen. Und jetzt erst kommt der andere in den Blick. Weit verbreitet ist der Spruch: „Wir glauben nur, was wir sehen.“ Aber in Wahrheit ist es genau umgekehrt: „Wir sehen in der Regel nur das, was wir von vorneherein schon glauben.“ Glauben Sie nicht? Dann fragen wir Jesus.

    Der erklärt es in einem einzigen Satz – in dem vom Splitter im Auge des anderen und dem Balken im eigenen Auge: An dem, was du schon in dir trägst (den Holzbalken), kannst du nicht wirklich vorbei sehen. Deshalb siehst du auch beim anderen nichts anderes als Holz (den Splitter). Und so wird der andere in unseren Augen plötzlich ein Holzkopf – und schon ist das Feindbild fertig, das den Menschen verdeckt, der uns gegenüber steht.

    Mit Feindbildern rede ich nicht. Vor denen muss ich mich schützen. Deshalb höre ich ihnen auch nicht zu. Denn ich weiß ja, was sie sagen. Da kann nichts Gutes kommen. Und schon ist meine Welt wieder ganz einfach, schwarz und weiß getrennt und ich bleibe in meinen Denkmustern gefangen. Wenn ich aber den Weg weitergehen will, bleibt mir nichts anderes übrig, als hinter dem Feindbild den Menschen zu sehen und ihm eine Chance geben, gehört zu werden. Zu hören und zu sehen, welche Gründe er haben mag für dieses oder jenes Verhalten. Denn auch er ist ein Mensch, ein Kind Gottes, so schwer mir das vielleicht auch fallen mag, in dieser Situation zu erkennen. Gelingt mir das, werde ich freier, friedlicher, vielleicht sogar barmherziger…

    Ich gehöre allein zu Gott – und nicht meinem Ärger oder den Sorgen des neuen Jahres. Darauf kommt es an. Wie sich das zeigt im Alltag? Vielleicht gebe ich nicht nur mir, sondern auch der anderen Person mehr Raum – gehe ihr vielleicht eine Weile aus dem Weg – oder zähle innerlich bis zehn, bevor ich antworte. Vielleicht noch besser: Vor der Antwort eine kurze Bitte an den HERRN: HERR hilf! – dann hat ER plötzlich Raum und öffnet meinen Blick – vielleicht auch für die Sicht des anderen, wer weiß?!

    Das ist auch im neuen Jahr eine gute Idee: Für die Menschen zu beten, die es uns schwer machen. Denn dann geben wir der Barmherzigkeit Gottes in unseren Gedanken und Gefühlen den weitesten Raum. Machen wir im Übrigen in jedem Gottesdienst, wenn wir das Vaterunser beten – den Satz mit der Schuld und den Schuldigern.

    Der Weg durch das neue Jahr liegt vor uns. Wird er für uns zum Weg hin zur Barmherzigkeit im Leben miteinander werden? Das schenke uns Gott, der Barmherzige. Darum bitten wir IHN von ganzem Herzen.

    Amen